JEHOVAH'S WITNESSES OFFICE OF PUBLIC INFORMATION       

Erklärung zum Marsch von Silentlambs

27. September 2002

Wir achten die Redefreiheit einer Person. Tatsächlich leben wir als Zeugen Jehovas jeden Tag nach diesem Grundsatz. Unsere Politik der Behandlung von Kindesmissbrauch ist fortschrittlich und stark und schützt die Versammlung. 

        Wenn gegen ein Mitglied der Versammlung die Beschuldigung des Kindesmissbrauchs erhoben wird, werden die Ältesten sofort tätig, um die Sicherheit des Opfers und anderer Kinder sicherzustellen. Sie unternehmen auch jede Anstrengung, sich an das Gesetz zu halten. Das schließt die Befolgung von Gesetzen ein, nach denen eine Anzeige des Vorfalles bei den zuständigen Behörden Pflicht ist. Das wird selbst dann getan, wenn ein Kind die einzige Person ist, der das Fehlverhalten berichtet, oder wenn die Ältesten eine Missbrauchsbeschuldigung vertraulich erhielten. 

        Bei seltenen Gelegenheiten nimmt ein Glied einer Versammlung der Zeugen Jehovas die widerliche Angewohnheit des Kindesmissbrauchs auf oder kehrt zu ihr zurück. Selbst wenn er ausgiebige Beweise für aufrichtige Reue zeigt und mit seinem Fehlverhalten aufgehört hat, wird die Person deutlich von der Versammlung überwacht und nicht vor Strafuntersuchungen und o/oder -verfolgung geschützt. Selbst wenn heute Jahre vergangen sind, kommt er nicht für eine verantwortliche Stellung in der Versammlung in Frage. Er wird auch angewiesen, nicht unbeaufsichtigt mit Kindern zusammen zu sein, auch nicht beim öffentlichen Zeugnisgeben. Überdies werden die Ältesten der Zeugen Jehovas auf jedes frühere Verhalten einer solchen Person aufmerksam gemacht, um alle Kinder in der Versammlung, mit denen er in Kontakt kommt, zu schützen. Wenn er in eine andere Versammlung umzieht, werden die Ältesten in der neuen Versammlung benachrichtigt; sein Bericht geht mit ihm.

Doch wir wissen, dass einige, die hier heute marschieren, Missbrauchsopfer gewesen sind, und ihre herzerschütternden Geschichten machen uns tief traurig. Wir betrachten Kindesmissbrauch als widerliche, abnormale und verbrecherische Praktik an. Die Versammlung ist tätig, um Opfern von Kindesmissbrauch geistige und praktische Unterstützung zu geben, und sie konzentriert sich auf ihr Wohl. 

       Doch die Versammlung spricht erstrangig die geistige Seite des Themas an. Wir lassen die straf- und zivilrechtlichen Dinge in den Händen der Gerichte. Tatsächlich ist es schon seit Jahren unsere veröffentlichte Politik, den Leuten zu sagen, dass sie das Recht haben, Anzeige zu erstatten.

Zum Beispiel erinnerte Erwachet! vom 8. Oktober 1993 daran, dass einige Rechtsexperten den Rat gäben, so schnell wie möglich den Missbrauch bei den Behörden anzuzeigen. In einigen Ländern fordere dass Gesetz das auch. Und das Dokument „Jehovas Zeugen und der Schutz der Kinder“, das auf der autorisierten Website stand und auch an Ermittler verteilt wurde, erklärt: „Das Gesetz mag von den Ältesten fordern, selbst nicht bewiesene oder unbegründete Beschuldigungen den Behörden zu melden. Wenn das so ist, erwarten wir von den Ältesten, dass sie sich daran halten. Überdies mag das Opfer die Sache bei den Behörden anzeigen wollen, und es hat das absolute Recht dazu.“

Anfang dieses Jahres war unter anderen Einzelheiten in einem Brief an alle Versammlungen der Zeugen Jehovas in den Vereinigten Staaten dieser Abschnitt: „Wir weisen Älteste schon seit langem an, mutmaßlichen Kindesmissbrauch bei den Behörden anzuzeigen, wo das Gesetz dies fordert, selbst wenn es nur einen Zeugen gibt. (Römer 13:1) In jedem Fall wissen die Ältesten, wenn das Opfer Anzeige erstatten will, dann ist es sein absolutes Recht, das zu tun. - Galater 6:5.“ 

        Jehovas Zeugen glauben also, dass es das absolute Recht des Opfers, seiner Familie oder anderer Betroffener ist, die Sache den Behörden zu melden. Die Versammlung bestraft niemanden, der mutmaßlichen Kindesmissbrauch bei den Behörden anzeigt. Unsere Politik schreibt allerdings nicht alle Einzelheiten einer Meldung vor. Es gibt zu viele Variablen, um etwas über den Gehorsam gegenüber dem weltlichen Gesetz hinaus zu verlangen. 

        Jehovas Zeugen sind tätig, um Kinder zu schützen und zu verhindern, dass das Problem des Kindesmissbrauchs die Versammlung verseucht. Wir halten biblische Grundsätze hoch und befolgen das weltliche Gesetz. Jehovas sind überzeugt, dass es die wirkungsvollste Verteidigung gegen solch schreckliches, schädliches Verhalten ist, aufnahmebereite Menschen in den Gemeinden, in denen sie leben und arbeiten, die hohen moralischen Grundsätze und Werte der Bibel zu lehren und sie ihnen einzuflößen.