Die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, dass Älteste NICHT ermächtigt sind, Sünden zu vergeben, und dass Älteste KEINE Absolution erteilen können. Die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, dass NUR Gott und Jesus Sünden vergeben können. Die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, dass man den Ältesten beichten sollte, um geistigen Rat und Hilfe zu erhalten und damit die Ältesten mit einem beten.

Der Wachtturm, 15. August 2001, Seite 30:

Da Jehova derjenige ist, der unsere Sünden vergeben kann, warum bekennen dann Christen schwerwiegende Sünden den älteren Männern in der Versammlung?

Ja, es ist Jehova, den ein Christ im Fall schwerwiegender Sünden um Vergebung bitten muß (2. Samuel 12:13). Doch so, wie der Prophet Nathan David zu Hilfe kam, können ältere Männer in der Versammlung reumütigen Sündern beistehen. Sich an die Ältesten zu wenden ist im Einklang mit der in Jakobus 5:14, 15 gegebenen Anweisung (1. 6., Seite 31).
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Der Wachtturm, 1. Juni 2001, Seiten 30-31:

Fragen von Lesern

Warum ist es trotz der Bereitschaft Jehovas, Sünden auf Grund des Loskaufsopfers zu vergeben, für Christen erforderlich, vor den älteren Männern der Versammlung ein Bekenntnis abzulegen?

Wie am Fall Davids und Bathsebas zu erkennen ist, vergab Jehova die Sünde Davids, obgleich sehr schwerwiegend, wegen Davids echter Reue. Vom Propheten Nathan daraufhin angesprochen, bekannte David offen: „Ich habe gegen Jehova gesündigt" (2. Samuel 12:13).

Indes nimmt Jehova nicht nur das aufrichtige Bekenntnis eines Sünders an und gewährt Vergebung, sondern er sorgt auch liebevollerweise für Hilfe, damit der auf Abwege Geratene wieder geistig gesund werden kann. Im Fall Davids kam die Hilfe durch den Propheten Nathan. In der Christenversammlung heute gibt es geistig reife ältere Männer, die Ältesten. Der Jünger Jakobus erklärt: „Ist jemand unter euch [geistig] krank? Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn im Namen Jehovas mit Öl einreiben. Und das Gebet des Glaubens wird dem sich nicht wohl Fühlenden zum Heil sein, und Jehova wird ihn aufrichten. Und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden" (Jakobus 5:14, 15).

Geschickte Älteste können viel dazu beitragen, den Schmerz zu lindern, den ein reumütiger Sünder im Herzen verspürt. Sie bemühen sich, im Umgang mit ihm Jehova nachzuahmen. Nie würden sie ihn grob behandeln, selbst wenn strenge Zucht angebracht erscheint. Statt dessen berücksichtigen sie voller Mitgefühl die unmittelbaren Bedürfnisse des Betreffenden. Geduldig bemühen sie sich, an Hand des Wortes Gottes das Denken des Sünders wieder zurechtzubringen (Galater 6:1). Selbst wenn jemand seine Sünde nicht von sich aus bekannt hat, kann er durchaus zur Reue bewogen werden, wenn ihn die Ältesten darauf ansprechen, so wie es bei David der Fall war, als er von Nathan angesprochen wurde. Dieser von Ältesten geleistete Beistand hilft dem Sünder, nicht in die Gefahr zu geraten, die Sünde zu wiederholen, und sich die schwerwiegenden Folgen zu ersparen, die es hätte, wenn er sich verhärten und Sünde treiben würde (Hebräer 10:26-31).

Ganz gewiß ist es nicht einfach, anderen etwas zu bekennen, für das man sich schämt, und um Vergebung zu bitten. Das erfordert innere Stärke. Denken wir aber einen Moment lang darüber nach, was die Alternative wäre. Ein Mann, der seine schwerwiegende Sünde vor den Versammlungsältesten verschwieg, erzählte: „Ich empfand einen Schmerz in meinem Herzen, der einfach nicht aufhörte. Ich setzte mich vermehrt im Predigtwerk ein, aber das elende Gefühl verschwand nicht." Er dachte, es reiche aus, im Gebet vor Gott ein Bekenntnis abzulegen, aber das war offensichtlich falsch, denn er hatte ähnliche Empfindungen wie König David (Psalm 51:8, 11). Wieviel besser ist es doch, die liebevolle Hilfe anzunehmen, die Jehova durch die Ältesten bietet!
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Der Wachtturm, 15. November 1997, Seiten 23-24:

19 Doch wahrscheinlich wird uns nicht nach Singen zumute sein, wenn wir in geistiger Hinsicht leiden, sei es wegen eines verkehrten Verhaltens oder wegen des Versäumnisses, uns regelmäßig am Tisch Jehovas zu ernähren. Falls das auf uns zutrifft, sollten wir demütig die Ältesten rufen, damit sie ‘über uns beten’ (Sprüche 15:29). Sie werden uns auch „im Namen Jehovas mit Öl einreiben". Gleich linderndem Öl auf einer Wunde werden ihre tröstenden Worte und ihr biblischer Rat uns helfen, der Niedergeschlagenheit entgegenzuwirken, oder uns Zweifel und Furcht nehmen. ‘Das Gebet des Glaubens wird uns zum Heil sein’, wenn es durch unseren eigenen Glauben unterstützt wird. Sollten die Ältesten feststellen, daß unsere geistige Erkrankung durch eine schwere Sünde verursacht wurde, werden sie uns freundlich zeigen, worin unsere Sünde besteht, und versuchen, uns zu helfen (Psalm 141:5). Und wenn wir bereuen, können wir darauf vertrauen, daß Gott ihre Gebete erhören und uns vergeben wird.

20 ‘Einander offen die Sünden zu bekennen’ soll uns davor bewahren, weiterhin zu sündigen. Es sollte gegenseitiges Mitgefühl fördern, eine Eigenschaft, die uns veranlassen wird, ‘füreinander zu beten’. Wir können darauf vertrauen, daß dies von Nutzen ist, weil das Gebet eines „Gerechten" — eines Menschen, der Glauben ausübt und von Gott als rechtschaffen betrachtet wird — bei Jehova viel bewirkt (1. Petrus 3:12). Der Prophet Elia hatte Schwächen gleich den unseren, doch seine Gebete bewirkten etwas. Er betete, und es regnete dreieinhalb Jahre lang nicht. Auf ein weiteres Gebet von ihm hin begann es zu regnen (1. Könige 17:1; 18:1, 42-45; Lukas 4:25).

21 Wie verhält es sich, wenn jemand aus der Versammlung „von der Wahrheit weg in die Irre geführt worden ist", weil er sich von den wahren Lehren und von dem richtigen Lebenswandel abgewandt hat? Vielleicht können wir ihn durch biblischen Rat, durch Gebete und durch andere Hilfe veranlassen, sich von seinem Irrtum abzuwenden. Sollte uns das gelingen, bleibt ihm der Nutzen des Lösegeldes Christi erhalten, er wird vor dem geistigen Tod bewahrt und nicht zur Vernichtung verurteilt. Dadurch, daß wir jemand, der auf Abwege geraten ist, helfen, bedecken wir eine Menge seiner Sünden. Wenn sich der zurechtgewiesene Sünder von seinem verkehrten Weg abwendet, bereut und Vergebung zu erlangen sucht, werden wir uns freuen, daß wir zum Bedecken seiner Sünden beitragen konnten (Psalm 32:1, 2; Judas 22, 23).
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Erwachet!, 22. Januar 1997, Seite 12:

Soll ich meine Sünde bekennen?

Sich an die Ältesten wenden

Wenn du ein Christ bist, ist es nicht damit getan, deinen Eltern von der Sache zu berichten. Andrew erzählt: „Mir war klar, daß ich die Versammlungsältesten über mein Problem informieren mußte. Zu wissen, daß sie da waren, um mir zu helfen, war eine richtige Erleichterung." Ja, die Jugendlichen unter Jehovas Zeugen können und sollten sich an die Versammlungsältesten um Hilfe und Ermunterung wenden. Warum aber nicht einfach zu Jehova beten und es dabei bewenden lassen? Weil Jehova den Ältesten die Verantwortung übertragen hat, ‘beständig über unsere Seelen zu wachen’ (Hebräer 13:17). Sie können dir helfen, nicht noch einmal zu sündigen. (Vergleiche Jakobus 5:14-16).

Mach dir nichts vor, indem du meinst, du kämst schon selbst zurecht. Wenn du wirklich so stark bist, wieso hast du dir dann überhaupt etwas zuschulden kommen lassen? Fest steht: Du mußt bei anderen Hilfe suchen. Andrew nahm seinen Mut zusammen und tat genau das. Was rät er? „Ich empfehle jedem, der schwer gesündigt hat oder in eine schwere Sünde verstrickt ist, Jehova und einem seiner Hirten sein Herz zu öffnen."

Aber wie kannst du dich an einen Ältesten wenden? Suche dir einen aus, bei dem du dich recht wohl fühlst. Du kannst zum Beispiel sagen: „Es gibt da etwas, worüber ich mit dir reden muß" oder: „Ich habe ein Problem" oder auch: „Ich habe ein Problem und brauche deine Hilfe." Indem du ehrlich und aufrichtig bist, zeigst du deutlich, daß du bereust und dich gern ändern möchtest.

„Ich habe Angst, ausgeschlossen zu werden"

Was läßt sich dazu sagen? Eine schwere Sünde kann einen Gemeinschaftsentzug nach sich ziehen, das stimmt; doch niemand wird automatisch ausgeschlossen. Es wird nur denjenigen die Gemeinschaft entzogen, die nicht bereuen wollen — die störrisch sind und sich nicht ändern wollen. In Sprüche 28:13 heißt es: „Wer seine Übertretungen zudeckt, wird kein Gelingen haben, doch dem, der sie bekennt und läßt, wird Barmherzigkeit erwiesen werden." Die Tatsache, daß du dich an die Ältesten um Hilfe wendest, beweist, daß du dich ändern möchtest. Die Ältesten bestrafen nicht in erster Linie, sondern sie heilen. Sie sind verpflichtet, Gottes Volk gütig zu behandeln und die Würde des einzelnen zu wahren. Sie möchten dir helfen, ‘gerade Bahnen für deine Füße’ zu schaffen (Hebräer 12:13).

Zugegeben, wo Täuschung mit im Spiel ist oder eine schwere Sünde lange Zeit getrieben wurde, fehlen überzeugende „Werke . . ., die der Reue entsprechen", womöglich (Apostelgeschichte 26:20). Manchmal ist ein Gemeinschaftsentzug die Folge. Und selbst wenn jemand bereut, sind die Ältesten verpflichtet, ihn in irgendeiner Form zur Verantwortung zu ziehen. Solltest du dich über ihre Entscheidung ärgern oder verbittert sein? Paulus rät gemäß Hebräer 12:5, 6: „Mein Sohn, achte die Zucht von Jehova nicht gering, noch ermatte, wenn du von ihm zurechtgewiesen wirst; denn wen Jehova liebt, den züchtigt er; ja er geißelt jeden, den er als Sohn aufnimmt." Ganz gleich, wie die Zucht ausfällt, sieh sie als Beweis dafür, daß Gott dich liebt. Denke daran, daß dein gutes Verhältnis zu unserem barmherzigen Vater, Jehova Gott, durch echte Reue wiederhergestellt wird.

Es erfordert Mut, Fehler zuzugeben. Doch dadurch stellst du die Dinge nicht nur mit deinen Eltern richtig, sondern auch mit Jehova Gott. Laß dich weder durch Angst, Stolz noch durch Schamgefühle davon abhalten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vergiß nicht: Jehova vergibt „in großem Maße" (Jesaja 55:7).
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Der Wachtturm, 15. April 1996, Seiten 28-29:

Fragen von Lesern

Jesus sagte: „Wenn ihr irgendwelchen Personen die Sünden vergebt, so sind sie ihnen vergeben; wenn ihr die von irgendwelchen Personen behaltet, so sind sie behalten." Bedeuten diese Worte, daß Christen Sünden vergeben können?

Eine göttliche Befugnis, Sünden zu vergeben, läßt sich weder für Christen im allgemeinen noch für ernannte Älteste in der Versammlung biblisch begründen. Doch was Jesus gemäß dem oben zitierten Text, Johannes 20:23, zu seinen Jüngern sagte, deutet darauf hin, daß Gott den Aposteln in dieser Hinsicht besondere Befugnis übertrug. Und diese Aussage Jesu könnte mit dem in Verbindung stehen, was er gemäß Matthäus 18:18 über Entscheidungen sagte, die im Himmel getroffen worden sind.

Christen können gewisse Vergehen vergeben, was im Einklang ist mit dem Rat des Apostels Paulus gemäß Epheser 4:32: „Werdet . . . gütig zueinander, voll zarten Erbarmens, einander bereitwillig vergebend, so wie auch Gott euch durch Christus bereitwillig vergeben hat." Paulus hatte zuvor persönliche Probleme unter Christen erwähnt, wie zum Beispiel gedankenloses Gerede. Sie sollten sich bemühen, solche Angelegenheiten zu bereinigen, und einander vergeben. Denken wir dabei an Jesu Worte: „Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg; schließe zuerst mit deinem Bruder Frieden; und dann, wenn du zurückgekommen bist, bringe deine Gabe dar" (Matthäus 5:23, 24; 1. Petrus 4:8).

Wie der Kontext von Johannes 20:23 erkennen läßt, sprach Jesus hier jedoch von schwereren Sünden. Darauf lassen seine weiteren Worte an seine damaligen Zuhörer schließen. Wir wollen sehen, wieso man das sagen kann

Am Tag seiner Auferstehung erschien Jesus den Jüngern in einem verschlossenen Raum in Jerusalem. Der Bericht lautet: „Jesus sagte nun wieder zu ihnen: ‚Friede sei mit euch! So, wie mich der Vater ausgesandt hat, so sende auch ich euch.‘ Und nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: ‚Empfangt heiligen Geist. Wenn ihr irgendwelchen Personen die Sünden vergebt, so sind sie ihnen vergeben; wenn ihr die von irgendwelchen Personen behaltet, so sind sie behalten‘ " (Johannes 20:21-23).

Wahrscheinlich handelte es sich bei den erwähnten Jüngern hauptsächlich um die treuen Apostel. (Vergleiche Vers 24.) Dadurch, daß Jesus sie anhauchte und sagte: „Empfangt heiligen Geist", gab er ihnen auf sinnbildliche Weise zu verstehen, daß bald heiliger Geist auf sie ausgegossen werden würde. Des weiteren erklärte er ihnen, sie hätten die Befugnis, Sünden zu vergeben. Wie logischerweise anzunehmen ist, hängen diese beiden Aussagen zusammen, da die eine auf die andere folgte.

Fünfzig Tage nach seiner Auferstehung, zu Pfingsten, goß Jesus heiligen Geist aus. Was wurde dadurch bewirkt? Alle, die den Geist empfingen, wurden als geistige Söhne Gottes wiedergeboren mit der Aussicht, Mitregenten Christi im Himmel zu sein (Johannes 3:3-5; Römer 8:15-17; 2. Korinther 1:22). Aber durch diese Ausgießung des Geistes wurde noch mehr bewirkt. Manche Empfänger des Geistes wurden mit Wunderkräften ausgestattet. Dadurch konnten einige von ihnen in fremden Sprachen reden, die sie zuvor nicht gelernt hatten. Andere konnten prophezeien. Wieder andere konnten Kranke heilen oder Tode auferwecken (1. Korinther 12:4-11).

Da Jesus mit seinen Worten aus Johannes 20:22 auf diese Ausgießung des heiligen Geistes hinwies, sind seine anschließenden Worte über die Vergebung von Sünden offenbar so zu verstehen, daß den Aposteln durch die Wirksamkeit des Geistes von Gott die einzigartige Befugnis erteilt wurde, jemandem Sünden zu vergeben oder sie zu „behalten". (Siehe Der Wachtturm [engl.] vom 1. März 1949, Seite 78.)

Die Bibel enthält keinen lückenlosen Bericht darüber, auf welche Weise die Apostel von dieser Befugnis Gebrauch machten. Sie berichtet allerdings auch nicht über jeden Anlaß, bei dem die Apostel durch eine Wundergabe in Zungen redeten, prophezeiten oder jemanden heilten (2. Korinther 12:12; Galater 3:5; Hebräer 2:4).

Die Befugnis der Apostel, Sünden zu vergeben oder zu behalten, spielte beispielsweise im Fall von Ananias und Sapphira eine Rolle, die dem Geist gegenüber ein falsches Spiel getrieben hatten. Petrus, der die in Johannes 20:22, 23 aufgezeichneten Worte Jesu gehört hatte, entlarvte Ananias und Sapphira. Zuerst stellte er Ananias zur Rede, der auf der Stelle starb. Später trat Sapphira ein, und als sie an der Lüge festhielt, sprach Petrus auch über sie das Urteil. Er vergab ihre Sünde nicht, sondern sagte: „Siehe! Die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind an der Tür, und sie werden dich hinaustragen." Auch sie starb auf der Stelle (Apostelgeschichte 5:1-11).

In diesem Fall machte der Apostel Petrus von der besonderen Befugnis Gebrauch, die Sünde einer Person definitiv zu behalten, das heißt, er bediente sich der übernatürlichen Erkenntnis, daß Gott die Sünde von Ananias und Sapphira nicht verzieh. Offenbar waren sich die Apostel auch durch übernatürliche Einsicht in bestimmten Fällen sicher, daß die Sünden auf Grund des Opfers Christi vergeben worden waren. So konnten die durch den Geist bevollmächtigten Apostel sagen, ob jemandem die Sünden vergeben wurden oder nicht.

Das soll nicht heißen, daß alle geistgezeugten Ältesten damals diese auf übernatürliche Weise verliehene Befugnis besaßen. Das ist aus dem ersichtlich, was der Apostel Paulus über den Mann sagte, der aus der Korinther Versammlung ausgeschlossen worden war. Paulus erklärte nicht: „Ich vergebe die Sünden dieses Mannes" oder: „Ich weiß, daß dem Mann im Himmel vergeben worden ist; nehmt ihn daher wieder auf." Er ermahnte vielmehr die ganze Versammlung, diesem Christen nach seiner Wiederaufnahme zu vergeben und ihm Liebe zu erweisen, und fügte hinzu: „Wenn ihr jemandem etwas verzeiht, so tue auch ich es" (2. Korinther 2:5-11).

Nachdem der Mann wieder in die Versammlung aufgenommen worden war, konnten alle christlichen Brüder und Schwestern ihm in dem Sinne vergeben, daß sie ihm das, was er getan hatte, nicht mehr vorwarfen. Zunächst mußte er allerdings bereuen und wiederaufgenommen werden. Wie geschah das?

Es gibt schwerwiegende Sünden, mit denen sich Versammlungsälteste befassen müssen, wie zum Beispiel Diebstahl, Lügen oder schwere Unsittlichkeit. Die Ältesten versuchen, Missetäter zurechtzuweisen und zur Reue zu bewegen. Falls aber jemand in reueloser Weise schwerwiegende Sünde treibt, halten sie sich an die göttlichen Anweisungen und entziehen dem Missetäter die Gemeinschaft (1. Korinther 5:1-5, 11-13). Jesu Worte aus Johannes 20:23 beziehen sich nicht auf solche Fälle. Die Ältesten besitzen keine Wundergaben des Geistes, wie die Fähigkeit, Kranke zu heilen oder Tote aufzuerwecken; diese Gaben erfüllten im ersten Jahrhundert ihren Zweck, und danach gab es sie nicht mehr (1. Korinther 13:8-10). Außerdem haben Älteste heute nicht die göttliche Befugnis, schwerwiegende Sünden in dem Sinne zu vergeben, daß sie erklären könnten, der Betreffende sei in Jehovas Augen rein. Eine Vergebung dieser Art muß auf Grund des Loskaufsopfers erfolgen, und auf dieser Grundlage kann nur Jehova vergeben (Psalm 32:5; Matthäus 6:9, 12; 1. Johannes 1:9).

Jemandem, der eine schwerwiegende Sünde begangen hat, aber nicht bereut, muß wie dem Mann im alten Korinth die Gemeinschaft entzogen werden. Wenn er später bereut und Werke hervorbringt, die der Reue entsprechen, kann Gott ihm vergeben (Apostelgeschichte 26:20). Unter diesen Umständen haben die Ältesten gemäß der Bibel Grund zu der Annahme, daß Jehova dem Missetäter tatsächlich vergeben hat. Sobald der Betreffende wiederaufgenommen worden ist, können ihm die Ältesten in geistiger Hinsicht Hilfe bieten, damit er im Glauben erstarkt. Die anderen in der Versammlung können ebenso vergeben, wie die Christen in Korinth dem ausgeschlossenen Mann vergaben, der wiederaufgenommen worden war.

Wenn die Ältesten so vorgehen, stellen sie nicht ihre eigenen Rechtsmaßstäbe auf. Sie befolgen biblische Grundsätze und halten sich eng an die von Jehova in der Bibel angeordneten Verfahrensweisen. Älteste können somit in dem Sinn vergeben oder nicht vergeben, daß sie entsprechend den Worten Jesu gemäß Matthäus 18:18 vorgehen, wo es heißt: „Wahrlich, ich sage euch: Welche Dinge immer ihr auf der Erde binden mögt, werden Dinge sein, die im Himmel gebunden sind, und welche Dinge immer ihr auf der Erde lösen mögt, werden Dinge sein, die im Himmel gelöst sind." Ihr Vorgehen spiegelt lediglich den in der Bibel dargelegten Standpunkt Jehovas wider.

Folglich steht das, was Jesus gemäß Johannes 20:23 sagte, nicht im Widerspruch zum übrigen Teil der Bibel, sondern läßt erkennen, daß die Apostel im Einklang mit ihrer besonderen Rolle, die sie in der Frühzeit der Christenversammlung spielten, eine besondere Befugnis hatten, was die Vergebung betraf.
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Der Wachtturm, 15. September 1995, Seite 31:

Frank Wessling schreibt in der Zeitschrift U.S. Catholic über den Brauch der Beichte, daß „es einem extrem leichtgemacht wird, indem einem Schritt für Schritt vorgekaut wird, was zu tun ist — angefangen mit dem Bekenntnis der alltäglichen Fehler über die auswendig gelernten Gebete der Reue bis hin zur liturgischen Handlung des Bußsakraments". Zu welchem Schluß kommt Wessling? Er sagt: „Ich bin davon überzeugt, daß die Beichte der Seele guttut. Aber die Methode der Katholiken ist fragwürdig."

Die Bibel stellt das Bekenntnis der Sünden ganz anders dar. Am wichtigsten ist es, die Sünden Gott zu bekennen (Psalm 32:1-5). Und der christliche Jünger Jakobus schrieb: „Ist jemand unter euch krank? Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn im Namen Jehovas mit Öl einreiben. Bekennt also einander offen eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet" (Jakobus 5:14, 16).

Ein Christ, der mit Sünden beladen ist, kann die Aufseher der Versammlung rufen, die ihm mit persönlichem und praktischem Rat aus der Bibel helfen können, seinen sündigen Lauf aufzugeben. Die Aufseher können den geistig Erkrankten in angebrachter Weise ermuntern, während sie seine Fortschritte beobachten. Das steht ganz im Gegensatz zu dem formellen Ritual der Beichte, das heutzutage in den Kirchen praktiziert wird. Durch die persönliche Hilfe der Versammlungsältesten gestärkt, können sich reuevolle Missetäter so erleichtert fühlen wie David, der seine Gefühle in einem Psalm wie folgt zum Ausdruck brachte: „Meine Sünde habe ich dir schließlich bekannt, und mein Vergehen habe ich nicht zugedeckt. Ich sagte: ‚Ich werde meine Übertretungen Jehova bekennen.‘ Und du selbst hast das durch meine Sünden verursachte Vergehen verziehen" (Psalm 32:5).
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Der Wachtturm, 1. Januar 1995, Seiten 27-31:

War es Schwachheit oder Bosheit? Liegt Reue vor?

SÜNDE — das Verfehlen der gerechten Maßstäbe Jehovas — ist etwas, was Christen hassen (Hebräer 1:9). Leider sündigen wir alle von Zeit zu Zeit. Jeder von uns hat mit ererbter Schwachheit und Unvollkommenheit zu kämpfen. Meist können wir uns Jehova dennoch mit reinem Gewissen nahen, weil wir ihm unsere Sünden bekennen und uns ernstlich bemühen, sie nicht zu wiederholen (Römer 7:21-24; 1. Johannes 1:8, 9; 2:1, 2). Wir sind Jehova dafür dankbar, daß er aufgrund des Loskaufsopfers unseren heiligen Dienst trotz unserer Schwachheiten annimmt.

Wer sich zufolge von Schwachheit des Fleisches in eine schwerwiegende Sünde verstrickt, benötigt dringend die Hilfe von Hirten, wie in Jakobus 5:14-16 beschrieben: „Ist jemand unter euch [geistig] krank? Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich . . . Und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander offen eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet."

Begeht ein Gott hingegebener Christ eine schwere Sünde, ist daher mehr erforderlich als ein persönliches Bekenntnis gegenüber Jehova. Die Ältesten müssen gewisse Schritte unternehmen, da die Reinheit oder der Frieden der Versammlung bedroht ist (Matthäus 18:15-17; 1. Korinther 5:9-11; 6:9, 10). Möglicherweise müssen die Ältesten folgendes ergründen: Ist der Betreffende reumütig? Was hat zu der Sünde geführt? War sie die Folge eines Augenblicks der Schwäche? Hat der Betreffende Sünde getrieben? Das zu ergründen ist nicht immer eine einfache, eindeutige Angelegenheit und verlangt beträchtliches Unterscheidungsvermögen.

Was aber, wenn jemandes Sünde die Folge davon ist, daß er einem Lauf des Unrechttuns folgt und einen schlechten Lebenswandel führt? In diesem Fall ist eindeutig, welche Verantwortung die Ältesten haben. Als der Apostel Paulus Anweisungen gab, wie eine ernste Angelegenheit in der Versammlung in Korinth gehandhabt werden sollte, sagte er: „Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte" (1. Korinther 5:13). Für böse Menschen ist in der Christenversammlung kein Platz

Abwägen, ob es Schwachheit war oder Bosheit und ob Reue vorliegt

Wie können Älteste herausfinden, ob jemand reumütig ist? Das ist keine einfache Frage. Denken wir beispielsweise an König David. Er beging Ehebruch und anschließend praktisch einen Mord. Dennoch ließ ihn Jehova am Leben (2. Samuel 11:2-24; 12:1-14). Denken wir andererseits an Ananias und Sapphira. Sie versuchten, die Apostel mit einer Lüge zu täuschen, indem sie heuchlerisch vorgaben, freigebiger zu sein, als sie in Wirklichkeit waren. Eine schwerwiegende Sünde? Gewiß! So schwerwiegend wie Mord und Ehebruch? Wohl kaum. Dennoch bezahlten Ananias und Sapphira dafür mit ihrem Leben (Apostelgeschichte 5:1-11).

Weshalb fiel das Urteil unterschiedlich aus? David verstrickte sich infolge einer Schwachheit des Fleisches in eine schwerwiegende Sünde. Als ihm vorgehalten wurde, was er getan hatte, bereute er, und Jehova vergab ihm — gleichwohl wurde er in Verbindung mit Problemen in seiner Hausgemeinschaft streng in Zucht genommen. Ananias und Sapphira sündigten, indem sie heuchlerisch mittels einer Lüge versuchten, die Christenversammlung zu täuschen und so ‘dem heiligen Geist und Gott gegenüber ein falsches Spiel zu treiben’. Darin offenbarte sich ein böser Herzenszustand. Aus diesem Grund erhielten sie eine härtere Strafe

Beide Male fällte Jehova das Urteil, und sein Urteil war richtig, denn er kann das Herz prüfen (Sprüche 17:3). Älteste sind als Menschen dazu nicht fähig. Wie können Älteste daher unterscheiden, ob eine schwerwiegende Sünde eher ein Zeichen von Schwachheit als von Bosheit ist?

Zwar ist Sünde immer böse, doch ist nicht jeder Sünder böse. Vergleichbare Sünden können bei dem einen ein Zeichen von Schwachheit, bei einem anderen hingegen ein Zeichen von Bosheit sein. Eigentlich ist in der Regel sowohl ein gewisses Maß an Schwachheit als auch an Bosheit im Spiel, wenn jemand sündigt. Ein entscheidender Faktor ist die Frage, wie der Sünder über das, was er getan hat, denkt und was er diesbezüglich zu tun beabsichtigt. Bekundet er eine reumütige Einstellung? Älteste benötigen Unterscheidungsvermögen, um das zu erkennen. Wie können sie dieses Unterscheidungsvermögen erlangen? Der Apostel Paulus versprach Timotheus: „Denke beständig an das, was ich sage; der Herr wird dir wirklich in allen Dingen Unterscheidungsvermögen geben" (2. Timotheus 2:7). Älteste, die in Demut beständig an die inspirierten Worte des Paulus und der anderen Bibelschreiber denken, werden das Unterscheidungsvermögen erhalten, das nötig ist, um Personen in der Versammlung, die sündigen, richtig zu beurteilen. Ihre Entscheidungen werden dann die Denkweise Jehovas widerspiegeln statt ihre eigene (Sprüche 11:2; Matthäus 18:18).

Wie kann man das tun? Eine Möglichkeit besteht darin, zu untersuchen, wie die Bibel böse Menschen beschreibt, und herauszufinden, ob die Beschreibung auf die Person, um die es geht, paßt.

Die Übernahme der Verantwortung und Reue

Adam und Eva waren die ersten Menschen, die es sich erwählten, einem bösen Lauf zu folgen. Obwohl sie vollkommen waren und Jehovas Gesetz genau kannten, lehnten sie sich gegen die göttliche Souveränität auf. Bemerkenswert war ihre Reaktion, als Jehova sie mit ihrer Handlungsweise konfrontierte — Adam schob die Schuld auf Eva, und Eva schob die Schuld auf die Schlange (1. Mose 3:12, 13). Betrachten wir im Gegensatz dazu die tiefe Demut Davids. Als ihm seine schweren Sünden vorgehalten wurden, nahm er die Verantwortung auf sich und bat um Vergebung; er sagte: „Ich habe gegen Jehova gesündigt" (2. Samuel 12:13; Psalm 51:4, 9, 10).

Müssen sich Älteste mit schwerwiegenden Sünden beschäftigen, besonders wenn sie von einer erwachsenen Person begangen wurden, tun sie gut daran, diese beiden Beispiele in Betracht zu ziehen. Nimmt der Sünder — wie David, als ihm seine Sünde zum Bewußtsein gebracht wurde — die Schuld ohne Wenn und Aber auf sich und blickt reumütig zu Jehova um Hilfe und Vergebung auf, oder versucht er, das, was er getan hat, zu bagatellisieren, und schiebt vielleicht die Schuld auf andere? Freilich möchte jemand, der gesündigt hat, vielleicht erklären, was zu seinen Taten geführt hat, und es kann sein, daß bestimmte Umstände aus der Vergangenheit oder Gegenwart vorliegen, die die Ältesten möglicherweise in Betracht ziehen müssen, wenn sie darüber entscheiden, wie sie ihm helfen können. (Vergleiche Hosea 4:14.) Doch sollte er einsehen, daß er es ist, der gesündigt hat, und daß er Jehova gegenüber verantwortlich ist. Vergessen wir nicht: „Jehova ist nahe denen, die gebrochenen Herzens sind; und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er" (Psalm 34:18).

Das Schlechte getrieben

Im Buch der Psalmen finden sich viele Hinweise auf böse Menschen. Diese Bibeltexte können Ältesten ebenfalls unterscheiden helfen, ob jemand grundlegend böse oder schwach ist. Betrachten wir zum Beispiel das inspirierte Gebet König Davids: „Zieh mich nicht mit den Bösen fort und mit denen, die Schädliches treiben, denen, die mit ihren Gefährten Frieden reden, in deren Herzen aber Böses ist" (Psalm 28:3). Ist uns aufgefallen, daß böse Menschen denen gleichgestellt werden, „die Schädliches treiben"? Sündigt jemand infolge von Schwachheit des Fleisches, dann wird er wahrscheinlich damit aufhören, sobald er zur Besinnung kommt. Wenn hingegen jemand das Schlechte ‘treibt’, so daß es zu einem Teil seines Lebens wird, könnte das ein Zeichen für ein böses Herz sein.

David erwähnt in dem Vers ein weiteres Merkmal der Bosheit. Wie Ananias und Sapphira redet ein böser Mensch mit seinem Mund Gutes, in seinem Herzen aber ist Böses. Er ist womöglich ein Heuchler — gleich den Pharisäern der Tage Jesu, die ‘von außen zwar vor Menschen gerecht erschienen, im Innern aber voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit waren’ (Matthäus 23:28; Lukas 11:39). Jehova haßt Heuchelei (Sprüche 6:16-19). Wenn jemand heuchlerisch versucht, seine schwerwiegenden Sünden sogar im Gespräch mit dem Rechtskomitee zu leugnen, oder widerwillig gerade nur das zugibt, was andere ohnehin schon wissen, und sich weigert, ein volles Geständnis abzulegen, könnte das durchaus ein Zeichen für ein böses Herz sein

Stolzes Mißachten Jehovas

Weitere für einen bösen Menschen bezeichnende Merkmale werden in Psalm 10 aufgeführt. Wir lesen dort: „In seinem Hochmut jagt der Böse dem Niedergedrückten hitzig nach; . . . er hat Jehova nicht Respekt gezollt" (Psalm 10:2, 3). Wie sollten wir gegenüber einem Gott hingegebenen Christen eingestellt sein, der stolz ist und Jehova keinen Respekt zollt? Zweifellos ist eine derartige Geisteshaltung böse. Sündigt jemand infolge von Schwachheit, dann wird er bereuen, sobald er sich seiner Sünde bewußt wird oder man ihn darauf aufmerksam macht, und sich angestrengt bemühen, sein Leben in Ordnung zu bringen (2. Korinther 7:10, 11). Was aber wird im Gegensatz dazu einen Menschen, der aufgrund eines grundlegenden Mangels an Achtung vor Jehova sündigt, davon abhalten, immer wieder zu seinem sündigen Lauf zurückzukehren? Wenn er stolz ist, obwohl man ihm im Geist der Milde Rat erteilt, wie kann er dann die nötige Demut aufbringen, um aufrichtig und von Herzen zu bereuen?

Beachten wir auch die weiteren Worte Davids im gleichen Psalm: „Wie kommt es, daß der Böse Gott nicht Respekt gezollt hat? Er hat in seinem Herzen gesagt: ‚Du wirst keine Rechenschaft fordern‘ " (Psalm 10:13). Angewandt auf die Christenversammlung, kann man sagen, daß der böse Mensch den Unterschied zwischen Recht und Unrecht kennt, aber er zögert nicht, das Unrechte zu tun, wenn er den Eindruck hat, er käme ungestraft davon. Solange er nicht befürchten muß, entlarvt zu werden, läßt er seinen sündigen Neigungen ungehemmt freien Lauf. Kommen seine Sünden ans Tageslicht, wird er — im Gegensatz zu David — Zucht listig zu umgehen suchen. Ein solcher Mensch ist Jehova gegenüber äußerst respektlos. „Es gibt keinen Schrecken Gottes vor seinen Augen. . . . Was schlecht ist, verwirft er nicht" (Psalm 36:1, 4).

Anderen Schaden zugefügt

Gewöhnlich wird mehr als eine Person durch eine Sünde in Mitleidenschaft gezogen. Ein Ehebrecher beispielsweise sündigt gegen Gott, er schädigt seine Frau und seine Kinder wie auch die Familie der an der Sünde beteiligten Partnerin, sofern diese verheiratet ist, und außerdem besudelt er den guten Namen der Versammlung. Wie denkt er über all das? Tut es ihm von Herzen leid, und zeigt er echte Reue? Oder bekundet er die in Psalm 94 beschriebene Einstellung: „Alle, die Schädliches treiben, brüsten sich ständig. Dein Volk, o Jehova, zermalmen sie fortwährend, und dein Erbe drücken sie fortgesetzt nieder. Die Witwe und den ansässigen Fremdling töten sie, und die vaterlosen Knaben morden sie hin. Und sie sprechen fortgesetzt: ‚Jah sieht es nicht; und der Gott Jakobs versteht es nicht.‘ " (Psalm 94:4-7)?

In einer Versammlung wird man sich wohl kaum mit Sünden wie Mord und Totschlag beschäftigen müssen. Doch die Einstellung, die hier offenkundig ist — die Bereitschaft, andere um des eigenen Vorteils willen zu schädigen —, könnte zutage treten, wenn die Ältesten eine Missetat untersuchen. Außerdem ist diese Einstellung anmaßend, was ebenfalls charakteristisch für einen bösen Menschen ist (Sprüche 21:4). Sie steht in völligem Widerspruch zur Einstellung eines echten Christen, denn dieser ist bereit, sich für seinen Bruder aufzuopfern (Johannes 15:12, 13).

Göttliche Grundsätze anwenden

Die genannten Richtlinien sind nicht dazu gedacht, Regeln aufzustellen. Sie vermitteln aber eine Vorstellung davon, was Jehova als wirklich böse betrachtet. Weigert sich jemand, die Verantwortung für ein begangenes Unrecht auf sich zu nehmen? Hat der Betreffende, bevor er sündigte, zu der besagten Angelegenheit Rat erhalten, sich aber dreist darüber hinweggesetzt? Hat er es sich zur festen Gewohnheit gemacht, schwerwiegendes Unrecht zu begehen? Offenbart der Missetäter einen eklatanten Mangel an Respekt vor dem Gesetz Jehovas? Hat er auf berechnende Weise versucht, das Unrecht zu vertuschen, und womöglich andere gleichzeitig verführt? (Judas 4). Werden solche Bemühungen nur noch verstärkt, wenn das Unrecht ans Licht kommt? Ist es dem Missetäter völlig gleichgültig, welchen Schaden er anderen zugefügt und welche Schmach er auf den Namen Jehovas gebracht hat? Wie steht es mit seiner Einstellung? Ist er hochmütig und anmaßend, nachdem ihm freundlich biblischer Rat erteilt wurde? Fehlt ihm der von Herzen kommende Wunsch, das Unrecht nicht zu wiederholen? Wenn die Ältesten derlei Anhaltspunkte bemerken, die stark auf fehlende Reue hindeuten, kommen sie möglicherweise zu dem Schluß, daß die begangenen Sünden ein Zeichen für Bosheit und nicht lediglich für Schwachheit des Fleisches sind.

Selbst wenn sich Älteste mit jemand beschäftigen müssen, der böse Neigungen zu haben scheint, hören sie nicht auf, ihn zu ermahnen, der Gerechtigkeit nachzujagen (Hebräer 3:12). Ein böser Mensch kann bereuen und sich ändern. Warum hätte sonst Jehova die Israeliten aufgefordert: „Der Böse verlasse seinen Weg und der schadenstiftende Mann seine Gedanken; und er kehre um zu Jehova, der sich seiner erbarmen wird, und zu unserem Gott, denn er wird in großem Maße vergeben." (Jesaja 55:7)? Vielleicht bemerken die Ältesten während der Verhandlung vor dem Rechtskomitee eine deutliche Veränderung des Herzenszustandes, die sich in einer reumütigen Haltung und Einstellung äußert.

Selbst wenn jemand die Gemeinschaft entzogen wird, werden ihn die Ältesten als Hirten auffordern, zu bereuen und sich zu bemühen, wieder in die Gunst Jehovas zu gelangen. Vergessen wir nicht den „bösen Menschen" in Korinth. Offensichtlich änderte er sich, und Paulus empfahl später, ihn wiederaufzunehmen (2. Korinther 2:7, 8). Beachten wir auch das Beispiel König Manasses. Er war wirklich sehr böse, doch als er schließlich bereute, nahm Jehova seine Reue an (2. Könige 21:10-16; 2. Chronika 33:9, 13, 19).

Es gibt natürlich eine Sünde, die nicht vergeben wird — die Sünde gegen den heiligen Geist (Hebräer 10:26, 27). Allein Jehova bestimmt, ob jemand eine solche Sünde begangen hat. Menschen haben nicht die Befugnis, darüber zu entscheiden. Den Ältesten obliegt die Verantwortung, die Versammlung rein zu erhalten und reumütigen Sündern zu helfen, wiederhergestellt zu werden. Tun sie das mit Unterscheidungsvermögen und Demut und spiegeln ihre Entscheidungen die Weisheit Jehovas wider, dann wird Jehova diesen Bereich ihrer Hirtentätigkeit segnen.
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Der Wachtturm, 1. Juni 1992, Seite 19:

15 Doch was ist, wenn wir eine schwere Sünde begangen haben? König David beschrieb diejenigen, die Jehovas Gunst genießen, mit folgenden Worten: „Wer darf auf den Berg Jehovas steigen, und wer darf an seiner heiligen Stätte aufstehen? Wer unschuldiger Hände und reinen Herzens ist, wer MEINE Seele nicht zu eitel Nichtswürdigem erhoben noch trügerisch geschworen hat" (Psalm 24:3, 4). Falls wir aus irgendeinem Grund nicht mehr „unschuldiger Hände und reinen Herzens" sind, müssen wir unverzüglich handeln. Unser ewiges Leben steht auf dem Spiel

16 Manch einer ist versucht gewesen, schwere Sünden zu verbergen, vielleicht weil er bei sich dachte: „Ich habe sie Jehova bekannt und bereut. Warum also die Ältesten noch einschalten?" Der Übeltäter mag verlegen sein oder Angst vor dem haben, was die Ältesten unternehmen mögen. Er sollte jedoch bedenken, daß Jehova, obwohl er allein uns von Sünde reinigen kann, die Hauptverantwortung für die Reinheit der Versammlung den Ältesten übertragen hat (Psalm 51:2). Sie sind dazu da zu heilen, ja für „das Zurechtbringen der Heiligen" (Epheser 4:12). Uns nicht an sie zu wenden, wenn wir geistige Hilfe benötigen, wäre so, als würden wir im Krankheitsfall nicht zum Arzt gehen.

17 Einige, die versuchen, solche Fälle selbst zu regeln, stellen fest, daß ihr Gewissen Monate oder Jahre später immer noch tief beunruhigt ist. Und schlimmer noch — manche, die eine schwere Sünde verbergen, sündigen ein zweites, ja sogar ein drittes Mal. Wenn die Ältesten schließlich auf die Angelegenheit aufmerksam werden, liegt ein Fall von wiederholter Sünde vor. Wieviel besser ist es doch, den Rat des Jakobus zu befolgen! Er schrieb: „Ist jemand unter euch krank? Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn im Namen Jehovas mit Öl einreiben" (Jakobus 5:14). Gehen wir zu den Ältesten, solange noch Zeit zum Heilen ist. Wer zu lange wartet, kann sich in einem Lauf der Sünde verhärten (Prediger 3:3; Jesaja 32:1, 2).
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Der Wachtturm, 15. März 1991, Seiten 4-7:

Wann wurde die gegenwärtige Beichtordnung eingeführt? Das Buch Religion in the Medieval West erklärt dazu: „Gegen Ende des sechsten Jahrhunderts führten keltische Mönche in Frankreich eine neue Form der Beichte ein. . . . Es war die Ohrenbeichte, bei der der Büßer seine Sünden einem Priester persönlich bekannte, und dabei handelte es sich um eine Übernahme des klösterlichen Brauchs der geistlichen Ermahnung." In den Klöstern war es seit langem üblich, daß die Mönche einander ihre Sünden bekannten, um geistige Hilfe zur Überwindung ihrer Schwächen zu erhalten. In Verbindung mit der gegenwärtigen Ohrenbeichte beansprucht die Kirche allerdings für den Priester die wesentlich größere „Macht oder Befugnis, Sünden zu vergeben" (New Catholic Encyclopedia).

Hat Jesus einigen seiner Nachfolger wirklich solche Macht übertragen? Aufgrund welcher Äußerungen ist man zu diesem Schluß gekommen?

„Die Schlüssel des Himmelreiches"

Bei einer Gelegenheit sagte Jesus Christus zum Apostel Petrus: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben, und was du auf der Erde bindest, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde lösest, das wird im Himmel gelöst sein" (Matthäus 16:19, Jerusalemer Bibel). Was meinte Jesus mit den ‘Schlüsseln des Himmelreiches’? Das können wir besser verstehen, wenn wir eine andere Begebenheit betrachten, bei der Jesus das Wort „Schlüssel" gebrauchte.

Jesus sagte einmal zu den geistlichen Führern der Juden, die im mosaischen Gesetz bewandert waren: „Wehe euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, welche hinein wollten, habt ihr abgehalten" (Lukas 11:52, JB). „Abgehalten", wo ‘hineinzugehen’? Jesus liefert uns die Erklärung in Matthäus 23:13 (JB): „Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt das Himmelreich vor den Menschen. Denn ihr selbst kommt nicht hinein, und die, die hinein wollen, laßt ihr nicht hinein." Die jüdische Geistlichkeit verschloß vielen sozusagen die Tür, indem sie sie um die Gelegenheit brachte, bei Jesus Christus im Himmel zu sein. Der „Schlüssel", den diese geistlichen Führer „weggenommen" hatten, hatte nichts mit der Vergebung von Sünden zu tun. Es war der Schlüssel zu der von Gott gewährten Erkenntnis.

Ebenso stellten „die Schlüssel des Himmelreiches", die Petrus gegeben wurden, nicht die Macht dar, den Himmel davon in Kenntnis zu setzen, wessen Sünden vergeben oder behalten werden sollten. Sie veranschaulichten vielmehr das große Vorrecht des Petrus, den Weg zum Himmel zu öffnen, und zwar durch die Verbreitung der von Gott stammenden Erkenntnis im Predigtdienst. Er tat dies zuerst für die Juden und die jüdischen Proselyten, dann für die Samariter und schließlich für die Heiden (Apostelgeschichte 2:1-41; 8:14-17; 10:1-48).

„Alles, was ihr auf Erden bindet"

Jesus wiederholte das, was er zu Petrus gesagt hatte, später gegenüber anderen Jüngern: „Wahrlich, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden bindet, das wird im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden löset, das wird im Himmel gelöst sein" (Matthäus 18:18, JB). Welche Autorität übertrug Christus hier den Jüngern? Aus dem Kontext geht hervor, daß er über die Beilegung von Schwierigkeiten zwischen einzelnen Gläubigen sprach sowie über die Reinigung der Versammlung von reuelosen Übeltätern (Matthäus 18:15-17).

Bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gesetzes Gottes müssen die Verantwortlichen in der Versammlung die Dinge beurteilen und entscheiden, ob ein Übeltäter „gebunden" (als schuldig betrachtet) oder „gelöst" (freigesprochen) werden sollte. Bedeutet das, daß sich der Himmel nach der Entscheidung von Menschen richtet? Keineswegs. Wie der Bibelgelehrte Robert Young zeigt, würde jede Entscheidung, die die Jünger träfen, der Entscheidung des Himmels folgen, nicht ihr vorausgehen. Seiner Ansicht nach müßte Vers 18 buchstäblich wie folgt wiedergegeben werden: Was ihr auf Erden bindet, „das wird im Himmel [bereits] gebunden sein"

Die Auffassung, unvollkommene Menschen könnten Entscheidungen treffen, die für den Himmel bindend seien, ist wirklich nicht vernünftig. Weitaus logischer ist die Erklärung, daß die eingesetzten Vertreter Christi seinen Anweisungen folgen, um seine Versammlung rein zu erhalten. Sie tun dies dadurch, daß sie sich, wenn sie eine Entscheidung treffen, auf Grundsätze stützen, die bereits im Himmel festgelegt wurden. Jesus selbst wird sie dabei leiten (Matthäus 18:20).

Kann irgendein Mensch „Christus als väterlichen Richter vertreten" und sogar über die ewige Zukunft eines Mitgläubigen entscheiden? (New Catholic Encyclopedia). Priester, die die Beichte abnehmen, gewähren fast ausnahmslos Absolution, obwohl unter katholischen Theologen „offenbar stillschweigend die Ansicht vertreten wird, daß kaum jemand über seine Sünden wirklich traurig ist" (The New Encyclopædia Britannica). Ja, wann hat man denn schon einmal davon gehört, daß ein Priester einem Sünder die Absolution verweigert oder ihn nicht losgesprochen hat? Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß der einzelne Priester für sich nicht die Fähigkeit beansprucht, beurteilen zu können, ob ein Sünder bereut oder nicht. Aber warum fühlt er sich trotzdem berechtigt, Absolution zu erteilen?

Man stelle sich ein Gericht vor, in dem ein mitfühlender Richter regelmäßig Kriminelle, sogar gewohnheitsmäßige Rechtsbrecher, freispricht, weil sie sich dem Ritual unterzogen haben, ihre Verbrechen einzugestehen und zu sagen, daß es ihnen leid tue. Das mag den Übeltätern zwar ganz recht sein, aber eine solche irrige Ansicht über Barmherzigkeit würde die Achtung vor dem Recht völlig untergraben. Könnte es sein, daß die Beichte, wie sie in der katholischen Kirche praktiziert wird, die Menschen in Wirklichkeit veranlaßt, in ihrem sündigen Lauf immer verstockter zu werden? (Prediger 8:11).

„Die Beichte weckt in einem keinesfalls den Wunsch, die Sünde künftig nicht mehr zu begehen", sagte Ramona, die aus Erfahrung sprach, da sie als Katholikin seit ihrem achten Lebensjahr zur Beichte gegangen war. Sie fügte hinzu: „Die Beichte vermittelt die Vorstellung, daß Gott alles vergibt, wozu dich dein unvollkommenes Fleisch verführt. Sie fördert nicht das tiefe Verlangen, das Rechte zu tun."

Wie verhält es sich jedoch mit Jesu Worten aus Johannes 20:22, 23? Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Empfanget heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten" (JB). Gab er seinen Jüngern hier nicht ausdrücklich Autorität, Sünden zu vergeben?

Für sich betrachtet, scheint der Bibeltext das zu besagen. Aber zu welchem Schluß kommt man, wenn man diese Worte im Zusammenhang mit dem Bericht in Matthäus 18:15-18 betrachtet sowie mit allem anderen, was die Bibel sonst noch über das Sündenbekenntnis und die Vergebung sagt? Zu dem Schluß, daß Jesus gemäß Johannes 20:22, 23 seinen Jüngern Autorität verlieh, jemanden, der schwere Sünden nicht bereut, aus der Versammlung auszuschließen. Gleichzeitig übertrug Jesus seinen Nachfolgern Autorität, Barmherzigkeit zu üben und reuigen Sündern zu vergeben. Jesus sagte auf keinen Fall, daß seine Jünger jede Sünde einem Priester beichten sollten.

Die Verantwortlichen in der Versammlung wurden also befugt, die Entscheidung zu treffen, wie mit denen zu verfahren ist, die schwere Sünden begehen. Solche Entscheidungen werden unter der Leitung des heiligen Geistes Gottes und in Übereinstimmung mit Gottes Anleitungen getroffen, die er durch Jesus Christus und die Heilige Schrift gegeben hat. (Vergleiche Apostelgeschichte 5:1-5; 1. Korinther 5:1-5, 11-13.) Die Verantwortlichen reagieren somit auf Anleitung vom Himmel, sie zwingen ihm ihre Entscheidungen nicht auf.

„Bekennet . . . einander eure Sünden"

Wann ist es angebracht, daß Christen einander ihre Sünden bekennen? Im Fall einer schweren Sünde (nicht bei jedem geringfügigen Fehler) sollte jemand gegenüber verantwortlichen Aufsehern der Versammlung ein Bekenntnis ablegen. Selbst bei einer nicht so schwerwiegenden Sünde ist es von großem Wert, eine solche zu bekennen und um geistige Hilfe zu bitten, wenn das Gewissen des Sünders sehr beunruhigt ist.

Mit Bezug darauf sagte der Bibelschreiber Jakobus: „Ist jemand unter euch [geistig] krank? Er soll die Presbyter der Gemeinde zu sich rufen lassen. Die sollen über ihn beten, indem sie ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden. Bekennet also einander eure Sünden und betet füreinander" (Jakobus 5:14-16, JB).

Diese Worte sind keineswegs ein Hinweis auf eine formelle, ritualisierte Ohrenbeichte. Statt dessen sollte ein Christ, der so sündenbeladen ist, daß er das Empfinden hat, nicht beten zu können, die ernannten Ältesten oder Aufseher der Versammlung rufen, und sie werden mit ihm beten. Diese werden auch das Öl des Wortes Gottes anwenden, um ihm zu helfen, sich geistig wieder zu erholen (Psalm 141:5; vergleiche Lukas 5:31, 32; Offenbarung 3:18).

Beachtenswert ist, daß Johannes der Täufer dazu aufforderte, ‘Frucht hervorzubringen, die der Reue entspricht’ (Matthäus 3:8; vergleiche Apostelgeschichte 26:20). Ein Sünder, der wirklich bereut, gibt seinen sündigen Lauf auf. Wenn er bereut und Gott seine Verfehlung bekennt, wird ihm vergeben werden, wie das bei David, dem König des alten Israel, der Fall war. David schrieb: „Meine Sünde habe ich dir schließlich bekannt, und mein Vergehen habe ich nicht zugedeckt. Ich sagte: ‚Ich werde meine Übertretungen Jehova bekennen.‘ Und du selbst hast das durch meine Sünden verursachte Vergehen verziehen" (Psalm 32:5).

Niemand kann sich durch Bußübungen eine solche Vergebung verdienen. Nur Gott kann sie gewähren. Obwohl er die Anforderungen der vollkommenen Gerechtigkeit nicht außer acht läßt, kommt durch seine Vergebung doch seine Liebe zur Menschheit zum Ausdruck. Seine Vergebung ist auch ein Ausdruck der unverdienten Güte, die sich auf das Loskaufsopfer Jesu Christi stützt und nur auf Sünder angewendet wird, die bereut und sich von dem abgewandt haben, was in Gottes Augen schlecht ist (Psalm 51:7; Jesaja 1:18; Johannes 3:16; Römer 3:23-26). Nur diejenigen, denen Jehova Gott vergeben hat, werden ewiges Leben erhalten. Und damit wir diese Vergebung erlangen, müssen wir unsere Sünden bekennen — nicht nach Menschenweise, sondern so, wie Gott es wünscht.
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Unterredungen anhand der Schriften (deutsch: 1990), Seiten 56-59:

Beichte

Definition: Ein öffentliches oder privates Bekenntnis der Sünden.

Ist der Ritus der Versöhnung, einschließlich der Ohrenbeichte (persönliche Beichte vor einem Priester), wie er von der katholischen Kirche gelehrt wird, schriftgemäß?

Wie der Priester angesprochen wird

Die traditionelle Beichtformel, die immer noch häufig gebraucht wird, lautet: „Segne mich, Vater, denn ich habe gesündigt. Ich habe zuletzt vor [Zeitangabe] gebeichtet" (Zeitschrift U.S. Catholic, Oktober 1982, S. 6).

Mat. 23:1, 9 (JB): „Jesus [sprach] . . .: ,Ihr [sollt] niemand unter euch auf Erden Vater nennen, denn einer ist euer Vater, der im Himmel.‘ "

Sünden, die vergeben werden können

„Die Kirche hat stets gelehrt, daß jede Sünde, ungeachtet wie schwerwiegend sie auch sein mag, vergeben werden kann" (The Catholic Encyclopedia [mit Nihil obstat und Imprimatur], R. C. Broderick, Nashville [Tenn., USA], 1976, S. 554).

Heb. 10:26 (JB): „Wenn wir nämlich mutwillig sündigen, nachdem wir die klare Erkenntnis der Wahrheit erlangt haben, dann bleibt kein Opfer für die Sünden mehr übrig."

Mar. 3:29 (JB): „Wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern ist ewiger Sünde schuldig."

Wie sich Buße zeigen sollte

Häufig auferlegt der Beichtvater dem Büßer, eine bestimmte Anzahl „Vaterunser" und „Ave-Maria" zu beten.

Mat. 6:7 (JB): „Wenn ihr aber betet, plappert nicht daher [äußert keine sinnlosen Wiederholungen] wie die Heiden. Denn sie meinen erhört zu werden, wenn sie viele Worte machen."

Mat. 6:9-12 (JB): „So nun sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, . . . vergib uns unsere Schuld." (Nirgends in der Bibel wird uns geboten, zu Maria oder durch sie zu beten; siehe Philipper 4:6, ebenso „Maria", Seite 299.)

Röm. 12:9 (JB): „Die Liebe sei ungeheuchelt. Verabscheut das Böse, hängt dem Guten an."

Ermächtigte nicht Jesus seine Apostel, Sünden zu vergeben?

Joh. 20:21-23 (JB): „ ,Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch.‘ Und als er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und sagt zu ihnen: ,Empfanget heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.‘ "

Wie verstanden die Apostel diese Worte, und wie wandten sie sie an? In der Bibel wird nicht ein einziges Mal davon berichtet, daß ein Apostel eine Beichte unter vier Augen abgenommen und Absolution erteilt hätte. Allerdings sind die Voraussetzungen, unter denen man von Gott Vergebung erlangt, in der Bibel festgelegt. Die Apostel konnten unter der Leitung des heiligen Geistes feststellen, ob jemand diese Voraussetzungen erfüllte, und aufgrund dessen erklären, ob Gott ihm vergeben hatte oder nicht. Siehe zum Beispiel Apostelgeschichte 5:1-11; 1. Korinther 5:1-5 und 2. Korinther 2:6-8.

Siehe auch das Thema „Apostolische Nachfolge".

Gelehrte sind sich über den Ursprung der Ohrenbeichte nicht einig

In der Catholic Encyclopedia von R. C. Broderick heißt es auf Seite 58: „Die Ohrenbeichte gilt seit dem 4. Jahrhundert als anerkannte Methode."

In der New Catholic Encyclopedia wird gesagt: „Viele zeitgenössische katholische und protestantische Historiker schreiben die Privatbeichte als übliche Erziehung den Kirchen von Irland, Wales und Britannien zu, wo die Sakramente einschließlich des Bußsakraments vom Abt eines Klosters und von seinen Ordensgeistlichen ausgeteilt wurden. Der klösterliche Brauch der Beichte unter der öffentlichen und privaten geistlichen Anleitung diente offensichtlich als Vorbild, als man die periodische Beichte und die Andachtsbeichte für die Laienschaft einführte. . . . Die Lossprechung von geheimen Sünden zur Zeit der Beichte und vor Abgeltung der Bußauflage wurde jedoch erst im 11. Jahrhundert eingeführt" (1967, Bd. XI, S. 75).

Der Historiker A. H. Sayce schreibt: „Aus den Ritualtexten geht hervor, daß sowohl die öffentliche als auch die private Beichte in Babylonien praktiziert wurde. Es hat tatsächlich den Anschein, als sei die Privatbeichte die ältere und üblichere Form gewesen" (The Religions of Ancient Egypt and Babylonia, Edinburgh, 1902, S. 497).

Welchen Standpunkt vertreten Jehovas Zeugen hinsichtlich der Beichte?

[Der folgende Teil ist in der deutschen Ausgabe nicht enthalten:

Confessing one's faith by public declaration (Seinen Glauben durch eine öffentliche Erklärung bekennen)

Rom. 10:9, 10: "If you publicly declare that 'word in your own mouth,' that Jesus is Lord, and exercise faith in your heart that God raised him up from the dead, you will be saved. For with the heart one exercises faith for righteousness, but with the mouth one makes public declaration for salvation."

Matt. 10:32, 33: "Everyone, then, that confesses union with me [Jesus Christ] before men, I will also confess union with him before my Father who is in the heavens; but whoever disowns me before men, I will also disown him before my Father who is in the heavens."]

Wenn man gegen Gott sündigt

Mat. 6:6-12: „Wenn du betest, geh in deinen Privatraum, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist . . . ,Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt. . . . und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben.‘ "

Ps. 32:5: „Meine Sünde habe ich dir [Gott] schließlich bekannt, und mein Vergehen habe ich nicht zugedeckt. Ich sagte: ,Ich werde meine Übertretungen Jehova bekennen.‘ Und du selbst hast das durch meine Sünden verursachte Vergehen verziehen."

1. Joh. 2:1: „Wenn jemand eine Sünde begeht, so haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus, einen Gerechten."

Wenn jemand seinem Nächsten ein Unrecht antut oder ihm selbst ein Unrecht geschieht

Mat. 5:23, 24: „Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg; schließe zuerst mit deinem Bruder Frieden; und dann, wenn du zurückgekommen bist, bringe deine Gabe dar."

Mat. 18:15: „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so gehe hin, lege seinen Fehler zwischen dir und ihm allein offen dar."

Luk. 17:3: „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so erteile ihm einen Verweis, und wenn er bereut, so vergib ihm."

Eph. 4:32: „Werdet . . . gütig zueinander, voll zarten Erbarmens, einander bereitwillig vergebend, so wie auch Gott euch durch Christus bereitwillig vergeben hat."

Wenn jemand eine schwerwiegende Sünde begangen hat und geistigen Beistand wünscht

Jak. 5:14-16: „Ist jemand unter euch [in geistiger Hinsicht] krank? Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn im Namen Jehovas mit Öl einreiben. Und das Gebet des Glaubens wird den sich nicht wohl Fühlenden zum Heil sein, und Jehova wird ihn aufrichten. Und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm [von Gott] vergeben werden. Bekennt also einander offen eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet."

Spr. 28:13: „Wer seine Übertretungen zudeckt, wird kein Gelingen haben, doch dem, der sie bekennt und läßt, wird Barmherzigkeit erwiesen werden."

Wie verhält es sich mit Personen, die sündigen und keine Hilfe suchen?

Gal. 6:1: „Brüder, wenn auch ein Mensch einen Fehltritt tut, ehe er es gewahr wird, so versucht ihr, die geistig Befähigten, einen solchen Menschen im Geist der Milde wieder zurechtzubringen, während du dich selbst im Auge behältst, damit nicht auch du versucht werdest."

1. Tim. 5:20: „Weise Personen, die Sünde treiben, vor den Augen aller [vor Personen, die von der Sache Kenntnis haben] zurecht, damit auch die übrigen Furcht haben."

1. Kor. 5:11-13: „[Habt] keinen Umgang mehr mit jemandem . . ., der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Erpresser ist, selbst nicht mit einem solchen zu essen. . . . ,Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte.‘ "
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Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2 (deutsch: Band 1, 1990; Band 2, 1992), Seite 696:

Sünden bekennen. Ein reumütiger Mensch demütigt sich also, sucht Gottes Angesicht (2Ch 7:13, 14; 33:10-13; Jak 4:6-10) und bittet ihn um Vergebung (Mat 6:12). Er handelt nicht wie der selbstgerechte Pharisäer aus dem Gleichnis Jesu, sondern wie der Steuereinnehmer, der sich nach den Worten Jesu an die Brust schlug und sagte: „O Gott, sei mir, einem Sünder, gnädig" (Luk 18:9-14). Der Apostel Johannes schrieb: „Wenn wir erklären: ‚Wir haben keine Sünde‘, führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, uns die Sünden zu vergeben und uns von aller Ungerechtigkeit zu reinigen" (1Jo 1:8, 9). „Wer seine Übertretungen zudeckt, wird kein Gelingen haben, doch dem, der sie bekennt und läßt, wird Barmherzigkeit erwiesen werden" (Spr 28:13; vgl. Ps 32:3-5; Jos 7:19-26; 1Ti 5:24).

Das in Daniel 9:15-19 aufgezeichnete Gebet Daniels ist ein Beispiel eines aufrichtigen Bekenntnisses, das vor allem Interesse an Jehovas Namen zum Ausdruck brachte und dessen flehentliche Bitten „nicht gemäß unseren gerechten Taten", wie Daniel sagte, „sondern gemäß deinen vielen Erbarmungen" vorgetragen wurden. Man vergleiche damit auch die demütige Äußerung des verlorenen Sohnes (Luk 15:17-21). Aufrichtig Bereuende ‘erheben ihr Herz samt ihren Handflächen zu Gott’, bekennen ihre Übertretung und bitten um Vergebung (Klg 3:40-42).

Einander die Sünden bekennen. Der Jünger Jakobus gibt den Rat: „Bekennt . . . einander offen eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet" (Jak 5:16). Das heißt nicht, daß irgendein Mensch als „Helfer [Fürsprecher, Lu]" zwischen Mensch und Gott dienen würde, denn Christus allein erfüllt diese Aufgabe aufgrund seines Sühnopfers (1Jo 2:1, 2). Von sich aus können Menschen weder ein Unrecht, das sie selbst gegen Gott begangen haben, noch das anderer wiedergutmachen, weil sie nicht in der Lage sind, die erforderliche Sühne zu leisten (Ps 49:7, 8). Christen können jedoch einander helfen. Ihre Gebete für ihre Brüder haben zwar keinen Einfluß auf die Anwendung des göttlichen Rechts (denn Christi Lösegeld dient allein der Vergebung von Sünden), aber Gott schätzt es, wenn er darum gebeten wird, einem Sünder, der Hilfe sucht, die nötige Hilfe und Kraft zu geben. (Siehe GEBET [Die Erhörung von Gebeten].)
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Der Wachtturm, 1. April 1986, Seite 26:

Vergiß auch nicht, daß der Genuß der Sünde nur „zeitweilig" ist (Hebräer 11:25). Früher oder später wird ‘deine Sünde dich einholen’, und du mußt bittere Konsequenzen tragen (4. Mose 32:23). Frage dich: „Möchte ich wirklich durch Sünde verhärtet werden? Wie wird es sich auf mich, auch wenn es mir jetzt Vergnügen bereiten mag, auf lange Sicht auswirken?"

Wie verhält es sich jedoch, wenn jemand gegenwärtig einem Lauf des Unrechttuns verhaftet ist? Denke nicht, man könne für eine Sünde „Sühne leisten", indem man sich vermehrt im christlichen Dienst betätigt. „Die Schlachtopfer für Gott sind ein zerbrochener Geist", sagte der reumütige König David (Psalm 51:17). Die Bibel rät geistig Kranken, zu den Ältesten zu gehen (Jakobus 5:14, 15). Diese reifen Männer werden alles tun, was sie können, um einem Kranken wieder zu geistiger Gesundheit zu verhelfen. Es ist so, wie die Bibel sagt: „Wer seine Übertretungen zudeckt, wird kein Gelingen haben, doch dem, der sie bekennt und läßt, wird Barmherzigkeit erwiesen werden" (Sprüche 28:13). Ein Mann sagte, nachdem er schließlich seine Sünde den Ältesten bekannt hatte: „Es war, als sei mir ein großer Stein vom Herzen gefallen." (Vergleiche Psalm 32:1-5.)

Je mehr diese Welt der Bosheit verfällt, um so größer wird die Herausforderung für einen Christen, seine Lauterkeit zu bewahren. Vergiß jedoch eines nicht: „Obwohl ein Sünder hundertmal Schlechtes tun und es lange Zeit treiben mag, wie es ihm gefällt, weiß ich doch auch, daß es mit denen, die den wahren Gott fürchten, gut ausgehen wird, weil sie sich vor ihm gefürchtet haben" (Prediger 8:12). Fürchte also Jehova Gott! Er wird dich vor dem verhärtenden Einfluß der Sünde bewahren.
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Der Wachtturm, 1. Dezember 1985, Seiten 3-7:

Die Kirchen und Sünde

„Die Sünde unseres Jahrhunderts besteht darin, daß jeglicher Sinn für Sünde verlorengegangen ist." Diese unmißverständlichen Worte äußerte Papst Pius XII. bereits im Jahre 1946. Offensichtlich hat sich die Situation seither verschlechtert. Papst Johannes Paul II. zitierte in seiner neuen Abhandlung „Versöhnung und Buße" jenen Ausspruch seines Vorgängers und bedauerte die Verdunklung des Begriffs Sünde in der heutigen verweltlichten Gesellschaft.

Der Papst erinnerte auch die katholischen Priester und die Katholiken im allgemeinen daran, daß die in vielen katholischen Kirchen heute praktizierte gemeinschaftliche Beichte und Absolution nicht genüge. Er sagte, „der einzig normale und richtige Weg" zur Beachtung des Sakraments der Buße sei die Beichte des einzelnen. Gemäß dem katholischen Dogma steht Buße mit guten Werken zur Versöhnung des Sünders mit Gott in Verbindung.

Die meisten protestantischen Kirchen sehen keine Notwendigkeit einer privaten Beichte vor einem Priester. Sie sagen, die Beichte vor Gott genüge für die Vergebung von Sünden, aber einige bevorzugen eine allgemeine Beichte und Absolution beim Abendmahlsgottesdienst. Viele Protestanten glauben, zur „Rechtfertigung" vor Gott sei allein der Glaube notwendig.

Solche widersprüchlichen Lehren der sogenannten christlichen Kirchen über Beichte, Buße und „Rechtfertigung", d. h. darüber, wie man mit Gott ins reine kommt, stiften bei vielen Leuten Verwirrung. Sie haben das vage Gefühl, daß sie etwas tun sollten, um mit Gott ins reine zu kommen, aber sie wissen nicht, wie sie dabei vorgehen sollen.

Im folgenden Artikel wird erklärt, warum wir mit Gott ins reine kommen müssen, und es werden die katholischen und die protestantischen Ansichten über die „Rechtfertigung" untersucht. In zwei weiteren Artikeln wird erläutert, was die Bibel über das Erreichen eines gerechten Standes vor Gott lehrt und wie es dich berührt.

Gerechtigkeit vor Gott Wie zu erreichen?

„GOD ’e say ’im alrite." So wurde das Wort „Rechtfertigung" in einer Übersetzung des „Neuen Testaments" in Neuguinea-Pidgin wiedergegeben. Wie kurios das auch erscheinen mag, es drückt den Gedanken aus, der dem Wort zugrunde liegt, das in Römer 5:16 in vielen deutschen Bibeln mit „Rechtfertigung" oder „Gerechtsprechung" wiedergegeben wird.

Aber manche sagen: „Ich bin ein anständiger Mensch. Ich tue anderen Gutes, wann immer ich kann. Ich bin bereit, meinem Schöpfer zu begegnen." Offensichtlich denken sie, „Rechtfertigung" bedeute Selbstrechtfertigung. Doch die biblische Lehre der Gerechtsprechung bezieht sich darauf, wie Gott uns betrachtet und wie er mit uns handelt. Gott ist der „Schöpfer" (Jesaja 40:28). Er ist der „Richter der ganzen Erde" (1. Mose 18:25). Daher kommt es vor allem darauf an, wie er uns betrachtet.

Warum wir mit Gott ins reine kommen müssen

In der Bibel heißt es über Jehova: „Der FELS, vollkommen ist sein Tun, denn Gerechtigkeit sind alle seine Wege. Ein Gott der Treue, bei dem es keine Ungerechtigkeit gibt; gerecht und gerade ist er" (5. Mose 32:4). Er ist die Verkörperung der Gerechtigkeit. Als Schöpfer und Lebengeber hat er das Recht, den Maßstab oder die Norm festzulegen, nach der ermittelt wird, was recht und was unrecht ist. Gerecht ist das, was mit Gottes Maßstab übereinstimmt.

Gott legt also das Ziel fest, das seine vernunftbegabten Geschöpfe erreichen müssen, wenn sie im Einklang mit ihrem Schöpfer leben möchten. Dieses Ziel oder diesen Maßstab zu verfehlen ist das, was man in den Ursprachen der Bibel unter Sünde versteht. Sünde ist daher Ungerechtigkeit. Zu sündigen bedeutet, Gottes Definition von Recht und Unrecht nicht zu entsprechen. Folglich ist Sünde auch eine Form der Unordnung, eine Form der Gesetzlosigkeit (1. Johannes 5:17; 3:4).

Jehova ist „nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens" (1. Korinther 14:33). Ursprünglich waren alle seine Geschöpfe im Himmel und auf der Erde vollkommen. Sie waren mit einem freien Willen ausgestattet (2. Korinther 3:17). Sie erfreuten sich der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes" (Römer 8:21). Solange seine gerechten Maßstäbe respektiert wurden, herrschte im ganzen Universum Frieden und Ordnung. Unordnung drang in das Universum ein, als zunächst im Himmel und später auf der Erde einige Geschöpfe vor Gott gesetzlos wurden, indem sie ihm das Recht absprachen, sie zu regieren. Sie wichen von Gottes Maßstab für Recht und Unrecht ab. Sie verfehlten das Ziel und machten sich dadurch selbst zu Sündern.

So verhielt es sich mit unseren Ureltern, Adam und Eva (1. Mose 3:1-6). ‘Darum ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod, und so hat sich der Tod zu allen Menschen verbreitet, weil sie alle gesündigt hatten’ (Römer 5:12). Seit ihrer Rebellion regiert die Sünde „als König mit dem Tod", weil alle Nachkommen Adams „gesündigt" haben und Gottes gerechten Maßstab nicht „erreichen" (Römer 5:21; 3:23). Daher besteht die Notwendigkeit, mit Gott ins reine zu kommen.

Die katholische Ansicht über „Rechtfertigung"

Die Notwendigkeit der Versöhnung mit Gott wird von allen sogenannt christlichen Religionsorganisationen anerkannt. Doch über die Frage, wie diese Versöhnung erreicht wird und wie der Christ vor Gott dasteht, bestehen unterschiedliche Auffassungen, je nachdem ob es sich um die katholische oder die protestantische Lehre handelt.

In der Catholic Encyclopedia heißt es zum katholischen Dogma: „Die Rechtfertigung bezeichnet jenen Wandel oder jene Transformation in der Seele, durch die der Mensch vom Stadium der Ursünde, in der er als ein Kind Adams geboren wurde, in den Zustand der Gnade und der göttlichen Sohnschaft durch Jesus Christus, den zweiten Adam, versetzt wird." Im Catholic Dictionary wird ausgeführt: „Wir beschränken uns hier auf den Vorgang, durch den Erwachsene vom Stadium des Todes und der Sünde in die Gunst und Freundschaft Gottes erhoben werden; denn mit Bezug auf Säuglinge lehrt die Kirche, daß diese ohne irgendeinen eigenen Akt in der Taufe gerechtfertigt werden."

Kurz gesagt, die katholische Kirche lehrt, daß die „Rechtfertigung" ein Akt Gottes ist, durch den eine Person, die im katholischen Glauben getauft wird, aufgrund der Gabe der göttlichen „Gnade" wirklich gerecht gemacht und geheiligt wird. Sie sagt außerdem, daß eine solche „Rechtfertigung" 1. durch persönliches Verdienst oder gute Werke gemehrt werden kann, 2. durch eine Todsünde und durch Unglauben verlorengehen kann und 3. durch das Sakrament der Buße wiedererlangt werden kann. Der gerechtfertigte Katholik muß innerhalb dieser Einrichtung seine Sünden einem Priester beichten und die Absolution erhalten. Jegliche „zeitliche Strafe", die noch nach der Absolution fällig ist, kann durch gute Werke gesühnt oder durch einen „Ablaß" erlassen werden.

Die protestantische Ansicht

Der Mißbrauch mit dem Ablaßhandel zu Beginn des 16. Jahrhunderts war der Zündfunke für die protestantische Reformation. Der katholische Mönch Martin Luther griff diese Praxis in den 95 Thesen an, die er im Jahre 1517 an der Tür der Schloßkirche von Wittenberg anschlug. Aber in Wirklichkeit ging Luthers Zwist mit dem offiziellen katholischen Dogma noch tiefer. Er betraf die gesamte „Rechtfertigungs"lehre der Kirche. Das wird im Catholic Dictionary wie folgt bestätigt: „Der Unterschied in der Glaubensansicht über die Art und Weise, wie Sünder vor Gott gerechtfertigt werden, bildete das Hauptthema der Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten zur Zeit der Reformation. ‚Wenn diese Lehre‘ (d. h. die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben) ‚fällt‘, sagte Luther in seinen Tischgesprächen, ‚dann ist alles aus mit uns.‘ "

Was meinte Luther genau mit dem Ausdruck „Rechtfertigung allein durch den Glauben"? Luther hatte als Katholik gelernt, daß zur „Rechtfertigung" des Menschen die Taufe, das persönliche Verdienst und gute Werke sowie das Bußsakrament gehören, das er von einem Priester empfängt, der die Beichte hört, die Absolution erteilt und Bußübungen auferlegt, die die Selbstbestrafung einschließen können.

In seinem Bemühen, Frieden mit Gott zu finden, hatte Luther alle durch das römische Dogma gegebenen Mittel der „Rechtfertigung", einschließlich des Fastens, der Gebete und der Selbstbestrafung, angewandt, doch vergebens. Beunruhigt las er immer wieder die Psalmen und die Briefe des Paulus, bis er schließlich Herzensfrieden fand, als er folgerte, daß Gott die Menschen nicht aufgrund ihrer Verdienste, ihrer guten Werke oder der Buße, sondern allein aufgrund ihres Glaubens rechtfertigt. Er war so begeistert von diesem Gedanken der „Rechtfertigung allein durch den Glauben", daß er in seiner Bibelübersetzung in Römer 3:28 das Wort „allein" einfügte.

Die meisten protestantischen Kirchen haben im wesentlichen Luthers Ansicht von der „Rechtfertigung aus Gnade durch den Glauben" übernommen. Tatsächlich wurde sie schon früher von dem französischen Vorreformator Jacques Lefèvre d’Étaples geäußert. Was den Unterschied zwischen der katholischen und der protestantischen Auffassung über die „Rechtfertigung" anbelangt, heißt es zusammenfassend im Catholic Dictionary: „Die Katholiken betrachten die Rechtfertigung als einen Akt, durch den ein Mensch wirklich gerecht gemacht wird; die Protestanten als einen, durch den er lediglich gerechtgesprochen oder für gerecht gehalten wird, indem die Verdienste eines anderen — nämlich Christi — seinem Konto gutgeschrieben werden."

Weder katholische noch protestantische „Rechtfertigung

Das katholische Dogma geht über das hinaus, was die Bibel lehrt, da es besagt, daß „ein Mensch wirklich gerecht gemacht wird" durch die Gabe der göttlichen Gnade, die bei der Taufe verliehen wird. Die Erbsünde wird aber nicht durch die Taufe, sondern durch Christi vergossenes Blut weggewaschen (Römer 5:8, 9). Es ist ein großer Unterschied, ob man von Gott wirklich gerecht gemacht oder als gerecht gerechnet oder betrachtet wird (Römer 4:7, 8). Jeder aufrichtige Katholik, der gegen die Sünde ankämpft, weiß, daß er nicht wirklich gerecht gemacht worden ist (Römer 7:14-19). Wenn er wirklich gerecht wäre, hätte er dem Priester keine Sünden zu beichten.

Außerdem würde, wenn das katholische Dogma nach der Bibel ausgerichtet wäre, der sündenbewußte Katholik seine Sünden Gott beichten, indem er ihn durch Jesus Christus um Vergebung bitten würde (1. Johannes 1:9 bis 2:2). Die Fürbitte eines menschlichen Priesters in irgendeinem Stadium der „Rechtfertigung" hat keine biblische Grundlage, ebensowenig wie die Anhäufung von Verdiensten, worauf die Ablaßlehre beruht (Hebräer 7:26-28).

Die protestantische Vorstellung von der „Rechtfertigung", die besagt, daß ein Christ aufgrund des Verdienstes des Opfers Christi gerechtgesprochen wird, steht zweifellos der biblischen Lehre näher. Allerdings lehren einige protestantische Kirchen „Rechtfertigung allein durch den Glauben", wodurch, wie wir später noch sehen werden, gewisse von dem Apostel Paulus und von Jakobus vorgetragene Überlegungen übergangen werden. Die selbstgefällige geistige Haltung solcher Kirchen gipfelt in der Redewendung „Einmal gerettet, für immer gerettet". Manche Protestanten sind der Meinung, es genüge, an Jesus zu glauben, um gerettet zu sein, und daher gehe die „Rechtfertigung" der Taufe voraus.

Außerdem folgen gewisse protestantische Kirchen, die die „Rechtfertigung" durch Glauben lehren, dem französischen Reformator Johann Calvin und lehren die persönliche Vorherbestimmung, wodurch sie die biblische Lehre vom freien Willen leugnen (5. Mose 30:19, 20). Deshalb kann man sagen, daß weder die katholische noch die protestantische Vorstellung von der „Rechtfertigung" völlig im Einklang mit der Bibel ist.

Was lehrt die Bibel?

Zweifellos lehrt die Bibel die Gerechtsprechung, das heißt, sie zeigt, wie einem Menschen ein gerechter Stand vor Gott gewährt werden kann. Wie wir bereits erkannt haben, müssen wir mit Gott ins reine kommen, da wir alle nicht als Kinder Gottes, sondern als „Kinder des Zorns" geboren worden sind (Epheser 2:1-3). Ob Gottes Zorn auf uns bleibt oder nicht, hängt davon ab, ob wir seine barmherzige Vorkehrung zur Versöhnung mit ihm, dem heiligen, gerechten Gott, annehmen oder ablehnen (Johannes 3:36). Diese liebevolle Vorkehrung ist „das von Christus Jesus bezahlte Lösegeld" (Römer 3:23, 24).

Der Apostel Paulus zeigte, daß Christi Loskaufsopfer zwei Hoffnungen erschließt — die „auf der Erde" und die „in den Himmeln". Er schrieb: „Gott hat es für gut befunden, in ihm [Christus] die ganze Fülle wohnen zu lassen und durch ihn alle anderen Dinge wieder mit sich zu versöhnen, indem Frieden gemacht wurde durch das Blut, das er am Marterpfahl vergoß, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln" (Kolosser 1:19, 20).

Um eine dieser beiden Hoffnungen haben zu können, ist es notwendig, vor Gott gerecht dazustehen, und das schließt weitaus mehr ein, als lediglich „an Jesus zu glauben". Was es für Christen einschließt, die die himmlische Hoffnung haben, und für solche, die die Hoffnung haben, für immer in einem Paradies auf der Erde zu leben, wird in den folgenden zwei Artikeln betrachtet. Lies bitte weiter, und zögere nicht, den Zeugen Jehovas, der dir diese Zeitschrift überreicht hat, darum zu bitten, diese Artikel auf der Grundlage der Bibel mit dir zu besprechen.
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Der Wachtturm, 15. November 1985, Seiten 18-22:

Habe nicht an den Sünden anderer teil

„Ich habe nicht bei Menschen der Unwahrheit gesessen; und bei denen, die verhehlen, was sie sind, trete ich nicht ein" (PSALM 26:4).

ALS vor neunzehnhundert Jahren der Jünger Judas an Mitgläubige einen Brief schrieb, wollte er ursprünglich die „gemeinsame Rettung" erörtern. Er empfand es jedoch als notwendig, sie zu ermahnen, „einen harten Kampf für den Glauben zu führen, der ein für allemal den Heiligen überliefert worden ist". Warum? Weil sich gewisse „gottlose Menschen" in die Christenversammlung eingeschlichen hatten und ‘die unverdiente Güte unseres Gottes zu einer Entschuldigung für Zügellosigkeit verkehrten’ (Judas 3, 4).

2 Wie erfrischend ist es doch, die gemeinsame Rettung zu erörtern! Das Nachsinnen über diese Botschaft bringt große Befriedigung, und wir freuen uns über die Aussicht auf all die Segnungen dieser Rettung. Nichtsdestoweniger gibt es Zeiten, in denen wir, statt über die Rettung zu sprechen, gezwungen sind, uns mit anderen ernsten Angelegenheiten zu befassen. Falls sie nicht berichtigt werden, können sie unseren Glauben niederreißen und bewirken, daß wir den Wettlauf ums Leben verlieren. So, wie Judas sehr deutlich und nachdrücklich vor unrechtem Verhalten warnte, müssen Christen heute zuweilen gebetsvoll biblischen Rat erwägen, der sehr direkt ist.

Unsere eigenen Sünden

3 Der Psalmist David sagte: „In Vergehen wurde ich unter Geburtsschmerzen hervorgebracht, und in Sünde empfing mich meine Mutter" (Psalm 51:5). Wir alle sind als Sünder geboren worden (Römer 5:12). Der Apostel Johannes schrieb: „Wenn wir erklären: ‚Wir haben keine Sünde‘, führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist nicht in uns" (1. Johannes 1:8). Als Sünder brauchen wir von Zeit zu Zeit Zucht, damit wir unser Verhalten korrigieren können. Diese Zucht kommt von Jehova durch sein Wort, die Bibel, und durch seine Organisation. Seine Zucht korrigiert uns und hilft uns, in Aufrichtigkeit vor ihm zu wandeln. Der Apostel Paulus machte folgende Beobachtung: „Allerdings scheint jede Züchtigung für die Gegenwart nicht erfreulich, sondern betrüblich zu sein; nachher aber trägt sie denen, die durch sie geübt worden sind, eine friedsame Frucht ein, nämlich Gerechtigkeit" (Hebräer 12:11). In Anbetracht der friedsamen Frucht sollten wir eine solche Zucht sicher dankbar annehmen.

4 Zucht von Jehova kommt vielleicht gerade dann, wenn wir einen Lauf einschlagen, der zu größeren Missetaten führen könnte (Galater 6:1). Aber die Zucht kann auch erfolgen, wenn wir schon länger einen verkehrten Lauf verfolgen. In einem solchen Fall mag eine strenge Zuchtmaßnahme nötig sein, denn auch der Apostel Paulus drängte die Korinther ernstlich, gegen einen Hurer in der Versammlung vorzugehen (1. Korinther 5:1-5). In beiden Fällen soll mit der Zucht bezweckt werden, daß der Missetäter bereut, umkehrt und einen Lauf einschlägt, der ihn beständig von den sündigen Wünschen fernhält, die zu schweren Missetaten führen. (Vergleiche Apostelgeschichte 3:19.) Diener Jehovas sind dankbar für eine solche Zucht. Der Ausgeschlossene im alten Korinth zog Nutzen aus der Zuchtmaßnahme und wurde offensichtlich wieder in die liebevolle Gemeinschaft der Versammlung aufgenommen (2. Korinther 2:5-8).

5 Die meisten von denen, die sich Jehova hingegeben haben, sind sich durchaus der Notwendigkeit bewußt, in Aufrichtigkeit vor Gott zu wandeln. Falls sie eine schwere Sünde begangen haben, wenden sie sich schnell von dem schlechten Lauf ab, gehen zu den ernannten Ältesten und erbringen Beweise echter Reue (Jakobus 5:13-16). Die Tatsache, daß jedes Jahr verhältnismäßig wenige ausgeschlossen werden, ist ein Beweis dafür, daß Jehovas Zeugen das Böse hassen und das Gute zu tun wünschen (Psalm 34:14; 45:7).

Die Sünden anderer

6 Doch einige, die anscheinend das Rechte lieben, haben offensichtlich zugelassen, daß ihr Herz sie getäuscht hat, denn sie scheinen das Böse nicht zu hassen (Psalm 97:10; Amos 5:15). Demzufolge verstricken sie sich in Sünde und setzen den Kampf für das Rechte nicht fort. Manchmal gehen sie vielleicht sogar noch weiter, indem sie versuchen, andere in ihren sündigen Lauf hineinzuziehen. Wie wichtig ist es doch, daß wir ein solches Ansinnen zurückweisen! (Vergleiche Sprüche 1:10-15.)

7 Es kommt vor, daß Personen, die das Böse nicht hassen, so verführerisch reden, daß im Herzen derjenigen, die ihnen zuhören, ein unrechtes Verlangen entsteht. Diese mögen dadurch zur Unsittlichkeit oder zu einer Handlung verleitet werden, die an ein von Gott mißbilligtes Verhalten grenzt. Oder jemand wird dazu gedrängt, sich in eine Situation hineinziehen zu lassen, die in geistiger Hinsicht gefährlich werden kann. Diejenigen, die auf diese Weise andere zu überreden versuchen, behaupten womöglich, daß Jehova als liebevoller Gott bestimmt Barmherzigkeit walten läßt, wenn wir sündigen. Eine solche Täuschung durch das Herz kann bleibenden Schaden verursachen (Jeremia 17:9; Judas 4). Sicherlich sollten wir ‘unseren Fuß von ihrem Pfad zurückhalten’ (Sprüche 1:15).

Nicht an den Sünden anderer teilhaben

8 Was tun wir jedoch, wenn wir erkennen, daß eine Handlung, zu der man uns überreden will, verkehrt ist? Werden wir dadurch, daß wir ein solches Ansinnen zurückweisen, von jeder weiteren Verantwortung in dieser Angelegenheit befreit? Was sollten wir tun, wenn wir wissen, daß diejenigen, die uns zu dieser Handlung überreden wollen, sie selbst begehen?

9 Einige, die von einer Missetat anderer Kenntnis haben, mögen geneigt sein, sie denjenigen zu verschweigen, die die Hauptverantwortung haben, die Versammlung rein zu erhalten. Warum? Vielleicht möchten sie nicht als Informanten gelten. Oder vielleicht ist eine falsche Auffassung von Loyalität der Grund, warum sie die Sache für sich behalten oder nur solchen erzählen, die versprechen, sie geheimzuhalten. Das ist eine ernste Angelegenheit. Warum? Weil es dazu führen kann, daß man schließlich an den Sünden anderer teilhat.

10 Der Apostel Johannes zeigte, daß die Gefahr, an den Sünden eines anderen teilzuhaben, durchaus besteht. Er schrieb: „Jeder, der vorausdrängt und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. . . . Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn niemals in euer Haus auf, noch entbietet ihm einen Gruß. Denn wer ihm einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" (2. Johannes 9-11). Jemand, der der „Lehre des Christus" abtrünnig wird, ist nicht der rechte Umgang, und der loyale Christ hütet sich dadurch, daß er ihn nicht einmal grüßt, davor, an seiner Bosheit teilzuhaben.

11 Da mit einem Abtrünnigen auf diese Weise verfahren wird, möchten wir ebensowenig Teilhaber an der Bosheit anderer werden, von deren unmoralischen Handlungen wir Kenntnis erhalten. Was sollten wir daher tun, wenn wir wissen, daß ein Glied der Versammlung zum Dieb oder zum Trunkenbold geworden ist? Sind wir völlig schuldlos, wenn wir es unterlassen, den Betreffenden zu ermuntern, Jehovas Vergebung zu suchen und seine Sünde den Ältesten zu bekennen? Nein, denn wir tragen eine schwere Verantwortung.

Reinheit und Schutz unerläßlich

12 Jeder einzelne von uns muß an der geistigen Reinheit der Versammlung interessiert sein. Das wurde sehr deutlich hervorgehoben, als sich im sechsten Jahrhundert v. u. Z. die verbannten Juden zur Heimkehr aus Babylon bereit machten. Gott ließ folgenden Befehl ergehen: „Weichet, weichet, zieht von dort aus, rührt nichts Unreines an; geht aus ihrer [Babylons] Mitte hinaus, haltet euch rein, die ihr die Geräte Jehovas tragt" (Jesaja 52:11).

13 Wir müssen auch darauf bedacht sein, Jehovas Volk vor denen zu schützen, die darauf aus sind, seine Diener zu Missetaten zu verleiten. Die „gottlosen Menschen" in den Tagen des Judas versuchten, „die unverdiente Güte unseres Gottes zu einer Entschuldigung für Zügellosigkeit [zu] verkehren", aber jener loyale Jünger warnte seine Mitgläubigen und schützte sie dadurch. Er erinnerte sie an das warnende Beispiel der untreuen Israeliten, der ungehorsamen Engel und anderer. Lies seinen von Gott inspirierten Brief, und du wirst erkennen, daß loyale Christen nicht tatenlos zuschauen dürfen, wenn die Reinheit der Versammlung bedroht ist oder Gottes Volk vor unmoralischen Personen geschützt werden muß, die unreine Motive haben.

14 Nehmen wir einmal an, wir haben einen Missetäter ermuntert, Gottes Vergebung zu suchen und seine Sünde den Ältesten zu bekennen, aber er schiebt es hinaus oder sieht keine Notwendigkeit, diese Schritte zu unternehmen. Können wir dann die Sache einfach fallenlassen? Manche denken, es sei besser, sich herauszuhalten. Sie wollen vielleicht nicht die Freundschaft des Sünders verlieren. Oder sie wollen nicht als jemand gelten, der das Vertrauen bricht, indem er die Sache den Ältesten erzählt. Aber das ist eine falsche Denkweise. Der Psalmist David sagte: „Ich habe nicht bei Menschen der Unwahrheit gesessen; und bei denen, die verhehlen, was sie sind, trete ich nicht ein" (Psalm 26:4). Sicher wollen wir nicht Komplizen derer werden, die „verhehlen, was sie sind".

15 Nachdem wir dem Missetäter eine angemessene Zeitspanne eingeräumt haben, in der er den Ältesten seine Missetat hätte berichten können, ist es unsere Pflicht vor Jehova Gott, nicht an seiner Sünde teilzuhaben. Wir müssen die verantwortlichen Aufseher dann davon unterrichten, daß der Betreffende uns eine schwere Missetat enthüllt hat, der sie nachgehen müßten. Das wäre in Übereinstimmung mit 3. Mose 5:1, wo es heißt: „Falls nun eine Seele sündigt, indem sie eine öffentliche Verfluchung gehört hat, und der Betreffende ist Zeuge, oder er hat es gesehen oder hat es erfahren, dann soll er sich, wenn er es nicht berichtet, für sein Vergehen verantworten." Natürlich müssen wir uns davor hüten, voreilig auf den bloßen Verdacht einer Missetat hin zu handeln.

16 IIn der heutigen Welt ist es an der Tagesordnung, daß die Missetaten anderer gedeckt werden. Viele schweigen wie ein Grab, wenn es darum geht, die Missetaten anderer denen mitzuteilen, die darüber Bescheid wissen sollten. Es erfordert die Stärke der christlichen Persönlichkeit, ernannte Älteste über die schwere Sünde eines Mitgläubigen zu informieren. Wenn wir aber Jehovas Gunst haben wollen, darf eine persönliche Freundschaft uns nicht blind machen für die Missetaten eines anderen. Unser Verhältnis zu Jehova ist von weitaus größerer Wichtigkeit als die Loyalität zu einem Freund, der einer schweren Missetat schuldig ist und sich weigert, die Sache den ernannten Ältesten zu enthüllen.

Ein Problem, das alle angeht

17 Das Problem, an den Sünden anderer teilzuhaben, besteht manchmal bei gewissen Jugendlichen in unseren Reihen. Sie schweigen und weigern sich, diejenigen zu benachrichtigen, die informiert werden sollten, wenn andere Dinge tun, die die Versammlung schädigen und zu Jehovas Mißgunst führen könnten. An weltlichen Schulen ist es üblich, die Missetaten anderer zu decken. Wenn jedoch diese Ansicht auf die Versammlung übergreift, können viele Probleme entstehen. Es wurde schon berichtet, daß Jugendliche sich zusammentaten, um unrechte Handlungen zu begehen, und sich dabei gegenseitig Geheimhaltung schworen, damit die Ältesten und die Eltern nichts davon erfuhren. Dadurch, daß solche Jugendliche dem Druck von seiten Gleichaltriger nachgegeben haben, weil sie von ihnen akzeptiert werden wollten, ist für sie und ihre Eltern sowie für andere in der Versammlung viel Leid entstanden, wenn die Missetat entdeckt wurde. Wir dürfen nicht vergessen, daß es nichts Verborgenes gibt, was nicht offenbart werden wird, und eine unserer hauptsächlichen Verpflichtungen gegenüber Jehova besteht darin, zur Reinerhaltung seiner Organisation beizutragen (Lukas 8:17).

18 Alle Diener Jehovas sollten sich unbedingt davor hüten, an den Sünden anderer teilzuhaben. Manche Eltern versuchen, die verkehrte Handlungsweise ihrer Kinder zu rechtfertigen in dem Bemühen, sie zu beschützen. Aber christliche Eltern sollten nicht denken, jeder sei gegen ihre Kinder, wenn diese einen Fehler machen. Statt dessen sollten gottgefällige Eltern ihren schuldigen Kindern helfen, jegliche Zucht, die sie gemäß Gottes Wort benötigen, zu erhalten, anzunehmen und daraus zu lernen.

19 Verheiratete Christen müssen darauf achten, daß sie nicht Gottes Gesetz verletzen, indem sie schwere Sünden ihres Ehepartners decken. Sie sollten an den Fall von Ananias und Sapphira denken, die ein Komplott geschmiedet hatten, aber ihre schwere Sünde nicht verborgen halten konnten (Apostelgeschichte 5:1-11). Bei Ältesten darf es nicht dazu kommen, daß sie entweder sich gegenseitig oder Dienstamtgehilfen decken, wenn einer von ihnen eine schwere Sünde begangen hat, die zum Gemeinschaftsentzug führen könnte. Sie sollten sich an den Grundsatz halten, den Paulus wie folgt beschrieb: „Lege niemals deine Hände jemandem voreilig auf; auch habe nicht teil an den Sünden anderer; bewahre dich selbst keusch" (1. Timotheus 5:22).

Es ist weise, untadelig zu bleiben

20 Diener Jehovas sollten an der bösen Handlungsweise der Welt weder teilhaben, noch sollten sie sie nachahmen. Der Apostel Johannes schrieb in seinem Brief an Gajus: „Geliebter, ahme nicht das Böse nach, sondern das Gute. Wer Gutes tut, stammt von Gott. Wer Böses tut, hat Gott nicht gesehen" (3. Johannes 11). Wie gut es doch ist, sich von dem untrüglichen Wort Gottes leiten zu lassen und das Gute zu tun! Statt die schweren Sünden anderer zu decken oder daran teilzuhaben, sollten wir entschlossen sein, als Lichtspender zu leuchten, indem wir untadelig und unschuldig sind (Philipper 2:14, 15). Jeder Diener Gottes ist für die Reinerhaltung der Versammlung verantwortlich, wobei er selbst makellos bleiben sollte (2. Petrus 3:14). Wie solltest du dich aber verhalten, wenn du nicht genau weißt, ob das, was jemand getan hat, richtig war? Du solltest dich frei fühlen, mit den Ältesten darüber zu sprechen und sie um Anleitung zu bitten.

21 Unsere Liebe zu Jehovas Organisation sollte die Liebe Jesu zu seiner geistigen Braut, der Versammlung, widerspiegeln. Er hat „die Versammlung geliebt und sich für sie dahingegeben . . ., damit er sie heilige, indem er sie mit dem Wasserbad durch das Wort reinige, so daß er die Versammlung sich selbst in ihrer Pracht darstelle, ohne daß sie einen Flecken oder eine Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und ohne Makel sei" (Epheser 5:25-27). Auch uns sollte die Liebe zu Jehovas Organisation dazu bewegen, alles zu tun, was wir können, um sie rein zu erhalten. Mögen wir niemals etwas tun, wodurch Gott oder seine Organisation entehrt wird, und mögen wir nie die Missetat eines anderen in der Versammlung billigen. Mögen wir vielmehr Missetäter ermutigen, ihre Handlungsweise zu korrigieren und die Hilfe der Ältesten zu suchen. Wenn sie das nicht innerhalb einer angemessenen Zeitspanne tun, müssen wir unserer Verpflichtung nachkommen, die ernannten Ältesten zu informieren. Auf diese Weise vermeiden wir es, Teilhaber an den Sünden anderer zu werden und eine gewisse Verantwortung für ihren verkehrten Lebenswandel zu tragen.

22 Unsere gemeinsame Rettung ist ein unvergleichlicher Schatz. Um sie zu erlangen, müssen wir weiterhin vor Jehova in Aufrichtigkeit wandeln. Dabei wollen wir uns gegenseitig helfen, indem wir niemals an den Sünden anderer teilhaben. Jehova hat liebevollerweise für eine organisatorische Vorkehrung gesorgt, um uns in diesen Bemühungen zu unterstützen, und in dieser Hinsicht spielen die ernannten Ältesten eine wichtige Rolle
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Kommentar zum Jakobusbrief (1979), Seiten 204-207:

Liebevolle Hilfe zur Überwindung von Sünden

16 Bekennt also einander offen eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Das Flehen eines Gerechten hat, wenn es wirksam ist, viel Kraft.

16 Bekennt also einander offen eure Sünden, und betet füreinander

Welch ein Ansporn, ‘Sünden einander offen zu bekennen’, ist es doch, wenn der aufrichtig bereuende Sünder weiß, daß diejenigen, denen er seine Sünde bekennt, in erster Linie daran interessiert sind, ihm zu helfen, von seiner geistigen Krankheit geheilt zu werden! Ganz anders wäre es dagegen, wenn der Bereuende das Gefühl hätte, die Ältesten würden ihn automatisch so behandeln, als verdiene er es, vor der ganzen Versammlung als jemand, der ‘Sünde treibt’, getadelt zu werden. Dadurch könnte eine Schranke zwischen den Hirten der Versammlung und demjenigen errichtet werden, der dringend ihre Hilfe braucht, um nicht tiefer in die Sünde verstrickt zu werden. Hat er aber das Vertrauen, daß die Ältesten seinen aufrichtigen Wunsch berücksichtigen, sich von der verkehrten Handlungsweise oder Einstellung abzuwenden und nie wieder zurückzufallen, dann wird ihn dies bestimmt anspornen, die älteren Männer um Beistand zu bitten und auf ihre Hilfe so zu reagieren wie ein krankes Schaf auf die Bemühungen seines gewissenhaften Hirten. (Vergleiche Psalm 23:1-5 mit Hesekiel 34:4.)

Die Zeitform der hier verwandten griechischen Verben bezeichnet eine Handlung als fortdauernd und gibt daher dem Vers folgenden Sinn: „Macht es euch zur Gewohnheit, einander offen eure Sünden zu bekennen." Deshalb heißt es in The New Testament in Modern English von Phillips: „Ihr solltet es euch zur Gewohnheit machen, gegenseitig eure Sünden zuzugeben."

Jakobus hat sich vorher mit Angelegenheiten befaßt, die das familienähnliche Interesse und die herzliche Anteilnahme veranschaulichen, die in der Christenversammlung als Bruderschaft vorhanden sein sollten. Wenn eine solch gute geistige Atmosphäre herrscht, sollten die Glieder der Versammlung tatsächlich so viel Vertrauen zueinander haben, daß sie sich frei fühlen, sich zu äußern, und dieses Vertrauen kann besonders dann kundwerden, wenn es darum geht, Fehler und verkehrte Handlungen zuzugeben. Die Bibel zeigt, daß Christen Freimut der Rede gegenüber Gott haben und ihm ihre Bitten und Probleme vortragen können und sollten, denn sie haben einen liebevollen Vater und einen barmherzigen, verständnisvollen Helfer beim Vater, Gottes Sohn (Hebr. 2:17, 18; 4:14-16; 1. Joh. 2:1, 2; 3:19-21; 4:17-19). Was in den himmlischen Höfen der Fall ist, sollte sich auch im irdischen Bereich der Diener Gottes widerspiegeln.

Mit diesem gegenseitigen Bekennen von Sünden ist keine Beichtvorkehrung gemeint, bei der jemand verpflichtet ist, einen Beichtvater aufzusuchen und alle seine Sünden zu bekennen, um eine Absolution oder Lossprechung von Sünden zu erhalten. Obwohl Jakobus bereits vorher die Versammlungsältesten ausdrücklich in Verbindung mit Kranken, die Hilfe benötigen, erwähnt hat, sagt er hier: „Bekennt also einander offen eure Sünden." Er beschränkt dies somit nicht auf bestimmte Personen innerhalb der Versammlung. Natürlich wird jemand, der seine Sünden bekennen möchte, eine Person aufsuchen, die ihm in geistiger Hinsicht wirklich helfen kann. Zweifellos hat er nicht nur den Wunsch, sich zu erleichtern, sondern möchte auch, daß ihm jemand Rat gibt und für ihn betet. In Galater 6:1, 2 ist die Rede davon, daß jemand, der einen Fehltritt tut, von „geistig Befähigten" zurechtgebracht werden sollte, also von Personen, die in der Lage sind, dies zu tun. Die Ältesten sollten diese Befähigung haben, und auch andere in der Versammlung mögen sie haben. Eine Frau beispielsweise mag bei einer christlichen Schwester Hilfe suchen, vielleicht bei einer Schwester, die älter ist als sie, wie dies aus dem Rat des Apostels Paulus an Titus (2:3-5) hervorgeht. Folglich sind nicht nur einige wenige berechtigt, Hilfe zu leisten; wichtig ist, daß der Helfende ‘geistig befähigt’ ist. Jakobus zeigt, daß das Ziel und das Ergebnis dieses demütigen Suchens um Hilfe darin bestehen sollte, daß jemand sein brüderliches (oder schwesterliches) Interesse zum Ausdruck bringt, indem er für denjenigen, der seine Sünde bekennt, bei Jehova Fürbitte einlegt.

Der Ausdruck „einander" ist sehr angebracht, da sich alle ihre sündige Natur ehrlich eingestehen müssen und daher niemand Grund hat, stolz zu sein oder sich überlegen zu fühlen, wenn er einem Irrenden zu Hilfe kommt. (Vergleiche Lukas 18:9-14; 1. Johannes 1:8-10.) Statt daß sich jemand überlegen fühlt, sollte ein gegenseitiges Erbarmen vorhanden sein, da alle ihre eigenen Schwächen und Fehler haben. Derjenige, der jetzt Hilfe bietet, sollte sich dessen bewußt sein, daß er eines Tages selbst Hilfe benötigen mag. Ein solch offenes Bekenntnis von Sünden verlangt nicht nur Demut, sondern kann einen auch daran hindern zu sündigen. Es bewahrt einen davor, etwas im geheimen zu tun und dadurch des Rates anderer verlustig zu gehen, der eine ausgleichende Wirkung haben könnte.

damit ihr geheilt werdet

Jemand, der wegen einer Sünde geistig krank oder entmutigt ist, kann einen anderen Bruder bitten, für ihn zu beten, damit er geistig geheilt wird. Vielleicht behindert ihn die Sünde in seinem Freimut der Rede, so daß er sich Gott nicht mehr im Gebet nahen kann. (Vergleiche Klagelieder 3:44.) Außerdem mag er auch physisch krank sein. Tatsächlich kann seine Krankheit teilweise auf einen geistigen Mangel zurückzuführen sein. Die Fürbitten seines Bruders mögen ihm daher nicht nur in geistigem, sondern auch in physischem Sinne helfen.
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Der Wachtturm, 15. Februar 1978, Seiten 21-26:

Woran ist echte Reue zu erkennen?

„Ein gebrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten" (Ps. 51:17).

ÄLTESTE sind keine „Beichtväter", die den Gliedern der Versammlung jede Sünde vergeben können. Die Sünden reumütiger Übertreter vergibt Jehova Gott, und zwar aufgrund des Sühnopfers seines Sohnes. Daher hängt die Vergebung nicht davon ab, daß man seine Sünden den Ältesten bekennt (1. Joh. 1:8, 9; 2:1, 2). Jemand kann allerdings durch ein schwerwiegendes Unrecht auch gegen die Versammlung sündigen. Denn ein schweres Vergehen kann die Versammlung, mit der der Übertreter verbunden ist, in Verruf bringen und ihr große Schwierigkeiten bereiten. Älteste, die die Versammlung vertreten, sollten sich daher vergewissern, ob der Betreffende wirklich bereut, bevor sie ihm vergeben, daß er die Versammlung in einen üblen Ruf gebracht hat.

2 TDaß in gewissen Fällen die Versammlung vergeben kann oder nicht, ist aus den Worten zu erkennen, mit denen der Apostel Paulus die Korinther aufforderte, einen reumütigen Mann, dem die Gemeinschaft entzogen war, wieder in ihre Mitte aufzunehmen. Er schrieb: „[Ihr solltet] verzeihen und ihn trösten" (2. Kor. 2:7). Der Apostel empfahl, diesem Mann zu vergeben, weil der „Verweis von seiten der Mehrheit" seinen Zweck erfüllt und ihn veranlaßt hatte zu bereuen (2. Kor. 2:6). Weil der Mann aufrichtig bereut und sein Leben mit Jehovas gerechten Grundsätzen in Übereinstimmung gebracht hatte, war es richtig, daß die Versammlung ihn wiederaufnahm. Er hatte Jehova um Vergebung seiner Sünde gebeten, und nun vergab ihm auch die Versammlung, nicht in dem Sinne, daß sie ihm für seine Sünde „Absolution" erteilte, sondern insofern, als sie ihm die Schmach, den Kummer und die Schwierigkeiten vergab, die seine Übertretung für die Versammlung mit sich gebracht hatte.

3 Das Sündenregister einer Person mag, wenn es aufgedeckt wird, äußerst anstößig sein. Der Betreffende hat vielleicht während mehrerer Monate oder sogar Jahre einen Wandel geführt, der selbst in der Welt als sündhaft bezeichnet werden würde. Danach mag er sich an die Ältesten gewandt und erklärt haben, daß er seine sündige Handlungsweise aufgegeben und zu Gott um Vergebung gebeten habe. Er mag denken, er habe sich selbst zurechtgewiesen. Oder wenn die Ältesten Beweise für seinen anstößigen Wandel vorlegen, mag er ihnen erklären, er habe sich selbst zurechtgewiesen und es daher nicht für notwendig erachtet, sich in dieser Sache an sie zu wenden. Was sollten die Ältesten tun? Sie sollten feststellen, welche Hilfe der Betreffende in geistiger Hinsicht benötigt und ob er wirklich aufrichtig bereut. Das erfordert vielleicht mehr als eine Unterhaltung mit ihm, um seine wahren Gefühle, Beweggründe und Bedürfnisse zu ermitteln. Wenn er wirklich bereut, wird er die liebevolle Hilfe der Ältesten begrüßen und sie demütig annehmen.

IST ES WELTLICHE TRAURIGKEIT ODER AUFRICHTIGE REUE?

4 Ein Übertreter sollte natürlich wegen seiner sündigen Handlungsweise traurig gestimmt sein, Gewissensbisse haben und seine Sünde bedauern. Je nach der emotionalen Veranlagung des Betreffenden kann sich dieses Empfinden auch in Tränen äußern. Älteste sollten im Sinn behalten, daß Traurigkeit, Gewissensbisse oder Bedauern nicht immer unbedingt ein Beweis für echte Reue sind. Der christliche Apostel Paulus schrieb: „Gottgemäße Traurigkeit bewirkt Reue zur Rettung, die nicht zu bereuen ist; die Traurigkeit der Welt aber bewirkt Tod" (2. Kor. 7:10). Älteste versuchen daher richtigerweise herauszufinden, wodurch die Traurigkeit des Übertreters ausgelöst worden ist.

5 Weltliche Traurigkeit mag lediglich auf das Empfinden, versagt zu haben, und auf die damit verbundene Enttäuschung zurückzuführen sein oder auf die Sorge über den Verlust von Ansehen oder bestimmter Vorteile oder auf die Aussicht, gezüchtigt oder beschämt zu werden. Dabei handelt es sich um eine Traurigkeit, die angesichts der unerwünschten und schmerzlichen Folgen der Übertretung oder angesichts der Tatsache ausgelöst wird, daß die Übertretung plötzlich ans Licht gekommen ist. Wenn diese Gefühle — obwohl an sich normal — die einzigen Gründe der Traurigkeit sind, bedauert der Betreffende seine Sünde nicht wirklich, sondern es tut ihm leid, daß sie ans Licht gekommen ist. Er ist in Wirklichkeit nicht darüber besorgt, daß er durch seine Übertretung Schmach auf Gott gebracht hat.

6 Esau ist ein Beispiel dafür. Er verkaufte sein Erstgeburtsrecht für ein Gericht an Jakob. Als Jakob Jahre später den Segen empfing, der dem Erstgeborenen zustand, brachte Esau durch einen Gefühlsausbruch Bedauern zum Ausdruck. Er begann „überaus laut und bitterlich" zu schreien und wollte Isaak, seinen Vater, zu einer Sinnesänderung hinsichtlich des dem Jakob erteilten Segens bewegen. Esau bedauerte nicht seine ungeistige Haltung, die ihn veranlaßt hatte, ‘sein Erstgeburtsrecht zu verachten’. Nein, er bedauerte den Umstand, daß ihm durch seine Handlungsweise gewisse Vorteile verlorengegangen waren (1. Mose 25:29-34; 27:34; Hebr. 12:16, 17).

7 Ein weiteres Beispiel ist König Saul. Als ihm vom Propheten Samuel vorgehalten wurde, daß er Jehovas Gebot, die Amalekiter der Vernichtung zu weihen, mißachtet hatte, versuchte er sich zu rechtfertigen und behauptete, er habe das Wort Jehovas ausgeführt. Samuel wies dem König dann in unmißverständlichen Worten sein Versäumnis nach und fügte hinzu: „Weil du das Wort Jehovas verworfen hast, verwirft er daher dich, daß du nicht König seist." Als Saul dies hörte, sprach er: „Ich habe gesündigt; denn ich habe den Befehl Jehovas und deine Worte übertreten, denn ich fürchtete das Volk und gehorchte so seiner Stimme. Und nun, bitte, verzeih meine Sünde und kehre mit mir um, damit ich mich vor Jehova niederwerfe" (1. Sam. 15:17 bis 25). Doch dieses Eingeständnis der Sünde war keine echte Reue. Warum nicht?

8 Saul versuchte immer noch, seine Sünde zu bagatellisieren und sie damit zu entschuldigen, daß er der Furcht vor dem Volke nachgegeben habe. Er gab nicht von Herzen zu, daß er gegen Jehova gesündigt hatte. Seine Worte waren offensichtlich darauf zurückzuführen, daß er fürchtete, als König verworfen zu werden und in öffentliche Ungnade zu fallen. Das ist an Sauls Bitte zu erkennen, Samuel möge mit ihm zurückkehren. Wieso? Es ging ihm dabei nicht nur darum, daß Samuel zurückkehrte, um für ihn bei Gott Fürbitte zu leisten. Als Samuel entschlossen war wegzugehen, flehte Saul ihn mit den Worten an: „Ehre mich, bitte, vor den älteren Männern meines Volkes und vor Israel, und kehre mit mir um" (1. Sam. 15:30). Saul war somit darum besorgt, wie er in den Augen anderer erscheinen würde. Er wollte durch die Gegenwart Samuels geehrt werden und wünschte nicht, durch dessen Abwesenheit in Schande zu geraten. Sauls Eingeständnis, gesündigt zu haben, war somit lediglich ein Lippenbekenntnis. Es war keine „gottgemäße Traurigkeit" darüber, daß er gegen Jehova Gott gesündigt hatte.

9 Aus dem, was die Bibel über Esau und König Saul sagt, können wir einige wichtige Punkte ableiten, die Ältesten helfen können, herauszufinden, ob ein Übertreter bereut. Tränen mögen zwar ein Ausdruck echten Bedauerns sein, dennoch ist ein Gefühlsausbruch wie die Tränen Esaus an sich noch kein Beweis für Reue. Deshalb bedeutet auch ein Ausbleiben von Tränen nicht notwendigerweise, daß der Betreffende nicht bereut. Wichtig ist, daß er seine Verfehlung aus tiefstem Herzen bedauert und sie als eine Sünde gegen Jehova erkennt. Seine angebliche Reue wäre fragwürdig, wenn er sich ständig rechtfertigen oder seine Taten entschuldigen würde. Er sollte die verkehrte Handlungsweise hassen oder verabscheuen. Weil er sich einer schweren Sünde schuldig gemacht hat, mag eine gewisse Verlegenheit bei ihm zwar natürlich sein, doch er sollte in der Hauptsache nicht so sehr wegen der unerfreulichen Folgen seiner Verfehlung besorgt sein als vielmehr wegen der Schmach, die er auf Jehova Gott und die Versammlung seines Volkes gebracht hat. Er sollte aufrichtig bedauern, daß durch seine Tat sein Verhältnis zum Höchsten beeinträchtigt wurde.

WAS SCHLIESST ECHTE REUE ALLES EIN?

10 Wenn jemand darüber traurig ist, daß er Schmach auf Jehova gebracht hat, schließt das nicht unbedingt aus, daß er auch den Schaden bereut, den er seinen Brüdern und Mitmenschen zugefügt hat. Der Apostel Johannes zeigt, daß Liebe zu unseren Brüdern ein Beweis für unsere Liebe zu Gott ist, ja daß sie untrennbar damit verbunden ist (1. Joh. 3:11, 17; 4:7, 8, 11, 12, 20, 21). Durch Sünde wird zwangsläufig immer Schaden angerichtet. Falls wir eine schwere Sünde begangen haben, sollten wir zum Beispiel über folgendes nachdenken:

11 Schmerzt es uns im Herzen, daß wir dieses Unrecht begangen haben, und erkennen wir, daß wir nicht so gehandelt haben wie der liebevolle, gerechte Gott, dem wir dienen, sondern daß wir selbstsüchtig und sogar habsüchtig gewesen sind und daß wir die Interessen anderer nicht berücksichtigt haben? (1. Thess. 4:3-6). Wäre anzunehmen, eine Sünde, zum Beispiel eine unsittliche Handlung, könnte andere wirklich glücklich machen? Wieviel ist uns an ihrem ewigen Wohl und an ihrer Aussicht auf Leben in Gottes Gunst gelegen? Unsere Handlungen mögen andere zwar nicht direkt berühren, aber durch unser Beispiel beeinflussen wir sie (Röm. 14:7). Sind wir also so ichsüchtig, daß wir etwas tun wollen, was uns gefällt, selbst wenn wir wissen, daß wir dadurch ein schlechtes Beispiel geben, durch das die geistige Kraft anderer geschwächt würde? (Vergleiche Römer 15:2, 3.) Jesus Christus sagte, daß der Weg des Lebens ‘eingeengt ist und wenige ihn finden’ (Matth. 7:14). Wir selbst sollten wissen, welche Anstrengungen es erfordert, auf dem Pfad der Gerechtigkeit zu bleiben. Möchten wir also Personen gleichen, die auf diesem engen Pfad gehen und gleichsam Steinbrocken fallen lassen, über die andere straucheln können oder die ihnen das Vorankommen zumindest noch schwieriger machen, als es ohnehin schon ist? Das würde dem Wesen unseres himmlischen Vaters völlig widersprechen (Jes. 40:11). Bestimmt haben wir, wie Paulus sagt, „den Christus nicht so kennengelernt" (Eph. 4:19-24). Lieben wir Gott und seinen Sohn wirklich? Und bewundern wir sie wegen ihrer hervorragenden Eigenschaften? Wenn ja, fühlen wir uns dann nicht tief beschämt, und bedauern wir nicht, daß wir so ganz anders gehandelt haben als sie und das in uns gesetzte Vertrauen mißbraucht haben? Ja, Gedanken wie diese können zu echter Reue führen.

12 Ein weiteres wichtiges Merkmal der Reue ist im Fall Manasses, des Königs von Juda, zu erkennen. Über seine Sünde heißt es in der Bibel: „Er tat im großen Maßstab, was böse war in Jehovas Augen, um ihn zu kränken" (2. Kö. 21:6). Schließlich wurde Jehovas Urteil an Manasse vollstreckt, indem er gefangen nach Babylon geführt wurde. Dort bereute er. Die Bibel berichtet: „Er [besänftigte] das Angesicht Jehovas, seines Gottes, und demütigte sich ständig tief wegen des Gottes seiner Vorväter. Und er betete fortwährend zu Ihm, so daß Er sich von ihm erbitten ließ, und Er hörte sein Flehen um Gunst und brachte ihn nach Jerusalem in sein Königtum zurück" (2. Chron. 33:12, 13). Manasse tat dann, was er konnte, um seine Fehler wiedergutzumachen; er räumte innerhalb seines Herrschaftsbereichs mit götzendienerischen Bräuchen auf, brachte Jehova Opfer dar und ermunterte das Volk, dem Höchsten zu dienen (2. Chron. 33:15, 16). Das zeigt, daß wahre Reue nicht nur die Abkehr von der verkehrten Handlungsweise einschließt, sondern auch das entschiedene Bemühen, das Rechte zu tun.

13 Wer wirklich bereut, sollte „Frucht" aufweisen können, „die der Reue entspricht" (Matth. 3:8). Das würde einschließen, daß der Betreffende vernünftige Anstrengungen unternimmt, die Angelegenheit, soweit es seine gegenwärtigen Verhältnisse gestatten, in Ordnung zu bringen. Seine Behauptung zu bereuen hätte wenig Gehalt, wenn ihm beispielsweise nicht daran gelegen wäre, etwas zu ersetzen, was er gestohlen hat. Und wenn er sich nicht eindeutig entschlossen hätte, richtig zu handeln, wäre es sehr fraglich, ob seine Reue echt ist.

14 Doch wie verhält es sich, wenn jemand eine sehr schockierende Sünde begeht, die in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt? Auch hier kommt es bei der Frage, ob der Übertreter aus der Versammlung ausgeschlossen wird oder nicht, darauf an, ob er aufrichtige Reue zeigt oder nicht.

15 Die Ältesten sollten ferner darauf achten, daß sie sich nicht von Gefühlen leiten lassen, wenn kein Beweis für aufrichtige Reue vorliegt. Sie dürfen das Vergehen nicht entschuldigen, indem sie sich über die Schmach und die Schwierigkeiten, die die Übertretung eines reuelosen Sünders für die Versammlung mit sich gebracht hat, einfach hinwegsetzen oder deren Folgen unterschätzen. So etwas könnte sich auf die ganze Versammlung nachteilig auswirken. Einige Glieder der Versammlung könnten ermutigt werden, sich Freiheiten herauszunehmen und den inspirierten Rat zu mißachten: „Seid gleich freien Menschen, und behaltet doch eure Freiheit nicht als einen Deckmantel für Schlechtigkeit, sondern als Sklaven Gottes" (1. Petr. 2:16). Außerdem könnte der Übertreter eine leichtfertige Einstellung gegenüber der Sünde entwickeln, sich künftig noch weniger Zurückhaltung auferlegen und andere in eine Verfehlung hineinziehen. Der weise König Salomo bemerkte: „Weil das Urteil über ein schlechtes Werk nicht eilends vollzogen worden ist, darum hat sich das Herz der Menschensöhne in ihnen völlig darauf gerichtet, Schlechtes zu tun" (Pred. 8:11). Wenn daher berechtigte Zweifel an der Echtheit der Reue eines Sünders bestehen und deutliche Beweise dafür vorliegen, daß mit einem verderblichen Einfluß zu rechnen ist, sollten die Ältesten ohne Zögern den Rat befolgen: „Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte" (1. Kor. 5:13).

ÜBERTRETUNGEN VON ÄLTESTEN UND DIENSTAMTGEHILFEN

16 Da Älteste eine so große Verantwortung in der Versammlung tragen, sollten sie bestimmt einen beispielhaften Wandel führen. Wenn daher ein Ältester eine schwerwiegende Sünde begeht, ist er moralisch verpflichtet, die Ältestenschaft davon zu unterrichten, selbst wenn er seine Verfehlung bereut haben mag. Warum? Weil er nun nicht mehr untadelig ist und daher nicht mehr die Voraussetzungen aufweist, als Aufseher zu dienen (1. Tim. 3:2). Daß Männer, die in geistiger Hinsicht einen ernsthaften Makel aufweisen, als Älteste dienen, würde nicht Gottes Maßstab der Heiligkeit entsprechen (1. Petr. 1:15, 16; vergleiche damit das Gesetz aus 3. Mose 21:17-23, das Männern aus dem Hause Aarons untersagte, Priesterpflichten auszuüben, wenn sie einen körperlichen Makel aufwiesen).

17 Natürlich verfehlen Älteste wie alle anderen Glieder der Versammlung immer wieder, das Bild Jehovas in vollkommener Weise widerzuspiegeln. Ein Ältester mag aufgrund seines wiederholten Versagens das Empfinden haben, nicht mehr den biblischen Erfordernissen zu entsprechen, und dies den anderen Ältesten unterbreiten. Diese mögen, nachdem sie sich damit befaßt und auch das Gewissen der ganzen Versammlung in Betracht gezogen haben, jedoch zu dem Ergebnis kommen, daß Fehler dieser Art die Qualifikationen, als Aufseher zu dienen, nicht in Frage stellen. (Siehe Galater 2:11-14, wo berichtet wird, daß Petrus zurechtgewiesen wurde; seine Verfehlung machte ihn nicht ungeeignet, weiter als Ältester zu dienen.) Wenn aber das Gewissen des betreffenden Ältesten ihm dennoch sagt, daß er nicht mehr untadelig ist, sollten die anderen Ältesten sein Empfinden respektieren und ihn seiner Verantwortlichkeiten entheben.

18 Wenn andererseits eine stichhaltige Anklage gegen einen Ältesten erhoben wird oder er eine schwerwiegende Sünde bekennt, sollten die anderen Ältesten ihrer Verantwortung nachkommen und ihn von seiner Stellung als Ältester entbinden; sie sollten ihn nötigenfalls zurechtweisen und ihm die Beschränkungen auferlegen, die sie für ratsam erachten. Oder sie sollten ihm, falls es seine reuelose Haltung erforderlich macht, die Gemeinschaft entziehen.

19 Dienstamtgehilfen, die eine schwere Sünde begangen haben, sind moralisch genauso verpflichtet wie Älteste, die Ältestenschaft davon zu unterrichten. Nur Männer, die „frei von Anklage" sind, eignen sich, in dieser Stellung zu dienen (1. Tim. 3:10). Daher wird im Falle von Dienstamtgehilfen, die gesündigt haben, genauso vorgegangen wie im Falle von Ältesten.

20 IWenn Gott von jedem Glied der Christenversammlung verlangt, darauf bedacht zu sein, ihm zu gefallen und sich für seinen Dienst rein zu erhalten, sollten Älteste und Dienstamtgehilfen bestimmt nicht weniger auf ihren Wandel achten. Sie haben im allgemeinen mehr Erfahrung in bezug auf die christliche Lebensweise, und Gott verlangt von ihnen mehr, weil sie Vorbilder sind. (Vergleiche Lukas 12:48; 1. Petrus 5:2, 3.) Deshalb geben sie selbst dann, wenn sie einen schweren Fehler begangen haben, ein gutes Beispiel, indem sie aufrichtig bereuen, was sich darin zeigt, daß sie sich von ihrer verkehrten Handlungsweise abwenden und ihren Fehler der Ältestenschaft bekennen. Das mag anderen, die eine schwerwiegende Sünde begangen haben, helfen, ebenfalls zu bereuen. Ihr Eifer, sich in Gottes Augen rein zu erhalten, ihre Ernsthaftigkeit, ihre Entrüstung über ihre eigenen Verfehlungen und ihr Bemühen, das Unrecht wiedergutzumachen, wird allen zur Rettung gereichen. Außerdem wird dadurch der Frieden in der Versammlung bewahrt werden — der Frieden mit Gott und untereinander (2. Kor. 7:11).

21 Wie wichtig doch echte Reue ist! Da wir alle unvollkommen sind, verfehlen wir täglich in irgendeiner Hinsicht, das Bild Jehovas in vollkommener Weise widerzuspiegeln. Das sollten wir zu Recht bedauern. Aber es sollte nicht dazu führen, daß wir uns über jeden kleinen Fehler grämen. Dennoch sollte uns die Erkenntnis, daß wir oft in Wort und Tat fehlen, demütig machen und uns helfen, barmherzig zu sein, wenn andere gegen uns sündigen. Wenn wir dann Gott um Vergebung unserer Übertretungen bitten, können wir davon überzeugt sein, daß er unsere Gebete gern erhören wird (Matth. 6:12, 14, 15). Auf diese Weise können wir ein reines Gewissen haben, während wir ständig seinen Willen zu tun suchen. Ja, wir werden wirklich glücklich sein, da wir wissen, daß Gott unsere Sünden vergeben hat und daß er uns als seine reinen Diener betrachtet, die die Aussicht auf ewiges Leben haben (Ps. 32:1, 2; 103:10-13).
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Der Wachtturm, 15. Mai 1977, Seite 302:

Nachrichten und ihre tiefere Bedeutung

Ist ein Massenablaß wirksam?

Anfang Dezember 1976 fand im Mid-South Coliseum in Memphis (Tennessee, USA) ein Gottesdienst statt, bei dem ein Massenablaß erteilt wurde. Anwesend waren in dieser Sportarena ungefähr 12 000 Katholiken, denen angeblich ihre früher begangenen Sünden von einem Bischof vergeben wurden, ohne daß ein Priester sie darüber befragte oder ihre Beichte abnahm. Mitunter wurde ein allgemeiner Ablaß in Zeiten der „Todesnot" (zum Beispiel wenn Soldaten in die Schlacht zogen) erteilt, doch das war die erste Massenablaßzeremonie dieser Art in den Vereinigten Staaten. Laut Bericht der „Associated Press" „sollte der Gottesdienst entfremdete Katholiken, besonders geschiedene, in die Herde zurücklocken".

Ist ein allgemeiner Ablaß wirksam? Nicht gemäß der Bibel. Sie sagt nichts zugunsten eines solchen Ritus und weist Christen nicht an, einem Priester zu beichten. In der Bibel gibt es auch keinen Hinweis darauf, daß irgendein unvollkommener Mensch einen Ablaß von Sünden gewähren könnte. Wenngleich Christen, die des geistigen Beistandes bedürfen, ermuntert werden, die Hilfe der Ältesten in der Versammlung zu suchen, kann doch nur Jehova Gott Sünden vergeben (Jak. 5:13-15). Daher sagte König David zu Gott: „Meine Sünde habe ich dir schließlich bekannt . . . Und du selbst hast das durch meine Sünden verursachte Vergehen verziehen" (Ps. 32:1-5).
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