John Brown Interview -- Mitschrift

 

B. Musste ich etwas für Sie klarstellen?

L. Ja, bitte, ich habe meine Aufzeichnungen noch einmal durchgesehen, und ich wollte ein paar weitere klare Fragen stellen.

B. Okay, wenn Sie das recht schnell tun können, denn ich muss noch zu einer anderen Verabredung. Bitte schießen Sie los.

L. Ich werde es so rasch wie möglich machen. In welcher Eigenschaft wurde Cano ins Ausland geschickt? Es gab Berichte in den Medien, dass er zur Arbeit in andere Zweigbüros geschickt wurde.

B. Nein, er ging für eine Zeitlang in die Dominikanische Republik, und er half ihnen etwa ein Jahr lang bei ihren Fahrzeugen, dann kam er zurück. Wir haben ihn einfach ausgeliehen, und das tun wir mit denen, die besondere Fähigkeiten haben. Er war also nicht im üblichen Sinne im Ausland; es war unten in der Dominikanischen Republik.

L. Verstanden, okay, und seine augenblickliche Stellung in der Organisation war --, er wurde aus der Familie, die Sie nannten, entfernt?

B. Ähm.

L. Aber gab es irgendeinen Schritt, ihn auszuschließen --

B. Ja, da kann ich Ihnen etwas Neues sagen, und ich bin froh, dass Sie noch einmal angerufen haben, denn ich habe gerade die Information bekommen, dass er kein Zeuge Jehovas mehr ist.

L. Das heißt also, er wurde zwangsweise ausgeschlossen?

B. Gemeinschaftsentzug, ja den hat er.

L. Ihm ist also die Gemeinschaft entzogen worden, okay.

B. Wir geben dafür nie Gründe an, das ist vertraulich, wissen Sie, aber --

L. Verstanden, ja. Heißt das, bei der Schnelligkeit, äh, mit der der Fall hochgekommen ist, waren da zwei Mitglieder [Komitee] beteiligt? -- Wenn ich nicht irre, nennen Sie auf Ihrer Webseite einige Schritte, die in der Vergangenheit unternommen wurden, um sicherzustellen, dass Eltern aufgeklärt werden, dass die Organisation eine wehrhafte Vorgehensweise gegen Täter dieser Art von Verbrechen hat?

B. Äh, also, wie lautet dann Ihre Frage -- ?

L. Gab es ein besonderes Verfahren, oder wurde er einfach so entfernt --

B. Nein, wir müssen ein bestimmtes Verfahren durchlaufen. Also mit anderen Worten; um es nur allgemein zu beschreiben, würde er drei Älteste bei sich haben, und sie würden die Person von Angesicht zu Angesicht treffen gehen, würden die Anklage vorlegen, er könnte sagen, was er wollte, generell würden sie mit Fragen herauszufinden suchen, was wichtig ist, und dann könnten sie entsprechend handeln. Wenn er Zeugen hat oder wenn wir Zeugen haben, dürften sie vor demselben Komitee sprechen oder würden von ihm befragt werden. Dann stellen sie alle Fakten, die sie zusammengetragen haben, zusammen, und dann wird in der Versammlung, in die der Beschuldigte (jetzt der Schuldige) geht, eine Bekanntmachung gegeben, und wenn er zur Bethel-Familie gehört, dann wird die Sache vor der ganzen Bethel-Familie bekannt gemacht.

L. Vor der ganzen Versammlung, wir haben gestern erwähnt, dass das in Newburg, New York, war.

B. Richtig, obwohl ich denke, ich habe Ihnen erklärt, dass wir zwar in drei Komplexen arbeiten, dass wir uns aber als eine einzige Familie sehen, und wir sind jeden Morgen per Fernsehen miteinander verbunden, wenn der Tagestext besprochen wird und die Bekanntmachungen verlesen werden, und was wichtig ist für alle drei Komplexe, geschieht jeden Morgen dort. Und das Programm dauert 15 bis 20 Minuten.

L. Ich glaube, Sie haben schon meine nächste Frage in Bezug auf Cano beantwortet; und die lautet, ob es eine juristische Unterstützung für Cano im Interesse der Zeugenorganisation gab, falls er ausgeschlossen ist.

B. Mit anderen Worten, wenn er rausgeworfen ist. Wir fühlen uns dazu nicht verpflichtet, denn wirklich, ich habe es Ihnen gestern schon erklärt, wir unterstützen ganz die Gesetze, da sie sich meistenteils auf die Schrift gründen, und wir sind ebenso gegen so etwas wie jeder andere. Wir bemühen uns also nicht, jemanden zu schützen, der an Verbrechen schuldig ist ... nein, wir unterstützen das in keiner Weise.

L. Nur um mein Gedächtnis aufzufrischen, gibt es einen Glaubenssatz oder hat sich die Lehre der Organisation geändert, dass sie einmal vom Geist inspiriert war und jetzt wird das nicht mehr gesagt? Mit anderen Worten, worauf ich hinaus will, glauben Sie, dass sich das wiederholt oder dass da ein Muster zu erkennen ist?

B. Nein.

L. Auch aufgrund der Tatsache, dass es sich bei den Freiwilligen eben nur um Menschen handelt?

B. Genau das meinen wir. Mit anderen Worten, heute gibt es keinen Jeremia, Jesaja oder anderen Propheten unter uns. Niemand ist inspiriert. Sie sind eifrige Erforscher der Bibel, der Heiligen Schrift, sie schauen zu Gott um Leitung auf, während sie die Schrift lesen und erklären.

L. Also, weder die freiwilligen Mitarbeiter noch die Führung der Zeugen-Jehovas-Kirche selbst behauptet, vom Geist inspiriert oder geleitet oder was zu sein?

B. Nein, nein, wir haben niemand, der das erwartet.

L. Anscheinend ist das eine Änderung in der Theologie. Irgendwann einmal, in den späten 1970er und in den 80er Jahren, da gab es den Schritt, die Kirche als wahre Organisation Gottes hier auf Erden herauszustellen, aber was ich jetzt höre, ist vielleicht, dass die Organisation sich etwas mehr angepasst hat, und das wäre doch etwas Positiveres?

B. Ich weiß nicht, ob Sie uns zu den großen Religionen zählen können, das sollen andere entscheiden, aber wir haben keinesfalls den Anspruch erhoben, dass wir in irgendeiner Weise über anderen stehen oder dass wir einen besonderen Draht zu Gott oder besondere Informationen haben. Wir meinen sicher, dass wir die Wahrheit haben, sonst würden wir etwas anderes verkünden. Also waren diese Dinge ein wenig durcheinander gebracht in der Vergangenheit, aber wir haben uns bemüht, sie zu klären. Was wir meinen, als die Wahrheit zu haben, das verkünden wir anderen. Das ist der Grund, warum wir das Werk durchführen (von Haus zu Haus, Straßendienst, was immer), unsere Botschaft weiterzugeben, von der wir meinen, dass sie auf der Bibel und der Wahrheit basiert. Aber das basiert auf der Bibel, wir haben es nicht erfunden, es stammt nicht von uns, es steht schon dort.

L. Verstanden. Also verstehen Sie das gegenwärtig nicht so, dass nur die Zeugen Jehovas, sozusagen, auserwählt sind, dass sie die Einzigen sind, die ein Weltuntergangsszenario überleben?

B. Wir glauben, die Entscheidung liegt ganz bei Gott. Aber wir wissen doch, wenn jemand sich nicht an Gottes Art des Lebens und Denkens ausrichtet, dann geht er ein ernstes Risiko ein. So wie die Leute zur Zeit Noahs handelten, die sich am Ende nicht nach dem richteten, was Gottes Prophet sagte, und das war Noah, so überlebten sie nicht. Sie kamen in der Sintflut um. So ist es auch heutzutage; wir glauben, dass Leute nicht überleben, die sich nicht nach dem richten, was geschrieben steht. Und jeder kann Gottes Wort, die Bibel, lesen. Es liegt bei ihnen, ob sie danach leben wollen oder nicht. Aber Gott wird sie richten, nicht wir. Wir können auf seinen Maßstab hinweisen, wir können es lesen und ihnen zeigen. Er ist der Richter, wir können keine Herzen lesen.

L. Okay, dann sind das also abschließende Bemerkungen zu dieser Sache.

B. Sicher.

L. Die Art von Szenario, dieselbe, die hier mit Cano passiert ist, ist nicht verschieden von dem in anderen Religionen, und im Übrigen, die Zeugen Jehovas verkünden nicht, dass sie die einzig wahre Religion sind.

B. Das ist nicht die eigentliche Antwort ... dieser letzte Teil, um genau zu sein, ich würde nein sagen, wir gehen nicht hin und sagen: "Wir sind die einzig wahre Religion." Wenn Sie mich aber fragen: "Glauben Sie, dass Sie die Wahrheit aus der Bibel haben?", dann ist meine Antwort ein Ja, wie ich eben gesagt habe: "Ja." Wäre es nicht so, würde ich mich nicht dem anschließen, dem ich mich anschließe.

L. Einer anderen Kirche?

B. Aber ich denke, jeder würde sagen, dass beinahe das in ihrem Glauben aufrichtig wäre.

L. Da würde ich Ihnen zustimmen. Aber ist der Umstand, dass Cano, wenn Sie so wollen, zu den Oberen gehörte oder der Leitung sehr nahe stand -- mit anderen Worten, das ist nicht anders als das, was in anderen Religionen geschieht, die Zeugen Jehovas werden also als Religion nicht besonders umgeht, ist das richtig?

B. Doch, das glauben wir. Nicht besonders. Anders gesagt, wenn mir etwas Schlimmes zustößt, wir leben nicht in einer Zeit, wo Gott körperlichen Schutz bietet. Jetzt bietet er geistlichen Schutz, mit anderen Worten, wenn ich einen festen Glauben bewahre, werde ich nicht vom Weg abkommen. Aber ich könnte rausgehen, ein Auto könnte mich überfahren, ich könnte eine schreckliche, tödliche Krankheit bekommen, wie jeder andere. Wir glauben also nicht, weil wir Gottes Botschaft verkünden, schützt er uns heute auch körperlich, das liegt in der Zukunft, aber wir haben jetzt geistigen Schutz, und das heißt, wir bewahren unseren Glauben, solange wir das befolgen, was die Schrift sagt. Einige tun das nicht. Sie haben gerade ein Beispiel genannt, einige Leute befolgen es, und dann gibt es da eine dunkle Seite in ihnen, und sie kommt heraus und bereitet der Organisation große Schande.

L. Da würde ich zustimmen, und übrigens, ich bin sicher, dass Sie vertraut sind mit der Lage römisch-katholischer Priester, die wegen derselben Verbrechen an Kindern angezeigt und strafverfolgt wurden. Irgendwie scheint es, dass es doch eine Lehränderung in der Organisation gab, dass sie den Gedanken aufgeben musste, wir haben Gottes besonderen Schutz, aber jetzt sind wir wie jeder andere, nein, unsere Religion ist nicht besser als die anderer.

B. Was da geschah, war wirklich eine Schande, und ich meine, was so peinlich war, das ist, dass sie versucht haben, es zu vertuschen. Aus dem Grund habe ich Ihnen zuvor erklärt, dass wir in dieser Sache sehr transparent sind, denn wenn wir hier jemanden haben, der Unrecht tut und verkehrt lebt, dann wollen wir, dass er rausgeht. Deshalb haben uns die Justizbehörden wirklich einen großen Gefallen getan, wie die Bibel gesagt hat: "Sie kann eure Dienerin zum Guten sein", und  damit sind Behörden gemeint --

L. Weltliche Behörden.

B. Richtig, sie machen also ihre Arbeit. Sie bekämpfen das Verbrechen, sie haben Mittel und Wege, das zu tun, von denen wir nur gehört haben. Dass sie also Mittel und Wege haben, einen Übeltäter aufzuspüren, und  dass sie wirkungsvoll zugriffen und  dann zu uns kamen und sagten: "Den da haben wir also." Okay. Wir sind schockiert und überrascht, aber wir sind froh, so jemand aus der Organisation zu kriegen, weil er eine Ansteckungsgefahr bedeutet.

L. Sie würden also sagen, Gott sieht alles, was in der Organisation geschieht, oder dass er es zulässt? Oder dass es Vorherbestimmung ist? Wie denken Sie offiziell darüber, ob Gott --

B. Er weiß es.

L. Er weiß es und lässt es zu?

B. Er wird zu seiner Zeit das Unrecht aufdecken. Hier hat es lange Zeit gedauert, jetzt wurde es aufgedeckt, es kam ans Licht, wir wurden darauf aufmerksam, und wir meinen, das war eine Prüfung für uns. Aber was sollen wir jetzt tun? Nun, wir werden es nicht vertuschen, wir werden ihn nicht vor der Strafe bewahren, die das Ergebnis seines Verbrechens ist, denn wir meinen, sie ist verdient, weil er Gottes Gesetze und die von Menschen verletzt hat. Wir haben also nichts dagegen, wenn die Behörden in einem Fall wie diesem ihre Arbeit tun.

L. Also -- aber Sie glauben auch nicht, dass Gott irgendwie eine Botschaft vermittelte, um die Bethelfamilie zu schützen, dass er die Justiz benutzte oder so --

B. Nein, nein. Die Justiz wird erwähnt. In Römer 13 nennt die Bibel die Justiz, sie ist Teil der Regierung, sie nennt sie die "obrigkeitlichen Gewalten" oder "höheren Mächte". Mit anderen Worten, wir sind hier auf der Erde, und sie sind die einzigen, die für Einhaltung des Gesetzes sorgen. Was würden wir ohne sie tun? Und es heißt auch, dass sie die bestrafen, die böse sind und sich an Gottes Gesetz vergehen. Und damit meine ich die, die ins Gefängnis geworfen werden oder welche Strafe auch immer erhalten. Wir sind also in keiner Weise gegen das, was Jesus den "Cäsar" nannte. Er nannte die Regierung ganz einfach den Cäsar, und so sagte er, Christen sollten dem Cäsar gehorchen, und solange Cäsar nicht Gottes Gesetz ins Gehege kommt, meinen wir, dass man befolgt, was die Regierung sagt, denn die meisten ihrer Gesetze, zumindest in diesem Teil der Welt, gründen sich auf das, was das christliche, oder vorher, das Mosaische Gesetz sagen.

L. Okay also, nun war der Täter hier 15 Jahre lang ein Glied der Bethelfamilie, ist es theoretisch möglich, dass es in der Organisation noch weitere Täter gibt, die dann mithilfe der Justiz gefunden werden? Ist das möglich; gibt es weitere Täter?

B. Das ist immer möglich. Solange es unvollkommene Menschen gibt, wird es die Sünde geben. Und Sünde wird zu ihrer Zeit aufgedeckt. Man kann nur eine gewisse Zeit ein Heuchler sein und vorgeben, etwas zu sein, das man nicht ist, und das fand hier offensichtlich statt. Also nein, wir können es nicht ausschließen, aber wir können dies sagen: Wenn wir herausfinden, dass sie da ist, werden sie in kirchlicher Weise (d.h. entsprechend unseren Bestimmungen als Organisation, die sich auf die Bibel gründen) bestraft werden, und dann werden Cäsar oder die Regierung sie bestrafen, wie immer das Gesetz es verlangt, und wir unterstützen sie, wie immer die Entscheidung aussieht.

L. Nun, das alles ergibt einen Sinn, außer dass ich immer noch nicht sicher bin, dass ich genügend verstehe, ob die Organisation als Ganzes ihren Segen hat oder nicht oder wie --

B. Wir haben den Segen. Sehen Sie, wir haben die Terminologie geändert. Glauben wir, dass wir Gottes Segen haben? Ja. Das bedeutet, wir haben seine Gunst und seine Leitung. Wenn Sie sagen: "Sind wir inspiriert?", dann denken wir an jemanden wie Moses, an seine Worte oder wie er sie niederschrieb, aber wir glauben, dass der Autor dieser Botschaft, sowohl in den Hebräischen wie in den Griechischen Schriften, Gott ist.

L. Spricht Gott durch andere Religionen? Ruft Gott andere Menschen zu sich und benutzt andere Religionen, oder geht das nur durch die Organisation der Zeugen Jehovas?

B. Nein, nein. Das stimmt nicht für uns heute. Weil niemand von uns heute inspiriert ist. Wir glauben nicht, dass es jemanden in unserer Organisation gibt, der inspiriert ist, auch in keiner anderen Religion. Wir glauben, was inspiriert ist, wurde immer niedergeschrieben. Aus diesem Grunde lesen und studieren wir das. Wir glauben also wohl, dass unser sorgfältiges Studium der Schriften uns ermöglicht hat, zu vielen Wahrheiten zu gelangen, und wir bereinigen die Dinge zunehmend, aber wir werden nicht jedes Mal vollkommen, wir glauben vielmehr, dass alles, das davon abweicht, nicht die Wahrheit ist und nicht von Gott gestützt wird, und unsere Botschaft wird gegenüber anderen darauf hinweisen. Vielleicht ist es das, wonach Sie fragen, denn wir sehen dies als den Unterschied an: alles, was wir sagen, was wir predigen, gründen wir ganz klar auf die Bibel -- buchstäblich oder wie immer sie es haben wollen.

L. Sie würden also erwägen, dass die anderen fundamentalistischen Religionen dasselbe tun. Mit anderen Worten, gibt es andere Religionen, die von Gott gesegnet werden, oder gibt es nur die eine?

B. Wir glauben, dass es nur eine Wahrheit gibt. Zu diesem Schluss kommen wir so. Wir sehen uns an, was sie sagen, was sie tun. Zeigen ihre Taten, dass sie demgemäß leben? Wir verwenden das Beispiel, das Jesus in der Bibel verwandte. Er sagt: "Einen jeden Baum erkennt man an seinen Früchten. Wenn er faule Früchte hervorbringt, dann ist der Baum offensichtlich nicht gut -- er ist verfault."

L. Dieses Beispiel ist für einen Außenstehenden schwer zu verstehen. Denn in diesem besonderen Fall war die Frucht, die der Baum hervorbrachte, ein Pädophiler, der 16 Jahre lang unentdeckt blieb. Worauf ich also hinaus will: Es gibt keinen besonderen Schutz um die Organisation der Zeugen Jehovas herum mehr, das scheint mir eine wichtige Änderung in der Theologie zu sein.

B. Nein, ich denke, so klar ist das nicht, denn wir sind Menschen und können nicht in den Herzen lesen. Könnten wir es, würden wir alle Übeltäter entlarven, ob es sich um Ehebruch oder Hurerei oder Trunksucht oder Alkoholmissbrauch in irgendeiner Weise handelt. Aber das können wir nicht. Doch wir sind zuversichtlich, dass jemand, der böse ist und sich auf dem Weg des Bösestun befindet, der nicht bereut und sich nicht ändert und mit Gott ins Reine kommt, entlarvt wird. Wir glauben nur einfach nicht, dass man diese Dinge weiter treiben kann, und dann auf solche Art, und damit Gottes Namen in den Schmutz ziehen kann. Im vorliegenden Fall, von dem Sie sprechen, hatten wir nur nicht genügend Erkenntnisse --

L. Diese Frucht kam von dem Baum, von dem Sie sprachen, von der Organisation der Zeugen Jehovas, insbesondere davon. Ich meine also, wenn man den Gedanken weiterführt, so macht das die Mutterorganisation nicht zu einer, die von Gott gebilligt wird, und das scheint wenig Sinn zu machen --

B. Nein, nein, das ist wirklich ent ... -- sonst müsste man ja sagen, dass Jesu Jünger im Urecht waren, weil Judas ihn verriet und ein habgieriger Dieb war. Und das ist nicht der Fall. Da sind einige Individuen, die trotz der Bemühungen der Organisation den falschen Weg gehen. Da ist nun jemand, von dem wir vermuten, dass er einesteils diese Dinge tut, aber dann ging er in die Irre und hat wie Judas Iskariot damals, ein Jünger Jesu, gehandelt; Jesus erwählte ihn als einen seiner Jünger, aber er erwies sich als untreu, weil er das Böse, das in seinem Herzen anfing, die Oberhand gewinnen ließ, und so wurde er zum Dieb und dann zum Verräter. Und so gibt es auch heute einzelne, die auftreten und böse sind, man kann gute Früchte von einem Baum haben und dann auch wieder faule, aber das bedeutet nicht, dass der ganze Baum verfault ist, das, was böse ist, kann man abschneiden, und dann kann man dem Baum helfen, weiter zu wachsen.

L. Okay, ist das Fazit also, dass Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften von Gott angenommen werden? Oder muss man zur Kirche der Zeugen Jehovas gehören, um Gottes Segen zu haben?

B. Okay, wir drehen uns im Kreis und kommen immer wieder auf dasselbe zurück.

L. Ich benutze eine etwas andere Terminologie als Sie. Und die Frage ist ja wohl: Die Person, die diese Verbrechen verübte, beweist die nicht, dass die Organisation dafür verantwortlich ist. Das würde ich wohl meinen --

B. Ja, wenn wir davon gewusst und nichts unternommen hätten, wenn wir versucht hätten, ihn zu verstecken oder nach, sagen wir, Puerto Rico, oder so zu versetzen, dann wären wir als Organisation schuldig, denn die Bibel sagt klar, dass man das Böse aus seiner Mitte entfernen sollte.

L. Mit diesem Teil der Zusammenfassung bin ich völlig einverstanden. Was ich nicht verstehe, ist, dass eine Situation wie diese auf höchster Ebene einer religiösen Zentrale entsteht. Zeigt das nicht, dass diese Religion tatsächlich nicht anders ist als jede andere Religion, die behauptet, sie seien Gottes Anhänger?

B. Wenn Sie von Unvollkommenheit sprechen, wir sind alle gleich, wir sind alle unvollkommen. Schlechtes werden Sie in jeder Organisation finden. In unserer entziehen wir die Gemeinschaft -- das ist die Art von Kirchensprache, mit der wir jemanden beschreiben, der hinausgeworfen wird. Jedes Jahr werden wahrscheinlich 50 bis 60.000 auf der ganzen Welt ausgeschlossen. Jetzt die letzte Zahl: etwa die Hälfte davon bereut, ändert sich und kommt zurück. Aber wenn wir von Haus zu Haus gehen, studieren wir mit jedem und belehren ihn, der interessiert ist, und wenn diese Leute sich ändern wollen und anfangen, zu den Zusammenkünften zu kommen, können sie getauft werden. Aber nicht jeder lebt gemäß seiner Berufung. Wir sagen nicht, dass --

L. Also, jetzt kommen wir doch etwas von der eigentlichen Frage ab, und die ist -- Ist die Tatsache, dass so etwas auf der höchsten Ebene eines religiösen Ordens geschehen konnte, nicht ein Bewies, dass diese Religion per se nicht anders ist als andere Religionen? Würden Sie ja oder nein sagen?

B. Nein, nein. Denn wir haben ja was unternommen. Wir haben nicht so gehandelt wie einige andere Organisationen, von denen Sie wissen, und ihn einfach versetzt oder ihm einfach einen Klaps gegeben und gesagt: "Tu das nicht noch einmal." Sie haben angerufen und gesprochen und konnten das verfolgen, und wir entfernen ihn aus unserer Mitte, wie es 1. Korinther 5:6 sagt: "Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte". Und das haben wir getan. Jetzt ist er draußen. Er ist keine Ansteckungsgefahr mehr für uns.

L. Für die Organisation selbst.

B. Nein, ist er nicht mehr. Und wird es nicht mehr sein. Weil  eine Bekanntmachung gegeben wird, und sein Stand ist derselbe wie irgendwo sonst in einer Versammlung der Zeugen Jehovas auf der Welt, und jeder von ihnen, und eine Anzahl von ihnen spricht Spanisch wie er, aber er kann in keine von ihnen gehen, denn er würde als Ansteckungsgefahr angesehen werden.

L. Es würde eine Akte über ihn geben, die ihm überallhin nachfolgt?

B. Ja, das wird so gemacht. Wenn Sie ein Zeuge Jehovas sind und in einer anderen Stadt aufkreuzen, vielleicht in Fresno, ist das erste, was sie ihn fragen, zu welcher Versammlung hast du gehört, und dann schreiben sie einen Brief an diese Versammlung und sagen: "Soundso ist jetzt bei uns hier. Könntet ihr uns etwas über ihn schicken?" Und sie schicken Informationen raus. Und das wurde getan, um Täter und andere, die herumziehen und Unglück verbreien, davon abzuhalten, wiederzukommen als jemand Neuer oder anderer ohne Vorgeschichte und sich weiter böse verhalten.

L. Das scheint ein erster guter Schritt zu sein in Richtung auf jemanden abzuhalten, von Gegend zu Gegend zu ziehen mit dem Verhalten. Aber in Wirklichkeit wird wahrscheinlich nichts behalten, ich müsste ehrlich sein, aus welcher Versammlung ich kam, besonders wenn --

B. Welche Sie auch nennen, wir schreiben an sie. Wir schreiben den Brief. Sie kennen die Ältestenschaft, von der ich Ihnen erzählte? Sie schreiben den Brief an die Versammlung. Wir fragen nur einfach, woher bist du gekommen?

L. Und wenn ich sage, aus keiner -- ich kam aus keiner -- ich habe von euch gehört und möchte zu euch gehören. Wie werde ich da Mitglied?

B. Nun, Sie brauchen ein Bibelstudium, wenn Sie nichts darüber wissen, damit beginnen Sie. Und ich garantiere Ihnen, in ein paar Monaten werden wir Sie erwischen, denn denken Sie daran, unsere Versammlungen sind bewusst klein, so wissen wir, wo jeder in unserer Familie ist. Da gibt es nicht mehr als 100 oder 150, es gibt also keine Leute dort, die Sie nicht kennen. Fast jeder in der Versammlung kann aufstehen und fast jeden nennen, der da ist. Wir funktionieren also mehr wie eine Familie, nicht zufällig, sondern absichtlich, so können wir auf jeden aufpassen und ihn hüten, das ist die pastorale Hilfe, die sie vielleicht brauchen, um geistig zu wachsen. Nun, das alles ist natürlich nicht vollkommen, aber wir versuchen das zu tun, was wir hier getan haben, was hier böse ist, wir versuchen, uns vom Bösen zu säubern. Und warum? Wenn wir es nicht tun, wird Gott uns verantwortlich machen. Etwas Sauerteig oder Hefe kann einen ganzen Laib durchsäuern, und wenn Sie zulassen, dass das Böse bewusst hier bleibt, dann wird es alles durchsäuern, und es verbreitet sich, und andere werden davon angesteckt.

L. Und sind andere Mitglieder der Bethelfamilie in Wallkill -- offensichtlich würde das als etwas angesehen, das den ganzen Laib durchsäuert, als stelle ich mir vor, dass da einiges an Diskussionen abläuft.

B. Ja, sicher. Und wirklich, da ist recht großer Schmerz, denn schließlich war das jemand, dem sich viele nahe fühlten, sie kannten ihn, sie arbeiteten mit ihm oder saßen beim Essen mit ihm am Tisch, aber wir lieben zwar das Rechte, doch wir hassen auch das Böse. Wir hassen das Böse. Die Bibel sagt, hasst, was böse ist. Nicht die Person. Sondern die böse Tat, die sie getan haben, wir müssen einen festen Stand bewahren, weil sich das auf unser Verhältnis zu Gott auswirkt.

L. In Ordnung, ich glaube, ich habe jetzt ihre Sprache richtig verstanden --

B. (lacht) Da seien Sie mal sicher.

L. Einiges von den Begriffen ist anders, ich sage "inspiriert", ich sage "Tomate", Sie sagen "Tomahte". Ich weiß immer noch nicht, ob ich gut verstehe oder nicht, ob Jehovas Zeugen glauben, dass sie die einzig wahre Religion sind, oder ob andere fundamentalistische Christen auch von Gott angenommen werden.

B. Wenn ich das in unserer Sprache sage, wenn Sie mich fragen würden: "John Brown, glauben Sie, dass Sie als Zeuge Jehovas die Wahrheit haben?", dann werde ich ganz eindeutig sagen: "Ja.".

L. Aber die Organisation selbst nimmt nicht diese Haltung ein?

B. Also, worauf wir aufpassen müssen, ist, dass wir nicht in einen Bereich kommen, wo wir Leute richten, ihre Herzen beurteilen, denn das tut nur Gott. Wenn ich nun jemanden in diesem Straßenzug oder in der Nachbarschaft sehe, der verkehrt lebt, nicht nach dem, was Gottes Wort sagt, vielleicht ist er ein Dieb oder betreibt Alkohol- oder Drogenmissbrauch, das ist dann offensichtlich, ich muss demjenigen dann helfen, denn wenn ich es nicht tue, kann kann er kein Verhältnis zu Gott aufbauen, das ist klar, aber --

L. Aber was nicht klar ist: wie ist es bei anderen, die nicht so etwas treiben. Sie müssen also nicht durch Theologie gerettet werden?

B. Ja, da wird es etwas schwieriger, aber die Schrift sagt uns immer noch: "Zeigt ihnen die gute Botschaft vom Königreich" und seht, wie sie darauf reagieren. Man muss also mehr sein als nur ein guter Mensch, denken Sie an den Mann, der zu Jesus kam und sagte: Was muss ich tun, um ewiges Leben zu bekommen, und Jesus sagte "befolge das Gesetz, ehre Vater und Mutter und stehle nicht", und der Mann sagte:, "Aber das tue ich alles, das habe ich von Jugend auf getan", und Jesus sah ihn an und sagte: "Dann werde mein Jünger." Mit anderen Worten, damit meinte er: "Okay, du tust Gutes, bist ein guter Mensch, jetzt folge mir nach und verkünde diese gute Botschaft anderen, sei ein Diener, predige sie, lass andere davon wissen." Und das endete sehr traurig, denn es heißt, der Mann ging bekümmert weg, denn er hatte viele Besitztümer. Anders ausgedrückt, er war reich und wollte den Bereich, wo er war, behalten, und Jesus sagte: "Weißt du, du kannst das loswerden und anderswo hintun, du kannst ein Jünger werden, du kannst mit mir kommen." So etwa denken wir auch. Man muss ein guter Mensch sein, man muss recht leben. Das ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist, dass man gerechte Werke tun muss, man muss etwas für Christus tun, man muss sich dem widmen, anderen zu helfen, nicht nur bei ihren körperlichen Bedürfnissen, man muss darauf eingestimmt sein, ihnen bei ihren geistigen Bedürfnissen zu helfen, denn er sagte, die mit geistigen Bedürfnissen sollten gesättigt werden, und  das geht, wenn man die sinnbildlichen Wasser der Wahrheit trinkt. Jesus sagte: "Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." Und wir glauben, dass wir die haben. Und sie fragten, haben Sie die Wahrheit? Ja, wir haben sie ganz sicher, denn wenn Sie sich die Jahre ansehen, wir haben uns verbessert und verändert, wenn wir besser erkannt haben. Und das ist wirklich in Übereinstimmung mit der Bibel: "Das Licht der Wahrheit wird heller und heller", immer mehr fortschreitend. Wir haben also nichts dagegen, zu sagen: "Okay, wir haben das nicht richtig erkannt, wir gehen weiter, jetzt sehen wir, was das bedeutet". Daran ist nichts verkehrt.

L. Verstanden. Ich freue mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, wenn Sie das interessiert, werde ich Ihnen den Artikel durchfaxen, hoffentlich funktioniert das.

B. Bitte tun Sie das. Sind Sie im Internet?

L. Noch nicht, ich sitze gerade in meinem Auto, ich versuche alles, um es bis zum Nachmittag hinzukriegen, aber ich würde es gern, und ich habe eine Menge Zeit verbracht, mir die Seite jw-media.org anzusehen, die hat mir eine gute Zusammenfassung Ihrer Glaubenssätze gegeben.

B. Das wird Ihnen eine Vorstellung geben, zusammen mit dem, worüber wir geredet haben. Jetzt liegt alles bei Ihnens.

L. Ich -- ich danke Ihnen.

B. Ich hoffe, Sie machen Ihre Sache gut. Passen Sie auf sich auf.

L. Danke.

B. Auf Wiederhören.