Gedichte und Gedanken

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Pat Garza ist von uns gegangen.

Obwohl wir uns nie begegnet sind,

fühle ich mich dir sehr nahe.

Wir haben mehr durchgemacht

als Menschen durchmachen sollten.

Und Rizpah in biblischer Zeit

habe auch ich meine beiden Kinder verloren.

Vor zehn Jahren, und wer sollte es je wissen,

eben jemanden, der den Schmerz erfahren hat,

aus Unrecht Recht zu machen,

die Unschuldigen zu schützen.

Und doch ist es nicht der Wille,

unseres Vaters im Himmel,

dass eines dieser Kleinen vergehen sollte.

Wie du konnte ich die Last nicht ertragen,

dass es keine Gerechtigkeit gibt.

So habe ich am Ende ein gebrochenes Herz

und keine Antworten - nur Fragen.

Wie du bete ich an Gottes großem Thron

um Frieden auf Erden

und Gerechtigkeit - für all unsere Kinder.

 

Roberta Grace Moore

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Wiedergeburt der Unschuld

 

Geschichtete Höhen haben diese Männer erreicht,

Wahrhaftigkeit ihrer Ansprüche haben sie gelehrt.

Mit Göttern den Thron zu teilen, haben sie gesagt,

geglaubt von Laien und Narren, die geschröpft wurden.

Über jeder adamischen Sünde, für de sterbliche Menge übrig,

behaupteten Fürsten unter Menschen eine besondere Klasse zu sein.

In Zuversicht lebten sie in abgeschiedener Macht,

hielten unser Leben nach Minuten und den Tod nach Stunden.

In Herrlichkeit und Pracht schritten sie stolz einher,

und niemand kannte ihre bösartige Seite.

Mit Vertrauen wurde die Unschuld zerstört,

Mit Furcht die unschuldigen Erinnerungen wiedergeboren.

Mit Glauben wurde Vertrauen genommen und zerstört,

mit Wut der Vertrauende nicht länger beschäftigt.

Nirgendwo, um sich zu verstecken, um hinzulaufen,

Verlust des Selbst, Verlust des Stolzes.

Wer wollte den unschuldigen Erzählungen der Sünde glauben?

Den Fürsten sagte man, alles innerhalb zu halten.

Antworten wurden gefunden, aber erst nach viel Schmerz,

Wahrheit entkommt durch ein alptraumhaftes, irres Labyrinth.

Doch hört, das Bild am weiten Horizont,

ein großes Gebäude, korrupt und auf gottlose Weise obszön.

Mit Gebäuderissen, wo man es für stabil hielt,

jetzt laufen die Risse an der Seite und rundum entlang,

Bald wird das Gebäude zusammenbrechen, ohne Geräusch,

denn niemanden wird es interessieren, niemand wird da sein.

Die Erinnerung wird bald in den Nebel vergehen,

und die geraubte Unschuld wird wiedergeboren und sanft geküsst.

 

Lass mich spielen

 

Lass mich spielen 

Damit meine goldenen Locken schwingen können

Lass mich spielen 

Verbringe einen endlos sorgenfreien Tag

Lass mich spielen 

Sei glücklich und sei, wenn ich bete

Lass mich spielen 

Roll dich an einem sonnigen Tag im Gras

Lass mich spielen 

So dass mir meine Kindheit bleiben wird

Lass mich spielen 

Lass mich spielen 

Denn ich bin deine Zukunft

Erkenne, dass wir vielleicht keinen anderen Tag haben

Also! Lass mich spielen 

Mark P

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Mutter, warum lässt du mich weinen?
Ich habe Angst und bin allein.
Der, den du geheiratet hast, hat gelogen,
Ist dir das etwa recht?
 

Mutter, du hättest mir helfen sollen.

Du hättest die Zeichen der Gefahr sehen sollen.
Mutter, dieses Verbrechen darf es nicht geben,
Jemand muss den Preis dafür bezahlen.
 

Muter, warum um Gottes Willen hast du zu ihm gehalten,

und auch die Ältesten nahmen es hin.
Mutter, ich weiß, Gott wird nicht festhalten
an dem Entsetzlichen, das sie tun.

 

Mutter, du bist schweren Herzens gestorben,
und er hat weiter andere verletzt.
Mutter, ich werde beginnen zu gesunden,
wenn ich meine leidenden Brüder unterstütze.
 

Cheri R August 2003

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Lieber Vater

Eine Missbrauchsüberlebende schreibt einen Brief an ihren Vater

Lieber Vater,

Ich bin jetzt 35 Jahre alt, eine erwachsene Frau, doch immer noch 13 Jahre jünger als du damals, als du mich zu missbrauchen begannst, als du 48 warst und ich erst 15. Hast du bemerkt, dass ich von Missbrauch sprach? Oh, du magst das Wort nicht, dann versuche ich es mit einem anderen: Kinderschänder. Damit stimmst du auch nicht überein?!! Wie soll ich es dann nennen? Eine Affäre? Dass ich nicht lache!.

Ich war 15, und du warst 48 und mein Vater. Ich war jung, du warst viel zu alt und mein Vater. Ich hatte noch nie einen Freund oder den ersten Kuss, du warst verheiratet und mein Vater. Ich war schlank und hübsch, du warst klein und fett und mein Vater. Ich habe dir nie Augen gemacht oder dich sexuell angesehen, nie, aber du hast mir Augen gemacht und mich begierig angesehen, als ich deine Tochter war und du mein Vater.

Ich lag da, steif wie ein Brett, während du dir, auf mir auf und ab, einen hoch holtest, bis du kamst, und du warst mein Vater. Ich habe dich nie berührt, ich lag nur da, während du überall meinen Körper berührtest, und du warst mein Vater. Innerlich schrie ich: NEIN, NEIN, NEIN, aber du hast nie etwas gesagt, denn du warst mein Vater.

Was ist das? Ja, du hast Recht, ich habe dir gesagt, dass ich dich liebte, weil du mein Vater warst. Ja, ich hielt deine Hand, weil du mein Vater warst. Ja, ich fragte dich, ob du mich liebst, weil du mein Vater warst. Aber ich wollte dich nie als Liebhaber, weil du mein Vater warst. Ich habe es nie gesagt, ich wollte deine Gefühle nicht verletzen, weil du mein Vater warst. Ich wollte mich übergeben, weil es SO widerlich war, und du warst mein Vater. Einmal erstarrte ich, weil mir so übel war und ich nah dran war, mich zu übergeben, und du fragtest, ob ich gekommen sei, und wenn ja, so würdest du aufhören und da liegen, und du würdest aufhören, weil du mein Vater warst.

Ich habe dir immer gesagt, dass ich mich schuldig fühlte und nicht mehr beten konnte, damit du aufhörst, ich habe aber nicht gesagt, dass es widerlich war, und alles, eil du mein Vater warst. Ich habe es niemandem erzählt, weil du mein Vater warst. Ich fühlte mich schuldig, wenn du mich vor meinen Geschwistern deinen Liebling nanntest, denn du warst ihr Vater. Ich fühlte mich schuldig und dachte, ich sei die "andere Frau", von der Mama nichts wusste, aber ich war es nicht - du warst mein Vater, ein Schänder. Ich bin 35 Jahre alt, und jetzt sage ich noch einmal: du hast mich belästigt, mich missbraucht, Gehirnwäsche bei mir gemacht, und du konntest alle diese Dinge tun, weil du mein Vater warst.

Du bist in mein Bett gekrochen, nahmst mich mit in Mamas Bett, hast mir Dinge über dein Sexleben mit Mama erzählt, die kein Kind hören sollte, und du warst mein Vater. Du hast mich in einer Weise zerstört, die du nicht einmal zu begreifen beginnen kannst, du hast mir meine Jugend gestohlen, und du warst mein Vater. Als ich so überwältigt von Schuld war und du herausfandest, dass ich zu beten aufgehört hatte, da erst bist du nicht mehr in mein Bett gekrochen, du hast auf meinem Bet gesessen und für mich gebetet, aber das machte mich immer noch krank, und innerlich schrie ich immer noch NEIN, NEIN, NEIN. Weißt du, dass ich die letzten 20 Jahre nicht mehr beten konnte? Du solltest dich schämen, denn du warst mein Vater.

Das alles hast du getan, und wenn ich dann mit einem Jungen redete, ich wiederhole: mit einem Jungen REDETE, hast du mich Hure oder Schlampe genannt - du hättest mich nicht so schrecklich nennen dürfen, denn du warst mein Vater. Du hast mich mit 13, 19 und 30 geschlagen, und jedes Mal war sehr traumatisch und demütigender, und du warst mein Vater.

Ich war vor der Außenwelt wie im Gefängnis, keine Freunde in der Schule, keine Freunde in der Kirche - ich war von der Welt isoliert - Vater, sag mir, warum? Angst, ich würde alles erzählen? als ich mit der Schule fertig war, arbeitete ich im Familiengeschäft, kein College. Vater, sag mir, warum? Angst, ich würde alles erzählen? Als ich mit 18 Jahren meinen ersten Freund haben wollte, hast du Nein gesagt und es verboten, ehe wir uns auch nur kennen lernten. Vater, sag mir, warum? Angst, ich würde alles erzählen? Als ich 19 Jahre alt war, sagtest du, ich dürfe ihn nie wieder sehen; "nicht jetzt, niemals". Vater, sag mir, warum? Angst, ich würde alles erzählen?

als ich schließlich den Mut hatte, die Stimme zu erheben und Hilfe zu suchen, hast du die Ältesten im Komitee überzeugt, und damals auch Mama, dass wir eine Affäre hätten; aber Jahre später bezweifle ich, dass auch sie das noch glauben, denn ich war dein Kind und du warst mein Vater. Lange Zeit war ich schockiert, als ich die Worte Inzest, Missbrauch, Belästigung hörte, denn du hast mir jahrelang erzählt, dass es eine Affäre sei, aber das war es nicht - du warst mein Vater.

Seit ich 19 war, als ich den Mut hatte, mich zu melden, und du mir innerhalb eines Monats meine Familie weggenommen und 3000 Meilen weg in die USA gebracht hast, bin ich diese 3000 Meilen zwei- oder dreimal im Jahr gereist und habe mir die Seele aus dem Leib gerissen, um meine Familie zu behalten und dir Brücken zu bauen. Weißt du, warum? Weil sie meine Familie war und du mein Vater.

Als du immer noch weiter verrückt geredet hast, habe ich dich nicht aus meinem Leben ausgeschlossen, weil du mein Vater warst. Du bist geplatzt, als du herausgefunden hast, dass ich meine Geschichte Geschwistern, Ehemännern, Freunden oder Therapeuten erzählt habe, aber dies ist meine Geschichte und meine Art, damit fertig zu werden, und du hättest mich nicht kritisieren oder mir die Schuld geben sollen, dass ich versucht habe, mit alldem fertig zu werden, weil du mein Vater warst.

Du hast mich in der schlimmsten Weise enttäuscht, du hast mit deinem verbalen, körperlichen, seelischen, geistigen und sexuellen Missbrauch die Grundlage für mein Versagen gelegt, und du warst mein Vater.

So stehe ich heute stolz auf und sage:

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende. Es war nicht meine Schuld. Ich habe nicht mitgemacht. Ich wurde manipuliert und missbraucht und befummelt und belästigt. Ich war verwirrt und hatte Angst und war verletzt. Ich war voller Scham und Schuld und Schmerz."

Ich sage es noch einmal:

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende. Es war nicht meine Schuld. Mir sind keine Vorwürfe zu machen. Ich habe nicht mitgemacht. Du hast mich manipuliert, und du warst mein Vater. Du hast mich missbraucht, und du warst mein Vater. Du hast mich befummelt, und du warst mein Vater. Du hast mich belästigt, und du warst mein Vater. Ich fühle keine Scham, ich fühle keine Schuld, und ich gebe dir die Scham, die Schuld und den Schmerz zurück."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  du, Vater, kannst nicht mehr in mein Bett kommen."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  du, Vater, kannst nicht mehr in meinen Kopf kommen."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  du, Vater, kannst meinen Körper nicht mehr schänden."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  du, Vater, kannst nicht mehr in meinen Geist kommen."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  du, Vater, kannst nicht mehr in meine Kraft kommen."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  du, Vater, kannst nicht mehr in meine Gefühle kommen."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  du, Vater, kannst nicht mehr die Vergangenheit für mich auslegen."

"Ich heiße W X X  und bin 35 alt und Inzestüberlebende, und  deine Tochter, Vater. Du bist L X X, du bist 68 Jahre alt und ein Täter, ein Schänder und Kinderschänder, ein toller und auch schrecklicher Vater, aber du bist doch mein Vater."

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EIN ABSCHLUSS

 

Ich hatte ein Kind, einen kleinen Jungen

Er war mein Stolz, meine größte Freude

Böse Männer nahmen ihn mir weg

Und wollten seine Gedanken nicht frei sein lassen

 

Sie gaben ihn zurück und lachten mit Häme

Die Maske, die er trug, war schwer zu ertragen

Ich wusste nicht, dass er so krank war

Ich dachte, er war der Beste

 

Ich glaubte den Lügen, die er erzählte

Und macht unser Leben zu einem Chaos

Ich wusste wirklich nicht, dass er

Jemand so kleinen verletzen würde

 

Oder dass er ein Bruder sei, anders als

Der, den er uns allen zeigte

Ich weiß nicht, wo der Verstand meines Sohnes blieb

An dem Tag, als ihn diese Männer nahmen.

 

Ich wusste nur, als er zurückkam,

Das war nicht mehr mein Sohn.

 

von Cheri

 

Meine Gedanken

Der Drachentöter * von Loris J. Matheny * Die Drachentöter sind gekommen; * Stark im Herzen, * Große Kämpfe haben sie gewonnen. *** Die Drachentöter sind gekommen; * Sie führen einen guten Kampf, * Sie drehen sich nicht um und laufen weg. *** Einer nach dem anderen, so kommen sie;  * Eine Herausforderung für den Drachen, * Doch jeder einzelne wird geschlagen. *** Da kommen sie zu zweit; * Sie kämpfen in der Mannschaft, * Weil zwei stärker sind als einer. *** Da kommen sie zu zehnt; * Der Drachen verlässt den Schutz der Höhle * Und kämpft auf offenem Feld. *** Da kommen sie Legion für Legion; * Der Drachen kämpft, der Drachen ermüdet,* Die Toten bedecken den Boden wie Dünger. *** Da ist ein kleines Kind gekommen; * Der Drachen ist müde von Jahren des Kampfes, * Das Kind wirft nur einen Stein. *** Da ist das Ende für den Drachen gekommen; * Besiegt durch die Drachentöter, * Besiegt am Ende durch einen einzigen.

 

 

DER MORGEN BRICHT AN

Nach einer Zeit lernst du den kleinen Unterschied
zwischen eine Hand halten und eine Seele anketten,
und du lernst, dass Liebe nicht Sicherheit bedeutet,
und du beginnst zu lernen, dass Küsse keine Verträge sind
und Geschenke keine Versprechen
und du beginnst deine Niederlagen anzunehmen
mit erhobenem Haupt und offenen Augen,
mit der Anmut von Frauen, nicht dem Kummer eines Kindes,
und du lernst, dir alle Straßen zu bauen
im Heute, denn der Boden des Morgen
ist zu unsicher. Und Künftiges hat
so etwas, wie mitten im Fluge abzustürzen,
nach einer Weile lernst du, dass sogar der Sonnenschein
brennt, wenn u zu viel davon bekommst.
Also pflanzt du deinen eigenen Garten und schmückst
deine eigene Seele, anstatt zu warten auf jemanden,
der dir Blumen bringt.
Und du lernst, dass du wirklich ertragen kannst,
dass du wirklich stark bist,
dass du wirklich Wert besitzt
und du lernst und lernst,
mit jedem Lebewohl lernst du.

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Der Tag der Unschuld
von neuen Gedanken

Und Freude

Und Frieden

Und Licht

Reißen die Seite aus meinem Buch

Eine Schwärze, ein Dunstschleier, das Spuken eines Geistes

Du siehst mich an

Und deine Augen sind jetzt leer

Deine Seele ist finster

Und deine Gestalt ist eingefallen, bleich, lauernd und entmutigend

Ich sehe in dein Gesicht und suche nach einer Ähnlichkeit mit dem Menschen, den ich kenne

Und Vertrauen.

Aber das ist vergangen

oder vielleicht hatte ich Unrecht: du warst nie da.

Die Zeit zerläuft in graue, nicht erkennbare Formen und Geräusche

Doch tief in mir ist ein Lied, ein Stampfen, zu dem ich tanzen muss

Eine Chance.

Ich hebe mein beschämtes Gesicht und öffne die Augen

und krieche mich frei

Ich verweigere den letzten Blick zurück

Stelle das Brüllen in meinem Kopf ab

Schüttle das Frösteln meiner Haut ab

Jetzt stehe ich

Und fühle den Regen, warm und singend

Der dich von mir abwäscht

Jetzt sehe ich den Sohn.

Und im Widerschein zu meinen Füßen sehe ich:

Die Freude

Den Frieden

Das Licht

Und ich brauche dich nicht mehr

Jetzt halte ich kleine Hände und sehe kleine Gesichter vor mir, die mich anschauen.

Und sie vertrauen mir und sehen mir in die Augen.

Wie die Witwe mit den Münzen von geringem Wert,

Habe ich gelernt, von dem zu geben, was ich nie erhalten habe

Wasser aus einem leeren Brunnen zu schöpfen

Und es freiwillig und kostenlos zu geben.

Aber ich hätte gern, dass du wüsstest

dass du meine Seele nicht einkerkern wirst;

Und mein Geist ist nicht in Ketten und trägt seine Narben als Zeichen des Mutes.

Dir schulde ich nichts.

Du vergehst und ich muss weiter

Das Leben ist süßer, Dinge tun, leben, die Luft atmen.

Willow

 


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Die Einzige

Ein verstörtes Kind mit leeren Augen sitzt still und allein und hat nicht viel zu sagen,

Er hat ihren Hund getötet und gesagt, sie sei die nächste, würde sie den Freunden das zu sagen wagen.

Ein Vater, der ihr Vertrauen missbrauchte, ihr die Unschuld nahm. Nun sitzt sie da ohne Gefühl,

Zuviel Angst, sich jemandem anzuvertrauen, denkt sie, sie sei die Einzige, und weint still.

 

Eines Tags, im Moment des Vertrauens, erzählt sie der Mutter von ihrem Entsetzen,

Die Eine, die glauben sollte:  statt dessen wird sie die Tochter noch mehr verletzen.

Sie weint und sagt: Vielleicht war es nur harmlos, vielleicht sind es Lügerei’n.

Das Kind fragt sich:  War’s wirklich oder bin ich verrückt? Ich muss die Einzige sein.

 

Das Kind wird älter und größer, fasst Mut und geht zu den Ältesten hin,

Doch die Männer, statt Recht zu üben, nennen sie eine Lügnerin.

Der Schänder leugnet, sie muss, so sagt man, still sein oder sie wird geächtet,

Sie ist niedergeschlagen und fühlt sich allein. Sie glaubt, sie ist die Einzige, völlig entrechtet.

 

Vor Schmerz, denkt sie, wird sie zerbrechen. Sie gesteht einer Freundin, die zeigt den Schänder an.

Der Schänder ist Ältester, man sagt ihr, ihre Sünde sei größer als die von dem Mann.

Beklagt der Verleumdung, so hört sie sich die Bekanntmachung in der Versammlung an,

Sie hat keine Freunde mehr, die Eltern wenden sich ab, hört denn keiner die Einzige an?

 

Seit Jahren ein schweigendes Lamm, ist sie voller Angst, denn der Schmerz ist von Dauer,

Doch eines Tags hört sie, sie ist nicht allein, denn andere Opfer teilen ihre Trauer.

Das wütende Brüllen des Lammes, es wird der Beginn ihrer Heilung sein.

Und langsam glaubt sie: Sie hat nun Hilfe, sie ist nicht die Einzige, ist nicht allein.


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An Silentlambs. 13.08.2001 14:24

Es ist gut zu hören, dass Silentlambs die Stimme erhebt. Ihr alle habt gelitten und leidet immer noch. Ich möchte euch erzählen, was ich getan habe, als ich traumatisiert wurde. (Nicht, weil ich sexuell missbraucht wurde: früher im Leben, ja.) Ich studierte alle Psalmen. Sie sind, wie ihr wisst, Gebete, geschrieben in ausgezeichneter hebräischer Poesieform. Ich las sie, studierte sie, meditierte über sie und betete darum, dass sie mein Herz und meinen Sinn erreichten. Ich schrieb sie in Poesieform, in moderner Ausdrucksweise, nieder. Ich habe keine akademische Abhandlung geschrieben. Ich konzentrierte mich auf die Dinge, die mir sagten, was der Dichter in Herz und Sinn hatte. Ich wollte die Tiefe und Stärke der Wirkung und das Drängen des Tones erkennen. Ich wollte seine Tränen sehen und seine Schreie hören und seinen Herzschlag vernehmen. Auf diese Weise konnte ich sie mit mir in Beziehung setzen. Dann schrieb ich immer ein Gedicht. Der Stil und das Versmaß gaben meine Stimmung wieder: manchmal war der Psalm natürlich voller Jubel und Freude. Daraus erwuchsen  Befreiung und Ausgeglichenheit. Ich habe dann immer gebetet, den Gedankenfluss richtig hinzubekommen, bis es klappte. Unser himmlischer Vater hat mich nie enttäuscht. Es hat etwa sechs Monate gebraucht: Ich war geistig so gestärkt! Ich wollte kein Meisterstück schreiben, und ich wollte auch Gottes inspiriertes Wort nicht ersetzen. Aber ich habe großen Trost empfunden: Ich hatte meine Last abgelegt und war wieder korrigiert. Ich empfehle euch diese Art von Kur.

 Etwas anderes, was ich getan habe, war, alle Schriften des Johannes zu studieren, insbesondere seinen ersten Brief. Ich habe das Neue Testament von J.B. Phillips genommen, und später bekam ich William Barclays ausgezeichneten Kommentar zum 1. Johannesbrief in die Hand. Denkt daran: Johannes war schon sehr alt, als er seinen ersten Brief schrieb. Er hatte eine Menge Zeit, die Dinge aufzunehmen, die Jesus getan und gesagt hatte. Er war am „Busenplatz“ gewesen und kannte jede Spur und Nuance seines Meisters. Könnt ihr die Logik erkennen: Wenn wir die Worte des Johannes vollständig verstehen könnten, dann könnten wir auch am „Busenplatz“ sein. Das ist sicher ein Gegenmittel für alle, über die die Wölfe hergefallen sind und die von den so genannten Hirten der Herde mit Verachtung behandelt wurden. Seht euch nur an, wie Phillips die Stelle in 1. Johannes 3:2 wiedergibt: „Oh, meine lieben Kinder (man möge mir die Zuneigung eines alten Mannes nachsehen), habt ihr es erkannt? Hier und jetzt sind wir Gottes Kinder.“ Hier drängt sich die Frage auf: „Warum? Wenn wir seine Kinder sind, warum lässt er zu, dass diese Dinge mit uns geschehen?“ Ich möchte es erklären, so wie ich es sehe.

 Gott ist in allem „der Größte“. Wie können wir beispielsweise von Gottes Allmacht wissen, wenn er sie uns nicht erweist? Was damals, vor all den vielen Jahren, in Ägypten passierte, hallt noch heute im Universum wieder. Kann man sich Gott widersetzen und ungestraft grausam sein Volk bedrücken? „Ägypten“ ist eine zeitlose Mahnung, ein Musterbeispiel! Es sagt schallend „Nein!“ Seid dessen sicher, dass Gott seinem Zorn gegen alle freien Lauf lassen wird, die seine Kinder und die, die sie schützen, missbrauchen. Er wird seine Liebe für sie sichtbar erweisen. Schon heute gibt es mutige Männer und Frauen, die „an die Türen der Menschen klopfen“. Hinter einigen dieser Türen sind Regierungsbeamte in London und Washington D.C., die gerade jetzt Dokumente auf ihren Schreibtischen liegen haben, in denen von eurer Misshandlung die Rede ist. Das ist recht: denn sie sind die von Gott ernannten Herrscher, die „Cäsaren“ dieser Welt. Andere werden durch das ständige „Klopfen an ihren Türen“ gestört, an den Türen zu ihren Elfenbeintürmen.

 Möchtet ihr die Verfassung einer neuen Herrschaft kennen? Dann lest bitte den Hebräerbrief. Er spricht von einer königlichen/priesterlichen Herrschaft. Die Vollmacht der Könige wird durch das Verstehen der Priester gemäßigt. Betrifft euch das Wort „Priester“? Der Schreiber sagt: „Betrachtet Jesus, der ein Apostel und Priester war.“ Denkt darüber nach; ein Apostel ist jemand, der „ausgesandt“ ist; ein Priester ist jemand, der bei Gottes „Gnadenstuhl“ für uns eintritt, und daraus kommen Segnungen für alle Bittenden. Diese zweifache Eigenschaft charakterisiert die neue Herrschaft: die Ordnung nach der Weise Melchisedeks. Das Schwert des Königs wird schwer auf alle herabkommen, die sich zu ihrer eigenen Verherrlichung Macht anmaßen: es wird keine Elfenbeintürme mehr geben: Der Missbrauch der Lämmer rührt von einem Missbrauch der Macht her. Überdies würde es uns ein Trost sein, zu wissen, dass diese „Ordnung nach der Weise Melchisedeks“ eine ewige Ordnung ist, der status quo, von Gott mit einem Eid bekräftigt.

 Schweigende Lämmer, erhebt euch wie Wölfe, macht wieder eure Würde als Gottes Kinder geltend. Stellt stolz eure fliegende Mähne zur Schau, eure Herrlichkeit; nicht wie das sprichwörtliche Wollknäuel, das fest und verknotet und verwirrt war, als Symbol für eure übel zugerichteten Gefühle. Sucht den Trost, den Gott gibt, „Seine Ruhe“. (Geistig gesinnte Russen haben den Ausdruck „Wir ruhen am Busen Gottes“). „Am Busen Gottes“ gibt es keine Schande und keinen Verlust der Würde. Bitte nehmt diesen meinen Brief an. Er ist geschrieben im Geiste von 2. Korinther 1:4, 5 (J. B. Phillips): „Denn er gibt uns Trost in allen Versuchungen, so dass wir wiederum in der Lage sind, das gleiche starke Mitgefühl anderen zu erweisen“. In der Tat, Erfahrungen zeigen: Je mehr wir an Christi Leiden teilhaben, um so mehr sind wir in der Lage, seine Ermutigung weiterzugeben.


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Ich meine, die Gesellschaft muss vortreten und ihren Stolz hinunterschlucken und ihre Fehler zugeben und eine Kehrtwende machen, dann haben die Menschen vielleicht etwas Achtung vor ihr. Die Gesellschaft muss Entschuldigungsschreiben an die Opfer/Überlebenden und die Familien der Missbrauchten schicken. Eine Liste aller überführten und/oder geständigen oder entlarvten und  geständigen Missbrauchstäter muss in Wachtturm und Erwachet! abgedruckt werden, sie muss zusammen mit einem Bild des Missbrauchstäters in Königreichssälen, auf Kongressstätten, in den Versammlungssälen und in den Ruheräumen ausgehängt werden. Wenn der Täter oder die Gesellschaft meint, das wäre ein Einbruch in die Privatsphäre oder es würde dem Ruf des Täters schaden … ZU SCHLIMM AUCH ... aber der Täter drang ja in die Privatsphäre der Opfer ein und schädigte sie sexuell, seelisch, gefühlsmäßig, manchmal auch körperlich und geistig (Missbrauch tötet den Geist eines Kindes und oft auch den Glauben an Jehova). Wenn der Täter meint, das sei nicht fair, dann braucht er ja die Versammlungen nicht zu besuchen, so einfach ist das! Alle Täter müssen sofort bei den Behörden angezeigt werden, und wenn die Ältesten Kenntnis von einem Missbrauchsfall erhalten, haben auch sie die Verantwortung, den Fall zu melden, ob die Versammlung in einem Bundesstaat liegt, wo das Pflicht ist, oder nicht (der Stadtrat kann eine Verfügung erlassen, dass sich jeder eines Verbrechens schuldig macht, der von einem Fall von Kindesmissbrauch weiß und ihn nicht anzeigt). Es ist unsere moralische und christliche Pflicht, auch wirklich jeden Fall anzuzeigen und das Missbrauchsopfer zu unterstützen. (Ich kenne ein paar Zeugen Jehovas, die ihre Brüder und Schwestern allein schon für leichtes Geschwätz bei den Ältesten gemeldet haben).

Warum haben die Freunde solch eine Furcht? Sie sollten sich in die Lage des missbrauchten Kindes versetzen und sich einen Augenblick lang einmal vorstellen, wie verängstigt das Kind/der Jugendliche war, als es/er missbraucht wurde ... stellt euch vor, ihr wisst, dass diese Person, der das Kind vielleicht vertraut und die es geliebt hat, es berührt, befummelt, auf ihm masturbiert, Oralsex mit ihm macht, oder es Oralsex an ihr machen lässt, vielleicht Fotos von ihm macht, Sodomie betreibt, es vergewaltigt. Vielleicht sind nicht alle diese Dinge geschehen, aber einige Menschen, die wir lieben, standen vor dieser Situation. Stellt euch vor, ihr lebt mit dem Täter zusammen, ihr esst vom selben Tisch, ihr schlaft im selben Haus, sitzt in den Königreichssälen neben ihm, diese Person sagt, sie liebt euch, und dann – das ist die Spitze von allem – seht ihr, wie sie Ansprachen halten, wie sie predigen, beten und euch sagen, ihr sollt liebe kleine Mädchen und Jungen sein, weil Jehova liebe kleine Mädchen und Jungen liebt. Sie sagen ihnen, wenn sie weinen … hört auf, oder ich gebe euch wirklich was zum Weinen ... der Kinderschänder hat ihnen wirklich schon etwas gegeben, worüber sie für den Rest ihres Lebens weinen können. Der Kinderschänder hat das Vertrauen des Kindes missbraucht, ihm seine Unschuld genommen, ihm einen Grund zum Zweifeln gegeben, ob es Jehova wirklich gibt oder ob er die Gebete der armen Kinder, Papa möge doch bitte aufhören, mir weh zu tun, hört. Jehova, warum hörst du mich nicht? Mein Gott, was denken die Leute ... es ist geradeso, als ob sie nicht denken.

Der Kinderschänder hat seine Schande an die Kinder weitergegeben (wo die Schande nicht die ihre ist), und diese tragen sie für den Rest ihres Lebens mit sich, bis sie seelisch und geistig wieder genesen. Schande über die Täter und alle, die sie unterstützen und die Sache vertuschen. Wie kann jemand geistig genesen, wenn die Hirten ihm den Rücken zukehren und nicht die Stimme für ihn und seine Familie erheben, wenn sie dann ihm und seiner Familie sagen, er dürfe nicht andere vor diesem Monster warnen, sonst werde er bezeichnet oder ausgeschlossen? Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Ich meine – und ich weiß, ich spreche da auch für andere, wenn ich sage – kein Predigtdienst (ohne intensive Therapie), keine öffentlichen Ansprachen, keine Vorrechte (warum sollte ein Kinderschänder belohnt werden, nur weil er in alle Zusammenkünfte geht) keine Nebenarbeiten oder Hilfstätigkeiten, wo Kinder oder Teenager leben oder anwesend sind. Es gibt KEINE ENTSCHULDIGUNG mehr ... die Ältesten können nicht mehr sagen: Wir wussten nicht, was wir tun sollten – Das ist neu für uns – Wir sind keine Fachleute – Wir sind unvollkommen. Jetzt wissen die Ältesten, was sie tun müssen, und viele Älteste erheben ihre Stimme für die Opfer/Überlebenden, nur um dann für ihre Handlungsweise verurteilt zu werden, und das ist für die Ältesten nicht neu. Schaut zurück auf all die früheren Fälle, die sie nicht richtig behandelt haben, die Ältesten sind keine Fachleute, ich meine, einige sind nicht einmal einfühlsam genug, um fachmännisch zu sein. Dann lernt, nehmt Kurse, betätigt euch als Freiwillige, besucht Behandlungszentren für missbrauchte Kinder, schaut einem Opfer/Überlebenden in die Augen und seht den Schmerz, die Verbitterung und die Wut! Schaut nicht weg ... habt keine Angst ... wir werden euch schon nichts antun, so wie die Kinderschänder uns etwas angetan haben. Die Gesellschaft muss etwas von den Spendengeldern nehmen für Missbrauchsbeobachtungszentren in jedem Saal, sie muss qualifizierte und handverlesene Leute haben, die freiwillig Kurse über Kindesmissbrauch belegen, und Quellenmaterial und Informationen an die Familien und die Kinder weitergeben.

Ich habe eine Ganztagsarbeit und doch die Zeit gefunden, um sie freiwillig bei drei Missbrauchshilfsorganisationen zu verbringen. Und wenn ich das kann, dann können das die „Freunde“ auch. In den Predigtdienst gehen, um die Königreichsbotschaft zu fördern? Die Ältesten könnten Unterstützung für Opfer/Überlebende und (hoffentlich nicht) künftige Opfer zeigen, sie könnten die Mitglieder ermuntern, um freiwillig in den Missbrauchsbeobachtungszentren in jedem Saal oder in jedem Kreis zu helfen. Wir wollen die dringende Situation, die sich in Königreichssälen im ganzen Land und international ergibt, nicht einfach abtun. Wir müssen uns den Tatsachen stellen, ob uns das passt oder nicht. Wir können nicht länger wie die drei Affen handeln: nichts sehen, nichts reden und nichts hören ... Unsere Kinder brauchen unseren Schutz und unsere Unterstützung, und das ist es, was Jehova von uns verlangt: Nach Waisen zu sehen. Und ein missbrauchtes Kind muss man als Waise ansehen, wenn niemand für es sorgt und es seelisch, gefühlsmäßig und geistig stärkt.

Von einer Mutter und einer Schwester eines Inzestopfers und der Mutter und Schwester verbal, seelisch und geistig missbrauchter Kinder

 

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Ich glaube, die Wachtturm-Politik sollte geändert werden. Denn wenn Menschen Schaden nehmen und die ORGANISATION tut nichts und vertuscht die Sache auch noch, dann sagt mir das, dass irgendetwas mit der Organisation nicht stimmt, nicht mit den Menschen. Ja, die Leute haben ein Problem, aber der Organisation ist die Schuld zu geben, weil sie es vertuscht und die Leute zwingt, ruhig zu bleiben.

Was solche Leute angeht, die ein Kind missbraucht haben: HOLT EUCH HILFE. Ihr könnt nicht erwarten, gesund zu werden, indem ihr einen Haufen Informationen lest und um Heilung betet. Ja, das Beten mag euch wieder in ein persönliches Verhältnis zu Gott bringen, aber was eure seelische Gesundheit angeht, da braucht ihr fachliche Hilfe.

Die Organisation: Ihr müsst eure Politik ändern und die Herde schützen.  Es ist EURE Verantwortung, den Bedürftigen zu helfen. Sitzt nicht einfach so herum und tut nichts. Macht eine Anzeige bei der Polizei.  Es ist ein Verbrechen, ein Kind oder jemand anderen zu missbrauchen und sexuell zu belästigen. Dadurch kommen nicht nur die Leute in der Versammlung, sondern auch Jehova kommt in ein schiefes Licht. Für ihn, meine ich, ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn ihr nichts tut. Erlasst eine Vorschrift: „Wenn du belästigt wurdest oder du hörst von einem solchen Fall, dann zögere nicht und geh zur Polizei.“

Was die Versammlung angeht: Ihr alle müsst für die rechte Wahrheit aufstehen und marschieren. Habt keine Angst vor der Organisation. Sehrt euch an, wer sie sind!  Es scheint, sie sind ein Haufen von BESCHÜTZERN von Kinderschändern! Wenn du also zu einer Organisation gehören willst, die eine solche Krankheit unterstützt, dann mach nur weiter so. Wenn du aber zu einer Organisation gehören willst, die liebt und Gott und die Liebe unterstützt, dann beteiligt euch und helft Bruder Bowen und anderen, für das Rechte aufzustehen.

Ich glaube, ich würde immer noch zu den Zeugen Jehovas gehören, wenn es dieses Problem nicht gäbe. Aber die Tatsachen, über die ich lese, sagen mir, dass da ein Problem besteht. Es tut mir leid, dass es kranke Leute in der Welt gibt, die Hilfe brauchen, aber es ist ihre Entscheidung, sie sich zu holen. Ich selbst kann nicht länger einer Religion folgen, die Kinderschänder verbirgt.

An alle, die dies lesen: In meinem eigenen Haus gab es einen Fall von Kindesmissbrauch. Das alles brachte diese verrückte Welt herbei, die ich nie zuvor in der Organisation der Zeugen Jehovas gesehen habe. Da habe ich ein Problem gesehen. Nein, ich wurde nicht sexuell belästigt, aber jemand, den ich sehr mag. Ich war verletzt, als ich hörte, man habe ihr gesagt, sie müsse Schweigen darüber wahren. Und nur daran zu denken, dass dies Tausenden passiert ist, nervt mich. Ich kann mir gar nicht all die Schmerzen vorstellen, die Menschen durchgemacht haben.

Was mich betrifft, ich möchte mich zu keiner Religion bekennen, die solche Fälle vertuscht. Ich hoffe, dass dies alles eines Tages vergeben und bereinigt wird, aber ich weiß auch, dass das erst dann passieren wird, wenn die Wachtturm-Politik geändert wurde.

Geschrieben von einer fünfzehn Jahre alten Schwester.  


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BETT VOLL TRÄNEN

Das Mädchen sitzt da auf einem Bett voll Tränen,
Es ist allein und voller Scheu.
Es kann den Grund so recht nicht wähnen,
Warum nichts heilt und nichts wird neu.
So starrt es ständig vor die Wand.
In kindlichem Gebet – wird es denn nützen? –
Sagt es: „Mein Papa, nimm mich an die Hand;
Vor meiner Angst musst du mich schützen.“

Aber Papa zu rufen kann es nicht wagen.
Wie es ihn für seine Gemeinheit hasste!
„Er sagte, er liebt mich, ich dürfe niemand was sagen.
Doch ich wollte nur schreien, als er mich anfasste.
Er tat mir so weh, und da musste ich weinen.
Er sagte, er liebt mich, aber warum ist er so schrecklich?
Hörst du mich, Jesus? Ich habe sonst keinen!
Ich will dich nicht stören, doch meinen Papa, den hass’ ich.“

„Bitte vergib mir, dass ich so schlecht bin,
Ich weiß, ich mache meinen Papa ganz wild.
Er stellte sich gestern vor meinem Bett hin
Und war auf einmal so lieb und mild.
Er sagte: Sei wieder brav, wie es früher mal war.
Ich habe Angst, er liebt mich nicht mehr.
Doch Jesus, wenn er Nachts kommt, das tut so weh!
Ich möchte es Mama sagen, nur gibt es dann Streit.
Ich möchte mit dir weg; ganz, ganz weit.
Aber hasst du mich auch, wenn ich mit dir geh?“

Meiner Tochter gewidmet


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Anscheinend schreie ich nicht laut genug, um gehört zu werden,
Anscheinend atme ich nicht tief genug, um den Atem anzuhalten.

Anscheinend weine ich nicht stark genug, um den Schmerz loszuwerden,
Anscheinend denke ich nicht lange genug nach, um die Lösung zu finden.

Anscheinend träume ich nicht intensiv genug, um einen anderen Weg zu finden,
Anscheinend laufe ich nicht schnell genug, um zu entkommen.

Anscheinend halte ich mein Kinn nicht hoch genug, um nicht zu ertrinken,
Anscheinend konzentriere ich mich nicht stark genug, um erleuchtet zu werden.

Anscheinend rede ich nicht sanft genug, um für mich allein zu leiden,
Anscheinend lache ich nicht genug, um mich davon zu überzeugen, dass es nicht da ist.

Anscheinend gehe ich nicht zu sehr mit mir ins Gericht, um mich selbst zu überzeugen,
Anscheinend argumentiere ich nicht zu sehr mit mir selbst, um die Dinge ins Lot zu bekommen.

Anscheinend finde ich nicht genügend Worte, um es anderen zu erklären,
Anscheinend bin ich nicht alleine genug, um es zum Verstummen zu bringen.

Anscheinend bin ich nicht mit Menschen zusammen, die mich verstehen,
Ich kann nicht frei genug sein, um zu sehen ..................................................TLFS


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Heute, am 20. April, jährt sich zum vierten Mal ein besonderer Tag in meinem Leben, der Jahrestag meiner Wiedergeburt. Diese Wiedergeburt war keine religiöse Erfahrung, aber es war etwas vollkommen Reines, Erstaunliches und Heilendes. Es hatte überhaupt nichts mit der Wachtturm-Gesellschaft zu tun, oder vielmehr damit, sich von ihr zu befreien. Es war aber ein erster riesiger Schritt in diese Richtung.

Heute jährt sich zum vierten Mal der Tag, an dem ich einen Brief erhielt, der alles änderte. Die Worte auf den Seiten waren lebendig und magisch: Sie befreiten mich von meinem alten Leben, und zum ersten Mal sah ich das Leben nicht nur in Schwarz-Weiß. Ich sah es in reichem, herrlichem Technicolor. Ich hatte nicht mehr diesen Tunnelblick. Endlich weiteten sich meine Augen, und ich sah das volle Ausmaß meines Lebens. Nicht einfach, was es damals war (damals war alles ein Chaos), sondern was es sein könnte. Heute vor vier Jahren sagte Justin: „Ich liebe dich.“

Damals war ich ruhig dabei, meine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Ich plante meinen Weggang aus diesem Leben in, so glaubte ich, einen friedlichen Schlaf, frei von Schmerz. Ich dachte damals so gering von mir; der Mann, mit dem ich verheiratet war, redete mir ein, ich sei wenig wert, dass ich dachte, meine Tochter habe es besser, wenn jemand anders sie großzöge. Jemand, der glücklich sein konnte, weil ich nicht glaubte, ich könnte es je sein.

Mit dieser Erklärung, dass er mich liebe, ohne etwas dafür zu erwarten, gab mir Justin die Schlüssel zur Freiheit. Auch wenn ich mir damals nicht vorstellte, wir könnten uns jemals persönlich begegnen, sagte er, er wisse, in welcher Lage ich sei, dass ich in einer „Falle“ wäre und dass er da wäre, um mein Freund, Unterstützer, ein sicherer Ort zu sein, egal was geschehe.

Auch wenn er Hunderte von Meilen entfernt lebte und ich nie seine Stimme gehört hatte und sein Aussehen nur von Bildern her kannte, fühlte ich mich ihm näher als irgendjemandem auf der Welt. Ich wusste, dass er mich so akzeptierte, wie ich war, und das hatte noch nie jemand in meinem Leben getan, insbesondere nicht meine Familie aus Zeugen Jehovas.

Ich musste niemand sein oder etwas tun, um seine Liebe zu verdienen. Tatsächlich habe ich nicht einmal versucht, ihn dazu zu bringen, mich zu lieben: Es geschah einfach, und es schockierte uns beide ungeheuer. Er wusste nicht, wie ich auf seine Ankündigung reagieren würde. Später hat er mir gesagt, er hätte geglaubt, ich würde nach dem, was er über seine Gefühle gesagt hatte, nie wieder mit ihm reden.

Damals war ich sehr traurig, wie ich ihn wieder lieben könne. Ich glaubte nicht, ich könnte von dem Mann frei kommen, der alles in meinem Leben kontrollierte. Von dem Mann, den ich um fünf Dollar bitten musste, wenn ich mein Kind zu McDonalds mitnehmen wollte; von dem Mann, der mir sagte, was ich anziehen sollte, wie viel ich wiegen sollte, wie ich mein Haar tragen sollte und was ich denken und empfinden durfte. Von dem Mann, der mich mit allen möglichen schmutzigen Namen belegte und der bei jeder Gelegenheit etwas an der Art, wie ich als Mutter war, auszusetzen hatte; von dem Mann, dem ich nie etwas gut genug machen konnte.

Es waren diese drei magischen Worte, das größte Geschenk, das mir je jemand gemacht hat, die mich dazu führten, dass ich mir vorstellen konnte, wie mein Leben anders verlaufen könnte. Sie brachen den Bann der Worte, die Mike so lange mir gegenüber gebraucht hatte (Worte, die ich immer noch in meinen Alpträumen höre): „Meinst du etwa, jemand behandelt dich besser als ich?“

Auf dem Weg zur Freiheit war der erste Stein gesetzt. Von da an begann ich, an meinem Weg zur Freiheit weiterzubauen, obwohl ich damals nicht erkannte, dass es das war, was ich tat. Obwohl es unmöglich schien, an dem Tag, als ich Justins Brief las, auch nur zu ermessen, dass ich ein Jahr weniger vier Tage später geschieden war und plante, Justin zum ersten Mal persönlich zu treffen (das geschah einen Monat nach dem Rechtskräftigwerden der Scheidung).

Ohne Justin würde ich sicher heute nicht mehr leben. Er gab mir ein neues Leben, und das wiederum half mir, auch für mein Kind ein neues Leben zu schaffen. Ich bin ihm aus so vielen Gründen dankbar. Er machte mir nicht nur seine Liebe zum Geschenk, er zeigte mir auch, wie ich anfangen konnte, mich selbst anzunehmen, und das gab mir eine Vorstellung davon, wie ich mir ein neues Leben schaffen könnte.

Ich habe nie geglaubt, ich würde jemals vor ihm stehen, ihm in die Augen schauen und in der Lage zu sein, ihn zu hören, wie er in mein Ohr flüstert: Ich liebe dich. Aber er glaubte an mich. Und wie ich begann, mich selbst mit seinen Augen zu sehen, erkannte ich, dass ich gewaltig stärker war, als ich glaubte.

Feiert daher heute mit mir, meine Freunde. Denkt daran: Wie verzweifelt es auch in eurem Leben zur Zeit aussieht, ein Tag, eine Stunde, ein Augenblick können es zum Besseren ändern. Freut euch an dem Möglichen, das sich über das Unwahrscheinliche erhebt: an dem Sieg über die Hindernisse, die jeder außer uns beiden in unserem Leben für unüberwindbar hielt. Lasst nicht zu, dass jemand euch sagt, was nicht sein kann. Vertraut vielmehr auf eure Fähigkeit, alles sein zu können, was ihr wollt.

Peter Gabriel hat das, was ich auszudrücken versuche, gut in einem Lied gesagt:
„Wallflower“ [Mauerblümchen]:

„They put you in a box
so you can't get hurt
let your spirit stay unbroken,
may you not be deterred:
Hold on ...
You have gambled with your own life
and you face the night alone
while the builders of the cages
sleep with bullets, bars and stone,
They do not see your road to freedom,
that you build with flesh and bone.“

Ich erinnere mich an das erste, was wir zu einander sagten, als wir uns schließlich zum ersten Mal persönlich sahen. Ich war im Flughafenterminal stundenlang auf und ab gelaufen, ehe sein Flugzeug landete. Ich erinnere mich, dass da ein Mann auf seinen Flug wartete, der mich beobachtete, wie ich zurecht gemacht war und hin und her lief. Er lächelte mich an, als ich nervös mit den Händen rang, und ich glaube, er muss gedacht haben, dass ich auf Gott selbst wartete, dass er das Tor aufmachte. Als das Flugzeug schließlich ankam, schien es, als ob eine Million älterer Bürger aus dem Flugzeug stiegen. Schließlich wurde die Menge immer spärlicher und ich dachte: „O Gott, er hat es sich anders überlegt, oder er hat das Flugzeug verpasst, oder ...“

Dann plötzlich stand er da. Es war, als ob ich beobachtete, wie sein Bild lebendig wurde, und ich hatte nie in meinem Leben ein mehr Aufsehen erregendes Bild vor mir. Schließlich kam er durch die Menge durch und ging auf mich zu. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, aber er sagt mir, ich hätte die Hand vor den Mund gehalten, als ich meine ersten Worte zu ihm sagte: „O mein Gott, schau dich an!“ Er streckte seine Hand aus und berührte mein Gesicht, sanft, als ob er Angst hätte, dass ich verschwinden würde, wenn er zu nahe käme. „Warum hast du dir solche Sorgen gemacht? Warum um alles in der Welt hast du dir solche Sorgen gemacht? Du siehst so schön aus“, flüsterte er. (Ich hatte ihm gesagt, ich hoffte, er wäre nicht enttäuscht, wenn er mich schließlich persönlich sehe.) Er drückte mich an sich, verbarg sein Gesicht in meinem Haar und sagte: „Du riechst so gut“, und ich lachte.

Wir standen eine lange Zeit im Terminal und drückten uns einfach. Schließlich flüsterte er: Ich liebe dich, und ich sagte dasselbe, Worte, auf die wir über ein Jahre gewartet hatten, sie uns persönlich zu sagen. Der schönste Klang, den ich je in meinem Leben gehört hatte. Wir zitterten beide sehr stark und waren bleich wie Gespenster, also beschlossen wir, uns zu setzen. Wir saßen auf Sitzen in einem leeren Gate und starrten uns an. Wir hielten uns so fest bei der Hand, dass die Finger anfingen, taub zu werden, und als wir glaubten, wir könnten zur Gepäckausgabe gehen, kamen wir nur ein kurzes Stück voran, ehe er schließlich stehen blieb, sich zu mir umdrehte und mich küsste.

Ich werde nie vergessen, was er nach dem ersten Kuss sagte. Wir hatten bis dahin schon über Heirat gesprochen, aber es war immer noch erstaunlich zu hören: „Das ist es ... jetzt hast du mich geküsst, also musst du mich heiraten. Du hast keine andere Wahl mehr.“ Wenn ich auch hundert Jahre alt werde, ich werde nie das Glücksgefühl vergessen, das ich im Augenblick empfand. Ein Jahr und zwei Wochen später waren wir verheiratet.

Ihr alle, die ihr immer noch kämpft ... gebt nicht auf, doch noch Liebe, Glück und Frieden in diesem Leben zu finden. Es kann geschehen. Ich bin der lebende Beweis dafür. An Justin, der jetzt mein Mann ist: Danke Imzadi, dass du nicht aufgegeben hast und weggegangen bist, wie alle dich gewarnt hatten; danke, dass du an mich geglaubt hast, als ich nicht an mich selbst glauben konnte, dass du an Tagen das Ziel am Ende gesehen hast, als meine Augen zu sehr tränenverschleiert waren, um es selbst zu sehen. Du hast mich wahrhaft gerettet, „wie man einen Menschen eben retten kann.“ Ich liebe dich von ganzem Herzen.

Lily Paige, April 2001


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Lied ...... He Ain't Heavy. He's My Brother – Geschrieben von B. Scott und B. Russell


The road is long
With many a winding turn
That leads us to who knows where
Who knows when
But I'm strong
Strong enough to carry him
He ain't heavy, he's my brother

So on we go
His welfare is of my concern
No burden is he to bear
We'll get there
For I know
He would not encumber me
He ain't heavy, he's my brother

If I'm laden at all
I'm laden with sadness
That everyone's heart
Isn't filled with the gladness
Of love for one another

It's a long, long road
From which there is no return
While we're on the way to there
Why not share
And the load
Doesn't weigh me down at all
He ain't heavy, he's my brother

He's my brother
He ain't heavy, he's my brother...

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Ein Held fällt:

Erinnerung an ein junges Leben, das an den Selbstmord verloren ging

Das erste, an das ich mich erinnere, wenn ich versuche, ihn mir vorzustellen, ist, dass er nicht schrecklich groß war. Er hatte einen hübschen, rotblonden Wuschelkopf  mit einer Ponyfrisur, die dazu neigte, schief über einer Augenbraue zu hängen. Sein Lächeln war bezaubernd. Seine Hände bewegten sich mit fließender Grazie, wenn er die Ansprachen im Programm aus gesprochenen Worten in die Amerikanische Zeichensprache übersetzte. Für mich, gerade sechzehn Jahre alt, war er die Poesie in Bewegung. O ja, ich war hingerissen. Es war nicht so, als hätte ich auch nur einen Augenblick gedacht, dass ich eine Chance bei ihm hätte. Das nicht. Darum ging es nicht, es war, nehme ich an, eher wie Heldenverehrung. Vielleicht gefährlich nahe dem verbotenen „Götzendienst“. Er war ein paar Jahre alter als ich und Vollzeitpionier. Ein glänzendes Vorbild in seiner Versammlung. Die Mädchen umschwirrten ihn wie Bienen den Honig, und ich stellte mir vor, dieses scheue, unbeholfene, unsichere Ich hätte keine Chance in der Welt, eine wiederholter Figur in seinem Leben zu werden. Aber er war doch ein guter Flirtpartner. Er stellte klar, dass er von mir Notiz genommen hatte. Heute glaube ich, er wird wohl gedacht haben, in ein paar Jahren sei ich ganz süß. Und so begann alles.

Ich hatte keine Ahnung, dass es diesmal anders als bei jedem anderen Kongress würde, bis er und ein paar Freunde in die Cafeteria fegten, wo die Leute ihr regelmäßiges Kreiskongressessen hinunterschluckten – dünnflüssiges Rührei mit angebranntem Toast. Ich erinnere mich so ausgeprägt an seinen Auftritt, weil er pfiff. Ich versuchte mir vorzustellen, was für ein Lied das war, und schließlich, als ich es erkannte, lachte ich: Es war das Titellied  aus Rogers Neighborhood. Ich aß abgepackten Schokoladenpudding, das einzige Kongresssaalessen, das ich aushalten konnte. Er kam mit der Ausrede herbei, er wolle meine ältere Schwester sprechen, die seine Familie gut kannte. Er stellte sich vor, reichte seine Hand und schüttelte meine fest, ohne Zögern. Er setzte sich auf den leeren Sitz neben mir. „Hallo Nachbar“, sagte ich mit Bezug auf seine gepfiffene Melodie. Er lachte. „Willst du nicht mein Nachbar sein?“ sagte er mit einem Grinsen.

Heute denke ich, dass er auf den ersten Blick wohl meinte, ich sei alter als in Wirklichkeit gewesen. Das ist mir oft passiert. Er bemerkte, was ich gerade aß, und gab seinen Kommentar dazu ab. Ich erwiderte: „Das ist das wahre Frühstück für Meister. Ich weiß allerdings nicht, Meister wovon.“ Er lachte. Er begann, die Augenbrauen hochzuziehen, zu blinzeln und mich auf andere Weise beim Frühstück zu entzücken. Er war so ganz anderes als die anderen jungen Zeugen Jehovas, die ich kannte, besonders wie die, die schon als Zeugen geboren wurden. Von dem Augenblick an wurde er für mich zu dem Idealbild von Mann, den ich eines Tages heiraten wollte. Vielleicht, so dachte ich, werde ich eines Tages einmal mit ihm zusammen beten. Dieses erste Frühstückstreffen war sehr früh an einem Samstagmorgen. Da er die meisten Ansprachen übersetzte, hatte ich die Möglichkeit, ihn unbeobachtet über den Rand meines Notizbuches hinweg zu beobachten, als ich mir gedankenlos Kapitel und Verse von Bibelstellen aufschrieb, aber nichts von dem hörte, was der Redner sagte. Seine Stimme ging monoton weiter wie weißes Rauschen, als ich meinen Helden bei der Zeichensprache beobachtete. Diese beiden Kongresstage sah und hörte ich nichts anderes. Er hatte meine gespannte Aufmerksamkeit. Er war das Bild all dessen, worum ich betete, dass ich es finden möge. Ich bat Gott, mir einen, nur einen jungen Mann in der Organisation zu zeigen, der weder ein Doppelleben führte noch als Muttersöhnchen zu gezüchtigt war, ein eigenes Leben zu führen, geschweige denn eine Frau zu haben. Ich wollte nur eine normale Zukunft. Heiraten, vielleicht auch Kinder haben. Ich wollte nicht allein sein, und ich wollte mir keine Zukunft mit einem jungen Mann vorstellen, wie sie mir bis jetzt in der Organisation begegnet waren. In den Ortsversammlungen wurde so viel geheiratet, und zwar mit dem Erfordernis, „nur im Herrn zu heiraten“, dass mir ganz unheimlich wurde. Das war schon fast wie Inzucht.

Hier war er also, von der anderen Ecke des Staates, ein merkwürdiger Kreis, in mancher Hinsicht eine andere Welt. Und er schien so … so normal zu sein. Mir schien es daher, als hätte Jehova selbst meine Gedanken erhört. Dass er meine Behauptung widerlegte, es gebe keine jungen Männer in der Organisation, die im Laufe der Zeit, wo sie „die neue Persönlichkeit“ anlegten, nicht ihre Gefühle abgetötet hätten. Es war, als ob er mir sagen wollte: „Hier, kleines Mädchen, schau dir diesen an.“ Jedes Mal, wenn er an mir vorbeiging, war ein Funkeln in seinen Augen. Das Hochziehen der Augenbrauen, das Blinzeln, wenn niemand zusah. Es gab mir das Gefühl, als ob das „hübsche Mädchen“, das andere in mir sahen (das sich aber nicht selbst im Spiegel anschauen konnte), vielleicht doch „in“ war. Einfach nur zu wissen, dass er da war und sogar so viel Notiz von mir genommen hatte, um mir die Gunst eines Lächelns zu schenken, gab mir Hoffnung. Ich sah meinen Helden auf anderen Kongressen, in anderen Funktionen, und in der Zwischenzeit schickte er immer durch meine Schwester Claire „Hallo“-Botschaften an mich. Er war für mich weiterhin das Symbol für alles, wovon ich träumte: Charme, Geistiggesinntsein, Güte. Der Wunsch, anderen zu helfen. Ich stellte ihn auf ein so hohes Podest, dass ich nur noch seine Füße sehen konnte. Aber mein Gott, wie ich diese Zehen anbetete.

Zeit verging.

Ich verbrachte weniger Zeit auf der Eastside und mehr in meiner Heimatversammlung. Im folgenden Sommer arbeitete ich ausgiebig beim örtlichen Kongresssaal-Bauprojekt mit, und meine romantischen Gefühle wandten sich jemandem zu, der mir zumindest annehmbarer schien. Das sollte schließlich zu einem großen Kummer für mich werden, doch das ist eine andere Geschichte.

Ein weiteres Jahr verging.

Ich hatte durch Freunde immer Verbindung zu meinem Helden gehalten, so wie das viele Teenager beiden Zeugen tun. Ich werde nie den Anruf  vergessen. Eines Nachmittags klingelte das Telefon, als ich mich auf meine Arbeit vorbereitete. Halb angezogen und fast bereit zu gehen, holte mich meine Mutter ans Telefon. Es war Claire. Ich hatte noch nie diesen Ton in ihrer Stimme gehört. „Ich wollte dich sofort anrufen, so dass du es von mir hörst und nicht von jemandem anders. Sitzt du gut?“

„Nein, warum?“

„Setz dich.“

„Claire.“

„Setz dich!“

Ich setzte mich.

„In Ordnung.“

„Der Held hat Selbstmord begangen.“

Es brauchte einen Augenblick, bis mir klar wurde, was sie meinte.

„Nein, das kann nicht sein!“

„Es ist wahr, Lily. Ich wollte diejenige sein, die es dir sagt, denn ich wusste, dass es sehr ... schwer für dich werden würde.“ Da erkannte ich, dass ich meine Bewunderung für den Helden nicht so gut verborgen hatte, wie ich dachte.

„Wie?“

„Er hat sich erschossen.“

„Warum? Hinterließ er …?“ Plötzlich wurde das Wie sehr wichtig für mich.

„Er hinterließ einen Zettel, aber der ergab für niemanden einen rechten Sinn. Der Therapeut sagte ihnen, sie sollten nicht nach zuviel Bedeutung darin suchen, er war offensichtlich sehr verzweifelt.“

„Man hätte ihm helfen müssen“, sagte ich, und ließ meine Schultern hängen. Aber ich weinte nicht.

„Er war in Therapie, er hat es … einfach getan.“

Ich meine, ich hätte mich bei ihr dafür bedankt, dass sie es mir erzählte, aber ehrlich gesagt kann ich mich an den Rest des Gespräches nicht mehr erinnern. Ich erinnere mich nur noch, dass ich mich anzog und eilig das Haus verließ und direkt zur Arbeit ging. Ich arbeitete in einem Feld, wo ein Lächeln Pflicht und nicht freiwillig war. Ich hatte mit Familien und kleinen Kindern zu tun, und das Lächeln wurde als Teil meiner Uniform angesehen. Die meisten Tage hatte ich keine Probleme damit. Heute ging ich dorthin, weil das der einzige Ort auf der Erde war, wo ich dachte, dass ich hingehen und sicher war. Ich war auf der Arbeit als jemand bekannt, der immer fröhlich war, weil ich immer ein zufriedenes Gesicht aufsetzte, um meine schwere Depression darunter zu verbergen. Alle meine Kollegen wussten, dass ich eine Zeugin Jehovas war, und ich dachte immer, welches Bild gibt das von meinem Glauben, wenn ich depressiv bin? Ich wollte niemandem Schande machen. So hatte ich immer mein aufgesetztes Lächeln, das nie verschwand. Ich eilte in den hinteren Raum auf meiner Arbeitsstelle, und als mein Lieblingsvorgesetzter kam, blieb er stehen. Er sah mir in die Augen und ich sah weg, weil ich wusste, wenn er mich weiter so anstarrte, würde ich zusammenbrechen.

„Was ist passiert?“ fragte er.

„James …“, sagte ich und blieb stehen.

„Erzähl es mir einfach, Liebes.“

„Jemand, den ich sehr mochte … hat Selbstmord begangen.“

„Oh, Liebes“, sagte er und nahm mich in den Arme. „Möchtest du nach Hause? Möchtest du gehen?“

„Nein, James, ich glaube, es ist besser, wenn ich bleibe. Ich kann nicht nach Hause gehen.“

„Weißt du, ich habe eine Menge Freunde durch Selbstmord verloren. Zu viele“, flüsterte James. Wir hatten vorher schon oft darüber gesprochen, wie schwer es für ihn gewesen war, sich als Homosexueller zu bekennen und von der Familie zurückgewiesen zu werden. Offensichtlich waren einige seiner Freunde nicht in der Lage gewesen, diesen Kampf zu überleben.

„Es tut mir leid …“

„Du hast diesen Jungen sehr gemocht?“

„Es war wie .. ich habe ihn aus der Ferne angebetet. Ich habe ihn bewundert, James“, sagte ich. Ich biss mir so sehr auf die Lippe, dass sie pochte. Ich hörte gerade auf, ehe ich meine Haut mit den Zähnen durchbiss.

„Ich werde dir morgen etwas bringen, okay? In der Zwischenzeit bleibe, wenn du das Bedürfnis hast; aber du kannst gehen, wenn du musst.“

„Nein. Ich denke, hier wird es mir am besten gehen.“

Er nickte und dann ging er und ließ mich allein, damit ich mich auf die Arbeit vor mir konzentrieren konnte.

Ich kämmte mich, setzte mein bestes Liebes-Mädchen-Lächeln auf und stand gerade und nahm die Schultern zurück. Die Show ging weiter.

Ich habe in der Nacht nicht viel geschlafen. Ich erledigte alles mechanisch, und am nächsten Tag gab mir James wie versprochen einen Umschlag. „Dies hier wurde am Denkmal für die Vietnamveteranen in Washington von einem Freund von mir aufgenommen. Es hat mir geholfen, und ich hoffe, es hilft auch dir.“ Er nahm mich wieder in den Arm und ging und ließ mich allein im Lager, um den Umschlag zu öffnen. Er war eine Fotografie von einem Teil der Mauer, eine von jemandem hinzugefügte Inschrift. Ich weiß nach all den Jahren, seit dies passiert ist, nicht mehr, wo die Fotografie geblieben ist, aber ich werde niemals die Worte vergessen.

„Für alle, die verzweifelten und sich umbrachten:

Wir werden eure Lieder singen,

Wir werden eure Träume träumen,

Wir werden euer Werk vollenden.“

Mit der Zeit erfuhr ich durch meine Schwester Einzelheiten über den Suizid meines Helden. Sie ging zu seiner Beerdigung. Es war eine kummervolle Angelegenheit, noch verschlimmert durch die Tatsache, dass die Wachtturm-Gesellschaft damals die Haltung einnahm, Selbstmörder würden höchstwahrscheinlich nicht auferstehen. Es gab, so Claire (die mit der Familie meines Helden gesprochen hatte), mehrere Einzelheiten, die nicht an die Öffentlichkeit kamen. Es gab Spekulationen, dass mein Held vielleicht von einem Mann sexuell missbraucht worden war, der auch andere Jungen in der Versammlung belästigt hatte, und dass er in der Folge Schwierigkeiten mit seiner sexuellen Orientierung hatte. Gleichzeitig war man verwirrt, weil er sich mit Schwestern verabredete und so. Er war in Therapie gewesen, aber der Haupteindruck aus seinem Abschiedsbrief war, dass er nicht glaubte, bei Gott annehmbar zu sein oder es in das Neue System zu schaffen. Ich erfuhr auch, dass es einige Zeit gedauert hatte, bis er tot war. Er schoss sich durchs Herz. Ich kann nicht sicher sein, welche der Faktoren mit der Zeit geklärt wurden, oder ob welche beiseite geschoben wurden. Alles, was ich tun kann, ist, mir vorzustellen, wie schrecklich es für meinen Helden gewesen sein muss, so viel alleine zu leiden. Ich wünschte, er hätte jemanden gehabt, an den er sich wenden konnte und zu dem er Vertrauen hatte. Dass er nicht aufgegeben hätte. Wie um alles in der Welt, fragte ich mich, kann ich je in dieser Organisation weiterleben, wenn jemand, der ein so guter Mensch wie mein Held war, es nicht konnte?

Ich bezweifle, ob jemand von uns wirklich je wissen wird, was es genau war, das meinen Helden bewog, aufzugeben. Ich weiß zwar, dass der Mann, der sich in seiner Versammlung an Kindern verging, dafür ins Gefängnis kam, aber er hinterließ eine breite Schneise zerstörter junger Männer, die zur Zeit seiner Untaten gerade einmal Jungen waren. Keine Gefängnisstrafe wird je Gerechtigkeit bringen.

Meine Illusionen erstarben mit meinem Helden, und bis heute kann ich nicht glauben, dass er nicht irgendwo da draußen doch noch lebt. Ich hoffe nur, dass er jetzt seinen Frieden gefunden hat, ob im Schlaf und frei von Schmerz oder in irgendeinem Weiterleben, wenn es das gibt.

Ich weiß, dass es diesen Frieden nicht für uns gibt, die wir ihn kannten und die er hinterlassen hat. Das folgende Gedicht schrieb ich kurze Zeit nach seinem Tod, und ich schließe diese Ehrung an ihn mit den Worten ab, von denen ich wünschte, dass ich sie ihm gesagt hätte.

Die Wände mögen eines Tages einstürzen,

Aber die Schlagbäume bleiben weiterhin.

Unsere Schlösser versinken und  ertrinken langsam,

Und ich bin dieses Spieles müde

... und die Welt dreht sich weiter.

 

Niemand kann ihnen geben, was sie brauchen,

Weil niemand jemals das verzweifelte Leben,

Das sie führen, kennen oder verstehen kann,

Oder sehen, wie ihre Hände loslassen,

... und die Welt dreht sich weiter.

 

Alles Hoffen und Wünschen,

Alles, was man geben will,

Alles Ausweichen und Aus-dem-Weg-Gehen

Vor den Gründen, warum man leben sollte …

... und die Welt dreht sich weiter.

 

Gib der Finsternis nicht nach,

Und dem Lärm, der deinen Kopf füllt.

Wende dich ab von der kalten Öde des Lebens,

Und lass mich dich statt dessen lieben.

... und die Welt dreht sich weiter.

 

Schimmere, glänze, verblasse und stirb,

Die Großartigen fallen immer so jung,

Ihr Lachen ist einsam, und es lügt.

Ihr Atem hört auf, wir sagen Lebewohl.

... und die Welt dreht sich immer weiter.

 

Wenn sie gegangen sind, was dann?

Was ist mit solchen wie mir, die nicht vergessen können?

Ist es falsch, sich an sie zu erinnern,

Weil die Meisten sie doch nicht verstehen können?

Ich werde nicht vergessen ...

... weil die Welt sich weiter dreht.

 

Für G.D.

Wenn du oder jemand, den du kennst, an Selbstmord denkt, SUCHT BITTE SOFORT NACH FACHLICHER HILFE.  Jeder von uns ist wertvoll im Universum. Gebt nicht nach, kämpft weiter. Ich weiß aus Erfahrung, dass das Leben es wert ist, dass man darum kämpft.

Lily Paige

 

Der Tag der Unschuld

Von neuen Gedanken

Und Freude

Und Frieden

Und Licht

Reiß die Seite aus meinem Buch

Eine Schwärze, ein Dunst, das Umgehen eines Geistes

Du siehst mich an

Und deine Augen sind jetzt leer

Deine Seele ist finster

Und deine Gestalt ist eingefallen, bleich, dräuend und entmutigend

Ich schau in dein Gesicht und suche nach einer Ähnlichkeit mit der Person, die ich kenne

Und der ich vertraue.

Aber das ist vorbei

Oder vielleicht war ich im Irrtum: du warst nie dort.

Die Zeit vergeht ins Graue, in nicht erkennbare Gestalten und Geräusche

Doch tief in mir ist ein Lied, ein Trommelschlag, zu dem ich tanzen muss

Eine Chance.

Ich erhebe mein beschämtes Gesicht und öffne die Augen

Und krieche ins Freie

Ich weigere mich, ein letztes Mal nach hinten zu sehen

Stelle das Gebrüll in meinem Kopf ab

Schüttle das Frösteln auf meiner Haut ab

Jetzt stehe ich

Und fühle den Regen, warm und sirrend

Er wäscht dich von mir ab

Und im Widerschein zu meinen Füßen sehe ich:

Die Freude

Den Frieden

Das Licht

Und ich brauche dich nicht mehr

Jetzt halte ich kleine Hände und sehe kleine Gesichter, die wie meins früher aussahen.

Und sie vertrauen mir, und sie schauen in meine Augen.

Wie die Witwe mit der Münze von geringem Wert,

Ich habe gelernt, aus dem zu geben, was ich selbst nie erhalten habe

Wasser aus einem leeren Brunnen zu schöpfen

Und es bereitwillig und kostenlos zu geben.

Aber ich möchte, dass du weißt

Du wirst meine Seele nicht in einen Käfig sperren;

Mein Geist liegt nicht in Ketten, er trägt die Wunden als Male des Mutes.

Dir schulde ich nichts.

Du verblühst und ich muss gehen

Das Leben ist süßer, es sind Dinge zu tun, das Leben zu leben, Luft zu atmen. Willow


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Ich versuche es, ohne obszön zu sein, Und doch,

man braucht die Kunst der poetischen Sprache,

entsetzliche Dinge in freundlichem Ton --

um ihre Geschichte zu erzählen.

Unbewegte braune Augen erzählen viel -- und sie zu lesen ... Aber doch

ist hinter ihrem Starren ein Lächeln

wehmütig und distanziert

um dich, den Erwachsenen, daran zu erinnern,

dass du nichts von dem weißt, was sie durchgemacht hat.


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Ein Gedicht für meine Schwestern:

GEMEINSAME BANDE

Blumen verblühen ... in die Nacht
Die Winde ... sie wehen weg
Das Fallen einer Eiche ... mit all ihrer Macht
Bleibt wirklich nichts bestehen?

Die wunderbare Geburt ... eines Kindes das ist schön
Der Same des Lebens ... in einem Kind
Der Traum eines Kindes ... so kostbar und rar
Dann vergeht das Leben ... in einem Nu

Agonie ... führt nur zu Schmerz
Das Leben ist ein Karussell
Macht irgendetwas es denn wertvoll?
Ein Grund, der alles vernünftig macht?

Wir alle sind Beute ... der listigen Ratte
Sie benutzt uns nur zum Spiel
Dann zerdrückt sie uns ... wie eine Narrenkappe
Und wirft uns ... einfach weg

Tief in uns drin ist eine Hoffnung ... die der Tod nicht anrühren kann
Der Schmerz dauert nur einen Augenblick
Doch die Hoffnung in uns drinnen ... kann heilen allen Schmerz
Und Lächeln geben unserem Herz

Die in uns gehegte Hoffnung ...  ist mehr als nur eine Hoffnung
Wir wissen, dass es mehr gibt ... als wir sehen
Es ist kein Traum ... ein Wunsch ... oder eine Hoffnung
Dein Herz weiß wirklich ... was sein wird

Du kannst sie nicht leugnen ... Gottes tiefe Liebe
Er liebt nicht nur ... ein paar wenige
Er fühlt für uns alle ... macht sich um jeden Sorgen
Er kümmert sich auch ... um den Sünder

Er öffnet sein Herz ... für den Umherziehenden
Er öffnet seine Arme ... für den Traurigen
Er ist da für den, der Kummer hat ... und den ohne Hoffnung
Und er liebt uns ... auch ... wenn wir böse sind

Er hört nicht auf zu lieben ... weil wir nicht gut sind
Er gibt ihn nicht auf ... den Verlorenen
Er fordert nicht ... trotz unserer Fehler
Sein Sohn zahlte ... den Preis für unsere Sünde

Er wartet geduldig ... dass die Augen sehen
Und Ohren ... die hören wollen
Er wird uns nie zwingen ... zu tun, was er will
Er erweist uns wahre Liebe ... ohne Furcht

Er zürnt uns nicht ... wenn wir im Unrecht sind
Er liebt uns ... zurück in seine Arme
Er möchte nicht ... dass wir gezwungen werden
Er droht uns nicht ... mit Unglück

Er ist geduldig und gütig ... Er ist liebevoll und gut
Er ist alles das ... was wir sein sollten
Er ist ehrlich und offen ... Er ist freundlich und ruhig
Er möchte, dass seine Kinder ... frei sind

Frei von Zwang ... Frei von Furcht
Frei von Wut ... und Weh
Frei von Hass ... Frei von Gier
Frei von den Sünden ... die wir alle kennen

Er wird ... uns nie zwingen ... ihn zu lieben
Unsere Gebete ... meidet er nicht
Er ignoriert ... uns nicht
Oder sagt ... wir seien ... seines Sohnes nicht würdig

Er hört nie auf ... uns zu lieben
Er behandelt alle seine Kinder ... gleich
Er zieht niemanden vor
Er straft niemanden ... durch Schande.

Er liebt uns ... alle ... mit großer Weisheit
Wie ein Vater ... liebt ... sein Kind
Er wird ne ... wanken ... in seiner Liebe
Er ist beständig ... geduldig ... und mild

Vergiss also nie ... dass er dich liebt
Und tu nicht so ... als sei er nicht da
Denk immer daran ... er kennt unsere Herzen
Und wird treu ... für uns sorgen

Erinnert euch ... an den Glauben ... in unserem Sinn
Lass dich nie niederreißen ... von Widrigkeiten
Denke an die Hoffnung ... für alle Menschen
Bewahre deine Träume im Herzen ... Und bleibe mit den Füßen auf dem Boden.

Tamar 1999

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LASST DIE KLEINEN ZU MIR KOMMEN
MARKUS 10:14

 

"Die Mütter bitten um den Segen, die Kinder stehen herum.

Du hast dich lange abgemüht, der Tag ist nun fast um.

Es sind ja doch nur Kinder, zum Hören noch zu klein,

Sie sollten dir die Ruhe lassen, dir nicht nahe sein."

 

Der Herr sieht über ihn hinweg, sich Kinder um ihn scharten,

und sagt: Kommt alle her zu mir! Zu lange war ihr Warten.

Er segnet sie, berührt sie leicht. Dies ist sein heiliger Wille:

Ja, lasst die Kleinen zu mir her, in dieser Abendstille.

 

Glücklich das Kind, das seine Hand erfuhr zu seinem Segen.

Und glücklich auch der, dem sein Mund gebot auf allen Wegen.

Zur Tagesneige sahen sie ihn auf Judas Hügeln grün.

Das heilige Bild beleuchtete das letzte Abendglüh'n.

 

Ja lasst die Kleinen zu mir kommen, nur Gutes will sein Herz.

Der Herr des Lebens schon bald an seinem Kreuze leiden.

Doch Kinder leiden ebenso in Armen voller Schmerz,

und Kinderträume sind zerstört und werden es noch bleiben.

 

Sie machen junges Leben straucheln, verletzen Kinderzuversicht.

Vergiften den Brunnen der Wahrheit, planen Übles nicht im Licht.

So leidet, kleine Kinder, bewahrt den großen Schmerz

dort, wo er weiter bleiben muss: tief im gebrochenen Herz.

 

Wer einen dieser straucheln macht, der sollte in einem Nu

mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versinken zu ewiger Ruh.

Wo findet ihr Gerechtigkeit, ihr Kinder, die zu Unrecht leiden,

wenn weise "Rabbis" die Augen verschließen ... und alle euch dann meiden?

 

Wenn, um den Wachtturm rein zu halten, sie euer Bekenntnis verbergen,

wenn Täter sie beschützen und sagen, wir wollen zu ihm neigen,

wenn verletzte Kinder still weinen und ihre Antwort ist Schweigen,

und Gesetzesdenken erstickt das Herz und lässt die Wahrheit sterben.

 

Gerichte von Menschen können versagen und tünchen weiß die Wand.

Doch Gott, der vollkommene Richter selbst, nimmt alles schließlich in seine Hand.

Dann kommt für alle an der Macht und für die Schuldigen die Zeit,

und kein einziges leidendes Kind wartet weiter auf Gerechtigkeit.

 

Verbrechen werden oft versteckt, doch Gott wird sie aufdecken,

und jeder, der die Wahrheit biegt, wird eines Tags erschrecken.

Verdrehter Rat wird es dann sein, den Licht gleich sichtbar macht,

und wer gelogen und betrogen, vergeht ... in ewige Nacht.

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