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Missbrauchsopfer fühlen sich von Kirche im Stich gelassen

Ältester der Zeuge Jehovas ignorierte Taten eines Kinderschänders, hieß es bei der Urteilsverkündung

 

Lori Coolican

The StarPhoenix


Dienstag, 21. Oktober 2008

http://www.canada.com/saskatoonstarphoenix/news/story.html?id=27a526a7-d153-4ce8-ab15-c9259b7d0bd3

Zwei Frauen, die im Jugendalter von einem vertrauten Verwandten missbraucht wurden, sagen, Älteste der Kirche der Zeugen Jehovas in der Kleinstadt hätten die Sache nicht der Polizei gemeldet, nachdem der Mann zugegeben hatte, sie Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre unsittlich berührt zu haben.

"Man hat uns jahrelang mit Schuld- und Schamgefühlen allein gelassen", schrieb eine der Frauen in einer Erklärung der Opfer, die von Kronanwältin Krista Zerr während der Urteilsverkündung gegen den Mann am Montag im Saskatoon Court of Queen's Bench vorgelesen wurde.

"Ich fühlte mich wie weggeworfen."

Aufgrund eines Veröffentlichungsverbotes, weil die Opfer anonym bleiben sollten, kann der Name des Verurteilten nicht veröffentlicht werden. Anfang dieses Jahres bekannte er sich der Unsittlichkeit in zwei Fällen schuldig, an dem Tag, der der erste im Prozess gegen ihn sein sollte. Im Gegenzug ließ die Anklage die Beschuldigung wegen sexuellen Übergriffs und den Berührungen fallen, ebenso die Anklage in Bezug auf einen männlichen Kläger.

Beide Opfer, heute 31 und 32 Jahre alt, sagten in einem Vorermittlungsverfahren gegen den Mann aus. Am Montag waren sie nicht im Gericht. Richter Neil Gabrielson behielt sich die Urteilshöhe gegen den Mann bis zum 21. November vor.

Die beiden Frauen wuchsen in einer Stadt mit 500 Einwohnern östlich von Saskatoon auf und durften mit niemandem außerhalb ihrer Religion Umgang haben, außer in den Schulstunden, vernahm das Gericht. Häufig verbrachten sie ihre Zeit im Haus des älteren Verwandten und seiner Frau, die damals Anfang 20 und Kirchenmitglieder waren.

Der Vater der Opfer sagte im Vorermittlungsverfahren: "Wir haben ihnen vertraut, wie es bei Jehovas Zeugen üblich ist ... Wir haben angenommen, (die Mädchen) seien dort sicher", bemerkte Zerr.

Während eines dieser Besuche schlug die Frau des Mannes vor, die Mädchen dürften ihn mit Öl massieren", sagte Zerr. Eins der Opfer, das damals 13 oder 14 Jahre alt war, sagte dem Gericht, zu der Massage habe gehört, dass man auf dem Bauch im Ehebett des Paares liege, nackt vom Bauch aufwärts. Es endete damit, dass der Mann wiederholt die Brüste des Mädchen berührte.

Ihre Schwester sagte aus, der Mann habe mehrmals ihre Brüste und die Vagina berührt, wenn sie im Haus des Paares war. Es begann, als sie 12 Jahre alt war.

Bei einigen der Besuche gab man den Mädchen Wodka zum Trinken, und man lud sie auch mehrfach ein, Reizwäsche zu tragen, die der Frau des Mannes gehörte, die das als Einkommensquelle verkaufte, vernahm das Gericht.

Nachdem die Mädchen miteinander über den Missbrauch gesprochen hatten, informierten sie ihre Eltern. Ihr Vater stellte den Mann, der weder bestätigte noch leugnete, was geschehen war, und die Sache wurde schließlich den Kirchenältesten gemeldet, sagte Zerr.

"Damals wurde keine Anzeige bei der Polizei erstattet."

Stattdessen erhielt der Mann eine Lektion von den Ältesten der Kirche, und viele in der Gemeinde sammelten sich um ihn, weil er regelmäßig zu den Zusammenkünften ging -- während die Mädchen als "Unruhestifter" behandelt und aufgefordert wurden, die Sache fallen zu lassen, schrieb ein Opfer.

Ihr Vater und der Kinderschänder wurden später "gute Freunde, die täglich zum Kaffeetrinken gingen", eine Situation, die bis heute anhalte, schrieb sie.

"Die ganze Gemeinde redete schlecht von uns und verleumdete uns ... die Religion hat uns im Stich gelassen."

Selbst der eigenen Großmutter schien mehr an der Rufschädigung für die Kirche zu liegen, als an dem Schaden, der bei den Opfern angerichtet wurde, schrieb sie.

Die Opfer distanzierten sich in den Folgejahren von der Kirche und waren schon erwachsen, als sie sich stark genug fühlten, die Sache dem RCMP zu melden, nachdem sie von einem weiteren Kläger gehört hatten, dessen Vater Kirchenältester war, sagte Zerr.

Die Anklage fordert zwei Jahre Gefängnis minus einem Tag -- was erlauben würde, dass der Mann nicht ins Staatsgefängnis müsse --, während der Verteidiger John Will am Montag für eine Strafe mit Auflagen optierte, die zu Hause abgesessen werden könne.

Will gab dem Gericht mehrere Leumundszeugnisse zugunsten seines Mandanten, unterschrieben von Kirchenmitgliedern und anderen, darunter dem Bürgermeister der Stadt.

Neben "schweren Fehlern vor Jahren" habe der Mann ein "vorbildliches" Leben geführt, sagte Will.

lcoolican@sp.canwest.com

© The StarPhoenix (Saskatoon) 2008

 

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Tuesday » October 21 » 2008

 

Kirche in Saskatoon erstatte keine Anzeige wegen Missbrauchs, so die Opfer

Lori Coolican

Canwest News Service


Montag, 20. Oktober 2008

http://www.canada.com/topics/news/national/story.html?id=c9d1bb57-3db6-4c5d-81d1-6f70fd9f1b4d

SASKATOON - Zwei Frauen, die im Jugendalter von einem vertrauten Verwandten missbraucht wurden, sagen, Älteste der Kirche der Zeugen Jehovas in der Kleinstadt hätten die Sache nicht der Polizei gemeldet, nachdem der Mann zugegeben hatte, sie Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre unsittlich berührt zu haben.

"Man hat uns jahrelang mit Schuld- und Schamgefühlen allein gelassen", schrieb eine der Frauen in einer Erklärung der Opfer, die von Kronanwältin Krista Zerr während der Urteilsverkündung gegen den Mann am Montag im Saskatoon Court of Queen's Bench vorgelesen wurde.

"Ich fühlte mich wie weggeworfen."

Aufgrund eines Veröffentlichungsverbotes, weil die Opfer anonym bleiben sollten, kann der Name des Verurteilten nicht veröffentlicht werden. Anfang dieses Jahres bekannte er sich der Unsittlichkeit in zwei Fällen schuldig, an dem Tag, der der erste im Prozess gegen ihn sein sollte. Im Gegenzug ließ die Anklage die Beschuldigung wegen sexuellen Übergriffs und den Berührungen fallen, ebenso die Anklage in Bezug auf einen männlichen Kläger.

Beide Opfer, heute 31 und 32 Jahre alt, sagten in einem Vorermittlungsverfahren gegen den Mann aus. Am Montag waren sie nicht im Gericht. Richter Neil Gabrielson behielt sich die Urteilshöhe gegen den Mann bis zum 21. November vor.

Die beiden Frauen wuchsen in einer Stadt mit 500 Einwohnern östlich von Saskatoon auf und durften mit niemandem außerhalb ihrer Religion Umgang haben, außer in den Schulstunden, vernahm das Gericht. Häufig verbrachten sie ihre Zeit im Haus des älteren Verwandten und seiner Frau, die damals Anfang 20 und Kirchenmitglieder waren.

Der Vater der Opfer sagte im Vorermittlungsverfahren: "Wir haben ihnen vertraut, wie es bei Jehovas Zeugen üblich ist ... Wir haben angenommen, (die Mädchen) seien dort sicher", bemerkte Zerr.

Während eines dieser Besuche schlug die Frau des Mannes vor, die Mädchen dürften ihn mit Öl massieren", sagte Zerr. Eins der Opfer, das damals 13 oder 14 Jahre alt war, sagte dem Gericht, zu der Massage habe gehört, dass man auf dem Bauch im Ehebett des Paares liege, nackt vom Bauch aufwärts. Es endete damit, dass der Mann wiederholt die Brüste des Mädchen berührte.

Ihre Schwester sagte aus, der Mann habe mehrmals ihre Brüste und die Vagina berührt, wenn sie im Haus des Paares war. Es begann, als sie 12 Jahre alt war.

Bei einigen der Besuche gab man den Mädchen Wodka zum Trinken, und man lud sie auch mehrfach ein, Reizwäsche zu tragen, die der Frau des Mannes gehörte, die das als Einkommensquelle verkaufte, vernahm das Gericht.

Nachdem die Mädchen miteinander über den Missbrauch gesprochen hatten, informierten sie ihre Eltern. Ihr Vater stellte den Mann, der weder bestätigte noch leugnete, was geschehen war, und die Sache wurde schließlich den Kirchenältesten gemeldet, sagte Zerr.

"Damals wurde keine Anzeige bei der Polizei erstattet."

Stattdessen erhielt der Mann eine Lektion von den Ältesten der Kirche, und viele in der Gemeinde sammelten sich um ihn, weil er regelmäßig zu den Zusammenkünften ging -- während die Mädchen als "Unruhestifter" behandelt und aufgefordert wurden, die Sache fallen zu lassen, schrieb ein Opfer.

Ihr Vater und der Kinderschänder wurden später "gute Freunde, die täglich zum Kaffeetrinken gingen", eine Situation, die bis heute anhalte, schrieb sie.

"Die ganze Gemeinde redete schlecht von uns und verleumdete uns ... die Religion hat uns im Stich gelassen."

Die Anklage fordert zwei Jahre Gefängnis minus einem Tag -- was erlauben würde, dass der Mann nicht ins Staatsgefängnis müsse --, während der Verteidiger John Will am Montag für eine Strafe mit Auflagen optierte, die zu Hause abgesessen werden könne.

Will gab dem Gericht mehrere Leumundszeugnisse zugunsten seines Mandanten, unterschrieben von Kirchenmitgliedern und anderen, darunter dem Bürgermeister der Stadt.

Neben "schweren Fehlern vor Jahren" habe der Mann ein "vorbildliches" Leben geführt, sagte Will.

© Saskatoon StarPhoenix 2008