Versammlung der Zeugen Jehovas in Othello in Sexmissbrauchsfall verklagt

Diese Geschichte wurde veröffentlicht am 23. Januar 2002

von Shirley Wentworth
 

OTHELLO -- Am Dienstag wurde gegen die spanische Versammlung der Zeugen Jehovas in Othello und ihre leitende Körperschaft in New York Klage eingereicht. Es wird die Vertuschung von sexuellem Kindesmissbrauch geltend gemacht.

In der beim U.S. District Court in Spokane von Erica Rodriguez, 23, heute in Sacramento, Kalifornien, lebend, eingereichten Klage wird auch Schmerzensgeld in nicht genannter Höhe von Manuel Beliz gefordert, dem Mann, der sie missbrauchte, und von der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft.

Rodriguez, die vor dem Adams County Superior Court aussagte, dass sie wöchentlich im Alter von 4 bis 11 Jahren von Beliz vergewaltigt wurde, gewann zwei Strafprozesse. Beliz, 49, wurde erstmals 1998 überführt, aber dieses Urteil wurde außer Kraft gesetzt. Letztes Jahr wurde er ein zweites Mal verurteilt, und seine Strafe von 11 Jahren wurde bestätigt.

Obwohl der Herald üblicherweise nicht die Namen von Personen nennt, die sexuelle Angriffe anzeigen, ist Rodriguez an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie dadurch andere Kinder vor Pädophilie bewahren will.

Rodriguez sagte, nachdem sie mit 12 Jahren nach Kalifornien gezogen war, habe ein Ältester in der Kirche, die sie besuchte, ebenfalls begonnen, sie zu missbrauchen, und zwar vier Jahre lang. Sie sagte, als sie den Missbrauch den Kirchenältesten meldete, sei der Mann zwar als Ältester abgesetzt, aber nicht aus der Kirche ausgeschlossen worden.

Als sie dem Ältesten sagte, dass sie vorhabe, zur Polizei zu gehen, sagte man ihr, dann würde man ihr die Gemeinschaft entziehen. Sie ging aber doch zur Polizei in Sacramento, die Kontakt zur Polizei in Othello aufnahm, die Beliz verhaftete. Rodriguez hat auch gegen den Ältesten aus Sacramento Strafanzeige erstattet, aber dieser Fall ist bislang noch nicht vor Gericht gekommen.

Obwohl Beliz aus der Kirche ausgeschlossen wurde, wurde er kurz vor dem Prozess wieder als Ältester eingesetzt. Rodriguez sagte, sie habe die Wachtturm-Rechtsabteilung angerufen, um zu fragen, warum. "Dieser Kerl sagte: 'Das geht dich nichts an, ruf nicht wieder an'", sagte sie.

Jeff Anderson aus St. Paul, Minnesota, der führende Anwalt im Prozess Rodriguez, sagte, er habe in der vergangenen 20 Jahren schon so gut wie jede Religionsgemeinschaft wegen Vertuschung von sexuellem Kindesmissbrauch verklagt.

Dies ist der zweite solcher Fälle, wo er Klage gegen die Zeugen Jehovas eingereicht hat. Der andere Fall war in New Hampshire.

"Die überwiegende Mehrzahl betraf Katholiken; ich stolperte über das Phänomen Anfang der 1980er Jahre", sagte Anderson. Er erhob Klage in seinem ersten Pädophilenfall gegen die katholische Kirche im Jahre 1982.

Anderson sagte, Pädophilie trete am wahrscheinlichsten in "hierarchischen, isolierten Religionsgemeinschaften auf, die patriarchalisch und sexistisch sind und eine gesunde Sexualität unterdrücken."

"Sie sind geheim ... sie werden von einem Mann oder einer kleinen Gruppe von Männern geleitet", sagte er.

Nach den kirchlichen Vorschriften der Zeugen Jehovas melden Versammlungsmitglieder Übertretungen anderer Mitglieder einem Rechtskomitee aus drei oder mehr Kirchenältesten -- keine davon sind Frauen.

Das Komitee entscheidet, welche Strafmaßnahmen durchgeführt werden, oft wird der Gemeinschaftsentzug als Strafe benutzt. Gemeinschaftsentzug bedeutet, dass die Gemeinde -- einschließlich Familienangehörige und Freunde -- den Übeltäter ächtet, er wird für sie wie Luft.

Wenn Anschuldigungen wegen Fehlverhaltens vor die Ältesten gebracht werden, sind wenigstens zwei Augenzeugen erforderlich, wenn der Beschuldigte die Anklage bestreitet -- und die sind besonders schwer in Fällen von sexuellem Missbrauch vorzubringen.

In der Klageschrift von Rodriguez wird behauptet, dass die Ältesten dem Opfer sagen, es dürfe nicht mit anderen Versammlungsmitgliedern darüber sprechen oder den Fall den Justizbehörden melden, sonst werde es bestraft oder ausgeschlossen.

Doch Wachtturm-Sprecher J.R. Brown, der die Klageschrift noch nicht gesehen hat und sich speziell dazu nicht äußern konnte, sagte, die Kirche mische sich nicht ein, wenn jemand Anzeige erstatte.

Er sagte, Kirchenälteste sollten mit der Zentrale Kontakt aufnehmen, wenn sie Fragen zu einem Fall hätten.

"Wenn sie sich an uns wenden, sagen wir den Ältesten, ob sie in einem Bundesstaat leben, wo (eine Anzeige von Pädophilie) erforderlich ist", sagte er. "Wir möchten sicherstellen, dass wir uns an die Gesetze halten."

Brown sagte, er sei sich dessen bewusst, dass zahlreiche Fälle auf Internetseiten wie www.silentlambs.org oder www.freeminds.org veröffentlicht wurden, und dass dort Einzelheiten über Pädophilie bei den Zeugen Jehovas genannt werden.

Aber er behauptet, dass die meisten Geschichten von Leuten veröffentlicht worden seien, die schon in den 1980er Jahren missbraucht wurden, als die gesamte Gesellschaft mit dem Problem zu kämpfen hatte.

"Leider wurden wahrscheinlich viele Kinder missbraucht", sagte er.

Er sagte, die Kirche habe seither deutliche Änderungen an ihren Vorschriften vorgenommen, darunter, dass mutmaßliche oder überführte Pädophile aller Positionen in der Kirche enthoben würden und sie nicht allein mit Kindern sein dürften, und verschiedene andere Einschränkungen.