Papst "führte Vertuschung von Missbrauch durch Priester an".

Aktualisiert um 23:22 Uhr am 30.09.06

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Tom Doyle (oben) und Papst Benedikt (unten)

 

Der Papst spielte eine führende Rolle beim systematischen Vertuschen von sexuellem Kindesmissbrauch durch römisch-katholische Priester, so eine schockierende Dokumentarsendung, die heute Abend auf BBC gesendet wird.

Im Jahr 2001, da war er noch Kardinal, gab er ein geheimes Vatikandekret an alle katholischen Bischöfe auf der ganzen Welt heraus, in dem diese angewiesen wurden, die Interessen der Kirche vor die Sicherheit von Kindern zu setzen.

Das Dokument empfahl, dass Bischöfe, anstatt Missbrauch den zuständigen Justizbehörden zu melden, das Opfer, die Zeugen und den Täter ermuntern sollten, nicht darüber zu reden. Und um Opfern den Mund zu verbieten, drohte es, wenn sie die Anschuldigungen wiederholten, würden sie exkommuniziert.

 

Die Panorama-Sendung Sexverbrechen und der Vatikan untersucht erstmals die Einzelheiten dieses wenig bekannten Dokuments. Das Programm beschuldigt die katholische Kirche auch, wissentlich missbrauchende Geistliche zu beherbergen. Es enthüllt, dass des  Missbrauchs angeklagte Priester generell nicht entlassen oder verhaftet, sondern einfach in eine andere Gemeinde versetzt werden, oft, damit sie dort ihre Taten wiederholen. Es gibt ein Beispiel für einen Schweigegeldfonds, um die Opfer zum Schweigen zu bewegen.

 

Ehe er im April des vergangenen Jahres zum Papst Benedikt XVI gewählt wurde, war der Pontifex Kardinal Joseph Ratzinger, der 24 Jahre lang Leiter der mächtigen Glaubenskongregation gewesen war, der Abteilung der römisch-katholischen Kirche, die den Auftrag hat, katholische Lehren zu Moral und Glaubensdingen zu fördern. Als Erzkonservativer wurde er als der betrachtet, der bei Papst Johannes Paul II dahinter stand, Herausforderungen für die katholische Lehre zu bekämpfen.

 

Vor fünf Jahren schickte er eine aktualisierte Version des berüchtigten Vatikandokuments Crimen Sollicitationis aus dem Jahr 1962, das die strengen Anweisungen der Kirche zum Vertuschen des Sexualskandals niederlegte. Es wurde als so geheim angesehen, dass es mit der Anweisung an die Bischöfe herauskam, es ständig in einem Safe verschlossen zu halten.

 

Kardinal Ratzinger setzte die strenge Vertuschungspolitik wieder in Kraft, indem er einen neuen Grundsatz einführte: dass der Vatikan haben muss, was er als ausschließliche Kompetenz bezeichnet. Mit anderen Worten, er gebot, dass alle Anklagen wegen Kindesmissbrauchs direkt von Rom behandelt werden sollten.

 

Patrick Wall, der früher Crimen Sollicitationis in Amerika in Kraft setzte, zeigt das Programm auf: "Ich fand heraus, dass es für eine heilige Institution nicht angemessen war, eher für eine, die sich selbst schützen will."

 

Und Pater Tom Doyle, ein Vatikananwalt, bis er entlassen wurde, weil er kritisierte, wie die Kirche mit Missbrauchsanklagen umgeht, sagt: "Was wir hier haben, ist eine explizite schriftliche Verhaltensregel, um sexuellen Kindesmissbrauch durch Geistliche zu vertuschen und die zu bestrafen, die auf die Verbrechen von Kirchenmännern aufmerksam machen.

 

"Wenn entdeckt wird, dass ein Priester Missbrauch treibt, wurde so reagiert, dass man nicht untersucht und bestraft, sondern ihn versetzt. Die Opfer und die Tatsache, dass man am nächsten Ort wieder eine Reihe von Missbräuchen hat, werden so völlig missachtet. Das geschieht auf der ganzen Welt."

 

Die Untersuchung konnte nicht zu einer schlechteren Zeit für Papst Benedikt kommen, der verzweifelt versucht, das Verhältnis zur moslemischen Welt nach einer Rede in Ordnung zu bringen, in der er einen byzantinischen Kaiser des 14. Jahrhunderts mit den Worten anführt, der Islam sei durch eiligen Krieg verbreitet worden und habe der Welt nur Böses gebracht.

 

Die Panorama-Sendung wird von Colm O'Gorman präsentiert, der mit 14 Jahren von einem Priester vergewaltigt wurde. Er sagte: "Was mich fertig macht, ist, dass es allerorts immer wieder dieselbe Geschichte ist. Bischöfe ernennen Priester, von denen sie wissen, dass sie in der Vergangenheit Kinder missbraucht haben, in neue Gemeinden, und weitere Missbräuche geschehen."

 

Gestern Abend sagte Eileen Shearer, Leiterin des katholischen Büros für den Schutz von Kindern und schutzbefohlenen Erwachsenen: "Die katholische Kirche in England und Wales hat einzigartige landesweite Vorschriften für den Kinderschutz in Kraft gesetzt. Wir machen ausgezeichnete Fortschritte beim Schutz von Kindern und der Verhinderung von Missbrauch."

 

Panorama: Sexverbrechen und der Vatikan läuft heute Abend um 22:15 Uhr auf BBC1.