Meine Gedanken

Der Kampf für das, was recht ist

31. Dezember 2002

Als ich die Ereignisse des letzten Jahres noch einmal Revue passieren ließ, brachte es mich zu dem einfachen obigen Kommentar. Dies ist die Basis, warum ich in der Position bin, in der ich heute bin. Der 31. Dezember markiert meinen einjährigen Jahrestag, nicht mehr als Ältester zu dienen. Dreiundvierzig Jahre meines Lebens waren einer Sache, für die ich mich oder meine Familie bereitwillig geopfert haben würde, gewidmet. Ich betrachtete mich oft als Ritter, der sein Schwert ergreifen und im Namen der Unschuld und für die Ehre des Königs bereit sein würde, sein Leben zu geben. Ich glaubte an zwei Wörter, die mir während meines Lebens folgten. Im Geschäft würde ich sie auf meine Visitenkarte setzen; jedes Mal wenn eine Entscheidung zu treffen war, würden diese zwei Wörter mich oft leiten. Bei vielen Gelegenheiten brachten mir jene zwei Wörter viel persönliche Härte, aber ich konnte mit den Bedingungen einverstanden sein, da es besser ist, zu befolgen, was jene zwei Wörter fordern, als mit den Ergebnissen zu leben, wenn man es nicht tut.

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Im Jahr 1992 wurde ich als Ältester wegen dieser zwei Wörter abgesetzt. Die Folgen waren verheerend. Ihr seht, im Jahr 1992 hat mein Kreisaufseher, Ken Purvis, eine Lüge über irgendeine Information verbreitet, die mehrere Leute verletzte. Wenn er die Wahrheit gesagt hätte, hätte das mehrere ernste Fehler entlarvt, die er gemacht hatte. Ich stand vor der Frage, mit seinen Lügen einverstanden zu sein und Ältester zu bleiben, oder die Wahrheit zu sagen und dafür abgesetzt zu werden, weil ich "eigensinnig" war. Wegen jener zweier Wörter, "Ehre" und "Integrität" hatte ich keine Wahl, als ich meine Entscheidung traf. Wie ich dem Sonderkomitee sagte, "würde ich lieber als Ältester abgesetzt, wenn ich die Wahrheit sage, als Ältester zu sein und mit einer Lüge einverstanden zu sein." Ich glaubte, dass Jehova es mir überlassen würde, und der Verlauf meines Lebens würde beweisen, wer der wirkliche Lügner war. Zwei Jahre später auf den Tag genau wurde ich als Ältester wieder ernannt. Drei Jahre später auf den Tag genau hatte ich eine Aufgabe bei einem Bezirkskongress.

Der Grund dafür, diese Geschichte mitzuteilen, ist, dass ich Einblick erlangte, wie die Wachtturm-Organisation funktioniert. Durch diese Erfahrung begann ich, die Art zu verstehen, in der korrupte Leute an hohen Stellen ungeschoren bei Fehlverhalten davonkommen konnten, sie logen sich einfach aus der Sache heraus. Obwohl ich zu dem Glauben kam, dass es viele korrupte Leute an hohen Stellen innerhalb der Organisation gab, glaubte ich auch, dass es gute Kerle gab, die Ehre und Integrität hatten. Letztlich glaubte ich, dass sie helfen konnten, dass das Recht vorherrschte. Am 31. Dezember des letzten Jahres gab es in meinem Herzen einen Funken dieser Hoffnung, weil ich weiter meinen Weg ging. Wie ich hier sitze und dies heute schreibe, habe ich ein viel klareres Bild.

Im Herbst 2000 wurde meine Anstrengung, ein Kind zu schützen, durch Wachtturm-Anweisungen, basierend auf Wachtturm-Politik, beendet. Als Ältester versuchte ich vier Monate lang, die Dinge innerhalb der Organisation zu erledigen, und ich stieß vor eine Wand. Dies veranlasste mich, das Problem landesweit zu untersuchen. Wurden Bemühungen anderer Ältester vereitelt, wenn sie sich darum bemühten, Kinder in ihren Versammlungen der Zeugen Jehovas zu schützen, wie ich es in Kentucky zu tun versuchte? Es störte mich bis zu dem Punkt, wo ich einen Protestbrief gegen das, was diese Wachtturm-Politik Kindern antat, schrieb und als Vorsitz führender Aufseher zurücktrat. Ich sandte eine Kopie an die Rechts- und die Dienstabteilung des Hauptbüros und auch an die leitende Körperschaft. Dies war Mitte Dezember. Am 29. bekam ich meine Antwort direkt vom Kreisaufseher, als als er beiläufig am Ende einer Ältestenbesprechung sagte: "Oh ja, Bruder Bowen, wir akzeptieren deinen Rücktritt." Nicht ein Wort des Rats; nicht ein Versuch, mich zu ermutigen, für eine Lösung als Ältester zu arbeiten. Die folgende Woche war ich in den Sechs- und Zehnuhrnachrichten als auch auf der Titelseite der örtlichen Zeitung. Vier Älteste baten darum, mich zu treffen, von denen drei Vorsitz führende Aufseher in ihren jeweiligen Versammlungen waren. Sie hatten im Grunde einen einfachen Auftrag - einen Grund zu finden, mich wegen Abtrünnigkeit auszuschließen und mir zu sagen, dass die Wachtturm-Politik sich nie ändern würde. Auf diese Art würde mich dies davon abhalten, noch mehr in der Sache die Stimme zu erheben. Es funktionierte nicht.

So begann der "Kampf für das, was recht ist", und was für ein Kampf es war, wo die Wachtturm-Gesellschaft jedes schmutzige Kunststück machte, das möglich war, meine Familie und mich zum Schweigen zu bringen und zu bestrafen. Um einige aufzuführen:

  1. Mir wurden volle Einschränkungen auferlegt; als ich schriftlich die Basis dafür in Frage stellte, brauchten sie vier Wochen, mich zu informieren, dass ich wirklich keine Einschränkungen hatte.
  2. Die Wachtturm-Gesellschaft schickte einen Hilfskreisaufseher, um eine besondere Ansprache über örtliche Bedürfnisse zu halten mit einem einfachen Ziel - mich so sehr zu verteufeln, dass jeder Angst hätte, mit mir über das Thema zu reden. Ich erinnere mich an seine ersten Worte, die ungefähr lauteten: "Die Person, die an die Medien ging, hat gegen Gott gesprochen."
  3. Die Brüder, die Aufgaben in der Zusammenkunft hatten, wurden informiert, mich nicht aufzurufen. Als ich mich darüber erkundigte, wurde mir gesagt, dass ich gern jederzeit einen Kommentar geben dürfte.
  4. Die Brüder am Literaturtisch wurden angewiesen, keine Literaturbestellungen ausfindig zu machen, die ich aufgab.
  5. Die Brüder am Zeitschriftentisch wurden angewiesen, meine Zeitschriften zu verschenken.
  6. Die Brüder konnten nicht einen Königreichsdienst für mich finden, während jeder sonst einen hatte.
  7. Am Ende Januar flogen Mitglieder des Wachtturm-Informations-Büros nach Missouri, um ein Interview mit meinen Eltern aufzuzeichnen. Sie zeichneten über zwei Stunden auf Band auf, doch war der einzige Teil, den sie verwenden wollten, der, wo mein Vater erklärte: "Mein Sohn sagt einfach nicht die Wahrheit." Dies wurde allen örtlichen Zeitungen und Fernsehsendern als Widerlegung dessen zugespielt, was ich sagte.
  8. Wenn ich zum Predigtdiensttreffen ging, hat der Leiter mich allein in ein Auto gesetzt und ohne Predigtdienstgebiet.
  9. Die Brüder wiesen die Versammlung an, mich als Ausgeschlossenen zu behandeln; als ich Zusammenkünfte besuchte, hat niemand mit mir gesprochen, und ich musste ihre schmutzigen Blicke erdulden..
  10. Jedes Mal, wenn örtliche Zeugen meine Familie an öffentlichen Orten trafen, wurde auch sie als ausgeschlossen behandelt.
  11. Die Brüder weigerten sich, eine Erklärung für die oben genannte Handlungsweise zu geben, wenn sie gefragt wurden; die ganze Zeit über blieb ich ein Zeuge in gutem Stand.

Folglich löschten die Taten von diesen superfeinen Ältesten jeden Funken von Hoffnung, den ich hegte, dass die guten Leute irgendeine wichtige Maßnahme ergreifen würden. An mich wandten sich sogar von Personen in hohen Stellen im Bethel, die mir Unterstützung anboten, doch nichts taten, um etwas an der Wachtturm-Kindesmissbrauchspolitik zu ändern. Die Belastungsgrenze für mich war im Juni dieses Jahres erreicht, als die örtlichen Ältesten beschlossen, den Kinderschänder wieder auf die Bühne zu lassen. Als ich sie damit konfrontierte, wurde ich im Grunde aufgefordert, zum Teufel zu gehen. Ich besuchte sechs Monate lang die Zusammenkünfte unter den oben genannten Bedingungen, während der Kinderschänder mit Unterstützung der ganzen Versammlung fleißig Kommentare gab. Ihr seht, dass mir durch die Wachtturm-Politik sogar verboten wurde, seine Frau zu informieren, dass er ein Pädophiler war. Während ich ihn bei der Polizei anzeigte, informierten die örtlichen Ältesten die Versammlung, dass ich aus einer Mücke einen Elefanten machte. In einem gewissen Maß begann ich zu verstehen, wie ein Opfer sich fühlen muss, wenn es als schweigendes Lamm lebt, da ich beobachtete, dass der Pädophile die Gunst der Versammlung genoss. Die Geschichten der Opfer, die zu Hunderten hereinkamen, bestätigten, wie sie schweigende Lämmer waren, und warum sie viel schlechter als ich für den Versuch behandelt wurden, Hilfe zu bekommen. Dies erinnert mich an die Schriftstelle im Korintherbrief, die lautet: "Wenn nun jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Hölzer, Heu, Stoppeln baut, so wird eines jeden Werk offenbar werden, denn der Tag wird es zeigen, weil er durch Feuer geoffenbart werden wird; und das Feuer selbst wird erproben, von welcher Art das Werk eines jeden ist." (1. Korinther 3:12-13 )

Ich erinnere mich an die Anwendung, die dieser Bibelstelle in einer Ansprache gegeben wurde: Das "Feuer" beweist, woraus wir wirklich gemacht sind, wenn wir uns mit Not konfrontiert sehen. Wenn man diese Schriftstelle umdreht und sie auf die leitende Körperschaft anwendet, beweisen dann die Ereignisse des letzten Jahres, woraus sie gemacht wurden? Glauben diese Männer wirklich, dass Gott ihnen erlaubt, Kinder folgenlos zu verletzen?

Die Antwort erinnert an die Schriftstelle im Römerbrief: "Aber gemäß deiner Härte und deinem reuelosen Herzen häufst du dir selbst Zorn auf am Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes. Und er wird einem jeden nach seinen Werken erstatten: ewiges Leben denen, die durch Ausharren im Wirken des Guten Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen; für die aber, die streitsüchtig sind und die der Wahrheit nicht gehorchen, sondern der Ungerechtigkeit gehorchen, wird es Zorn und Grimm geben, Drangsal und Bedrängnis über die Seele jedes Menschen, der das Schlechte wirkt, zuerst des Juden und auch des Griechen; dagegen Herrlichkeit und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, zuerst dem Juden und auch dem Griechen. Denn bei Gott gibt es keine Parteilichkeit." (Römer 2:5-11)

Anscheinend ist die Anwendung dieser Bibelstelle, dass Gott für niemanden eingenommen ist; wenn du schlechte Dinge machst und Kinder verletzt, glaube ich nicht, dass Gott es wegen der Unvollkommenheit des Menschen übersehen würde. Wie es in Römer 13:10 heißt: "Die Liebe fügt dem Nächsten nichts Böses zu; daher ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes." Wie kann es von Liebe zeugen, wenn man eine Politik in Kraft setzt, die zulässt, dass Kinder missbraucht werden?

Mehrfach hat die Wachtturm-Gesellschaft die Bibelstelle in Apostelgeschichte über Gamaliel zitiert und sie zu ihren Gunsten auf den Umgang mit der Angelegenheit von Silentlambs angewandt. Ich biete euch an, die Verse zu überprüfen.

"Als sie das hörten, fühlten sie sich zutiefst verletzt und wollten sie umbringen. Doch stand jemand im Sanhedrin auf, ein Pharisäer namens Gamaliel, ein Gesetzeslehrer, der beim ganzen Volk geachtet war, und gab den Befehl, die Männer für eine kleine Weile hinauszutun. Und er sprach zu ihnen: 'Männer von Israel, nehmt euch in acht, was ihr hinsichtlich dieser Menschen zu tun beabsichtigt. Zum Beispiel stand vor diesen Tagen Theudas auf, der sich für etwas Besonderes ausgab, und eine Anzahl Männer, etwa vierhundert, schlossen sich seiner Partei an. Er wurde aber umgebracht, und alle, die ihm gehorchten, wurden zerstreut und wurden zunichte. Nach ihm, in den Tagen der Einschreibung, stand Judas, der Galilaer, auf, und er zog Leute hinter sich her. Und doch kam dieser um, und alle, die ihm gehorchten, wurden weithin zerstreut. Und so sage ich euch unter den gegenwärtigen Umständen: Steht ab von diesen Menschen, und laßt sie gehen (denn wenn dieses Unterfangen oder dieses Werk von Menschen ist, wird es umgestürzt werden; wenn es aber von Gott ist, werdet ihr sie nicht stürzen können); andernfalls mögt ihr vielleicht als solche erfunden werden, die in Wirklichkeit gegen Gott kämpfen.' Da hörten sie auf ihn, und sie riefen die Apostel herein, peitschten sie aus und befahlen ihnen, nicht mehr aufgrund des Namens Jesu zu reden, und ließen sie gehen." (Apostelgeschichte 5:33-40)

Es könnte scheinen, dass die Anwendung der Schriftstelle auf die Wachtturm-Gesellschaft die wäre, die Sache tief zu hängen und vorüberziehen zu lassen. Doch ich sehe, dass sie tatsächlich gegen Gott kämpfen könnten, und wenn das so ist, hätten diese Männer nicht mehr den Segen, in ihren Entscheidungen von Gottes Heiligem Geist geleitet zu werden.

Jesus sprach über derartige Männer und verwendete ein Wort, um sie zu beschreiben. In Matthäus 15:6-9 sagte er: "Ihr Heuchler, treffend hat Jesaja von euch prophezeit, als er sagte: 'Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich bringen sie mir fortwährend Anbetung dar, weil sie als Lehren Menschengebote lehren.'"

Jesus gab eine weitere Beschreibung: "Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr den Zehnten gebt von der Minze und dem Dill und dem Kümmel; aber ihr habt die gewichtigeren Dinge des GESETZES außer acht gelassen, nämlich das Recht und die Barmherzigkeit und die Treue. Diese Dinge hätte man tun, die anderen Dinge jedoch nicht außer acht lassen sollen. Blinde Leiter, die ihr die Mücke aussiebt, das Kamel aber hinunterschluckt! Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reinigt, innen aber sind sie mit Raub und Unmäßigkeit gefüllt. Blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr getünchten Gräbern gleicht, die zwar von außen schön scheinen, innen aber voll von Totengebeinen und jeder Art Unreinheit sind. So erscheint auch ihr von außen zwar vor Menschen gerecht, im Innern aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit." (Matthäus 23:23-28)

Dies ist eine umfassende Beschreibung dessen, was Jesus einen Heuchler nannte. Unter diesem Wort wird im Einsichten-Buch eine weitere Beschreibung gegeben:

*** it-1 S. 1150-1151 Heuchler ***

Jemand, der vorgibt, etwas zu sein, was er nicht ist; jemand, dessen Handlungen nicht mit seinen Worten übereinstimmen.

In manchen Übersetzungen werden Wörter, die von der hebräischen Wurzel chanéph abgeleitet sind, mit „Heuchler" oder „heuchlerisch" wiedergegeben, z. B. in den Übersetzungen von Allioli und Zunz und in der King James Version. Für dieselben Wörter werden jedoch auch verschiedene andere Ausdrücke verwendet wie „ruchlos" (EB; EÜ), „gottlos" (Her; Lu) und „abtrünnig" oder „Abtrünniger" (NW). Gemäß dem Werk A Hebrew and English Lexicon of the Old Testament von F. Brown, S. R. Driver und C. A. Briggs (1980, S. 337, 338) läßt sich chanéph, adjektivisch gebraucht, als „profan, irreligiös . . ., gottlos" definieren (vgl. C. Siegfried und B. Stade, Hebräisches Wörterbuch zum Alten Testamente, Leipzig 1893, S. 213) und, verbal gebraucht, als „verunreinigt sein, entweihen . . ., zum Abfall bewegen" (siehe auch Wilhelm Gesenius, Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch, 17. Auflage, unveränderter Nachdruck 1962, S. 246). chanéph erscheint in der Bibel als Parallele oder Entsprechung zu denen, die Gott vergessen (Hi 8:13), den Bösen (Hi 20:5) und Übeltätern (Jes 9:17) und wird den Rechtschaffenen und Unschuldigen gegenübergestellt (Hi 17:8; siehe ABFALL, ABTRÜNNIGKEIT).

Das mit „Heuchler" wiedergegebene griechische Wort (hypokritēs) bedeutet „der Antwort gibt" sowie „Schauspieler". Griechische und römische Schauspieler bedienten sich großer Masken mit Vorrichtungen zur Verstärkung der Stimme. Daher wurde das griechische Wort hypokritēs mit der Zeit im übertragenen Sinn auf Personen angewandt, die ein falsches Spiel trieben oder sich verstellten. Das gleiche Wort erscheint in der Septuaginta in Hiob 34:30; 36:13. Heuchler sind „Untreue" (vgl. Luk 12:46 mit Mat 24:51), und das Wort „Heuchelei" (hypókrisis), wie es in der Bibel gebraucht wird, kann auch auf „Bosheit" und „List" hindeuten. (Vgl. Mat 22:18; Mar 12:15; Luk 20:23; siehe auch Gal 2:13, wo hypókrisis mit „Verstellung" wiedergegeben wird.)

Jesus Christus bezeichnete die als Heuchler, die in auffälliger Weise Gaben der Barmherzigkeit spenden, die beten und fasten, um von den Menschen gesehen zu werden, und die ihre Brüder wegen strohhalmähnlicher Fehler ständig kritisieren, aber nichts unternehmen, um ihre eigenen balkenähnlichen Fehler abzulegen. Er stufte ferner diejenigen als Heuchler ein, die behaupteten, Diener Gottes zu sein, die aber die Bedeutung der Zeit, in der sie lebten, und der Ereignisse, die sich abspielten, nicht erkannten, obwohl sie aufgrund des Aussehens der Erde und des Himmels ohne weiteres sagen konnten, wie das Wetter sein würde (Mat 6:2, 5, 16; 7:1-5; Luk 6:42; 12:54-56).

Der Sohn Gottes stellte während seines irdischen Lebens die geistlichen Führer Israels nicht nur öffentlich als Heuchler bloß, sondern er gab auch den Grund für diese Bloßstellung an. Sie dienten Gott, dem Schöpfer, lediglich mit den Lippen und machten sein Wort um ihrer Überlieferungen willen ungültig (Mat 15:1, 6-9; Mar 7:6, 7). Ihre Handlungen stimmten nicht mit ihren Worten überein (Mat 23:1-3). Nicht genug damit, daß die Schriftgelehrten und Pharisäer die Gelegenheit, in das Königreich der Himmel einzugehen, geflissentlich ignorierten, suchten sie auch andere daran zu hindern und fügten so zu ihrer Sünde noch hinzu. Sie scheuten keine Anstrengung, um jemand zu bekehren, machten ihn dadurch aber lediglich zu einem Gegenstand für die Gehenna, doppelt so schlimm wie sie selbst. Die geringfügigeren Vorschriften des Gesetzes hielten sie peinlich genau ein, aber die gewichtigeren Dinge — Recht, Barmherzigkeit und Treue — ließen sie außer acht. Durch ihre Heuchelei erweckten sie äußerlich den Anschein, rein zu sein, während sie innerlich voller Unmäßigkeit waren. Vergleichbar mit schön anzusehenden getünchten Gräbern, erschienen sie zwar vor Menschen gerecht, im Innern aber waren sie „voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit". Sie bauten die Gräber der Propheten und schmückten die Gedächtnisgrüfte der Gerechten und behaupteten, daß sie deren Blut nicht vergossen hätten, wenn sie zu jener Zeit gelebt hätten. Ihre Handlungsweise bewies indes, daß sie keineswegs besser waren als ihre mordgierigen Vorväter (Mat 23:13-36). Die Lehre der Pharisäer und Sadduzäer war in Wirklichkeit Heuchelei (Mat 16:6, 12; Luk 12:1; siehe auch Luk 13:11-17).

Ein typisches Beispiel für Heuchelei war das Vorgehen der Jünger der Pharisäer und der Parteianhänger des Herodes, die zu Jesus kamen und ihn über die Steuer befragten. Zuerst schmeichelten sie ihm, indem sie sagten: „Lehrer, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst." Dann stellten sie ihm die verfängliche Frage: „Ist es erlaubt, Cäsar Kopfsteuer zu zahlen, oder nicht?" Mit Recht bezeichnete Jesus sie als Heuchler, denn sie waren in Wirklichkeit nicht daran interessiert, eine Antwort auf ihre Frage zu erhalten, sondern sie hatten sie lediglich gestellt, um Jesus in seiner Rede zu fangen (Mat 22:15-22; Luk 20:19-26; BILD, Bd. 2, S. 544).

Eine heuchlerische Handlungsweise bleibt nicht für immer verborgen (Luk 12:1-3). Heuchler werden von Gott als des ewigen Lebens unwürdig verurteilt (Mat 24:48-51). Daher sollten die Liebe und der Glaube eines Christen ungeheuchelt sein (Rö 12:9; 2Ko 6:4, 6; 1Ti 1:5). Die Weisheit von oben ist nicht heuchlerisch (Jak 3:17).

"Heuchler!" Welches bessere Wort gibt es im Licht der obigen Definition, um die leitenmde Körperschaft zu beschreiben, die behaupten, dass sie eine von Liebe geführte Bruderschaft leitet, sich aber weigert, irgendeine Verbesserung vorzunehmen, um Kinder zu schützen und Unterstützung für Opfer anzubieten. Ihre vorsätzliche Handlungsweise beweist, dass sie Heuchler sind.

Es ist interessant zu bemerken, dass in der Heiligen Schrift, die die Grundlage der Autorität für den "treuen und verständigen Sklaven" legt, das Wort Heuchler erwähnt ist. Lies es selbst:

"Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave, den sein Herr über seine Hausknechte gesetzt hat, um ihnen ihre Speise zur rechten Zeit zu geben? Glücklich ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei der Ankunft so tuend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen. Wenn aber jener übelgesinnte Sklave je in seinem Herzen sagen sollte: ‚Mein Herr bleibt noch aus‘ und anfangen sollte, seine Mitsklaven zu schlagen, und mit den Gewohnheitstrinkern essen und trinken sollte, wird der Herr jenes Sklaven an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn mit der größten Strenge bestrafen und wird ihm sein Teil mit den Heuchlern zuweisen. Dort wird [sein] Weinen und [sein] Zähneknirschen sein." (Matthäus 24:45-51)

In Jesu Einschätzung waren Heuchler die niedrigste Form der Menschheit, etwas, dem der "böse Sklave" zugeteilt werden würde. Diese Bibelstelle ist oft auf mich als der "böse Sklave" angewandt worden, der seine Brüder schlägt. Sie sagen, ich "schlage" sie durch das Erwähnen dieser Sache, weil es den Zeugen Jehovas ein schlechtes Image gebe. Wie interessant, dass das Einsichten-Buch den folgenden Punkt unter "Schlagen" erwähnt:

*** it-2 S. 849 Schlagen ***

Jesus sagte zu seinen Jüngern, daß sie um seines Namens willen in den Synagogen geschlagen würden (Mar 13:9). Diese Prophezeiung erfüllte sich unzählige Male. Einige Apostel wurden festgenommen und vor den jüdischen Sanhedrin gebracht, und nachdem sie sich geweigert hatten, ihre Predigttätigkeit einzustellen, wurden sie ausgepeitscht (Apg 5:40). Saulus, der später der Apostel Paulus wurde, war vor seiner Bekehrung ein schlimmer Verfolger der Christen; er ließ sie ins Gefängnis bringen und in einer Synagoge nach der anderen auspeitschen (Apg 22:19). Das in diesen Berichten verwandte griechische Verb (dérō) ist mit dérma (‘Haut’; Heb 11:37, Int) verwandt und bedeutet eigentlich „schinden", „häuten". (Vgl. Luk 12:47, Int.)

Es scheint, dass viele Schläge von der leitenden Körperschaft kommen, weil sie die Schreie der schweigenden Lämmer ignoriert. Ausserdem ist sie es durch ihre Untätigkeit, die jene schlägt, die die Schwächsten und die Hilflosesten in der Organisation sind. Also, frage ich euch, ist die leitende Körperschaft gemäß ihren Taten der "guten" Sklave oder der "bösen"?

Ein anderer Bereich, der von grossem Interesse gewesen ist, sind die Verfälschung und die groben Lügen, die von Wachtturm-Vertreternin dieser Angelegenheit verbreitet worden sind. Wieder zum Einsichten-Buch, wo Lüge definiert ist:

*** it-2 S. 236-237 Lüge ***

Das Gegenteil von Wahrheit. Das Lügen schließt im allgemeinen eine Falschaussage gegenüber einer Person ein, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen, mit der Absicht, sie oder jemand anders zu täuschen oder ihr bzw. dem anderen zu schaden. Es gibt nicht nur Lügen, die ausgesprochen werden. Eine Lüge kann sich auch in einer Handlungsweise ausdrücken, d. h., jemand mag ein Doppelleben führen. Das hebräische Verb, das den Gedanken von „Unwahrheit reden" vermittelt, lautet kasáv (Spr 14:5). Ein anderes hebräisches Verb, schaqár, bedeutet „falsch handeln", und die Substantivform wird mit „Lüge", „Täuschung", „Falschheit" wiedergegeben (3Mo 19:11; Ps 44:17; 3Mo 19:12; Ps 33:17; Jes 57:4). Der hebräische Ausdruck schaw´ ist zuweilen mit „Unwahrheit", „falsche Aussage" übersetzt worden und bezeichnet im Grunde etwas Wertloses, Vergebliches (Ps 12:2; 5Mo 5:20; Ps 60:11; 89:47; Sach 10:2). Das hebräische Verb kachásch (betrügen) hat offensichtlich die grundlegende Bedeutung von „[ent]täuschen" (3Mo 19:11; Hos 9:2). Der griechische Ausdruck pseu-dos und verwandte Wörter stehen mit Lügen und Falschheit in Zusammenhang.

Der Vater oder der Urheber der Lüge ist Satan, der Teufel (Joh 8:44). Dadurch, daß er durch eine Schlange die erste Frau, Eva, belog, brachte er schließlich den Tod über sie und ihren Mann Adam (1Mo 3:1-5, 16-19). Diese erste Lüge wurzelte in der Selbstsucht und in einem bösen Verlangen. Der Lügner, der sich als ein Engel des Lichts, ein Wohltäter, darstellte, wollte mit seiner Lüge bewirken, daß das erste Menschenpaar anfangen würde, ihn zu lieben und ihm zu gehorchen. (Vgl. 2Ko 11:14.) Alle anderen böswilligen Lügen, die seit jener Zeit ausgesprochen worden sind, spiegeln ebenfalls Selbstsucht und ein böses Verlangen wider. Es wurde gelogen, um einer verdienten Strafe zu entgehen, auf Kosten anderer einen Nutzen oder gewisse Vorteile zu haben, in materieller Hinsicht einen Lohn zu erhalten oder von Menschen gelobt zu werden.

Besonders schwerwiegend sind Lügen auf religiösem Gebiet gewesen, denn sie haben das zukünftige Leben von Personen gefährdet, die auf diese Weise irregeführt worden sind. Jesus Christus sagte: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr das Meer und das trockene Land durchreist, um einen einzigen Proselyten zu machen, und wenn er es wird, macht ihr ihn zu einem Gegenstand für die Gehenna, doppelt so schlimm wie ihr selbst" (Mat 23:15). Wird Gottes Wahrheit mit „der Lüge", der Falschheit des Götzendienstes, vertauscht, so kann jemand veranlaßt werden, etwas zu treiben, was entwürdigend und schändlich ist (Rö 1:24-32).

Der Fall der religiösen Führer des Judaismus in der Zeit des irdischen Dienstes Jesu zeigt, was geschehen kann, wenn jemand die Wahrheit verläßt. Sie planten, Jesus zu Tode zu bringen. Als er dann auferstanden war, bestachen sie die Soldaten, die das Grab bewachten, die Wahrheit zu verschweigen und über das Verschwinden des Leichnams Jesu eine Lüge zu verbreiten (Mat 12:14; 27:1, 2, 62-65; 28:11-15; Mar 14:1; Luk 20:19).

Jehova Gott kann nicht lügen (4Mo 23:19; Heb 6:13-18), und er haßt eine „falsche Zunge" (Spr 6:16-19). Sein Gesetz, das er den Israeliten gegeben hatte, forderte, daß Schaden, der durch Betrug oder bösartiges Lügen entstanden war, wiedergutgemacht wurde (3Mo 6:2-7; 19:11, 12). Und wer falsche Zeugenaussagen machte, mußte die Strafe erhalten, die er durch seine Lügen über jemand anders bringen wollte (5Mo 19:15-21). Gottes Standpunkt über das bösartige Lügen, wie er ihn im Gesetz zum Ausdruck bringt, hat sich nicht geändert. Diejenigen, die sein Wohlgefallen erlangen möchten, dürfen es sich nicht zur Gewohnheit machen zu lügen (Ps 5:6; Spr 20:19; Kol 3:9, 10; 1Ti 3:11; Off 21:8, 27; 22:15). Sie dürfen kein Doppelleben führen, indem sie behaupten, Gott zu lieben, aber ihren Bruder hassen (1Jo 4:20, 21). Ananias und seine Frau verloren ihr Leben, weil sie dem heiligen Geist gegenüber ein falsches Spiel trieben (Apg 5:1-11).

Doch Personen, die im Affekt eine Lüge äußern, machen sich nicht automatisch einer unvergebbaren Sünde schuldig. Der Fall des Petrus, der Jesus dreimal verleugnete, zeigt, daß Gott einem wirklich reumütigen Menschen vergeben wird (Mat 26:69-75).

Bösartiges Lügen wird zwar in der Bibel deutlich verurteilt, aber das bedeutet nicht, daß man verpflichtet ist, jemandem wahrheitsgemäß irgendwelche Informationen zu geben, die zu erhalten er kein Recht hat. Jesus Christus gab den Rat: „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie sie nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen" (Mat 7:6). Deshalb hielt sich Jesus bei gewissen Gelegenheiten zurück, eine vollständige Auskunft zu geben oder gewisse Fragen direkt zu beantworten, wenn er dadurch unnötigen Schaden angerichtet hätte (Mat 15:1-6; 21:23-27; Joh 7:3-10). Zweifellos muß die Art und Weise, wie Abraham, Isaak, Rahab und Elisa handelten, als sie Personen, die keine Anbeter Jehovas waren, irreführten oder ihnen gewisse Tatsachen verschwiegen, ebenso beurteilt werden (1Mo 12:10-19; Kap. 20; 26:1-10; Jos 2:1-6; Jak 2:25; 2Kö 6:11-23).

Jehova Gott läßt den Personen, die die Unwahrheit bevorzugen, eine „Wirksamkeit des Irrtums zugehen, damit sie der Lüge glauben" und nicht der guten Botschaft über Jesus Christus (2Th 2:9-12). Dieser Grundsatz wird durch das veranschaulicht, was Jahrhunderte zuvor im Falle des israelitischen Königs Ahab geschah. Propheten, die die Unwahrheit sagten, sicherten Ahab im Krieg gegen Ramoth-Gilead Erfolg zu, während Jehovas Prophet Michaja Unglück vorhersagte. Jehova hatte Michaja in einer Vision offenbart, daß er einem Geistgeschöpf erlaubte, ein „trügerischer Geist" im Mund der Propheten Ahabs zu werden. Das bedeutete, daß das Geistgeschöpf Macht über sie ausübte, so daß sie nicht die Wahrheit sagten, sondern das, was sie selbst sagen wollten und was Ahab von ihnen hören wollte. Obwohl Ahab zuvor gewarnt worden war, zog er es vor, sich durch ihre Lügen betören zu lassen; und das mußte er mit dem Leben bezahlen (1Kö 22:1-38; 2Ch 18).

Wie könnten jene, die die Wachtturm-Gesellschaft vertreten, das Obige lesen und rechtfertigen, dass sie lügen, um eine Politik zu unterstützen, die zulässt, dass Kinder missbraucht werden? Sind dies einfach dumme Männer oder sind sie ganz gottlos? Die Antworten auf diese Fragen haben viele, mit denen ich Gespräche gehabt habe, der Frage geführt: "Wohin sonst können wir gehen?" Dies umschreibt natürlich eine Aussage Jesu vor seinen Jüngern, als sie vor der Wahl standen, ihn zu verlassen. Ich habe im letzten Jahr oft an diese Aussage gedacht. Vor zwei Wochen fand ich eine einfache Antwort in der Geschichte von "Dumbo."

Das mag der Leser zwar nicht auf Anhieb verstehen, seid deshalb bitte geduldig, während ich es erkläre. Die Geschichte von Dumbo geht über einen kleinen Elefanten, der äußerst große Ohren hatte. Während ihn seine Mutter sehr liebte, machten sich alle anderen über seine Verunstaltung lustig. Einen Tag als Gag überzeugte ein Zirkusaffe Dumbo davon, wenn er eine Zauberfeder in seinem Rüssel halten und seine Ohren spitzen könnte, dann könnte er fliegen. Es funktionierte. Als Teil des Zirkusprogramms wurde Dumbo über Nacht zur Sensation. Er war der einzige fliegende Elefant auf der Welt. Dumbo hatte jetzt eine Menge Freunde. Solange er seine Zauberfeder hatte, würde er berühmt bleiben. Eines Tages wurde ein hoher Turm gebaut, damit Dumbo hinunter springt. Doch als er an die Spitze kam, entdeckte er, dass er seine Zauberfeder verloren hatte. Als er herunterzukommen versuchte, hielt ihn der Affe an und sagte, dass die Zauberfeder eine vollständige Lüge war. Er sagte, dass die Kraft zu fliegen allein mit Dumbo zusammenhing; die Feder war nicht mehr als eine Stütze, die er benutzte, um Vertrauen in seinen Flugversuch zu bekommen. Dumbo weigerte sich, zu glauben, dass es so war, aber als er versuchte, von der Plattform herabzukommen, rutschte er aus und fiel hinunter. Weil er wusste, dass es entweder Fliegen oder Sterben hieß, spitzte Dumbo seine Ohren und entdeckte schnell, dass er ohne die "Zauberfeder" fliegen konnte. Die Kraft zu fliegen lag in ihm selbst. Jetzt wusste er, dass er über die Feder belogen worden war.

Wie findet das Anwendung auf die Frage: "Wohin gehen wir von hier?" Was ich in den letzten zwölf Monaten gelernt habe, ist, dass man, um in Ehre und Integrität zu leben, nicht Ältester, Dienstamtgehilfe oder auch nur Verkündiger sein muss. Ich bin in dem, was im letzten Jahr geschafft worden ist, viel glücklicher als in meinen zwanzig Jahren als Ältester. Ihr seht, dass ich davon überzeugt war, wenn ich nicht die "Zauberfeder" des Wachtturm-Einverständnisses hatte, konnte ich kein guter Mensch sein oder ein erfülltes Leben haben. Ich habe jetzt für ein Jahr lang ohne Wachtturm-Billigung gelebt und stelle fest, dass ich viel glücklicher bin, wenn ich für die Wahrheit und das, was richtig ist, kämpfe. Ich kann nicht mehr die Gemeinschaft von einfachen Verkündigern vertragen, die blind die Wachtturm-Führung verteidigen und unterstützen, eine Führung, die Pädophile schützt und Kinder verletzt.

Um dieses weiter zu erläutern: Vor kurzem ging de Wachtturm-Gesellschaft an Medienleute außerhalb der Organisation heran und versuchte, mit dem als Grundlage, was mit mir im Jahr 1992 geschah, meine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Die Wachtturm-Gesellschaft vergaß, in Betracht zu ziehen, dass die Medien sich wegen der aufgeworfenen Frage mehr als wahrscheinlich an mich wenden würden. Als ich die Angelegenheit erklärte, rief ich die Wachtturm-Gesellschaft an und bat darum, mit der Person zu reden, die dieses Gerücht verbreitete. Könnt ihr erraten, was sie sagten? Sie konnten ihn nicht finden. Ich hatte dann ein dreißigminütiges Gespräch mit der Wachtturm-Abteilung für öffentliche Information über die Kindesmisshandlungssache. Sie nannten mich am Telefon wiederholt Bruder Bowen, doch sie konnten nicht einen Satz anbieten, der die Grundlage meiner Position als falsch bezeichnete. Ohne Rückgrat zu sein und nicht für das aufzustehen, was richtig ist, ist auch keine Entschuldigung dafür, dass man zulässt, dass Kinder verletzt werden. Wie die Redensart lautet: "Alles, was nötig ist, damit das Böse triumphiert, ist, dass gute Männer nichts tun."

Ich erhielt vor kurzem einen persönlichen Brief von der Wachtturm-Gesellschaft über die Angelegenheit mit den Vereinten Nationen. Der vom 30.11.2001 datierte Brief begann mit "Lieber Bruder Bowen." Jetzt, wenn ich eine Abtrünnigenwebseite habe, wie so viele behaupten, und niemand am Ort mit mir spricht, warum nennt mich das Hauptbüro dann schriftlich immer noch Bruder Bowen? Wenn ich denn wirklich eine gottlose Person bin, warum bin ich nicht ausgeschlossen worden oder warum wurde auch nicht nur bekannt gegeben, dass ich nicht mehr Ältester bin? Könnte der Grund sein, dass ich die Wahrheit sage? Könnte die Antwort sein, dass die Wachtturm-Organisation aus Männern in Führungspositionen zusammengesetzt ist, die lügnerische Heuchler sind, die Männer ohne Rückgrat haben, die ihren Befehlen folgen? Braucht man wirklich Leute wie diese, die dein Leben kontrollieren, damit du jemand bist, der ein Leben in Ehre und Integrität führt? Um eine gute Person zu sein, braucht man da die Wachtturm-Feder? Die Ereignisse des letzten Jahres haben mir meine persönlichen Antworten auf diese Fragen gegeben. Es ist meine Hoffnung, dass diejenigen, die dies lesen, sehen, dass der Kampf darum, was richtig ist, nicht auf den Meinungen von lügnerischen Heuchlern, sondern auf der Freundlichkeit und Stärke des Charakters basiert, die man in sich hat. Es scheint, dass der Schöpfer ganz genauso denkt. Zum Schluss möchte ich euch mit seinen Worten zu dieser Sache lassen:

"Womit soll ich vor Jehova treten? [Womit] soll ich mich beugen vor Gott in der Höhe? Soll ich mit Ganzbrandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern? Wird Jehova an Tausenden von Widdern Gefallen haben, an Zehntausenden von Ölbächen? Soll ich meinen erstgeborenen Sohn für meine Auflehnung geben, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele? Er hat dir mitgeteilt, o Erdenmensch, was gut ist. Und was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?" (Micha 6:6-8)