Wer zahlt für Kindesmissbrauch?

Ich erhielt gerade einen weiteren Bericht über eine eidesstattliche Aussage über den gegenwärtigen Prozess über Jehovas Zeugen und ihre Behandlung von Kindesmissbrauch in der Versammlung. Interessant ist, wenn eine Klage wegen solch einer Sache eingereicht wird, dann müssen alle Beklagten Schadensersatz zahlen, wenn der Fall entschieden ist. Das bedeutet, dass die Ortsältesten, der örtliche Königreichssaal, die Dienst tuenden Kreis- und Bezirksaufseher und natürlich die Wachtturm-Gesellschaft selbst für die Zahlung von Schadensersatz haftbar sind. Wird die Wachtturm-Gesellschaft zahlen? Natürlich, aber auch alle Vermögenswerte anderer an dem Prozess Beteiligter werden für die Erfüllung des Urteils in Beschlag genommen. Das könnte bedeuten, dass jeder Ältester, der in einen Missbrauchsfall verwickelt ist, sein Haus, sein Auto, seine Lebensversicherung verlieren könnte, weil er eine Politik unterstützt hat, die zu befolgen er als Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft verpflichtet war. Man kann das damit vergleichen, wie das Militär in vergangenen Jahren Soldaten strafverfolgte, die auf Befehl ihrer Vorgesetzter Frauen und Kinder töteten. War das eine Entschuldigung für ihre Taten? Wurden nur die Vorgesetzten strafverfolgt? Nein, alle Beteiligten wurden für das verantwortlich gemacht, was moralisch und ethisch falsch war, weil Unschuldige zu Schaden kamen. In ähnlicher Weise kann jeder in einer Vertrauensstellung, der die Durchsetzung der Wachtturm-Politik unterstützt oder ermächtigt hat, von den Gerichten verantwortlich gemacht werden.

 

Wärst du als Ältester an einer Rechtskomiteeverhandlung beteiligt, bei der es sich um Kindesmissbrauch dreht, der vor fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahren stattfand, müsstest du für den Rest Ihres Lebens genau aufpassen, falls eines der Opfer zu dem Schluss kommt, es sei durch die Durchsetzung der Wachtturm-Politik zu Schaden gekommen. Kann das wirklich geschehen? Als Beispiel können die Tabakkonzerne und ihr Kampf dienen, zu bestreiten, dass Zigaretten den Leuten schaden. Als Anwälte vor Gericht zogen und einen Präzedenzfall erstritten, der dies feststellte, brauchten Raucher sich nur einem Anwalt anschließen, der in dieser Sache Klage einrechte, und konnten einen Scheck einstreichen. Einen Präzedenzfall gibt es bereits bei der katholischen Kirche, der besagt, dass der Erste Verfassungszusatz einer Religionsgemeinschaft nicht das Recht gibt, Kindern durch ihre Vorschriften Schaden zuzufügen. Ein Anwalt alleine hat auf der Grundlage dieses Präzedenzfalles über 400 Fälle für Opfer gewonnen. Damit soll bloß gezeigt werden, dass die Zeugen Jehovas durch ihre Vorschriften und die Praxis Tausenden von Kindern Schaden zugefügt haben. Und dann muss nur noch bei einem Kind, das heißt in einem Fall ein Präzedenzurteil für die Zeugen Jehovas erstritten werden. Und wenn dieser einfache Schritt einmal gemacht wurde, wird er für Tausende von Missbrauchsüberlebenden den Weg ebnen, sich zu melden und Schadensersatz zu fordern für den Missbrauch, der durch Wachtturm-Vertreter auf Anweisung der Gesellschaft über sie gebracht wurde.

 

Hier muss vielleicht eine Frage beantwortet werden: Verdient ein Ältester es, all seinen Besitz zu verlieren, weil er daran mitwirkte, das Leben eines Kindes zu zerstören? Sollte er vor ein Strafgericht und dann ins Gefängnis kommen oder eine Geldstrafe zahlen, wenn befunden wurde, dass er Gesetze seines Bundesstaates verletzt hat, als er auf Anweisung der Wachtturm-Rechtsabteilung handelte? Wie würdest du antworten?

 

Eine zweite bezieht sich auf die Verwendung von Spenden aus dem weltweiten Werk, um die Kosten für die Verteidigung der Wachtturm-Gesellschaft in ihrer kinderschädlichen Politik zu übernehmen. Bei der letzten Beeidung waren zwei Wachtturm-Anwälte zugegen, die bald zweitausend Kilometer angereist waren. Wer zahlte ihre Reisekosten? In all diesen Fällen werden die besten örtlichen Anwaltskanzleien mit dem Einreichen von Anträgen und der Büroarbeit beauftragt, um die Wachtturm-Position zu verteidigen. Wer zahlt die Kosten? Im Frühjahr 2001 wurde der Fall Erica Rodriguez falsch eingereicht; es dauerte etwa zwei Wochen, um die Berichtigungen vorzunehmen. Die örtliche beste Anwaltskanzlei, die den Wachtturm vertrat, forderte 7.000 Dollar Aufwandsentschädigung für die Zeit, die sie wegen der falschen Einreichung aufwendete. Eine Entscheidung wurde vom Gericht abgelehnt; damit musste die Wachtturm-Gesellschaft die Kosten tragen. Woher kam das Geld, um die 7.000 Dollar Anwaltsgebühren zu zahlen? Es ist interessant, dass die Wachtturm-Gesellschaft in vielen Fällen die Ortsversammlung gebeten hat, die Rechnung zu begleichen. Oft, wenn jemand ausrutscht und fällt und sich verletzt, wird die Versammlung gebeten, alle möglichen Quellen anzuzapfen, um die Sache zu bezahlen. Wird man von Versammlungen, die in Missbrauchsprozessen benannt werden, fordern, einen Teil der Kosten zu tragen? In einem Artikel aus der Sacramento Bee, wurde JR Brown, der Sprecher der Wachtturm-Gesellschaft für Öffentlichkeitsarbeit, mit den Worten zitiert, man würde zur Verteidigung der Politik bei Missbrauch keine Spendengelder verwenden. Wenn das so ist, woher kommt das Geld dann?

 

In einem Prozess aus neuerer Zeit, bei dem es um den Tod einer Frau aufgrund der Fahrlässigkeit eines Hauptbüroangehörigen ging, der auf dem Weg war, für seine Kirche zu arbeiten, zahlte die Watchtower Society 1,55 Millionen Dollar an die Familie des Opfers. War das „gewidmetes Geld“, war es Geld aus dem weltweiten Werk, oder hat man die Rechnung der Ortsversammlung geschickt? Falls die Ortsversammlung die Summe zahlen sollte, würde sich das dann nicht auf deren Möglichkeiten auswirken, zum weltweiten Werk beizutragen? Wie viel Geld hat die Wachtturm-Gesellschaft? Bedeutet das, dass Brüder und Schwestern Geld mit der Aufforderung schicken, es nur dazu zu benutzen, um Kinderschänder und die Ältesten, die sie vor Gericht schützten, zu verteidigen? Wie soll man das nennen? Den „weltweiten Kinderschänderschutzfonds“?

 

Es heißt, dass die Führung der Zeugen Jehovas den Standpunkt einnimmt, ihre Kindergefährdungspolitik mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Millionen Dollar werden aufgewendet werden, um diese Politik zu verteidigen, die alle Zeugen Jehovas hinter den Kinderschänder zurücksetzt, der sein Recht, Kinder zu schänden, verteidigt. Diese Vorschriften besagen, wenn ein Kind keine zwei „glaubwürdigen“ Augenzeugen vorbringen kann, falls der Schänder die Anschuldigung bestreitet, dann wird der Schänder als Unschuldiger in Schutz genommen. Damit kann der typische Pädophile weitere Kinder missbrauchen, ehe ein anderes Kind den Mut aufbringt, sich als zweiter „Zeuge“ zu melden, das heißt, wenn die Ältesten es als „glaubwürdig“ ansehen. Das “Pädophilenparadies” ist nur bei den Zeugen Jehovas zu finden, die Vorschriften erlassen und Anwälte mit Millionensummen aus Spendengeldern beauftragen, um ihr Recht zu verteidigen, Kinder als Lügner zu bezeichnen – Vorschriften, die sowohl Kinder als auch ihre Angehörigen in den Versammlungen zum Schweigen bringen, damit sie nicht andere Familien warnen, und das mit der Drohung mit einem Gemeinschaftsentzug wegen Verleumdung des unschuldigen Pädophilen.

 

Wenn du ein Zeuge Jehovas bist und augenblicklich als Ältester dienst, überlegst du es dir vielleicht zweimal, ehe du einen Fall von Kindesmissbrauch in deiner Versammlung übernimmst. Bei einem neueren Missbrauchsprozess, bei der es um eine aktive Zeugin ging, die an die leitende Körperschaft (Führung) schrieb und um ein Treffen bat, um Probleme auf theokratische Weise durch Gespräche zu lösen, wurde dieser Schwester der Rat gegeben, die örtlichen Ältesten zu verklagen und im Prozess nicht mehr „Wachtturm“ zu erwähnen, wenn sie ein theokratisches Gespräch haben wolle. Anscheinend besteht ein Unterschied, wenn es um die „theokratische Loyalität“ des Hauptbüros geht. Wenn die Gerichte davon ausgehen, dass Wachtturmpolitik zu Kindesmissbrauch Kindern Schaden zugefügt hat, mag es dir als Ältestem so ergehen, dass du eine Aussage unter Eid machen musst, und ein Rudel von Anwälten legt jedes Wort von dir auf die Goldwaage. Es mag dir so ergehen, dass du vor Geschworenen eine Aussage machst, wie du deine Untersuchung der Vergewaltigung geführt hast, indem du jeden Schritt deines Verhörs eines vierjährigen Kindes, das die Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft vorschreibt, erklärst. Vielleicht findest du in deiner Post eine gerichtliche Zahlungsaufforderung über mehrere hunderttausend von Dollar aus deinem ganzen Besitz, den du vorweisen kannst.

 

Eine übliche Wendung, die Leute in Führungspositionen in der Zeugengemeinde benutzen, wenn sie Kindesmissbrauch ansprechen, ist, „auf Jehova zu warten“. Dieser Ausdruck wird benutzt, um Älteste und Versammlungsmitglieder abzublocken, damit die nichts Konkretes unternehmen und stattdessen darauf warten, dass Gott die Antwort liefert, um das Problem zu lösen. Oft haben Kinderschänder diese Zeit des “Wartens” benutzt, um zahllose Kinder zu schänden, während sich die Gemeindeglieder in Wartestellung befinden und sich angeblich darauf verlassen, dass Jehova das Problem löst. Und jedem vergewaltigten Kind sagt man, es solle „auf Jehova warten“, während in dieser Zeit ihre Freunde an der Reihe sind, vergewaltigt zu werden. Etwas anders zu tun, wird als Mangel an Glauben an Jehova und als schlechtes Vorbild für die Gemeindeglieder angesehen. Könnten Gerichtsprozesse die Antwort dieses „Wartens auf Jehova“ sein? Hat Gott Überlebende von Kindesmissbrauch ermächtigt, sich bei den Medien und den Gerichten zu melden, um die bösen und verderbten Taten von Männern zu entlarven, die behaupten, von Gott geleitet zu sein? Wenn die Wachtturm-Gesellschaft kaputtverklagt wird, ist das dann das Eingreifen Jehovas, auf das die Gemeindeglieder warten?

 

Gott wird weiterhin Menschen entthronen, und so erwartet Älteste, die Anweisungen unterstützen und befolgen, die durch die Wachtturmmissbrauchspolitik verfügt werden, Vergeltung, wenn Gott ihnen die Antworten erteilt, die sie eigentlich schon längst befolgt haben sollten. Damit wird getan, was ethisch und moralisch recht ist, wenn es um den Schutz eines Kindes geht.

 

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