Weitere Information zum Ersten Verfassungszusatz
FindLaw-Entwurf für einen Kommentar zur falschen Anwendung des Ersten Verfassungszusatzes zum Verlust der Menschenrechte gegenüber der Religion.
3. März 2003

FindLaw Forum: Kindesmissbrauch, Kirchenprivileg und die Trennung von Kirche und Staat

von Marci A. Hamilton
FindLaw-Kolumnistin
CNN.com -Special

1. April 2002

(FindLaw) -- Sollte die katholische Kirche ihrem eigenen Weg überlassen werden um das Kindesmissbrauchsproblem "in Ordnung zu bringen"? Manche schlagen vor, dass die Antwort Ja ist. Sie führen Sorgen an, dass ein Einmischen in eine religiöse Institution die Trennung von Kirche und Staat gefährdet und dass diese sonst geehrte Institution beleidigt wird. Die Kirche hat jedoch mindestens achtzehn Jahre Zeit gehabt und wahrscheinlich viel länger, um ihr Haus zu säubern - schließlich brach der Skandal in Louisiana 1984 aus.

Weit davon entfernt, ihr Haus zu säubern, verbrachte die Kirche die 80er und die 90er damit, ihre Fenster zu schließen. Sie "löste" die sexuellen Probleme ihrer Priester durch das Versetzen von Priestern, die Sexualtäter waren - die sie lediglich versetzten, um Jagd auf eine Ernte von frischen Opfern zu machen, gefangen in Vertrauen und Furcht. Wenn eines der Opfer oder ihre Familien klagten, wurden sie eingeschüchtertes und/oder mit Geld abgespeist.

Eine strenge Charakterisierung? Ja, aber eine genaue - und eine notwendige, wenn wir die langsam auftauchende Überlegung bekämpfen sollen, dass die Kirche in Ruhe gelassen werden sollte, oder schlimmer, dass sie das verfassungsmäßige Recht hat, in Ruhe gelassen zu werden. Mitten in diesem Skandal ist solch eine Überlegung unheimlicher Stoff, und Erinnerungen an den wirklichen Preis für die Kinder, wenn die Kirche in Ruhe gelassen wird, sind ein wichtiges Tonikum.

Es gibt keinen Grund, die soziale Antwort auf diesen Skandal als Entweder-oder-Vorschlag zu behandeln - worin die Regierung auch praktisch die katholische Kirche übernimmt oder sich weigert, sie anzufassen. Sowohl die Kirche als auch die Regierung tragen jetzt die Verantwortung, sicherzustellen, dass Kindesmissbrauch nie wieder geschieht oder wenigstens schwer bestraft wird, wenn es auftritt. Die Verfassung liefert keine Entschuldigung dafür, sich vor dieser Verantwortung zu drücken.

Religionsfreiheit, wie sie ihre Erschaffer sahen, hatte ihre Grenzen im Strafgesetz

Religionsfreiheit verlangt nicht, dass die Regierung in Anbetracht unwiderlegbarer, schwerwiegender und Ekel erregender Beweise eines konzertierten Unternehmens, kriminelle Aktivität zu fördern, zurückweicht - besonders wenn diese Aktivität Kindesmissbrauch ist, begangen an unschuldigen, verwundbaren Opfern ohne die Kraft zu protestieren oder die Fähigkeit sich zu verteidigen.

Zur Zeit des Abfassens der Verfassung der Vereinigten Staaten wiederholten Religionsführer immer wieder, dass die Religionsfreiheit die Freiheit zu glauben und anzubeten fordere. Jedoch betonten sie ebenso leidenschaftlich, wenn dieser Glaube in offene Taten ausbrach, andere zu verletzen, dann könne der Staat den Missetäter zu Recht bestrafen. Als die Verfassung religiöse Freiheit garantierte, glaubte niemand, dass sie auch einen Freibrief lieferte, fromm motiviertes Verbrechen zu begehen.

Dies war wahr über ein weites Aufgebot an christlichen Gruppen hin. Religiöse Anhänger sollten nicht vor der Macht des Gesetzes geschützt werden. Eher wurde es erwartet, dass sie ein Beispiel für die Gesellschaft gaben; versuchten, dem Wohl des Ganzen dadurch zu dienen, dass sie anderen nicht in Übertretung des Gesetzes schadeten. Es war ein Geschenk.

Mehr als 200 Jahre später haben wir verschiedene Institutionen, die sich die Hände über die Verhängung der Regierung gegen die katholische Kirche reiben, als ob die Regierung sich von dem begangenen Schaden abwenden sollte. Sie begreifen es einfach nicht. Die einzige Art, diese Gesellschaft zusammenhängend und sicher für jeden zu machen, ist, religiösen Anhängern Strafgesetze wie jedem anderen aufzuerlegen.

Wenn die Verhängung so schwerwiegend ist, dass sie eine wesentliche Belastung für die Religion darstellt, dann mögen die religiösen Anhänger gegenüber den Staatslegislativen eine Anpassung - eine Befreiung vom Gesetz - diskutieren. Es kann sein, dass die Legislative dann diese Bitten berücksichtigt, wenn sie sie gegen das größere Wohl einschließlich der entscheidenden Interessen von Kindern abwägt.

Wenn Religion und Kindeswohl einander gegenüberstehen, gewinnt allzu oft die Religion

Warum ist es in dieser Gesellschaft so, dass wir so bereit gewesen sind, religiöse Institutionen auf Gefahr des Kindeswohls hin gefällig zu sein? In Rechtskonflikten, vor dem Obersten Gericht und innerhalb unserer Legislativen, tendieren religiöse Institutionen und religiöse Eltern dazu, zu gewinnen, sogar wenn es bedeutet, dass die Kinder verlieren.

Zum Beispiel wurden dem Klerus - der dem höchsten Gut dienen sollte - Befreiungen von Staatsgesetzen gewährt, die verlangen, dass andere Sorgeberechtigte von Kindern Kindesmissbrauch anzeigen. Der Preis dieser Befreiung ist nicht nur, dass Kindesmissbrauch nicht angezeigt wird; die Befreiung tendiert auch dazu, die Chance zu zerstören, dass er bestraft wird, wenn davon aufgrund der unrealistischen Verjährungsfristen in so vielen Staaten später Anzeige erstattet wird.

Zum Beispiel erlaubt diese Art der Befreiung der katholischen Kirche, das hauchdünne Aber, die für einige überzeugende Verteidigung "das Gesetz verlangte nicht, dass wir Anzeige erstatten", als Grund anzuführen, warum der Staat nicht die Kirchenbelange stören sollte. Doch die Forderung nach einer Anzeige von Kindesmissbrauchsanklagen ermöglicht dem Staat, automatisch die Information von der Kirche zu bekommen, die er braucht - ohne die unfaire Last des ersten Beweises der eigentlichen Behauptungen, die es zu untersuchen versucht, tragen zu müssen.

Der ungebührliche Spielraum für Religion, wo Kinder betroffen sind, hört nicht mit der Kirche auf - weit entfernt. Zum Beispiel sind Eltern bei Christian Science und Zeugen Jehovas Befreiungen von Anklagen wegen medizinischer Vernachlässigung gegeben worden, obwohl ihre Kinder leicht zu behandelnde Krankheiten haben und obwohl sie leiden. Und im Meilensteinfall Wisconsin gegen Yoder meinte das Oberste Gericht trotz des für Wisconsin obligatorischen Bildungsgesetz, dass eine Amish-Familie das Recht hatte, aus religiösen Gründen die Erziehung ihrer Kinder ab der 8. Klasse zu beenden.

Die Ansicht von Richter Douglas: Auch Kinder haben Rechte und Interessen

In Yoder schrieb Richter Douglas eine besonders interessante abweichende Meinung, die heute wichtige Fragen aufwirft. Er behauptete, dass das Gericht nicht so schnell hätte sein sollen, den Fall als einen allein zwischen den Amish-Eltern und dem Staat zu behandeln. Es gab einen Dritten, bemerkte er: das Kind.

Was ist, wenn das Kind trotz der Wünsche und religiöser Überzeugungen seiner oder ihrer Eltern in die High-School gehen wollte? Was ist, wenn die ernsthaft kranke Tochter einer an Glaubensheilung glaubenden Familie trotz des Einwands ihrer Eltern einen Arzt sehen will?

Für Douglas war das Kind nicht ein Pfand, sondern eher eine Person mit Rechten. Seine Botschaft ist unsere Aufmerksamkeit wert, nun, da wir feststellen, dass so viele Kinder von zu vielen Priestern verletzt werden. Douglas wies darauf hin, wie leicht diese Gesellschaft die Interessen der Kinder zurückstellt, und diese Interessen sind inmitten dieser auftauchenden Theorie, dass man der Kirche überlassen sollte, ihr eigenes Haus zu säubern, in Gefahr.

Es gibt eine richtige Art, dieses Problem zu beheben, und es wird von der Verfassung vorgeschrieben. Sowohl Regierung als auch die Kirche müssen ins Spiel kommen.

Die Kirche hat breiten Spielraum, um ihr Haus zu säubern, und sie sollte es öffentlich sofort und um ihrer selbst willen tun - sowohl, weil es das Richtige ist, es zu tun, und weil, wenn sie es nicht tut, die Regierung eine Grundlage für noch mehr Eindringen in Kirchenangelegenheiten, als gegenwärtig garantiert ist, hat. Aber die Regierung hat gleichzeitig die Macht und die Verpflichtung, Kinderschänder und alle jene strafrechtlich zu verfolgen, die diesem Missbrauch dadurch beistehen, indem sie ihn vertuschen. Die Legislative hat auch die Macht, die gesetzlichen Befreiungen von der Anzeigepflicht zu beenden, die die Regierung und die Öffentlichkeit über diese kostspielige soziale Angelegenheit in Unkenntnis gelassen haben. Sie sollte auch die Verjährungsfristen in solchen Fällen verlängern oder aufheben.

Wenn die Säuberung des Hauses der Kirche diesmal wirklich funktioniert, dann wird die Regierung etwas Zeit haben, sich den anderen in dieser Gesellschaft zu widmen, die Kindern nachstellen, und das dient allen zum Wohl. In einer idealen Welt würde die Kirche sich selbst überwachen, und trotz der Anzeigepflicht würde sie nichts anzuzeigen haben.

Aber das ist noch nicht unsere Welt. Und, wenn die Kirche nicht beginnt, sich viel besser als in den letzten Jahrzehnte zu überwachen, als sie von Missbrauch gewusst und wenig oder nichts getan hat, wird und sollte die Regierung bereit sein. Es wurde in unserer Verfassung und von den Verfassungsvätern beabsichtigt, dass Kirche und Staat Partner beim Schaffen des öffentlichen Wohls sind. Manchmal bedeutet das, dass der eine den anderen überprüfen muss, wenn er vom Kurs abkommt.