Meine Gedanken

 Ich existiere nicht

Heute war ein interessanter Tag. Wir haben ein weiteres Interview über Missbrauch beendet, und es wird bald gesendet. Wir kamen genau auf den Punkt, und durch die Aufklärung weiterer Menschen auf silentlambs wird die Botschaft in der Öffentlichkeit wach gehalten. Weitere Opfer haben die Gelegenheit, zu sprechen, und der Gesellschaft wird eine weitere Chance gegeben, die Wahrheit zu sagen. Ich möchte euch einen interessanten Teil des Interviews nahe bringen; vielleicht findet ihr ihn humorvoll.

Nachdem die Hauptaufnahmearbeit getan war, wurde entschieden, dass die Kameracrew de Interviewer und mich filmte, wie wir vor meinem alten Königreichssaal entlanggingen. Wir sollten reden und dabei vor dem Saal als Kulisse daher gehen. Wir filmten also den "Spaziergang", und an diesem Punkt beschlossen sie, von mir einen Schuss zu machen, wie ich vor dem Gehweg entlangfahre, aus meinem Truck aussteige und auf den Königreichssaal blicke. Nun war Samstag. Als wir um 11:20 anfingen, war noch nichts da, außer den Autos derer, die im Predigtdienst waren. Als wir den "Spaziergang" im Kasten hatten, was es mittags. Ahnt ihr schon, was jetzt kommt? Nun, etwa vier Autogruppen trafen langsam ein, und zuerst saßen sie in ihren Autos, als hätten sie Angst, auszusteigen. Es wurde ein paar Mal gefilmt, wie ich mit dem Auto heranfahre. Bald war es schon nach 15 Uhr, und die Autogruppen mussten etwas tun, also begannen sie, aus den Autos auszusteigen und nach Hause zu gehen. Obwohl es nicht geplant war, parkte ich meinen Truck auf bitten der Kameracrew direkt vor der Auffahrt auf der anderen Straßenseite, stieg aus, ging zur Vorderseite des Wagen und stand einfach da. Das Glück wollte es so, dass die Zeugen gerade da den Parkplatz zu verlassen begannen, als die Kamera anlief. Der erste Wagen fuhr raus, ich lächelte sie freundlich an und winkte. Man hat wohl nie so mürrische Gesichter gesehen, als sie zur anderen Seite blickten und wegfuhren. Dann kam das nächste Auto, noch eine Grimasse, als sie wegfuhren, dann wieder einer. Insgesamt fuhren fünf Autos weg, eins nach dem anderen, und ich stand da weniger als 10 Meter weit weg mit freundlichem Lächeln und Winken. Nicht einer winkte zurück, nicht einer lächelte. Jeder einzelne wurde gefilmt.

Die Geschichte hat aber noch eine Kehrseite, über die auch berichtet werden muss, und sie betrifft die Leute, die wegfuhren. Die erste war "P", eine Witwe, der ich ein neues Hau bauen half, als sie knapp mit Geld war, an deren Auto ich werkelte, wo ich zusah, dass ihr Rasen gemäht wurde, sie zahlte nie etwas für notwendige Reparaturen am Haus, wir kümmerten uns immer darum. Als sie umziehen musste, sah ich zu, dass man sich um Hilfe kümmerte, tätigte die Anrufe und bestellte die Einlagerung ihrer Habe und stellte sicher, dass die Wohnung, die sie verließ, sauber war. Ich hatte ihr bei familiären Problemen beigestanden, als ihr Mann noch lebte, und als er gestorben war, kam sie oft auf ein Gespräch und ein Bier vorbei. Ich habe viele Danksagungskarten von ihr, sowie ein Gemälde, das sie meiner Frau für all die Freundlichkeit ihr gegenüber gab. Jetzt existiere ich nicht, und sie konnte sich nicht einmal ein lächeln abkneifen, geschweige denn ein Winken.

Die zweite Schwester war "C". Sie ist eine jüngere Schwester, die viele gesundheitliche und seelische Probleme hatte. Als sie einen Suizidversuch unternahm, war ich es, der gerufen wurde und dafür sorgte, dass sie zur Vorsorge ins Krankenhaus kam. Ich kann die Male nicht zählen, wo wir einfach auf einen freundlichen Besuch hereinschneiten, um sie wissen zu lassen, dass sie uns am Herzen lag. Meine Frau schickte ihr oft Geschenke und Karten, sie lud sie auch zum Mitgehen ein, wenn sie in die Stadt ging, oder sie nahm sie einfach im Auto mit, dass sie einmal raus kam. Ich benachrichtige regelmäßig ihren Schwager, der eine Stunde entfernt lebte, wie es ihr ging, damit sie wussten, wann sie ihr näher sein sollten. Wieder viele Karten und manchmal ein Kuchen auf einem Sitz meines Autos nach der Zusammenkunft als Zeichen des Dankes für unsere Freundlichkeit. Ich kann verstehen, warum sie den Kopf hängen ließ und in die entgegengesetzte Richtung sah, als sie aus der Einfahrt fuhr, sie hatte auch Angst sie wurde beobachtet.

Die dritte Schwester war auch eine Witwe, bei der ich viele Stunden der Hilfe verbracht hatte. Als ihr Mann demenzkrank wurde und Windeln tragen musste, war ich einer von denen, die bei mehreren Gelegenheiten Abends zu ihr ging und die Windel wechselte. Hat jemand schon einmal einem 70-jährigen Mann eine Windel gewechselt? Das ist ganz sicher nicht wie bei einem Baby. Nachdem er gestorben war, half ich ihr bei der Organisation der Beerdigung und half die Brüder zusammenzubringen, die ihr beim Bau eines neuen Hauses beistanden, das sie besser würde versorgen können. Viele Male bin ich mit einem weiteren Bruder vorbeigekommen, um eine Bibelstelle zu lesen und sie wissen zu lassen, dass wir uns um sie kümmerten. Wann immer sie irgendeine Hilfe oder Reparatur benötigte, war oft ich es, den sie anrief, um sich der Sache anzunehmen oder dafür zu sorgen, dass man es tat. Sie ist Kunstmalerin, und es war sie, die ich darum bat, ein Bild für unseren neuen Königreichssaal zu malen. Ich bat sie, das so zu malen, wie sie sich den Königreichssaal auf einer paradiesischen Erde vorstellen würde. Es hängt heute immer noch im Königreichssaal. Ich habe mehrere Dankeskarten von ihr erhalten, und oft, wenn ich nach der Zusammenkunft zu meinem Auto ging, fand ich einen Laib selbst gebackenes Brot mit einer einfachen Notiz: "Danke für all deine harte Arbeit." Es war diese Schwester, die mich so verdrießlich ansah und wegschaute, als sie die Einfahrt herunterfuhr.

Das vierte Auto wurde von der zweiten Frau des Kinderschänders gefahren. Bis heute ist sie nicht von den Ältesten informiert worden, dass ihr Mann ein Kinderschänder ist. Ihr Mann sagte ihr, das sei alles Lüge und ich sei verrückt. Natürlich glaubt sie ihm. Ich glaube, sie vergisst, wie meine Frau sie unter ihre Fittiche nahm und ihr bis zum Abwinken mit Kleidung und anderen Dingen half. Sie erinnert sich nicht an die Arbeit, als ich ihnen half, ihr Haus zu renovieren, wo sie keinen Handwerker bezahlen konnte, oder an die Art, wie ich ihren Mann als Mitältesten behandelte und als neuen Ältesten in der Versammlung schulte, ehe ich sein Problem entdeckte. Wiederum bekamen wir viele Karten als Dank für die Mühe und die Hilfe für ihre Familie. Als sie aus der Einfahrt fuhr, sah es eher nach völligem Hass aus.

Die fünfte Person war ein 77-jähriger Bruder, einer meiner besten Freunde. Wir sprachen oft über viele Dinge, und ich habe ihn um seinen Rat gebeten. Ich ermutigte ihn, anderen die Hand zu reichen, und empfahl ihn als Dienstamtgehilfen. Als die anderen Brüder sich abfällig über seine Lehrfähigkeit äußerten, wies ich darauf hin, dass er ein guter Mensch sei und ein sehr besonnener Denker, wie zuverlässig er in den Zusammenkünften sei. Am Ende wurde er ernannt. Da sie auf einer anderen Straße hinter meinem Haus wohnen, ist mein Sohn oft zu Besuch zu im rüber gegangen, er war so eine Art Ersatzgroßvater, er und seine Mutter haben ihn und meine Tochter immer mit Süßigkeiten voll gestopft, wenn sie mal eben hereinschneiten -- ihr seht also, er war auch ihr Freund. Er war ein Heimwerker, und wenn jemand eine Reparatur brauchte, habe ich ihn oft angerufen, damit die Sache erledigt wurde. Er mochte es wirklich, Menschen zu helfen, und ist so ein guter, freundlicher Mensch. Es war seine Hilfe, um die ich bat, als eine Witwe Geld brauchte, um sich ein Haus zu kaufen und in die Nähe des Königreichssaales zu ziehen. Er lieh ihr das Geld und erledigte den ganze Papierkram, er gab mir einfach den Scheck und vertraute mir, dass ich mich der Sache annahm. Auf seine Bitte hin hat de Schwester nie erfahren, von wem das Geld kam. Er war es, der den Parkplatz nicht verlassen wollte, der nur einfach dasaß und in meine Richtung starrte. Es war, als hätte er Angst loszufahren, er wollte mich nicht direkt sehen, und wenn ich daran denke, dass er Dienstamtgehilfe war, kann ich verstehen, warum.

Ich liebte all diese Menschen und betrachtete sie über acht Jahre lang als meine Freunde. Ich hielt für sie Begräbnisreden, traute sie, war da, wenn sie krank waren, und versuchte, ein guter Hirte für die Versammlung zu sein. Ich beging nie ein Vergehen, mit dem ich Gottes Gesetz verletzte, doch als ich ausgeschlossen war, weil ich mich für den Schutz der Kinder aussprach, rief mich nicht einer aus der Versammlung an, um zu verstehen, warum. Anscheinend hat die Gesellschaft ihnen ordentlich zugesetzt und mich so sehr verteufelt, dass sie sich nicht mehr an die Person erinnern konnten, die einmal ihr Freund war.

Ich wiederum, glaube ich, habe eine gute Lektion gelernt über Liebe, die sich an Bedingungen festmacht, und wie schnell das Leben, das man sich aufgebaut hat, zerfallen kann, wenn man für das einsteht, was recht ist. Es ist ein gemischtes Gefühl aus Traurigkeit und Glücklichsein. Ich trauere um meine früheren Freunde, für die ich nicht mehr lebe, und doch bin ich froh, frei zu sein von der Angst, die Bedingungen nicht zu erfüllen, an die ihre Liebe geknüpft ist. Meine neuen Freunde sind bessere Freunde, die niemanden brauchen, der ihnen sagt, was sie denken sollen und mit wem sie befreundet sein dürfen. Sie sind aus etwas gröberem Holz geschnitzt, aber ich denke doch, dass niemand von ihnen, der mich wirklich kennt, je aus einem Parkplatz herausfahren würde, und ich stehe zehn Meter entfernt und bin für ihn tot.