Das Werk von Silentlambs

18. April 2003

Wir finden es interessant, dass nur wenige die Frage stellen: „Was macht Silentlambs eigentlich wirklich, und was hat es bis jetzt erreicht?“ Alle, die sich fragen, was Silentlambs tut, werden ermuntert, den Artikel in USA Today zu lesen, der in der Montagsausgabe stand.  Dieser Artikel sagt alles über das Werk von Silentlambs. Einfach gesagt, wir erhöhen die Aufmerksamkeit für Kindesmissbrauch und bieten Aufklärung und Unterstützung.

Wie vielen Leuten hat Silentlambs bei dieser Aufgabe geholfen? Nach konservativen Schätzungen etwas mehr als einer Milliarde. Wie kommen wir auf diese Zahl? Nun, beginnen wir mit sechs Millionen Zeugen Jehovas, die im Wachtturm-Studium vergangenen Sonntag Kommentare hörten, mit denen man sich bemühte, Geschichten in den Nachrichten über Kindesmissbrauch zu diskreditieren, die um die Welt gegangen sind. Jeder einzelne Zeuge Jehovas weiß von Silentlambs aufgrund dieser kostenlosen Publicity und der Zeit und Mühe, die die Wachtturm-Gesellschaft in Form von Briefen und Ansprachen aufwendet, um das Thema Missbrauch in den Griff zu bekommen. Wir haben bestimmte Änderungen in der Wachtturm-Politik erzwungen:

1.     Kinderschänder können nicht mehr allein von Haus zu Haus gehen. Dieser Grundsatz wurde im Mai 2002 in Kraft gesetzt, als Silentlambs das in den Medien zum Thema machte.

2.      Kurz bevor die Dokumentationen gesendet wurden, wurde ein Brief an die Versammlungen auf der ganzen Welt geschickt, wo die Mitglieder erstmals schriftlich informiert wurden, dass sie das Recht hätten, zur Polizei zu gehen, und dass die Ältesten sie nicht daran hindern sollten. Ohne Silentlambs wäre dieser Brief nie geschrieben worden.

3.     Die Wachtturm-Gesellschaft wurde gezwungen, eindeutig zu erklären, dass sie im Falle von Missbrauch einen Zeugen pro Ereignis anerkennen würde. Nie zuvor gesagt, Dank an Silentlambs. 

4.     Zum ersten Mal in ihrer Geschichte stellte die Wachtturm-Gesellschaft einen „Grundsatz“ zum Kindesmissbrauch fest, der nie zuvor jemandem in der Organisation gegenüber beschrieben oder definiert worden war. Er steht jetzt auf ihrer Website, und die Medien und bald auch die Gerichte werden sie wegen Fahrlässigkeit in Stücke reißen. Wiederum Dank an Silentlambs.

5.      Älteste in der Organisation haben eine persönliche Entscheidung getroffen, was sie tun werden, sollte jemals zu Missbrauch in ihrer jeweiligen Versammlung kommen. Viele haben mir gegenüber erklärt, sie würden sich jeder Anweisung widersetzen, die von ihnen fordert, weniger zu tun als moralisch und ethisch richtig. Dank Silentlambs.

6.      Mitglieder der Versammlung sind gezwungen, die „Missbrauchspolitik“ der Organisation zu verteidigen, wenn sie von Haus zu Haus gehen. Viele haben nicht den Nerv dazu, wenn sie einmal verstehen, wie die Politik funktioniert. Dank Silentlambs.

7.     Hunderte von Brüdern und Schwestern haben an die Wachtturm-Gesellschaft geschrieben und um angemessene Änderungen der Kindesmissbrauchspolitik gebeten. Dank Silentlambs.

8.     Die Öffentlichkeit im Allgemeinen sowie die Medien sind über die Zeugen Jehovas und den Kindesmissbrauch aufgeklärt. Wenn ein Reporter anruft, braucht er dank der verfügbaren Informationen nicht mehr Stunden, sondern nur noch Minuten, um sich kundig zu machen. Dank Silentlambs.

9.      Das hoch gepriesene „Image“ der Organisation ist befleckt worden durch die ölige Haltung von JR Brown und anderen Wachtturm-Sprechern. Sie sind auf frischer Tat von den Medien ertappt worden, wie sie theokratische Kriegsführung (Lügen) übten, und das ist der Öffentlichkeit auf der ganzen Welt gezeigt worden. Dank Wachtturm-Arroganz und den Anweisungen der gar nicht so demütigen leitenden Körperschaft. 

10.  Als nächstes werden auf der ganzen Welt Hunderte von Gerichtsfällen folgen, weil sie Kinder fahrlässig gefährdet haben. Das Geld geht weg, ist der Schutz von Kinderschändern das wirklich wert? Dank Silentlambs/Wachtturm-Arroganz.

11.  Zahllose Leute besuchen jeden Tag die Website und werden über ein Problem aufgeklärt, was bei vielen für immer die Sichtweise ändert, wie mit Kindesmissbrauch umgegangen werden sollte. Dank Silentlambs.

12.  Mehrere öffentliche Ereignisse sind vorgestellt worden, um die Aufmerksamkeit für das Thema Kindesmissbrauch zu erhöhen, darunter der größte Marsch auf den Wachtturm in der Geschichte der Organisation. Dank Silentlambs.

13.  Es hat Anzeigen in Zeitungen gegeben, Plakate an öffentlichen Stellen, Visitenkarten wurden bei Kongressen verteilt, darunter eine Person, die einen ganzen Bezirkskongress platzen ließ, weil sie drinnen ein Silentlambs-T-Shirt mit dem Aufdruck „Keine Kinderschänder“ trug. Andere tragen eine einfache Anstecknadel auf dem Revers und verkünden stolz ihre Unterstützung für Missbrauchsüberlebende. Dank Silentlambs.

In über vierzig Ländern auf der ganzen Welt wurden Dokumentationen gezeigt, in denen Opfer von Kindesmissbrauch ihre Geschichten erzählten und Millionen wissen ließen, dass sie nicht allein sind und dass es besser ist, die Stimme zu erheben. In jedem Land, in dem Programme gesendet wurden, äußerten zahlreiche Menschen, die keine Zeugen waren, ihre Wertschätzung für die Botschaft, dass es wichtig ist, das Verbrechen des Kindesmissbrauchs anzuzeigen. Wie viele Schänder wurden daraufhin angezeigt? Wenigstens Hunderte und vielleicht Tausende wurden der Polizei übergeben und sind jetzt bekannt für ihre Verbrechen. Wie viele Kinder wurden geschützt? Wenn ein typischer Schänder sich in seinem Leben an über 75 Kindern vergreift, dann kann man gesichert sagen, dass Zehntausende von Kindern aufgrund der Tätigkeit von Silentlambs den schrecklichen Narben des Kindesmissbrauchs entgangen sind. Über 6.000 Missbrauchsüberlebende, die Zeugen Jehovas sind, haben sich an Silentlambs gewandt, mehrere haben ausgesagt, zum ersten Mal in ihrem Leben habe man ihnen Hoffnung gegeben, andere wurden davor bewahrt, Suizid zu begehen, erhielten eine Beratung, begannen eine Ausbildung. Der vielleicht beste Weg, es zusammenzufassen, ist, wenn man sagt, dass ihr Leben gewandelt wurde – von destruktivem Verhalten zu einem positiven Verlauf in Richtung Heilung.

Silentlambs ist eine Bemühung, eine Sendung, ein Zeugnis für die Wahrheit, eine kollektive Bemühung vieler Stellen und Personen, die sich aus selbstlosen Motiven aufopfern. Wenn du vergewaltigt würdest, wie würdest du gern ins Fernsehen gehen und darüber reden? Wie mit Wachtturm-Anwälten vor Gericht ziehen, deren einziges Ziel es ist, dich in Stücke zu reißen? Was, wenn das zu tun bedeutet, ein Kind, dem du nie begegnet sein magst, vor dem zu bewahren, was dir geschah? Herz und Mut derer, die es getan haben, sind unvergleichlich, wir danken diesen schweigenden Lämmern. In einer Mission des Mutes sieht man nicht immer am besten, stärksten, intelligentesten aus. Aber was man hat, ist Feuer, ein Brennen im Inneren, das einen drängt, gegen unmögliche Chancen vorwärts zu stoßen in dem Glauben, dass die Wahrheit die Oberhand behalten wird und man andere vor dem Schmerz, den man selbst erleidet, bewahren kann. Dank an Silentlambs, dass es diesen Leuten geholfen hat, diese Gelegenheit zu haben, für das zu kämpfen, was recht ist.

Wenn ihr also das nächste Mal jemand sagen hört: „Was hat Silentlambs erreicht?“, wäre vielleicht die passende Antwort: „Was hast du selbst getan, um Missbrauchsopfern zu helfen? Wie vielen Opfern bist du vor Gericht beigestanden? Wie viele Silentlambs-Ereignisse hast du unterstützt? Wie vielen Missbrauchsüberlebenden hast du geholfen, ihre Geschichte zu erzählen und sich der Heilung zu nähern? Wie viele Kinder hast du davor bewahrt, missbraucht zu werden?“   

Die Antworten auf diese Fragen werden zeigen, ob derjenige das Recht hat, das Werk und die Mission von Silentlambs anzuzweifeln. Der unten stehende Artikel ist ein Zeugnis für dieses Werk, und wir laden jeden ein, dazuzugehören. Ihr könnt etwas erreichen.   

Anrufe bei Sexmissbrauch-Hotlines nehmen deutlich zu; Experten sagen, „Barrieren“ fallen

14.4.2003

von Janet Kornblum, USA TODAY

Anrufe bei der nationalen Hotline für sexuelle Übergriffe haben in den ersten drei Monaten im Vergleich zur Vorjahresperiode um 24% zugenommen, berichtet das Netzwerk bei Vergewaltigung, Missbrauch und Inzest.

Die Hotline, die Anrufer an über 1.000 örtliche Zentren im Lande weiterleitet, berichtet heute diese Zahl.

Sie führt die Zunahme auf Nachrichtensendungen über den Kindesmissbrauchsskandals in der katholischen Kirche wie auch auf andere Vorfälle im Längsschnitt zurück, darunter gemeldete Übergriffe in der Akademie der US-Streitkräfte.

Der Kirchenskandal „lenkte viel Aufmerksamkeit auf Vergewaltigung und sexuelle Angriffe“, sagt Jamie Zuieback, Sprecherin des Netzwerkes.

Berater erwarteten, dass sich die Anrufe einebneten, aber sie haben zu klettern begonnen – vielleicht wegen anderer Nachrichten, darunter das Kidnapping des Teenagers Elizabeth Smart aus Salt Lake City, der Kindersexskandal um den Regisseur Roman Polanski und mutmaßlicher Missbrauch in der Akademie der Streitkräfte. Fernsehsendungen, die sich um sexuellen Missbrauch drehen, brächten die Leute auch dazu, anzurufen, sagt sie.

„Diese ganze Medienaufmerksamkeit trägt dazu bei, dass die Öffentlichkeit Vergewaltigung als schweres und Gewaltverbrechen sieht“, sagt Zuieback.

„Eines der größten Hindernisse, Anzeige zu erstatten, ist, dass sich die Leute schämen und meinen, es werde nichts unternommen. Die Einstellungen beginnen sich zu ändern.“ Die Medienberichte, sagt sie, „erleichtern es jemandem, zum Hörer zu greifen, anzurufen und Hilfe zu suchen.“

Berater im ganzen Land sehen gleichfalls höhere Zahlen.

„Die Fälle haben eindeutig zugenommen“, sagt Nancee Brown vom Zentrum zur Verhütung von Missbrauch in Peoria, Illinois. „Ich hoffe, das ist deshalb so, weil mehr Leute es anzeigen und nicht geheim halten wollen.“

Nicht alle angezeigten Fälle sind neu: einige sind vielleicht Vorfälle aus der Kindheit, die das Opfer jahrelang geheim gehalten hat.

Angie Johnson Smith vom Southern Arizona Center against Sexual Assault in Tucson sagt, Anrufe haben in den letzten anderthalb Jahren um 15% bis 20 % zugenommen.

„Früher war es so, dass die Leute nur über Vergewaltigung flüsterten, weil es eine Schande war. Nun wird es als offene Geschichte behandelt. Allgemein ist ein geringeres Stigma damit verbunden.“

Jeri Elster aus Los Angeles wurde Opferrechtsanwältin, nachdem sie 1992 vergewaltigt wurde. Das System heute ist alles andere als vollkommen, sagt sie, aber es ist viel besser als vor zehn Jahren, als die Leute von Vergewaltigungsopfern noch oft erwarteten, ruhig zu sein.

„Eine Menge Leute werden nicht tapfer werden, bis sie herausfinden, dass sie nicht allein sind und jemand ihnen zuhören wird“, sagt sie.

Obwohl sich mehr Leute melden mögen, um sexuellen Missbrauch anzuzeigen, schätzt das Justizministerium, dass von 1993 bis 2001 die Zahl der Opfer sexueller Übergriffe und von Vergewaltigung, die 12 Jahre oder älter waren, um 56% abnahm. Diese Zahl stimmt mit den Zahlen anderer Arten von Gewaltverbrechen überein, die in derselben Zeit um etwa 50 Prozent abgenommen haben, sagt das Ministerium.

Forscher schätzen auch, dass seit 1992 neue Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch aufgrund besserer Vorbeugung, Anzeige und Strafverfolgung um 40% abgenommen haben.

Wenigstens 20% der Frauen und 5% bis 10% der Männer haben als Kinder irgendeine Form des sexuellen Missbrauchs erlebt.

Der Gipfel der Gefährdung liegt bei 7 bis 13 Jahren.

Männer begehen 90% der sexuellen Missbräuche.

In 33% bis 50% der Missbrauchsfälle gegen Mädchen und 10% bis 20% gegen Knaben kommen Angehörige in Frage..

Quelle: David Finkelhor, Soziologe an der Universität von New Hampshire