Joe Anderson schrieb diesen Rücktrittsbrief als Ältester, er wurde als Grundlage benutzt, um ihm vier Wochen später die Gemeinschaft zu entziehen.
Christenversammlung der Zeugen Jehovas
Dienstabteilung
2821 Route 22
Patterson, NY 12563-2237
Betreff: Rücktritt
Liebe Brüder,
dieser Brief betrifft meinen Wunsch,
nicht mehr als Ältester in der Versammlung Manchester,
Tennessee, zu dienen. In dem Wissen, was ich für das
Kinderschänderproblem in unserer Organisation und andere
Angelegenheiten hier in der Versammlung Manchester tue,
empfinde ich es als schwierig, noch weiter als Ältester zu
dienen. Wie wir als Älteste mit Beschuldigungen wegen
sexueller Belästigung in unserer Organisation umgehen, hat
mich zweifellos schon seit geraumer Zeit beunruhigt.
Es hat mich gefreut, dem Brief von J.
R. Brown vom 7. Februar 2002 an Dateline NBC zu
entnehmen, dass unsere Organisation Ansichten und Meinungen
von Einzelpersonen im Rahmen der Versammlung hören will.
Daher nehme ich mir die Zeit, darum zu bitten, dass Ihr
einige von meinen Meinungsverschiedenheiten gemäß
biblischen Grundsätzen löst.
Seit ich wegen meiner Frau Barbara in
unmittelbare Berührung mit dem Thema Kindesmissbrauch kam,
habe ich von Hunderten von Missbrauchsfällen gehört, die
von den Ältesten falsch gehandhabt wurden. Ohne Zweifel
sind viele Älteste unfähig, mit Missbrauchsanschuldigungen
richtig umzugehen, doch andere folgten mündlichen und
schriftlichen Anweisungen aus der Zentrale, die
unermessliches Leid und lebenslanges Unglück bei den Opfern
und ihren Familien verursachten. Fast jeden Tag in den
vergangenen Jahren habe ich Berichte gelesen, die mir meine
Frau geschickt hat – darin werden die unannehmbaren
Begegnungen mit Ältesten und mit der Gesellschaft
beschrieben, die sie praktisch bestraft und die Kinderschänder
geschützt hat. Ich weiß, dass die Zeugen Jehovas als
Gesamtheit, wie auch die Menschen außerhalb unserer
Organisation, Kinderschänder mehr hassen als Mörder, aber
ob sie das wirklich tun oder nicht, zeigt sich an ihren
Empfindungen und Taten.
Da Kinderschändung eine Tat im
Geheimen ist, und da wir, die Ältesten und die
Gesellschaft, dies noch dadurch verschlimmern, dass wir
solche Taten in unserer Gruppe geheim halten, machen sich
die Zeugen Illusionen, unsere Organisation habe kein Problem
mit sexueller Belästigung. Natürlich weiß jeder Älteste,
ob es in seiner Versammlung mutmaßliche oder geständige
Missbrauchstäter gibt, aber Älteste wissen nicht, ob es
Missbrauchstäter in anderen Versammlungen gibt. Weil die Ältesten
nicht in der Lage sind, wegen der Heimlichtuerei das Ausmaß
dieser Situation abzuschätzen, denken die meisten folglich,
es gäbe kein Problem. Weil nun die Medien über viele
beklagenswerte Fälle von Missbrauch berichten, sind viele
Älteste sehr verstört. Ohne Frage seid Ihr das auch, da
bin ich mir sicher.
Hier ein Beispiel, warum das
Geheimhalten von sexueller Belästigung vor der Versammlung
nicht funktioniert: Ich
kenne selbst eine Frau, die geschieden ist, und als ihre
kleine Tochter sexuell belästigt wurde, ging sie direkt zu
den Ältesten. Sie haben den Beschuldigten nicht bei der
Polizei angezeigt, obwohl Tennessee von Geistlichen fordert,
Kindesmissbrauch anzuzeigen. Es brauchte erst eine
Schwester, die Jahre später von der Vergewaltigung hörte
– sie ging zur Polizei. Das Ergebnis: Der Kinderschänder
wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Soweit ich weiß,
war dieser Mann schon vorher einmal beschuldigt worden, drei
Mädchen in einem anderen Bundesstaat belästigt zu haben,
und als er nach Tennessee umzog, wurden die Ältesten von
seiner Vergangenheit unterrichtet, und doch warnten sie auf
Anweisung der Gesellschaft hin niemanden in der Versammlung.
Ehe er verhaftet wurde, belästigte er noch zwei Mädchen in
Tennessee. Wer hatte also recht? Die Schwester, die ihn
anzeigte, oder die Ältesten, die das Geheimnis wahrten? In
unserer Versammlung hat ein Ältester den anderen Ältesten
erzählt, wenn jemand sein Kind belästigte, würde er erst
die Polizei und dann die Ältesten benachrichtigen. Ist Euch
bewusst, wie viele Älteste so empfinden? Ich weiß selbst,
dass viele Älteste meinen, sie könnten in solchen Fällen
wirklich nicht weiterhelfen. Und doch gebt Ihr die
Anweisung, eine Beschuldigung wegen sexuellen Missbrauchs in
der Versammlung müsse zuerst den Ältesten gemeldet werden.
In Erwachet! vom 8. Oktober 1993
heißt es, Kinderschänder wollten von ihren Opfern etwas
anders – „SCHWEIGEN“. Haben wir nicht zusammen mit dem
Kinderschänder Anteil an der Schuld, wenn wir Opfer nicht ermutigen,
zu den Behörden zu gehen, wo sie Hilfe erhalten? Wäre dies
nicht wirklich christlich? Haben wir nicht zusammen mit dem
Kinderschänder Anteil an der Schuld, der das Opfer mit
Drohungen zum Schweigen bringt, wenn wir Mitglieder in der
Versammlung mit Drohungen zum Schweigen bringen, wenn sie
andere warnen? In dem Brief vom 24. Mai 2002 an alle
Versammlungen in den Vereinigten Staaten habt Ihr gesagt:
„Selbst nur ein missbrauchtes Kind ist eines zu viel.“
Im selben Brief heißt es: „Wenigstens seit 1981 wurden in
unseren Zeitschriften ... Artikel im Hinblick auf eine Aufklärung
des Volkes Jehovas ... über die Notwendigkeit veröffentlicht,
Kinder vor Kindesmissbrauch zu schützen.“ Wie könnt Ihr
Jehovas Volk aufklären, wenn Ihr solche Geheimnisse wahrt?
Um in der Lage zu sein, ihre Kinder zu schützen, haben
Jehovas Zeugen im Sinne einer Aufklärung das Recht zu
erfahren, ob es in der Versammlung Personen gibt, die des
sexuellen Missbrauchs beschuldigt sind.
Übrigens scheint mir, wenn besorgte
Personen nicht wegen der Probleme mit Kindesmissbrauch in
unserer Organisation an die Medien gegangen wären, dass wäre
dieses Thema nicht bei der Ältestenschule im vergangenen
Jahr angesprochen worden. Es war offensichtlich, dass in der
Erklärung „Kindesmissbrauch ist ein Verbrechen“ eine
Einstellungsänderung zum Ausdruck kam. Jetzt behandeln Älteste
sexuelle Belästigung nicht mehr als Sünde wie Ehebruch
oder Hurerei, sondern als etwas weitaus Ernsteres, als
Verbrechen. Das war eine willkommene Änderung.
Neulich erzählte mir eine Frau, die
einmal eine Zeugin war, nachdem sie in unserer örtlichen
Zeitung einen Artikel über die Zeugen Jehovas und die
Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs gelesen hatte, sie
sei vor vielen Jahren von jemandem sexuell belästigt
worden, der in die Versammlung Manchester ging. Ich kenne
ihre Familie mehr als 25 Jahre lang und erinnere mich an sie
als junges Mädchen. Der Mann, den sie beschuldigte, war
seit über 30 Jahren ein guter Freund von mir. Wenn ich nun
mit einem weiteren Ältesten zu meinem Freund gehe und ihn
damit konfrontiere und er die Beschuldigung abstreitet,
befinde ich mich in einem Dilemma, weil ich will, dass er
nicht schuldig ist. Wie kann ich Gerechtigkeit üben, wenn
ich parteilich bin? Natürlich könnte ich mich dieser
Situation entziehen, aber warum sollten wir auch nur in eine
solche Lage versetzt werden und unsere Brüder in solchen
Angelegenheiten, wo es zur Lösung der Weisheit eines Salomo
bedarf, richten? Gemäß Erwachet! vom 8. Oktober
1993 ist es unwahrscheinlich, dass ein Kind, das jemanden
der sexuellen Belästigung beschuldigt, lügt. Ich glaube
jedoch, es ist besser, sich im Interesse des Kindes, als
sich im Interesse der Angeklagten zu irren. Aber die Frage
entsteht, warum wir als Älteste dieses Verbrechen des
Kindesmissbrauchs überhaupt untersuchen. Können wir als Älteste
wirklich jemanden, der beschuldigt wird, als Missbrauchstäter
identifizieren?
Natürlich muss etwas geschehen, wenn
Beschuldigungen erhoben werden, aber nicht bewiesen werden können.
Die meisten Zeugen jedoch möchten Situationen wie diese der
Hand Jehovas überlassen. Für mich ist das ein Abwälzen
der Verantwortung. Unsere Organisation hat Richtlinien, um
Streitigkeiten beizulegen und die Wahrheit aufzudecken, aber
in einem Fall wie oben, wo der Beschuldigte die Anklage
bestreitet, ist die Untersuchung zu Ende, bis jemand anderer
vortritt und dieselbe Person anklagt (etwas, das selten
passiert). Wenn man den Ältesten gesagt hat, sexuelle Belästigung
sei ein Verbrechen, warum können unsere Brüder dann nicht
mit der Anklage zuerst zu den Behörden gehen und erst dann
die Ältesten informieren? Wir erwarten, dass unsere Brüder
zuerst zu den Behörden gehen, wenn es sich um Mord handelt.
Überdies ist es undenkbar, dass Älteste eine Mordanklage
untersuchen, um Schuld oder Unschuld festzustellen. Warum
sollten wir dann eine Missbrauchsanklage untersuchen, um
Schuld oder Unschuld festzustellen? Das ist einfach nicht
unser Fachgebiet. Wir sind Diener Gottes, keine Polizisten.
Die Behörden und ihre Experten für Kindesmissbrauch machen
manchmal Fehler, aber
diese Fehler sind nichts gegen den Fehler, einfach nur den
Angeklagten zu fragen: „Hast du es getan?“, und es dann
bei der Antwort „Nein“ bewenden zu lassen. Wenn es
keinen weiteren Tatzeugen gibt, werden alle Anschuldigungen
fallen gelassen, die Akten geschlossen und wird das Opfer
gewarnt, darüber zu reden oder sonst etwas zu tun.
Das führt mich zu dem Punkt, dass
Opfer einen weiteren Zeugen für den Missbrauch beibringen müssen.
In dieser Vorschrift stecken innere Widersprüche. In der
Vergangenheit wurde in der Wachtturm-Literatur erklärt, für
jede Tat müsse es zwei Zeugen geben, ehe rechtliche
Schritte unternommen werden könnten. Jetzt gibt es etwas
Neues: „Wenn jedoch zwei Personen Zeugen getrennter Vorfälle
derselben Art von Vergehen sind, dann kann ihre Aussage als
hinreichend angesehen werden, um etwas zu unternehmen.“
Was gilt nun? Und was soll unternommen werden? Rechtliche
Schritte, die zu einem Gemeinschaftsentzug führen können?
Oder eine Untersuchung, die zur Feststellung der Schuld und
dann zu einer Anzeige wegen der Anschuldigung bei den Behörden
führt? Wenn unsere Lehren bedeuten, dass wir das obige
Kriterium erfüllen müssen, ehe wir bei den Behörden
Anzeige erstatten, wie viele Älteste meinen, dann sage ich:
„NEIN!“ Wir sollten uns nicht auf die
Zwei-Zeugen-Vorschrift berufen, wenn es darum geht, ob Älteste
eine Anschuldigungen den Behörden melden. Tatsächlich
glaube ich, und ich will das wiederholen, dass die Ältesten
keine Anklage wegen Kindesmissbrauchs untersuchen sollten,
bevor die Behörden zu Rate gezogen werden.
Der Herde sagt man, die Ältesten seien
liebevoll, freundlich und empfindsam. Doch immer wieder habe
ich von äußerst ignorantem oder noch schlimmerem Verhalten
auf Seiten der Ältesten gehört, wenn sie mit Fällen von
sexuellem Missbrauch zu tun hatten. So hat beispielsweise
ein Mädchen in unserem Kreis ihren Großvater beschuldigt,
er habe sie sexuell belästigt. Ihre Mutter ging zur
Polizei, und der Mann (ein Bruder) gab seine Schuld zu. Man
sagte mir, der Fall sei zur Zufriedenheit aller Beteiligten
behandelt worden, außer dass der vorsitzführende Aufseher,
als sich die Mutter an ihn wandte, sagte: „Wenn es ein
Trost für dich ist, deine Tochter hat die Tat genossen!“
Die Mutter verließ die Organisation, weil sie nicht mit der
Vorstellung umgehen konnte, dass dieser Mann ihr geistiger
Hirte war!
Mir kommt ein weiterer Fall in den
Sinn: Eine Schwester berichtete, sie sei im Alter von acht
Jahren sexuell belästigt worden. Der Mann gestand, aber
dann fragte einer der Ältesten sie: „Was für eine
Kleidung hast du getragen?“ Man hat sie angewiesen, ihren
Frieden mit dem Täter zu machen, und ihrer Familie riet
man, ihn zum Essen einzuladen. Es ist offensichtlich, dass
eine Frage und ein Rat wie hier beweisen, dass Älteste
nicht befähigt sind und nicht eingeschaltet werden sollten.
Wenn ich Hunderte solcher Fälle kenne, müsst Ihr von
Tausenden wissen.
Kinder und Frauen sind sehr verletzlich
in dieser von Männern dominierten Welt, und das stimmt auch
in unserer Organisation. Ich habe oftmals Jakobus 1:27
zitiert und habe es ebenso oft von der Bühne her zitiert
gehört. Natürlich kennt ihr diese Schriftstelle
gut, wo Jakobus sagte: „Die Form der Anbetung, die
vom Standpunkt unseres Gottes und Vaters aus rein und
unbefleckt ist, ist diese: nach Waisen und Witwen in ihrer
Drangsal zu sehen und sich selbst von der Welt ohne Flecken
zu bewahren.“ Gewöhnlich haben wir den Schluss dieser
Bibelstelle betont und selten die Situation analysiert, in
der sich Waisen und Witwen befanden, wenn der Ehemann und
Vater starb. Vor allem waren sie ohne Beschützer, was sie
äußerst verletzlich machte. Obwohl sich die Situation
heute etwas geändert hat, gibt es immer noch viele Gebiete,
auf denen Waisen und Witwen Hilfe benötigen,
und Älteste sollten sich ihrer Bedürfnisse in
besonderem Maße annehmen. Besonders ist das so bei
Menschen, die sexuell missbraucht wurden. Wer sind ihre
Beschützer, wenn nicht die, die man mit geistigen Vätern
vergleichen kann – die Ältesten. Gott stellt diese
Personen unter unsere und auch Eure Fürsorge. Was immer es
erfordert, wir sollten die Extrameile gehen, um
missbrauchten Menschen zu helfen. Es scheint jedoch, dass
unsere Organisation eher ein Kind opfert und die Person behält,
die abstreitet, das Kind missbraucht zu haben.
In Eurem Brief an alle Ältestenschaften
vom 15. Februar 2002 gebt Ihr die Anweisung an uns: „Legt
niemandem nahe, er solle die Sache nicht bei der Polizei
oder bei anderen Behörden anzeigen.“ Warum sollten Älteste
in die Lage versetzt werden, jemandem nahe zu legen oder
auch nicht, eine Beschuldigung anzuzeigen? Dem Opfer oder
den Sorgeberechtigten und dem Rest der Zeugen Jehovas sollte
von den Ältesten gesagt werden, dass sie immer die Polizei
rufen sollten, wenn ein Verbrechen begangen wurde, und zwar
ohne Wenn und Aber.
In
demselben Brief vom 15. Februar 2002 sagt ihr auch: „Wenn
ihr gefragt werdet, stellt klar, dass es die persönliche
Entscheidung eines jeden ist, ob er die Sache anzeigen soll
...“ Das ist eine unrichtige und in 17 Bundesstaaten
ungesetzliche Information. In diesen 17 Staaten ist jeder
verpflichtet, selbst nur einen Verdacht auf Kindesmissbrauch
anzuzeigen. In Tennessee ist das seit 1972 Gesetz. In
Kentucky lautet das Gesetz ebenso. Und warum sollte jemand
in der Rechtsabteilung Bill Bowen, einem Einwohner von
Kentucky, wie in Dateline zu sehen, sagen, er solle
einen Fall von sexueller Belästigung nicht anzeigen? Was
tut die Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft, dass sie
uns Falschinformationen wie die obenstehende gibt?
Im
Wachtturm vom 1. Januar 1997 findet sich eine Erklärung
zu Verfahrensvorschriften, dass jemand, der als Missbrauchstäter
bekannt
ist, keine Machtstellung in der Versammlung innehaben kann.
Diese Vorschrift ist sicher willkommen und zeigt Eure Sorge
um den Schutz der Herde. Doch das Wort „bekannt“ scheint
ein verwirrendes Problem zu sein. Wem ist derjenige
„bekannt“? Den Ältesten – liegt die Feststellung von
Schuld oder Unschuld in ihren Händen? Was ist, wenn das
Opfer den Ältesten nicht beweisen kann, dass es sexuell belästigt
wurde, weil es nicht in der Lage ist, einen zweiten Zeugen für
die Tat vorzuweisen. Bedeutet das, dass der Beschuldigte
dann in seiner Stellung bleibt? Ich glaube, dass er das
bleibt, weil er in diesem Fall bei den Ältesten als
unschuldig „bekannt“, von ihnen als unschuldig angesehen
wird. (Er ist dann nicht als Kinderschänder „bekannt“.)
Ältesten sollte nie die Macht gegeben werden, zu
entscheiden, wer ein „bekannter“ Kinderschänder ist
oder nicht, weil sie nicht darin geschult und nicht dazu befähigt
sind. Diese Vorschrift setzt Kinder in der Versammlung einer
Gefahr aus und sollte neu abgewogen werden.
In
Eurer Erklärung im Brief vom 24. Mai 2002 an alle
Versammlungen sagt Ihr: „Wir weisen die Ältesten seit
langem an, Beschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs den Behörden
zu melden, wo
das Gesetz das fordert ...“Was
Gott angeht: Wenn dies ein Verbrechen ist, dann ist es überall
ein Verbrechen. Wenn es in einem Bundesstaat Unrecht ist,
warum nicht in anderen? Und wenn es ein Unrecht ist, sollten
wir das Richtige tun, ob die Gesetze eines Landes etwas
fordern oder nicht. Sollen wir nicht moralisch besser sein
als die Welt? Machen wir aus Gewissensgründen nicht einen
oder zwei Extraschritte? Etwas anderes aus der obigen Erklärung.
Ihr sagt: „Wir weisen die Ältesten seit langem an,
Beschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs den Behörden zu
melden ...“ Wo steht als Vorschrift geschrieben, dass Älteste
angewiesen werden, Kindesmissbrauch den Behörden zu melden?
Eure oben angeführte Erklärung ist eine Halbwahrheit und führt
den Leser in die Irre. Was nicht deutlich wird: Die Ältesten
haben schriftliche Anweisungen, die
Rechtsabteilung anzurufen,
wo man ihnen sagt, wenn ihr Bundesstaat von einem
Geistlichen verlangt, eine Beschuldigung zu melden, dann
sollten sie das tun. Das ist etwas ganz anderes als: „Wir
weisen die Ältesten seit langem an, Beschuldigungen wegen
Kindesmissbrauchs den Behörden zu melden ...“
Ein
weiterer Punkt, den ich mit Euch besprechen möchte, ist der
kürzlich erfolgte Gemeinschaftsentzug meiner Frau Barbara.
Die für den Ausschluss benutzte Bibelstelle steht in 1.
Korinther 5:1-12. In dem Brief von L. Seely, dem vorsitzführenden
Aufseher der Versammlung Manchester, hieß es, Barbara sei
ausgeschlossen worden, weil sie Spaltungen verursacht habe,
nicht weil sie irgendeine der von Paulus in 1. Korinther
5:1-12 beschriebenen bösen Taten begangen habe, d.h. grobe
Boshaftigkeit, sexuelle Unmoral usw. Es war J. R. Brown, der
Sprecher der Gesellschaft, der meine Frau beschuldigte,
nicht näher bezeichnete „geistige Vergehen“ oder „Sünden“
begangen zu haben, wegen derer sie vor ein Rechtskomitee
zitiert wurde. Das hat ganz sicher den Ruf meiner Frau vor
der ganzen Welt befleckt, da zu der Zeit und auch zu keinem
anderen Zeitpunkt ein Beweis dafür geboten wurde.
Es
war die Wachtturm-Gesellschaft, die Barbara zwang, wegen der
Verhandlung vor dem Rechtskomitee, das die Ortsversammlung
auf Befehl der Wachtturm-Rechtsabteilung einberief, an die
Medien zu gehen. Es ist offensichtlich, dass sie Spaltungen
unter der Herde verursachte, als sie sich wegen des Themas
sexueller Missbrauch an die Medien wandte. Warum hat J. R.
Brown das nicht einfach gesagt, anstatt sie wegen „Sünden“
anzuklagen und ihren Ruf zu beschmutzen? Das war so, weil
die Weltzentrale wusste, dass es überhaupt keinen Beweis
dafür gab, dass sie Spaltungen verursachte, indem sie ihre
Ansichten über Kindesmissbrauch bekannt machte, ehe sie
sich an die Medien wandte.
Wenn
Barbara ausgeschlossen wurde, weil sie Spaltungen
verursachte, hätte auch der Apostel Paulus aus demselben
Grund ausgeschlossen werden müssen, weil er sensationelle
sexuelle Unmoral in der Korinther Versammlung bekannt
machte. Er hat nicht nur mit der Korinther Versammlung
besprochen, wie er darüber dachte, dass die Versammlung
einen Fall von Hurerei in ihrer Mitte vertuschte, er hat
seine Anschuldigungen auch aufgezeichnet, so dass sie von
Millionen von Menschen in den vergangenen 2.000 Jahren in
der Bibel gelesen werden konnten. War es in Ordnung, dass
Paulus an die Öffentlichkeit ging und ein skandalöses
Verhalten aufdeckte, das in der Versammlung gutgeheißen
wurde, meine Frau aber bestraft wird, wenn sie damit an die
Öffentlichkeit geht, dass die Organisation unmoralische
Personen durch eine schlimme Politik gutheißt und schützt?
Und weiter: Indem 1. Korinther 5 als Grund für ihren
Gemeinschaftsentzug angewandt wurde, hat man ihr Verhalten
mit den bösen und unmoralischen Taten, die dort genannt
werden, gleichgesetzt. Ich halte das für unchristlich. Ich
glaube auch, dass der Gemeinschaftsentzug meiner Frau eine
Verletzung des Gebotes des Apostel Paulus darstellt, dass
jeder von uns daran arbeiten sollte, die Versammlung rein zu
halten, egal um welchen Preis. Und dann ist ihr
Gemeinschaftsentzug, weil sie Spaltungen verursacht haben
soll, indem sie öffentlich über Unreinheit in unserer
Organisation die Stimme erhob, eine Verletzung der Freiheit
der Rede, die Christus uns brachte.
Insofern
ich mich nicht von Euren Richtlinien zu Kindesmissbrauch
leiten lassen kann, ist es schwer für mich, noch weiter Ältester
zu bleiben. Ich erwarte keine Antwort auf diesen Brief. Wenn
es irgendwelche Änderungen in Eurer Politik gibt, dann bin
ich sicher, dass sie in unseren Publikationen erscheinen
werden.
Danke,
dass Ihr diesen Brief betrachtet habt. Ich hoffe nicht
weniger, als dass im Sinne der Opfer und derer, die die
Stimme erheben, christlich gehandelt wird.
Hochachtungsvoll
A.
J. Anderson
Kopie:
Versammlung der Zeugen Jehovas in Manchester, Tennessee