1.
Die
Sache muss zuerst bei der Polizei angezeigt werden
Was
sagt der Wachtturm? Man beachte
einen 1997er Wachtturm über das
Berichten von Unrecht:
***
w97 15. 8. 26 Warum sollte man
Unrecht berichten? ***
Unter
Jehovas Volk ist man zu einer Zurechtweisung allerdings anders eingestellt.
Gottesfürchtige Männer und Frauen haben
tiefe Wertschätzung für die Vorkehrungen, die Jehova getroffen hat, um
denjenigen in der Christenversammlung zu helfen, die einen
Fehltritt begangen haben. Sie betrachten solche Zucht als Ausdruck seiner
liebenden Güte (Hebräer 12:6-11).
Was
ist die Vorkehrung? Zur Polizei zu gehen, wenn ein Verbrechen verübt wurde?
Auch
heute kann es vorkommen, dass Diener
Jehovas — selbst solche, die viele Jahre treu gedient haben — eine schwere
Missetat begehen. In dem Bewusstsein, dass die Ältesten helfen können,
ergreifen die meisten die Initiative und bitten sie um Hilfe
(Jakobus 5:13-16). Doch es kann auch vorkommen, dass ein Missetäter seine Sünde
zu vertuschen sucht wie König David. Was sollten wir tun, wenn wir Kenntnis von
einer schweren Missetat in der Versammlung haben?
Wessen
Verantwortung ist es?
Wenn
Älteste von einer schweren Missetat erfahren, sprechen sie den Betreffenden an,
um ihm die nötige Hilfe zu leisten und ihn zurechtzubringen. Es gehört zu
den Pflichten der Ältesten, solche Personen in der Versammlung zu richten.
Da sie über den geistigen Zustand der Versammlung wachen, helfen sie
demjenigen, der im Begriff steht, einen unklugen oder verkehrten Schritt zu tun,
und ermahnen ihn
(1. Korinther
5:12, 13; 2. Timotheus 4:2; 1. Petrus 5:1, 2).
Trifft
das also nur auf Verleumdung oder moralische Verbrechen zu, die Erwachsene
begehen, die das biblische Gesetz brechen? Man beachte die Bibelstelle, die
benutzt wird, um Unrecht zu definieren.
Wie
verhält es sich jedoch, wenn jemand, der kein Ältester ist, von der schweren
Missetat eines anderen Christen erfährt? Entsprechende Richtlinien sind in dem
Gesetz zu finden, das Jehova der Nation Israel gab. Darin
wurde erklärt, dass jemand, der Zeuge von abtrünnigem Handeln, von
Aufwiegelung, Mord oder gewissen anderen Verbrechen wurde,
verpflichtet war, es zu berichten und das zu bezeugen, was er wusste. In 3. Mose
5:1 heißt es: „Falls nun eine Seele sündigt, indem sie eine öffentliche
Verfluchung gehört hat, und der Betreffende ist Zeuge, oder er hat es gesehen
oder hat es erfahren, dann soll er sich, wenn er es nicht berichtet, für sein
Vergehen verantworten.“ (Vergleiche 5. Mose 13:6-8; Esther 6:2; Sprüche
29:24.)
Christen
stehen heute zwar nicht unter dem mosaischen Gesetz, aber sie
können sich von den diesem Gesetz zugrunde liegenden Grundsätzen leiten lassen
(Psalm 19:7, 8). Was sollten wir also tun, wenn wir von der schweren
Missetat eines Mitchristen erfahren?
Wo
erlaubt man uns hier, die Polizei zu rufen? Kein Wort darüber. Zu wem sollten
wir dann gehen?
Zunächst
muss wirklich berechtigter Grund zu der Annahme bestehen, dass eine schwere
Missetat begangen wurde. „Werde nicht ohne Gründe Zeuge gegen deinen
Mitmenschen“, sagte ein weiser Mann. „Dann würdest du töricht reden mit
deinen Lippen“ (Sprüche 24:28).
Vielleicht entschließen wir uns, direkt zu den Ältesten zu gehen. Das wäre nicht verkehrt. Normalerweise ist es jedoch liebevoller, zuerst die betreffende Person anzusprechen. Vielleicht haben wir uns getäuscht. Es könnte allerdings auch sein, dass sich die Ältesten bereits mit der Angelegenheit befassen. Unterhalten wir uns mit der Person in ruhigem Ton über die Sache. Sollte weiterhin Grund zu der Annahme bestehen, dass ein schweres Unrecht begangen wurde, werden wir den Betreffenden ermuntern, bei den Ältesten Hilfe zu suchen, und ihm erklären, warum es weise ist, das zu tun. Wir sollten jedoch mit niemand anders über die Angelegenheit sprechen, denn das wäre Geschwätz.
Sollte
sich die Person innerhalb einer angemessenen Frist nicht bei den Ältesten
gemeldet haben, müssten wir zu ihnen gehen. Ein oder zwei Älteste werden dann
mit dem Beschuldigten über die Angelegenheit sprechen. Die
Ältesten sollten ‘suchen und nachforschen und sich gründlich erkundigen’,
um festzustellen, ob Unrecht begangen wurde. Wenn ja, werden sie den Fall
entsprechend den biblischen Richtlinien behandeln (5. Mose
13:12-14).
Wer
untersucht das Verbrechen zuerst? DIE ÄLTESTEN! Es wird immer noch nichts davon
gesagt, dass man zur Polizei gehen soll. Und was, wenn es nur einen Augenzeugen
gibt? Dann bei der Polizei Anzeige erstatten?
Um
eine Missetat nachzuweisen, deren jemand beschuldigt wird, müssen mindestens
zwei Zeugen vorhanden sein (Johannes 8:17; Hebräer 10:28). Falls
die Person die Beschuldigung zurückweist und nur unser Zeugnis vorliegt, muss
die Angelegenheit Jehova überlassen werden (1. Timotheus 5:19,
24, 25). Das geschieht in dem Bewusstsein, dass vor Jehova alle Dinge „bloßgelegt“
sind und dass, wenn der Betreffende schuldig ist, seine Sünden ihn schließlich
„einholen“ werden (Hebräer 4:13; 4. Mose
32:23).
Das
ist also die Grundlage dafür, dass von einer Anzeige bei der Polizei abgeraten
wird. Man wird eindeutig belehrt, man müsse die Sache Jehova überlassen. Das
heißt: Man unternimmt nichts. Darf man andere Eltern, deren Kinder in Gefahr
sind, warnen?
Angenommen,
die Person weist die Beschuldigung zurück und wir sind der einzige
Belastungszeuge. Müssten wir nun mit einer Gegenklage wegen Verleumdung
rechnen? Nicht wenn wir mit keinem
Uneingeweihten über die Angelegenheit gesprochen haben. Es ist
nicht verleumderisch, diejenigen, die die Befugnis und die Verantwortung haben,
zu beaufsichtigen und Dinge richtig zu stellen, über etwas zu unterrichten, was
die Versammlung betrifft. Das ist sogar im Einklang mit unserem Wunsch, stets
das zu tun, was richtig und loyal ist. (Vergleiche Lukas 1:74, 75.)
Wer
also Geschwätz verbreitet und anderen erzählt, dass sein Kind belästigt
wurde, könnte wegen Verleumdung angeklagt und aus der Versammlung
ausgeschlossen werden. Was ist der Grund dafür?
Die
Heiligkeit der Versammlung bewahren
Missetaten
sollten unter anderem deshalb berichtet werden, weil es dazu beiträgt, die
Reinheit der Versammlung zu bewahren. Jehova ist ein reiner Gott, ein heiliger
Gott. Er verlangt von allen, die ihm dienen, geistig und sittlich rein zu sein.
Sein inspiriertes Wort enthält die mahnenden Worte: „Formt euch als gehorsame
Kinder nicht mehr nach den Begierden, die ihr früher in eurer Unwissenheit
hattet, sondern in Übereinstimmung mit dem Heiligen, der euch berufen hat,
werdet auch ihr selbst heilig in eurem ganzen Wandel, weil geschrieben steht:
‚Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin‘ “ (1. Petrus 1:14-16).
Personen, die unreine Handlungen oder Unrecht begehen, können eine ganze
Versammlung beflecken oder der Gunst Jehovas berauben, wenn nichts unternommen
wird, die Betreffenden zurechtzuweisen oder aus der Versammlung zu entfernen.
(Vergleiche Josua, Kapitel 7.)
Die
Versammlung wäscht ihre schmutzige Wäsche selbst und lässt Außenstehende
uninformiert. Das ist die Grundlage dafür, wie die Versammlung wirkt. Es steht
den Zeugen Jehovas NICHT frei, zur Polizei zu gehen. Es wird von ihnen
gefordert, den Anweisungen der Ältesten zu GEHORCHEN. Wenn sie das nicht tun,
werden sie ausgeschlossen. Die Wachtturm-Politik fordert von einem Opfer von
Kindesmissbrauch, dass es ZUERST ZU DEN ÄLTESTEN geht. Und das ist der Irrtum
der Wachtturm-Politik.
2.
Ein
Pädophiler sollte nie ein Dienstamt in der Versammlung innehaben.
Der
Wachtturm vom 1.Januar 1997
schien zu zeigen, dass dies eine Vorschrift bei den Zeugen Jehovas ist, doch
innerhalb von nur drei kurzen Monaten wurde ein Brief an die Ältestenschaften
verschickt (mit weiterem Inhalt), in dem diese Vorschrift wieder geändert
wurde. In dem Brief von 1997 hieß es:
„Möglicherweise
dienten oder dienen Personen, die sich des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht
haben, als Älteste, Dienstamtgehilfen, als allgemeine oder als Sonderpioniere.
Andere mögen sich vor ihrer Taufe des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben.
Die Ältestenschaften sollten keine
Personen befragen.“
Diese
Erklärung erlaubte Pädophilen, weiterhin zu dienen. Das wurde weiter erhärtet
im Brief vom 1. Juni 2001 an die Ältestenschaften in England, wo es heißt:
„Es
gibt von der obigen Anweisung eine Ausnahme: Die Ältesten haben an das Zweigbüro
geschrieben und alle Einzelheiten über einen früheren Kinderschänder
mitgeteilt, der gegenwärtig als Ältester oder als Dienstamtgehilfe dient. Wenn
das Zweigbüro entschieden hat, das jemand in eine Vertrauensstellung ernannt
werden oder weiterhin in einer solchen Stellung dienen kann, weil die Sünde vor
vielen Jahren verübt wurde und er seither ein vorbildliches Leben führt, dann
sollte in einem solchen Fall sein Name nicht auf der Liste erscheinen. Es ist
auch nicht nötig, Informationen über die frühere Sünde des Bruders
weiterzugeben, wenn er in eine andere Versammlung zieht, außer das Zweigbüro
hat andere Anweisungen erteilt.“
Nach
Anweisung dieser Wachtturm-Politik kann ein Kinderschänder also ein Dienstamt
erhalten. Die seither verstrichene Zeit sollte bei dem Pädophilen ein Faktor
sein.
3.
Kinderschänder
sollten nie am Haus-zu-Haus-Dienst teilnehmen dürfen.
Ist
das Wachtturm-Politik? Man beachte bitte den Wachtturm
vom 1. Januar 1997, wo ursprünglich die Vorgehensweise bei Kinderschändern
begründet wurde. Was muss ein Kinderschänder, der gerade aus dem Gefängnis
entlassen wurde, tun, um seine Reue zu zeigen?
***
w97 1. 1. 28-9 Verabscheuen wir das
Böse ***
Je nach Rechtslage in dem Land, in dem der Missbraucher lebt, kann es durchaus
sein, dass er eine Gefängnisstrafe oder andere vom Staat verhängte Strafen
verbüßen muss ... Wenn er reumütig zu
sein scheint, wird man ihn ermuntern, geistig Fortschritte zu machen, sich am
Predigtdienst zu beteiligen ...
Die Wachtturm-Politik fordert von einem gerade freigelassenen Kinderschänder, dass er Besuche an den Wohnungstüren der ahnungslosen Öffentlichkeit macht. DAS IST DIE WACHTTURM-POLITIK! Das zeigt ohne Zweifel, dass etwas an der Sache entsetzlich falsch ist. Diese „Politik“ stellt eine Gefahr für Kinder in der Organisation dar wie auch für diejenigen, die im Haus-zu-Haus-Dienst angetroffen werden. Wenn die leitende Körperschaft wirklich ein „treuer Sklave“ sein will, dann sollte sie SOFRT aufstehen, diesen Fehler zu berichtigen und die Kinder schützen.
Silentlambs