Das Gewissen von Ray Franz (1)

Ray Franz bat im September 2002 darum, dass die folgenden Bemerkungen von einem Freund in einem öffentlichen Forum veröffentlicht würden, um auf Kritik an seiner Haltung gegenüber Kindesmissbrauch in der Organisation der Zeugen Jehovas zu antworten. Die fett gedruckten (dunkleren) Bereiche sind mein Erwiderungen auf jede der Erklärungen, die er abgab. Seine Kommentare stellen in ausgezeichneter Weise seine Position in der Kindesmissbrauchssache bloß.

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Ray Franz forderte von mir, die folgenden von ihm geschriebenen Bemerkungen zu veröffentlichen:

 

Wie schon gesagt, stellt die aus der Silentlambs-Quelle in Verbindung mit der Kindesmissbrauchssache gemachte Darlegung meine Position völlig falsch dar.

 

(Die "Quelle" scheint William H. Bowen zu sein, die erste Beschuldigung ist, dass Bill seine Position falsch "dargestellt" hat. Wenn das der Fall ist, nennt ihn Franz natürlich einen Lügner. Stimmt das? Weitere Kommentare von Franz klären seine Position..)

 

Als ich vor kurzem telefonisch mit dem Autor dieser Darstellung sprach und darauf hinwies, dass ich nie ausgedrückt hätte, dass die dargelegten Ansichten geäußert hatte, war sein Kommentar, aus seinem (einige Monate früher geführten) vorherigen Gespräch mit mir habe er "den Eindruck gewonnen, ich sei nicht auf derselben Wellenlänge wie er."

 

(Franz stimmte in Wirklichkeit am Telefon zu, dass er die dargelegten Äußerungen gemacht hatte. Die 40 Jahre, wo wir nichts über Missbrauch und die Tatsache hörten und wo er negative Kommentare gegenüber Reporter abgegeben hatte. Das hat er selbst gegenüber Bill am Telefon zugegeben, brauchen wir nun in diesem Fall keine "zwei Augenzeugen", dass Franz diese Kommentare machte? Nein wir haben ein Geständnis. Franz "gestand", mit Reportern geredet und ihnen gesagt zu haben, er habe nie mit Missbrauch zu tun gehabt, und er denke nicht, dass das Problem größer sei als in den großen Religionen. Auf diese Art bestätigte dies einen früherer Verdacht, dass Franz negativ mit anderen über die Missbrauchssache reden würde, die ein Problem in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ist. Wir baten Franz darum, nicht zu anderen negativ über etwas zu reden, von dem er behauptete, er habe keine Erfahrung damit. Das war es. Negative Kommentare abzugeben hilft denen nicht, die sich melden. Sie sollten ermutigt werden und gesagt bekommen, dass man ihnen glaubt, und man sollte ihnen verstehen helfen, dass sie Teil eines viel größeren Problems sind.)

 

Ich konnte anders, als an die Ereignisse in der Wachtturm-Zentrale im Jahre 1980 erinnert zu werden, als Mitglieder der leitenden Körperschaft Ed Dunlap und andere Mitglieder der Schreibabteilung befragten, um zu sehen, ob sie noch auf derselben Wellenlänge mit der Organisation in ihren offiziellen Lehren und Vorgehensweisen seien.

 

(In diesem Fall wird Franz grundsätzlich darum gebeten, nicht negativ über etwas reden, von dem er behauptet, keine Erfahrung zu haben, und das dem ähnlich ist, wie ein Rechtskomitee Ed Dunlap verhörte und ausschloss. Dies ist eine ziemlich strenge Charakterisierung einer einfachen Bitte im Interesse einer Hilfe für Missbrauchsüberlebende. Dunlap und andere hatten Einwände gegen die Lehre der Organisation und wurden anschließend für ihre Position exkommuniziert. Franz wurde in keiner Weise bedroht, noch war er unter Zwang, ausgeschlossen zu werden. Er wurde einfach darum gebeten, keine Kommentare abzugeben, die der Aufgabe, Missbrauchsüberlebenden zu helfen, schaden konnten. Warum wurde das so wahrgenommen und dem Leser als solch eine strenge Drohung dargestellt?)

 

Ich möchte klarstellen, dass ich zu Gott und seinem Sohn, durch den heiligen Geist, als die einzigen Sender jeder "Wellenlänge" aufschaue, von der der ich meine, dass ich mit ihr in Harmonie sein sollte und nicht mit irgendeiner menschlichen Quelle oder Bewegung.

 

(Hier scheint es, dass "Wellenlänge" ist, falsch dargestellt zu werden, als ob es so wäre, dass Franz auf den "heiligen Geist" reagieren sollte, der Silentlambs leitet. Niemand stellte eine solche Behauptung auf, noch haben wir das in irgendeiner Weise von Franz gefordert. Wenn er jetzt angibt, dass er nicht in "Harmonie" mit irgendeiner menschlichen Quelle oder Bewegung sein möchte, wenn sie nicht vom heiligem Geist geleitet wird, sagt das, dass er nicht meint, der heilige Geist stehe hinter der Silentlambs-Bemühung und das sei der Grund, warum er nicht in Harmonie damit sein will? Warum sonst würde er nicht auf derselben "Wellenlänge" sein wollen?)

 

Wachtturm- Führer sehen jedes "selbständige Denken" als negativ an und glauben im Recht zu sein, wenn sie all die streng kritisieren, die nicht mit ihnen auf einer Linie sind.

 

(Dies ist eine klare Beleidigung gegen die Wachtturm-Gesellschaft.)

 

Ich finde es deprimierend, dass viele frühere Zeugen, die die Wachtturm-Organisation angreifen, fortfahren, einen ähnlichen Geist zeigen und ähnliche Taktiken in Richtung gegen jene verwenden, die sich nicht auf Linie mit ihrem Denken sind..

 

(Dies ist eine klare Beleidigung gegen alle, die Verbindung zu Silentlambs haben. Es scheint, dass er sagt, wenn er nicht einverstanden ist und Missbrauchsüberlebende beleidigt, und wenn sie darauf reagieren, ist es so wie bei Abtrünnigen, die die Wachtturm-Gesellschaft angreifen. Wenn man Leute mit seinen Kommentaren verletzt und sie reagieren, kann man nicht Foul schreien. Dies ist eine irreführende und unfaire Charakterisierung, es ist in der Tat wirklich eine strenge Kritik an jedem, der mit der Position von Franz nicht einverstanden ist.)

 

Ich fühle mich an den Brief des Paulus an die Römer erinnert, in dem er über einige schrieb, die sich ihrer Beziehung zu Gott rühmten, sie würden seinen Willen kennen und entscheiden, was das Beste sei, die sich als Leiter für Blinde sahen, als Licht für alle in Finsternis, die Törichte berichtigten und Lehrer für Kinder seien, und von ihnen sagte, sie hätten keine Entschuldigung, denn wenn sie andere verurteilten, käme dasselbe Gericht über sie, denn: "Ihr, die ihr richtet, tut genau dieselben Dinge." Römer 2:1-3, 17,18

 

(Also ruft Franz jetzt einen biblischen Kontext auf, um zu sagen, dass wir "blind" seien und uns am "Verurteilen" beteiligten, wenn er in Wirklichkeit genau dasselbe tut? Verurteilt er uns nicht als im Irrtum, weil wir von ihm fordern, dass er sich verantwortungsbewusst Missbrauchsüberlebenden gegenüber verhält?)

 

Wie in dem Buch Der Gewissenskonflikt berichtet, erhielt ich die Aufgabe, Kapitel in dem Handbuch Organisation zum Predigen des Königreiches und Jüngermachen zu schreiben, die die Behandlung von Rechtsangelegenheiten zum Thema hatten.

 

(Hier haben wir eine weitere Bestätigung, dass Franz die Kapitel im Organisations-Buch schrieb, Er gab es selbst zu.)

 

Tatsache ist, dass ich in dem Stoff einfach wiederholt habe, was der inspirierte Apostel Paulus in 1. Timotheus 5:19 schrieb: "Gegen einen älteren Mann nimm keine Anklage an, außer aufgrund der Aussage von zwei oder drei Zeugen." Paul bezog sich ganz offensichtlich auf die Vorkehrung im Mosaischen Gesetz in 5. Mose 19:15, wo es heißt: "Kein einzelner Zeuge sollte sich gegen einen Mann hinsichtlich irgendeines Vergehens oder irgendeiner Sünde erheben, im Falle irgendeiner Sünde, die er begehen mag. Auf die Aussage zweier Zeugen oder auf die Aussage dreier Zeugen sollte die Sache feststehen" Christus Jesus selbst bezog sich auf diesen "Zwei-Zeugen"-Grundsatz (Matthäus 18:16). Und sein Apostel, Paulus, schrieb das nicht nur an Timotheus, sondern auch in seinem zweiten Brief an die Versammlung in Korinth. 2. Korinther 13:1.

 

(Franz hat nun erklärt, was die Grundlage seiner Bemerkungen im Organisations-Buch ist.)

 

Was ich damals, im Jahre 1972, schrieb, ist jetzt von der Silentlambs-Quelle als Basis für die verdrehte Wachtturm-Politik bezüglich der Handhabung von Kindesmissbrauchsfällen dargestellt worden.

 

(Ja, das ist genau das, was Bill gesagt hat und was im Organisations-Buch klargestellt wurde. Im Übrigen wurden in demselben Kapitel neue Anweisungen für den Umgang mit ungetauften Mitverbundenen gegeben. Dieses Kapitel autorisierte es, minderjährige Kinder als Ausgeschlossene zu behandeln, oder als nicht anerkannte Verbundene, wie wir sagen. Dies wurde später, etwa 1986, zurückgezogen wegen des großen Schadens, den es bei Kindern hatte. Später in diesem gleichen Kapitel wird besonders beschrieben, wie man mit getauften "Kindern" umgeht, die eines "zügellosen Verhaltens" für schuldig befunden wurden. Merkwürdig, wenn es, wie Franz behauptet, keinen Sex mit Minderjährigen gab, warum schrieb er dann einen ganzen Abschnitt darüber in dem Kapitel, das er im Organisations-Buch verfasste? Interessant ist auch die Tatsache, dass viele Kinder von Rechtskomitees zurechtgewiesen wurden, als sie sich meldeten und Missbrauch berichteten - aufgrund der über den Umgang mit Kindern gegebenen Anweisungen, die des sexuellen Fehlverhaltens schuldig sind. Der Schänder, der leugnete, blieb unschuldiger Mann, das Kind wurde zurechtgewiesen oder sogar ausgeschlossen, weil es sexuelles Fehlverhalten gestanden hatte.)

 

Wenn das so ist, dann tragen Pauluse wie auch Christus selbst und Moses, der zuerst den Grundsatz aufstellte, ähnliche Verantwortung, da ich mich von ihren Lehren leiten ließ und daraus zitierte..

 

(Hier wird unterstellt, wenn Franz damals irgendetwas Falsches tat, dann taten es auch Gott und alle anderen.)

 

Und, wenn wir die göttliche Inspiration dessen akzeptieren, was sie lehrten und schrieben, dann muss die in dieser Anklage übermittelte Beleidigung auf Gott selbst zurückgehen.

 

(Also wiederum: Wenn Franz irgendetwas tat, das falsch war, dann muss Gott es auch falsch getan haben. Ist das nicht ein bisschen anmaßend?)

Paulus stellt klar, dass er wusste, was es bedeutet, wenn seine Erklärungen und Lehren verdreht werden, um etwas völlig anderes zu vermitteln, als er meinte. In Römer 3:8 schreibt er: "Und [warum] nicht [sagen], so, wie man uns fälschlich beschuldigt, und so, wie einige Menschen behaupten, dass wir sagen: 'Lasst uns das Schlechte tun, damit das Gute komme."? Das Gericht über solche [Menschen] ist dem Recht gemäß'."

 

(Ray Franz scheint zu sagen, dass, wenn irgendjemand mit seinen Annahmen nicht einverstanden ist, er von der Bibel/von Gott verurteilt werde.)

 

Die Tatsache, dass die Wachtturm-Gesellschaft den Zweck dieses Gesetzesprinzips, auf das Paulus und Christus verwiesen, verdreht (das den Unschuldigen gegen einen falschen Ankläger schützen sollte), rechtfertigt nicht, dass jemand die Bedeutung oder Absicht eines Zitats dieses Prinzips verdreht, wie es ist in dem genannten Kapitel des Handbuchs zu finden ist.

 

(Es ist merkwürdig, dass Franz hier angibt, dass die Wachtturm-Gesellschaft genau die Regel verdrehte, über die er schrieb, wie Rechtskomitees Fehlverhalten untersuchen. Dann dreht er sich um und sagt, indem er auf Bill weist, dass Bill das verdrehe, was er geschrieben habe und was auch die Wachtturm-Gesellschaft verdrehe. Ist dies Reden mit gespaltener Zunge? Was war die Absicht? Ging nicht ALLES um Rechtsverhandlungen? Wieso ist das verdreht? Es scheint jedem anderen Ältesten, der mit Missbrauch zu tun hatte, klar zu sein, was die tatsächlichen Anweisungen waren.)

 

Wie ich bereits geäußert habe, glaube ich nicht, dass das Gesetz Moses starr und "festgelegt" sein sollte.

 

(Zu eurer Information: Wir stehen nicht unter dem Gesetz Moses. Niemand glaubt, es sei "festgelegt", es sei denn, er ist praktizierender Jude.)

 

Jemand (Robert Frazier), der diese Angelegenheit kommentiert, führt ein Beispiel aus dem Gesetz selbst an, das die Umstände deutlich macht, wo die Regel mit den zwei oder drei Zeugen nicht gelten könnte, und dieses angeführte Beispiel dient nur als Beispiel für das, was ich gesagt habe. Auf eine ähnliche Art war das Gesetz bezüglich des Sabbats sehr eindringlich bestimmt: "Aber der siebte Tag ist ein Sabbat für Jehova, deinen Gott. Du sollst keinerlei Arbeit tun, weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Sklave, noch deine Sklavin, noch dein Haustier, noch dein ansässiger Fremdling, der innerhalb deiner Tore ist". Doch als er beschuldigt wurde, weil er am Sabbat heilte, sagte Jesus seinem Ankläger: "Welcher Mensch unter euch, der ein einziges Schaf hat, wird dieses, wenn es am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreifen und es herausheben? ... Somit ist es erlaubt, am Sabbat etwas Vortreffliches zu tun." (Matthäus 12:11, 12; in Lukas 14:5 bezieht er sich auf einen Ochsen, der in einen Brunnen fällt; offensichtlich war in beiden Fällen das Herausziehen des Tiers Arbeit, sogar schwere Arbeit, auch am Sabbattag). Gott hatte guten Grund dafür, jede der Vorkehrungen in dem durch Moses gegebenen Gesetz zu inspirieren, und alle seine Vorkehrungen waren gedacht, um zu nützen und Gutes zu tun. Das ist der Grund, warum der Psalmist schreiben konnte: "Glücklich ist der Mann, der nicht im Rat der Bösen gewandelt und nicht auf den Weg der Sünder getreten ist und nicht auf dem Sitz der Spötter gesessen hat; sondern seine Lust hat an dem Gesetz Jehovas und mit gedämpfter Stimme in seinem Gesetz liest Tag und Nacht." "Wie liebe ich doch dein Gesetz! Den ganzen Tag befasse ich mich damit." Psalm 1:1, 2; 119:97.

 

(Jeder könnte zustimmen, dass das Gesetz eine Verständigung über leidende Tiere schuf und andere Dinge klarstellte. Welche Anwendung dies auf Kindesmissbrauch hat, bleibt dem Leser verborgen.)

 

Ich bin verwirrt, dass einige, wenn sie diesen Punkt (aus dieser Quelle, die das Beispiel aus dem Gesetz anführt, das eine Ausnahme bei der "Zwei/Dreizeugenregel" anzeigt) kommentieren, in Wirklichkeit zu versuchen scheinen, die Verwendung der Aussage des Paulus im Organisations-Buch durch Verweis auf die Tatsache unglaubwürdig zu machen oder stumpf werden zu lassen, dass wir als Christen nicht unter dem Gesetz stehen.

 

(Einen Augenblick! Wird Silentlambs beschuldigt, die Worte des Paulus stumpf werden zu lassen? Wer setzte diese Worte in das Buch, Ray Franz? Behauptest du, dass wir Paulus jetzt beleidigen, indem wir deine Anwendung der "Zweizeugenregel" auf Rechtskomitees bezweifeln? Wieder eine arrogante Annahme.)

 

Dies ist natürlich wahr. Aber wie solche Personen erkennen müssen, ist auch wahr, dass der christliche Schreiber, der am mächtigsten diese Wahrheit lehrte (Paulus), derselbe Schreiber ist, der den Grundsatz aus dieser besonderen Regel (bezüglich der zwei oder drei Zeugen) in seinem Schreiben an Timotheus (und an die Korinther) anwandte. Was hier gesagt wird, dient zur Verteidigung der Rechtmäßigkeit des Gesetzes Gottes und der Gültigkeit, wenn man diese Grundsätze anführt, nicht zur Verteidigung eines Missbrauchs dieses Gesetzes durch ein Religionssystem.

 

(Hier haben wir eine klare Verteidigung der Zweizeugenregel durch Franz)

 

Man müsste für die Belege aus der Geschichte blind sein, wenn man nicht den Wert dieses Grundsatzes erkennt, der im Gesetz enthalten ist und auf den sich Paulus bezieht.

 

Unbegründete Anschuldigungen haben in vielen Jahren zahllosen Menschen ungezähltes Leid und sogar den Tod gebracht, besonders während der Inquisition, auch im Gefolge der Französischen Revolution, wo einer den anderen beschuldigen konnte und dem Beschuldigten der Prozess gemacht wurde und er auf dieser Grundlage sogar hingerichtet werden konnte (diese Zeit wurde in Frankreich als Terrorregime bekannt). Mehr in neuerer Zeit ist da die Diffamierung, das Wüten und das Hinschlachten des jüdischen Volkes im Holocaust. Gottes eigener Sohn war das Opfer von falschen Anklagen und unwahren Beschuldigungen. Wer würde die Uhr heute zur dunklen Periode zurückdrehen wollen, bevor aufgeklärte Nationen begannen, das Prinzip anzuwenden, dass eine Person als unschuldig betrachtet werden muss, bis sich als schuldig erwies?

 

(Hier wird unterstellt, dass Missbrauchsüberlebende im Kern die französische Inquisition fortführen, wenn sie mit Behauptungen vortreten. Dies ist einfach eine Falschdarstellung. Wir haben nie gesagt, dass die Leute wegen unbegründeter Behauptungen ins Gefängnis kommen sollten. Ein Gerichtshof entscheidet anhand von vorliegenden Beweisen. Die Opfer sollten andererseits nicht Lügner genannt werden, wenn sie ihren Fall nicht unbedingt beweisen können. Dies ist sicher nicht der Holocaust oder die Inquisition, es geht einfach darum, nicht Personen weiter zu verletzen, die leiden. Franz macht eine drastische Unterstellung und wendet sie auf die Beschuldigungen von Missbrauchsüberlebenden an. Das ist bestenfalls unfair.)

 

Wie bei anderen Grundsätzen kann auch dieser Grundsatz aus dem göttlichen Gesetz in schädlicher Weise missbraucht werden, und dies ist offensichtlich bei Wachtturm-Vorschriften der Fall, die sich auf Kindesmissbrauchsfälle beziehen.

 

(Hier wird zugegeben, dass die Politik Kinder verletzt, aber was macht Franz als nächstes?)

 

Aber das spricht nicht gegen den Wert des Gesetzes bezüglich der Augenzeugen, das hier zur Debatte steht. In demselben Brief an Timotheus, der seinen Hinweis auf diesen Grundsatz enthält, sagt Paulus, nachdem er von Personen sprach, die sich als Lehrer darstellten, aber "ohne entweder das, was sie sagen, oder die Dinge zu verstehen, über die sie Behauptungen aufstellen", weiter: "Nun wissen wir, dass das GESETZ vortrefflich ist, vorausgesetzt, dass man es gesetzmäßig handhabt, in der Erkenntnis der Tatsache, dass das Gesetz nicht für einen gerechten Menschen öffentlich bekannt gegeben ist, sondern für Gesetzlose und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder." (1. Timotheus 1:7-9)

 

(Er verteidigt die Zweizeugenregel. Haben wir bei Silentlambs nun etwa vorgeschlagen, dass Leute aufgrund einfacher Behauptungen ins Gefängnis kommen sollten? Nie. Haben wir jemals gesagt, dass wir gegen den biblischen Erlass der Zweizeugenregel als gutem Grundsatz bei der Feststellung vieler Dinge sind? Absolut nicht. Warum diese lange Verteidigung einer Sache, die keine ist?)

In Römer 7:12 sagte er, dass 'das Gesetz heilig sei, und das Gebot ist heilig und gerecht und gut'. Der Missbrauch oder die Verdrehung Organisationen Missbrauch oder Verdrehung eines Teils dieses Gesetzes durch eine Organisation ist keine Basis dafür, dass wir einen besonderen Grundsatz so ansehen, als sei er giftig und schädlich, so dass das bloße Zitieren als Grundlage dafür genommen werden kann, sich den Verdrehern des guten und gerechten Grundsatzes anzuschließen. (Dies ist auf dem Gebiet fehlerhafter Argumentation und Logik als "andere mit derselben Bürste teeren" bekannt.)

(Jetzt beginnen die Beleidigungen gegen alle Missbrauchsüberlebenden, hier ist die Anschuldigung, dass wir etwas "Giftiges und Schädliches" durch das Hinterfragen der Zweizeugenregel bei Missbrauch tun. Und noch einmal akzeptiert er mit der Politik, die er verfasste, keine Verantwortung für jene, die sie verletzt haben mag.)

Jeder, der diesen Anschein erweckt, tut noch einmal dasselbe wie jene, gegen die sie ein Vernichtungsurteil aussprechen, wenn sie die verdammen, die an Verdrehung und Fehldeutung von Informationen beteiligt sind, während sie selbst auch verdrehen.

(So wird also wieder jeder, der mit Franz nicht einer Meinung ist, verurteilt. Die Arroganz flackert wieder auf.)

Ebenso zu sagen, weil man sich nicht auf eine gewisse Bewegung ausrichten will (ob Silentlambs oder jede andere Antiwachtturmbewegung), kann man dadurch als Verteidiger der verdrehten Wachtturm-Politik abgestempelt werden, ist ungerecht und daher unchristlich.

(Du wurdest nicht darum gebeten, dich auf irgendetwas auszurichten. Du wurdest darum gebeten, nicht dagegen zu sprechen. Du hast gesagt und sagst jetzt, dass es "unchristlich" ist, dass irgendjemand mit deiner Position nicht einverstanden ist.)

In seinem zweiten Brief an die Korinther schrieb der Apostel: "Denn obwohl wir im Fleische wandeln, erfolgt unsere Kriegführung nicht gemäß [dem, was wir im] Fleische [sind]. 4 Denn die Waffen unserer Kriegführung sind nicht fleischlich, sondern machtvoll durch Gott, um starke Verschanzungen umzustoßen. 5 Denn wir stoßen Vernunftschlüsse und jede Höhe um, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt; und wir nehmen jeden Gedanken gefangen, um ihn dem Christus gehorsam zu machen." (2. Korinther 10:3-5.) Wenn sich jemand bei etwas engagiert, was man als medienorientierten politischen Aktivismus bezeichnen kann, um gegen Fehlverhalten anzugehen, dann ist das sein gutes Recht. Wenn das Ziel der Schutz von Unschuldigen ist, so ist das ein wertvolles Ziel.

(Ray Franz, welches andere Ziel unterstellst du uns?)

Der Wert eines Zieles rechtfertigt jedoch nicht, die Motive anderer in Zweifel zu ziehen, die die persönliche Entscheidung treffen, nicht denselben medienorientierten Weg zu verfolgen.

(Wir bezweifelten nie deine Motive, wir bezweifelten deine Taten. Deine Taten, ein Kapitel in einem Buch zu schreiben, das von Ältesten verwendet wird, um sich mit Missbrauch zu befassen, deinen Taten in Form negativer Kommentare gegenüber den Medien über Missbrauch. Jene Taten sind das, was die Kritik brachte.)

Wie ich gesagt habe, kamen in meinen 40 Jahren der Zugehörigkeit zu Jehovas Zeugen nie Fälle von Kindesmissbrauch auf meinen Tisch. In meinen 9 Jahren in der leitenden Körperschaft und meinen Jahren im Dienstkomitee der leitenden Körperschaft wurde die Sache nie vorgelegt, obwohl Dinge sexueller Unmoral in vielen Arten vorkamen. Ich sprach vor kurzem mit einem Mann in Nevada, der im Jahre 1951 getauft wurde. Sein Vater war ein sehr berühmter Zeuge in der südlichen Gegend von Kalifornien, wo dieser Mann aufwuchs. Er sagt, dass er in seinen Jahrzehnten der Zugehörigkeit ebenso nichts von Kindesmissbrauchsbeschuldigungen hörte.

(Dieser Kommentar wird von vielen als absurd angesehen. Es wird unterstellt, es habe kein Missbrauchsproblem gegeben, und deine Freunde stimmen dem zu. Warum würdest du über etwas einen Kommentar abgeben, von dem du einräumst, dass du nichts darüber weißt?)

Es ist ziemlich naiv von Personen, anzunehmen, dass die intensive Publicity bezüglich dieses Themas in letzter Zeit unbedingt bedeutet, dass die Situation in früheren Zeiten ähnlich war.

(Wen klagst du an, "naiv" zu sein? Sind es jene, die glauben, dass dies ein langjähriges Problem in der Organisation ist? Was ist mit den zahlreichen Missbrauchsüberlebenden, die gegenüber Silentlambs berichtet haben, in den 1950ern, 1960ern und 1970ern missbraucht worden zu sein? Meinst du, dass sie Lügner sind?)

Die Frage der Legalisierung homosexueller Gemeinschaften ist heutzutage aktuell, war es aber bestimmt nicht in früheren Jahrzehnten. Bedauerlicherweise verrät die Bereitschaft einiger früherer Zeugen, sensationelle Behauptungen zu akzeptieren, die mit der Vorspiegelung von Insiderwissen gemacht werden, einen gleichen Mangel an kritischem Denken, wie er in der Zeugenschaft endemisch ist.

(Hier haben wir eine klare Beleidigung gegen alle Missbrauchsüberlebenden, "die Bereitschaft einiger früherer Zeugen, sensationelle Behauptungen zu akzeptieren". Wovon redest du, Ray Franz? Missbrauchsüberlebende, die sich melden? Dann sagst du, wenn sie dies akzeptieren, "fehlt ihnen kritisches Denken"? Würde das grundsätzlich bedeuten, sie sind dumm? Nun sagst du, dass denjenigen, die Missbrauchsbehauptungen akzeptieren, "kritisches Denken" fehlt und dass sie wie alle Zeugen Jehovas sind? Es scheint, du hast gerade Missbrauchsüberlebende und Zeugen Jehovas mit diesem Kommentar beleidigt.)

Von den vielen Sexualverbrechen ist Kindesmissbrauch fraglos eines der verabscheuungswürdigsten. Jene, die Kinderschänder abschirmen, tragen sicher eine sehr schwere Verantwortung. Auf bestimmte Vorschriften zu zielen, als ob dies das eigentliche Problem ist, heißt, glaube ich, oberflächlich zu denken.

(Ab Tag eins haben wir die Wachtturm-Politik hinterfragt, aufgrund derer Kinder verletzt worden sind. Diese Politik wurde zum Teil von dir geschrieben. Jetzt möchtest du sagen, dass, wenn die Politik angezweifelt wird, jene, die dies tun, "oberflächlich" denken? Welche Vorschläge hast du, um Kinder zu schützen und die Wachtturm-Gesellschaft davon abzuhalten, sie zu durch ihre Politik zu verletzen?)

Es gibt ein grundsätzlicheres Problem, das nicht nur diesem, sondern jedem von dem betroffenen System geförderten Gesetzesdenken zu Grunde liegt.

(Jetzt ist es auch verkehrt, vor Gericht zu gehen? Zieht das nicht jedem die Beine weg, der etwas gegen Wachtturm-Vorschriften unternimmt?)

In Jesu Tagen hatten die Leute Ehrfurcht von Religionsführern des Judentums von der Abteilung der Pharisäer. Das blinde Vertrauen und die blinde Unterwürfigkeit, die dies produzierte, war für die Leute schädlich. Jesus versuchte nicht, ihnen Befreiung zu schaffen, indem er sich bemühte, Probleme für die Pharisäerbewegung mit den römischen Beamten zu schaffen, so dass die Regierung Strafmaßnahmen gegen sie ergreifen würde. Stattdessen sprach Christus Jesus Wahrheiten aus, die in seiner Zeit Leuten ermöglichte, sich von der Vorherrschaft durch das Denken und die traditionelle Lehre der Pharisäer und aller wie sie zu befreien, und den Menschen zu ermöglichen, zu sehen, dass Gott nicht dadurch geehrt wurde, dass "Menschengebote gelehrt" wurden (Matthäus 15:8, 9). (Man beachte, dass Jesus in seiner Darstellung der Dinge nicht zögerte, aus dem Gesetz [Verse 1-6] zu zitieren, das durch Moses gegeben wurde, und es als das "Wort Gottes" bezeichnete..)

(Bei dieser Argumentation scheint es, wir sollten "auf Jehova warten" und die Bibel lesen, bis das Problem von Gott gelöst wird. Wer mag diesen Klang?)

Ich schrieb zwei Bücher, Der Gewissenskonflikt und Auf der Suche nach christlicher Freiheit, und in diesen habe ich mich bemüht, den Leuten zu helfen, zu merken, dass es keine biblische Grundlage für Unterwürfigkeit unter eine menschliche religiöse Organisation und ihre Verordnungen und ihre Vorschriften menschlichen Ursprungs gibt; in beiden Büchern habe ich die entscheidende Wichtigkeit einer persönliche Beziehung zu Gott und Christus hervorgehoben sowie die Bedeutung, sich an das eigene Gewissen und die eigene Überzeugung zu halten.

(Doch du erwartest, dass jeder mit deiner Position einverstanden ist, oder er wird von Gott verurteilt.)

Wie irgendjemand ihren Inhalt lesen und dann versuchen kann, den Autor als Sympathisanten der legalistischen Vorschriften der Wachtturm-Organisationen darzustellen, ist für mich schwierig zu verstehen, und ich kann nicht feststellen, welcher Beweggrund jemanden veranlassen sollte, dies zu tun.

(Deine Bemerkungen verraten dich.)