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Eine Schwester schreibt
Eine Schwester schreibt über ihren Missbrauch und gibt ein lebendes Beispiel, wie Wachtturm-Politik weiter Opfern schadet
Ich wuchs nicht als Zeugin auf. Ich wurde im Juni 2004 getauft, nachdem ich etwas mehr als zwei Jahre studiert hatte. Während dieser Zeit war ich ungetaufte Verkündigerin, und auch mein Mann studierte während des größten Teils dieser Zeit. Er wurde allerdings nie getauft. Mein Mann hatte mich seit Beginn unserer Ehe missbraucht, und der Missbrauch war langsam schlimmer geworden, doch je mehr ich im Dienst tat und je regelmäßiger ich die Versammlungen besuchte, um so schlimmer wurde ich missbraucht. Es hatte angefangen, wirklich schlimmer zu werden, als er studierte und erfuhr, dass er das Haupt ist. Das benutzte er dann gegen mich, um sein Verhalten zu entschuldigen. Kurze Zeit, nachdem ich getauft wurde, würgte mich mein Mann und ich konnte ihn dazu bewegen, mit mir zu den Ältesten zu gehen. Natürlich sagten sie, sie könnten nichts gegen ihn unternehmen, da er nicht getauft sei. Sie informierten ihn, dies sei ein biblischer Grund für eine Trennung, und sagten ihm, sie würden mich bei meiner Entscheidung unterstützen, da ich als Zeugin getauft sei und er nicht. Doch gleichzeitig wurde ich gelobt, dass ich nicht die Polizei gerufen hatte, und mir wurde davon abgeraten, das jemals in der Zukunft zu tun. Ein andermal ging ich allein zu den Ältesten wegen des Missbrauchs, und wie andere geschrieben haben, wurde auch mir geraten, eine bessere Ehefrau zu sein und mehr zu beten und geduldig zu sein. Ich sagte ihnen, dass ich genau das täte und ich sei es leid zu warten. Zu der Zeit hatte ich eine Zeitlang nicht mehr gebetet, weil ich jeden Glauben an einen Gott verloren hatte, der es lieber hatte, dass meine Kinder und ich in dieser Situation lebten, als Sicherheit zu suchen, nur weil ich verheiratet war. Mein Mann sagte mir, er würde nie Ehebruch begehen, wenn ich ihn also verließe, könnte ich mich nie aus einem biblischen Grund scheiden lassen. Ich fühlte mich aufgrund ihrer Vorschriften in einer Ehe mit einem lieblosen Mann gefangen. Ich begann, Groll gegen Gott zu hegen, und war einem Nervenzusammenbruch sehr nahe. Schließlich war ich mehrere Monate lang nicht mehr zur Versammlung gegangen, da hatte ich genug vom Missbrauch meines Mannes und verließ ihn. Ich betrachte mich nicht mehr als Zeugin Jehovas, obwohl ich nicht ausgeschlossen bin. Ich habe nicht vor, in den Königreichssaal zurückzugehen, da ich jetzt gesehen habe, wie wenig sie einem tatsächlich helfen, wenn man Hilfe braucht. Ich bin so froh, diese Webseite gefunden zu haben. Es hat so sehr geholfen, zu wissen, dass es nicht nur ich bin, mein Stolz oder mein unabhängiges Denken, das mir das Gefühl gab, von dieser Organisation im Stich gelassen worden zu sein. Zu sehen, dass andere ebenso empfunden haben, ist solch ein Trost. Ich hoffe, dass viele weitere diese Webseite finden und sehen, dass sie nicht alleine sind. CR