Alle sind eingeladen, dabei zu sein 

 SILENTLAMBS

MARSCH DER MISSBRAUCHSOPFER 

 

BROOKLYN, NEW YORK

 

Helft Jehovas Zeugen, die Bedeutung

des Schutzes der Kinder zu erkennen. 

27. September 2002

14:00 Uhr

Pierpoint Place & Columbia Heights  

Weitere Informationen unter:

www.silentlambs.org

877-WTABUSE

 

Ihr seid eingeladen zu einem Silentlambs-Marsch in Brooklyn, New York 

Wir bitten alle Missbrauchsüberlebenden und Unterstützer von Personen, die in der Gemeinde der Zeugen Jehovas missbraucht wurden, am 27. September 2002 zu einem friedlichen Marsch in Brooklyn, New York, zusammenzukommen. 

WARUM MITMACHEN?

Bei Silentlambs kümmern wir uns um Kinder; überdies möchten wir Missbrauchsüberlebende wissen lassen, dass sie nicht allein sind, sondern unsere Unterstützung haben. Das wird eine vereinte Erklärung an die Adresse der Wachtturm-Gesellschaft, dass sie ihre Politik ändern muss, damit unsere Kinder geschützt werden. Wenn ihr als Augenzeugen da sein könnt, ist das eine weitere Möglichkeit, im Sinne von Silentlambs für Gerechtigkeit einzustehen. 

WER KANN KOMMEN?

JEDER! Bei Silentlambs praktizieren wir ein „Frag nicht, sag nicht“, wenn wir zu wichtigen Ereignissen zusammenkommen. Es ist uns egal, ob ihr einen Gemeinschaftsentzug habe, die Gemeinschaft verlassen habt oder was ihr persönlich glauben mögt. Wir bitten darum, dass alle ohne Vorurteil über den Stand in der Organisation die Personen unterstützen, die als Zeugen Jehovas missbraucht wurden. Wenn ihr mitmachen möchtet, schickt bitte eine E-Mail und lasst uns wissen, wie viele in eurer Gruppe sind. Das hilft uns im Voraus, anhand der jeweiligen Gruppengröße zu planen. 

WO?

Der Marsch wird auf der Westseite des Pierpoint Place und der Columbia Heights starten, dann werden wir sieben Blocks weiter zu unserem Ziel gehen: 25 Columbia Heights. 

WAS WERDEN WIR TUN?

Wenn wir ankommen, können, wenn es die Zeit erlaubt, alle, die dies wollen, eine 60 Sekunden lange Erklärung abgeben, wie sich Missbrauch in der Organisation der Zeugen Jehovas auf ihr Leben auswirkte. Alle sind eingeladen, ein Plüschlamm für jedes Missbrauchsopfer bei den Zeugen, das sie kennen, mitzubringen und es als symbolische Geste dafür dazulassen, wie viele durch die Wachtturm-Politik Schaden erlitten haben. 

AUGENZEUGEN:

Wenn ihr als Augenzeugen dafür dienen wollt, wie die leitende Körperschaft zugelassen hat, dass die Wachtturm-Politik anderen Schaden zufügt, seid ihr eingeladen, euch zu melden. Bitte schickt euren Namen, eure Adresse und die Telefonnummer per E-Mail an Bill Bowen: info@silentlambs.org. Welchen Status ihr auch gegenüber der Organisation habt, ihr habt das Recht, als Augenzeugen zu dienen. Lest zur weiteren Erklärung den beigefügten Brief an die leitende Körperschaft. Bitte bringt alle schriftlichen Dokumente, wie Briefverkehr mit der Wachtturm-Gesellschaft, zusammen mit euren Erfahrungen aus erster Hand, was mit euch und eurer Familie geschah, als Missbrauchsprobleme auftauchten, mit. Bitte seid bereit zu erklären, wie euch die Wachtturm-Politik Schaden zugefügt hat. 

REISEVORKEHRUNGEN:

Wir haben für ein Hotel und für Mietwagen Rabatte erhalten, wenn ihr kommen und über Nacht bleiben wollt. Schickt bitte eine E-Mail an assistance@silentlambs.org und lasst uns wissen, wie viele in eurer Gruppe vorhaben, zu kommen, dann werden wir euch eine Liste über Unterbringungsmöglichkeiten zukommen lassen, aus der ihr wählen könnt, und mitteilen, wie gebucht werden kann. Wenn ihr per Flugzeug anreist, könnt ihr das auch unter www.travelocity.com machen. 

REISEKOSTEN:

Wenn ihr Missbrauchsopfern, die dazu finanziell nicht in der Lage sind, helfen wollt, zu kommen, dann gibt es dafür eine besondere Silentlambs-Reisekasse. Ich steuere die ersten 100 Dollar für Personen bei, die sich die Reisekosten vielleicht nicht leisten können. Es liegt an eurer Hilfe, wie vielen wir eine Anwesenheit ermöglichen können. Wenn ihr für die Anwesenheit finanzielle Hilfe benötigt, schickt bitte eine E-Mail an folgende Adresse: assistance@silentlambs.org. Bitte sendet Namen, Anschrift und Telefonnummer, wie auch eine kurze Schilderung, welche Hilfe ihr benötigt, um am Silentlambs-Marsch teilzunehmen. 

WARUM KOMMEN?

Ich denke, das wird am besten in einem Gedicht beschrieben, das in mein Gästebuch eingetragen wurde: 

Es genügt nicht, einen Traum zu haben. Man muss ihn auch erfüllen ...  

Es genügt nicht, zu wissen, was recht ist. Ich muss stark genug sein, es zu tun ...  

Es genügt nicht, sich einer Menge anzuschließen, um anerkannt und akzeptiert zu werden ...  

Ich muss meinen Idealen treu sein, auch wenn ich verlassen und abgewiesen werde ...  

Es genügt nicht, die Wahrheit zu erfahren. Ich muss lernen, ihr gemäß zu leben ...  

Es genügt nicht, nach Liebe zu greifen. Sie muss mir so am Herzen liegen, dass ich sie auch anderen gebe ...

 

Abschließend möchte ich sagen, dass es eine Ehre ist, mit Menschen Verbindung zu haben, die für das eintreten und aufstehen, was recht ist. Eure Bemühungen, anwesend zu sein, machen viel aus. Missbrauchsüberlebende sind die wahren Helden von Silentlambs; mit Herzen wie ein Löwe und Mut wie David schützen sie durch ihre Handlungsweise Kinder, die sie nie kennen werden. Unsere vereinten Bemühungen werden Kinder schützen, die erst noch geboren werden müssen.

6. Juni 2002 

Dienstkomitee/Dienstabteilung

c/o Wachtturm-Gesellschaft

25 Columbia Heights

Brooklyn, NY 11201 

 

Liebe Brüder, 

            ich möchte mit meinem Schreiben ein schwerwiegendes Problem ansprechen, das die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas betrifft. Die Grundlage für diesen Brief findet sich in Galater 2:11-14. In diesen Versen wird beschrieben, wie sich Paulus dem Petrus wegen eines Vergehens gegenüberstellte. Die demütige Reaktion des Petrus zeigte nicht nur seine Reue, sondern auch seine Bereitschaft, der theokratischen Anweisung zu folgen. 

            Es ist interessant, dass J. R. Brown, der Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, diese Haltung kürzlich in einem Brief vom 7. Februar 2002 wiederholte. Hierin erklärt Bruder Brown: „Unsere leitende Körperschaft ist bereit, Meinungsverschiedenheiten im Rahmen der Versammlung und gemäß biblischen Grundsätzen zu lösen.“ Dies ist eine willkommene Bestätigung, wie eine Organisation, die durch Gottes Geist geleitet wird, wirken sollte. Niemand steht über dem Gesetz Gottes, wie auch Petrus, der mit Christus wandelte, sich nicht so ansah, als stehe er über jedem Tadel eines Mitältesten, wenn er falsch handelte. 

            Fehlverhalten ist eine schwerwiegende Angelegenheit in Gottes Organisation. Aufgrund der Anleitung, die uns geboten wird, steht niemand über den Anweisungen Seiner Organisation, und jeder, der von schwerem Fehlverhalten weiß und es nicht meldet, hat praktisch „an den Sünden anderer teil“ und unterstellt sich so einer ähnlichen Verurteilung, weil er die Sache nicht gemeldet hat. Als Grundlage für diese Anschauung ziehe ich einen Wachtturm aus dem Jahre 1985 heran, wo gesagt wird: 

*** w85 15. 11. 21-2  Habe nicht an den Sünden anderer teil ***
Bei Ältesten darf es nicht dazu kommen, daß sie entweder sich gegenseitig oder Dienstamtgehilfen decken, wenn einer von ihnen eine schwere Sünde begangen hat, die zum Gemeinschaftsentzug führen könnte. Sie sollten sich an den Grundsatz halten, den Paulus wie folgt beschrieb: „Lege niemals deine Hände jemandem voreilig auf; auch habe nicht teil an den Sünden anderer; bewahre dich selbst keusch“ (1. Timotheus 5:22).
 

            Heute schreibe ich diesen Brief als Mitältester und Zeuge Jehovas in gutem Ansehen.  Warum sage ich das?  Im Dezember 2000 veröffentlichte ich meine Entscheidung, aus Protest gegen die Wachtturm-Politik, wie Kindesmissbrauch in der Christenversammlung gehandhabt wird, als Ältester zurückzutreten. Am 31. Dezember jenes Jahres hat mich zwar der Kreisaufseher informiert, dass er meinen Rücktritt annehme, aber bis heute ist in der Versammlung diesbezüglich keine Bekanntmachung erfolgt. Aufgrund der Vorschriften der Organisation scheine ich weiterhin Ältester zu sein, bis diese Bekanntmachung erfolgt. Bitte schaut in den Brief vom 28. Juni 1999 an alle Ältestenschaften, wo es heißt: 

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6. Juni 2002 

„Die Streichung sollte der Versammlung bekannt gegeben werden, nachdem sie von der Gesellschaft das zurückgeschickte S-2-Formblatt oder einen S-52-Brief erhalten hat, dass die Empfehlung angenommen wurde. In einem solchen Fall sollte der Bruder informiert werden, ehe die Bekanntmachung erfolgt.“ 

            Gemäß dieser Information tritt die Streichung erst dann in Kraft, wenn die Bekanntmachung in der Ortsversammlung verlesen wurde und ich darüber informiert worden bin. Es scheint also, dass ich nicht nur ein Zeuge Jehovas in gutem Ansehen, sondern auch noch Ältester bin. Es stimmt zwar, das ist eine „Gesetzeslücke“, aber man kann sie mit dem Hintertürchen vergleichen, das die Wachtturm-Rechtsabteilung benutzt, um einem Anzeigeerstatten in 33 Bundesstaaten aus dem Weg zu gehen. Wie sie ihr Hintertürchen benutzt, um das Image der Organisation zu schützen, so benutze ich mein Hintertürchen, wenn ich versuche, Kinder zu schützen. 

            Mit den oben stehenden Gedanken im Sinn möchte ich als Zeuge Jehovas und Mitältester daher die folgenden Anschuldigungen gegen die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas vorbringen: 

1.      Abtrünnigkeit – Die leitende Körperschaft ist gegen die wahre Anbetung Jehovas und die bestehende Ordnung in seinem ihm hingegebenen Volk vorgegangen (Jer. 17:13; 23:15; 28:15, 16 ; 2. Thess. 2: 9, 10) Sie hat in der Festsetzung einer Organisationspolitik, die Kindern Schaden zufügt, vorsätzlich Lehren verbreitet und dickköpfig an Lehren festgehalten, die der Wahrheit der Bibel widersprechen. 

2.      Zügellosigkeit – Die leitende Körperschaft in ihrem Versagen, die Herde zu schützen, Missachtung für die theokratische Ordnung gezeigt. (Gal. 5:19; 2. Petr. 2:7; Wachtturm, 15. Juni 1983, Seite 31; Wachtturm, 1. Dezember 1973, Seiten 734-735; Einsichten, Band 2, Seite 1372.) 

3.      Spaltungen verursachen – Die leitende Körperschaft hat vorsätzlich die Einheit der Versammlung zerrissen und das Vertrauen der Brüder zu Jehovas Vorkehrung untergraben, indem sie bezüglich Kindesmissbrauch und verprügelter Frauen nichts unternommen hat. ( Röm. 16:17, 18; Titus 3: 10, 11 ) 

            Mit ihrer Handlungsweise, eine Wachtturm-Politik festzusetzen, wie Kindesmissbrauch auf Anweisung der Dienstabteilung, der Rechtsabteilung, der Bezirks- und Kreisaufseher und der Ältesten der Ortsversammlungen zu handhaben ist, hat die leitende Körperschaft Gottes Gesetz übertreten und das Leben vieler treuer Brüder und Schwestern zerstört. 

            Daher beantrage ich förmlich, die Angelegenheit „im Rahmen der Versammlung und in Übereinstimmung mit biblischen Grundsätzen“ zu lösen, indem am 27. September 2002 in Brooklyn, New York, ein Rechtskomitee aus drei unparteiischen Ältesten einberufen wird, die sich nicht fürchten, für Gerechtigkeit einzustehen. Ich werde mehrere hundert Augenzeugen beibringen, die umfangreiche Beweise in Form von schriftlichen Dokumenten, persönlicher Erfahrungen und den Aussagen von Augenzeugen liefern werden, um die leitende 

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Körperschaft anzuklagen, sich durch ihre Politik in Fällen von Kindesmissbrauch der Halsabschneiderei, der Zeugenbeeinflussung, eines Verhaltens, das eines Christen unwürdig ist, und der Verbrechen gegen Kinder schuldig gemacht zu haben. 

            Es ist meine Hoffnung, dass das Rechtskomitee Taten der Reue finden wird, die ihren Vergehen gegen Kinder entsprechen. Wenn ja, dann wird eine öffentliche Zurechtweisung der Organisation der Zeugen Jehovas helfen, zu wissen, dass die leitende Körperschaft zu wahrhaft reuigen, demütigen Männern geworden ist und im besten Interesse der Kinder von Zeugen Jehovas handeln wird. Wenn andererseits keine der Reue entsprechenden Werke gefunden werden können, oder wenn sie versucht, das Fehlverhalten zu bagatellisieren, dann sollte der leitenden Körperschaft die Gemeinschaft entzogen und sie sollte nicht wieder aufgenommen werden, bis sie die Verantwortung für ihre Handlungsweise übernimmt. 

            Das Datum ist mehrere Monate im Voraus festgesetzt worden, um der leitenden Körperschaft Zeit zu geben, die entsprechenden Vorkehrungen für ihre Anwesenheit zu treffen wie auch ihre Verteidigung vorzubereiten und den Zeugen gegen sie Zeit einzuräumen, Reisevorbereitungen zu treffen. 

            Es ist meine Zuversicht, dass die leitende Körperschaft, wie der Apostel Petrus, diese Dinge demütig im besten Interesse der gesamten Organisation ansprechen wird, um in vollem Maße Gottes Segen und heiligen Geist über sein Volk zu bringen. Ich biete euch an, innerhalb von zehn Tagen ab dem Datum dieses Briefes rechtzeitig zu antworten. Mit diesem Brief gehen meine herzlichen Grüße christlicher Verbundenheit. 

                                                               Hochachtungsvoll  

                                                               William H. Bowen für

                                                               Silentlambs, Inc.

                                                               Postfach 311

                                                               Calvert City, Kentucky 42029 

Kopie: Leitende Körperschaft