Der Tag, an dem die Zeugen Jehovas in Riverside, Kalifornien, blinzelten

 

Kurzfristig schickte Silentlambs einen Hinweis an die Öffentlichkeit heraus, dass die Zeugen Jehovas noch einmal zu Gericht gehen, um als Charakterzeugen für einen verurteilten Pädophilen zu sprechen. Ihr könnt unter folgendem Link über ähnliche Umstände lesen:

 

http://www.silentlambs.org/education_de/transcripts_de.htm

 

Anfang der Woche, am Montag, hatte eine große Gruppe von Zeugen Jehovas ihre Absicht bekannt gegeben, vor Gericht zu erscheinen, wie sie es die letzten zwei Jahre getan hatten, um öffentlich einen Mann zu unterstützen und Charaktererklärungen für ihn abzugeben, der in mehreren Fällen verurteilt worden war, weil er seine Töchter missbraucht hatte. Bruder Kanehe war ausgeschlossen worden, weil er im Frühsommer 2002 Kindesmissbrauch gestanden hatte, war aber im August 2002 wieder aufgenommen worden. Warum? "Aufgrund seiner großen Reue", wie die Ältesten erklärten. Dies ist der Mann, der seine Tochter schlug, als sie schließlich sagte, dass sie nicht mehr ein schweigendes Lamm bleiben wollte und nicht mehr über ihren Missbrauch schwieg. Erscheint euch das reuig? Die Mutter trat dafür ein, dass der Schänder gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen wurde, und sie brachte ihn zurück ins Haus. Auf diese Weise zwang sie die jüngste Tochter zum Auszug. Doch ihre Handlungsweise verursachte kein Problem mit ihrem Status, da sie dadurch ein gutes Beispiel für die Versammlung blieb, dass sie zum Hilfspionier ernannt wurde. Als der Prozess voranschritt, sind zahlreiche Brüder und Schwestern vor Gericht mit Bibeln und Wachtturm-Ausgaben erschienen, um ihre offene Unterstützung für den Pädophilen zu zeigen, während niemand von der Versammlung irgendeine Unterstützung für die Opfer während der zwei Jahre anbot, die der Prozess bis zur Verurteilung dauerte. Dieser letzte Schritt war am Freitag, dem 12. November 2002, bei der Urteilsverkündung.

 

Silentlambs hat die Sache öffentlich gemacht, und es scheint, dass einige Anhänger von Bruder Kanehe die Nerven verloren und beschlossen zu haben, kein Leumundszeugnis für ihn abzugeben. Stattdessen standen vier standhafte Pädophilenanhänger von der örtlichen Versammlung der Zeugen Jehovas mit Bibeln in der Hand vor Gericht und beschrieben dann, was für ein großartiger Typ der Pädophile ihre Meinung nach doch sei. Sie sagten, er sei liebevoll, freundlich, großzügig, ein guter Arbeiter, ein guter Vater, und er verdiente Gnade vom Richter. In dem offensichtlichen Versuch, das Gericht einzuschüchtern, erklärten sie, dass der Schänder nur einen einzigen Fehler begangen und Gott ihm vergeben habe. Mit vielen Wörtern brachten sie im Grunde genommen vor, welches Recht der Richter hätte, sich über Gott zu stellen. Dumm, dumm, dumm. Dann, um die ganze Sache noch schlimmer zu machen, stand wiederum ein Zeuge Jehovas bei Gericht vor einem Richter und sagte, es sei ganz in Ordnung, wenn dieser verurteilte Pädophile auf ihre Kinder aufpassen würde. Dies ist das dritte Mal, dass dies in den letzten vier Jahren dokumentiert wurde, und es zeigt die Beharrlichkeit blinder Ignoranz.

 

Offensichtlich war der Richter nicht eingeschüchtert von der Verteidigung der Zeugen Jehovas und ihrem Glauben an einen Mann, der seine Töchter bei zahlreichen Anlässen missbraucht hatte. Der Richter erwähnte, dass es kein "einmaliger" Fehler war, sondern etwas, das hunderte Male geschehen sei. Bruder Kanehe wurde tatsächlich in zehn Fällen verurteilt, und und daher hatte er eine Bibel bei sich, um zu versuchen, Gott zu benutzen, den Richter einzuschüchtern, der einfach kein Erbarmen für einen Pädophilen zu haben schien. Der Richter gab ihm die Maximalstrafe von 21 Jahren.

 

Die Opfer dieses Mannes und deren Unterstützer saßen auf der anderen Seite des Gerichtssaals mit kleinen Stofflämmern in der Hand zur Erklärung der Wahrheit. Es war etwas, das der Richter bemerkte, und die kleinen Lämmer waren eine viel kräftigere Aussage als die ganze eloquente Geschwätzigkeit, wie sie in der Theokratischen Dienstschule gelehrt wird, die die Sprecher des Pädophilen aufbringen konnten. Die Tatsache, dass die kleinen Lämmer da waren, schüchterte die meisten Zeugen Jehovas ein, so dass sie nichts sagten, und und sie halfen denen, die die Missbrauchsüberlebenden unterstützten, alles zu sagen, was gesagt werden musste. Ist es nicht ein wenig ironisch, dass die Zeugen Jehovas, die sich brüsten, Schafe zu sein, von einem kleinen Spielzeuglamm eingeschüchtert werden sollten? Noch einmal erreichte Silentlambs sein Ziel, und Missbrauchsüberlebende wurden unterstützt. Silentlambs leitete zahlreiche E-Mails mit ermutigenden Kommentaren an den Schwestern weiter, und sie bemerkten, dass sie in der letzten Woche mehr Unterstützung durch Silentlambs erhielten, als den ganzen Verlauf des Prozesses hindurch. Unten sind einige Kommentare von Anwesenden, aber auch die letzten Bemerkungen der Schwestern selbst. Welche bessere Art und Weise, diesen Newsletter zu beenden, als frühere schweigende Lämmer das letzte Wort haben zu lassen? Schwestern, danke für euren Mut und eure tapfere Haltung, Kinder zu schützen.

 

silentlambs

 

 

Riverside, Kalifornien: 12. November 2004

 

 

 

 

Der Aufruf erging von der Silentlambs-E-Mailliste um 16:00 Uhr am 8. November 2004, wo es auszugsweise hieß:

 

"Könnt ihr bei Gericht einem schweigenden Lamm beistehen? Am 11. November 2003 wurde Howard Kanehe, ein Zeuge Jehovas in gutem Ansehen, verurteilt, weil er seine Tochter missbraucht hatte. Als die jüngere Tochter bekannt gab, dass sie vorhatte, ihren Vater zu verklagen, schlug dieser sie, und ihre Mutter, eine Zeugin Jehovas, warf sie aus dem Haus; sie wurde dazu gezwungen, in ihrem Auto zu leben, bis ihre Schwestern ihr Hilfe anboten. Vergangenen Freitag sollte die Urteilsverkündung sein, und mehr als zwanzig Zeugen Jehovas erschienen, um für den verurteilten Kinderschänder Leumundszeugnisse anzubieten. Offenbar war diese Information Teil des Berichts in der Versammlung, auch dass Howard Kanehe im Frühsommer 2002 ausgeschlossen wurde, weil er Kindesmissbrauch gestand, doch im Spätsommer 2002 wurde er aufgrund seiner großen Reue wieder aufgenommen. Bei Silentlambs müssen wir uns fragen, wie man sein Opfer schlägt, wenn es versucht, Klage zu erheben, und das als Reue durchgehen kann. Diese jungen Frauen sollten unterstützt werden, und wir bitten jeden, dem es möglich ist, dort im Bezirksgericht von Riverside bei ihnen zu sein, auf ihrer Seite des Gerichtssaals. Bis zu diesem Punkt sind sie gegen die Einschüchterungstaktik der örtlichen Zeugen Jehovas alleine gewesen. Wir bitten um eure Hilfe und Unterstützung, diese tapferen Frauen nicht alleine sein zu lassen."

 

Viele versuchten zu kommen, aber aufgrund von Zeit und Flugpreis konnten sie es nicht; drei verpflichteten sich, dort zu sein, tatsächlich schafften es zwei, eine aus Kalifornien und eine aus Arizona. Hindernisse wurden mit derselben Ausdauer und Hingabe überwunden, die Silentlambs seit seinem Beginn im Jahr 2000 demonstriert hat. Die Vertreterin des Opferhilfebüros von Riverside war beinahe zu Tränen gerührt von der Gegenwart der Befürworter, und sie sagte: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viel es mir bedeutet, zu wissen, dass Fremde diesen ganzen Weg herreisen, um zu helfen, weil sie sich mehr als die Familien, mehr als 'die Freunde', mehr als die Zeugen Jehovas, um die Sache kümmern. Es bedeutet uns allen viel hier in Riverside County. Vielen Dank für Ihr Kommen."

 

Als Überlebende und ihr Anhängerinnen sich schließlich vor dem Gerichtsgebäude aufstellten, war der Prozess hinter ihnen, und der Angeklagte hatte 21 Jahre hinter Gittern bekommen, um darüber nachzudenken, wer er ist und was er glaubt. SEINE Anhänger und Unterstützer - und von denen gab es weitaus zu viele - haben alle Zeit, um nachzudenken, wie sie dahin gelangten, wo sie jetzt sind, und wohin sie von hier aus gehen sollen.

 

Bei Sandwichs, Keksen und Kaffee erörterten die Überlebende und Befürworter Angelegenheiten wie Verjährungsfristen, Zivilprozesse, Familiendynamiken von Schändern und Opfern und sogar, was die Gesellschaft mit jungem halbwüchsigem Schändern tun sollte. Sie diskutierten auch, ob Zeugen Jehovas wirklich glauben, wenn sie sich auf diese Weise benehmen, dass sie nach dem Zitat des Bruders eines Missbrauchsopfers, das den Wachtturm derzeit verklagt, 'Pädophile aus Vollmacht' sind. Sie erörterten, ob die Zeugen wissen, wenn sie einen Kinderschänder unterstützen, dass sie dann in Wirklichkeit Ankläger und Richter anspornen, noch deutlicher vorzugehen.

 

Diese Gruppe - übrigens alles Frauen - änderte die Welt an diesem Tag nicht, sie machten wahrscheinlich keinen Eindruck auf die Probleme der Gesellschaft. Was sie aber taten, war, Bündnisse zu bilden und Verbindungen zu stärken, die einen Weg für Missbrauchsüberlebende aus der Finsternis der Selbstschuld und psychologischer Lahmlegung bahnen. Worte wurden gesprochen und Maßnahmen wurden ergriffen, die Opfer in Überlebende verwandeln und weiter verwandeln werden.

 

Das ist, was in Riverside, Kalifornien, am 12. November 2004 geschah.

 

Silentlambs-Unterstützer

 

Von den Schwestern,

 

Wir möchten euch allen persönlich für eure Worte der Unterstützung und die Gebete danken. Wir hatten heute Morgen einen Termin bei Gericht, und wir sind so glücklich, dass es schließlich vorbei ist. Er bekam 21 Jahre, was bei den neuen Vorschriften für eine Berufung das Maximum ist, das er bekommen konnte. Er hatte ungefähr ein Dutzend Leute, die ihn beim Prozess unterstützten, die wir überall in dem Gericht sahen, und heute auch vier Zeugen Jehovas, die in seinem Namen sprachen, einschließlich meiner Mutter und seinem Exchef, die ihn tatsächlich das erste Mal durch Kaution frei bekamen. Sie sagten alle ziemlich viel dasselbe: dass er liebevoll, freundlich, großzügig, ein guter Vater, ein guter Ernährer sei. Sie sagten auch, dass Gott ihm schon verziehen habe und er bezahlt habe und sehr reumütig sei. Sie sagten auch, dass er nur "einen" Fehler machte, und dass ihn seine Familie brauchte, um zu heilen. Der Richter war über ihre Erklärungen nicht sehr erfreut. Er erklärte, dass dieser Fall nicht um Religion, sondern um seine Verbrechen ging. Er sagte auch, dass dies nicht ein einziger Fehler war, es war ein Fehler, den er immer wieder beging. Er erinnerte sie auch daran, dass das Gericht schon sehr großzügig gewesen sei, weil es ihn ursprünglich in über hundert Fällen hätte anklagen können. Er endete mit nur zehn. Zwei Silentlambs-Anhänger waren da, und wir freuten uns, sie zu treffen. Unseren Dank an Bill Bowen, und wir sind einfach glücklich, dass es endlich vorbei ist.

Nochmals danke, mit besten Grüßen,
Kiley, Angela und Andrea