18. Juli 2002 

An die Ältestenschaft der Versammlung Draffenville

Vorsitzender Ron Carey 

Liebe Brüder, 

ich bestätige, Euren Brief vom 15. Juli erhalten zu haben, sowie Euer erneutes Interesse, eine neue Rechtskomiteesitzung anzuberaumen. Wie Ihr Euch vielleicht erinnert, schickte mein Anwalt Euch einen Brief (6. Juni 2002) mit klaren und präzisen Anforderungen von Informationen. Indem Ihr den Brief vom 6. Juni nicht beantwortet habt, habt Ihr ein zweites vorgesehenes Treffen am 28. Juni, dem ich bereitwillig zustimmte, das Ihr aber in keiner Weise bestätigt habt, ausfallen lassen. Aufgrund von Umständen, auf die ich keinen Einfluss habe, kann ich nicht mit Euch am 24. Juli zusammenkommen. Ich werde gerne einen Zeitpunkt vorsehen, der für alle Beteiligten annehmbar ist. 

Ich habe mit Interesse bemerkt, dass Ron Cary aus Central City jetzt zum Vorsitzenden ernannt wurde? Ist er nach Draffenville umgezogen? Vertritt er die Versammlung Draffenville für das Hauptbüro der Wachtturm-Gesellschaft? Das muss geklärt werden, weil ich verwirrt bin, warum Ron Cary damit befasst ist, weil er mehr als anderthalb Stunden von Draffenville entfernt lebt. Der Grund für meine Besorgnis in dieser Hinsicht liegt in den Anweisungen des Ältestenhandbuchs „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“, wo es in dieser Hinsicht auf Seite 109 heißt: 

Wird ein Rechtskomitee benötigt, sollen die im Königreichssaal anwesenden Ältesten bestimmen, welche Ältesten im Komitee diesen sollen und wer den Vorsitz übernimmt. Die Ältesten werden dabei in Betracht ziehen, welche Ältesten sich für die Behandlung eines Falles dieser Art am besten eignen (km 9/77, S. 5, 6). 

Warum benötigt die Versammlung in Draffenville einen Kongressaufseher Ron Cary, wenn sie bereits fünf Älteste in der „örtlichen“ Ältestenschaft hat? Hat die örtliche Ältestenschaft Ron Cary angerufen und gebeten, die lange Fahrt von Central City zu unternehmen? Wenn das so ist, würde ich gerne eine Erklärung hören, warum das nötig ist oder wer Bruder Cary gebeten hat. 

Im Brief vom 15. Juli erwähnte Ron, er wünsche, mit „gebührendem Respekt ... der einem Ältesten zukommt, der den Vorsitz hat“, behandelt zu werden. Ich finde das bemerkenswert, weil ich als Mitältester dieselbe Bitte in meinem Interesse äußere. Die Frage ist, bin ich mit „gebührendem Respekt“ behandelt worden, als Ihr auf Anweisung des Hauptbüros falsche Anschuldigungen gegen mich vorgebracht habt? Ich möchte das an ein paar Beispielen erklären: 

1.      Ihr seid nicht erschienen oder habt die vorher abgesprochene Komiteesitzung nicht „schriftlich“ mitgeteilt, als ich unter großen Kosten in gutem Glauben da war, um mit dem Komitee zusammenzukommen.

2.      Ihr habt alle Fragen, die ich seit Januar 2001 über bedenkliche Handlungen gegen meinen guten Ruf in der Versammlung und im Ort gestellt habe, völlig ignoriert.

3.      Ihr habt versucht, innerhalb von 24 Stunden eine Rechtskomiteesitzung anzuberaumen und damit meine Zeugen davon abzuhalten, zu meinen Gunsten zu erscheinen.

4.      Ihr habt versucht, an einem Mittwoch eine Rechtskomiteesitzung anzuberaumen und damit meine Zeugen davon abzuhalten, zu meinen Gunsten zu erscheinen.

5.      Ihr seid nicht zur zweiten Rechtkomiteesitzung erschienen, von der Euch mein Anwalt schriftlich in Kenntnis setzte, dass ich bereit war, zu erscheinen, aber wiederum habt Ihr den Termin nicht bestätigt oder anders Verbindung mit mir aufgenommen.

6.      Ich habt meine Familie und mich selbst schikaniert, indem Ihr unbefugt mein Grundstück betreten, schikanöse Anrufe getätigt und Briefe geschickt habt, nachdem ich wiederholt darum gebeten habe, den ganzen Schriftverkehr nur über meinen Anwalt laufen zu lassen. 

In dem Handbuch, das Ihr benutzt, um solche Dinge zu entscheiden, heißt es in dieser Hinsicht auf Seite 107: 

Sie müssen jeden stets unparteiisch behandeln und den Wunsch haben, dass der in geistiger Hinsicht Kranke wieder gesund wird, denn ein diesbezügliches Versäumnis wäre Unrecht und eine Verletzung des Gesetzes der Liebe (1. Tim. 5:21; Jak. 2:1-9; 5:14, 15; w77 1.6. S.338-344). 

Habt Ihr mich mit „gebührendem Respekt“ behandelt und mir die Hoffnung auf eine „faire und unparteiische Anhörung“ gegeben, gemessen an dem, wie Ihr und andere Wachtturm-Vertreter bis heute gehandelt habt? Wie gebt Ihr mir in irgendeinem Sinne das Empfinden, Ihr möchtet, dass ich wieder „gesund“ werde, wenn Ihr durch Eure Handlungsweise zeigt, dass Ihr mir die grundlegenden Menschenrechte bestreitet? In Eurem eigenen Handbuch wird dies als „Unrecht und eine Verletzung des Gesetzes der Liebe“ bezeichnet. Ich hätte auf diese Frage gerne eine klare Aussage. 

Es scheint so, dass Ihr eine neue Anhörung mit einem dritten Vorsitzenden anberaumen wollt. Da Ihr es versäumt habt, zu zwei vorherigen Treffen, die schriftlich ausgemacht waren, zu erscheinen, welchen Grund soll ich da haben zu glauben, Ihr würdet diesmal erscheinen? Bis heute hat Eure Handlungsweise das Gegenteil gezeigt. Aufgrund der Unbequemlichkeiten, die Ihr meinen Zeugen und mir selbst durch eure grobe Nachlässigkeit in dieser Sache bereitet habt, muss ich in Übereinstimmung mit dem „gebührenden Respekt“ folgendes fordern: 

1.      Was sind die Anklagepunkte gegen mich? Seid bitte genau, da mir unklar ist, worum es bei dieser neuen Anhörung eigentlich geht.

2.      Wenn Ihr eine neue Anhörung anberaumen wollt, benötige ich wenigstens zwei Wochen ab Briefeingang, um in meinem Terminkalender eine Anhörung zu planen.

3.      Ich fordere von Euch, dass Ihr das Treffen nicht auf einen Wochentag setzt, weil das eine Härte für meine Zeugen, die in meinem Interesse erscheinen sollen, darstellt. Daher fordere ich, nur einen Samstag oder einen Sonntag vorzusehen. Euch ist sicher bewusst, was auf der Seite 110 des „Herde“-Buches steht: Zeit und Ort der Verhandlung sollen vereinbart werden. Bedeutet das nicht Vorkehrungen, die dem Angeklagten und seinen Zeugen passen?

4.      Ich fordere, dass die Verhandlung auf einen Termin am „Nachmittag“ gelegt wird.

5.      Ich fordere, dass Ihr bei der Verhandlung keine Tonaufnahmegeräte laufen lasst.

6.      Ich fordere, dass keine Anwälte im Interesse der Wachtturm-Gesellschaft anwesend sind.

7.      Ich fordere ein einfaches Komitee aus drei Personen mit keinen Beobachtern. Im „Herde“-Buch heißt es auf Seite 109: Bei einem komplizierten Fall muss das Rechtskomitee nicht auf drei Personen beschränkt bleiben; wenn es ratsam erscheint, können vier oder sogar fünf erfahrene Älteste eingesetzt werden. Da es sich hier um den einfachen Fall einer falschen Anschuldigung handelt, scheint er nicht zu kompliziert für die Behandlung durch drei Älteste zu sein. Wenn Ihr vorhabt, dass mehr als drei Älteste anwesend sind, dann möchte ich darüber und über die Gründe für eine solche Entscheidung im Voraus informiert werden. Wenn Ihr dies versäumt und bei meiner Ankunft mehr als drei Personen im Komitee sitzen, werde ich das sicher als Mangel an „gebührendem Respekt“ ansehen, weil Ihr mich nicht im Voraus informiert habt, was ich zu erwarten habe.

8.      Meine Zeugen haben mich gebeten, in ihrem Interesse zu handeln. Daher fordere ich von Euch einen Scheck in Höhe von 2.945,25 Dollar, den Ihr bitte an Silentlambs schickt, für Reisespesen, damit meine Zeugen zu einer neuen Verhandlung wiederkommen und zu meinen Gunsten aussagen können.

9.      Ich fordere, dass JEGLICHER BIREFVERKEHR über meinen Anwalt geht. Ihr habt zweifellos auf den Rat der Wachtturm-Rechtsabteilung hin  meine wiederholten diesbezüglichen Forderungen ignoriert, aber Ihr müsst trotzdem AUFHÖREN, MICH ZU SCHIKANIEREN. Wenn Ihr das nicht tut, werde ich gezwungen sein, mich an den „Cäsar“ um Abhilfe zu wenden. 

Es stimmt mich traurig, dass ich die obigen Forderungen aufstellen muss, aber durch Eure Handlungsweise habt Ihr „Eure Brüder geschlagen“. Ihr habt meine Familie schikaniert; Ihr habt Rechtskomiteeverhandlungen anberaumt, die belastend sind; Ihr seid nicht erschienen und habt damit Missbrauchsüberlebenden, die aus großen Entfernungen angereist sind, um mit Euch zusammenzukommen und ihre Aussage zu machen, Unannehmlichkeiten bereitet. 

In einem Brief vom 7. Februar 2002 an Richard Greenberg von Dateline hat J. R. Brown folgendes erklärt: 

Wir sehen sie daher nicht als Gegner an, sondern als Einzelpersonen, deren Ansichten und Meinungen im Rahmen der Versammlung oder Kirche, und nicht vor einem landesweiten Fernsehpublikum, gehört werden sollten. Unsere leitende Körperschaft ist bereit, Meinungsverschiedenheiten im Rahmen der Versammlung und gemäß biblischen Grundsätzen zu lösen. 

Das ist also die Art, wie „unsere leitende Körperschaft Meinungsverschiedenheiten löst“? Sie schickt Älteste von auswärts, die ein Rechtskomitee schaffen, mit falschen Anschuldigungen und um allen, die im Programm aufgetreten sind, die Gemeinschaft zu entziehen? Bestätigt das nicht genau die Beschuldigung, die ich seit Anfang an erhoben habe, nämlich, wenn Missbrauchsopfer die Stimme erheben, werden sie mit der Drohung mit einem Gemeinschaftsentzug zum Schweigen gebracht? Ist die Verhaltensweise, Brüdern und Schwestern in Hinterzimmern die Gemeinschaft zu entziehen, anstatt sich den legitimen Anschuldigungen in einem öffentlichen Forum zu stellen, nicht feige? Anscheinend ist „unsere leitende Körperschaft“ völlig bereit, J. R. Brown von der Wachtturm-Öffentlichkeitsarbeit zu ermächtigen, Personen zu verleumden, die in Dateline auftraten und erklärten, sie seien wegen „anderer Sünden“ ausgeschlossen worden, die nicht damit in Verbindung stehen, dass sie in landesweiten Zeitungen die Stimme wegen des Kindesmissbrauchs erhoben haben. Könnte es sein, dass „unsere leitende Körperschaft“ J. R. Brown und Richard Greenberg angelogen hat? Könnte sie auch euch anlügen? 

Ich weiß, dass diese Fragen verwirrend sind, so wie sie auch mich wegen der Verhaltensweise des letzten Jahres verwirrt haben. Aus diesem Grunde habe ich auch gefordert, „im Rahmen der Versammlung und gemäß biblischen Grundsätzen“ am 27. September dieses Jahres ein Treffen mit der leitenden Körperschaft zu haben. Da sie und das Dienstkomitee genau von meiner Forderung nach einem Treffen in einem gefaxten Brief vom 6. Juni 2002 Bescheid wissen, warum ermächtigen sie euch dann zur Anberaumung einer Verhandlung vor einem Rechtskomitee? Würde es nicht mehr Sinn machen, unsere Meinungsverschiedenheiten zu jenem Zeitpunkt zu lösen? Wenn ihr andererseits von meinem Treffen mit der leitenden Körperschaft wisst, dann würde ich eine Erklärung über die Inkonsequenz eures Verhaltens begrüßen. 

Ich sehe, dass ihr sozusagen „zwischen allen Stühlen sitzt“, aber ich möchte euch ermuntern, noch einmal ernsthaft darüber nachzudenken, dass ihr zu dieser Zeit die Angelegenheit vorantreibt. Als Beweis meiner Aufrichtigkeit, den Streit beilegen zu wollen, bin ich bereit, nach Brooklyn, New York, zu fahren und mich dort mit Leuten zu treffen. Ich werde gerne mit euch zusammenkommen. Ich fordere aber den „gebührenden Respekt“, da ihr in dieser Hinsicht bis jetzt erbärmlich versagt habt. Denkt darüber nach, denn als Konsequenz eures Verhaltens werden viele Kinder entweder Nutzen ziehen oder leiden. Im „Herde“-Buch heißt es: 

Älteste, die für diese Aufgabe berufen werden, müssen himmlische Weisheit bekunden, ein gutes Urteilsvermögen besitzen und unparteiisch sein (5. Mose 1:13, 16-18). Eine gute Kenntnis der gerechten Gesetze und Grundsätze Jehovas ist erforderlich (Ps. 19:7-11). Sie müssen die Angelegenheit sorgfältig erwägen und sich bewusst sein, dass aufgrund bestimmter Faktoren jeder Fall anders liegt. 

Älteste sollten sich von Grundsätzen leiten lassen, statt sich an starre Regeln zu halten, und jeden Fall nach dem speziellen Tatbestand beurteilen. Vor der Behandlung eines Rechtsfalls sollten Älteste die Teile 5(a), 5(b) und 5(c) gründlich wiederholen. Möglicherweise müssen sie auch in den Veröffentlichungen der Gesellschaft und in Briefen jüngeren Datums von der Gesellschaft nachforschen, um passenden oder hilfreichen Aufschluss zu finden. Älteste können die Zuversicht hegen, mit genauer Erkenntnis, mit Erfahrung und Unterscheidungsvermögen sowie mit der Hilfe des Geistes Gottes gerecht, weise und barmherzig richten zu können. 

Ich ermuntere euch, Brüder, dies sorgfältig zu erwägen und eine Entscheidung zu treffen, die der Herde nutzen wird. Ist es nicht das, was von uns Ältesten gefordert wird? Ich warte auch eine schnelle Antwort auf diesen Brief und sende euch Grüße christlicher Verbundenheit. 

Hochachtungsvoll 

William H. Bowen