Einige wenige werden sich erinnern, dass die Wachtturm-Politik sich änderte, wenn die Umstände den Interessen der leitenden Körperschaft dienten, jemanden loszuwerden. Als Beispiel wurde unter anderem Peter Gregerson angeboten. Peter war ein Freund von Ray Franz. 1980 schrieb Peter einen Brief an die Gesellschaft, in dem er sagte, er wolle keine weitere Verbindung mehr zur Organisation haben. Damals führte ein Brief  von jemandem, der die Gemeinschaft verließ, ohne ein Unrecht begangen zu haben, nicht zu einer Ächtung der Person, sondern sie ging einfach weg. Als Gregerson ging, schuf die leitende Körperschaft ein neues Regelwerk, in dem es hieß, dass alle, die die Gemeinschaft verlassen hätten, jetzt behandelt würden, als sei ihnen die Gemeinschaft entzogen worden. Das stand 1981 im Wachtturm. Ein paar Monate später fand man Ray Franz bei einem Essen mit Gregerson, auch die Frauen waren dabei. Wiederum gab es keine Vorschrift, die das als ein Vergehen bezeichnete, das zum Gemeinschaftsentzug führen würde. Doch kurz darauf wurde ein neuer Artikel über diese „neue“ Politik der leitenden Körperschaft geschrieben. Das bedeutet: Jeder, der mit jemandem isst, dem die Gemeinschaft entzogen wurde oder der die Gemeinschaft verlassen hat, stünde selbst in der Gefahr, ausgeschlossen zu werden. Das Ergebnis? Ray Franz wurde nicht wegen Abtrünnigkeit ausgeschlossen, sondern wegen des „neuen Lichts“ der leitenden Körperschaft, dass ein Essen ein Verbrechen gegen Gott wäre, wenn daran Ausgeschlossene beteiligt seien. Merkwürdig, aber keine der beiden Frauen wurde ausgeschlossen. Vielleicht fand diese Politik damals nur auf Männer Anwendung. 

 

Diese Politik wurde dann geändert, als 1991 das neue „Herde“-Buch herauskam. In einer Nebenbemerkung auf Seite 104 wurde bei einem Ältestentreffen zum Kreiskongress vom 15. April 1997 diese Änderung angeboten. Dort wurden wir gebeten, hinzuzufügen, dass eine Mutter oder ein Vater mit einem Sohn oder einer Tochter essen könnten, wenn nichts Geistiges besprochen würde. Wenn die Mutter oder der Vater das tun wollten, würden sie einfach im selben Zusammenhang angesehen wie ein schlechtes Vorbild, und sie könnten keine Vorbildfunktionen in der Versammlung erfüllen wie Älteste, Dienstamtgehilfen oder Pioniere zu sein. Die besondere Anweisung im „Herde“-Buch in der Nebenbemerkung lautete: „Einem engen Verwandten eines Ausgeschlossenen würde normalerweise nicht die Gemeinschaft entzogen, wenn er mit diesem Umgang hat, es sei denn, er pflegt mit ihm geistige Gemeinschaft ...“

 

Ich frage mich, wie Dick Moreland, der Vorsitzende des Rechtskomitees im Falle Ray Franz, zu entscheiden in der Lage war, dass Franz und Gregerson geistige Gemeinschaft hatten, ihre Frauen aber nicht? Oder wenn entschieden wurde, dass zu der Zeit, als die Entscheidung getroffen wurde, keine geistige Gemeinschaft zwischen ihnen war, würde dann unter der neuen Änderung der Gemeinschaftsentzug gegen Ray Franz rückgängig gemacht werden? Oder könnte die leitende Körperschaft beschlossen haben, ihm „um jeden Preis die Gemeinschaft zu entziehen“? Hat Bruder Moreland wie ein geistig gesinnter Mann gehandelt und aufgrund der vorliegenden Tatsachen entschieden, oder hat er nur schnell gemäß der „neuen“ Politik der leitenden Körperschaft gehandelt? Anscheinend hat er das getan, was man ihm sagte, denn kurz danach wurde er zum Bezirksaufseher ernannt, und das ist er bis heute. Damals war er einfach ein Dampf machender Ältester, für die Gesellschaft die Kastanien aus dem Feuer holte. Anscheinend belohnt die leitende Körperschaft Personen gut, die Ehre und Aufrichtigkeit außer Acht lassen und ihren Befehlen gehorchen.

 

Nun gehe man fünf Jahre weiter. Mit den neuesten Erklärungen in der Beilage des Königreichsdienstes vom August  2002 ist diese Politik wieder geändert worden. Nach der „neuen“ Änderung heißt es, dass man ausgeschlossen werden kann, wenn man der Mutter oder dem Vater auch nur Guten Tag sagt. Diese neue Politik scheint die härteste gegenüber Ausgeschlossenen und Familienmitgliedern, die Zeugen Jehovas bleiben möchten, zu sein. Nimmt die leitende Körperschaft weitere Änderungen vor, wenn es darum geht, wie man sich um rechtliche Angelegenheiten kümmert? Liegt es ihr sehr am Herzen, diesen Schritt nur als letzten Ausweg zu gehen? Bei der Eile der neueren Rechtsfälle gegen Personen, die die Stimme erhoben haben, um Kinder zu schützen, scheint das nicht der Fall zu sein. Ich gebe ein paar Beispiele.

 

Nach der alten Verhandlungsordnung muss dass Rechtskomitee entweder mündlich, oder wenn die Umstände es erfordern, schriftlich über Zeit und Ort einer Verhandlung informieren. Wenn der Beschuldigte sich weigert, zu kommen, und wenn entsprechende Beweise vorliegen, wie ein Geständnis oder zwei oder drei Augenzeugen, kann die Verhandlung in Abwesenheit des Beklagten geführt werden. Wenn der Angeklagte bereit ist, zu kommen, wird das Rechtskomitee alles versuchen, für den Beschuldigten passende Vorkehrungen zu treffen, so dass er teilnehmen kann. Der Zweck ist: Dem Beschuldigten soll jede Gelegenheit gegeben werden, sich zu verteidigen, wenn er unschuldig ist, damit die Gerechtigkeit siegt.

 

Das war für viele Jahre die gültige, grundlegende Verfahrensvorschrift. Doch nun ist eine „neue“ Politik aufgekommen, ohne Zweifel auf Anweisung der leitenden Körperschaft. Und die geht so: Das Rechtskomitee fordert eine Zeit für die Verhandlung, und wenn das Rechtskomitee zu dieser Zeit nicht erscheinen will, dann muss es den Beschuldigten nicht informieren. Wenn der Beschuldigte bereit ist, zu kommen, und schriftlich um einen passenderen Zeitpunkt bittet, ignoriert das Rechtskomitee seine Bitte und hält eine geheime Verhandlung ab, um dem Beschuldigten die Gemeinschaft zu entziehen, ohne ihn von dem Treffen zu informieren. In Kürze wird sicher ein Wachtturm-Artikel über dieses „neue Licht“ nach Lust und Laune der leitenden Körperschaft zu erwarten sein.

 

Die zweite Verfahrensvorschrift bezieht sich auf Berufungskomitees. Nach alter Verhandlungsordnung muss der Beschuldigte kennzeichnenderweise schriftlich den Vorsitzenden des ursprünglichen Komitees darüber informieren, aus welchen Gründen er Berufung einlegen will. Der Vorsitzende informiert den Kreisaufseher, der dann ein Berufungskomitee aufstellt, das den Beschuldigten über Zeit und Ort der Berufungsverhandlung in Kenntnis setzt. Da der Beschuldigte schriftlich Berufung einlegen muss, wurde der Zeitplan für die Berufungsverhandlung, wenn die Umstände es erforderten, oft schriftlich mitgeteilt, so dass es bezüglich der Berufungsverhandlung keine Zweifel oder Missverständnisse gab. Die dahinter stehende Absicht war, dem Beschuldigten das Gefühl zu geben, dass sein Fall sorgfältig erwogen werde, um zu entscheiden, ob er vor dem ersten Komitee eine faire Verhandlung hatte. Beide Komitees kommen mit dem Beschuldigten zusammen, um zu entscheiden, ob bei dem Urteil ein Fehler gemacht wurde und/oder ob das ursprüngliche Komitee für die Festsetzung der Anschuldigung eine Grundlage hatte.   

 

Die „neue“ Verfahrensordnung schreibt vor, dass ein Versuch unternommen wird, den Beschuldigten mündlich zu informieren. Wenn ihm die Nachricht nicht zugeht, bestätigt das Berufungskomitee schnell die erste Entscheidung und gibt sie am ersten folgenden Donnerstag bekannt, ohne den Beschuldigten über die endgültigen Entscheidung zu informieren. Dem Beschuldigten bleibt nur zu fragen, was geschehen ist, bis er von einem Freund oder Verwandten informiert wird, der zufällig herausfindet, was geschehen ist.

 

Bei Barbara Anderson war es so, dass sie „innerhalb von zwei Tagen“ davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass an einem Sonntag eine Berufungsverhandlung stattfinden sollte. Sie bat um eine Verschiebung auf das folgende Wochenende, da sie zu dem geforderten Wochenende nicht in der Stadt sein würde. Das Berufungskomitee führte in einem örtlichen Motel eine geheime Verhandlung durch, von der Barbara nichts wusste und die weniger als eine Stunde dauerte. Der Vorsitzende des Berufungskomitees rief am nächsten Tag Barbaras Anwalt an und informierte ihn, dass die Entscheidung des ursprünglichen Komitees beibehalten würde.  Der Anwalt legte sofort in einem Brief Einspruch und Protest gegen die Entscheidung ein. Am folgenden Donnerstag wurde, ohne Barbara dies vorher zu sagen, bekannt gegeben, dass man ihr die Gemeinschaft entzogen hatte. Sie erhielt keine Antwort und keine Berufung, und es bestand auch nicht einmal ein Hauch des Versuches, dass man zu einer fairen und unparteiischen Entscheidung kommen wollte.

 

Zurück zu heute. Diesen Morgen nahm Dan McMullen, ein Ältester der Versammlung in Princeton, Kentucky, Verbindung mit mir auf. Ich war überrascht, ihn am Telefon zu haben, weil ich in meinem Berufungsschreiben noch einmal ausdrücklich gefordert hatte, dass alle Mitteilungen über meinen Anwalt laufen sollten. Als er mir sagte, er sei der Vorsitzende des Berufungskomitees, bat ich ihn sofort, doch bitte den Anweisungen in meinem Brief zu folgen und meinem Anwalt die Zeit für die Verhandlung mitzuteilen. Dann legte ich den Hörer auf. Man hat mir weder Tag noch Stunde für die Verhandlung mitgeteilt. Am Ende des Tages rief ich meinen Anwalt an, und er hatte keine Nachricht über die Berufungsverhandlung erhalten. So scheint das Berufungskomitee den gleichen Austragungsmodus wie bei Barbara Anderson zu wählen: Sie werden eine weitere geheime Verhandlung durchführen, die erste Entscheidung absegnen und an diesem Donnerstag bekannt geben, was dabei herausgekommen ist. Hört sich das für euch wie ein fairer und unparteiischer Prozess an?

 

Ich habe vor, bei der Zusammenkunft am Donnerstag anwesend zu sein. Wenn mich jemand begleiten möchte: Seine Unterstützung wird mir willkommen sein. Welche Absicht verfolge ich damit? Ich möchte sie wissen lassen, dass die Entscheidung eine Farce ist und dass sie sich schämen sollten, Menschen, die Kinder schützen, in dieser Weise zu behandeln. Ich habe vor, in der ersten Reihe zu sitzen, und wehe, sie machen die Ankündigung. Die Frage ist, wird die Menschenfurcht, die sie daran gehindert hat, sich mir bis jetzt zu stellen, sie wieder übermannen? Oder werden sie bereit sein, die Haltung der leitenden Körperschaft öffentlich zu machen, die das „Schlagen“ der Brüder und Schwestern orchestriert, indem sie diejenigen ausschließt, die wegen des Missbrauchs die Stimme erheben?

 

Kommt mit mir zur Zusammenkunft am Donnerstagabend, und wir werden zusammen die Antwort finden.  Donnerstag, 19:30 Ortszeit. Wegen der Einzelheiten ruft mich an: 270-527-5350.

 

Silentlambs