Rechtskomiteesitzungen

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Meine Geschichte

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VERSAMMLUNG DRAFFENVILLE
DER ZEUGEN JEHOVAS
Postfach 789, Draffenville, KY 42025


29. Mai 2002

VERTRAULICH UND PERSÖNLICH

William H Bowen
PO Box 311
Calvert City, KY 42029

Lieber Bruder Bowen,

die Ältestenschaft hat ein Rechtskomitee ernannt, das mit dir wegen der Anklage zusammenkommen möchte, dass du Spaltungen in der Versammlung und in der Organisation der Zeugen Jehovas verursacht hast. Das Rechtskomitee lädt dich zu einer Zusammenkunft am 31. Mai um 19:00 Uhr an der 86 Foust-Sledd Roain Benton, Kentucky, ein. Du kannst mich gern unter 270-436-2165 anrufen, wenn diese Vorkehrung dir unpassend kommt. Zur Erinnerung: Rechtsanwälte dürfen bei Sitzungen von Versammlungskomitees nicht zugegen sein.

Mit freundlichen Grüßen,

George Bandarra, Vorsitzender, für die Ältestenschaft
Anlage

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VERSAMMLUNG DRAFFENVILLE
DER ZEUGEN JEHOVAS
Postfach 789, Draffenville, KY 42025

1. Juni 2002

William H. Bowen
PO Box 311
Calvert City, KY 42029

Lieber Bruder Bowen,

wir haben den Brief deines Anwalts vom 30. Mai 2002 erhalten, in dem du eine Verlegung der Rechtskomiteesitzung forderst, die am 31. Mai stattfinden sollte. Wir freuen uns, aus Mr. Hunts Brief zu ersehen, dass du nicht beabsichtigst, ausgeschlossen zu werden oder selbst die Gemeinschaft zu verlassen. Sei versichert, dass unsere Sitzung nur eine Erweiterung unserer Hirtentätigkeit ist. Wir möchten Beistand in christlicher Liebe geben (Galater 6:1). Da dies eine Angelegenheit der Versammlung ist, werden wir gemäß den Versammlungsvorschriften vorgehen, und so denken wir, dass unser Verhältnis nicht das von Feinden, sondern von Brüdern ist - Matthäus 23:8.

Du schlägst als Termin den 28. Juni nach 18:00 Uhr vor. Wir würden lieber vorher zusammenkommen, als die Sache bis zum 28. Juni aufzuschieben. Dies im Sinn, würden wir uns gern mit dir am Mittwoch, den 12. Juni um 18:00 Uhr treffen. Nimm bitte Verbindung mit mir auf, wenn dir dies nicht möglich ist.

Dein Bruder,


George Bandana
Vorsitzender des Rechtskomitees


P.S. Wir fügen für Mr. Hunt eine Kopie dieses Briefes zur freundlichen Beachtung bei.

C: L. Rush Hunt, Esq.

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RUSH HUNT, RECHTSANWALT
6-6-02
Versammlung Draffenville der Zeugen Jehovas
ATTN: George Bandarra
PO Box 788,
Benton, KY 42025


Betreff: William H. Bowen
Sehr geehrte Herren,
Ihr Brief vom 1. Juni 2002 liegt mir vor, in dem Sie ein Treffen fordern, das eine "Erweiterung Ihrer Hirtentätigkeit" sei und den Zweck habe, "Beistand in christlicher Liebe" zu geben, das nicht einem "Verhältnis von Feinden, sondern von Brüdern" entspringe und meinem Mandanten Mr. Bowen helfen soll. Nachdem ich mich mit meinem Mandaten hinsichtlich Ihres Briefes besprochen habe, äußerte er, alles, was nötig für eine "Hirtentätigkeit" für Mr. Bowen nötig sei, ist, dass er sich mit einem Ältesten an einem öffentlichen Ort trifft und die geistliche Hilfe annimmt, die der Älteste anbieten wollte. Wenn sie andererseits weiterhin wegen Anklagen, die mein Mandant völlig bestreitet, auf eine Rechtskomiteeverhandlung drängen wollen, dann ist gemessen an ihren Taten, das, was sie als Absicht erklärt haben, unaufrichtig. Wie sie bereits schriftlich benachrichtigt wurden, hat mein Mandant eine Verpflichtung, die sich seiner Kontrolle entzieht, und daher wird ihr gefordertes Datum nicht möglich sein, da mein Mandant dann verreist und nicht in der Stadt sein wird. Denken Sie daran: Bis jetzt hat Ihre Handlungsweise meinem Mandanten allen Grund gegeben, zu bezweifeln, dass Sie das, was Sie schreiben, auch in  die Tat umsetzen werden.
In meinem Brief an Sie vom 0. Mai 2002 haben mein Mandant und ich drei ausdrückliche Forderungen gestellt, auf die Sie nur teilweise reagiert haben, einmal mit einem Vorschlag für ein neues Datum für eine Verhandlung/einen Hirtenbesuch. Ihr letzter Brief scheint Verwirrung zu stiften, was den Grund Ihrer Vorladung von Mr. Bowen angeht. Ich bitte um Klarstellung, welche Art von Treffen Sie mit meinem Mandanten zu haben wünschen.
Es ist auch anzumerken, dass Sie am Freitag, den 24. Mai 2002, telefonisch an meinen Mandanten herangetreten sind, obwohl sie mündlich in Kenntnis gesetzt wurden, alle Mitteilungen nu über seinen Anwalt laufen zu lassen. Mr. Bowen hat seine Forderung in einem Brief am 31. Oktober 2001 sehr deutlich gemacht. Dort heißt es:

>>Sollte ich weiter zu denken versuchen, bin ich sicher, dass es noch viele weitere Punkte gibt, die man zur Sprache bringen könnte, aber ich glaube, das Genannte sollte hinreichend die unaufrichtige Handlungswiese der Wachtturm-Vertreter zeigen, die auf Anweisung des Wachtturm-Hauptbüros handeln. Obige Beweise zeigen deutlich, dass man keinem Wort trauen kann, das aus dem Mund irgendeines Wachtturm-Vertreters kommt. Eure Handlungsweise zwingt mich, folgende Bedingungen zu stellen:

1. Alle weiteren Mitteilungen haben schriftlich an meinen Anwalt zu erfolgen. Seine Anschrift lautet:

L. Rush Hunt
39 South Main Street
Madisonville, KY 42431

2. Alle mündlichen Mitteilungen werden ab sofort als Belästigung betrachtet, da ihr wiederholt meine Bitte um schriftliche Antworten missachtet habt.
3. Ich fordere formell, dass kein Ältester oder kein Mitglied der Zeugen Jehovas zu irgendeinem Zeitpunkt unbefugt mein Grundstück betritt. Es sei denn, sie sind bereit, prüfen zu lassen und meinem Anwalt mitzuteilen, ob sie wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft sind.
4. Ich fordere, dass alle in früheren Briefen gestellte Fragen schriftlich gegenüber meinem Anwalt zu beantworten sind, anstatt an mich persönlich geschickt zu werden.

Es bereitet mir großen Kummer, so vorgehen zu müssen, um mich vor Brüdern zu schützen, denen ich einmal völlig vertraut habe. Eure Taten haben etwas anderes gezeigt. Um "vorsichtig wie Schlangen" zu sein, bin ich gezwungen, so mit euch umzugehen wie mit den Giftschlangen, die ihr seid. <<

Diese Forderung wurde erhoben, nachdem zwei Älteste zu einer Auseinandersetzung in Mr. Bowens Haus gekommen waren, anstatt fünf eingeschriebene Briefe zu beantworten, in denen gefordert wurde, meinen Mandanten gegen verleumderische Bemerkungen und Taten des Hauptbüros in Schutz zu nehmen. Mein Mandant wies wieder auf seine Forderung im Brief vom 6. Mai 2002 hin, in dem er erklärte: Bitte beachtet meine frühere Forderung, aus den im vorherigen Brief genannten Gründen alle Korrespondenz an meinen Anwalt zu richten. Mein Mandant ist Gegenstand belästigender Autoanfahrten, Diebstahls von Eigentum, von Anrufen, E-Mails und Briefen geworden, in denen auch Morddrohungen standen, alle von Zeugen Jehovas. Daher besteht für ihn Grund, den Absichten eines jeden zu misstrauen, der auf sein Grundstück kommt und sich als Zeuge Jehovas bezeichnet. Anstatt seine Forderung zu respektieren, haben Sie meinen Mandanten weiter belästigt. Im Februar 2002 wurden zwei Zeugen Jehovas in das Haus meines Mandanten geschickt. Mein Mandant bat sie höflich, zu gehen. Bei einer anderen Gelegenheit hat George Bandarra der als Vorsitzender des Rechtskomitees mit aller Korrespondenz gut vertraut ist, willentlich die Forderung meines Mandanten missachtet und ihn am 24. Mai 2002 über das Telefon angerufen. Mein Mandant wies Mr. Bandarra sehr deutlich darauf hin, dass alle Korrespondenz über seinen Anwalt laufen müsse. Doch wiederum ignorierten Mr. Bandarra und Jeff Stein die Forderung meines Mandanten und betraten am 1. Juni 2002 unbefugt sein Grundstück. Mr. Bandarra und Mr. Stein näherten sich dem Grundstück verdeckt zur Hintertür und hämmerten laut dagegen und verschreckten so Kinder im Haus. Wieder informierte mein Mandant Mr. Bandara und Mr. Stein über seine Forderung, dass alle Korrespondenz über seinen Anwalt laufen müsse, und schloss die Tür, woraufhin Mr. Bandarra noch einmal die Forderung meines Mandanten missachtete und einen Brief auf einen im Hinterhof stehenden Stuhl warf. Das sind nun schon drei Gelegenheiten, bei denen Jehovas Zeugen willentlich klare und ausdrückliche Instruktionen missachteten, das Gelände nicht unbefugt zu betreten und meinen Mandanten zu belästigen. Jeder weitere Verstoß wird zu einer Strafanzeige wegen Ihres mangelnden Respekts vor den Wünschen meines Mandanten führen.
Wie in meinem Brief vom 30. Mai 2002 deutlich erklärt wurde, wird sich Mr. Bowen wegen eines Gesprächs im Zusammenhang mit Geschäften außerhalb dieses Bundesstaates aufhalten. Der nächstmögliche Zeitpunkt in seinem Terminplan wird der 28. Juni nach 18:00 Uhr sein. Mr. Bowen tut es leid, solange zu warten, aber da Sie selbst beim letzten geplanten Treffen ohne Benachrichtigung nicht erschienen sind, bin ich sicher, dass Sie verstehen können, dass er keine Ahnung hatte, dass Vorkehrungen für ein künftiges Treffen getroffen würden, die sich mit seinem vor langem aufgestellten Zeitplan nicht vereinbaren lassen. Und wie überdies im Brief meines Mandanten vom 24. Mai 2002 erwähnt wurde, waren mehrere Zeugen von weither angereist, um zu seinen Gunsten auszusagen, und ihr Versäumnis, ohne Benachrichtigung nicht zu erscheinen, hat sie erhebliche Zeit und Geld gekostet. In Ihrer Korrespondenz vom 29. Mai 2002 sind sie nicht auf Mr. Bowens Forderung nach einer Entschädigung für diese Missbrauchsopfer eingegangen, damit sie so noch einmal erscheinen können, um mit wertvollen Aussagen Mr. Bowen zu einer fairen und unparteiischen Verhandlung zu verhelfen. In meinem Brief an Sie habe ich ausdrücklich gefordert: Sind sie bereit, für die Kosten der Zeugen von Mr. Bowen aufzukommen, denen Sie Unannehmlichkeiten bereitet haben? Bis heute haben Sie meine Frage ignoriert, daher erwecken Sie den Eindruck, dass Sie keine "Erweiterung der Hirtentätigkeit" und keine "geistige Hilfe in christlicher Liebe" ohne eine "Beziehung von Gegnern" bieten wollen, wenn Sie meinem Mandanten die Gelegenheit verweigern, Zeugen zu seinen Gunsten aufzubieten. Wie kann mein Mandant eine faire und unparteiische Verhandlung bekommen, wenn Sie seine Zeugen nicht aussagen lassen wollen? Werden Sie auch diese Frage ignorieren?
Überdies bleibt Mr. Bowens Brief vom 20. Mai 2002 unbeantwortet in Bezug auf die Forderung nach schriftlichen Entschuldigungen für verleumderische Bemerkungen des Wachtturm-Sprechers gegenüber den Medien. Mein Brief hat im weiteren darauf Bezug genommen und eine ausdrückliche Antwort gefordert. Wiederum haben Sie meine Forderung im Interesse meines Mandanten ignoriert. Vom meinem Mandanten zu fordern, er möge bei einer Verhandlung erscheinen, vor der Sie mehr als einen Versuch unternehmen, meinen Mandanten und seine Familie zu belästigen, dann seine vielen Briefe zu ignorieren, in denen er um geistige Hilfe und Gesundung bat, und schließlich zu versuchen, den Zeugen ihr Recht auf eine Aussage zu bestreiten, erweckt ganz sicher den Anschein eines Täuschungsmanövers mit hinterhältiger Absicht.
Da Sie weiterhin keine Antworten auf klare und präzise Fragen meines Mandanten geben, zwingt mich das zu folgender Vornahme. Ich fordere Antworten auf folgende Fragen:
1. Werden Sie sich sofort öffentlich entschuldigen und Mr. Bowen und den anderen in seinem Brief angeführten Opfern schriftlich Rechtfertigung zuteil werden lassen? (Wir erwarten, dass dies in allen Zeitungen geschieht, die Associated Press angeschlossen sind)
2. Sind sie bereit, für die Kosten der Zeugen zu Gunsten von Mr. Bowen, denen Sie mit Ihrer Handlungsweise Unannehmlichkeiten beschert haben, aufzukommen?
3. Sind Sie bereit , mir schriftlich das neue Datum für die Rechtskomiteeverhandlung, den 28. Juni 2002 nach 18:00 Uhr, zu bestätigen?
Mein Mandant hat eine Antwort bis zum 10. Juni 2002 gefordert. Wenn Sie irgendeine der drei obigen Fragen ignorieren, wird das als Weigerung genommen, sich mit meinem Mandanten zu treffen, und als Nein auf alle drei Fragen gewertet. Mein Mandant ist mehr als froh, sich mit Ihnen zu treffen und die falschen Anschuldigungen zu widerlegen, aber anscheinend möchten Sie ein Femegericht schaffen, bei dem er im Nachteil ist ohne Zeugen zu seinen Gunsten, ohne Entschuldigung für verleumderische Bemerkungen und örtliche und landesweite Aktionen, ohne Versuch, ein Datum für die Rechtskomiteeverhandlung festzusetzen, das nach dem Terminplan meines Mandanten möglich ist. Dies ist sicher nicht der Weg christlicher Liebe und schafft ein Treffen mit unversöhnlichem Klima.
Es ist interessant, dass in J. R. Browns Brief an Richard Greenberg vom 7. Februar 2002 über das Programm Dateline gegenüber Wachtturm-Funktionären gesagt wird:
"Sie haben uns berichtet, dass ihre Teilnehmer hauptsächlich Personen sind, die sich als Zeugen Jehovas betrachten. Wir sehen sie daher nicht als Gegner an, sondern als Personen, deren Ansichten und Meinungen im Rahmen der Versammlung oder Kirche gehört werden sollten und nicht vor einem landesweiten Fernsehpublikum. Unsere leitende Körperschaft ist bereit, Meinungsunterschiede im Rahmen der Versammlung und gemäß biblischen Grundsätzen zu lösen."
Mein Mandant muss sich fragen, inwieweit eine Anklage gegen ihn wegen eines exkommunikationswürdigen Vergehens und die Schaffung eines Rechtskomitees, in dem Sie anscheinend Zeugen zu seinen Gunsten bestreiten, in Betracht gezogen zu werden, eine Lösung von "Meinungsunterschieden im Rahmen der Versammlung und gemäß biblischen Grundsätzen" sein soll. Anscheinend wird nur eine Meinung betrachtet, und jeder mit einer anderen Meinung wird ausgeschlossen. Wäre das nicht ein strittiges Treffen?
Mit Kopien dieses Briefes setze ich die Ältesten von Mr. Bowens Haltung in dieser Sache in Kenntnis, und obwohl ich aus Höflichkeit gegenüber Mr. Bowen und den Ältesten nicht bei der Rechtskomiteeverhandlung erscheinen werde, werde ich nicht untätig dastehen, wenn Mr. Bowens persönliche Rechte verletzt werden und er geächtet wird, weil er die Gebote Gottes und die Erfordernisse von Landes- und Bundesrecht befolgt. Wir hoffen, dass Sie durch Ihre Taten eine "Erweiterung der Hirtentätigkeit" bieten, die den Zweck hat, "Beistand in christlicher Liebe" ohne ein "Verhältnis von Gegnern" zu geben. Bis jetzt haben Sie in dieser Hinsicht erbärmlich versagt. Vielleicht können Sie durch angemessene Taten das Vertrauen meines Mandanten in ihre Absichten wiederherstellen.
Wie gewöhnlich erwarte ich Ihre schnelle und höfliche Antwort auf diesen Brief und hoffe, dass sie sofort und öffentlich Mr. Bowens Ruf, der viele Jahre lang ein guter und loyaler Unterstützer der Kirche gewesen ist, rehabilitieren.
Hochachtungsvoll,

Rush Hunt


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6-11-02
Versammlung Draffenville der Zeugen Jehovas
ATTN: George Bandarra
PO Box 788,
Benton, KY 42025

Betreff: Absage der Rechtskomiteesitzung

Liebe Brüder,
Ich erwidere hiermit auf eure Missachtung des Briefes meines Anwalts vom 4. Juni 2002. In diesem Brief wurde deutlich gesagt, dass drei Fragen zu beantworten sind, andernfalls bedeutete das eine Absage für die Rechtskomiteeverhandlung und einem Nein als eure Antworten, weil ihr meine einfachen Fragen nicht mit Ja oder Nein beantwortet habt.
Dies könnte nun die zweite Absage für eine Rechtkomiteesitzung, die ihr schriftlich anberaumt habt, sein. Ich fordere formell, wenn ihr in Zukunft beschließt, eine neue Verhandlung mit neue Anklagepunkten anzuberaumen, dass dann in Übereinstimmung mit den im vorigen Brief genannten Bedingungen alle Mitteilungen über meinen Anwalt laufen.
Es mag zwar als weise Entscheidung angesehen werde, die falschen Anklagen gegen mich fallen zu lassen, aber es bleibt noch herauszufinden, welchen Regress die "Zeugen" zu meiner Verteidigung vielleicht fordern, weil ihnen durch eure Handlungsweise Unannehmlichkeiten bereitet wurden. Überdies mögen die Neins auf meine Fragen wegen der verleumderischen Behauptungen von Wachtturm-Vertretern zu Schadensersatz führen, um diese "Gaben in Form von Menschen" dazu zu bringen, sich demütig für die schweren Irrtümer zu entschuldigen, die sie begangen haben. Ich ermuntere euch, euch in Zukunft jede weitere Verbreitung dieser leichtsinnigen Behauptungen gegen mich genau zu überlegen.
Ich werde gern wieder zur Verfügung stehen, wenn sch ein Ältester mit mir auf einem öffentlichen Platz zu einem Hirtenbesuch treffen möchte, um mich darin zu ermutigen, weiter Kindern beizustehen. Kommentare und Vorschläge sind immer willkommen, doch wiederum muss ich darum bitten, dass alle Vorkehrungen für solche Art von Gesprächen über meinen Anwalt laufen und den Anweisungen in früheren Briefen folgen.
Während ich weiter die Schwachen unterstütze, ermutige ich euch, den Missbrauchsopfern in eurer Versammlung die Hand zu reichen und die zu entlarven, die sie vergewaltigt haben.


Mit freundlichen Grüßen,

William H. Bowen


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Versammlung Draffenville, Kentucky,

der Zeugen Jehovas

Postfach 788 Benton KY 42025

15. Juli 2002 

William H. Bowen

Postfach 311

Calvert City, KY 42029 

Lieber Bruder Bowen, 

wir haben Dir am 1. Juni 2002 einen Brief in dem Bemühen geschickt, ein Datum für eine Rechtskomiteesitzung mit Dir festzusetzen. 

Du hast uns davon in Kenntnis gesetzt, dass Du zu dem gewählten Zeitpunkt nicht zur Verfügung stündest. Daher haben wir Vorkehrungen für eine Verhandlung am 24. Juli 2002 um 19:00 an folgender Adresse geschaffen: 

Königreichssaal, 86 Foust-Sledd Road, Benton, Kentucky 

Wenn Du mit dem Rechtskomitee zusammenkommst, dann werden in Übereinstimmung mit der gewöhnlichen Vorgehensweise der Zeugen Jehovas keine Bandaufzeichnungen bei der Verhandlung erlaubt sein, es dürfen keine Rechtsanwälte anwesend sein, zur Verhandlung sind keine Beobachter zugelassen und dem Ältesten, der den Vorsitz bei der Verhandlung führt, muss gebührender Respekt entgegengebracht werden. 

Hochachtungsvoll 

Für das Rechtskomitee 

Ronald Cray

Fax: 270-338-5084 

Kopie an: L. Rush Hunt, Anwalt

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18. Juli 2002  

An die Ältestenschaft der Versammlung Draffenville

Vorsitzender Ron Carey 

Liebe Brüder, 

ich bestätige, Euren Brief vom 15. Juli erhalten zu haben, sowie Euer erneutes Interesse, eine neue Rechtskomiteesitzung anzuberaumen. Wie Ihr Euch vielleicht erinnert, schickte mein Anwalt Euch einen Brief (6. Juni 2002) mit klaren und präzisen Anforderungen von Informationen. Indem Ihr den Brief vom 6. Juni nicht beantwortet habt, habt Ihr ein zweites vorgesehenes Treffen am 28. Juni, dem ich bereitwillig zustimmte, das Ihr aber in keiner Weise bestätigt habt, ausfallen lassen. Aufgrund von Umständen, auf die ich keinen Einfluss habe, kann ich nicht mit Euch am 24. Juli zusammenkommen. Ich werde gerne einen Zeitpunkt vorsehen, der für alle Beteiligten annehmbar ist. 

Ich habe mit Interesse bemerkt, dass Ron Cary aus Central City jetzt zum Vorsitzenden ernannt wurde? Ist er nach Draffenville umgezogen? Vertritt er die Versammlung Draffenville für das Hauptbüro der Wachtturm-Gesellschaft? Das muss geklärt werden, weil ich verwirrt bin, warum Ron Cary damit befasst ist, weil er mehr als anderthalb Stunden von Draffenville entfernt lebt. Der Grund für meine Besorgnis in dieser Hinsicht liegt in den Anweisungen des Ältestenhandbuchs „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“, wo es in dieser Hinsicht auf Seite 109 heißt: 

Wird ein Rechtskomitee benötigt, sollen die im Königreichssaal anwesenden Ältesten bestimmen, welche Ältesten im Komitee diesen sollen und wer den Vorsitz übernimmt. Die Ältesten werden dabei in Betracht ziehen, welche Ältesten sich für die Behandlung eines Falles dieser Art am besten eignen (km 9/77, S. 5, 6). 

Warum benötigt die Versammlung in Draffenville einen Kongressaufseher Ron Cary, wenn sie bereits fünf Älteste in der „örtlichen“ Ältestenschaft hat? Hat die örtliche Ältestenschaft Ron Cary angerufen und gebeten, die lange Fahrt von Central City zu unternehmen? Wenn das so ist, würde ich gerne eine Erklärung hören, warum das nötig ist oder wer Bruder Cary gebeten hat. 

Im Brief vom 15. Juli erwähnte Ron, er wünsche, mit „gebührendem Respekt ... der einem Ältesten zukommt, der den Vorsitz hat“, behandelt zu werden. Ich finde das bemerkenswert, weil ich als Mitältester dieselbe Bitte in meinem Interesse äußere. Die Frage ist, bin ich mit „gebührendem Respekt“ behandelt worden, als Ihr auf Anweisung des Hauptbüros falsche Anschuldigungen gegen mich vorgebracht habt? Ich möchte das an ein paar Beispielen erklären: 

1.      Ihr seid nicht erschienen oder habt die vorher abgesprochene Komiteesitzung nicht „schriftlich“ mitgeteilt, als ich unter großen Kosten in gutem Glauben da war, um mit dem Komitee zusammenzukommen.

2.      Ihr habt alle Fragen, die ich seit Januar 2001 über bedenkliche Handlungen gegen meinen guten Ruf in der Versammlung und im Ort gestellt habe, völlig ignoriert.

3.      Ihr habt versucht, innerhalb von 24 Stunden eine Rechtskomiteesitzung anzuberaumen und damit meine Zeugen davon abzuhalten, zu meinen Gunsten zu erscheinen.

4.      Ihr habt versucht, an einem Mittwoch eine Rechtskomiteesitzung anzuberaumen und damit meine Zeugen davon abzuhalten, zu meinen Gunsten zu erscheinen.

5.      Ihr seid nicht zur zweiten Rechtkomiteesitzung erschienen, von der Euch mein Anwalt schriftlich in Kenntnis setzte, dass ich bereit war, zu erscheinen, aber wiederum habt Ihr den Termin nicht bestätigt oder anders Verbindung mit mir aufgenommen.

6.      Ich habt meine Familie und mich selbst schikaniert, indem Ihr unbefugt mein Grundstück betreten, schikanöse Anrufe getätigt und Briefe geschickt habt, nachdem ich wiederholt darum gebeten habe, den ganzen Schriftverkehr nur über meinen Anwalt laufen zu lassen. 

In dem Handbuch, das Ihr benutzt, um solche Dinge zu entscheiden, heißt es in dieser Hinsicht auf Seite 107: 

Sie müssen jeden stets unparteiisch behandeln und den Wunsch haben, dass der in geistiger Hinsicht Kranke wieder gesund wird, denn ein diesbezügliches Versäumnis wäre Unrecht und eine Verletzung des Gesetzes der Liebe (1. Tim. 5:21; Jak. 2:1-9; 5:14, 15; w77 1.6. S.338-344). 

Habt Ihr mich mit „gebührendem Respekt“ behandelt und mir die Hoffnung auf eine „faire und unparteiische Anhörung“ gegeben, gemessen an dem, wie Ihr und andere Wachtturm-Vertreter bis heute gehandelt habt? Wie gebt Ihr mir in irgendeinem Sinne das Empfinden, Ihr möchtet, dass ich wieder „gesund“ werde, wenn Ihr durch Eure Handlungsweise zeigt, dass Ihr mir die grundlegenden Menschenrechte bestreitet? In Eurem eigenen Handbuch wird dies als „Unrecht und eine Verletzung des Gesetzes der Liebe“ bezeichnet. Ich hätte auf diese Frage gerne eine klare Aussage. 

Es scheint so, dass Ihr eine neue Anhörung mit einem dritten Vorsitzenden anberaumen wollt. Da Ihr es versäumt habt, zu zwei vorherigen Treffen, die schriftlich ausgemacht waren, zu erscheinen, welchen Grund soll ich da haben zu glauben, Ihr würdet diesmal erscheinen? Bis heute hat Eure Handlungsweise das Gegenteil gezeigt. Aufgrund der Unbequemlichkeiten, die Ihr meinen Zeugen und mir selbst durch eure grobe Nachlässigkeit in dieser Sache bereitet habt, muss ich in Übereinstimmung mit dem „gebührenden Respekt“ folgendes fordern: 

1.      Was sind die Anklagepunkte gegen mich? Seid bitte genau, da mir unklar ist, worum es bei dieser neuen Anhörung eigentlich geht.

2.      Wenn Ihr eine neue Anhörung anberaumen wollt, benötige ich wenigstens zwei Wochen ab Briefeingang, um in meinem Terminkalender eine Anhörung zu planen.

3.      Ich fordere von Euch, dass Ihr das Treffen nicht auf einen Wochentag setzt, weil das eine Härte für meine Zeugen, die in meinem Interesse erscheinen sollen, darstellt. Daher fordere ich, nur einen Samstag oder einen Sonntag vorzusehen. Euch ist sicher bewusst, was auf der Seite 110 des „Herde“-Buches steht: Zeit und Ort der Verhandlung sollen vereinbart werden. Bedeutet das nicht Vorkehrungen, die dem Angeklagten und seinen Zeugen passen?

4.      Ich fordere, dass die Verhandlung auf einen Termin am „Nachmittag“ gelegt wird.

5.      Ich fordere, dass Ihr bei der Verhandlung keine Tonaufnahmegeräte laufen lasst.

6.      Ich fordere, dass keine Anwälte im Interesse der Wachtturm-Gesellschaft anwesend sind.

7.      Ich fordere ein einfaches Komitee aus drei Personen mit keinen Beobachtern. Im „Herde“-Buch heißt es auf Seite 109: Bei einem komplizierten Fall muss das Rechtskomitee nicht auf drei Personen beschränkt bleiben; wenn es ratsam erscheint, können vier oder sogar fünf erfahrene Älteste eingesetzt werden. Da es sich hier um den einfachen Fall einer falschen Anschuldigung handelt, scheint er nicht zu kompliziert für die Behandlung durch drei Älteste zu sein. Wenn Ihr vorhabt, dass mehr als drei Älteste anwesend sind, dann möchte ich darüber und über die Gründe für eine solche Entscheidung im Voraus informiert werden. Wenn Ihr dies versäumt und bei meiner Ankunft mehr als drei Personen im Komitee sitzen, werde ich das sicher als Mangel an „gebührendem Respekt“ ansehen, weil Ihr mich nicht im Voraus informiert habt, was ich zu erwarten habe.

8.      Meine Zeugen haben mich gebeten, in ihrem Interesse zu handeln. Daher fordere ich von Euch einen Scheck in Höhe von 2.945,25 Dollar, den Ihr bitte an Silentlambs schickt, für Reisespesen, damit meine Zeugen zu einer neuen Verhandlung wiederkommen und zu meinen Gunsten aussagen können.

9.      Ich fordere, dass JEGLICHER BRIEFVERKEHR über meinen Anwalt geht. Ihr habt zweifellos auf den Rat der Wachtturm-Rechtsabteilung hin  meine wiederholten diesbezüglichen Forderungen ignoriert, aber Ihr müsst trotzdem AUFHÖREN, MICH ZU SCHIKANIEREN. Wenn Ihr das nicht tut, werde ich gezwungen sein, mich an den „Cäsar“ um Abhilfe zu wenden. 

Es stimmt mich traurig, dass ich die obigen Forderungen aufstellen muss, aber durch Eure Handlungsweise habt Ihr „Eure Brüder geschlagen“. Ihr habt meine Familie schikaniert; Ihr habt Rechtskomiteeverhandlungen anberaumt, die belastend sind; Ihr seid nicht erschienen und habt damit Missbrauchsüberlebenden, die aus großen Entfernungen angereist sind, um mit Euch zusammenzukommen und ihre Aussage zu machen, Unannehmlichkeiten bereitet. 

In einem Brief vom 7. Februar 2002 an Richard Greenberg von Dateline hat J. R. Brown folgendes erklärt: 

Wir sehen sie daher nicht als Gegner an, sondern als Einzelpersonen, deren Ansichten und Meinungen im Rahmen der Versammlung oder Kirche, und nicht vor einem landesweiten Fernsehpublikum, gehört werden sollten. Unsere leitende Körperschaft ist bereit, Meinungsverschiedenheiten im Rahmen der Versammlung und gemäß biblischen Grundsätzen zu lösen. 

Das ist also die Art, wie „unsere leitende Körperschaft Meinungsverschiedenheiten löst“? Sie schickt Älteste von auswärts, die ein Rechtskomitee schaffen, mit falschen Anschuldigungen und um allen, die im Programm aufgetreten sind, die Gemeinschaft zu entziehen? Bestätigt das nicht genau die Beschuldigung, die ich seit Anfang an erhoben habe, nämlich, wenn Missbrauchsopfer die Stimme erheben, werden sie mit der Drohung mit einem Gemeinschaftsentzug zum Schweigen gebracht? Ist die Verhaltensweise, Brüdern und Schwestern in Hinterzimmern die Gemeinschaft zu entziehen, anstatt sich den legitimen Anschuldigungen in einem öffentlichen Forum zu stellen, nicht feige? Anscheinend ist „unsere leitende Körperschaft“ völlig bereit, J. R. Brown von der Wachtturm-Öffentlichkeitsarbeit zu ermächtigen, Personen zu verleumden, die in Dateline auftraten und erklärten, sie seien wegen „anderer Sünden“ ausgeschlossen worden, die nicht damit in Verbindung stehen, dass sie in landesweiten Zeitungen die Stimme wegen des Kindesmissbrauchs erhoben haben. Könnte es sein, dass „unsere leitende Körperschaft“ J. R. Brown und Richard Greenberg angelogen hat? Könnte sie auch euch anlügen? 

Ich weiß, dass diese Fragen verwirrend sind, so wie sie auch mich wegen der Verhaltensweise des letzten Jahres verwirrt haben. Aus diesem Grunde habe ich auch gefordert, „im Rahmen der Versammlung und gemäß biblischen Grundsätzen“ am 27. September dieses Jahres ein Treffen mit der leitenden Körperschaft zu haben. Da sie und das Dienstkomitee genau von meiner Forderung nach einem Treffen in einem gefaxten Brief vom 6. Juni 2002 Bescheid wissen, warum ermächtigen sie euch dann zur Anberaumung einer Verhandlung vor einem Rechtskomitee? Würde es nicht mehr Sinn machen, unsere Meinungsverschiedenheiten zu jenem Zeitpunkt zu lösen? Wenn ihr andererseits von meinem Treffen mit der leitenden Körperschaft wisst, dann würde ich eine Erklärung über die Inkonsequenz eures Verhaltens begrüßen. 

Ich sehe, dass ihr sozusagen „zwischen allen Stühlen sitzt“, aber ich möchte euch ermuntern, noch einmal ernsthaft darüber nachzudenken, dass ihr zu dieser Zeit die Angelegenheit vorantreibt. Als Beweis meiner Aufrichtigkeit, den Streit beilegen zu wollen, bin ich bereit, nach Brooklyn, New York, zu fahren und mich dort mit Leuten zu treffen. Ich werde gerne mit euch zusammenkommen. Ich fordere aber den „gebührenden Respekt“, da ihr in dieser Hinsicht bis jetzt erbärmlich versagt habt. Denkt darüber nach, denn als Konsequenz eures Verhaltens werden viele Kinder entweder Nutzen ziehen oder leiden. Im „Herde“-Buch heißt es: 

Älteste, die für diese Aufgabe berufen werden, müssen himmlische Weisheit bekunden, ein gutes Urteilsvermögen besitzen und unparteiisch sein (5. Mose 1:13, 16-18). Eine gute Kenntnis der gerechten Gesetze und Grundsätze Jehovas ist erforderlich (Ps. 19:7-11). Sie müssen die Angelegenheit sorgfältig erwägen und sich bewusst sein, dass aufgrund bestimmter Faktoren jeder Fall anders liegt. 

Älteste sollten sich von Grundsätzen leiten lassen, statt sich an starre Regeln zu halten, und jeden Fall nach dem speziellen Tatbestand beurteilen. Vor der Behandlung eines Rechtsfalls sollten Älteste die Teile 5(a), 5(b) und 5(c) gründlich wiederholen. Möglicherweise müssen sie auch in den Veröffentlichungen der Gesellschaft und in Briefen jüngeren Datums von der Gesellschaft nachforschen, um passenden oder hilfreichen Aufschluss zu finden. Älteste können die Zuversicht hegen, mit genauer Erkenntnis, mit Erfahrung und Unterscheidungsvermögen sowie mit der Hilfe des Geistes Gottes gerecht, weise und barmherzig richten zu können. 

Ich ermuntere euch, Brüder, dies sorgfältig zu erwägen und eine Entscheidung zu treffen, die der Herde nutzen wird. Ist es nicht das, was von uns Ältesten gefordert wird? Ich warte auch eine schnelle Antwort auf diesen Brief und sende euch Grüße christlicher Verbundenheit. 

Hochachtungsvoll 

William H. Bowen

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Bowen möchte Verhandlung verschoben haben

Früherer Ältester der Zeugen Jehovas Bill Bowen sagte, es sei ihm nicht möglich bei  für Mittwoch erneut angesetzter Verhandlung anwesend zu sein.
Paducah Sun, 20. Juli 2002

Berichte unserer Redakteure

DRAFFENVILLE, Ky.

Ein früherer Ältester der Zeugen Jehovas bittet darum, dass eine für Mittwoch erneut angesetzte Ausschlussverhandlung wegen der kurzfristigen Benachrichtigung wieder verschoben wird.

Bill Bowen, 44, aus Draffenville, steht vor dem Rauswurf aus der Kirche, weil er öffentlich kritisiert hatte, wie die Kirche mit Missbrauchsbeschuldigungen umgeht. In einem Brief an den Ältesten, der der Rechtskomiteeverhandlung vorsitzen wird, sagte Bowen, es sei ihm nicht möglich, am Mittwoch zu kommen, und er hoffe, es werde ein neuer Termin festgesetzt, "der für alle Beteiligten annehmbar" ist.

Gegen Bowen war eine Verhandlung im Mai angesetzt gewesen, aber sie fand nicht statt, weil die Ältesten, die den Fall verhandeln sollten, nicht kamen, sagte Bowen.

Bowen trat im Dezember 2000 aus Protest gegen die Kirchenpolitik bei der Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs als Kirchenältester zurück. Er hat beklagt, dass Kindesmissbrauchanklagen  von den Zeugen Jehovas generell nicht weltlichen Behörden gemeldet werden, weil die Kirche nach außen abgeschlossen ist und darauf besteht, Probleme intern zu behandeln.

Kirchenvertreter haben ein Fehlverhalten bestritten.

J. R. Brown, ein Sprecher der Religionsgemeinschaft, hat gesagt, Eltern würden nicht von der Kirche bestraft, wenn sie bei Kindesmissbrauch zuerst zur Polizei gingen.

Er sagte auch, wenn das Rechtskomitee der Kirche ein Mitglied des Missbrauchs für schuldig befinde, werde dieses aus allen Ämtern entfernt und dürfe nicht von Haus zu Haus missionieren, ohne dass ein Mitzeuge als Begleitung dabei sei.

Von Mitgliedern der Kirche, selbst von Angehörigen in der Familie, wird gefordert, alle zu ächten, die ausgeschlossen sind. Drei weitere Personen, die sich gegen die Vorschriften der Kirche geäußert haben, sind in den vergangenen Monaten ausgeschlossen worden. Es sind Barbara Anderson aus Normandy, Tennessee, und Carl uand Barbara Pandelo aus Belmar, New Jersey.

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Älteste haben Angst

Nach meiner ausdrücklichen schriftlichen Bitte, ich könne nicht bei der Verhandlung anwesend sein, wenn nicht auch meine Zeugen erscheinen könnten, informierte das Rechtskomitee einen Reporter der Paducah Sun, dass sie die Verhandlung auf jeden Fall für Mittwochabend um 19:00 Uhr einberufen würden. Ich beschloss, zum Königreichssaal zu gehen und dort zu erscheinen. Ich kam um 19:05 an. Der Reporter der Paducah Sun war da, aber ich bemerkte nur ein Fahrzeug auf dem Parkplatz.  Nun müssen, wie ihr euch erinnern werdet, zwei Augenzeugen da sein, um einen Kinderschänder trotz seines Leugnens zu überführen und ihm die Gemeinschaft zu entziehen. Da ich kategorisch bestritten habe, „Spaltungen verursacht“ zu haben, wartete ich, dass ein Zeuge erschien, um gegen mich auszusagen. Keiner kreuzte auf. Nachdem der Reporter gegangen war, guckten die Ältesten aus dem Fenster und sahen mich, wie ich draußen saß. Dann passierte etwas äußerst Seltsames: Sie klebten Müllbeutel über die Fenster, und anscheinend verschlossen sie auch die Eingangstür. Ich machte ein Foto, als der Älteste Jeff Stein nach draußen ging, um die Tür zu verschließen. (Die Tür muss man von außen absperren.) Ich wartete weitere 30 Minuten, und dann kamen alle drei heraus, Ron Cary, George Bandarra und Jeff Stein. Jeff winkte, und sie stiegen in ihren SUV und fuhren weg. 

George Bandarra informierte den Reporter der Paducah Sun, dass sie mir ihre Entscheidung am Donnerstag telefonisch bekannt geben würden. Aus folgenden Gründen verstehe ich nicht, wie sie zu einer Entscheidung kommen konnten: 

1. Angesichts meines kategorischen Leugnens brachten sie keinen Augenzeugen vor. 

2. Sie ignorierten meine schriftliche Bitte, (gemäß den Verfahrensvorschriften der Organisation) Augenzeugen für meine Unschuld vorzubringen.  

3. Sie haben mich nicht zu sich hereingebeten, sondern verdunkelten die Fenster und schlossen die Tür, obwohl ich für sie deutlich sichtbar da saß. 

4. Sie weigern sich, meine Briefe, die ich ihnen schrieb, anzuerkennen oder zu beantworten, sondern handeln gemäß ihren Briefen ohne Rücksicht auf meine Verteidigung. 

Es folgen Links zu Fotos, die das oben Geschilderte zeigen. 

Wenn man sich dieses Foto genau ansieht, kann man erkennen, dass auf jeder Seite der Tür die Fenster offen sind und ein Reporter der Sun drinnen ist und mit den Ältesten redet.

http://community.webshots.com/photo/44722558/44722772XooRVs  

Auf diesem Foto scheint der Älteste die Tür von außen abzuschließen, während sie dabei sind, die Fenster mit Müllbeuteln zu verkleben. 

http://community.webshots.com/photo/44722558/44722843MBprWy

Hier sind die Fenster völlig zugeklebt und die Tür ist verschlossen. Das wird ihnen wohl wirklich helfen, zu meditieren, damit sie zu einer fairen und unparteiischen Entscheidung kommen. 

http://community.webshots.com/photo/44722558/44723017NEbYFW      

Ron Cary steigt in den SUV, um abzufahren, George Bandarra ist bereits im SUV. 

http://community.webshots.com/photo/44722558/44723095CotTTW

Jeff Stein verlässt den Königreichssaal. Ron Cary schließt die Tür des SUV. George Bandarra ist fertig, um Gas zu geben. Vielleicht wollten sie nicht mit mir darüber reden, obwohl ich direkt vor ihnen saß, weil sie ihre Augenzeugen vergaßen. Könnte es sein, dass diese Ältesten, zum Teil vom Ort, zum Teil aus einer anderen Stadt, der „Menschenfurcht“ nachgaben? Vielleicht sind sie ja blind und sahen mich nicht, wie ich in ihrer Ausfahrt saß und Fotos machte.  

http://community.webshots.com/photo/44722558/44723151WBQHwq

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Bowen beobachtet Verhandlung aus der Ferne
Der frühere Älteste der Zeugen Jehovas beobachtete, wie drei Älteste den Königreichssaal betraten. Es sagte, seine Forderung nach einem neuen Termin sei nicht beantwortet worden.

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von Matt Sanders msanders@paducahsun.com -- 270.575.8650

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DRAFFENVILLE, Ky. – Als eine Gruppe von drei Ältesten am Mittwochabend über seine Zukunft bei den Zeugen Jehovas sprach, saß Bill Bowen in seinem Pickup auf der anderen Straßenseite des Königreichssaales.

Bowen aus Draffenville musste mit dem Gemeinschaftsentzug oder Hinauswurf aus der Kirche rechnen, weil er öffentlich die Art kritisiert hatte, wie sie mit Anklagen wegen sexuellen Missbrauchs umgeht. Er hatte Kirchenvertreter gebeten, einen neuen Termin für die Verhandlung festzulegen, der auch seinen Zeugen passen würde. Bowen sagte, er habe keine Antwort erhalten, und obwohl er während der 30-minütigen Verhandlung auf der anderen Straßenseite der Kirche saß, weigerte er sich, daran teilzunehmen.

„Ich sah, wie drei Älteste hineingingen, aber es waren keine Zeugen da“, sagte Bowen. „Damit in der Kirche ein Fehlverhalten feststeht, muss es wenigstens zwei Augenzeugen geben. Wer dient ihnen als Zeugen; die drei Richter? Ich werde da nicht hineingehen, wenn sie keine Zeugen haben und auch meine Zeugen nicht da sind. Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Das ist nicht fair, das ist nicht unparteiisch, das ist ein Femegericht.“

Bowen hat darüber geklagt, dass Beschuldigungen wegen Sex mit Kindern von den Zeugen Jehovas generell nicht den Behörden gemeldet werden, weil sie gegenüber der Außenwelt so abgeschlossen ist und darauf besteht, die Probleme intern zu handhaben. Er trat im Dezember 2000 als Kirchenältester zurück.

Kirchenführer haben ein Fehlverhalten abgestritten..

Die Verhandlung begann um 19:30, und Bowen, immer noch in seinem Pickup, sagte, er habe die Ältesten die Kirche um 20:00 verlassen sehen, aber nicht mit ihnen gesprochen.

Vor der Verhandlung sagte George Bandarra, Ältester in der Versammlung Murray und einer der Ältesten, die Bowens Fall überprüften, die Ältesten würden keinen Kommentar zu der Verhandlung abgeben, da es sich um eine private Angelegenheit der Kirche handle. Er fügte hinzu, die Ältesten würden ihren Urteilsspruch nicht öffentlich machen, sondern Bowen am Mittwochabend telefonisch das Ergebnis bekannt geben. Bowen sagte, die Ältesten hätten nicht angerufen.

Eine Kirchenverhandlung war für Mai vorgesehen, fand aber nicht statt, weil die Ältesten, die den Fall anhören sollten, nicht aufkreuzten. Als ein neuer Verhandlungstermin für Mittwoch vorgesehen wurde, forderte Bowen schriftlich eine Verschiebung wegen der kurzen Frist und sagte, er habe Zeugen, die aus Kalifornien, Michigan, Tennessee, Florida und Louisiana anreisen müssten.

„Wer sieht schon einen Termin für Mittwochabend vor? Ich bat um ein Treffen an einem Wochenende, um meinen Zeugen Zeit zu geben, hierher zu kommen. Gemäß der Kirchenordnung ist es mein Recht, Zeugen herbeibringen zu können, die für mich sprechen. (Die Ältesten) sind zweimal nicht gekommen, und wenn ich legitime Gründe für eine Verschiebung habe, geben sie keinen Grund an. Ich bekomme keine Antwort auf meinen Brief. Ich bekam einen Brief von ihrem Anwalt, in dem es hieß, (die Kirche) habe meinen Brief erhalten.“

Bandarra sagte, die Ältesten seien aus einer Versammlung außerhalb von Marshall County ausgesucht worden, um ein unparteiisches Urteil  zu garantieren. Er sagte, nachdem die Ältesten den Fall überprüften, würden sie beten und abstimmen, bis ein einstimmiges Urteil erreicht worden sei. Die anderen Ältesten waren Jeff Steen, auch aus Murray, und Ron Carey aus Central City. Carey ist Kongressaufseher, damit trägt er die Verantwortung für die Kreiskongresse der Kirche, sagte Bowen.

Sowohl Bandarra als auch Steen schienen über die neuerliche Publicity, die Bowens Fall erregt hat, besorgt zu sein und sagten noch einmal, der Fall sei eine Privatangelegenheit. Doch Steen erwähnte, dass es etwa sechs Millionen Zeugen Jehovas weltweit gebe und jährlich etwa 40.000 aus den verschiedensten Gründen ausgeschlossen würden.

Kirchenmitglieder, sogar Angehörige, müssen Personen, die einen Gemeinschaftsentzug haben, ächten.

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New York Times

26. Juli 2002

Ex-Ältester wegen Bemerkungen über Missbrauch fallen gelassen

ASSOCIATED PRESS

DRAFFENVILLE, Kentucky (AP) – Sein Leben lang war er Zeuge Jehovas. Jetzt, so sagte er, wurde er aus der eng verbundenen Gruppe ausgeschlossen, nachdem er die Handhabung von Kindesmissbrauch durch die Kirche öffentlich kritisiert hatte. William Bowen, ein ehemaliger Kirchenältester, sagte, er sei nach kurzer Verhandlung am Mittwoch exkommuniziert worden – oder, wie die Religionsgemeinschaft dazu sagt: ihm wurde die Gemeinschaft entzogen. Ein Mitglied des Rechtskomitees kontaktierte am Donnerstag Bowens Anwalt, um das Urteil zu übermitteln, lieferte aber keine weiteren Informationen, so Bowen.

Komiteemitglieder waren am Telefon für einen Kommentar nicht erreichbar.

Bowen beklagt, dass Beschuldigungen wegen Kindersex wegen des geschlossenen Charakters der Kirche und dem Beharren, Probleme intern zu behandeln, generell von den Zeugen Jehovas nicht den Behörden gemeldet werden. Bowen sagte, er habe vor, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen, die bei einer nichtöffentlichen Verhandlung getroffen wurde, bei der er nicht anwesend war. „Von meinem Standpunkt aus ist das eigentliche Verbrechen nicht, dass sie mir die Gemeinschaft entziehen“, sagte Bowen. „Das wirkliche Verbrechen ist, dass sie jetzt jeden in der Organisation zum Schweigen bringen, der Hilfe oder Unterstützung braucht.“

Wenn jemandem die Gemeinschaft entzogen wurde, müssen die anderen Mitglieder ihn ächten. Bowen ist der vierte Zeuge Jehovas, der in diesem Jahr ausgeschlossen wurde, weil er zu dem Thema seine Meinung sagte.

http://www.nytimes.com/aponline/national/AP-Jehovahs-Witnesses.html

Im Netz: Missbrauchsopfer: www.silentlambs.org

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Bowen erfährt von Gemeinschaftsentzug  
Der frühere Älteste bei den Zeugen Jehovas sagte, er werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen, erwartet aber, dass die Berufung abgelehnt wird.

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von C.D. Bradley cdbradley@paducahsun.com--270.575.8650

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DRAFFENVILLE, Ky. – Bill Bowen, ehemaliger Ältester bei den Zeugen Jehovas, der im Dezember 2000 aus Protest gegen die Art, wie die Kirche Fälle von Kindesmissbrauch handhabt, von seiner Führungsposition zurückgetreten ist, wurde Mittwochabend nach kurzer Verhandlung ausgeschlossen, sagte er am Donnerstag.

Bowen sagte, Jeff Steen aus Murray, einer von drei Ältesten in dem Komitee, habe ihn Donnerstagmorgen angerufen, er habe den Ältesten aber gesagt, sie möchten sich an seinen Anwalt, Rush Hunt aus Madisonville, wenden, und habe aufgelegt. Bowen sagte, Steen habe daraufhin Hunt angerufen und gesagt, Bowen sei ausgeschlossen worden, habe aber keine weiteren Informationen gegeben.

Weder Steen noch einer der anderen beiden Ältesten in dem Gremium – George Bandarra aus Murray und Ron Carey aus Central City – habe am Donnerstag zurückgerufen.

Bowen hatte gesagt, die Kirche schütze Pädophile, indem sie Beschuldigungen nicht der Polizei melde und den Opfern nahe lege, sich nicht an die Behörden zu wenden oder die Situation mit jemandem aus der Versammlung zu besprechen. Die Kirche hat jedes Fehlverhalten bestritten und behauptet, sie befolge die Gesetze.

Bowen sagte, er habe vor, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen, die während einer Verhandlung getroffen wurde, um deren Verlegung Bowen gebeten habe und die ohne ihn stattfand. Bowen sagte, er sei auf der anderen Straßenseite des Königreichssaales gewesen und die Ältesten hätten die Tür abgeschlossen und die Fenster versperrt. Er fügte hinzu, die drei Ältesten schienen die einzig Anwesenden gewesen zu sein.

„Worauf sie immer bestanden haben, ist, dass zwei Augenzeugen benötigt werden, ehe ein Kinderschänder in der Kirche überführt wird“, sagte Bowen. „Ich habe diese Anschuldigungen gegen mich deutlich zurückgewiesen, und sie brachten keine Zeugen gegen mich vor. Da besteht eine erhebliche Inkonsequenz in der Organisation. Wäre ich ein Kinderschänder, hätten sie keine Verhandlung gehabt. Aber weil ich mich für den Schutz der Kinder ausspreche, entziehen sie mir innerhalb von 30 Minuten die Gemeinschaft.“

Bowen sagte, er habe den Rückschein für einen Brief von Hunt erhalten, den dieser abschickte, um einen neuen Termin für die Verhandlung zu erbitten, so dass Bowens Zeugen, die aus dem ganzen Land kommen, auch anwesend sein könnten.

„Sie haben gegen so gut wie alle Vorschriften verstoßen, daher denke ich, dass sie auch meine Forderung nach einer Berufungsverhandlung ignorieren werden“, sagte Bowen.

Bowen sagte, ausgeschlossen zu werden – was von den Zeugen einschließlich der eigenen Familienangehörigen fordere, ihn zu ächten – sei für die Religion gleichbedeutend mit dem Tod.

„Von meinem Standpunkt aus ist das eigentliche Verbrechen nicht der Gemeinschaftsentzug“, sagte Bowen. „Das wahre Verbrechen ist, dass sie jetzt jeden in der Organisation, der Hilfe oder Unterstützung braucht, zum Schweigen bringen werden. Dann wird man Leute allein dafür ausschließen, dass sie diese Website besuchen.“

Bowen, der eine Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer unter den Zeugen Jehovas gründete, www.silentlambs.org, sagte, die Besucher der Seite seien zu etwa gleichen Teilen gegenwärtige und ehemalige Zeugen Jehovas.

Bowen ist nach Barbara Anderson aus Normandy, Tennessee, und Carl und Barbara Pandelo aus Belmar, New Jersey, der vierte Zeuge, der in diesem Jahr ausgeschlossen wird, weil er zu dem Thema öffentlich etwas sagte.

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Mann gelobt, gegen Rauswurf bei den Zeugen Berufung einzulegen


von Peter Smith
psmith@courier-journal.com
The Courier-Journal

Ein Mann aus Westkentucky kämpft gegen einen Schritt der Ältesten der Zeugen Jehovas, ihn zu exkommunizieren und sagt, er werde für seine Behauptung bestraft, die Politik dieser Kirche schütze Kinderschänder.

Bill Bowen aus Draffenville, Kentucky, sagt, er werde am Montag Berufung gegen eine Entscheidung dreier Kirchenältester einlegen, ihm „die Gemeinschaft zu entziehen“, weil er „Spaltungen verursacht“ haben soll. Bowen sagte, man habe ihn am Donnerstag über die Maßnahme unterrichtet, nachdem die Ältesten am vorherigen Abend ohne ihn zusammengekommen waren.

Wenn die Exkommunikation von einem weiteren, aus drei Ältesten bestehenden Gremium aufrechterhalten wird, ist Bowen die vierte Person, die in diesem Jahr aus der Kirche ausgestoßen wird, weil sie die Politik zu Kindesmissbrauch kritisiert hatte. Die Kirche bestreitet diese Kritik.

Jeff Steen, einer der Ältesten, der laut Bowen beschloss, ihm die Gemeinschaft zu entziehen, wollte den Schritt der Ältesten weder bestätigen noch dementieren. Er sagte, kirchliche Strafmaßnahmen seien vertraulich in „einem Geist der Milde, nicht der Konfrontation“.

Telefonische Benachrichtigungen des Courier-Journal wurden von den anderen Ältesten oder vom Pressebüro der Zentrale der Zeugen Jehovas in New York nicht erwidert.

Bowen sagte, der Schritt gegen ihn sein „absolut nicht“ gerechtfertigt.

„Ich habe keine Sünde gegen Gott begangen; ich habe kein biblisches Gesetz gebrochen“, sagte Bowen, der im Dezember 2000 aus Protest gegen die Politik der Kirche als Ältester zurückgetreten war, aber ein Mitglied in gutem Ansehen blieb. „Das ist nichts weiter als ein Femegericht, um mich zum Schweigen zu bringen.“

Bowen macht geltend, dass die Zeugen Jehovas Fälle von Kindesmissbrauch geheim hielten und sich weigerten, das Opfer andere Mitglieder vor Monstern in ihren Versammlungen warnen zu lassen.  

Das Courier-Journal berichtete im Februar 2001 von Gerichtsfällen in mehreren Bundesstaaten, in denen Funktionäre der Zeugen Jehovas beschuldigt wurden, mutmaßlichen Missbrauch durch Älteste geheim halten zu lassen, manchmal gegen geltendes Gesetz. Seither sind neue Klagen mit solchen Behauptungen in New Hampshire, Minnesota und Washington eingereicht worden.

Funktionäre der Zeugen Jehovas haben gesagt, sie verabscheuten Kindesmissbrauch, meldeten Fälle in Bundesstaaten, wo dies Pflicht ist, bei den Behörden und erlaubten Mitgliedern, Mitbrüder bei der Polizei anzuzeigen.

Nach den Regeln der Kirche müssen Jehovas Zeugen Ausgeschlossene sozial wie auch in religiösem Zusammenhang ächten, und selbst Familienmitglieder sind in ihren Beziehungen zu ausgeschlossenen Angehörigen beschränkt.

Es gibt noch weitere Personen, die in diesem Jahr ausgeschlossen wurden: Carl und Barbara Pandelo aus Belmar, New Jersey, die unverblümt gesagt haben, dass Jehovas Zeugen den Schänder ihrer Tochter mit mehr Mitgefühl behandelten als sie, und Barbara Anderson aus Normandy, Tennessee, eine frühere Angestellte der Kirchenzentrale in New York, die die Kirchenpolitik kritisiert hat.

Anderson, die sagte, sie habe am Sonntag erfahren, dass ihre Berufung zurückgewiesen wurde, meinte, die Kirche handle „so, dass die Zeugen Jehovas glauben werden, es sei gerechtfertigt, wenn sie zu anderen sagten, wir seien Lügner.“

Sie sagte, Bowen sollte für das Öffentlichmachen dieses Themas nicht bestraft werden. „Es braucht einen sehr mutigen Zeugen Jehovas, hinzugehen und zu tun, was wir getan haben.“

David Clohessy, landesweiter Leiter des Survivors Network of those Abused by Priests, sagt, Bowen werde ähnlich behandelt wie warnende Stimmen in der Missbrauchskrise der katholischen Kirche.

„Die Hierarchie sollte ihn als Helden ansehen und nicht als Plage“, sagte Clohessy, der seit anderthalb Jahren mit Bowen korrespondiert


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29. Juli 2002

Versammlung Draffenville der Zeugen Jehovas

Älteste im Rechtskomitee aus:

der Versammlung Murray der Zeugen Jehovas

der Versammlung Central City der Zeugen Jehovas

jeder anderen Versammlung, aus der Älteste in das Rechtskomitee gegen mich ernannt wurden.

Liebe Brüder,

ich möchte gegen die Entscheidung, mich auszuschließen, Berufung einlegen. Der Grund dafür ist eine falsche Beurteilung aufgrund der trügerischen Weise, in der das Rechtskomitee angesichts meiner kategorischen Leugnung, etwas Falsches getan zu haben, tätig war. Ich habe keine Sünde gegen Gott oder die Organisation begangen. Das Rechtskomitee hat keine Augenzeugen vorgebracht, um seine Darstellung zu untermauern, also hat es nichts gegen mich in der Hand.

Wie ihr früherer Korrespondenz aus den vergangenen 19 Monaten entnehmen könnt, habe ich mich bemüht, ausführlich mit der Organisation zu sprechen, was die Notwendigkeit einer Änderung der Wachtturm-Politik hinsichtlich Missbrauch angeht, und auch eine Entschuldigung und/oder Erklärung für Sanktionen zu fordern, die die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas gegen mich gerichtet hat. Ich finde es verabscheuungswürdig, dass ein Ältester mit einer solch bösen Handlungsweise auf ihre Anweisung hin zusammenarbeiten kann. Zu eurer Nachprüfung biete ich das Folgende an:

Mir werden in der Versammlung Einschränkungen auferlegt, ohne dass man mich einer Missetat beschuldigt, um vor der Versammlung den Anschein zu erwecken, ich hätte irgendwie gesündigt. Wachtturmvertreter halten zahlreiche Ansprachen, in denen angedeutet wird, ich sei ein Lügner und alle Anschuldigungen über die Mängel der Wachtturm-Politik bezüglich Kindesmissbrauchs seien falsch. Die Wachtturm-Öffentlichkeitsabteilung verbreitet in den Medien ein Video, in dem mein Vater zusammen mit Earl Norman und J. R. Brown gezwungen wird, mich als Lügner zu bezeichnen. Mir werden Aufgaben in der Theokratischen Dienstschule untersagt und ich werde als Wachtturm-Vorleser zurückgezogen, um vor der Versammlung den Anschein zu erwecken, ein Rechtskomitee habe Sanktionen verhängt. Die Versammlung Draffenville wird angewiesen, von Haus zu Haus zu gehen und der Öffentlichkeit zu erzählen, ich sei ein Lügner. Mir wird verboten, mit der Versammlung im Predigtdienst zu arbeiten. Die Brüder und Schwestern in der Versammlung werden angewiesen, mich wie einen Ausgeschlossenen zu behandeln. Trügerische Kommentare gegenüber den Medien, um in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, ich und andere Befürworter hätten „andere“ Sünden gegen Gott begangen (eine unverschämte Lüge). Druck auf Mitzeugen aufgrund negativer Bemerkungen von Vertretern der Wachtturm-Führung, aufzuhören, in meinem Kerzengeschäft zu arbeiten. Es wird mir gegenüber vorgetäuscht, man könne keinen Königreichsdienst, persönliche Literaturbestellungen und Zeitschriften finden, wenn ich sie anfordere. Die Ältesten informieren mich, ich sei nicht in den Zusammenkünften willkommen. Man unterstützt den örtlichen Kinderschänder, indem man ihm Vorrechte in der Versammlung zuteilt. Ich schrieb zahlreiche Hilfsersuchen, um die obigen Angelegenheiten zu lösen, aber die leitende Körperschaft hat euch angewiesen, meine Hilferufe zu ignorieren.

Brüder, wie ihr sehr wohl wisst, gründe ich meine Bemerkungen auf Dinge, mit denen ich persönlich zu tun hatte, das heißt Taten, die ich mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört habe. Wenn ihr zufällig Dateline und BBC Panorama gesehen habt, dann könnt ihr natürlich im überregionalen Fernsehen sehen, dass der Wahrheitsgehalt meiner Aussagen mit Tatsachenbeweisen von den Missbrauchsüberlebenden selbst untermauert ist. Wären diese Programme alles Lügen, wie die Wachtturm-Gesellschaft viele Brüder und Schwestern informiert hat, warum hat sie dann nichts unternommen, um diese Programme zu verklagen, um ihren guten Ruf zu schützen? Jeff Steen weiß sehr gut, dass das, was ich über die Ortsversammlung gesagt habe, stimmt, da er an der Untersuchung teilnahm und auch mit der Dienstabteilung telefonierte. Und doch sitzt er in einem Rechtskomitee, um mich auszuschließen? Als was für eine Art „geistiger Mensch“ erweist er sich da?

Das Urteil eines weltlichen Gerichts muss fair sein und einer bestimmten Prozessordnung genügen. Für die Gerichte der Zeugen Jehovas werden gewisse Vorgehensweisen in dem Ältestenbuch Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde umrissen. Das Rechtskomitee folgt im Verlauf meiner Verhandlung den Anweisungen der leitenden Körperschaft und nicht den geschriebenen Richtlinien, daher war das Urteil unfair und parteilich. Ich gebe folgende Beispiele:

Man hat schriftlich eine Verhandlung vorgesehen, und das Rechtskomitee kreuzt nicht auf. Man weigert sich, Antworten mitzuteilen, um Fragen nach der Verhandlung klarzustellen, indem man jeglichen Briefverkehr ignoriert. Man liefert keine Augenzeugen, um zu widerlegen, was ich bestreite: dass ich eine Missetat begangen hätte. Man führt eine geheime Rechtsverhandlung durch, ohne mich zu informieren. Man ignoriert eine zweite „schriftlich vorgesehene“ Zusammenkunft ohne Mitteilung. Man schikaniert mich, indem man nicht meiner respektvoll vorgetragenen Forderung nachkommt, jeden Schriftverkehr über meinen Anwalt laufen zu lassen. Es wird versäumt, in den letzten Verhandlungen eine Beschreibung der Anklagen gegen mich zu liefern. Der Vorsitzende versäumt es, dem Beschuldigten den Briefverkehr zu übergeben, wie es im „Herde“-Buch steht. Durch die Handlungsweise des Komitees wurde mir das Recht verweigert, „Zeugen“ zu meinen Gunsten beizubringen. Das Komitee versäumt es, „passende“ und „bequeme“ Gelegenheiten für die Zeit der Verhandlung zu geben, indem man mich täuscht und erst kurz vorher benachrichtigt.

Ich glaube, diese Vornahmen, jedes Protokoll für dieses „Femegericht“ zu ignorieren, sind von der leitenden Körperschaft selbst angewiesen worden, um den Ruf nach angemessenen Taten im Interesse von Kindern im Keim zu ersticken. Das örtliche Rechtskomitee hat nicht im Interesse von Gerechtigkeit gehandelt, sondern stattdessen als Männer ohne Moral und Ethik, die einfach Anweisungen gehorchen. Einer ähnlichen Vorgehensweise folgt man, wenn Kinderschänder in der Versammlung bloßgestellt werden, so wie die leitende Körperschaft Anweisungen gibt.

Als diese Dinge anfingen, hatte ich die Hoffnung, dass gerechte Männer aufstehen würden, um die Kinder in unserer Organisation zu schützen. Ich hoffte, einige dieser Männer wären in der leitenden Körperschaft zu finden, die aufstehen und einer Politik Einhalt gebieten würden, die zulässt, dass Kinder vergewaltigt werden. Im Verlauf der letzten neunzehn Monate hat sich die leitende Körperschaft nicht als gerecht erwiesen, sie hat stattdessen Taten begangen, die sie als böse Männer ausweisen.

n der Veranschaulichung vom „treuen und verständigen Sklaven“ ist es interessant, auf die Bemerkung in Lukas 12:43-45 zu achten: „Glücklich ist JENER Sklave, wenn ihn sein Herr bei der Ankunft so tuend findet. 44 Ich sage euch in Wahrheit: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen. 45 Wenn aber JENER Sklave in seinem Herzen je sagen sollte: ‚Mein Herr verzögert sein Kommen‘ und anfangen sollte, die Knechte und die Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und trunken zu werden …“

Ihr seht, Brüder, in der Veranschaulichung ist der „Sklave“ ein Mann mit einer Wahlmöglichkeit: er kann gut oder böse sein. Die leitende Körperschaft als ernannte Führer des TVS hat Taten eingeleitet, die die Kinder in dieser Organisation „geschlagen“ haben. Wenn jemand deswegen die Stimme erhebt, wird er mit der Androhung und Durchführung eines Ausschlusses „geschlagen“, um angemessene Taten im Interesse der Kinder im Keim zu ersticken. „JENER Sklave“ ist „böse“ geworden, wenn er Kindern Schaden zufügt. Seit 1992 war die leitende Körperschaft durch einen schriftlichen Bericht an alle ihre Mitglieder darüber informiert, dass als Folge der Nachlässigkeit in der Wachtturm-Politik Kinder vergewaltigt werden. Mit großer Bosheit und 23.000 Kinderschänder später hat sie sich bis auf den heutigen Tag geweigert, zu handeln. Mein Brief vom Juni an das Dienstkomitee forderte eine Lösung dafür durch das Befolgen theokratischer Richtlinien innerhalb der Vorkehrungen der Organisation bis zum 27. September. Und das Ergebnis? Die leitende Körperschaft ernennt ein Rechtskomitee, um mich auszuschließen, und ignoriert dabei jedes Protokoll. Glaubt ihr wirklich, ihr könnt Jehovas Geist haben und den Anordnungen böser Männer folgen? Wenn ich mit dieser Argumentation unrecht habe, lade ich euch, Brüder, ein, das Gegenteil zu beweisen.

Dieser Prozess ist bis jetzt völlig parteiisch, unfair, eine Täuschung und ungerecht. Werdet ihr als Berufungskomitee für Gerechtigkeit einstehen? Ich erwarte eure Mitteilung wegen einer Verhandlung. Ich fordere auch genügend Zeit, um Augenzeugen beizubringen, und bin einverstanden, mich allen Zeugen zu stellen, die gegen mich aussagen wollen. Bitte seht dafür ein Wochenende vor und gebt ausdrücklich und schriftlich eine Zeit an meinen Anwalt an.

Hochachtungsvoll,

William H. Bowen

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Eh, meint ihr, die reden über Silentlambs? Meint ihr, Dateline und Panorama hätten nur gelogen/seien Programme mit unzufriedenen Abtrünnigen?
"Der Leser wende Unterscheidungsvermögen an"

Grüße, Bill

Die folgenden Zitate stammen aus dem Wachtturm vom 15. September 2002, Seiten 16-18:

"Im 1. Jahrhundert vertraten Personen wie Hymenäus, Alexander und Philetus Ansichten, die nicht dem „Muster gesunder Worte" entsprachen (1. Timotheus 1:18-20; 2. Timotheus 2:16, 17). Wie konnten sich die ersten Christen davor schützen, durch Abtrünnige irregeführt zu werden? Indem sie die inspirierten Schriften gewissenhaft studierten und ihr Leben danach ausrichteten. Wer sich an das Beispiel des Paulus und anderer Treuer hielt, war in der Lage, das zu erkennen und abzulehnen, was nicht dem Muster der Wahrheit entsprach, das er kennen gelernt hatte (Philipper 3:17; Hebräer 5:14). Statt „wegen Streitfragen und Debatten über Worte geistig krank" zu sein, konnte er auf dem richtigen Weg der Gottergebenheit weiter vorandrängen (1. Timotheus 6:3-6). Wir handeln genauso, wenn wir die Wahrheiten, die wir kennen gelernt haben, in die Tat umsetzen ... "

"Satan versucht unsere Lauterkeit dadurch zu brechen, dass er Zweifel in Bezug auf das sät, was wir gelehrt worden sind. Wie im 1. Jahrhundert haben es auch heute Abtrünnige und andere darauf abgesehen, den Glauben Unschuldiger zu zerstören (Galater 2:4; 5:7, 8). Bisweilen bedienen sie sich der Medien, um verdrehte Informationen oder offenkundige Lügen über die Methoden und Motive des Volkes Jehovas zu verbreiten ... "

"... Welcher Stolperstein es auch immer war, einige zogen jedenfalls die Lüge den Wahrheiten des Wortes Gottes vor. Bald hörten sie auf, das Gelernte in die Tat umzusetzen, wodurch sie sich selbst in geistiger Hinsicht schadeten (2. Petrus 3:15, 16)."

"Heute können wir der Gefahr, auf unwahre Geschichten hereinzufallen, vorbeugen, indem wir das, was wir uns anhören, einer genauen Prüfung unterziehen und in Bezug auf unseren Lesestoff wählerisch sind ... Und Abtrünnige lassen heute nicht von dem Bemühen ab, Zweifel zu säen, um den Glauben von Christen zu untergraben ... Wir müssen somit Vorsicht walten lassen."

" ... Falls wir geneigt sind, auf unzufriedene Personen zu hören, sollten wir uns unter Gebet überprüfen (Psalm 139:23, 24). Haben wir an Jehovas Volk ständig etwas zu bemängeln? Wenn ja, warum eigentlich? ... "

"Bewahren wir uns eine gesunde, gottgefällige Einstellung zu dem Aufschluss, der uns durch das persönliche Bibelstudium und die Versammlungszusammenkünfte vermittelt wird, statt an allem etwas zu beanstanden (1. Korinther 2:14, 15). Wie viel vernünftiger ist es doch, so eingestellt zu sein wie die Beröer im 1. Jahrhundert, die sich eingehend mit den Schriften befassten, statt Gottes Wort in Frage zu ziehen! (Apostelgeschichte 17:10, 11). Handeln wir also im Einklang mit dem Gelernten, indem wir unwahre Geschichten zurückweisen und an der Wahrheit festhalten."

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Zeugen warfen Bill Bowen hinaus

Von Johnnie Davis

Redakteur des Tribune Courier

Mittwoch, 31. Juli 2002 

      William H. Bowen, ehemaliger Ältester der Versammlung der Zeugen Jehovas in Draffenville, wurde am Donnerstagmorgen benachrichtigt, dass man ihm die Gemeinschaft entzogen hatte. 

       Bowen war im Dezember 2000 aus Protest gegen die Handhabung von Kindesmissbrauchsfällen durch die Kirche von seinem Amt zurückgetreten. 

        Drei Älteste aus Versammlungen außerhalb Marshall Countys bildeten ein Gremium, das beschloss, Bowen die Gemeinschaft zu entziehen. Es waren Jeff Steen und George Bandarra aus Murray und Ron Cary aus Central City. 

        Bowen hat die Kirche beschuldigt, Pädophile zu schützen, indem sie ihr gemeldete Fälle von Kindesmissbrauch nicht anzeigt. Kirchenführer bestreiten ein Fehlverhalten und behaupten, das Gesetz zu befolgen. 

        „Meine Absicht, warum ich das tue, ist, die Kinder in der Gemeinde der Zeugen Jehovas zu schützen“, sagte Bowen in einem Interview am Freitag. „Die Kinder, die sich melden, sollten als Helden geehrt und nicht geächtet und wie Schurken behandelt werden.“ 

        Bowen sagte, er werde Berufung einlegen, was innerhalb von sieben Tagen nach dem Gemeinschaftsentzug geschehen muss. Die Berufung wurde am Montag eingelegt. Die Entscheidung des Gremiums ist erst dann endgültig, wenn sie Donnerstag in der Versammlung bekannt gegeben wird. Bowen sagte, er erwarte, dass das Berufungskomitee seine Entscheidung am Freitag trifft. Bowen musste seine Berufung vor dem ursprünglichen Dreiergremium und den drei Mitgliedern des Berufungskomitees einlegen.  

        Ein Gemeinschaftsentzug ist die härteste Entscheidung, die die Zeugen treffen können. Er führt dazu, dass die Person von den Zeugen geächtet wird, auch von seinen eigenen Familienmitgliedern. „Die Religion wird vom Ersten Verfassungszusatz geschützt“, sagte Bowen. „Die Religionsgemeinschaft wird die Gerichte auslachen, wenn ich vor ihnen mein Recht erlangen will.“ 

        Weder Bowens Anwalt, Rush Hunt aus Madisonville, noch Mitglieder des Gremiums, das den Gemeinschaftsentzug ausgesprochen hat, waren für einen Kommentar zu erreichen. 

        „Es ist die Politik der Wachtturm-Gesellschaft, die Leute durch einen Gemeinschaftsentzug zum Schweigen zu bringen, und sie wollen die Leute zum Schweigen bringen.“ Die „Wachtturm-Gesellschaft“ ist eine Organisation der Zeugen Jehovas. 

        Bowen hat unter www.silentlambs.org eine Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer ins Leben gerufen.  

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Einige wenige werden sich erinnern, dass die Wachtturm-Politik sich änderte, wenn die Umstände den Interessen der leitenden Körperschaft dienten, jemanden loszuwerden. Als Beispiel wurde unter anderem Peter Gregerson angeboten. Peter war ein Freund von Ray Franz. 1980 schrieb Peter einen Brief an die Gesellschaft, in dem er sagte, er wolle keine weitere Verbindung mehr zur Organisation haben. Damals führte ein Brief  von jemandem, der die Gemeinschaft verließ, ohne ein Unrecht begangen zu haben, nicht zu einer Ächtung der Person, sondern sie ging einfach weg. Als Gregerson ging, schuf die leitende Körperschaft ein neues Regelwerk, in dem es hieß, dass alle, die die Gemeinschaft verlassen hätten, jetzt behandelt würden, als sei ihnen die Gemeinschaft entzogen worden. Das stand 1981 im Wachtturm. Ein paar Monate später fand man Ray Franz bei einem Essen mit Gregerson, auch die Frauen waren dabei. Wiederum gab es keine Vorschrift, die das als ein Vergehen bezeichnete, das zum Gemeinschaftsentzug führen würde. Doch kurz darauf wurde ein neuer Artikel über diese „neue“ Politik der leitenden Körperschaft geschrieben. Das bedeutet: Jeder, der mit jemandem isst, dem die Gemeinschaft entzogen wurde oder der die Gemeinschaft verlassen hat, stünde selbst in der Gefahr, ausgeschlossen zu werden. Das Ergebnis? Ray Franz wurde nicht wegen Abtrünnigkeit ausgeschlossen, sondern wegen des „neuen Lichts“ der leitenden Körperschaft, dass ein Essen ein Verbrechen gegen Gott wäre, wenn daran Ausgeschlossene beteiligt seien. Merkwürdig, aber keine der beiden Frauen wurde ausgeschlossen. Vielleicht fand diese Politik damals nur auf Männer Anwendung. 

 

Diese Politik wurde dann geändert, als 1991 das neue „Herde“-Buch herauskam. In einer Nebenbemerkung auf Seite 104 wurde bei einem Ältestentreffen zum Kreiskongress vom 15. April 1997 diese Änderung angeboten. Dort wurden wir gebeten, hinzuzufügen, dass eine Mutter oder ein Vater mit einem Sohn oder einer Tochter essen könnten, wenn nichts Geistiges besprochen würde. Wenn die Mutter oder der Vater das tun wollten, würden sie einfach im selben Zusammenhang angesehen wie ein schlechtes Vorbild, und sie könnten keine Vorbildfunktionen in der Versammlung erfüllen wie Älteste, Dienstamtgehilfen oder Pioniere zu sein. Die besondere Anweisung im „Herde“-Buch in der Nebenbemerkung lautete: „Einem engen Verwandten eines Ausgeschlossenen würde normalerweise nicht die Gemeinschaft entzogen, wenn er mit diesem Umgang hat, es sei denn, er pflegt mit ihm geistige Gemeinschaft ...“

 

Ich frage mich, wie Dick Moreland, der Vorsitzende des Rechtskomitees im Falle Ray Franz, zu entscheiden in der Lage war, dass Franz und Gregerson geistige Gemeinschaft hatten, ihre Frauen aber nicht? Oder wenn entschieden wurde, dass zu der Zeit, als die Entscheidung getroffen wurde, keine geistige Gemeinschaft zwischen ihnen war, würde dann unter der neuen Änderung der Gemeinschaftsentzug gegen Ray Franz rückgängig gemacht werden? Oder könnte die leitende Körperschaft beschlossen haben, ihm „um jeden Preis die Gemeinschaft zu entziehen“? Hat Bruder Moreland wie ein geistig gesinnter Mann gehandelt und aufgrund der vorliegenden Tatsachen entschieden, oder hat er nur schnell gemäß der „neuen“ Politik der leitenden Körperschaft gehandelt? Anscheinend hat er das getan, was man ihm sagte, denn kurz danach wurde er zum Bezirksaufseher ernannt, und das ist er bis heute. Damals war er einfach ein Dampf machender Ältester, für die Gesellschaft die Kastanien aus dem Feuer holte. Anscheinend belohnt die leitende Körperschaft Personen gut, die Ehre und Aufrichtigkeit außer Acht lassen und ihren Befehlen gehorchen.

 

Nun gehe man fünf Jahre weiter. Mit den neuesten Erklärungen in der Beilage des Königreichsdienstes vom August  2002 ist diese Politik wieder geändert worden. Nach der „neuen“ Änderung heißt es, dass man ausgeschlossen werden kann, wenn man der Mutter oder dem Vater auch nur Guten Tag sagt. Diese neue Politik scheint die härteste gegenüber Ausgeschlossenen und Familienmitgliedern, die Zeugen Jehovas bleiben möchten, zu sein. Nimmt die leitende Körperschaft weitere Änderungen vor, wenn es darum geht, wie man sich um rechtliche Angelegenheiten kümmert? Liegt es ihr sehr am Herzen, diesen Schritt nur als letzten Ausweg zu gehen? Bei der Eile der neueren Rechtsfälle gegen Personen, die die Stimme erhoben haben, um Kinder zu schützen, scheint das nicht der Fall zu sein. Ich gebe ein paar Beispiele.

 

Nach der alten Verhandlungsordnung muss dass Rechtskomitee entweder mündlich, oder wenn die Umstände es erfordern, schriftlich über Zeit und Ort einer Verhandlung informieren. Wenn der Beschuldigte sich weigert, zu kommen, und wenn entsprechende Beweise vorliegen, wie ein Geständnis oder zwei oder drei Augenzeugen, kann die Verhandlung in Abwesenheit des Beklagten geführt werden. Wenn der Angeklagte bereit ist, zu kommen, wird das Rechtskomitee alles versuchen, für den Beschuldigten passende Vorkehrungen zu treffen, so dass er teilnehmen kann. Der Zweck ist: Dem Beschuldigten soll jede Gelegenheit gegeben werden, sich zu verteidigen, wenn er unschuldig ist, damit die Gerechtigkeit siegt.

 

Das war für viele Jahre die gültige, grundlegende Verfahrensvorschrift. Doch nun ist eine „neue“ Politik aufgekommen, ohne Zweifel auf Anweisung der leitenden Körperschaft. Und die geht so: Das Rechtskomitee fordert eine Zeit für die Verhandlung, und wenn das Rechtskomitee zu dieser Zeit nicht erscheinen will, dann muss es den Beschuldigten nicht informieren. Wenn der Beschuldigte bereit ist, zu kommen, und schriftlich um einen passenderen Zeitpunkt bittet, ignoriert das Rechtskomitee seine Bitte und hält eine geheime Verhandlung ab, um dem Beschuldigten die Gemeinschaft zu entziehen, ohne ihn von dem Treffen zu informieren. In Kürze wird sicher ein Wachtturm-Artikel über dieses „neue Licht“ nach Lust und Laune der leitenden Körperschaft zu erwarten sein.

 

Die zweite Verfahrensvorschrift bezieht sich auf Berufungskomitees. Nach alter Verhandlungsordnung muss der Beschuldigte kennzeichnenderweise schriftlich den Vorsitzenden des ursprünglichen Komitees darüber informieren, aus welchen Gründen er Berufung einlegen will. Der Vorsitzende informiert den Kreisaufseher, der dann ein Berufungskomitee aufstellt, das den Beschuldigten über Zeit und Ort der Berufungsverhandlung in Kenntnis setzt. Da der Beschuldigte schriftlich Berufung einlegen muss, wurde der Zeitplan für die Berufungsverhandlung, wenn die Umstände es erforderten, oft schriftlich mitgeteilt, so dass es bezüglich der Berufungsverhandlung keine Zweifel oder Missverständnisse gab. Die dahinter stehende Absicht war, dem Beschuldigten das Gefühl zu geben, dass sein Fall sorgfältig erwogen werde, um zu entscheiden, ob er vor dem ersten Komitee eine faire Verhandlung hatte. Beide Komitees kommen mit dem Beschuldigten zusammen, um zu entscheiden, ob bei dem Urteil ein Fehler gemacht wurde und/oder ob das ursprüngliche Komitee für die Festsetzung der Anschuldigung eine Grundlage hatte.   

 

Die „neue“ Verfahrensordnung schreibt vor, dass ein Versuch unternommen wird, den Beschuldigten mündlich zu informieren. Wenn ihm die Nachricht nicht zugeht, bestätigt das Berufungskomitee schnell die erste Entscheidung und gibt sie am ersten folgenden Donnerstag bekannt, ohne den Beschuldigten über die endgültigen Entscheidung zu informieren. Dem Beschuldigten bleibt nur zu fragen, was geschehen ist, bis er von einem Freund oder Verwandten informiert wird, der zufällig herausfindet, was geschehen ist.

 

Bei Barbara Anderson war es so, dass sie „innerhalb von zwei Tagen“ davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass an einem Sonntag eine Berufungsverhandlung stattfinden sollte. Sie bat um eine Verschiebung auf das folgende Wochenende, da sie zu dem geforderten Wochenende nicht in der Stadt sein würde. Das Berufungskomitee führte in einem örtlichen Motel eine geheime Verhandlung durch, von der Barbara nichts wusste und die weniger als eine Stunde dauerte. Der Vorsitzende des Berufungskomitees rief am nächsten Tag Barbaras Anwalt an und informierte ihn, dass die Entscheidung des ursprünglichen Komitees beibehalten würde.  Der Anwalt legte sofort in einem Brief Einspruch und Protest gegen die Entscheidung ein. Am folgenden Donnerstag wurde, ohne Barbara dies vorher zu sagen, bekannt gegeben, dass man ihr die Gemeinschaft entzogen hatte. Sie erhielt keine Antwort und keine Berufung, und es bestand auch nicht einmal ein Hauch des Versuches, dass man zu einer fairen und unparteiischen Entscheidung kommen wollte.

 

Zurück zu heute. Diesen Morgen nahm Dan McMullen, ein Ältester der Versammlung in Princeton, Kentucky, Verbindung mit mir auf. Ich war überrascht, ihn am Telefon zu haben, weil ich in meinem Berufungsschreiben noch einmal ausdrücklich gefordert hatte, dass alle Mitteilungen über meinen Anwalt laufen sollten. Als er mir sagte, er sei der Vorsitzende des Berufungskomitees, bat ich ihn sofort, doch bitte den Anweisungen in meinem Brief zu folgen und meinem Anwalt die Zeit für die Verhandlung mitzuteilen. Dann legte ich den Hörer auf. Man hat mir weder Tag noch Stunde für die Verhandlung mitgeteilt. Am Ende des Tages rief ich meinen Anwalt an, und er hatte keine Nachricht über die Berufungsverhandlung erhalten. So scheint das Berufungskomitee den gleichen Austragungsmodus wie bei Barbara Anderson zu wählen: Sie werden eine weitere geheime Verhandlung durchführen, die erste Entscheidung absegnen und an diesem Donnerstag bekannt geben, was dabei herausgekommen ist. Hört sich das für euch wie ein fairer und unparteiischer Prozess an?

 

Ich habe vor, bei der Zusammenkunft am Donnerstag anwesend zu sein. Wenn mich jemand begleiten möchte: Seine Unterstützung wird mir willkommen sein. Welche Absicht verfolge ich damit? Ich möchte sie wissen lassen, dass die Entscheidung eine Farce ist und dass sie sich schämen sollten, Menschen, die Kinder schützen, in dieser Weise zu behandeln. Ich habe vor, in der ersten Reihe zu sitzen, und wehe, sie machen die Ankündigung. Die Frage ist, wird die Menschenfurcht, die sie daran gehindert hat, sich mir bis jetzt zu stellen, sie wieder übermannen? Oder werden sie bereit sein, die Haltung der leitenden Körperschaft öffentlich zu machen, die das „Schlagen“ der Brüder und Schwestern orchestriert, indem sie dijenigen ausschließt, die wegen des Missbrauchs die Stimme erheben?

 

Kommt mit mir zur Zusammenkunft am Donnerstagabend, und wir werden zusammen die Antwort finden.  Donnerstag, 19:30 Ortszeit.

 

Silentlambs    

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Untenstehend der Brief, den ich heute Morgen um 10:30 über meinen Anwalt erhielt. Anscheinend erfolgt die Bekanntgabe nicht diesen Donnerstagabend, weil ich Donnerstag nicht anwesend sein werde. Ich möchte jetzt jeden, der mag, einladen, als „Zeuge“ vor dem Berufungskomitee zu erscheinen, ob ich wirklich Spaltungen in der Versammlung verursacht habe. Wenn ihr mich in dieser Hinsicht unterstützen wollt, lasst es mich wissen.

270-527-5350 und ich werde euch gerne Weiteres erklären. 

Grüße,

Bill 

Versammlung Princeton

der Zeugen Jehovas

c/o vorsitzführender Aufseher

901 Hopkinsville Street Princeton KY 42445

 

6. August 2002 

William H. Bowen

Postfach 311

Calvert City, Kentucky 42029 

Lieber Bruder Bowen, 

Es sind Vorkehrungen getroffen worden, Deine Berufung gegen die Entscheidung des Rechtskomitees, dass man Dir die Gemeinschaft entziehen sollte, anzuhören. Die Verhandlung wird auf Sonntag, den 11. August 2002, um 17:00 Uhr an folgender Anschrift festgesetzt: Konferenzraum des Holiday Inn Express, 173 Carroll Road, Benton, Kentucky.  

Dein Bruder, 

Daniel L. McMullen                                                                                               

Vorsitzender des Berufungskomitees   

Fax: 270-365-5334 

Kopie: L. Rush Hunt, Anwalt

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PRESSEVERÖFFENTLICHUNG  

Freitag, 9. August 

Kontakt: 

William H. Bowen: KY 270-527-5350, 270-559-5345 silentlambs.org

Barbara Anderson: TN 931-455-6910
 

Älteste führen Berufungsverhandlung „heimlich im Motel” durch 

Fünfter Kinderschützer ausgeschlossen, weitere sollen folgen 

Jehovas Zeugen fahren in einer Reihe von vertraulichen Verhandlungen fort, Kinderschützer zum Schweigen zu bringen. Die Wachtturm-Politik zur internen Behandlung von Kindesmissbrauch ist von Mitgliedern auf der ganzen Welt kritisiert worden. Die leitende Körperschaft (Führung) ermächtigte, beginnend mit Mai dieses Jahres, zum Gemeinschaftsentzug (Exkommunikation) an führenden Kinderschützern in der Religionsgemeinschaft, weil sie gesagt haben, zum Schutz der Kinder sei eine bessere Politik nötig. 

Eine neue Wendung ist die Einberufung geheimer Berufungsverhandlungen mit den Beschuldigten in einem Motel. Am Dienstag dieser Woche wurde William H. Bowen, 44, aus Benton, Kentucky, zu einer Berufungsverhandlung wegen seines kürzlich erfolgten Gemeinschaftsentzuges herbeizitiert. Sechs Älteste schickten einen Brief, in dem sie forderten, dass Bowen mit ihnen am Sonntag, den 11. August, um 17:00 Uhr im Holiday Inn Express in Benton, Kentucky, zusammenkommen sollte. „Ich finde es merkwürdig, dass sich sechs Männer allein in einem Motelzimmer mit mir treffen wollen“, sagt Bowen, „Ein paar Freunde haben mich gefragt, ob sie mitkommen können, für den Fall, dass sie irgend etwas versuchen.“ 

Bowen ist der Gründer von silentlambs (www.silentlambs.org 877-wtabuse), einer Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer unter den Zeugen Jehovas. Er ist von anderen Mitgliedern mehrfach körperlich bedroht worden, nachdem er damit an die Öffentlichkeit ging, wie mutmaßlicher sexueller Missbrauch in der Organisation falsch behandelt wird. 

Barbara Anderson 62, aus Normandy, Tennessee, wurde vor zwei Wochen bekannt gegeben, dass sie sich innerhalb von  48 Stunden mit sechs Ältesten im Ramada Inn in Manchester, Tennessee, zu treffen habe. Als sie Befürchtungen äußerte, allein ohne ihren Mann mit sechs Männern in einem Motel zusammenzukommen, weigerte sich das Komitee, ihr zu antworten oder seine Handlungsweise zu erklären. „Sie haben mir die Gemeinschaft entzogen und die Bekanntgabe für  Donnerstag, den 25. Juli, zugenehmigen, ohne mir die Chance auf ein faires Verfahren zu geben“, sagt Anderson.   

Die Leitung des Ramada Inn in Manchester berichtete, dass sechs Älteste für etwa eine Stunde zusammenkamen und dann gingen, ohne für das Zimmer zu zahlen. Eine Woche später lieferte Anderson dem Motel Informationen, wie man die Ältesten wegen der Bezahlung aufspüren könne.  

Carl und Barbara Pandelo aus Belmar, New Jersey, wurden am 10. Juni ausgeschlossen, Joe Anderson aus Normandy, Tennessee, am 31. Juli. Bowen ist der fünfte Kinderschützer, der ausgeschlossen werden soll, weil er öffentlich sagte, Kinder in der Organisation brauchten einen besseren Schutz vor Mitgliedern, die Kinderschänder sind. Mitglieder in vier weiteren Bundesstaaten müssen mit solchen Verfahren rechnen, wenn sie nicht still sind.. 

Jehovas haben 1 Million Mitglieder in den USA, über 15 Millionen weltweit besuchen die Gottesdienste. Es ist ihr Ziel, jedes Haus in Amerika wenigstens einmal im Jahr zu besuchen.


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http://www.nytimes.com/2002/08/11/national/11WITN.html

New York Times

11. August 2002

Ausgeschaltetes Mitglied macht geltend, Missbrauchspolitik der Jehovas Zeugen vertusche Verbrechen

von LAURIE GOODSTEIN

William Bowen sah sich immer als frommen Zeugen Jehovas an. Als Kind glaubte er, es sei seine Pflicht, von Tür zu Tür zu gehen und die Zeitschrift der Kirche, den Wachtturm, abzugeben. Später, als Ältester in seiner Versammlung in Kentucky, sagte er, er sehe es als seine Pflicht an, Kirchenvertreter darüber zu informieren, dass ein Mitältester ein Kind missbraucht hatte.

Doch als Bowen mit der Zentrale der Kirche in Brooklyn Verbindung aufnahm, habe er, so sagt er, eine Abfuhr bekommen. Frustriert durch die Untätigkeit der Kirche und ihre Vertraulichkeitsvorschriften, die ihn seiner Meinung nach daran hinderten, die Information anderen mitzuteilen, trat Bowen im Dezember 2000 als Ältester zurück. Ein Jahr später gründete er eine Gruppe, die ein Auge auf sexuellen Missbrauch in der Kirche haben sollte.

Ende letzten Monats wurde Bowen, 44, von der Kirche exkommuniziert. Hinter verschlossener Tür, mit Plastiktüten über die Fenster geklebt, um Zuschauer abzuhalten, sagte er, hätten ihn drei Kirchenälteste, die sich im Königreichssaal der Kirche in Draffenville, Kentucky, trafen, für schuldig befunden, „Spaltungen zu verursachen“.

Die Strafe war der „Gemeinschaftsentzug“ – die völlige Ächtung.

In den vergangenen drei Monaten sind vier weitere Leute von den Zeugen Jehovas rausgeworfen worden, nachdem sie sie beschuldigt hatten, sexuellen Missbrauch von Kindern durch ihre Mitglieder zu vertuschen. Für Bowen und andere Kritiker der Kirchenpolitik bei sexuellem Missbrauch sind die Rauswürfe Teil einer konzertierten Bemühung, über solche Missbräuche Schweigen zu bewahren.

Ausgestoßene Zeugen sagen, die eigenen Verfahrensweisen und die Kultur der Kirche machten gemeinsame Sache, die Missbräuche zu vertuschen. Ein Gremium aus Kirchenältesten, alles Männer, kommt im Geheimen zusammen, um jeden Fall zu entscheiden; eine Prozedur, von der Kritiker sagen, sie hindere die Mitglieder daran, zu wissen, dass ein Kinderschänder in ihrer Mitte lebt. Um eine Anklage zu beweisen, muss ein Kind einen Zeugen für den Vorfall haben, etwas, das normalerweise unmöglich ist.

„Dies dient der Welt als Beweis, wie die Zeugen Jehovas Missbrauchsopfer und die, die versuchen, sie zu schützen, behandeln“, sagte Bowen. „Sie bringen sie mit der Drohung eines Gemeinschaftsentzuges zum Schweigen.“

J. R. Brown, Leiter des Büros für öffentliche Information in der Zentrale der Kirche, der Watchtower Bible and Tract Society in Brooklyn, sagte, die Kirche habe vorbildliche Vorschriften, um mit sexuellem Missbrauch umzugehen, die auf biblischen Maßstäben beruhten und in den Zeitschriften der Kirche weit verbreitet worden seien.

„Wir versuchen nicht zu sagen, wir hätten alles in der richtigen Weise gehandhabt und unsere Ältesten seien allwissend und vollkommen“, sagte Brown, der es aus Prinzip ablehnte, zu einzelnen Fällen, darunter dem von Bowen, etwas zu sagen. „Aber wir sagen, wenn wir das nehmen, wofür unsere Politik steht, unsere Organisation moralisch rein zu erhalten, dann ist sie weitaus besser als die eines jeden anderen.“

Die römisch-katholische Kirche ist zwar von ihrem eigenen Missbrauchsskandal erdrückt worden, aber jetzt beginnt dasselbe Thema die Zeugen Jehovas zu plagen, eine Religionsgemeinschaft, die nach eigenen Angaben eine Million Mitglieder in den USA und sechs Millionen weltweit hat.

Aber die Form des Skandals ist ganz anders als bei der katholischen Kirche, wo die meisten des Missbrauchs Beschuldigten Priester sind, und eine übergroße Mehrheit der Opfer Jungen und junge Männer sind. Bei den Zeugen Jehovas, wo die Versammlungen oft Ansammlungen erweiterter Familien sind und Kirchenälteste aus den Laien ausgewählt werden, sind einige der Beschuldigten Älteste, die meisten aber sind Versammlungsglieder. Die Opfer, die sich gemeldet haben, sind meist Mädchen und junge Frauen, und bei vielen Anschuldigungen geht es um Inzest.

Das Ausmaß des Missbrauchs bei den Zeugen Jehovas ist ganz erheblich umstritten. Vor kurzem wurde die Kirche von acht Klägerinnen in vier Prozessen um sexuellen Missbrauch verklagt, eine Klage wurde im Juli Minnesota eingereicht. Bowen sagt, seine Opferhilfegruppe silentlambs habe Berichte von über 5.000 Zeugen gesammelt, in denen geltend gemacht werde, dass die Kirche sexuellen Kindesmissbrauch falsch angefasst habe.

Die Kirche unterhält eine Datei über Mitglieder und Mitverbundene, die wegen Kindesmissbrauchs angeschuldigt oder für schuldig befunden wurden. Bowen sagte, Quellen innerhalb der Kirche hätten ihm erzählt, die Datei enthalte die Namen von über 23.000 Personen in den USA, in Kanada und in Europa. Die Kirche sagt, die Zahl läge „erheblich darunter“, will aber nicht sagen, wie groß sie ist.

Die Kirche hat ein festes Rahmenwerk für die Behandlung von Fällen von sexuellem Missbrauch. Mitgliedern, die einen Missbrauch vermuten, wird geraten, zuerst zu den Ältesten zu gehen, die als geistliche und moralische Führer angesehen werden, an die sich die Mitglieder mit ihren persönlichen Problemen wenden sollten. Brown sagte, die Rechtsabteilung der Kirche rate den Ältesten, sich in Bundesstaaten, in denen das Erstatten einer Anzeige Pflicht ist, und in Fällen, in denen die Kinder in Gefahr schweben, an das Gesetz zu halten.

Es sind die Ältesten, von denen ein Urteil verlangt wird, ob jemand eine Sünde wie Kindesmissbrauch begangen hat. Wenn der Kinderschänder gesteht und ihm vergeben wird, wird der Versammlung nur bekannt gegeben, dass diese Person zurechtgewiesen wurde. Es wird kein Grund genannt. Doch die Ältesten berichten den Namen der Person an die Zentrale, wo er in die Datenbank kommt, so dass dem Kinderschänder verboten werden kann, ein Amt in der Organisation zu bekleiden.

„Wenn jemand den anderen gut etwas vorweinen kann, dann hat das praktisch keine Auswirkungen, und niemand außer den Ältesten erfährt je etwas“, sagte Jean Kraus, die ihren Angaben nach vor Jahren zu den Ältesten in ihrer Versammlung in Queens ging und ihren früheren Ehemann beschuldigte, ihre Tochter missbraucht zu haben. Sie sagte, er habe gestanden, sei zurechtgewiesen worden, und er sei immer noch ein aktiver Zeuge. „Sie sagten mir, er sei kein böser Mensch, es sei Schwäche gewesen“, sagte sie.

Brown, der Sprecher der Kirche, sagte: „Wir betrachten solche Rechtsverhandlungen als Erweiterung unserer Hirtentätigkeit als Diener. Mit anderen Worten: Wir sind dazu da, jemandes Seele zu retten. In solchen Fällen werden wir nicht rachsüchtig sein, denn es sind unsere Brüder, und wir hoffen, dass sie sich ändern.“

Wenn der Angeklagte die Beschuldigung bestreitet, genügt die Aussage des Opfers alleine nicht, wenn es nicht wenigstens einen Zeugen für die Tat gibt. Die Kirche sagt, ihre Politik gründe sich auf die biblische Verfügung in 5. Mose 19:15, wo es heißt, dass zwei oder drei Zeugen nötig sind, um die Sünde eines Menschen zu beweisen.

Heidi Meyer, Zeugin Jehovas in der dritten Generation in Annandale, Minnesota, sagte, sie sei 1994, als sie 15 Jahre alt war, zu den Ältesten gegangen, um ihnen zu sagen, dass sie im Alter von 10 bis 13 Jahren wiederholt von einem Zeugen missbraucht worden sei, der acht Jahre älter als sie war, der ältere Bruder einer Freundin. Der einzige Augenzeuge war ihr Bruder, der einmal gesehen hatte, wie der Mann ihr an den Hintern griff, als sie aus einem Auto stieg.

Die Ältesten stellten genaue Fragen, bei denen sie sich unbehaglich fühlte. Gemäß einem internen Buch der Zeugen, Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, mussten die Ältesten bestimmen, in welche Kategorie die Anschuldigung passte: war es „Unreinheit“, ein einmaliges Berühren oberhalb der Hüfte; „unmoralischer Wandel“, ein einmaliges Berühren unterhalb der Hüfte oder ein mehrmaliges oberhalb; oder, am schlimmsten, „Unzucht“, direkte sexuelle Stimulation oder Tätigkeit, die zum Orgasmus führt. Für jedes dieser Vergehen gibt es unterschiedliche Strafen, die schwerste für Unzucht.

Der Mann, den sie beschuldigte, bestand darauf, Frl. Meyer habe falsch interpretiert, was geschah. Die Ältesten stimmten dem zu.

„Ich habe geistliche Führung erwartet“, sagte Frl. Meyer. „Ich habe erwartet, dass sie ehrlich und aufrichtig versuchen, Gerechtigkeit zu finden und die übrige Versammlung davor zu schützen, dass dasselbe noch einmal passiert. Und nichts davon ist geschehen.“

Sie sagte in Interviews, die Ältesten hätten sie, wie mehrere weitere mutmaßliche Opfer und ihre Angehörigen, gewarnt, wegen des Missbrauchs Anzeige zu erstatten oder mit anderen Mitgliedern darüber zu reden.

„Sie haben mir gesagt, wenn ich mit jemand anderem darüber rede, dann müsse ich vorsichtig sein, weil ich mit einem Rechtskomitee wegen Verbreitung von Geschwätz und Verleumdung rechnen müsse“, sagte sie. „Wenn sie meinten, ich hätte eine Sünde begangen, würde man mir die Gemeinschaft entziehen.“

Frl. Meyer sagte, sie habe erst Jahre später erfahren, dass Amber Long, eine weitere junge Frau in der Versammlung, im Alter von 12 Jahren mit ihren Eltern zu den Ältesten gegangen sei, um zu berichten, dass sie von demselben jungen Mann belästigt worden sei. Frl. Long, die heute 23 Jahre alt ist, sagte, sie und ihre Eltern hätten von den Zeugen einen Brief erhalten, in dem der Rat gegeben wurde, „es Jehovas Hand zu überlassen“.

„Sie sagten, wir sollten keine schlechten Gefühle gegen unseren Bruder hegen“, sagte Frl. Long. „Da es keine zwei Augenzeugen gäbe, könnten sie, so sagten sie, nicht viel unternehmen.“

Weder Frl. Long noch Frl. Meyer sind noch aktiv bei den Zeugen Jehovas. Am 2. Juli reichten die beiden Frauen Klage gegen den Mann, den sie der sexuellen Belästigung anklagen – Derek Lindala, 30, aus South Haven, Minnesota –, gegen die Ortsversammlung und die Zentrale der Zeugen Jehovas ein. Lindala hat auf eine bei ihm zu Hause zurückgelassene Nachricht mit der Bitte um einen Kommentar nicht reagiert.

Barbara Anderson aus Tullahoma, Tennessee, sagte, als sie und ihr Mann in den 1990er Jahren in der Zentrale der Kirche in Brooklyn arbeiteten, habe man sie gebeten, Informationen über Kindesmissbrauch in den Versammlungen zu sammeln. Sie sagte, sie habe den Kirchenführern Dutzende von Briefen überreicht, in denen Klage darüber geführt wurde, wie die Fälle gehandhabt wurden. Für sie war das eine Offenbarung.

„Jehovas Zeugen sagen gerne, sie hätten eine der am meisten von Verbrechen freien Organisationen“, sagte Frau Anderson. „Aber alle Probleme werden vor die Ältesten gebracht, und die Ältesten halten sie unter der Decke.“ Sie sagte, die Dokumente hätten eine interne Debatte unter den Kirchenführern ausgelöst, und als nichts unternommen wurde, habe sie 1993 die Zentrale nach 11 Jahren freiwilliger Tätigkeit entmutigt verlassen.

Carl A. Raschke, Professor für religiöse Studien an der Universität Denver, der über die Zeugen Jehovas geschrieben hat, sagte, die Gruppe unterscheide sich nicht von vielen anderen isolierten Religionen, die nach theologischer und moralischer Reinheit strebten.

Gruppen, die dazu neigen, eng verwoben und verwachsen zu sein, haben historisch gesehen ein höheres Vorkommen an sexuellem Missbrauch und Inzest“, sagte Dr. Raschke. „Das ist eine ethnologische Tatsache. Wenn eine Religion versucht, durch und durch heilig und göttlich zu sein, wird sie nicht zugeben, dass die Leute nicht gemäß den Glaubensidealen leben.“

Am 25. Juli wurde Frau Anderson exkommuniziert. Eine Woche später wurde ihr Ehemann Joe, der zuvor nach 42 Jahren als Ältester zurückgetreten war, ebenfalls ausgestoßen.

„Es ist unvorstellbar dass Älteste einen mutmaßlichen Mord untersuchen, um Schuld oder Unschuld festzustellen, warum sollten wir dann einen mutmaßlichen Kindesmissbrauch untersuchen?“ schrieb Herr Anderson in seinem Rücktrittsbrief. „Das ist nicht unser Fachgebiet. Wir sind Diener Gottes und keine Polizei.“

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Heute Abend um 20:30 Uhr beschloss das Berufungskomitee, die Entscheidung aufrechtzuerhalten. Ich sprach über eine Stunde lang mit ihnen und versuchte, mit ihnen über die Gültigkeit ihrer Entscheidung zu diskutieren. Offen gestanden, sie waren nicht interessiert. Sie weigerten sich, sich die Briefe von Menschen aus der ganzen Welt anzusehen, die besagte, dass Silentlambs sie nicht von den Zeugen Jehovas weggebracht hatte; sie lehnen es ab, sich die über 1000 Geschichten von Missbrauchsopfern, die ich bei mir hatte, anzusehen; sie weigerten sich, die New York Times zu lesen; sie versuchten, den Zeugen, die mit mir kamen, den Mund zu verbieten. Es funktionierte nicht. Sie mussten sie jedenfalls sehen, als sie gegen die Tür hämmerten und das Komitee zwangen, sie hereinzulassen. Das Ergebnis war der schlimmste Missbrauch durch Älteste, den ich seit 20 Jahren gesehen habe. Das Komitee musste sich hinsetzen und weitere eineinhalb Stunden mit anhören, was ihre Entscheidung in Wirklichkeit bedeutete

Hat es etwas gebracht? Nein.

Wie ihr alle wisst, gibt es kein Argumentieren, keine Logik, keine Fairness, keine Gerechtigkeit, wenn es um die Anweisungen geht, die die leitende Körperschaft für alle, die etwas zum Missbrauch sagen wollen, verpflichtend gemacht hat. Sie wollen ihre Kontrolle haben, sie wollen ihr Schweigen haben, und wenn Kinder vergewaltigt werden, was soll's. Verkaufe Bücher oder stirb ...

silentlambs


http://community.webshots.com/album/46689807WUXQbp 

Dies ist der Link zu der Berufungssitzung der Ältesten.


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PRESSEVERÖFFENTLICHUNG  

Montag, 12. August 

Kontakt: 

William H. Bowen: KY 270-527-5350, 270-559-5345 silentlambs.org

Barbara Anderson: TN 931-455-6910
 

„Alarmschläger” von Kirchentribunal zum Schweigen gebracht 

Bowen das Recht verweigert, Beweise vorzulegen 

Heute um 13:30 Uhr informierte Dan McMullen aus Princeton, Kentucky, Vorsitzender des Berufungskomitees der Zeugen Jehovas gegen William H. Bowen, Rush Hunt aus Madisonville, Kentucky, den Anwalt Bowens, dass die Entscheidung des Gemeinschaftsentzuges aufrecht erhalten werde. Die Bekanntmachung wird am Donnerstag, den 15. August, in der Versammlung Draffenville der Zeugen Jehovas  in Benton, Kentucky, erfolgen.   

„Sie brachten keine Augenzeugen vor und benutzten einen Brief, den ich an die Zentrale schrieb, als einzigen Beweis gegen mich.“ In dem Brief wurden formale Anschuldigungen gegen die leitende Körperschaft (Führung) der Zeugen Jehovas gerichtet, Verbrechen gegen Kinder begangen zu haben. Bowen erklärt: „Ich bot schriftliche Dokumente und Aussagen von Augenzeugen beim ‚Silentlambs-Marsch’ in Brooklyn, New York, am 27. September dieses Jahres an. Aber sie weigerten sich, sich die Beweise anzuschauen oder die Augenzeugen zu hören.” 

Bowen ist der Gründer von silentlambs (www.silentlambs.org 877-wtabuse), einer Selbsthilfegruppe von Missbrauchsüberlebenden unter den Zeugen Jehovas.   

Barbara Anderson 62, aus Normandy Tennessee, wurde am 25. Juli ausgeschlossen, weil sie wie auch ihr Mann Joe zum Kindesmissbrauch ihre Stimme erhoben hatten. „Mein Sohn rief mich am Freitag an und verstieß uns beide als seine Eltern.“ Anderson klagt: „Wir werden unseren Enkel nie mehr wieder sehen.“   

Sheila Bowen, die Frau von William H. Bowen, las einen Brief an das Berufungskomitee vor, der mit der Bemerkung endete: „Ich schäme mich und es ist mir peinlich, dass die Öffentlichkeit weiß, dass ich einmal eine Zeugin Jehovas war.“ 

Jehovas haben 1 Million Mitglieder in den USA, über 15 Millionen weltweit besuchen die Gottesdienste. Es ist ihr Ziel, jedes Haus in Amerika wenigstens einmal im Jahr zu besuchen.

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Ehemaliger Kirchenältester sagt, Jehovas Zeugen lehnten seine Berufung ab

12.08.2002

Associated Press

Ein Mann aus Westkentucky sagte am Montag, seine Berufung mit dem Ziel, wieder Mitglied bei den Zeugen Jehovas zu sein, sei abgelehnt worden.

Bill Bowen aus Draffenville macht geltend, er sei auf unfaire Weise von Kirchenältesten exkommuniziert worden, weil er behauptet hatte, die Kirchenpolitik schütze Kinderschänder.

Nachdem er im vergangenen Monat von der Kirche ausgeschlossen worden sei, oder einen „Gemeinschaftsentzug“ erhalten habe, ersuchte er um Wiederaufnahme.

Bowen hat gesagt, er wolle Kirchenmitglied bleiben, so dass andere Mitglieder, die missbraucht worden sind, sich behaglich fühlen, wenn sie zu einer Selbsthilfegruppe kommen, die er gründen half und die Silentlambs heißt.

Bowen ist die vierte Person, die dieses Jahr wegen Kritik an der Politik zu Kindesmissbrauch ausgeschlossen wurde. Die Kirche bestreitet jedes Fehlverhalten.

Bowen sagte, die Zeugen Jehovas hielten Kindesmissbrauchsfälle geheim und weigerten sich, die Opfer andere Mitglieder vor den Bestien warnen zu lassen.

Kirchenführer sagen, sie verabscheuten Kindesmissbrauch, zeigten Fälle in Bundesstaaten an, wo dies Pflicht sei, und ließen auch zu, dass Mitglieder ihre Mitbrüder bei der Polizei anzeigten.

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Was es jetzt für Jehovas Zeugen bedeutet, dass Bill ausgeschlossen ist 

13. August 2002 16:14 

Ich nehme euch mit in die Zukunft, zu einem Ältestentreffen mit jemandem, der sehr niedergeschlagen ist ... 

Wir sind im Hinterzimmer des Königreichssaales, und drei Leute sitzen in dem Raum. Eine ist eine Frau, und die beiden anderen sind Älteste. Die Frau setzt sich und beginnt zu weinen. Die Ältesten sind voller Mitgefühl und fragen, was nicht stimmt. Worauf sie erwidert: „Ich befasse mich mit einem Punkt aus meiner Kindheit, und es fällt mir sehr schwer, augenblicklich damit umzugehen.“ 

Die Ältesten geben ihr einen Moment und fragen sie dann, was ihr Problem sei. Sie denken natürlich, dass sie drauf und dran ist, eine Sünde zu gestehen, was sie sowieso vermutet hatten.  

Die Frau erwidert: „Als ich acht war, verbrachte ich einmal bei meiner besten Freundin zu Hause, und Bruder Smith hat mich vergewaltigt.“ Worauf die Ältesten schockiert reagieren, denn Bruder Smith ist heute der vorsitzführende Aufseher in der Nachbarversammlung. 

Die Ältesten sprechen sanft und besorgt und sagen: „Bist du dir sicher, dass das passiert ist, denn wir wissen, dass wir als Kinder Dinge anders sehen, als sie in Wirklichkeit geschahen. Und dann ist Bruder Smith solch ein außerordentlicher Ältester. Es ist so unwahrscheinlich, dass er so etwas getan hätte.” 

Die Frau hält schockiert für einen Moment die Tränen zurück und erwidert: „Ich weiß, was passiert ist, und ich habe früher schon einmal um Hilfe gebeten.“ 

Die Ältesten zeigen den klassischen schockierten Blick: „Was meinst du damit: Du hast schon einmal um Hilfe gebeten?“ 

Wieder hält die Frau ihre Tränen zurück, obwohl man den Schmerz aus ihrer Stimme heraushören kann. „Als ich 15 war, sprach ich mit den Ältesten und habe es ihnen erzählt, aber sie sagten mir, da ich keine Zeugen hätte, könnten sie nichts unternehmen. Meine Eltern hörten auf sie und sagten mir, ich solle damit fertig werden, ohne zu viel Aufsehen zu machen. Man hat mich behandelt wie eine Lügnerin!“ 

Die Ältesten sehen sich mit verlorenem Blick an: „Es tut mir leid, dass das passiert ist!“ 

Die Frau beginnt, mehr zu weinen, und gerät über einen Gedanken ins Stocken, den sie eigentlich nicht aufbringen wollte: „Ich sah online auf dieser Seite von silentlambs, dass andere dieses Problem auch hatten, und ich brauchte einfach Hilfe. Ich weine jede Nacht deswegen, und ich bin sicher, dass dieser Mann weiß, was er mir angetan hat, und ich hasse es, ihn zu sehen. Er ist da und hält in den Zusammenkünften Ansprachen, und er tut so heilig und gerecht, wo er mir das doch angetan und mein Leben ruiniert hat.“ 

Die Ältesten ändern ihren Blick und sehen jetzt streng drein: „Hast du gesagt, dass du zur Website eines Abtrünnigen gegangen bist?“ 

Die Frau schaut wie ertappt drein. „Nein, ich ging zu einer Seite, die Menschen in derselben Lage unterstützt”, und schnäuzt sich nach all dem Weinen. 

Die Ältesten öffnen die Bibel und beginnen, Rat zu erteilen: „Meinst du nicht, du solltest zuerst zu Jehova gehen, ehe du zu einer Abtrünnigenseite gehst, die Jehova und seiner Organisation Schaden zufügen will?“ 

Die Frau hört auf zu weinen, aber in ihrer Stimme hört man immer noch die eben geweinten Tränen. „Wie bitte? Ich bin hier, weil ich Hilfe brauche, wie kommt ihr auf Informationen von Abtrünnigen?“ 

Die Ältesten verlieren jedes Gefühl und beginnen, ärgerlich drein zu sehen: „Der Mann, der diese Website betreibt, ist ausgeschlossen und gegen die Organisation. Meinst du nicht, dass ihn das zu einem Abtrünnigen macht?“                                                                                             

Die Frau sieht noch verärgerter aus, beginnt aber, Kraft zu gewinnen. „Das ist mir egal. Die Seite hat mir geholfen und brachte mich dahin, dass ich wieder mit euch darüber reden und um Hilfe bitten kann.” 

Die Ältesten sprechen abrupt: „Überleg dir nächstens besser, was du tust. Wir müssen über das, was du gesagt hast, genauer nachdenken. Denn du könntest reden, wobei Satan deine Gedanken beeinflusst, und wir müssen auf dass Wohl der Versammlung achten.“ Sie machen eine Pause, um ihre Büchertasche zu öffnen. „Hier ist Information über die Gefahr, wenn man Hilfe im Internet und bei Abtrünnigen sucht.” 

Die Frau steht angewidert da. „Ich kam hierher, denn ich brauchte Hilfe, weil ich als Kind vergewaltigt wurde, und alles, worüber ihr reden wollt, sind Informationen von Abtrünnigen ... wie soll mir das helfen? Ihr widert mich an!“ Dann geht sie hinaus, und man hört sie lauter als zuvor weinen. 

Die Ältesten schauen sich an und sprechen selbstgerecht: „Ich sehe, dass Satan sie jetzt hat. Wir werden hier wohl ein größeres Problem haben, als wir dachten.“ Worauf der andere Älteste zustimmend nickt. 

... Ja, die Welt hat sich für die Zeugen seit dem Gemeinschaftsentzug geändert. Wird ihnen das wirklich helfen. 

Meine Gedanken

Dragon


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11. August 2002 

Leitende Körperschaft

25 Columbia Heights

Brooklyn, New York 11201  

Liebe Brüder,  

Es ist über anderthalb Jahre her, seit ich eine Zusammenkunft im Königreichssaal besuchte. Ich stellte meine Besuche ein, nachdem eine besondere Ansprache vor der gesamten Versammlung einschließlich meinen Kindern gehalten wurde, in der es hieß, die Person, die an die Presse ging (damit meinte man meinen Mann, Bill), habe gegen Gott geredet, und was er gesagt habe, stimme nicht. Ich wusste es besser und konnte nicht glauben, was ich da hörte! Die Versammlung hatte keine Vorstellung, dass man sie anlog.  

Ich habe zahllose Lügen und Verleumdungen gegen meinen Mann und andere, die zu dem Thema etwas gesagt haben, ertragen, die ihren Ursprung bei den so genannten Anbetern des wahren Gottes hatten. Ich habe meine Eltern und viele lebenslange Freunde verloren (alles Zeugen Jehovas) , weil sie den Lügen, die erzählt wurden, glaubten. Ich glaube wirklich, dass die Opfer, und was mit ihnen geschehen ist,  dennoch das Wichtigste sind, und ich weiß, mein Schmerz ist nichts im Vergleich zu dem ihrigen.  

Ich habe geduldig beobachtet, wie sich dieser Alptraum vor meinen Augen entfaltete, und mich immer sehr hilflos gefühlt und gehofft, die Religion, in der ich aufgewachsen bin, würde die Gelegenheit benutzen, zu tun, was recht und im besten Interesse der Kinder ist. Statt dessen war ich ständig schockiert über das schmutzige, niedrige Niveau, zu dem sich diese Organisation herabgelassen hat, um die Wahrheit vor der Öffentlichkeit und ihren Mitgliedern zu verbergen!    

Ich hatte eine Missbrauchshotline für Wachtturm-Kinder (1-877 WT- ABUSE), die über ein Jahr lang in unserem Haus klingelte, deshalb kenne ich die Wahrheit über das, was hier vorgeht. Zahllose Kindesmissbrauchsopfer unter den Zeugen Jehovas haben angerufen und tun es noch weiterhin. Ihre Geschichten verfolgen mich jeden Tag! Wenn ihr nur eure Augen, Ohren und Herzen aufsperren möchtet, dann würden sie auch euch verfolgen!  

Die Geschichten sind fast immer dieselben. Sie reden von unbeschreibbaren sexuellen Verbrechen gegen sie, als sie noch minderjährig waren und wie sie Trost, und Schutz bei ihrer Ältestenschaft suchten. Statt dessen glaubte man ihnen nicht, weil sie für den Missbrauch keine Zuschauer von mindestens zwei Zeugen hatten. Diese Ältesten folgten euren Anweisungen, denen der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas! Bei einer Vorschrift wie dieser solltet ihr erkennen, dass nur sehr wenige Kinderschänder, wenn überhaupt einer, bei den Behörden angezeigt werden! Traurig, aber diese Bestien dürfen sich an Kinder in den Königreichssälen der ganzen Welt heranmachen.  

Die Opfer berichten davon, wie sie zum Schweigen vergattert wurden – mit Schuldgefühlen und der Drohung mit einem Gemeinschaftsentzug, wenn sie nicht still bleiben. Die meisten unterwerfen sich dieser Erpressungsmethode, denn nicht gehorchen würde sie das Leben kosten! Alle Angehörigen und Freunde, die Zeugen Jehovas sind, würden sie als geistig tot betrachten und nicht einmal mehr mit ihnen reden. Die meisten von ihnen haben nicht genug Kraft nach dem, was sie durchgemacht haben, um mit etwas von dieser Größe zu rechnen, und vor allem sollten sie es auch nicht! Einige sind ausgewiesen oder in die Welt hinausgeworfen worden, weil sie Verbrechen gegen sich meldeten und versuchten, andere vor demselben Schicksal zu bewahren, und all das auf Anweisung der leitenden Körperschaft!  

Als mein Mann (Bill Bowen) www.silentlambs.org gründete, hatten diese Opfer endlich einen Ort der Unterstützung und des Trostes. Sie konnten ihre Geschichten erzählen, und ihnen wurde geglaubt. Eigentlich wäre das Sache der Ältesten, sie an die zuständigen Behörden weiterzuleiten, aber statt dessen haben sie sich als Wölfe im Schafspelz erwiesen! Indem ihr meinem Mann die Gemeinschaft entzogen habt, habt ihr diesen Zeugenopfern die einzige Unterstützung genommen, die sie je hatten. Sie können nicht mehr zu Silent Lambs kommen, denn wenn sie das tun, riskieren sie alles. Ihr habt sie in herzloser Weise noch einmal zu Opfern gemacht! Schande über euch!  

Mein Mann ist mit falschen Anschuldigungen vor einem Femegericht zur Rechenschaft gezogen worden! Er hat keine Sünde gegen Gott begangen, und er hat keine Spaltungen in der Versammlung verursacht. Bill steht für das ein, was recht ist und stellt eine Politik bloß, die Kindern und denen, die es am nötigsten haben, schadet. Ich unterstütze ihn und seine Sache voller Stolz.  

Die Wachtturm-Politik ist es, die die Organisation gespalten hat. Gebt also denen die Schuld, die sie haben, der leitenden Körperschaft und ihrer schädlichen Politik! Ich finde es erschreckend und völlig unannehmbar, dass ihr versucht, das Image der Wachtturm-Gesellschaft um jeden Preis zu schützen! Eure Handlungsweise ist in meinen Augen verbrecherisch! Ihr alle werdet vor dem Gott stehen müssen, den anzubeten ihr behauptet, und eure Handlungsweise rechtfertigen müssen, und ich kann euch versichern, dass es keine Rechtfertigung gibt. Es gibt jedoch Konsequenzen. In den vergangenen anderthalb Jahren habe ich genug beobachtet, so dass ich mich schäme und es mir peinlich ist, dass die Öffentlichkeit weiß, dass ich einmal eine Zeugin Jehovas war!  Bis zu dem Tag, an dem ich sehe, dass diese Religion nach ihrem Anspruch, die einzig wahre Religion auf Erden zu sein und Gott zu vertreten lebt, werde ich nicht behaupten, eine Zeugin Jehovas zu sein.  

Sheila Bowen 

Kopie: Ältestenschaft von Draffenville, Berufungskomitee

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PRESSEVERÖFFENTLICHUNG  

Mittwoch, 14. August 

Kontakt: 

William H. Bowen: KY 270-527-5350, 270-559-5345 silentlambs.org

Heidi Meyer: MN 763-360-2680, Michele Sandstrom 718-894-0626 

Interview William H. Bowen mit Connie Chung 

Zwei Abende hintereinander Missbrauchsüberlebende 

Heute Abend um 19:00 Uhr wird William H. Bowen auf CNN ein Interview mit Connie Chung über die Vertuschungen von Kindesmissbrauch in der Organisation der Zeugen Jehovas haben. „Mich widern Menschen an, die Kinderschänder schützen; heute Abend werden Sie erfahren, wer sie sind“, bemerkt Bowen. Am Donnerstag, den 15. August, wird in der Versammlung der Zeugen Jehovas in  Draffenville, 86 Foust-Sledd Road, Benton, Kentucky, sein Gemeinschaftsentzug bekannt gegeben. Bowen hat vor, dabei zu sein und der Bekanntmachung zu widersprechen.  

Auch Heidi Meyer, 22, aus St. Paul, Minnesota, ist dabei, die kürzlich Klage gegen ihre Ortsversammlung und die Zentrale in Brooklyn, New York, einreichte, weil sie von den Ältesten zum Schweigen gebracht wurde, als sie zu ihnen ging und berichtete, sie sei von einem Mitglied der Versammlung sexuell belästigt worden. „Man hat mir gesagt, mir würde die Gemeinschaft entzogen, wenn ich jemandem etwas davon sagte.“ Sie sagt: „Die leitende Körperschaft verletzt Missbrauchsopfer und weigert sich, ihre Politik zu ändern. Damit setzt sie Kinder einer Gefahr aus.“   

Amber Long, 22, aus St. Paul, Minnesota, die in ihrer Klage erst als „Jane Doe“ auftrat, wird ebenfalls in dem Programm sprechen. Amber hatte Angst vor Vergeltungsmaßnahmen seitens der Organisation, als sie ihre Klage ursprünglich einreichte. Jetzt geht auch sie mit ihren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit. „Ich hatte Angst, dass man mir die Gemeinschaft entzieht, wenn ich etwas sagen würde, aber wenn ich sehe, wie sie Herrn Bowen behandelt haben, interessiert mich das nicht mehr“, erklärt Amber. „Kinder sind verletzt worden, und jemand muss etwas sagen.“   

Am Donnerstag wird Michele Sandstrom aus Brooklyn, New York, auch interviewt; sie wird darüber sprechen, wie sie und ihre Mutter mit der Drohung eines Gemeinschaftsentzuges zum Schweigen gebracht wurden, als sie versuchten, andere vor dem Mann zu warnen, der Michele sexuell belästigte.   

Jehovas Zeugen haben eine Million Mitglieder in den USA, und über 15 Millionen besuchen die Gottesdienste rund um die Welt. Es ist ihr Ziel, jedes Haus in Amerika wenigstens einmal im Jahr zu besuchen.

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CNN-Interview mit Connie Chung 

14. August 2002

CHUNG: Die meisten von uns, nehme ich an, kennen die Zeugen Jehovas nur als die Männer und Frauen, die von Tür zu Tür gehen und Literatur über ihren Glauben aushändigen. Jehovas Zeugen sind evangelikale Christen mit etwa einer Million Mitgliedern hier in den USA. Die Bewegung wurde in den 1870er Jahren in Pennsylvania gegründet. Jehovas Zeugen glauben an die Bibel als dem buchstäblichen Wort Gottes. Sie erlauben keine Bluttransfusionen, dienen nicht im Militär und feiern kein Weihnachten oder Geburtstage.

Nun sagen einige Mitglieder, etwas Schreckliches geschehe hinter verschlossenen Türen, ein Muster mutmaßlicher Kindesmissbrauchsfälle, die die Religionsgemeinschaft nicht nur nicht angezeigt hat, sondern auch noch vor den Behörden verborgen gehalten hat.

Heute Abend werden wir zwei junge Frauen vorstellen, die sagen, sie seien Opfer eines Zeugen Jehovas geworden.

Uns aus Minneapolis angeschlossen, um ihre Geschichten aus erster Hand zu berichten, haben sich Heidi Meyer und Amber Long. Ebenfalls angeschlossen hat sich uns ein Mann, der versucht hat, mutmaßliche Missbrauchsopfer bei den Zeugen Jehovas zusammenzubringen. Es ist William Bowen, einmal Ältester in der Versammlung, der sein Amt vor zwei Jahren aus Protest gegen die Art, wie die Gruppe mit verdächtigten Missbrauchstätern umgeht, abgegeben hat.

Ich heiße Sie alle willkommen. Nun, Heidi, Sie waren 10 Jahre alt, als sie erstmals missbraucht wurden. Was passierte?

HEIDI MEYER, MUTMASSLICH VON EINEM ZEUGEN JEHOVAS MISSBRAUCHT: Der Mann, der mich missbrauchte ...

CHUNG: … war ein Zeuge Jehovas?

MEYER: Er war ein Zeuge Jehovas in meiner Versammlung. Sein Name ist Derrick Lindelah. Er war ein Freund unserer Familie. Er war mit meinem Bruder befreundet, und ich war mit seiner jüngeren Schwester befreundet, und wann immer sich die Gelegenheit ergab oder er eine schuf, hat er mich beiseite gezogen und mich sexuell belästigt.

CHUNG: Wie lang hielt das an, Heidi?

MEYER: Bis – zu meinem 13. Lebensjahr. Bis kurz nachdem ich 13 wurde.

CHUNG: In Ordnung. Und Sie berichteten das den Ältesten der Zeugen Jehovas. Und was geschah?

MEYER: Als ich 15 war, ging ich damit zu den Ältesten, wie man es uns als Zeugen Jehovas gelehrt hat. Und ich redete mit ihnen in der Hoffnung, dass das Problem aufhört und sie einschreiten und sich der Person annehmen.

CHUNG: Und haben sie’s getan?

MEYER: Nein. Sie sagten nur, sie dachten, ich hätte die ganze Situation falsch interpretiert, aber sie sagten mir auch, ich müsse vorsichtig sein, mit wem ich darüber redete und was ich darüber sagte, denn ohne zwei Augenzeugen für einen Vorfall müsste ich selbst wegen Geschwätz und Verleumdung vor ein Rechtskomitee.

CHUNG: Im Grunde genommen meinen Sie, sie hätten Ihnen zu sagen versucht, Sie sollten nicht zur Polizei gehen? 

MEYER: Absolut. Sie sagten, zur Polizei zu gehen und die Sache vor Gericht zu bringen, wäre eine Schande für Gottes Namen und Gottes Organisation.

CHUNG: So sind Sie still geblieben.

MEYER: Absolut. Unter der Drohung mit – der Drohung mit einer Exkommunikation.

CHUNG: Ja, von den Zeugen Jehovas. Und ihre ganze Familie, die ganze Familie gehörte dazu, deshalb hat es Ihnen auch etwas bedeutet, dazu zu gehören.

MEYER: Absolut. Nicht nur meine Familie, sondern als Zeuge Jehovas hat man nur Umgang mit Mitgliedern in gutem Ansehen. Und damit ist man in der Position, wo jeder, den man kennt, jeder, dem man traut, jeder, dem man je vertraut hatte oder den man kannte, innerhalb der Organisation ist.

Die Drohung, da rausgeworfen und von ihnen geächtet zu werden, ist mächtig genug, dass ich mich eine sehr lange Zeit still verhalten habe.

CHUNG: In Ordnung, Heidi, wir werden in einer Minute wieder auf Sie zurückkommen. Amber, Sie behaupten, Sie seien von demselben Mann belästigt worden, als Sie 12 Jahre alt waren. Was geschah mit Ihnen?

AMBER LONG, MUTMASSLICH VON EINEM ZEUGEN JEHOVAS MISSBRAUCHT: Das stimmt. Es war bei seinen Eltern zu Hause. Ich war mit seiner jüngeren Schwester befreundet. Und ich wurde dort belästigt. Nach dem Besuch ging ich nach Hause und erzählte es meinen Eltern sofort, und wir gingen zu den Ältesten, wie die Anweisung in der Religion es sagt.

CHUNG: Und was geschah?

LONG: Wissen Sie, sie unterstellten, das sei ein Missverständnis gewesen, vielleicht sei ich verärgert gewesen. Sie sagten uns, wir sollten später darüber reden kommen. Als ich immer noch an meiner Geschichte festhielt, sagten sie uns, sie könnten wirklich nichts unternehmen, weil es keine zwei Augenzeugen gebe. Und dann war da immer noch die verhüllte Drohung mit dem Ausschluss.

Und wissen Sie, mein ganzes Leben lang, als ich danach aufwuchs, spielten sie immer darauf an, ich hätte vielleicht etwas getan, womit ich den Missbrauch verdiente.

CHUNG: Ja. Amber, wir werden in einer Minute auf Sie zurückkommen.

Bill, Sie sind so weit gegangen zu sagen, sie glaubten, die Zeugen Jehovas seien ein Pädophilenparadies. Übertreiben Sie da nicht? Ich weiß, dass sie Nachforschungen angestellt haben, aber ich meine, man könnte glauben, dass Sie da übertreiben.

WILLIAM BOWEN, LEITER VON SILENTLAMBS.ORG: Ich habe mit mehr als 5.000 Missbrauchsopfern gesprochen – entweder per E-Mail oder direkt am Telefon. Ich habe eine Missbrauchshotline direkt zu mir nach Hause, und jeden Tag bekomme ich Anrufe. Alle diese Leute sind Missbrauchsüberlebende, die mir dieselbe Geschichte erzählen wie Amber und Heidi. Das heißt, sie gingen zu den Ältesten, sie wurden unterdrückt, und die Sache wurde vertuscht.

Das ist wie ein roter Faden. Gestern bekam ich einen Faden oder eine E-Mail von einem jungen Mädchen, 15 Jahre alt, sie ging zu den Ältesten; sie sagte: Ich bin so wie Heidi, und was ich jetzt in den Medien sehe, macht mich über das wütend, was sie mir antun. Und das ist es, was die meisten jungen Frauen sind. Sie sind ärgerlich, dass sie missbraucht und dann durch die Politik dieser Kirche noch einmal zu Opfern gemacht wurden.

CHUNG: Wurden Sie von den Zeugen Jehovas eingeschüchtert?

MEYER: Ganz sicher. Es gibt nichts anderes, als eingeschüchtert zu sein. Dein ganzes Leben dreht sich um die Zugehörigkeit zu dieser Organisation. Das ist dein ganzes Leben. Und so wird es in der Organisation auch oft bezeichnet. Wenn man von dieser Organisation rausgeworfen wird, ist das ein Trauma fürs Leben. Das ist ein enormer Umbruch. Es ist etwas, das sich auf jeden Tag deines Lebens auswirkt.

CHUNG: Hier ist eine Erklärung der Zeugen Jehovas, und ich möchte, dass Sie alle zuhören.

„Wir verabscheuen den sexuellen Missbrauch von Kindern und werden keinen Täter vor den Auswirkungen seiner großen und perversen Sünde schützen. Wir erwarten, dass die Ältesten jeden mutmaßlichen Kindesmissbrauch untersuchen. Reuelose Übeltäter werden aus der Versammlung geworfen. Mit besonderer Fürsorge stellen wir sicher, dass Opfer fortdauernde Hilfe und Rat erhalten, was ihnen hilft, mit dem Schmerz über den Missbrauch fertig zu werden. Kein Ältester sollte ihnen sagen, die Anschuldigung nicht den Behörden zu melden.“

Amber, ich sehe, Sie schütteln den Kopf.

LONG: Ich – es ist so entsetzlich, dass sie etwas wie dies schreiben. Das ist so unwahr.

MEYER: Wissen Sie, auf dem Papier ist das eine schöne Praktik. Aber es ist einfach nicht – es wird nicht so gehandelt. In meiner Situation, in Ambers Situation, in zahllosen Situationen im ganzen Land und in anderen Ländern wird nicht so gehandelt.

CHUNG: Aber warum sollten sie eine solche Erklärung herausgeben, von der Sie behaupten, dass sie nicht stimmt?

BOWEN: Diese Erklärung ist meiner Meinung nach eine unverblümte Lüge. Diese Leute wissen, dass Missbrauchsfälle vertuscht wurden. Vor zehn Jahren wurde in der Organisation eine Untersuchung vorgenommen – sie wussten, dass eine Vielzahl kleiner Mädchen sexuell missbraucht wurden. Sie wurden mit Post überschwemmt – über ein Erwachet!, das über dieses Thema schrieb.

Damals weigerten sie sich, das  einzusehen, und Tatsache ist, dass es seither so weiter ging. Würden sie zugeben, dass es da ein Problem gibt, dann würden sie damit zugeben, dass sie vorsätzlich Kindern Schaden zugefügt und nichts dagegen unternommen haben.

CHUNG: Bill, Ihnen mag sehr gut die Gemeinschaft entzogen werden, das ist im Wesentlichen ein Ausschluss aus der Versammlung. Und ihr Vater drehte sogar ein Video, in dem er Sie für Ihre Untersuchung dieses Problems mit dem sexuellen Missbrauch verurteilte. Tut das nicht weh?

BOWEN: Ja, das tut sehr weh. Ich halte es ihm nicht vor, weil ich weiß, dass er, so wie diese beiden jungen Frauen von der Kirche eingeschüchtert wurden, selbst auch eingeschüchtert wurde, das Video zu drehen und es in den Medien in dieser Gegend verbreiten zu lassen ...

CHUNG: Ja, aber ist es Ihnen das wert, von Ihrer Familie geächtet zu werden?

BOWEN: Man muss das tun, was ethisch und moralisch richtig ist. Und dass Menschen von der Religion gedrängt werden, zu tun, was ethisch und moralisch falsch ist, ist keine Entschuldigung. Ich bin also gezwungen, weiterzumachen, diese – für die Opfer, die von der Kirche noch einmal zu Opfern gemacht wurden.

Vielen jungen Frauen wurde die Gemeinschaft entzogen, als sie versuchten, anderen Mitgliedern in der Kirche zu erzählen, dass sie belästigt wurden, einfach weil sie wollten – der Täter sagte, sie hatten keine zwei Augenzeugen, als er sie vergewaltigte.

CHUNG: Heidi und Amber, was ist mit dem Kirchenmitglied passiert, der Sie Ihrer Behauptung nach belästigte?

MEYER: Absolut nichts, bis heute.

LONG: Nichts.

CHUNG: Ist er ein Mitglied in gutem Ansehen?

MEYER: Er ist ein Mitglied in gutem Ansehen.

LONG: Ja.

CHUNG: Sie – Sie beide können gut ausgeschlossen werden. Sind Sie darauf vorbereitet? Und heißt das nicht, dass Ihre Familie nicht mehr mit Ihnen reden darf?

MEYER: Ja, das heißt es. Aber wissen Sie, meine Eltern haben mich zu jemandem erzogen, der eigenständig denkt, der stark ist, der gerecht ist. Und die Beweise sind in dieser Situation so überwältigend, dass es keine Alternative gibt. Es gibt keinen anderen Weg, den ich hier gehen könnte.

CHUNG: Heidi, Amber, wir danken Ihnen, dass Sie bei uns waren. Und Bill, auch Ihnen danke!

Ehe wir schließen, sollten wir noch anmerken, dass wir mit dem Anwalt von Derrick Lindelah sprachen, dem Mann, der beschuldigt wird, Heidi und Amber belästigt zu haben, und sein Anwalt sagte uns, dass Lindelah alle Anschuldigungen bestreiten werde, aber noch keine formelle Antwort in einem von den beiden Mädchen angestrengten Zivilprozess ergangen ist.


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Mein Gemeinschaftsentzug  

Wie bei jedem, der mit den Zeugen Jehovas verbunden ist, ist die schlimmste Nachricht, die man erhalten kann, die, dass einem die Gemeinschaft entzogen wurde. Das bedeutet den Verlust von allem und jedem, was man im Leben gekannt hat. Als ich mit meiner Anschuldigung, in der Organisation würden Missbrauchsfälle vertuscht, zu den Medien ging, war eine Sache, die ich den Reportern klar machte, die, dass man mir die Gemeinschaft entziehen würde, wenn ich mich zu dem Thema meldete. Ihr seht, ich habe Wachtturm-Gesellschaft gespielt. Ich wusste, dass sie so arrogant sind, dass sie mich ihnen nicht sagen lassen würden, was sie vorhatten. So mussten sie ihre Kontrolle ausüben und nichts tun. Schlimmer Fehler, Wachtturm-Gesellschaft. Eure Dummheit erlaubte mir monatelang, Beweise zu sammeln und die Sache wasserdichter zu machen, als ich es hätte tun können, wenn ihr mir in den ersten beiden Wochen die Gemeinschaft entzogen hättet. Aber ich habe mich auf eure Dummheit und Arroganz verlassen, ganz zu schweigen von einer Public-Relations-Abteilung, die wie eine Bande arbeitete, die nicht geradeaus schießen konnte. 

Zuerst nennen sie mich in der Versammlung einen Lügner; schlimmer Zug, Jungen, ich habe das auf Band. Dann das Band von meinem Vater, einfach nur dumm; selbst Reporter haben mich angerufen, erstaunt darüber, wie böse sie wären. Dann ging es zu den Sanktionen; ich habe jede davon durch Briefverkehr und Forderung nach Entschuldigung dokumentiert, sie haben sie natürlich ignoriert. Vielen Dank, ihr beweist euren Mangel an Christlichkeit. Aber vielleicht hebe ich mir den besten Edelstein für zum Schluss auf: eure Leugnung, etwas Falsches getan zu haben. 30 Geschichten waren vielleicht nur faule Eier, bei 100 Geschichten war vielleicht ein Ältester von der Rolle, aber über 5.000? Wenn man lügt, wo 5.000 Opfer einen anklagen, macht man sich völlig zum Narren. Danke, J. R. Brown. 

Denkt darüber nach: Wem ist je die Gemeinschaft entzogen worden, der solche Breitseiten gegen die Wachtturm-Gesellschaft abgeschossen hat. Die New York Times, am Sonntag, als ich meine Berufungsverhandlung hatte; CNN am Tag zuvor; und ein netter Artikel über alles im Ortsblatt heute morgen. Wachtturm-Gesellschaft, wie dumm musst du sein, solche schlechte Public Relations zu bekommen? Du solltest dich zurückgehalten haben, aber wie ein verzogenes Gör wolltest du es jetzt, darum haben wir aus allen Rohren geschossen. Erkennt jemand, was hier passiert ist? Erinnert ihr euch an den Aufstand in China? Die liberale Seite bekam immer mehr Anhänger und schien kurz davor zu sein, dem ganzen Land die Demokratie zu bringen. Und was geschah? Es gab den Konservativen die Entschuldigung, alle Liberalen völlig zu vernichten. Bis heute gibt es keine wesentliche liberale Bewegung in China. So auch mit der Wachtturm-Gesellschaft. Als erstmals das Thema Probleme mit Kindesmissbrauch auftauchte, gab es viele Insider, die mit mir Kontakt aufnahmen und mir ihre Hilfe anboten. Sie sahen das Problem sofort, und in dem Bemühen, die Organisation zu retten, boten sie Einblicke und Hilfen an, um die Dinge voranzubringen. Sie sagten, sie würden mich schützen. Vielleicht war es eine Kombination des oben Stehenden zusammen mit liberalem Schutz, was mir ermöglichte, siebzehneinhalb Monate auszuhalten, ohne einen Gemeinschaftsentzug zu erhalten. Nun, gegen Ende April gab es eine Änderung sehr ähnlich dem, was in China passierte. Die Konservativen benutzten silentlambs als Entschuldigung, die Liberalen zu vernichten und jede Chance auf eine Reform in der Organisation im Keime zu ersticken. Warum, glaubst du, fordern sie 1.000 Leute auf, zu gehen? Wer, denkst du, sind 90% von diesen 1.000? Die Liberalen, sie werden in großem Maße rausgeworfen, und damit wird die letzte Chance vertan, die Organisation zu retten. Die Schlacht ist vorbei, Jaracz hat gewonnen.   

Alle Zeugen Jehovas werden jetzt „nicht über das hinausgehen, was geschrieben steht“, und wenn jemand etwas anderes sagt, dann wird ihm die Gemeinschaft entzogen. Erinnert euch: China war nicht aus dem Geschäft, es verlor nur seine letzte Chance auf eine bessere Regierung. So ist es auch mit der Wachtturm-Gesellschaft. Sie hätte die Kinder besser schützen können, sie hätte mehr Mitgefühl zeigen können, sie hätte mehr Liebe zeigen können, sie hätte es leichter machen können, ein Zeuge Jehovas zu sein. Nicht von allem. Sie wird jeden in der Organisation opfern, damit man den Befehlen eines verzogenen Görs namens leitende Körperschaft folgt. „Zum Teufel mit den Kindern, wir möchten einfach nicht, dass uns jemand sagt, was wir zu tun haben.“ So geht sie …  

Ich ging also heute Abend zu dem Treffen. Ich rief alle Reporter, die ich kannte, an und bat sie zu kommen, und eine kreuzte auf, gerade genug, um sie nervös zu machen. Sie saß vorne gegenüber von der Zuhörerschaft, und ich bat einen Ältesten, sie mit einem Liederbuch zu versorgen. Was er schnell tat, denn man möchte ja ein mögliches Mitglied nicht zum Straucheln bringen. Ich war in der Lage, kurz zu erklären, wie die Versammlung ablaufen würde, da niemand sonst das freiwillig tat. Ich vermute, ich hätte meine Zeit zählen können.  

Zwei Älteste sprachen mich an, nachdem ich ihnen in die Augen gesehen und etwas direkt zu ihnen gesagt hatte. Alle anderen schauten weg und weigerten sich zu sprechen, auch wenn ich etwas zu ihnen sagte. Könnte es sein, dass da jemand die Vertraulichkeit gebrochen hatte? Ich war etwa fünf Minuten zu früh da und stellte mich in Richtung auf die ersten Reihen der Zuhörer hin, der Rest der Versammlung blieb hinten. Der vorsitzführende Aufseher schaute mich dreckig an und lachte; ich nahm meinen Finger und zeigte etwa fünf Sekunden lang direkt auf ihn und schenkte ihm ein breites Lächeln. 

Dann begann die Zusammenkunft. Ich hatte mein Liederbuch und sang schön und laut. Alle um mich herum versuchten, mich zu überstimmen, so haben sie aus vollen Lungen geschrieen. Es war nett, die Freunde schließlich dazu zu bringen, aus voller Kehle zu singen. Dann kam die Schule, ich war lieb und habe sogar die Bibelstellen nachgeschlagen. Jeder, der Ansprachen hatte, war nervös wie eine Katze, zitterte merklich und schielte zu mir herüber. Es war, als dachten sie, ich würde auf sie herabstoßen. Bei Ansprache Nummer zwei ging ich zurück zum Anschlagbrett, um auf dem Laufenden zu bleiben. Wir bekommen eine neue CD. Sie nennt sich Wachtturm-CD 2001, aber haben wir nicht schon 2002? Sie sagten, sie würde bald kommen, also nehme ich an, sie ist noch nicht fertig. Der Brief war von Ende Juni. Nichts von Bedeutung, außer dass ich deutlich bemerkte, dass der Name des Kinderschänders nirgends auf dem Brett stand, nicht einmal für die Theokratische Dienstschule. Anscheinend habe ich also etwas Wirkung auf sein Leben gezeigt, besonders weil ich der ganzen Welt erzählt habe, wann sie wieder Verwendung für ihn hatten. Er hatte eine hübsche kleine Gruppe um sich herum, die ihn vor der Zusammenkunft aufsuchte und ihm das Gefühl gab, willkommen zu sein. Nach dreizehn Monaten handelte niemand so, als wollte er mich da haben. Na ja, was soll ich sagen? Ich vermute, dass geistige Paradies mag keine Leute, die in den Medien sind. 

Die Reporterin kam zurück, und wir gingen nach draußen, um ein kleines Interview zu machen, als wir auf die Pause warteten. Sie begannen wieder zu singen, als Sheila mit der Digitalkamera vorfuhr. Habe ich gesagt, dass wir Bilder gemacht haben?  

http://community.webshots.com/album/47148865uPbeds  Habt Spaß daran …

Jedem Teil der theokratischen Dienstschuld gingen Kommentare zum weltweiten Werk voran, und wie diese Ansprachen auf der ganzen Welt gehalten würden. Nette Public Relations für die Reporterin; Junge, haben die dick aufgetragen! Bei den Bekanntmachungen sagten sie schließlich, jetzt sollte doch der Bruder Ältester auf die Bühne kommen. Als er hinaufstieg, stand ich auf. Dann begann er, über den Besuch des Kreisaufsehers in der vergangenen Woche zu reden und stellte den Antrag, ihm die Kosten zu ersetzen. Ich setzte mich wieder. Ich dachte, vielleicht später. Nein, sie haben es ausgelassen.   

Jetzt etwas an alle Ältesten: Jeder weiß, die Bekanntmachungen werden während des Programmpunktes „Bekanntmachungen“ bekannt gegeben. Warum haben sie dann gewartet?  Hatten sie „Menschenfurcht“?  Ich ging hinaus und redete mit der Reporterin von der Paducah Sun. Ich äußerte die Vermutung, sie würden das bis zuletzt aufbehalten und hoffen, sie würde gehen oder bis zu einer anderen Zusammenkunft warten, damit ich herumrätselte. Ich sagte ihr, sie wollten wohl ein Spiel treiben und mit den Wimpern zucken. Sie rief ihren Chefredakteur an, und der gab ihr weitere 30 Minuten.   

Wir gingen wieder hinein und ich dachte, ich bin dieses alberne Spielchen satt. Lee Stockwell hatte den letzten Teil der Zusammenkunft, und da er sich bereits bei mehreren Gelegenheiten zum Narren gemacht hatte, dachte ich, ich werde warten, bis er hinaufgeht. Was sollte ich tun?   

Von diesem Punkt an haben wir beschlossen, für jeden neue Richtlinien aufzustellen, der wegen des Themas Missbrauch ausgeschlossen wurde. Wir machen unsere eigene Bekanntmachung. 

Als Stockwell auf die Bühne gelangte, stand ich auf, wandte mich an die Zuhörer und sagte: „Heute Abend sollten sie eigentlich bekannt geben, dass mir die Gemeinschaft entzogen wurde. Ich protestiere gegen diese Bekanntmachung, ich protestiere gegen dieses Vorgehen. Ich habe kein biblisches Gesetz gebrochen, ich habe kein Gesetz der Organisation gebrochen. Die leitende Körperschaft hat meinen Gemeinschaftsentzug angeordnet, um zu verhindern, dass ich die Beweise vorlege, die beweisen, dass sie lügende Heuchler sind. Jetzt bin ich ein schweigendes Lamm wie die Tausende von Missbrauchsüberlebenden, deren Leben durch die Wachtturm-Politik zu Kindesmissbrauch ruiniert wurden.“     

Stockwell versuchte an einer Stelle, mich zu überschreien, hielt aber den Mund. Sheila machte Fotos, und da erstarrten sie und griffen mich nicht, weil sie wussten, wir bekämen das auf den Film. Ich hatte meine Meinung gesagt und ging hinaus. Als ich ganz hinten war, verkündete Stockwell: „William H. Bowen ist die Gemeinschaft entzogen worden.“  

Ich schrie: „Du hast es erfasst!“ 

Dann ging ich zur Tür hinaus. Da war ein Gefühl von Aufheiterung und Befreiung. Schließlich hatte ich der Versammlung das gesagt, was ich ihr schon zwei Jahre lang sagen wollte. Ich habe nichts Verkehrtes getan.   

Die Reporterin saß auf dem Einstellplatz unter dem Licht und schrieb meine Erklärung an die Versammlung auf. Sie kamen ans Fenster und guckten hinaus und schenkten mir wütende Blicke. Ich lächelte einfach und winkte, während Sheila ein paar weitere Fotos machte. Sie sahen in dem Augenblick wirklich sehr kleinlaut aus.  

Die Reporterin sagte: „Kaufen Sie sich am Freitag die Zeitung“, und wir verabschiedeten uns.  Als ich mit lautem Pfeifen meinen Lastwagen startete, fuhr, glaube ich, Satan einen Augenblick in mich. Ich fuhr die Auffahrt durch, nahm den Gang heraus und trat ganz das Gaspedal durch, als ich im Leerlauf fuhr. Habe ich da die Versammlung zerrissen? 

Als ich nach Hause kam, warteten Sheila und die Kinder mit Champagner und einer herzlichen Umarmung. Dass mir die Gemeinschaft entzogen wurde, weil ich für Kinder aufstand, trage ich jetzt als Ehrenabzeichen. Ich finde an dem, was ich getan habe, keine Scham, Schuld oder Unehre. Wenn alles mit silentlambs heute enden würde, hielte ich es wegen der Hilfe und der Hoffnung, die so vielen gegeben wurde, doch der Sache wert. Man kann aufstehen, man kann die Meinung sagen und zurückholen, was man einem geraubt hat. Dein Selbstwertgefühl und das Wissen, dass man nichts Verkehrtes getan hat. 

Joe Anderson wurde heute Abend auch ausgeschlossen. Er folgte demselben Weg. Er schickte Briefe an jeden in der Versammlung, außer an den vorsitzführenden Aufseher. Der Brief informierte sie über den Gemeinschaftsentzug und den Grund dafür, zusammen mit dem ursprünglichen Brief, mit dem er von seinem Ältestenamt zurückgetreten war. Als sie die Bekanntmachung verlasen, wusste es also bereits jeder. Joe war nicht anwesend, das hätte nichts gebracht.  

Die Konservativen haben gewonnen, die Organisation wird weitermachen, aber es wird eine härtere, grausamere Organisation sein, geführt von Soldaten ohne Gewissen und mit verängstigten Karnickeln, die auf Befehl handeln. Das Schlimmste ist der Schaden, der den Kindern noch angetan wird, bis sich die Wachtturm-Politik einmal ändert.  

 

Hier ist Joes Brief: 

 

Joe Anderson

1527 Normandy Rd.

Normandy, TN 37360 

Liebe Leute, 

Mit diesem Brief möchte ich euch von meiner Situation in der Versammlung und meinen Gefühlen in dieser Angelegenheit wissen lassen. Ihr mögt auch sagen, dies sei ein Abschiedsbrief. 

Ich bin mehr als 50 Jahre mit den Zeugen Jehovas verbunden gewesen, und mein Interesse gilt immer noch Jehova und seinem Vorhaben. Was mich immer beeindruckt hat, waren die Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit der Organisation und die Änderungen, die die Organisation in der Vergangenheit zum Nutzen der Versammlungen vorgenommen hat. Ich möchte hier hinzufügen, dass ich weiterhin nichts als Liebe für die Zeugen Jehovas empfinde, darunter die Ältesten und die Leute in der Wachtturm-Zentrale, von denen ich viele seit den 1950er Jahren kenne. 

Kürzlich schrieb ich einen Brief, in dem ich erklärte, warum ich als Ältester zurücktrat, und schickte ihn an die Watchtower Bible & Tract Society. Es ging da um Änderungen in ihrer Politik gegenüber Kindesmissbrauch, die ich für notwendig hielt. Ich gab jedem Ältesten in der Versammlung Manchester eine Kopie des Briefes, um sie wissen zu lassen, was ich tat. Ich möchte hier sagen, dass es nichts mit den Lehren usw. zu tun hat, sondern mit Vorgehensweisen, die sich auf die Sicherheit der Herde, die christliche Liebe und die Ältesten, die im Interesse der Mitglieder das Richtige tun, auswirken könnten. Doch weil ich diesen Brief geschrieben habe, wurde ich bei einer Rechtskomiteesitzung vor einigen Wochen beschuldigt, „das Vertrauen der Brüder in Jehovas Organisation zu untergraben“.   

Ich habe zu eurer Beachtung eine Kopie dieses Briefes beigefügt, so dass ihr ein Gefühl dafür erlangen könnt, was da eigentlich vor sich geht. Wie ihr wisst, wird diese Art Dinge immer vor der Versammlung geheim gehalten, folglich scheint alles friedlich abzulaufen. Normalerweise pflichte ich den Verfahrensweisen der Organisation in Bezug auf die Intimsphäre bei, denn es gibt Dinge, die nicht die gesamte Versammlung betreffen, also ist es am besten, die Vertraulichkeit zu wahren. Doch ich erkenne, dass ein Stillhalten bei sexuellem Kindesmissbrauch in der Versammlung etwas völlig anderes ist. Diese verbrecherischen Handlungen müssen zu unserem Schutz bloßgestellt werden. Angemessene Behandlung von Kindesmissbrauch und die darauf folgende Information der Versammlung „untergraben das Vertrauen der Brüder in Jehovas Organisation“ nicht. Im Gegenteil, das Geheimhalten von Kindesmissbrauch „untergräbt das Vertrauen der Brüder in Jehovas Organisation“. 

Um euch Beispiele für in der Organisation geheim gehaltene abweichende sexuelle Neigungen zu geben, die dazu gedient haben, „das Vertrauen der Brüder in Jehovas Organisation zu untergraben“, führe ich die Entlassungen zweier Brüder aus der leitenden Körperschaft im Bethel seit 1991 an, der Brüder Chitty und Greenlees. Chitty war homosexuell und Alkoholiker. Er kehrte nach England zurück, woher er kam, und die Wachtturm-Gesellschaft gab ihm ihre Unterstützung und eine Wohnung zum Leben. Ihm wurde nicht die Gemeinschaft entzogen. 

Greenlees war als Homosexueller bekannt, als er in Georgetown arbeitete, dem kanadischen Zweigbüro der Wachtturm-Gesellschaft, und seine Ernennung zum Mitglied der leitenden Körperschaft löste hier beim Personal einen erheblichen Schock aus. Er wurde aus dem Bethel in Brooklyn Mitte der 1980er Jahre entlassen, als Barbara, Lance und ich dort waren, und als Sonderpionier hinausgeschickt. Später erzählten uns informierte Leute im Bethel, Greenlees sei nicht entlassen worden, weil er schwul war, sondern vielmehr, weil er einen kleinen Jungen sexuell belästigt hatte. Ihm wurde nicht die Gemeinschaft entzogen.  

In meinem Rücktrittsbrief nannte ich eine junge Frau, die einige Jahre lang zur Versammlung Manchester gehörte und sich aufgrund des Berichtes in einer Zeitung in Tennessee meldete und mehrere Brüder in unserer Gegend identifizierte, die sie als Kind belästigt hatten. Ich war gelinde gesagt schockiert, als ich ihre Geschichte hörte, und dann, als die Ältesten informiert wurden und ich mit ihnen zusammenkam, bestätigten zwei von ihnen einige ihrer Behauptungen.  

Wegen des Wesens von Pädophilen glaube ich, dass jeder von uns über ihre vergangenen Vergehen Bescheid wissen sollte, was uns vor dem möglichen Schaden warnen würde, der entstehen kann, wenn man das geheim hält. Es gibt in den USA, in Kanada und Großbritannien mehr als 23.000 Fälle von geständigen oder angeklagten Kinderschändern in den Akten in der Wachtturm-Weltzentrale, von denen viele nicht den Behörden gemeldet wurden. Wenn man in Betracht zieht, dass die Wachtturm-Gesellschaft zwei oder mehr Augenzeugen fordert, ehe in der Versammlung etwas gegen einen Kinderschänder unternommen wird, bedeutet das, dass es viele Tausende mehr Opfer als 23.000 Kinderschänder gibt. Tatsächlich belästigte ein Zeuge Jehovas in Nevada siebzehn Kinder, ehe er verhaftet wurde. Ihm wurde immer noch nicht die Gemeinschaft entzogen. Gegenwärtig gibt es einen geständigen Kinderschänder in der Versammlung Manchester und einen weiteren früheren Ältesten, der eine sexuelle Belästigung gestand und der im vergangenen Jahr in eine Versammlung in der Nähe umgezogen ist. Doch die Wachtturm-Politik hindert uns daran, euch zu sagen, wer sie sind. In der Versammlung Manchester gibt es nur einen Ältesten, der kleine Kinder in seiner Obhut hat und weiß, wer diese Männer sind. Er kann folglich seine Kinder schützen, aber euch, die ihr Kinder habt, wird das Recht, dies zu wissen, nicht zugestanden. Ist das fair? Oder liebevoll? 

Warum können wir der Watchtower Bible & Tract Society nicht über unsere Sorgen, Fragen und Zweifel an Dingen, die uns betreffen, schreiben? Wie ihr aber aus den Maßnahmen gegen mich erseht, seid ihr nicht so „frei“, wie ihr denkt. Siehe Jakobus 1:25. Überdies vergesst nicht, dass Jakobus in Kapitel 4, Vers 17, sagte, wenn du weißt, was recht ist und es nicht tust, dann ist es Sünde. 

Wenn ihr der Wachtturm-Gesellschaft Komplimente schreibt, hört ihr nichts. Schreibt aber mal etwas, das negativ oder strittig ist, dann wird euer Brief an die Heimatversammlung zurückgeschickt und die Ältesten untersuchen die Sache. Wenn ihr nicht bereut, wird euch die Gemeinschaft entzogen. Da mein biblisch geschultes Gewissen nicht zulässt, dass ich bereue, was die Wachtturm-Gesellschaft als „das Vertrauen der Brüder in Jehovas Organisation zu untergraben“ ansieht, was ich in meinem Rücktrittsbrief sagte, wird mir die Gemeinschaft entzogen.  

Um zu sehen, was die Bibel uns über die christliche Freiheit sagt, lest 1. Petrus 2:19-21 und Hebräer 3:6. Achtet auch darauf, dass 1. Kor. 10:29 fragt, warum denn die Freiheit eines Menschen durch das Gewissen eines anderen gerichtet werden sollte.  

Ich möchte euch nicht von der Versammlung und den vielen Freunde, die ihr habt, trennen. Ich möchte euch nur wissen lassen, was da vor sich geht, was ich schon immer tun wollte. Es gäbe noch viel mehr zu sagen, aber jetzt kann ich nur sagen, dass ich hoffe, dass Änderungen vorgenommen werden, weil das Thema immens viel Schmerz und Leid für die Opfer und ihre Familien verursacht, darunter meine eigene Familie. Überdies ist die schlimmste Auswirkung von allem, dass sie die Organisation verlassen. Es ist sehr traurig. 

Abschließend sende ich euch meine besten Wünsche. Ich werde eure Gemeinschaft vermissen. 

In christlicher Liebe,

Joe Anderson

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PRESSEVERÖFFENTLICHUNG

Freitag, 16. August

Kontakt:

William H. Bowen: KY Tel. 270-527-5350, Mobil 270-559-5345 silentlambs.org

Joe Anderson TN 931-455-6910

William H. Bowens und Joe Andersons Exkommunikation endgültig

Mitglieder gezwungen zu sagen, es gebe keinen Missbrauch

Nachdem alle Berufungsmöglichkeiten erschöpft waren, gab William H. Bowen aus Benton KY, um 19:55 Uhr vor der Versammlung Draffenville seinen Gemeinschaftsentzug bekannt, da die Ältetsen dies aufgrund der Medienpräsenz nicht tun wollten. Bowen gab folgende Erklärung ab:

"Heute Abend sollten die Ältesten eigentlich bekannt geben, dass mir die Gemeinschaft entzogen wurde. Ich wider spreche dieser Bekanntgabe, ich widerspreche der Prozedur. Ich habe kein biblisches Gesetz verletzt, und ich habe kein Gesetz der Organisation verletzt. Die leitende Körperschaft hat meinen Ausschluss angeordnet, um zu verhindern, dass ich Beweise dafür vorlege, dass sie lügen und Heuchler sind. Jetzt bin ich ein schweigendes Lamm, wie es Tausende von Missbrauchsüberlebenden sind, deren Leben durch die Wachtturm-Vorschriften zu Kindesmissbrauch ruiniert worden ist."

Dann gab der Älteste Lee Stockwell vor der Versammlung bekannt:

"William H. Bowen ist die Gemeinschaft entzogen worden."

Bowen erklärt: "Dann ging ich zur Tür hinaus. Irgendwie war ich fröhlich gestimmt und befreit. Endlich hatte ich der Versammlung gesagt, was ich schon seit zwei Jahren sagen wollte. Ich habe nichts Verkehrtes getan."

Joe Anderson aus Normandy, Tennessee, schickte Briefe an alle Mitglieder seiner Versammlung und informierte sie, dass ihm die Gemeinschaft entzogen wurde, weil er im Interesse von Missbrauchsüberlebenden gesprochen hatte.

"Ich hatte nur die Wahl: sagen, dass es keinen Missbrauch gibt, oder ausgeschlossen werden", erklärt Joe. "Das konnte ich nicht guten Gewissens mitmachen."

Donnerstagabend wurde in der Versammlung der Zeugen Jehovas in Manchester TN, bekannt gegeben, dass Joe ausgeschlossen wurde, nachdem alle Berufungsmöglichkeiten ausgeschöpft waren.

Sowohl Anderson als auch Bowen traten aus Protest dagegen, wie in Zeugenversammlungen mit Missbrauchsanklagen umgegangen wird, als langjährige Älteste zurück.

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10. August 2002  

An das Berufungskomitee

im Interesse von Bill Bowen 

Liebe Älteste, 

es ist nur ein Punkt, auf den, so glaube ich, zu kommen ist. So viel ich weiß, wird Bill Bowen beschuldigt, „Spaltungen in der Versammlung zu verursachen“. Diese Beschuldigung ist absurd. 

Ich meine, das Thema ist weitaus schwerwiegender als das. 

Meiner Meinung nach ist das eigentliche Thema: „Wer verursacht Spaltungen zwischen Jehova Gott und seinen kostbaren kleinen Kindern?!“   

Ja, „Wer setzt einen Stolperstein zwischen die kleinen Kinder, die Opfer sind (wie auch die Erwachsenen, zu denen sie werden), und ihren himmlischen Vater?“  

Zu wem spricht Jesus in Matthäus 18:4, 5, 6, 10, 14 über die kleinen Kinder?: 

Wer „bringt einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Straucheln?“  Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft?  Jesus sagte: „ … für den ist es nützlicher, dass ihm ein Mühlstein, wie er von einem Esel gedreht wird, um den Hals gehängt wird und er ins weite, offene Meer versenkt werde.“ (NWÜ) 

Wer ist ein „Hindernis für einen dieser Kleinen, die an (ihn) glauben“? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? Jesus sagte, es „wäre besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.“ (Jerusalemer Bibel) 

Wer lässt einen dieser Kleinen, „der mir vertraut, an mir irre werden?“ Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? Jesus sagte, „er käme noch gut weg, wenn man ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen würde.“  (Die Gute Nachricht) 

Wer ist ein „Hindernis für einen dieser Kleinen, die an mich glauben?" Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft Jesus sagte,  es wäre „besser, wenn man ihm einen großen Mühlstein um den Hals hinge und ihn im tiefen Meer versenke.“ (Moffat) (Vergleiche auch Matthäus 23:13) 

Wen warnt Jesus in den Versen 10 und 14, wenn er sagt: „Habt acht, dass ihr nicht auf ein einziges dieser kleinen Kinder herabseht. Denn ich sage euch, dass ihre Engel im Himmel ständig Zugang zum Vater haben ... Ebenso ist es nicht der Wille meines Vaters, dass auch nur eines dieser Kleinen zugrunde gehen sollte.“  (Living Bible)  Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Und noch einmal, wen warnt Jesus: „Seht zu, dass ihr keinen von diesen Kleinen verachtet; denn ich sage euch, dass ihre Engel im Himmel allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der im Himmel ist ... Ebenso ist es bei meinem Vater, der im Himmel ist, nicht erwünscht, dass eines von diesen Kleinen zugrunde geht.“ (NWÜ)  Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft?  

Wer bringt mit seiner „Kinderschutzpolitik“ das gegenwärtige und das ewige Leben dieser Kleinen in Gefahr?  Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft?               

In meinen über 40 Jahren bei den Zeugen Jehovas habe ich nie von der „Kinderschutzpolitik“ der Gesellschaft gehört! Ich habe das nie gedruckt erwähnt gesehen! Das heißt, bis jetzt! Tatsächlich gab es bis zum Artikel „Verabscheuen wir das Böse“ im Wachtturm vom 1. Januar 1997 keine Diskussion über Kinderschänder unter den Zeugen Jehovas. Das war nur bei „anderen“ Religionen, nie bei uns! Warum wird uns das jetzt plötzlich angeboten? Jeder denkende Mensch kann das durchschauen. 

Diese so genannte „Kinderschutzpolitik“ ist nichts weiter als das Bemühen, sehr Schmutziges reinzuwaschen, das Bloßstellen dieser bösen Praktik unter Jehovas Zeugen zu verhindern und abzustellen und die Rettung unserer verletzlichen und unschuldigen Kinder vor denen, die dieses schreiend Böse verüben, zu verhindern. 

Wer vermittelt den Kindern den Eindruck, Gott kümmere sich nicht um sie und werde sie nicht schützen oder ihnen glauben? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer gibt ihnen das Gefühl, Er wolle ihnen nicht zuhören? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer macht es für die Kleinen schwerer, darauf zu vertrauen und zu glauben, dass ihre Gebete zu Gott von Ihm auch nur erhört werden? ... so dass sie sich vielleicht sogar fragen, warum sie überhaupt zu Gott beten sollten? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer macht diese unschuldigen kleinen Opfer glauben, dass Jehova den bösen Kerl mehr liebt als sie selbst?! Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer bricht die zarten Herzen der „Kleinen“ Jehova Gottes und Jesu Christi? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft?                                                                                       

Wer ZEIGT EINE SCHAMLOSE MISSACHTUNG DER LEBEN DERER, DIE IHRER SORGE ANVERTRAUT SIND? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer zerstört den Glauben „dieser Kleinen“ an Jehova Gott und zerbricht ihre Verbindung zu Ihm? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer entreißt Jehovas „Kleinen“ die Hoffnung, die ihr rechtmäßiges Erbe ist, so dass viele sogar sterben möchten? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer ist schuldig, „eine tatsächliche Gefährdung des geistigen Wohls“ bei diesen Kindern und den erwachsenen Opfern zu verursachen? (Vergleiche Wachtturm, 1. November 1988, Seite 23, Absatz 12)  Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? 

Wer hat Jehovas „Kleine“ aufgegeben und die Täter geschützt? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? ... DURCH EUCH! 

Wer schadet ihrem geistigen Wohl, vielleicht irreparabel? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? ... DURCH EUCH! 

Wer, Brüder, verursacht ALL diesen unglaublichen Schaden an Jehovas „Kleinen“? Bill Bowen? Oder die leitende Körperschaft? ... DURCH EUCH! 

Ist das der Grund, warum ihr Älteste wurdet? Ich hoffe doch wohl nicht! 

ICH BIN EINE VON DIESEN „KLEINEN“. Ich habe am eigenen Leib erfahren, worüber ich rede! Ich bin von jemandem vergewaltigt worden, der heute mächtig viele Vorrechte genießt. Mein geistiges Wohl war durch die Ältesten, und wie sie mich in diesem Punkt des Kindesmissbrauchs behandelt haben, in schwerer Gefahr. Meine aufrichtigen Appelle um Hilfe an die Gesellschaft und die leitende Körperschaft fielen auf taube Ohren. 

Meine Gebete wurden schließlich beantwortet! Aber nicht durch die Ältestenschaften oder die Gesellschaft oder die leitende Körperschaft. Sondern durch Bill Bowen und Silentlambs. Ich fühle mich als Opfer/Überlebende nicht mehr allein und isoliert, „getrennt“ von anderen. Ich bin Zeugin des Segens Jehovas auf Silentlambs, auf Bill, auf Barbara und auf mich selbst. Mein Glaube an Gott ist dadurch gestärkt worden. Ich habe keine Angst mehr, über das, was mit mir geschah, zu reden, aus Furcht vor Vergeltung von denen, die mich verletzten, und vor euch allen. 

Aller Verlust der Verbindung (die so genannte „Trennung“) zur Organisation und zur leitenden Körperschaft ist ZUALLERERST das direkte Ergebnis davon, dass SIE sich von mir gelöst haben und dass SIE mich verlassen haben. Ihr Verhalten mir gegenüber zwang mich, zwischen ihnen und Ihm wählen zu müssen. Das hätte ich nicht gebraucht, wenn sie Ihm wirklich treu ergeben gewesen wären, nicht wahr? Ich habe Ihn damals gewählt, und ich wähle heute Ihn. Ich möchte zuallererst und um jeden Preis mit Ihm verbunden bleiben. 

In aller Aufrichtigkeit, ich kann nicht verstehen, wie ihr sagen könnt, dass ihr Jehova liebt, wenn ihr euch Personen gegenüber loyal verhaltet, die wie auf diese Weise Kinder verletzen ... Ich kann nicht verstehen, wie ihr Jehova Gott und Jesus Christus und den Kindern, die IHN LIEBEN, gegenüber ILLOYAL sein könnt. Hier sind die Kinder. Sie suchen Schutz und Rettung, wie es die oben angeführten Verse besagen. Ich kann nicht verstehen, wie ihr illoyal sein und dann noch ruhig schlafen könnt. 

Ich habe für euch alle nur einen Vorschlag. Er ist in Apostelgeschichte 5:34-39 zu finden. Ihr kennt ihn gut. „Männer von Israel (Älteste, leitende Körperschaft), nehmt euch in acht, was ihr hinsichtlich dieser Menschen (Bill Bowen, Joe und Barbara Anderson, Carl und Barbara Pandelo, Pat Garza und andere)   zu tun beabsichtigt … Und so sage ich euch unter den gegenwärtigen Umständen: Steht ab von diesen Menschen, und lasst sie gehen; (denn wenn dieses Unterfangen oder dieses Werk von Menschen ist, wird es umgestürzt werden, wenn es aber von Gott ist, werdet ihr sie nicht stürzen können); andernfalls mögt ihr vielleicht als solche erfunden werden, die in Wirklichkeit gegen Gott kämpfen.“ 

Wenn ihr euch auf die Seite der Organisation und der leitenden Körperschaft stellt – gegen unschuldige kleine Kinder und gegen Personen, die wie Bill Bowen versuchen, sie zu schützen –, stellt ihr euch in direkten Widerstand gegen Jehova Gott und Jesus Christus. Daran gibt es nichts zu rütteln. Es gibt keinen Weg, dass ihr in Übereinstimmung mit dem Heiligen Geist handelt. Ihr schließt euch vielmehr der leitenden Körperschaft im Kampf gegen die Führung des Heiligen Geistes an. 

Es gibt nur eine andere Seite, auf der ihr euch dann befinden könnt, Gott bewahre. Wir wissen, wessen Seite das ist. Der  einzige, dem ihr euch anschließen könnt, ist der, der Menschen hasst, die den Vater lieben. Nur Satan kann so böse und verschlagen sein, den Glauben dieser „Kleinen“ an den himmlischen Vater zu zerstören. Und auf dessen Seite wollt ihr doch wohl nicht sein! 

Ich bete, dass ihr das in Ordnung bekommt, und zwar sehr schnell, um der Kinder und um euer selbst willen ... um eures wie auch ihres ewigen Schicksals willen.   

Was sagt euch euer Gewissen während der Nacht? Wenn ihr euch elend fühlt, solltet ihr besser sehr schnell die Seiten wechseln, ehe es zu spät ist, sich aus einer sehr, sehr kranken und gefährlichen Lage zu befreien. (Vergleiche Offb. 18:5) Hört auf, auszuschließen, was Jehovas Heiliger Geist versucht, in euch zu wecken!! 

Ein letztes Mal muss ich sehr anschaulich schildern, worauf es mir in meinem Brief ankommt. Dies ist die Haltung, in der ich euch als Männer sehe, wenn ihr euch weigert, sofort eine Änderung vorzunehmen: 

Als ich noch ein Kind war, war meine Familie in eine Satanssekte verwickelt. Ein Mann, David Allen Napfino, versuchte mich zu retten. Statt dessen verlor er sein Leben. Sie packten ihn und hielten ihn nieder, während jemand anderer ein Messer packte und ihm durchs Herz stach und ihn sofort tötete. Man hat mich festgebunden und gezwungen zuzusehen. 

Tut ihr nicht dasselbe? Warum versucht ihr, mich und andere zu zwingen, dazustehen und zuzuschauen, wie ihr Bill Bowen, Barbara und Joe Anderson und andere niederhaltet, während die leitende Körperschaft ihnen vorsätzlich und wissentlich das Messer ins Herz stößt und sie umbringt? ‚Verleumdung ist Mord’.  (3. Mose 19:16)  Ein Gemeinschaftsentzug ist ein völliges Abschneiden, mutmaßlich in die ewige Vernichtung. Ihr seid des Mordes schuldig, wenn ihr diesem unschuldigen Mann die Gemeinschaft entzieht.                         

Ja, ihr seid in meinen Augen so schuldig wie meine Familienmitglieder; und ich habe keine Zweifel, dass ihr in Jehovas Augen ebenso schuldig sein werdet, wenn ihr JETZT nicht entschieden handelt, um die Kinder zu schützen, „während dies in der Macht eurer Hände liegt.“ Wenn ihr, wie ihr sagt, wahre Hirten Seiner Schafe seid, dann SCHULDET IHR ES den „Kleinen“. (Sprüche 3:27)   

Eure persönliche Schuld wird der Welt offenbar werden, wenn ihr immer noch weitermacht und Bill Bowen die Gemeinschaft entzieht, wenn ihr in diesem Punkt immer noch neben der leitenden Körperschaft steht, wenn ihr nicht helft, den guten Ruf von Bill, Barbara und anderen, den ihr in den Schmutz gezogen habt, wiederherzustellen. 

Jehova schaut zu, Jesus schaut zu, die Welt schaut zu, und ich schaue zu, was ihr in dieser höchst dringlichen und wichtigen Sache unternehmen werdet! Das, was ihr von heute ab tun wollt, könnt ihr nicht verbergen, und die leitende Körperschaft kann es auch nicht. 

Jesus sagte, was im Geheimen getan werde, werde von den Hausdächern herabgerufen.   

Von diesem Tag an weigere ich mich zuzulassen, dass die Politik der Organisation mich „festbindet“ und zum Schweigen bringt. (Vergleiche Gal. 5:1) Ich weigere mich, den Forderungen der Gesellschaft zu folgen und ruhig dabeizustehen, wenn noch mehr Kinder in Gefahr gebracht und sexuell belästigt werden. Dieses Mal WERDET IHR MICH NICHT daran hindern, die Stimme zu erheben und zu sagen, was ich weiß. Ich werde mich im größten Maße für sie einsetzen. Ich werde laut genug rufen, dass es den Himmel erreicht, und das WIRD mit Jehovas Hilfe geschehen. Wartet nur ab. 

Mit freundlichem Gruß

P G

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L. Rush Hunt 

ANWALT 

MADISONVILLE, KENTUCKY 42431

 23. August 2002  

Lee Stockwell

Ältestenschaft Draffenville

Versammlung der Zeugen Jehovas Draffenville

Postfach 778

Benton, Kentucky 42025 

Sehr geehrter Herr Stockwell, 

ich vertrete Bill Bowen, der aus der Versammlung der Zeugen Jehovas Draffenville ausgeschlossen wurde. Im Interesse von Herrn Bowen fordere ich, dass Sie Ihre Kommentare gegenüber der Paducah Sun, veröffentlicht in der Ausgabe vom Freitag, den 16. August 2002, widerrufen. Sie haben ausdrücklich gesagt, Bowens Anschuldigung, es habe in der örtlichen Versammlung einen Fall von Kindesmissbrauch gegeben, sei grundlos; Sie haben Bill Bowen als hinterhältig bezeichnet. Wie Sie wissen, war ein Fall von Kindesmissbrauch in Ihrer Ortsversammlung der Grund, dass Herr die unsachgemäße Behandlung von Kindesmissbrauch in allen Versammlungen der Zeugen Jehovas entdeckte. 

Es ist eine Sache, anzuzweifeln, ob Bowens Beschuldigung, auch in anderen Versammlungen gebe es Kindesmissbrauch, zutrifft – eine Tatsache, von der Sie nicht wissen können, ob sie stimmt oder nicht –, aber zu sagen, die Anschuldigung, es habe in Ihrer Ortsversammlung Kindesmissbrauch gegeben, sei grundlos, stimmt einfach nicht. Herrn Bowen zu diffamieren, indem Sie ihn als hinterhältig bezeichnen, wenn er einen Vorfall berichtet, der in Wirklichkeit stimmt, ist Rufmord. Bill Bowen kann sicher den Mann nennen, der verantwortlich war, und sagen, was er getan hat. Was Herr Bowen entdeckt hat, stammt aus Aufzeichnungen der Kirche, zu denen Sie Zugang haben, es sei denn, sie wurden vernichtet, als Herr Bowen mit der Sache an die Öffentlichkeit ging. 

Ich schlage Ihnen vor, zuerst juristischen Rat einzuholen, ehe Sie auf meinen Brief antworten. Aber danach erwarte ich einen angemessenen Widerruf von Ihnen im Namen der Kirche – sowohl gegenüber der Paducah Sun als auch gegenüber Herrn Bowen. 

Hochachtungsvoll 

L. Rush Hunt

LRH: tdm

*Stockwell hat nie geantwortet, und die Lokalzeitung druckte meine Erwiderung auf seine bösartigen Anschuldigungen. Ich beschloss, die Sache auf sich beruhen zu lassen, denn die Arbeit mit Silentlambs war mir wichtiger.

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Wachtturm-PR-Erklärung zur Connie-Chung-Show

Zur sofortigen Veröffentlichung 
14.
August 2002

ERKLÄRUNG

Wir verabscheuen den sexuellen Missbrauch an Kindern und werden keinen Täter vor den Folgen seiner großen und perversen Sünde schützen.

Wir erwarten, dass die Ältesten jeden mutmaßlichen Kindesmissbrauch untersuchen. Reuelose Übeltäter werden aus der Versammlung ausgeschlossen.

Es wird besondere Sorge getragen, dass den Opfern ständige Hilfe und Rat gegeben werden, damit sie mit dem Schmerz des Missbrauchs fertig werden. Älteste sollten ihnen nie sagen, dass sie mit ihren Beschuldigungen nicht zu den Behörden gehen sollten. 

Kontakt: J. R. Brown, Telefon: (718) 560-5600

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Heute war ein interessanter Tag. Wir haben ein weiteres Interview über Missbrauch beendet, und es wird bald gesendet. Wir kamen genau auf den Punkt, und durch die Aufklärung weiterer Menschen auf silentlambs wird die Botschaft in der Öffentlichkeit wach gehalten. Weitere Opfer haben die Gelegenheit, zu sprechen, und der Gesellschaft wird eine weitere Chance gegeben, die Wahrheit zu sagen. Ich möchte euch einen interessanten Teil des Interviews nahe bringen; vielleicht findet ihr ihn humorvoll.

Nachdem die Hauptaufnahmearbeit getan war, wurde entschieden, dass die Kameracrew de Interviewer und mich filmte, wie wir vor meinem alten Königreichssaal entlanggingen. Wir sollten reden und dabei vor dem Saal als Kulisse daher gehen. Wir filmten also den "Spaziergang", und an diesem Punkt beschlossen sie, von mir einen Schuss zu machen, wie ich vor dem Gehweg entlangfahre, aus meinem Truck aussteige und auf den Königreichssaal blicke. Nun war Samstag. Als wir um 11:20 anfingen, war noch nichts da, außer den Autos derer, die im Predigtdienst waren. Als wir den "Spaziergang" im Kasten hatten, was es mittags. Ahnt ihr schon, was jetzt kommt? Nun, etwa vier Autogruppen trafen langsam ein, und zuerst saßen sie in ihren Autos, als hätten sie Angst, auszusteigen. Es wurde ein paar Mal gefilmt, wie ich mit dem Auto heranfahre. Bald war es schon nach 15 Uhr, und die Autogruppen mussten etwas tun, also begannen sie, aus den Autos auszusteigen und nach Hause zu gehen. Obwohl es nicht geplant war, parkte ich meinen Truck auf bitten der Kameracrew direkt vor der Auffahrt auf der anderen Straßenseite, stieg aus, ging zur Vorderseite des Wagen und stand einfach da. Das Glück wollte es so, dass die Zeugen gerade da den Parkplatz zu verlassen begannen, als die Kamera anlief. Der erste Wagen fuhr raus, ich lächelte sie freundlich an und winkte. Man hat wohl nie so mürrische Gesichter gesehen, als sie zur anderen Seite blickten und wegfuhren. Dann kam das nächste Auto, noch eine Grimasse, als sie wegfuhren, dann wieder einer. Insgesamt fuhren fünf Autos weg, eins nach dem anderen, und ich stand da weniger als 10 Meter weit weg mit freundlichem Lächeln und Winken. Nicht einer winkte zurück, nicht einer lächelte. Jeder einzelne wurde gefilmt.

Die Geschichte hat aber noch eine Kehrseite, über die auch berichtet werden muss, und sie betrifft die Leute, die wegfuhren. Die erste war "P", eine Witwe, der ich ein neues Hau bauen half, als sie knapp mit Geld war, an deren Auto ich werkelte, wo ich zusah, dass ihr Rasen gemäht wurde, sie zahlte nie etwas für notwendige Reparaturen am Haus, wir kümmerten uns immer darum. Als sie umziehen musste, sah ich zu, dass man sich um Hilfe kümmerte, tätigte die Anrufe und bestellte die Einlagerung ihrer Habe und stellte sicher, dass die Wohnung, die sie verließ, sauber war. Ich hatte ihr bei familiären Problemen beigestanden, als ihr Mann noch lebte, und als er gestorben war, kam sie oft auf ein Gespräch und ein Bier vorbei. Ich habe viele Danksagungskarten von ihr, sowie ein Gemälde, das sie meiner Frau für all die Freundlichkeit ihr gegenüber gab. Jetzt existiere ich nicht, und sie konnte sich nicht einmal ein lächeln abkneifen, geschweige denn ein Winken.

Die zweite Schwester war "C". Sie ist eine jüngere Schwester, die viele gesundheitliche und seelische Probleme hatte. Als sie einen Suizidversuch unternahm, war ich es, der gerufen wurde und dafür sorgte, dass sie zur Vorsorge ins Krankenhaus kam. Ich kann die Male nicht zählen, wo wir einfach auf einen freundlichen Besuch hereinschneiten, um sie wissen zu lassen, dass sie uns am Herzen lag. Meine Frau schickte ihr oft Geschenke und Karten, sie lud sie auch zum Mitgehen ein, wenn sie in die Stadt ging, oder sie nahm sie einfach im Auto mit, dass sie einmal raus kam. Ich benachrichtige regelmäßig ihren Schwager, der eine Stunde entfernt lebte, wie es ihr ging, damit sie wussten, wann sie ihr näher sein sollten. Wieder viele Karten und manchmal ein Kuchen auf einem Sitz meines Autos nach der Zusammenkunft als Zeichen des Dankes für unsere Freundlichkeit. Ich kann verstehen, warum sie den Kopf hängen ließ und in die entgegengesetzte Richtung sah, als sie aus der Einfahrt fuhr, sie hatte auch Angst sie wurde beobachtet.

Die dritte Schwester war auch eine Witwe, bei der ich viele Stunden der Hilfe verbracht hatte. Als ihr Mann demenzkrank wurde und Windeln tragen musste, war ich einer von denen, die bei mehreren Gelegenheiten Abends zu ihr ging und die Windel wechselte. Hat jemand schon einmal einem 70-jährigen Mann eine Windel gewechselt? Das ist ganz sicher nicht wie bei einem Baby. Nachdem er gestorben war, half ich ihr bei der Organisation der Beerdigung und half die Brüder zusammenzubringen, die ihr beim Bau eines neuen Hauses beistanden, das sie besser würde versorgen können. Viele Male bin ich mit einem weiteren Bruder vorbeigekommen, um eine Bibelstelle zu lesen und sie wissen zu lassen, dass wir uns um sie kümmerten. Wann immer sie irgendeine Hilfe oder Reparatur benötigte, war oft ich es, den sie anrief, um sich der Sache anzunehmen oder dafür zu sorgen, dass man es tat. Sie ist Kunstmalerin, und es war sie, die ich darum bat, ein Bild für unseren neuen Königreichssaal zu malen. Ich bat sie, das so zu malen, wie sie sich den Königreichssaal auf einer paradiesischen Erde vorstellen würde. Es hängt heute immer noch im Königreichssaal. Ich habe mehrere Dankeskarten von ihr erhalten, und oft, wenn ich nach der Zusammenkunft zu meinem Auto ging, fand ich einen Laib selbst gebackenes Brot mit einer einfachen Notiz: "Danke für all deine harte Arbeit." Es war diese Schwester, die mich so verdrießlich ansah und wegschaute, als sie die Einfahrt herunterfuhr.

Das vierte Auto wurde von der zweiten Frau des Kinderschänders gefahren. Bis heute ist sie nicht von den Ältesten informiert worden, dass ihr Mann ein Kinderschänder ist. Ihr Mann sagte ihr, das sei alles Lüge und ich sei verrückt. Natürlich glaubt sie ihm. Ich glaube, sie vergisst, wie meine Frau sie unter ihre Fittiche nahm und ihr bis zum Abwinken mit Kleidung und anderen Dingen half. Sie erinnert sich nicht an die Arbeit, als ich ihnen half, ihr Haus zu renovieren, wo sie keinen Handwerker bezahlen konnte, oder an die Art, wie ich ihren Mann als Mitältesten behandelte und als neuen Ältesten in der Versammlung schulte, ehe ich sein Problem entdeckte. Wiederum bekamen wir viele Karten als Dank für die Mühe und die Hilfe für ihre Familie. Als sie aus der Einfahrt fuhr, sah es eher nach völligem Hass aus.

Die fünfte Person war ein 77-jähriger Bruder, einer meiner besten Freunde. Wir sprachen oft über viele Dinge, und ich habe ihn um seinen Rat gebeten. Ich ermutigte ihn, anderen die Hand zu reichen, und empfahl ihn als Dienstamtgehilfen. Als die anderen Brüder sich abfällig über seine Lehrfähigkeit äußerten, wies ich darauf hin, dass er ein guter Mensch sei und ein sehr besonnener Denker, wie zuverlässig er in den Zusammenkünften sei. Am Ende wurde er ernannt. Da sie auf einer anderen Straße hinter meinem Haus wohnen, ist mein Sohn oft zu Besuch zu im rüber gegangen, er war so eine Art Ersatzgroßvater, er und seine Mutter haben ihn und meine Tochter immer mit Süßigkeiten voll gestopft, wenn sie mal eben hereinschneiten -- ihr seht also, er war auch ihr Freund. Er war ein Heimwerker, und wenn jemand eine Reparatur brauchte, habe ich ihn oft angerufen, damit die Sache erledigt wurde. Er mochte es wirklich, Menschen zu helfen, und ist so ein guter, freundlicher Mensch. Es war seine Hilfe, um die ich bat, als eine Witwe Geld brauchte, um sich ein Haus zu kaufen und in die Nähe des Königreichssaales zu ziehen. Er lieh ihr das Geld und erledigte den ganze Papierkram, er gab mir einfach den Scheck und vertraute mir, dass ich mich der Sache annahm. Auf seine Bitte hin hat de Schwester nie erfahren, von wem das Geld kam. Er war es, der den Parkplatz nicht verlassen wollte, der nur einfach dasaß und in meine Richtung starrte. Es war, als hätte er Angst loszufahren, er wollte mich nicht direkt sehen, und wenn ich daran denke, dass er Dienstamtgehilfe war, kann ich verstehen, warum.

Ich liebte all diese Menschen und betrachtete sie über acht Jahre lang als meine Freunde. Ich hielt für sie Begräbnisreden, traute sie, war da, wenn sie krank waren, und versuchte, ein guter Hirte für die Versammlung zu sein. Ich beging nie ein Vergehen, mit dem ich Gottes Gesetz verletzte, doch als ich ausgeschlossen war, weil ich mich für den Schutz der Kinder aussprach, rief mich nicht einer aus der Versammlung an, um zu verstehen, warum. Anscheinend hat die Gesellschaft ihnen ordentlich zugesetzt und mich so sehr verteufelt, dass sie sich nicht mehr an die Person erinnern konnten, die einmal ihr Freund war.

Ich wiederum, glaube ich, habe eine gute Lektion gelernt über Liebe, die sich an Bedingungen festmacht, und wie schnell das Leben, das man sich aufgebaut hat, zerfallen kann, wenn man für das einsteht, was recht ist. Es ist ein gemischtes Gefühl aus Traurigkeit und Glücklichsein. Ich trauere um meine früheren Freunde, für die ich nicht mehr lebe, und doch bin ich froh, frei zu sein von der Angst, die Bedingungen nicht zu erfüllen, an die ihre Liebe geknüpft ist. Meine neuen Freunde sind bessere Freunde, die niemanden brauchen, der ihnen sagt, was sie denken sollen und mit wem sie befreundet sein dürfen. Sie sind aus etwas gröberem Holz geschnitzt, aber ich denke doch, dass niemand von ihnen, der mich wirklich kennt, je aus einem Parkplatz herausfahren würde, und ich stehe zehn Meter entfernt und bin für ihn tot.


William H. Bowen

silentlambs.org

 

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