Lehrt die Bibel, dass den Ältesten gemeldete Sünden und Verbrechen vertraulich behandelt werden müssen?
Älteste und Wachtturm-Anwälte haben in neueren Gerichtsprozessen versucht zu behaupten, die Bibel sage, Älteste MÜSSTEN um jeden preis VERBRECHEN VERTRAULICH BEHANDELN!
Doch sie können das absolut nicht mit einer Bibelstelle beweisen, und es widerspricht AUCH dem, was Mario Moreno selbst in der Vergangenheit gegenüber den Medien gesagt hat. Man beachte das folgende Zitat aus einer Zeitung:
Zitat aus der Zeitung " Louisville Courier-Journal" (Kentucky), 4. Januar 2001
"Wenn es ein Gesetz gibt, das eine Anzeige zur Pflicht
macht, dann hat dies Vorrang vor jeder Vertraulichkeit, ob in der
Verfahrensweise der Kirche oder in ihren Statuten", sagte Mario Moreno,
stellvertretender Generalanwalt der Watch Tower Bible and Tract
Society, einer Rechtskörperschaft der Kirche.
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Mario Moreno (Wachtturm-Anwalt) sagte, in der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas hätten weltliche Gesetze Vorrang vor JEGLICHER Vertraulichkeit.
Wenn nun die Vertraulichkeit ein solch extrem wichtiges "Gebot Gottes" für die Ältesten ist, warum verletzen sie dann die Vertraulichkeit in (Bundes)staaten, in denen eine Anzeige bei der Polizei erforderlich ist?
Man beachte auch die folgernde Bibelstelle (Neue-Welt-Übersetzung):
1. Korinther 5:1-5: Tatsächlich wird von Hurerei unter EUCH berichtet und von einer solchen Hurerei, wie es sie selbst nicht unter den Nationen gibt, daß ein gewisser [Mann] die Frau [seines] Vaters hat. Und IHR seid aufgeblasen und habt nicht vielmehr getrauert, damit der Mann, der diese Tat begangen hat, aus EURER Mitte entfernt werde? Ich für meinen Teil habe, obwohl dem Leib nach abwesend, im Geist aber anwesend, den Mann, der auf eine solche Weise gehandelt hat, sicherlich bereits gerichtet, als wäre ich anwesend, so daß IHR im Namen unseres Herrn Jesus, wenn IHR und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid, einen solchen Menschen zur Vernichtung des Fleisches dem Satan übergebt, damit der Geist am Tag des Herrn gerettet werde.
Man beachte, dass der Apostel Paulus der GANZEN VERSAMMLUNG sagte, worin die Sünden des Mannes bestanden. Er kümmerte sich dabei nicht um "Vertraulichkeit".
Paulus nannte in der Bibel sogar die Sünde dieses Mannes, nachzulesen von MILLIARDEN Menschen seit TAUSENDEN von Jahren!
Für mich hört es sich nicht so an, als sei Paulus wegen der schweren Sünde des Mannes um "Vertraulichkeit" besorgt gewesen.
Man beachte auch die folgernde Bibelstelle (Neue-Welt-Übersetzung):
Galater 2:11-14: Als Kẹphas jedoch nach Antiọchia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er verurteilt dastand. Denn bevor einige von Jakobus gekommen waren, aß er gewöhnlich mit Leuten von den Nationen; aber als sie eintrafen, schickte er sich an, sich zurückzuziehen und sich abzusondern aus Furcht vor denen aus der Gruppe der Beschnittenen. Auch die übrigen Juden schlossen sich ihm in seiner Verstellung an, so daß sogar Barnabas durch ihre Verstellung mitgerissen wurde. Als ich aber sah, daß sie nicht den geraden Weg gemäß der Wahrheit der guten Botschaft wandelten, sagte ich vor ihnen allen zu Kẹphas: „Wenn du, obwohl du ein Jude bist, so lebst wie die Nationen und nicht wie Juden, wie kommt es, daß du Leute von den Nationen nötigst, gemäß jüdischem Brauch zu leben?
Man beachte: Paulus wies Kephas (Petrus) vor der GESAMTEN VERSAMMLUNG zurecht und berichtigte ihn!
Ganz sicher gab es keine "vertraulichen" Rechtskomiteesitzungen.
Es folgen jedoch einige Wachtturm-Zitate, in denen behauptet wird, diue Bibel sage, sie MÜSSTEN VERBRECHEN VERTRAULICH BEHANDELN:
Zitate aus dem Wachtturm, 1. August 1977, Seiten 479-480:
Gottes
Wort erlegt der Christenversammlung jedoch nicht die Verpflichtung auf, sich
durch ihre Aufseher mit allen Einzelheiten des bürgerlichen Rechts und des
Strafrechts vertraut zu machen, um diese Gesetze durchsetzen zu können. Das ist
aus der Art und Weise zu erkennen, wie Paulus im Fall des Onesimus handelte. ...
In Rom kam Onesimus als ein entlaufener Sklave
(lateinisch: fugitivus) mit Paulus in Berührung, wurde ein Christ und
diente Paulus.
... Man beachte, daß der Apostel Paulus, während
sich Onesimus in Rom aufhielt, ihn nicht den römischen Behörden übergab,
damit er als ein entlaufener Sklave und möglicherweise als ein Dieb bestraft
wurde. Aus den Schriften des Paulus wissen wir, daß er den Standpunkt vertrat,
ein Christ solle dem Gesetz des Landes gehorchen, doch hielt er es
offensichtlich nicht für die Pflicht der Versammlung, als Arm des Staates zu
dienen und Einzelpersonen zu überwachen. Außerdem sehen wir, daß die Lage, in
der sich Onesimus befand, nicht als ein Hindernis dafür angesehen wurde,
getauft zu werden. ... Die
Christenversammlung hält sich heute an dieses biblische Vorbild. ... Die
Beachtung der staatlichen Gesetze ist die Sache jedes einzelnen, ob er ein Gott
hingegebener Christ ist oder nicht.
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Zitate aus dem Wachtturm, 15. November 1978, Seiten 30-31:
Und
die Christlichen Griechischen Schriften deuten nicht an, daß Gott von jemandem
verlangt, die Sünden und strafbaren Handlungen, die er begangen hat,
wiedergutzumachen, bevor er sich taufen lassen kann. Das
wird durch den Fall des Onesimus veranschaulicht, der im Brief an Philemon
erwähnt wird. Onesimus hatte in Kolossä als Sklave gedient. Er war jedoch
geflohen, was eine strafbare Handlung war. Einige vertreten die Ansicht,
Onesimus habe seinen Herrn vielleicht sogar beraubt, um bis nach Italien fliehen
zu können. In Rom kam er mit dem Apostel Paulus in Berührung und ließ sich
als Christ taufen. Paulus forderte Onesimus nicht auf, sich den Behörden zu
stellen ... In gleicher Weise mag jemand, der
heute die Botschaft der Bibel annimmt, früher eine strafbare Handlung begangen
haben und deswegen sogar gesucht werden. Die Bibel zeigt, daß er ‘bereuen und
umkehren sollte, damit seine Sünden ausgelöscht werden’ (Apg. 3:19). Das
bedeutet offensichtlich, daß er seine frühere sündige, strafbare
Handlungsweise völlig aufgeben muß. ... Oder
bei seinem Vergehen mag es sich um etwas handeln, was er nicht mehr gutmachen
kann. Vielleicht hat er jemandes Tod verschuldet. Wie sehr ihn sein Gewissen
auch plagen mag, kann er die betreffende Person nicht ins Leben zurückrufen;
das kann nur Jehova (Joh. 5:28, 29). Doch wiewohl er etwas Geschehenes nicht
ungeschehen machen kann, sollte er auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen und,
gestützt auf Jesu Opfer, um Vergebung bitten. ... Jeder
aufrichtige denkende Mensch kann sehen, daß sich Jehovas christliche Zeugen an
hohe Sittenmaßstäbe halten.
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Zitat aus dem Wachtturm, 1. Oktober 1986, Seite 31:
Gott verlangt von
Versammlungsältesten nicht, die Befolgung der Gesetze und Vorschriften des
Cäsars durchzusetzen. Daher fühlte sich Paulus nicht gezwungen, Onesimus, der
nach römischem Recht ein flüchtiger Rechtsbrecher war, den römischen
Behörden zu übergeben (Philemon 10, 15). Natürlich wäre jemand, der auf
schamlose Weise weltliche Gesetze übertritt und in den Ruf eines
Gesetzesbrechers gerät, kein gutes Vorbild und müßte eventuell sogar
ausgeschlossen werden (1. Timotheus 3:2, 7, 10). Wenn durch eine gesetzwidrige
Handlung der Tod eines anderen mitverursacht wird, kann es sich um einen Fall
von Blutschuld handeln, der Nachforschungen von seiten der Versammlung erfordert
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Zitate aus einem offiziellen Brief der Watchtower Bible and Tract Society an Älteste vom 24. Dezember 1992 :
WIr
erhielten euren Brief vom 17. Dezember, in dem ihr anfragt,
wie eine Sache mit einem Bruder zu behandeln sei, der sich in der Vergangenheit
schwerer Gesetzesverstöße schuldig gemacht hat. Ihr habt erklärt, ihr hättet
Informationen erhalten, dieser Bruder habe vor seiner Taufe "mehrere Morde
und andere Verbrechen" begangen Ihr fragt an: 'Verpflichtet euch das Gesetz
von Florida, etwas zu unternehmen? Die Justizbehörden in Florida haben keine
Kenntnis der Sache.' ALs Älteste habt ihr nicht die Verpflichtung, solche
Informationen an die Behörden zu übergeben. Jede Information, die in
Erfüllung eurer Pflicht als Älteste zu eurer Kenntnis gelangt ist, ist streng
vertraulich. Was er unternimmt, um seine Schuld vor der Gesellschaft zu zahlen,
liegt großenteils bei ihm und seinem Gewissen. Da er offensichtlich vor dem
Gesetz geflohen ist, würde er offensichtlich nicht für besondere Vorrechte
oder Dienste in der Versammlung in Frage kommen. ... Wir glauben, dass ihr
versteht, dass es unabdingbar ist, dass die Ältesten strenge Vertraulichkeit
über seine Vergangenheit wahren. Sollten die Ältesten unabsichtlich sein
Fehlverhalten in der Vergangenheit aufdecken, so wird das zweifellos zu großen
Repressalien für ihn und seine Frau führen. Hier sind also gutes Urteils- und
Unterscheidungsvermögen gefordert. Wir glauben, dass ihr die Angelegenheit
richtig behandeln werdet. Schreibt uns noch einmal, wenn ihr weitere Anweisungen
benötigt.
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Zitate aus einem vertraulichen Brief der Watchtower Society "An alle Ältestenschaften in den Vereinigten Staaten" vom 14. März 1997:
Vielleicht
hat sich jemand des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht, der heute als Ältester,
Dienstamtgehilfe oder allgemeiner oder Sonderpionier dient. Andere mögen vor
ihrer Taufe ein Kind missbraucht haben. Die Ältestenschaften sollten nicht
weiter nachfragen. Die Ältestenschaft sollte die Sache jedoch besprechen und
der Gesellschaft einen Bericht über jeden zusenden, der gegenwärtig eine
Dienststellung in der Versammlung innehat oder früher hatte und von dem bekannt
ist, dass er sich früher des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht hat.
Beantwortet in eurem Bericht bitte folgende Fragen: Wie lang ist es her, dass er
die Sünde beging? Wie alt war er damals? Wie alt war(en) sein(e) Opfer? Geschah
es einmal oder gewohnheitsmäßig? Wenn gewohnheitsmäßig, in welchem Ausmaß?
Wie wird er in der Gemeinde und von den Behörden angesehen? Ist er in der
Gemeinde dafür nicht mehr berüchtigt? Wissen Versammlungsglieder, was
geschehen ist? Wie sehen sie und/oder sein(e) Opfer ihn an? Wurde er jemals
ausgeschlossen, zurechtgewiesen, wurde ihm Rat erteilt oder geschah sonst etwas?
Wenn er in eine andere Versammlung gezogen ist, nennt bitte die Versammlung, in
die er gezogen ist. Wurde die Versammlung über seinen früheren
Kindesmissbrauch informiert, und wenn ja, wann? [Wenn ihr sie nicht
benachrichtigt habt, sollte das jetzt geschehen, und ihr solltet eine Kopie
eures Briefes in einem besonderen "blauen Umschlag" an die
Gesellschaft schicken] Die Informationen sollten zusammen mit weiteren
Beobachtungen der Ältesten an die Gesellschaft geschickt werden. Bitte schickt
das in einem besonderen "blauen Umschlag", damit die Faktoren richtig
gewürdigt werden können; und die Informationen sollten nicht Betroffenen nicht
zugänglich gemacht werden. ... Die Ältestenschaft sollte zusammenkommen, um
diesen Brief zusammen zu lesen und zu besprechen. Dieser Brief ist vertraulich
und sollte nicht kopiert werden, sondern in den vertraulichen Akten der
Versammlung aufbewahrt werden. Älteste sollten diese Dinge nicht mit
anderen besprechen.
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Zitate aus einem vertraulichen Brief der Watchtower Society "An alle Ältestenschaften in Australien" vom 10. OKtober 2002 :
WATCHTOWER BIBLE AND
TRACT SOCIETY OF AUSTRALIA
BOX 280 , INGLEBURN, NSW 1890 AUSTRALIA
ABN 42 002 861 226
PHONE: (02) 9829 5800
FAX: (02) 9829 3618
10. Oktober 2002
AN ALLE ÄLTESTENSCHAFTEN IN AUSTRALIEN
Liebe Brüder,
[...] Einige Ältesten waren besorgt wegen der Frage der Vertraulichkeit, sie dachten daran, was die Bibel zu dem Thema sagt (Sprüche 11:13; 15:22 ). Wenn nach Kontaktaufnahme mit der Gesellschaft entschieden wurde, dass die Ältesten eine Angelegenheit wie Kindesmissbrauch den Behörden melden sollten, würde eine solche Anzeige nicht als Verletzung der Vertraulichkeit angesehen werden. Hin und wieder müssen andere biblische Grundsätze gegen die Notwendigkeit der Vertraulichkeit abgewogen werden. (Siehe z.B. Awake!, 22. Januar 1985, Seite 8.) Dennoch sollten Älteste immer gewissenhaft ihrer biblischen Verpflichtung zur Vertraulichkeit nachkommen. Auf diese Weise können sie "wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Versteck vor dem Regensturm" sein. (Jesaja 32:2; siehe auch Watchtower, 1. April 1971, Seiten 222-224.) Doch manchmal müssen Älteste vertrauliche Angelegenheiten aufdecken, um die Schafe zu schützen. So hieß es beispielsweise in Our Kingdom Ministry, April 1999, auf Seite 7 (nur englisch):
"Es wurde die Frage gestellt, ob Älteste weltlichen Behörden Informationen geben sollten, wenn sie erfahren, dass ein Bruder oder eine Schwester in ein schweres Verbrechen verwickelt wurde. ... Wenn ein Ältester von einem schweren Verbrechen eines Gliedes der Versammlung erfährt, mag er unter gewissen Umständen verpflichtet sein, die Sache anzuzeigen oder den weltlichen Behörden Informationen zu geben.
In allen diesen Fällen würden die Ältesten erst dann zu der Entscheidung gelangen, die Sache anzuzeigen oder den weltlichen Behörden Informationen zu geben, nachdem sie bei der Gesellschaft angefragt haben, wie in Our Kingdom Ministry erklärt:
'Selbst
in diesen Fällen ist es wichtig, dass die Ältesten, soweit möglich, die Vertraulichkeit
wahren, und die Ältesten sollten immer erst Kontakt mit der Gesellschaft
aufnehmen, ehe sie irgendwelche Informationen über vertrauliche Angelegenheiten
an die weltlichen Behörden weitergeben.'"
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Das folgende Wachtturm-Zitat ist sehr, sehr interessant, weil es nach ihm eindeutig EINE ZEIT GIBT, WO JEHOVAS ZEUUGEN DIE VERTRAULICHKEIT BRECHEN:
Der Wachtturm, 1. September 1987, Seiten 12-15:
„Eine Zeit zum Reden" — Wann?
MARIA arbeitet als medizinisch-technische Assistentin in einem Krankenhaus. Sie ist verpflichtet, was sie beruflich erfährt oder beobachtet, als Berufsgeheimnis zu wahren. Auch muß sie dafür sorgen, daß schriftliche Unterlagen und andere Informationen über Patienten nicht an unbefugte Personen weitergegeben werden. In dem Land, in dem sie wohnt, gibt es ein Gesetz, das die Weitergabe von vertraulichen Informationen über Patienten regelt.
Eines Tages saß Maria in einer Zwickmühle. Als sie Krankenberichte bearbeitete, stieß sie auf eine Information, die besagte, daß eine Patientin, eine Mitchristin, eine Abtreibung vornehmen ließ. Hatte sie die biblische Verpflichtung, diese Information an die Ältesten ihrer Versammlung weiterzugeben, obwohl sie dadurch in die Gefahr geriet, ihre Stelle zu verlieren, gerichtlich belangt zu werden oder ihrem Arbeitgeber rechtliche Schwierigkeiten zu bereiten? Oder würde Sprüche 11:13 es rechtfertigen, die Sache geheimzuhalten? Dieser Text lautet: „Wer als Verleumder umhergeht, deckt vertraulich Gesprochenes auf, wer aber treuen Geistes ist, deckt eine Sache zu." (Vergleiche Sprüche 25:9, 10.)
In einer solchen Lage sehen sich Zeugen Jehovas hin und wieder. Dann wird ihnen die Wahrhaftigkeit der Worte Salomos so recht bewußt: „Für alles gibt es eine bestimmte Zeit, ja eine Zeit für jede Angelegenheit unter den Himmeln: . . . eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden" (Prediger 3:1, 7). War das für Maria eine Zeit zum Schweigen, oder war es eine Zeit zum Reden über das, wovon sie Kenntnis erlangt hatte?
Die Umstände können ganz verschieden sein. Es ist daher unmöglich, eine feste Regel aufzustellen, an die es sich in jedem Fall zu halten gilt, so als müßte jeder ein solches Problem in der Weise lösen, wie Maria es getan hat. Jeder Christ, der sich je in einer derartigen Situation befindet, muß alle damit zusammenhängenden Faktoren erwägen und eine Entscheidung treffen, bei der er biblische Grundsätze sowie eventuelle rechtliche Konsequenzen berücksichtigt und bei der er ein gutes Gewissen vor Jehova hat (1. Timotheus 1:5, 19). Handelt es sich um unbedeutende Sünden, um Sünden, die mit der menschlichen Unvollkommenheit zusammenhängen, dann gilt der Grundsatz: „Liebe deckt eine Menge von Sünden zu" (1. Petrus 4:8). Sieht es jedoch so aus, als ob eine schwerwiegende Verfehlung vorliege, sollte dann ein loyaler Christ aus Liebe zu Gott und zu seinem Mitchristen die Verfehlung aufdecken, so daß dem eventuellen Sünder geholfen werden kann und die Versammlung rein bleibt?
Anwendung biblischer Grundsätze
Wie lauten einige der biblischen Grundsätze, die in einem solchen Fall Anwendung finden? Vor allem sollte jemand, der sich einer schwerwiegenden Verfehlung schuldig gemacht hat, nicht versuchen, diese zu verheimlichen. „Wer seine Übertretungen zudeckt, wird kein Gelingen haben, doch dem, der sie bekennt und läßt, wird Barmherzigkeit erwiesen werden" (Sprüche 28:13). Jehova entgeht nichts. Für im Verborgenen begangene Übertretungen muß man sich schließlich verantworten (Sprüche 15:3; 1. Timotheus 5:24, 25). Gelegentlich macht Jehova ein Versammlungsglied auf eine geheimgehaltene Verfehlung aufmerksam, damit die Sache bereinigt werden kann (Josua 7:1-26).
Ein weiterer biblischer Grundsatz steht in 3. Mose 5:1: „Falls nun eine Seele sündigt, indem sie eine öffentliche Verfluchung gehört hat, und der Betreffende ist Zeuge, oder er hat es gesehen oder hat es erfahren, dann soll er sich, wenn er es nicht berichtet, für sein Vergehen verantworten." Bei dieser „öffentlichen Verfluchung" handelte es sich nicht um Gottlosigkeit oder Gotteslästerung. Vielmehr kam so etwas vor, wenn jemandem ein Unrecht zugefügt worden war und dieser forderte, daß irgendwelche potentielle Zeugen ihm helfen sollten, zu seinem Recht zu kommen; dabei rief er auf den, der ihm das Unrecht getan hatte und der ihm vielleicht noch unbekannt war, einen Fluch herab — vermutlich von Jehova. Auf diese Weise stellte man andere unter Eid. Irgendwelche Zeugen des Unrechts hätten dann gewußt, wer das Unrecht erlitten hatte, und somit die Pflicht gehabt, sich zu melden, damit die Schuld nachgewiesen werden konnte. Hätten sie das nicht getan, so hätten sie sich vor Jehova ‘für ihr Vergehen verantworten’ müssen.
Dieses Gebot der höchsten Instanz im Universum verpflichtete jeden Israeliten, irgendeine schwerwiegende Verfehlung, die er beobachtet hatte, den Richtern zu melden, so daß die Sache behandelt werden konnte. Christen sind zwar nicht verpflichtet, das mosaische Gesetz zu halten, doch seine Grundsätze finden in der Christenversammlung immer noch Anwendung. Es gibt daher Fälle, in denen ein Christ verpflichtet ist, die Ältesten von einer Sache zu unterrichten. Allerdings ist es in manchen Ländern verboten, Unbefugten mitzuteilen, was in privaten Unterlagen steht. Aber wenn ein Christ nach gebetsvoller Überlegung zu dem Schluß kommt, es handle sich um einen Fall, den er nach dem Gesetz Gottes melden müsse, auch wenn die weltliche Obrigkeit Schweigepflicht fordere, dann ist das eine Verantwortung, die er vor Jehova trägt. Es gibt Situationen, in denen ein Christ „Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen [muß] als den Menschen" (Apostelgeschichte 5:29).
Einen Eid oder ein feierliches Versprechen sollte man nie leichtnehmen, aber manchmal mag ein von Menschen gefordertes Versprechen im Widerspruch zu der Forderung stehen, Gott ausschließlich ergeben zu sein. Wer eine schwere Sünde begeht, kommt sozusagen unter eine „öffentliche Verfluchung" durch den, dem Unrecht geschehen ist, Jehova Gott (5. Mose 27:26; Sprüche 3:33). Alle, die ein Glied der Christenversammlung werden, stellen sich unter „Eid", die Versammlung rein zu erhalten, sei es durch ihr eigenes Verhalten, sei es, daß sie anderen helfen, rein zu bleiben.
Persönliche Verantwortung
Das sind einige der biblischen Grundsätze, die Maria höchstwahrscheinlich erwog, als sie ihre Entscheidung traf. Die Klugheit gebot, nicht voreilig zu handeln, nicht ohne die Sache sorgfältig zu erwägen. Die Bibel gibt den Rat: „Werde nicht ohne Gründe Zeuge gegen deinen Mitmenschen. Dann würdest du töricht reden mit deinen Lippen" (Sprüche 24:28). Um eine Sache endgültig zu entscheiden, sind die Aussagen von mindestens zwei Zeugen erforderlich (5. Mose 19:15). Hätte Maria nur eine beiläufige kurze Erwähnung von Abtreibung gefunden, hätte sie vielleicht mit gutem Gewissen entschieden, daß die Beweise einer Schuld nicht schlüssig genug seien, um die Sache weiterzuverfolgen. Es konnte sich ein Fehler in die Rechnung eingeschlichen haben, oder die Unterlagen mochten in anderer Weise die Situation nicht richtig widerspiegeln.
In diesem Fall besaß Maria aber noch andere bedeutsame Informationen. Sie wußte zum Beispiel, daß die Schwester die Rechnung bezahlt und damit bestätigt hatte, daß sie die darauf vermerkten Dienste empfangen hatte. Auch wußte Maria, daß die Schwester unverheiratet war, was bedeutete, daß allem Anschein nach sogar Hurerei vorlag. Maria hatte den Wunsch, jemandem, der einen Fehler gemacht haben mochte, liebevoll zu helfen und auch die Organisation Jehovas rein zu erhalten, denn sie dachte an Sprüche 14:25: „Ein wahrhaftiger Zeuge befreit Seelen, ein trügerischer aber bringt nur Lügen vor."
Maria fürchtete erst ein bißchen die rechtlichen Konsequenzen, doch dann kam sie zu der Überzeugung, daß in diesem Fall die biblischen Grundsätze mehr Gewicht hatten als die Forderung, die ärztlichen Unterlagen vertraulich zu behandeln. Sie sagte sich, daß die Schwester ihr sicherlich nicht grollen und nicht versuchen würde, sich zu rächen, indem sie sie anzeigen würde. Nachdem Maria alle ihr zur Verfügung stehenden Tatsachen erwogen hatte, beschloß sie mit gutem Gewissen, daß das eine Zeit zum „Reden" und nicht zum „Schweigen" sei.
Nun stellte sich Maria weitere Fragen: Zu wem soll ich gehen? und: Wie kann ich es möglichst diskret tun? Sie konnte sich an die Ältesten wenden, aber sie beschloß, zuerst mit der Schwester allein zu reden. Das war ein liebevolles Vorgehen. Maria dachte, daß die Schwester, die sie verdächtigte, vielleicht froh wäre, wenn die Sache geklärt würde, oder sie würde, falls sie schuldig wäre, den Verdacht bestätigen. Wenn sie bereits mit den Ältesten darüber gesprochen hätte, würde sie es wahrscheinlich sagen und sie, Maria, könnte die Sache auf sich beruhen lassen. Maria nahm sich vor, die Schwester, falls diese abgetrieben und diese schwerwiegende Übertretung des Gesetzes Gottes nicht bekannt hätte, zu ermuntern, ihre Sünde zu bekennen. Dann könnten ihr die Ältesten in Übereinstimmung mit Jakobus 5:13-20 helfen. Erfreulicherweise entwickelte sich die Sache auch so. Maria stellte fest, daß die Schwester bedrängt worden war abzutreiben und daß sie geistig schwach war. Scham und Angst hatten sie veranlaßt, ihre Sünde geheimzuhalten, aber sie war froh, daß die Ältesten ihr halfen, geistig zu gesunden.
Hätte Maria es zuerst den Ältesten gesagt, dann hätten diese vor einer ähnlichen Entscheidung gestanden. Wie hätten sie vertrauliche Informationen behandeln sollen? Sie hätten, gestützt auf das, was nach ihrer Auffassung Jehova und sein Wort von ihnen als Hirten der Herde verlangten, eine Entscheidung treffen müssen. Wenn der Bericht einen getauften, aktiv mit der Versammlung verbundenen Christen betroffen hätte, hätten sie wie Maria erwägen müssen, ob das, was sie wußten, es rechtfertigen würde, der Sache nachzugehen. Hätten sie den begründeten Verdacht, daß in der Versammlung „Sauerteig" vorhanden sei, hätten sie vielleicht ein Rechtskomitee gebildet, das sich des Falles angenommen hätte (Galater 5:9, 10). Wenn sich der Verdächtigte von der Versammlung zurückgezogen, d. h. schon seit einiger Zeit die Zusammenkünfte nicht mehr besucht und sich nicht mehr als Zeuge Jehovas zu erkennen gegeben hätte, hätten sie die Sache auf sich beruhen lassen können, bis er sich wieder als Zeuge Jehovas ausgeben würde.
Vorsorgliche Maßnahmen
Arbeitgeber können mit Recht erwarten, daß ihre christlichen Arbeitnehmer „volle, gute Treue an den Tag legen", auch was die Schweigepflicht betrifft (Titus 2:9, 10). Wenn man einen Eid ablegen muß, sollte das nicht leichtgenommen werden. Durch einen Eid wird ein Versprechen noch feierlicher und bindender (Psalm 24:4). Und wenn das Berufsgeheimnis zudem gesetzlich geregelt ist, wird die Sache noch ernster. Bevor ein Christ also aus beruflichen oder anderen Gründen einen Eid ablegt oder sich zu Verschwiegenheit verpflichtet, wäre es weise, zu ermitteln, welche Probleme das mit sich bringen könnte, falls ein Konflikt zwischen der Schweigepflicht und den biblischen Verpflichtungen entstünde. Wie sollte man vorgehen, wenn der Patient oder Klient ein Bruder oder eine Schwester ist? Gewöhnlich mag sich ein solches Problem ergeben, wenn man bei einem Arzt, in einem Krankenhaus, an einem Gericht oder bei einem Rechtsanwalt arbeitet. Wir dürfen das Gesetz des Staates nicht außer acht lassen und dürfen auch nicht ignorieren, wie schwerwiegend ein Eid ist, aber Gottes Gesetz ist höchstrangig.
Um dem Problem vorzubauen, haben Brüder, die Rechtsanwälte, Ärzte oder Wirtschaftsprüfer usw. sind, schriftliche Richtlinien festgelegt und die Brüder, die zu einer Konsultation zu ihnen gekommen sind, gebeten, diese durchzulesen, ehe sie ihnen ein Geheimnis anvertrauten. So wird im voraus klargelegt, daß der Bruder oder die Schwester, wenn es sich zeigen sollte, daß eine schwerwiegende Verfehlung vorliegt, ermuntert werden wird, zu den Ältesten der Versammlung zu gehen. Auch wird in den Richtlinien zu verstehen gegeben, daß der Beratende sich verpflichtet fühlen würde, selbst zu den Ältesten zu gehen, falls er oder sie nicht gehen würde.
Manchmal wird ein treuer Diener Gottes aus Überzeugung, gestützt auf seine Kenntnisse des Wortes Gottes, die Schweigepflicht wegen der höherrangigen Forderungen des göttlichen Gesetzes teilweise oder ganz brechen. Das erfordert Mut und Urteilskraft. Das Ziel würde nicht darin bestehen, die Privatsphäre eines anderen auszuspionieren, sondern dem Irrenden zu helfen und die Christenversammlung rein zu erhalten. Über geringe Verfehlungen, die eine Folge der Sündhaftigkeit sind, sollte man hinwegsehen. In einem solchen Fall finden die Worte Anwendung: „Liebe deckt eine Menge von Sünden zu" und daß man dem andern „bis zu siebenundsiebzigmal" vergeben sollte (Matthäus 18:21, 22). Es ist „eine Zeit zum Schweigen". Wird jedoch der Versuch gemacht, schwerwiegende Sünden zu verheimlichen, dann kann es „eine Zeit zum Reden" sein.
[Fußnoten]
Maria ist eine erdachte Person. Sie ist in einer Lage, in der sich schon etliche Christen befunden haben. Wie sie das Problem angeht, ist ein Beispiel dafür, wie einige Christen in einer solchen Lage biblische Grundsätze angewandt haben.
In
dem Werk Biblischer Commentar über das Alte Testament,
herausgegeben von Carl Friedr. Keil und Franz Delitzsch (1870), heißt es, die
Vergehung oder Sünde würde darin bestehen, „daß jemand der um das
Verbrechen eines andern wußte, sei es daß er dasselbe gesehen oder auf andere
Weise in gewisse Erfahrung gebracht hatte, mithin vor Gericht als Zeuge zur
Ueberführung des Verbrechers aufzutreten befähigt war, dies nicht tat und was
er gesehen oder erfahren hatte nicht anzeigte, wenn er bei der öffentlichen
Verhandlung über das Verbrechen die feierliche Adjuration des Richters hörte,
durch welche alle Anwesenden, die um die Sache wußten, veranlaßt werden
solten, als Zeugen aufzutreten".
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Ende
der Zitate, ob Älteste Verbrechen und Sünden vertraulich behandeln müssen.