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Der Fall Berry in den Medien
Fall Berry könnte etwas für Schutz von Kindern bewirken
Von ERIC MOSKOWITZ, Redakteur des Monitor. 25. Januar 2006. Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren haben Abgeordnete einen Gesetzentwurf eingebracht, der von Religionsführern fordert, mutmaßlichen Kindesmissbrauch anzuzeigen, selbst wenn sie davon im privaten Rahmen einer Beichte hören. Die Diözese Manchester ist gegen das Gesetz und sagt, es würde mit der Religionsfreiheit in Konflikt stehen, ohne den Schutz für Kinder sicherer zu machen. Der Child Protection Act, in Kraft gesetzt 1979, fordert von jedem im Bundesstaat, der Missbrauch oder Vernachlässigung vermutet, seinen Verdacht den Justizbehörden zu melden. Das Gesetz schließt ausdrücklich auch Vertreter von Religionen ein. Doch ein anderes Gesetz des Bundesstaates nimmt Geistliche davon aus, vor Gericht über Dinge auszusagen, die in einer Beichte oder in ähnlichem Setting gesagt wurden. Diese Doppeldeutigkeit führte die Abgeordnete Mary Stuart Gile, Demokratin aus Concord, dazu, vor drei Jahren ein klar stellendes Gesetz einzureichen. Dieses Gesetz wurde im Jahre 2994 durch den Gesetzgeber wieder abgeschafft. Kirchenvertreter sprachen sich gestern gegen das Gesetz aus. "Zuerst besteht keine Frage, dass Kindesmissbrauch ein schreckliches Verbrechen ist", sagte Diane Quinlan, Kanzlerin der Diözese. Seit 2001 hat die Kirche Tausende von Priestern, Diakonen, Angestellten und Ehrenamtlichen über die Notwendigkeit unterrichtet, sich an das Gesetz zu halten, das von ihnen fordert, jeden Missbrauch, von dem sie unter allen möglichen Umständen erfahren, anzuzeigen mit Ausnahme der Beichte, sagte sie. Eine auf die Beichte "beschränkte Ausnahme" zuzulassen, sei entscheidend für die freie Praktizierung des Katholizismus, sagte Quinlan, die höchstrangige Laienvertreterin der Diözese. Damit das Bußsakrament - allgemein bekannt als "Beichtsakrament" - innerhalb der Kirche Wert habe, müsse es streng vertraulich sein. Jeder Priester, der diese Vertraulichkeit verletzt, würde exkommuniziert, sagte sie. "So schwerwiegend ist das nach unserem Glauben", sagte Quinlan. Lobbyisten des Child and Family Services - eine gemeinnützige Einrichtung für das Kindeswohl - und die Koalition gegen häusliche Gewalt in New Hampshire sprachen sich für das Gesetz aus, aebenso Vertreter der Staatsanwaltschaft von Hillsborough County, die den Fall gegen den Zeugen Jehovas verfolgten und Hilfe für die Opfer gaben. Scott Hilliard, Polizeichef von Northfield, der die New Hampshire Association of Chiefs of Police vertritt, sprach auch, er bekannte sich als praktizierender Katholik und Ministrant - und als früherer Ermittler bei Kindesmissbrauch. "(Wir) meinen, dass es wichtig ist, dass es von der Pflicht, Anzeige zu erstatten, keine Ausnahme gibt", sagte er und unterstützte das Gesetz. Die Generalstaatsanwaltschaft hat noch keine Position zu dem Gesetz bezogen, aber in einer Erklärung sagte sie, die Maßnahme würde schlüssig bestehende Gesetzeskonflikte lösen. Die Mitglieder des Unterausschusses sprachen sich einmütig für das Gesetz aus - um Kinder zu schützen -, waren aber anscheinend gemischter Meinung, ob es verfassungsgemäß und praktikabel sei. "Wie können wir Kinder schützen, ohne einen inhärenten Verfassungskonflikt zu schaffen?" sagte die Abgeordnete Mary Beth Walz, Demokratin aus Bow. "Denn ich fürchte, genau dahin gelangen wir damit." Katholische Priester dazu zu bewegen, sich an das Gesetz zu halten, könnte ein großes Problem sein", sagte der Abgeordnete D.J. Bettencourt, Vorsitzender des Unterausschusses, ob das Gesetz nun vor Gericht angefochten werde oder nicht. Bettencourt, ein Katholik, sagte, er habe sich mit seinem eigenen Priester über das Gesetz besprochen. Sein Priester würde eher ins Gefängnis gehen, als etwas preiszugeben, das er in der Beichte erfahren habe, sagte er. "Ich möchte sicher nicht, dass Priester ins Gefängnis gehen", sagte Bettencourt, Republikaner aus Salem. Fürsprecher beider Seiten zitierten gestern Fälle des U.S. Supreme Court, die jeweils ihre Positionen untermauerten, ob das Gesetz verfassungsgemäß sei oder nicht. Der Unterausschuss wird morgen früh wieder zusammentreten, um die Sache weiter zu erörtern, und sie hoffen, einen Verfassungsrechtler zu hören. "Ich glaube, dass das Zivilrecht über dem kanonischen Recht steht. Aber ich bin kein Katholik, und ich weiß, dass die Beichtdoktrin für Katholiken sehr, sehr wichtig ist", sagte Gile danach und fügte hinzu, bei dem Gesetz gehe es nicht darum, eine einzelne Religion auszusondern. "Wir müssen unsere Kinder schützen." Ein früheres Gesetz, das versuchte, Religionsangehörige dazu zu zwingen, Missbrauch zu melden, von dem sich der Gesetzgeber erhoffte, es würde das Problem lösen, wurde wegen eines Rechtsfalles außer Kraft gesetzt. Paul Berry, der der Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton angehörte, wurde im Jahre2000 wegen Missbrauchs verurteilt und erhielt 56 bis 112 Jahre im Staatsgefängnis. Seine Tochter und seine Stieftochter verklagten die Kirche im Jahre 2001, sie machten geltend, dass Kirchenälteste in den 1980er Jahren wiederholt die Klagen ihrer Mutter, dass Berry die Mädchen missbrauche, ignorierten. (Die Poliezi erfuhr später durch einen Lehrer von dem Missbrauch.) Die Kirchenältesten sagten, so die Mutter, die Sache solle von der Kirche behandelt werden, nicht von weltlichen Behörde, und wiesen die Mutter an, über den Missbrauch zu schweigen, zu beten und "eine bessere Ehefrau zu sein". Ein Richter eines Obergerichtes erkannte die Pflicht der Kirche an, den Missbrauch anzuzeigen, wies aber die Zivilklage mit der Begründung ab, das Gesetz des Staates nehme Kirchenälteste davon aus, etwas preiszugeben, das in einer Beichte gesagt wurde. Die Schwestern legten beim Supreme Court des Bundesstaates Berufung ein, das den Fall Ende 2004 verhandelte. Gile sagte, sie und andere, die das Gesetz unterstützten, hätten gedacht, das Obergericht würde die Sache klarstellen. "Ich habe angenommen, sie würden das Problem erkennen, das in den beiden Gesetzen steckte", sagte sie. Aber das Gericht gab im Juli ein geteiltes Urteil heraus, in dem das Urteil des Untergerichtes bestätigt wurde, aber nicht auf die beiden Gesetze eingegangen wurde. "Also rechnete ich mir aus, versuchen wir es noch einmal", sagte Gile, die sowohl das frühere wie das neue Gesetz befürwortet, zusammen mit dem Abgeordneten Don Brueggemann, ebenfalls Demokrat aus Concord. Der Ausschuss für Kinder und Familie hatte Anfang dieses Monats eine Anhörung zu dem Gesetz und verwies es an den Unterausschuss, der gestern seine erste Arbeitssitzung hatte. ------ Ende des Artikels von ERIC MOSKOWITZ.