Zeugen beschuldigt, Missbrauch nicht angezeigt zu haben

http://www.christianitytoday.com/ct/2001/015/17.23.html

von Corrie Cutrer | 20.11.2001
Christianity Today

Zwei Schwestern klagen gegen die Watchtower Bible and Tract Society wegen Vorschriften, mutmaßliche Sexualverbrechen innerhalb der Kirche zu halten.

Zwei Schwestern klagen wegen einer Politik, von der sie behaupten, sie schütze Kinderschänder, gegen die Landesorganisation der Zeugen Jehovas. Die Klage, eingereicht in New Hampshire, weckt auch Sorgen, dass andere Religionsgemeinschaften ebenfalls vor ähnlichen Rechtsschritten stehen könnten. Die Frauen haben drei Parteien verklagt — ihren Stiefvater, ihre frühere Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton, New Hampshire, und die Watchtower Bible and Tract Society (WTG), die internationale Zentrale der Gruppe in Brooklyn, New York —, weil sie es versäumt hätten, sexuelle Missbrauchstaten bei den zuständigen Behörden anzuzeigen. New Hampshire fordert, dass alle Fälle mutmaßlichen Kindesmissbrauchs den Justizbehörden gemeldet werden.

In einem abgehandelten Kriminalfall beschuldigten Heather Berry, heute 19, und ihre Stiefschwester Holly Berry, heute 22, ihren Vater Paul Berry, sie in ihrer Kindheit ständig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt zu haben. In der Klageschrift heißt es, als die Mutter der Mädchen, Sarah Poisson, die Sache den drei Ältesten meldete, hätten diese ihr gesagt, sie solle "mehr um die Sache beten" und "eine bessere Ehefrau sein". Paul Berry wurde vergangenes Jahr des schweren sexuellen Angriffs gegen Holly in siebzehn Fällen zwischen dem 4. und dem 10. Lebensjahr überführt. Berry erhielt 56 bis 112 Jahre Gefängnis. Anklagen in Bezug auf Missbrauch an Heather vom 3. bis 6. Lebensjahr wurden fallen gelassen.

In dem anhängigen Zivilstreit, erhoben im August, fordern die Schwestern Berry jetzt Schmerzensgeld in nicht genannter Höhe und Änderungen bei den Vorschriften der WTG. Die Klage, sagt Poisson, betrifft eine Politik der Zeugen Jehovas, die Mitglieder anweist, Missbrauchsverdacht innerhalb der Kirche zu halten. In den vergangenen Jahren haben mehrere frühere Zeugen Strafverfahren gegen Älteste oder andere Mitglieder in Gang gesetzt, weil diese nach den Missbrauchsbeschuldigungen nicht gehandelt hätten. "Hier geht es um die Gemeinschaftsverantwortung der Wachtturm-Organisation", sagt Jeff Anderson, der die Schwestern Berry vertretende Anwalt. "Sie haben [Berry] und Schändern wie ihm Zuflucht gewährt. Es steht ihnen nicht frei, das Gesetz zu missachten." Anderson hat in 500 Klagen gegen Religionsgemeinschaften oder Geistliche in Fällen von Kindesmissbrauch als Rechtsberater gearbeitet. Im September gehörte er zu einem Viermannteam von Anwälten, die bei einem ähnlichen Fall in Oregon bei einem außergerichtlichen Vergleich 3 Millionen Dollar von den Mormonen erstritten.

Einige Beobachter loben zwar die Absicht, Kinderschänder zu fangen, glauben aber, dass ein Erfolg für die Schwestern Berry anderen Religionsgemeinschaften Probleme bringen könnte "Es wird im ganzen Land Nachahmerfälle geben,, sagt Richard Hammer, Herausgeber des Church Law and Tax Report. Hammer sagt auch, ein positives Urteil würde die vertrauliche Natur von Pastoralgesprächen beeinträchtigen. Obwohl fast 40 Bundesstaaten von Geistlichen und anderen betroffenen Berufsgruppen fordern, den örtlichen Behörden jeden Verdacht auf körperliche Misshandlung oder sexuellen Missbrauch zu melden, nehmen 33 Bundesstaaten Kirchenführer davon aus, wenn sie in vertraulichen Gesprächen davon erfahren. "Das führt zu einem klassischen Konflikt", sagt Anwalt Martin Nussbaum aus Colorado Springs. "Diese Gesetze führen zu einem Gewissenskonflikt, wo der Pastor entscheiden muss: Wem werde ich gehorchen, Cäsar oder Gott? Die Institutionenklausel des Ersten Verfassungszusatzes besagt, dass es einige Dinge gibt, die eine Regierung nicht in einer Kirche anrühren darf — dazu gehört das Verhältnis Kirche/Geistliche", sagt Nussbaum. "Wir können nicht zulassen, dass Gerichte uns sagen, wie wir Einzelpersonen Rat erteilen. Die Mehrheitsvorschrift in solchen Fällen ist, dass die Autonomie der Kirche zu respektieren ist."

Die Klägerin Heather Berry aus Charlestown, New Hampshire, sagt, sie hoffe, dass das Schweigen ein Ende haben wird.