*** w01 15. 9. S. 3-4 Wodurch lassen sich Menschen wirklich einigen? ***

Wodurch lassen sich Menschen wirklich einigen?

GANZ gleich, woran wir glauben, wird wahrscheinlich jeder von uns zustimmen, daß es in so gut wie jeder Religion wahrheitsliebende Menschen geben muß. Unter Hindus, Katholiken, Juden ebenso wie in vielen anderen Religionen sind Personen zu finden, die zutiefst schätzen, was wahr ist, und bereit sind, danach zu suchen. Gleichzeitig wirkt aber Religion offenbar entzweiend auf die Menschheit. Es gibt sogar Personen, die sich der Religion für üble Zwecke bedienen. Werden jemals aufrichtige, Rechtschaffenheit und Wahrheit liebende Menschen aller Religionen vereint werden können? Wäre es möglich, sie für ein gemeinsames Ziel zusammenzubringen?

Wie bestürzend ist es doch, daß Religion immer stärker die Ursache für Zwietracht ist! Um nur einige Konflikte aufzuzählen: In Sri Lanka kämpfen Hindus gegen Buddhisten; Protestanten, Katholiken und Juden haben in etlichen Kriegen Blut vergossen; in Bosnien, Indonesien, Tschetschenien und im Kosovo kämpften oder kämpfen „Christen" gegen Muslime. Und im März 2000 verloren bei religiös motivierten Unruhen in Nigeria innerhalb von zwei Tagen 300 Menschen ihr Leben. Diese Auseinandersetzungen sind wirklich durch religiösen Haß geschürt worden.

Aufrichtige Menschen sind häufig darüber entsetzt, was für Schandtaten im Namen der Religion verübt werden. Zahlreiche Kirchgänger reagieren beispielsweise empört darauf, daß manche Kirchen Geistliche offiziell dulden, die Kinder sexuell mißbraucht haben. Vielen Gläubigen ist es auch sehr unangenehm, daß man sich innerhalb sogenannter christlicher Religionsgemeinschaften höchst uneins ist über Themen wie Homosexualität und Abtreibung. Die Religion hat die Menschheit ganz offensichtlich nicht geeint. Andererseits gibt es in vielen Religionen Menschen, die wirklich die Wahrheit lieben, wie folgende Erfahrungen zeigen.

Sie dürsteten nach der Wahrheit

Fidelia war eine aufrichtige, strenggläubige Katholikin der Kirche des Heiligen Franziskus in La Paz (Bolivien). Sie warf sich regelmäßig vor der Marienstatue nieder und stellte vor dem Kreuz die besten Kerzen auf, die sie sich leisten konnte. Jede Woche spendete sie dem Priester große Mengen Lebensmittel, damit er sie unter den Armen verteile. Doch fünf Kinder, die Fidelia bekam, starben, noch bevor sie getauft werden konnten. Der Priester sagte ihr, sie alle würden im finsteren Limbus leiden, worauf sich Fidelia fragte, wie das sein könne, wenn Gott Liebe ist.

Tara, eine Ärztin, wuchs in Kathmandu (Nepal) als Hindu auf. Den jahrhundertealten Bräuchen ihrer Vorfahren folgend, betete sie in den Hindutempeln ihre Götter an und hatte auch Götzenbilder in ihrer Wohnung. Aber Tara machte sich viele Gedanken darüber, warum es so viel Leid gibt, warum der Mensch stirbt und dergleichen. In ihrer Religion fand sie auf ihre Fragen keine befriedigenden Antworten.

Panya dagegen wuchs in einem Haus an einem der vielen Kanäle Bangkoks (Thailand) als Buddhist auf. Er war gelehrt worden, Leiden seien die Folge der in einem früheren Leben begangenen Taten, und Befreiung von Leiden sei erreichbar, indem man alles Begehren überwinde. Wie anderen aufrichtigen Buddhisten hatte man auch ihm große Achtung vor der Weisheit der Mönche beigebracht, die, in gelbe Kutten gekleidet, täglich kurz nach Tagesanbruch vor dem Haus um Almosen baten. Panya beschäftigte sich mit Meditation und sammelte Buddhafiguren in der Meinung, sie könnten vor Schaden bewahren. Nach einem Unfall, in dessen Folge er von der Taille an abwärts gelähmt blieb, besuchte er buddhistische Klöster in der festen Hoffnung auf eine Wunderheilung. Doch wurde er weder geheilt, noch fand er religiöse Erleuchtung. Statt dessen wurde er in den Spiritismus eingeführt und begann, damit zu experimentieren.

Virgil wurde in den Vereinigten Staaten geboren und schloß sich im College der Black-Muslim-Bewegung an. Eifrig verbreitete er ihre Schriften, in denen behauptet wurde, der weiße Mann sei der Teufel. Nach Ansicht der Bewegung ließen sich nur so die vielen Grausamkeiten erklären, die Weiße gegen Schwarze verübt hatten. Virgil glaubte aufrichtig daran, fragte sich aber gleichzeitig, ob wirklich alle Weißen schlecht sein könnten. Auch beunruhigte ihn, daß sich in den Predigten so vieles um Geld drehte.

Charo war eine aufrichtige Protestantin, obschon sie im überwiegend katholischen Südamerika aufwuchs. Sie war stolz darauf, nicht in den Götzendienst verstrickt zu sein, von dem sie umgeben war. Es machte ihr Freude, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, wo gefühlsbetonte Gottesdienste abgehalten wurden, in Halleluja-Rufe einzustimmen und im Anschluß an die Predigt religiöse Lieder mitzusingen und zu tanzen. Charo war fest davon überzeugt, gerettet und wiedergeboren zu sein. Ein Zehntel ihres Einkommens spendete sie der Kirche, und als ihr Lieblingsfernsehprediger zu Spenden aufrief, schickte sie ihm Geld für Kinder in Afrika. Einmal fragte sie ihren Pastor, warum ein liebender Gott Seelen in der Hölle quäle, und merkte, daß sie keine befriedigende Antwort erhielt. Später fand sie auch heraus, daß ihre Spenden gar nicht den Kindern in Afrika zugute kamen.

Diese fünf Personen hatten, obwohl unterschiedlicher Herkunft, etwas gemeinsam. Sie liebten die Wahrheit und suchten aufrichtig nach wahrheitsgemäßen Antworten auf ihre Fragen. Würden sie aber in der wahren Anbetung vereint werden können? Diese Frage wird im folgenden Artikel beantwortet.