Übersetzung:

 

Nach dem Bericht von Mission/Investigate über den sexuellen Missbrauch bei den Zeugen Jehovas (der am 8.4.2003 gesendet wurde) wurde es zuerst still, obwohl Reporter Janne Josefsson bei mehreren Gelegenheiten die Führer der Zeugen Jehovas um einen Kommentar bat. Dann kam die Antwort – in Form einer Anzeige, in der die Anschuldigungen bestritten wurden und behauptet wurde, der Bericht verbreite Lügen. Aber es stellte sich heraus, dass die ganze Anzeige auf der von dem Schänder erzählten Geschichte aufbaut.

 

Vor ein paar Wochen enthüllte Mission/Investigate, dass die Versammlungen der Zeugen Jehovas Kinderschänder, die Kinder in ihrer eigenen Versammlung missbraucht haben, schützen. Eines der Opfer, das sich meldete, war Anders, der erzählte, wie ihm seine Versammlung davon abgeraten hatte, den Missbrauch bei der Polizei anzuzeigen, und dass er keinerlei Unterstützung erhielt und der Schänder immer noch aktiver Zeuge sei, der Zeugnis gebend von Haus zu Haus gehe .

 

Anders und seine Schwester waren die einzigen, die es wagten, sich mit Gesichtern und Namen in dem Bericht zu zeigen, aber es gab auch mehrere andere Leute, die aus anderen Versammlungen ähnliche Geschichten erzählten. In dem Bericht gibt es sogar jemanden in einer Versammlung, der zugibt, ein junges Mädchen zu missbrauchen.

 

Die Führer des Zweigbüros der Zeugen Jehovas in Schweden lehnten es ab, interviewt zu werden, wenn sie nicht die Fragen formulieren durften, die sie sich dann selbst stellen wollten, sie versteckten sich auch vor dem Reporter. Stattdessen erwiderte ein paar Wochen später Sprecher Bengt Hansson auf den Bericht, indem er mit Geld ihrer Mitglieder Platz in mehreren Zeitungen kaufte. Unter anderem wurde das in Expressen, Göteborgsposten, Svenska Dagbladet und Kvällsposten veröffentlicht. In dieser Anzeige behauptet er, der Bericht sei irreführend und unfair gewesen.

 

In der Anzeige wird behauptet, dass Anders in dem Bericht gelogen habe, denn: "Beide betroffene Personen waren Kinder (ungefähr 8 und 4 Jahre alt), als die sexuellen Handlungen zwischen ihnen begannen, etwa 1980, und sie waren beide noch minderjährig (ungefähr 14 und 10 Jahre alt), als die sexuellen Handlungen im Jahre 1987 aufhörten."

 

Es wird auch behauptet, zu der Zeit, als die sexuellen Handlungen stattgefunden hatten, sei niemand der Betroffenen, auch die Eltern nicht, Mitglied der Zeugen Jehovas gewesen. Gemäß der Anzeige hätten Anders und seine Eltern auch mit den Ältesten in der Versammlung einen Pakt geschlossen, den Missbrauch nicht der Polizei oder der Sozialbehörde zu melden, nachdem der Missbrauch aufgedeckt wurde.

 

- Ich bin erstaunt, dass niemand von der Wachtturm-Gesellschaft mit mir oder meinen Eltern Kontakt aufgenommen hat, ehe die Anzeige veröffentlicht wurde, sagt ein enttäuschter Anders zu Mission/Investigate.

 

Stattdessen erhielt Anders einen Brief vom Zweigbüro in Arboga, in dem ihm gesagt wurde, die Fakten in der Anzeige gründeten sich auf Informationen von der Person, die in dem Bericht als der Schänder identifiziert wurde.


- Das ist entsetzlich. Das ist nicht wahr.
Der Missbrauch hörte nicht auf, als ich 10 war, und wir waren Zeugen Jehovas, als es geschah. Es stimmt nicht, dass wir einen Pakt schlossen, nichts der Polizei zu melden, sagt Anders.

 

Seit der Bericht gesendet wurde, haben Anders und seine Familie viel Unterstützung erhalten, aber auch eine Menge beleidigter Reaktionen von Mitgliedern der Zeugen Jehovas. Viele ihrer Freunde haben den Kontakt abgebrochen, und sie werden beschuldigt, "Satans Geschäft" zu betreiben. Die Versammlung, zu der Anders gehört, hat mit Schweigen reagiert – ein Verhalten, das den Eindruck noch verstärkt, die Zeugen Jehovas unterstützen nicht die Opfer sexuellen Missbrauchs, sondern schützten die Täter.

Zusammen mit Janne Josefsson beschloss Anders, das Zweigbüro in Arboga anzurufen, um die Führer zu fragen, warum sie lieber dem Schänder glauben und nicht Anders. Er bekam Lars-Erik Eriksson ans Telefon, der sich weigert, die Frage von Anders zu beantworten, und ihn bittet, seine Fragen in einem Brief zu formulieren. Als Janne Josefsson um Erlaubnis bat, einige Fragen zu stellen, legte Lars-Erik Eriksson den Hörer auf.

 

Eine der Zeitungen, die um Platz für die Anzeige gebeten wurden, die sich aber weigerten, war Dagens Nyheter. Der Herausgeber und Chefredakteur Jan Wifstrand entschied so, nachdem ihm selbst ein einfaches Interview mit den Führern der Zeugen Jehovas verweigert wurde.

 

- Wenn sie nicht mit uns reden wollen über das, was da vor sich geht, sollten sie auch nicht Platz für eine Anzeige kaufen dürfen, fügt er hinzu.


Die von den Zeugen Jehovas veröffentlichte Anzeige als Antwort behandelt nur ein Missbrauchsbeispiel und erwähnt nicht die anderen Beispiele, die in dem Bericht gezeigt wurden.



REPORTER: Jan Josefsson
RECHERCHE: Lars- Göran Svensson
FOTO: Rune Bergström
REDAKTION: Åke Toresson