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Verjährungsgesetze ändern sich
Mehr Missbrauchsopfer können nach neuen Regeln klagen
Veröffentlicht: 5. August 2007. Missbrauchsopfer erneuern Bemühungen um Erleichterung in Zivilprozessen. Urteil des obersten Gerichts eines Bundesstaates stellt das Thema wieder in den Mittelpunkt, sagen Beamte. Von Dan Wilson, Redakteur des Post-Crescent. Ein neueres Urteil des Supreme Court eines Bundesstaates und der Vergleich mit der katholischen Erzdiözese von Los Angeles hat Bemühungen von Aktivisten einen Anschub gegeben, für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester in Wisconsin eine Erleichterung zu erreichen. Bis jetzt sind mutmaßliche Opfer durch die Verjährungsfrist daran gehindert, Klagen gegen die katholische Kirche in Wisconsin einzureichen. Inzwischen sind Anstrengungen auf dem Weg, die Gesetzgebung dazu zu bringen, die Verjährung zeitweise aufzuheben, ähnlich dem Zeitfenster, das zu dem neulich geschlossenen Vergleich über 660 Millionen Dollar in Kalifornien führte. Die Möglichkeit für ein "Zeitfenster" wurde am 11. Juli vom State Supreme Court eröffnet, als er entschied, Missbrauchsopfer könnten die Kirche unter den Gesetzen für Betrug verklagen. Das würde es einigen Klagen ermöglichen, voranzukommen. "Dieses Urteil hat das Thema wieder in den Mittelpunkt gerückt", sagte Ted Thompson, Verwaltungsdirektor der National Association to Prevent Child Sexual Abuse mit Sitz in St. Paul, Minnesota. Das Urteil setzt einen hohen Maßstab für mögliche Kläger, die beweisen müssten, dass die Kirche Beweise für das Fehlverhalten eines Priesters in in den vergangenen sechs Jahren zurückhielt — das ist die Verjährungsfrist für Ansprüche aus Betrug. Sie müssten diese Beweise auch zur Hand haben. "Was bedeutsam ist: Wenn man das Urteil liest, sieht man, dass das Gericht sagt, bevor jemand die Kirche wegen Betrugs verklagt, muss man Beweise für den Betrug haben", sagte James Smith, ein Anwalt aus Brookfield, der den Fall im Interesse von vier Klägern vor Gericht brachte. Der normale Prozess, eine Klage einzureichen und dann während der Beweisaufnahme an die Dokumente zu kommen, würde nicht zutreffen. "Wir können keine Klage einreichen, ihre Akten bekommen und es dann beweisen. Wir müssen sie schon vorher haben", sagte Smith. Ironischerweise wies der Vergleich in den kalifornischen Fällen zurück auf Wisconsin. Zwei Priester, Franklyn Becker und Siegfried Widera, wurden beide aus Wisconsin nach Kalifornien versetzt, nachdem sie von einer Gemeinde in die andere zogen. Ihre kalifornischen Akten offenbarten ihre Vorgeschichte in Wisconsin. Widera wurde eines sexuellen Angriffs überführt und beging Selbstmord in Mexico City. Becker, 70, wurde von der Kirche des Amtes enthoben und lebt weiterhin in Wisconsin. Widera und Becker sind unter 43 Priestern, die auf der Webseite der Erzdiözese Milwaukee als Missbraucstäter geführt werden. In diesen kalifornischen Fällen gefundene Dokumente befinden sich in den Händen von Smith, der vorhersieht, dass er in naher Zukunft auf Betrug basierende Klagen einreichen wird. Für Aktivisten liefert das Gerichtsurteil die Hoffnung, dass sich der Wind in ihre Richtung dreht. "Wir haben schon vor dem Urteil an einer gesetzgeberischen Sprachregelung gearbeitet, aber jetzt sehen wir die Sache anders an", sagte Thompson. "Es ist klar, dass der Gesetzgeber handeln muss, um die Ungerechtigkeiten im Gesetz zu beseitigen." Thompson sagte,  sie drängten auf zwei Fronten voran. Eine ist eine Regel im bestehenden Deliktrecht, die Klägern erlaubt, die strenge Auslegung der Verjährung zu umschiffen. "Sie nennt sich Regel der 'verzögerten Entdeckung' und würde dem Opfer erlauben, die Verjährung erst beginnen zu lassen, wenn die Verletzungen aus dem Kindheitsmissbrauch entdeckt werden", sagte er. "Für Opfer dieser Art von Trauma besteht eine wichtige Verzögerung zischen der Zeit, wo der Missbrauch stattfindet, und der Zeit, wo das Opfer damit und mit dem, was geschah, klarkommt." Thompson sagte, die Regel der verzögerten Entdeckung würde Missbrauchsklagen gegen Priester auf dasselbe Fundament setzen wie ärztliche Kunstfehler. "Würde ein Arzt einen Schwamm im Operationsfeld hinterlassen und man entdeckte das 25 Jahre später, könnte man immer noch klagen, weil einem die Verletzung damals gar nicht bewusst war", sagte er. Zweitens drängt Thompson auf ein Zeitfenster, das die Verjährung zeitweise außer Kraft setzen würde, so dass alte Ansprüche eingeklagt werden könnten. "Die Regel der verzögerten Entdeckung funktioniert gut in den heutigen Fällen, aber sie bewirkt überhaupt nichts für Opfer in der Vergangenheit", sagte Thompson. "Das Büro des Gouverneurs hat eine Erklärung herausgegeben, in dem die Idee unterstützt wird." Todd Merryfield, ein Opfer des überführten Priesters John Patrick Feeney, sagte, er und sein Bruder "würden sicher in Erwägung ziehen", sich einer Klage anzuschließen, wenn das Gesetz geändert würde. Todd und sein Bruder Troy wurden im Alter von 12 und 14 Jahren von Feeney missbraucht, als dieser in den späten 1970er Jahren Pastor der katholischen Kirche St. Nicholas in Freedom war. Feeney war in dem Gebiet des Fox Valley von Gemeinde zu Gemeinde versetzt worden, wann immer Beschuldigungen gegen ihn aufkamen. Feeney sitzt wegen des Missbrauchs an den Merryfields eine 15-jährige Gefängnisstrafe ab. "Es gibt nur so viele Opfer, und nichts wurde je den Behörden zur Kenntnis gebracht", sagte Todd Merryfield. "Wir werden nie sein volles Ausmaß kennen, und diese Oper können keine Gerechtigkeit erlangen, es ei denn, es gibt eine solche Änderung im Gesetz". Dan Wilson: 920-993-1000, ext. 304, oder dwilson@postcrescent.com