Vatican City

Sexualverbrechen und der Vatikan

Ein geheimes Dokument, das die Vorgehensweise für die Kindersexskandale in der katholischen Kirche vorschreibt, wird von Panorama untersucht.

Crimen Sollicitationis wurde vor 20 Jahren von Kardinal Joseph Ratzinger in Kraft gesetzt, ehe er Papst wurde. Es weist Bischöfe an, wie sie mit Kindesmissbrauchsanklagen gegen Priester umgehen sollen. Nur wenige Außenstehende haben es gesehen. Kritiker sagen, das Dokument sei benutzt worden, um Strafverfahren wegen Sexualverbrechen zu entgehen. Crimen Sollicitationis wurde 1962 in Latein geschrieben und den katholischen Bischöfen weltweit gegeben, die angewiesen sind, es im Kirchensafe fest verschlossen zu halten. Es weist sie an, wie sie mit Priestern umgehen sollen, die vom Beichtenden Sex erbitten. Es handelt auch von "allen obszönen Taten ... mit Jugendlichen beiderlei Geschlechts." Es verpflichtet das kindliche Opfer, den Priester, der mit der Anklage zu tun hat, und alle Zeugen zu einem Schweigegelübde. Den Eid zu brechen bedeutet die Exkommunikation aus der katholischen Kirche.

In einem Bericht für Panorama findet Colm O'Gorman sieben Priester, die in und in der Nähe der Vatikanstadt leben, gegen die Beschuldigungen erhoben wurden. Einer der Priester, Pater Joseph Henn, ist von einem Geschworenengericht in den USA des 13-fachen Missbrauchs überführt worden. Während der Dreharbeiten zu Sexualverbrechen und der Vatikan findet Colm heraus, dass Pater Henn aus der Zentrale seines Ordens im Vatikan heraus gegen seine Auslieferung kämpft. Der Vatikan hat ihn nicht gezwungen, nach Amerika zurückzukehren, um sich der Anklage gegen ihn zu stellen. Nach den Dreharbeiten verlor Pater Henn seinen Kampf gegen die Auslieferung, floh aber aus der Zentrale. Man glaubt, dass er sich in Italien versteckt, während es einen internationalen Haftbefehl gibt. Colm O'Gorman wurde in der Diözese Ferns in County Wexford in Irland von einem Priester vergewaltigt, als er 14 Jahre alt war. Pater Fortune wurde wegen 66-facher unsittlicher Tätlichkeiten und anderer Schwerverbrechen an acht Jungen angeklagt, beging aber am Vorabend seines Prozesses Selbstmord. Colm begann im März 2002 eine Untersuchung bei der BBC, die zum Rücktritt von Dr Brendan Comiskey führte, dem Bischof der Diözese Ferns. Colm drängte daraufhin auf eine behördliche Untersuchung, die zum Ferns Report führte. Er wurde im Oktober 2005 veröffentlicht und befand: "Eine Kultur der Geheimniskrämerei und der Furcht vor dem Skandal führte dazu, dass Bischöfe die Interessen der katholischen Kirche vor die Sicherheit von Kindern stellten."

Die katholische Kirche hat 50 Millionen Kinder in ihrer weltweiten Gemeinde und keine allgemeine Kinderschutzpolitik, obwohl es in Großbritannien das Katholische Büro für den Schutz von Kindern & verletzlichen Erwachsenen gibt. In einigen Ländern bedeutet dies, dass Crimen Sollicitationis die einzige Vorschrift ist, die man befolgt. Der Vatikan hat wiederholte Anfragen von Panorama, auf einen der Fälle im Film zu erwidern, abgelehnt.