7. November 2006

 

Sehr geehrter Zeugenmandant,

ich schreibe diesen Brief an Dich, weil Du einer der vielen Mandanten bist, die auch Brüder und Schwestern sind.

 

Kürzlich ist mir zu Ohren gekommen (durch Brüder und Schwestern in gutem Ansehen in einer anderen Versammlung), dass wir zwei frühere Kinderschänder in unserer Versammlung haben.  Ich habe mich deshalb an die Ältesten gewandt, und mir wurde gesagt, das stimme. Ich akzeptiere zwar völlig, dass sie reumütig sind und Jehova ihnen vergeben hat, aber dennoch habe ich nachgefragt, welche Schritte unternommen wurden, um sowohl die Versammlung als auch die Öffentlichkeit vor diesen Männern zu schützen (Dienst von Haus zu Haus) und auch diese Männer davor zu bewahren, dass sie sich in Situationen wieder finden, wo sie rückfällig werden könnten.

 

Ich erhielt keine Antwort von den Ältesten, daher schrieb ich einen Brief, in dem ich umriss, dass wir als Älteste und Diener die rechtlich anerkannte Fürsorgepflicht unter den neuen Kinderschutzgesetzen haben, Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass diese Männer nicht in eine Position kommen dürfen, wo auch nur die Möglichkeit besteht, dass sie ein Kind missbrauchen. Ich habe vorgeschlagen, dass Familienhäupter mit Kindern darüber informiert werden, wer diese Männer sind, nicht um sie zu verunglimpfen, sondern nur als Schutz für alle Betroffenen und damit, falls diese Männer tatsächlich am Predigtdienst teilnehmen dürfen, sie von einem verantwortlichen Bruder begleitet werden. Eine Kopie des Schreibens, das ich von den Ältesten erhielt, ist beigefügt. Ich würde mich freuen, wenn Ihr den Brief lesen könntet, der von den Ältesten der Versammlung Tuncurry unterzeichnet wurde, nämlich: Mark Tahu – Vorsitz führender Aufseher, Steve Ward – Sekretär, und Alan Larsen - Predigtdienstaufseher. Es ist auch erwähnenswert, dass die Ältesten zwar nicht die Familienhäupter über den Status dieser Männer gewarnt haben, aber ihre eigenen Frauen, sodass ihre Kinder geschützt werden, doch der Rest der Versammlung hat keine Vorstellung. 

 

In meinem Brief an die Ältesten habe ich nie gesagt, dass ich kein Zeuge Jehovas sein wolle, doch selbst wenn das der Fall wäre, war ich schockiert, als ich las, dass die Ältesten bereit waren, mit der Sicherheit der Versammlung einen Handel abzuschließen. Sie sagen, sie glaubten, ich wolle kein Zeuge Jehovas mehr sein, und dann fügen sie die Worte hinzu, und ich zitiere:  Wenn das der Fall ist, stimmen wir zu und handeln so, und dann stimmen sie zu, Schritte zu unternehmen, die die Versammlung schützen würden. Über ihr Angebot haben sie keine Zweifel gelassen, und ich zitiere wieder:  Wenn du das schriftlich bestätigst, ist das zufrieden stellend, wir werden so handeln wie nötig.

 

Bedeutet das, wenn ich nicht zustimme, würden sie diese Schritte unternehmen? Ich finde diese Situation unglaublich, dass sie anbieten, auf ein Rechtskomitee zu verzichten, wenn ich einfach weggehe.

 

Wegen dieses Briefes habe ich entschieden, dass ich ein Heuchler wäre (geschweige denn Blutschuld hätte, wenn ein Kind missbraucht würde), wenn ich von den Ältesten erwartete, dass sie die Familienhäupter warnen, und doch hatte ich nicht den Mut, sie selbst zu warnen. Jetzt habe ich die Familienhäupter gewarnt und bin nun zu einer weiteren Rechtskomiteesitzung geladen. Das Ergebnis ist, dass ich ausgeschlossen wurde.

 

Ich verstehe die Lage, in das Euch das bringt, und ich möchte nur, dass Ihr wisst, dass ich dies so wenig unangenehm wie möglich machen will. Ich möchte Euch nicht als Mandanten verlieren (oder als Freunde natürlich), aber ich verstehe, in welche Lage Euch das bringt und respektiere, welche Entscheidung auch immer ihr treffen werdet. Wenn Ihr beschließt, mich als Euren Steuerberater zu behalten und die Beziehung rein auf das Geschäftliche beschränken wollt, werde ich das respektieren; wenn Ihr andererseits meint, Ihr könntet nichts mehr mit mir zu tun haben, verstehe ich auch das sehr gut.

 

Seid versichert, dass ich Jehova immer noch liebe, seinen Sohn und sein Wort, die Bibel, liebe, aber ich kann nicht mehr blind gegenüber einer Politik sein, die zulässt, dass frühere Kinderschänder in neue Versammlungen umziehen, ohne dass die Brüder und Schwestern mit Kindern gewarnt werden, obwohl die Ältesten diese Information haben und ihre eigenen Familien warnen.

 

Wenn Ihr beschließt, Ihr könntet nichts mehr mit mir zu tun haben, respektiere ich Eure Entscheidung.  Ich danke Euch von Herzen für Eure Freundschaft und dass Ihr meine Kunden wart, und ich hoffe, für Euch und Eurer Geschäft weiter eine Hilfe zu sein.   

 

Mit freundlichen Grüßen

 

John Domina