Opfer von Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas suchen Gerechtigkeit

8. August 2001 

        Opfer von Kindesmissbrauch haben einen Prozess gegen die Watchtower Bible and Tract Society angestrengt, die Körperschaft, die die Organisation der Zeugen Jehovas überwacht. Die Anwaltskanzlei Reinhardt and Anderson in Saint Paul, Minnesota, reichte die erste von mehreren Klagen zugunsten von Opfern ein, denen durch die Wachtturm-Politik, angezeigten sexuellen Missbrauch von Kindern nicht zur Kenntnis zu nehmen, Schaden zugefügt wurde. 

          Die Organisation der Zeugen Jehovas ist eine geschlossene Gesellschaft, die von ihren Mitgliedern fordert, sich mit allen Problemen an die Organisation zu wenden, statt außerhalb nach Hilfe zu suchen. Diese Praxis steht im Widerspruch zu Gesetzen, die die Anzeige eines mutmaßlichen sexuellen Kindesmissbrauchs fordern. Opferanwalt Jeff Anderson stellt fest: „Sexueller Missbrauch von Kindern wird nirgendwo toleriert. Seit Gesetze gelten, die Kinder schützen, wie z.B. Gesetze, die die Benachrichtigung der Nachbarschaft fordern, und Bestimmungen, die eine Anzeige zur Pflicht machen, sind die Tage vorbei, wo Kinderschänder sich unter einem Mantel des Schweigens verstecken konnten – außer in der Organisation der Zeugen Jehovas. Diese Kirche scheint zu glauben, sie stehe über dem Gesetz und die Vorschriften gelten nicht für sie. Bei diesem Fall geht es darum , den Zeugen Jehovas begreiflich zu machen, dass die Vorschriften, wie für alle, auch für sie gelten, wenn es um den Schutz unserer Kinder geht.“

          Jehovas Zeugen werden beschuldigt, eine Organisationspolitik geschaffen zu haben, die nach Meinung der Opfer Kinderschänder gedeckt hat, während sie weiterhin den Opfern Schaden zufügt. Es wird angeführt, wenn ein Opfer zu den Kirchenältesten komme, um Kindesmissbrauch durch ein Kirchenmitglied zu melden, habe die Wachtturm-Gesellschaft die Ältesten angewiesen, vom Opfer zu verlangen, Beweise für den sexuellen Missbrauch vorzubringen, ehe dem Opfer geglaubt wird. Gemäß der Kirchenpolitik kann der Beweis aus zwei Augenzeugen für die Tat bestehen. Wenn ein Opfer solche Beweise nicht vorlegen kann,  kann das dazu führen, dass das Opfer wegen falscher Anschuldigung gegenüber einem Mitglied von den Ältesten und der Versammlung geächtet und gemieden wird. 

           Anderson stellt fest: „Es liegt allein schon in der Natur von Kindesmissbrauch, dass er selten in Gegenwart anderer stattfindet. Opfer von Kindesmissbrauch sind besonders traumatisiert, weil die Täter sie oft bedrohen, sie müssten schweigen. Die Politik der Zeugen Jehovas ist da nicht anders. Die Opfer tun, was sie tun sollten, sie wenden sich an die Kirche, und die Kirche wendet sich gegen sie.“ Opfer behaupten, dass Älteste oft nichts tun, um bekannte Kinderschänder daran zu hindern, Kontakt mit Kindern zu haben, was auch das Erfordernis für alle Kirchenmitglieder betrifft, an den Türen argloser Wohnungsinhaber Wachtturm-Literatur anzubieten.

        Die erste Klage wird in Nashua, N. H., eingereicht, wo das Kirchenmitglied Paul Berry mutmaßlich wiederholt seine Stieftochter und seine Tochter ab deren 3. Lebensjahr sexuell belästigt hat. Als die Mutter der Mädchen sich mit ihrem Verdacht des Missbrauchs an die Kirchenältesten wandte, sagten ihr die Ältesten, sie sollte eine bessere Frau sein und mehr wegen der Situation beten. Sie ignorierten dabei, dass es im Bundesstaat New Hampshire Pflicht ist, Kindesmissbrauch anzuzeigen. Der Missbrauch ging weiter, und Berry wurde schließlich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter überführt und zu 56 Jahren Gefängnis verurteilt. Dieselben Kirchenältesten, denen die Mutter ursprünglich vor einigen Jahren den Missbrauch gemeldet hatte, sprachen bei der Verhandlung gegen Berry mit dem Richter und hielten ihren Glauben an seine Unschuld aufrecht

        Die Geschichten vieler Opfer sind in www.silentlambs.org zu finden, einer Website der gemeinnützigen Organisation silentlambs, inc. Gegründet von William H. Bowen, einem Zeugen Jehovas aus Calvert City, Kentucky, bietet die Organisation Mittel und Wege zur Heilung und zu einem Schlussstrich für die Opfer von Kindesmissbrauch an. Bowen sagt: „Ich fühlte mich gedrängt, aus Protest gegen die interne Politik, die Sextäter beschützt und Kinder schädigt, als Pastor meiner örtlichen Gemeinde zurückzutreten. Wenn die Kirche Kinderschänder auf Führungsposten hebt und von ihnen fordert, an den Türen der unwissenden Öffentlichkeit vorzusprechen, dann ist das eine schlechte Politik.“

Wenn Sie mehr Information zu dem Thema wünschen, besuchen Sie unsere Website www.silentlambs.org oder nehmen Sie Verbindung auf mit William H. Bowen unter  001-270 527-5350.

 silentlambs, inc, PO Box 311, Calvert City, Kentucky 42029 USA.

Telefon: 001-270-527-5350 Fax: 001-270-527-5351  

Weitere juristische Informationen bei: Jeff Anderson, 001-651-227-9990  

Die Hotline für Missbrauchsopfer bei Jehovas Zeugen

1-877-WTABUSE

 

 

STATE OF NEW HAMPSHIRE  

HILLSBOROUGH, SS.   SUPERIOR COURT

NORTHERN DISTRICT

 HOLLY BERRY und HEATHER BERRY 

gegen 

WATCHTOWER BIBLE and TRACT SOCIETY OF NEW YORK, INC.,

VERSAMMLUNG WILTON DER ZEUGEN JEHOVAS,

und PAUL BERRY 

VORLADUNG 

ALLGEMEINE AUSSAGEN 

            1.         Die Klägerin Holly Berry, inzwischen eine erwachsene Frau, lebte als Kind zur in Frage stehenden Zeit im New Hampshire.  

            2.         Die Klägerin Heather Berry, inzwischen eine erwachsene Frau, lebte als Kind zur in Frage stehenden Zeit im New Hampshire.

            3.         Die Klägerinnen Holly Berry und Heather Berry sind Schwestern.

            4.         Zur in Frage stehenden Zeit waren die Klägerinnen und ihre Eltern Mitglieder in einer als Zeugen Jehovas bekannten Organisation. Die Organisation der Zeugen Jehovas bezeichnet ihre Mitglieder als „Verkündiger“.

            5.         Die Organisation der Zeugen Jehovas wird geleitet von und ist eine Agentur der leitenden Körperschaft der Beklagten, der Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc., einer eingetragenen religiösen Gesellschaft, die ihre weltweiten Angelegenheiten teilweise durch verschiedene juristische Personen ausführt, teilweise im Bundesstaat New Hampshire.     

            6.         Die Führung der Organisation der Zeugen Jehovas ist die leitende Körperschaft, die aus ungefähr 10-13 Männern besteht, auch als treuer und verständiger Sklave bekannt, die ganz aus gesalbten Mitgliedern der himmlischen Klasse der Organisation besteht. Bis Oktober 2000 dienten die Angehörigen der leitenden Körperschaft als Mitglieder des Direktoriums und als Funktionäre der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania, Inc. und der Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc. Die leitende Körperschaft als Direktoren benutzte diese beiden juristischen Personen, um alle Mitglieder der Organisation der Zeugen Jehovas und ihre Angelegenheiten auf der ganzen Welt zu leiten. Die höchste Macht über die Organisation der Zeugen Jehovas liegt bei der leitenden Körperschaft, die die Macht über alle Personen und alle Angelegenheiten in der Organisation und ihre weltweite Tätigkeit hat, einschließlich, aber nicht beschränkt darauf, der Ernennung von Versammlungsfunktionären, der Veröffentlichung von Richtlinien und Vorgehensweisen der Organisation, der Verwaltung von Grundbesitz und Vermögenswerten, der Leitung der von der Organisation kontrollierten juristischen Personen, der Bestrafung einzelner Zeugen Jehovas und der Förderung des gesamten Wohls der Organisation und ihrer Anhänger, darunter besonders der Kinder. Die Gewalt der leitenden Körperschaft in der Organisation der Zeugen Jehovas ist eine absolute. Die leitende Körperschaft ist in sechs Komitees aufgegliedert: Das Vorsitzendenkomitee, das Schreibkomitee, das Lehrkomitee, das Verlagskomitee, das Personalkomitee und das Dienstkomitee.

            7.         Die Weltzentrale der Organisation der Zeugen Jehovas hat ihren Sitz in 25 Columbia Heights, Brooklyn, New York 11201, der Anschrift der Beklagten, der Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc. Die Organisation der Zeugen Jehovas betreibt unter der Kontrolle der Dienstabteilung  ein Zentralarchiv mit Berichten über die Mitglieder der Organisation (hier: „Verkündiger“) in ihren Einrichtungen in Patterson, New York, einschließlich formaler Disziplinierungsmaßnahmen gegen  Verkündiger. Ein Verkündiger, der diszipliniert wurde, indem er aus der Organisation der Zeugen Jehovas entfernt wurde, hat einen so genannten „Gemeinschaftsentzug“ und kann ohne die Zustimmung der leitenden Körperschaft oder ihrer juristischen Personen nicht wieder aufgenommen werden. Bei der leitenden Körperschaft liegt die letzte Entscheidung, einem Verkündiger den Dienst in der Organisation in irgendeiner Stellung zu verbieten.

            8.         Die Satzung der Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc. besagt auszugsweise, die Zwecke ihrer Korporationen seien gemeinnützig, wohltätig und religiöser Natur, es gehe um die moralische und geistliche Hebung von Männern und Frauen, um die Verbreitung biblischer Wahrheiten in verschiedenen Sprachen durch die Veröffentlichung von Traktaten, Flugschriften, Aufsätzen und anderen religiösen Unterlagen, um ein religiöses Missionswerk und die Unterhaltung und Leitung von Klassen für die Belehrung von Männern und Frauen in Gebäuden oder per Post.

            9.         Die leitende Körperschaft verwaltet die Organisation der Zeugen Jehovas durch eine vielschichtige Struktur. Die örtliche Ebene besteht aus den Versammlungen der Zeugen Jehovas, die wiederum aus Ältesten, Dienstamtgehilfen, Pionieren und anderen Versammlungsverkündigern bestehen.

            Die Ältesten einer Versammlung werden von der leitenden Körperschaft als den geistlichen Führern der Versammlungen ernannt und von der Organisation der Zeugen Jehovas als befähigte geistliche Hirten vorgehalten. Alle Ältesten einer Versammlung, ob sie eine besondere Dienststellung innehaben oder nicht, bilden die „Ältestenschaft“. Die besonderen Dienststellungen innerhalb der Ältestenschaft sind Vorsitzführender Aufseher, Sekretär, Dienstaufseher, Wachtturmstudienleiter, Theokratischer Schulaufseher und Buchstudienkoordinator. Die Ältestenschaft steht bestimmten Versammlungsangelegenheiten vor, darunter Rechtsangelegenheiten, und alle Verkündiger müssen die Entscheidungen der Ältestenschaft respektieren und ihnen gehorchen. Rechtsangelegenheiten in einer Versammlung schließen jede Übertretung dessen ein, was die leitende Körperschaft als Bruch des Gesetzes Gottes ansieht. Beschuldigungen von Kindesmisshandlung, die Verkündiger in der Versammlung erheben oder die gegen sie gerichtet sind, werden als Rechtsangelegenheiten betrachtet und von der Ältestenschaft gehandhabt, wie es die leitende Körperschaft vorschreibt.

            Dienstamtgehilfen werden von der Ältestenschaft empfohlen und von der leitenden Körperschaft ernannt, um zweitrangige Verwaltungsangelegenheiten der Versammlung auszuführen. Gemäß der leitenden Körperschaft werden Dienstamtgehilfen als Vorbilder für die Herde angesehen; ihnen muss Gehorsam geleistet werden.

            Pioniere sind Vollzeitdiener, die das Haus-zu-Haus-Werk für die Versammlung leiten.

            10.       Die nächste Stufe der Organisation der Zeugen Jehovas sind die Kreisaufseher. Der Kreisaufseher ernennt gewöhnlich zwei führende Älteste innerhalb des Kreises als Unter-Kreisaufseher, die die Rolle des Kreisaufsehers übernehmen, wenn dieser nicht abkömmlich ist. Alle Mitteilungen, die eine Versammlung vom Kreisaufseher oder von den Unter-Kreisaufsehern erhält, werden als Anweisungen direkt von der leitenden Körperschaft betrachtet. Jeder Kreis besteht aus ungefähr 20 Versammlungen. 

            Die nächste Stufe über dem Kreis ist der Bezirk, der einen Bezirksaufseher hat. Jeder Bezirk hat ungefähr 10 Kreise. 

            Oberhalb der Stufe der Bezirke sind die weltweiten „Zonen“, die aus Vertretern des Zweiges und einem Zweigbüro bestehen. In den Zweigbüros gibt es Zweigkomitees, die das Werk in den Bereichen ihrer Rechtsprechung beaufsichtigen. In den Zweigen auf der ganzen Welt sind freiwillige Zeugen Jehovas tätig; sie werden als Bethelmitarbeiter bezeichnet.

            In den Vereinigten Staaten gibt es drei Bethelkomplexe; einen in der Weltzentrale in Brooklyn, New York; eine in Patterson, New York; eine in Walkill, New York. Die wichtigsten Abteilungen im Brooklyner Komplex sind die Schreibabteilung, das Schatzbüro und die Verwaltungsbüros, darunter einige Büros der leitenden Körperschaft wie die Leiter der Körperschaft. Jedes Glied der leitenden Körperschaft beaufsichtigt jeweils eine Abteilung. Die wichtigsten Abteilungen im Komplex in Patterson, New York, sind die Rechts- und die Dienstabteilung. Die Dienstabteilung ist verantwortlich für die Aufsicht über das Predigtwerk und für die Kongressprogramme und hat die direkte Aufsicht über die Versammlungen der Zeugen Jehovas, darunter die Ältesten und die Kreis- und Bezirksaufseher in der Organisation der Zeugen Jehovas. Die Dienstabteilung gibt regelmäßig Briefe an die Versammlungsältesten, an die Kreis- und Bezirksaufseher und an die Versammlungen heraus, bei denen es um die Verwaltung, die Strafmaßnahmen, die Aufsicht und alle Angelegenheiten, die die Organisation der Zeugen Jehovas betreffen, geht. Alle oben genannten Einrichtungen sind letztlich der leitenden Körperschaft und der Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc., verantwortlich.

            11.       Die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas hat eine umfassende pastorale und verwaltungsmäßige Verantwortung, darunter in erster Linie die Verantwortung für Entwicklungsprogramme in Bezug auf die Versammlungsverkündiger und die Jugendlichen, für die Aufsicht über das Werk der Erwachsenen, die Hilfestellung bei der Lehre und der Verbreitung des Wortes leisten, für die Bestimmung des Wertes aller Verkündiger, die die Königreichssäle der Zeugen Jehovas aufsuchen. Gestützt auf diese Bestimmung wählt sie Männer aus, die aufgerufen sind, als Dienstamtgehilfen, Älteste, Kreis- und Bezirksaufseher und in anderen verantwortlichen Positionen in der Organisation der Zeugen Jehovas zu dienen. Die leitende Körperschaft ist durch ihre Abteilungen und anderen Einrichtungen ermächtigt, schwerwiegende disziplinarische Verfahren gegen alle Verkündiger durchzuführen, darunter die Absonderung, den Gemeinschaftsentzug, die Streichung, die Annahme von Rücktritten, die Wiedereinsetzung, Beschränkungen, die Wiedervergabe von Vorrechten, öffentliche oder private Zurechtweisung, das Bezeichnen und das Entfernen.

            12.       Verkündiger werden ermutigt zu glauben, dass die Aufseher, von den Ältesten bis zur leitenden Körperschaft, „vom Heiligen Geist in ihr Amt eingesetzt“ sind, dass Entscheidungen eines jeden Aufsehers im Bereich ihrer Macht durch den Heiligen Geist geleitet werden und dass die Aufseher insbesondere mit Weisheit und Verständnis aus ihrem Lesen in der Bibel begabt sind. Diesen „Gaben in Form von Menschen“ sind die biblische Belehrung, die Tätigkeit der Versammlung und die geistige Leitung aller Verkündiger, die die örtlichen Königreichssäle aufsuchen, darunter die Kinder von Zeugen Jehovas, anvertraut. Von den Verkündigern wird erwartet, dass sie den Rat der Versammlungsaufseher, der Dienstamtgehilfen, der Kreis- und Bezirksaufseher, der Bethelältesten und schließlich der leitenden Körperschaft in allem, was wichtige Entscheidungen im Alltagsleben angeht, suchen und diesen Rat befolgen.

            13.       Alle Zeugen Jehovas, einschließlich derer, die in der Organisation der Zeugen Jehovas in ernannten Ämtern als Älteste, Aufseher, Dienstamtgehilfen und Pioniere dienen, sind in der Leitung der Angelegenheiten der Organisation in ihren Funktionen ununterscheidbar von jeder der genannten Einrichtungen, wenn sie unter der Leitung, Führung und den veröffentlichten Richtlinien der Organisation der Zeugen Jehovas tätig sind.

            14.       Einzelpersonen in der Organisation der Zeugen Jehovas werden durch das Ritual der Taufe zu Verkündigern. Wie von der leitenden Körperschaft geführt, leisten Verkündiger durch die Ortsversammlung Spenden für die weltweite Tätigkeit des Predigtwerkes.

            15.       Männliche erwachsene Verkündiger sind als „Älteste“ der Kirche wählbar und werden in diese Position gehoben, wenn sie bestimmten biblischen Erfordernissen entsprechen. Diese männlichen Verkündiger werden vom Dienstkomitee der Ortsversammlung der Dienstabteilung in Patterson, New York, empfohlen, weil sie den von der leitenden Körperschaft dargelegten Prinzipien entsprechen. Verkündiger werden belehrt, dass alle Ältesten, wenn sie ernannt wurden, vorbildlich im Verhalten sind.

            16.       Von allen Verkündigern wird erwartet, dass sie die Religion der Zeugen Jehovas verbreiten und voraussichtlichen Bekehrten religiöse Belehrung anbieten, auch Kindern.

            17.       Zur in Frage stehenden Zeit war der Angeklagte Paul Berry der Stiefvater der Klägerin Holly Berry und der Vater der Klägerin Heather Berry und gehörte als Verkündiger und Dienstamtgehilfe der beklagten Versammlung in Wilton, New Hampshire, zu den Zeugen Jehovas. Der Angeklagte Paul Berry ist ein verurteilter Verbrecher und hat eine Vorgeschichte sexuellen und körperlichen Missbrauchs von Kindern unter seiner Obhut, einschließlich – aber nicht beschränkt darauf – seine biologischen Kinder und Stiefkinder.

            18.       Bob Ward, Jim Hilton und Robert Michalowski waren zur besagten Zeit Älteste in der Versammlung Wilton der Zeugen Jehovas. Wie von der leitenden Körperschaft angewiesen, haben, haben die Ältesten der Versammlung besondere Machtbefugnisse in Bezug auf die Verbreitung von Mitteilungen und sind ermächtigte Vertreter der Organisation der Zeugen Jehovas, um Meldungen über mögliche Fehlhandlungen entgegenzunehmen und den Verkündigern der Organisation Strafmaßnahmen der Versammlung anzubieten.

            19.       Zwischen ungefähr 1980 und 1989 lebte der Angeklagte Berry mit den Klägerinnen zusammen und war mit ihrer Mutter, Sarah Poisson, verheiratet. In dieser Zeit gehörte Berry zu den Zeugen Jehovas und war aktiver Verkündiger der Versammlung Wilton. Über einen Zeitraum von annähernd sechs Jahren hinweg belästigte der Angeklagte Berry die Klägerinnen wiederholt sexuell, angefangen als Holly Berry etwa drei Jahre alt war, bis etwa zu ihrem zehnten Lebensjahr, und angefangen als Heather Berry etwa drei Jahre alt war, bis etwa zu ihrem sechsten Lebensjahr.

            20.       Während dieser Zeit gehörte die Mutter der Klägerinnen, Sarah Poisson, ebenfalls zu den Zeugen Jehovas und war Verkündigerin in der Versammlung Wilton. Die Klägerinnen und ihre Mutter wurden gelehrt, die Lehren der Organisation der Zeugen Jehovas zu achten und jedes Problem mit einem Mitverkündiger vor die Ältesten zu bringen. Entsprechend dieser Anleitung und Belehrung meldete Sarah Poisson wiederholt ihren Verdacht auf Misshandlung ihrer Kinder durch Berry den Ältesten Bob Ward, Jim Hilton und Robert Michalowski. Sarah Poisson meldete Ward, Hilton und Michalowski auch ihren Verdacht, Berry habe Heather Berry sexuell missbraucht.

            21.       In Übereinstimmung mit den Anweisungen an Verkündiger und mit den Richtlinien und Praktiken der Organisation der Zeugen Jehovas sagten die Ältesten Ward, Hilton und Michalowski der Mutter der Klägerinnen, sie sollte die Angelegenheit innerhalb der Organisation der Zeugen Jehovas lassen. Als Älteste der Versammlung Wilton waren Ward, Hilton und Michalowski zu jeder Zeit Werkzeuge der beklagten Kirche und handelten innerhalb des Rahmens und Bereiches dieser Einrichtung. Die Ältesten sagten der Mutter der Klägerinnen, sie sollte „eine bessere Ehefrau“ sein „mehr um die Situation beten“. Die Mutter der Klägerinnen war eine treue Zeugin Jehovas und gelehrt worden, das Wort der Ältesten als das Wort Jehovas oder Gottes anzusehen und der Führung, den Anleitungen und der Handlungsweise der Organisation der Zeugen Jehovas zu folgen, wie sie von der Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc., veröffentlicht wurden.

            22.       Zur besagten Zeit war es in New Hampshire nach dem Gesetz NH RSA 169-C:29 Pflicht, mutmaßlichen Kindesmissbrauch einschließlich sexuellen Missbrauchs den Justizbehörden anzuzeigen. Das besagte Gesetz verpflichtet Geistliche, den entsprechenden Behörden Kindesmissbrauch anzuzeigen. Siehe NH RSA 169-C:29 und 32. Zur besagten Zeit waren die Ältesten der Versammlung Wilton „Geistliche“ der beklagten Kirche, so dass sie die Pflicht hatten, unter diesem Gesetz Anzeige zu erstatten. Keiner der Ältesten der Versammlung Wilton zeigte den Kindesmissbrauch an den Klägerinnen bei den entsprechenden Behörden an.

            23.       Der Angeklagte Berry wurde schließlich in 17 Fällen sexuellen Missbrauchs an der Klägerin Holly Berry überführt und zu 56 Jahren Gefängnis verurteilt.

            24.       Als Ergebnis des sexuellen Missbrauchs hat die Klägerin Holly Berry Ausgaben gemacht – und wird sie weiter machen – für psychologische Beratung und Behandlung, sie ist erwerbsunfähig geworden und leidet unter extremer, ständiger seelischer Anspannung und einem psychischen Schaden mit begleitenden körperlichen Symptomen.

            25.       Als Ergebnis des sexuellen Missbrauchs hat die Klägerin Heather Berry Ausgaben gemacht – und wird sie weiter machen – für psychologische Beratung und Behandlung, sie ist erwerbsunfähig geworden und leidet unter extremer, ständiger seelischer Anspannung und einem psychischen Schaden mit begleitenden körperlichen Symptomen.

            26.       Die von Sarah Poisson den Ältesten Ward, Hilton und Michalowski berichteten Informationen forderten von ihnen per Gesetz, diese Informationen an die Justizbehörden weiterzugeben. Die Ältesten waren Vertreter der beklagten Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton und handelten im Bereich dieser Vertretung in Übereinstimmung mit den Richtlinien Praktiken der beklagten Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc.

            27.       Obwohl die Versammlung in Wilton vom Missbrauch der Kinder Berrys, Holly Berry und Heather Berry, Kenntnis hatte, verlieh sie Berry den Titel Dienstamtgehilfe in der Versammlung Wilton, statt die Sache zu untersuchen und angemessene Schritte gegen Berry zu unternehmen und vernünftige Schritte zu unternehmen, um die Kinder in der Versammlung, darunter die Klägerinnen, zu schützen. Als unmittelbares Ergebnis dieses Fehlers, den Kindesmissbrauch von Berry an den Klägerinnen anzuzeigen, ging der sexuelle Missbrauch weiter.

            28.       Vor und während der Zeit, als Berry die Klägerinnen körperlich und sexuell missbrauchte, hatten die Beklagten, die Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton und die Watchtower Bible and Tract Society of New York Inc., durch Vertreter und Älteste Kenntnis – oder hatten Grund zu wissen –, dass Berry die Neigung und einen unkontrollierbaren Drang hatte, Kinder, die unter seiner Kontrolle waren, sexuell zu missbrauchen, und dass er eins oder mehrere Kinder von Zeugen Jehovas unter seiner Kontrolle sexuell missbraucht hatte. Die Beklagten haben es fahrlässig versäumt, vernünftige Schritte zu unternehmen, Berry daran zu hindern, weitere Kinder, darunter die Klägerinnen, zu missbrauchen.

            29.       Nachdem den Ältesten der Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton von der Mutter der Klägerinnen Berichte über mutmaßlichen Missbrauch hinterbracht wurden, reagierten die Ältesten in Bezug auf einen möglichen Missbrauch von Kindern durch einen Zeugen Jehovas in Übereinstimmung mit den Anweisungen, Praktiken, Richtlinien und Vorgehensweisen der Organisation, wie sie die leitende Körperschaft veröffentlicht hat. Die Organisation der Zeugen Jehovas hat ausdrücklich entwickelte Richtlinien, Vorgehensweisen und Prozeduren, die zur Vorschrift machen, dass die Ältesten die zuständige Autorität sind, der ein Missbrauch durch Verkündiger gemeldet werden muss. Die Organisation der Zeugen Jehovas fordert Gehorsam gegenüber einer alten Vorschrift/Politik, die der Öffentlichkeit und den Verkündigern in der Organisation immer wieder dargelegt worden ist. Die Vorschrift/Politik fordert zwei Augenzeugen für den Missbrauch, ehe man sich um die Sache kümmert. Entsprechend dieser Vorschrift/Politik ist es die Aufgabe der Ältesten, die Beschuldigungen zu untersuchen. Die Ältesten haben keine Erfahrung oder Schulung für die Untersuchung von Kindesmissbrauch. Unter dieser Vorschrift/Politik fordern die Ältesten vom Ankläger oder Opfer, wenn der Beschuldigte die Anschuldigung abstreitet, Zeugen oder Beweise vorzubringen, die die Beschuldigung beweisen. Der Ankläger oder die Opfer müssen beweisen, dass sie die Wahrheit sagen, indem sie Leute vorbringen, die dem Missbrauch zugesehen haben, oder handfeste Bewiese wie Fotos, DNA oder körperliche Beweise. Weil es bei körperlichem oder sexuellem Missbrauch von Kindern normalerweise keine Augenzeugen, körperliche, fotografische oder andere handfeste Beweise gibt, können die Opfer die geforderten Beweise oft nicht beibringen, und dann betrachtet die Organisation den Beklagten als unschuldig. Das Opfer und/oder der Ankläger darf dann entsprechend dieser Praktik, Politik und Vorgehensweise andere nicht warnen oder mit jemandem über die Sache sprechen, wenn er von der Organisation nicht bestraft werden will, was bis zum Gemeinschaftsentzug gehen kann. Der Gemeinschaftsentzug führt zum Abbruch aller Kontakte und zur Isolation von Angehörigen und Freunden, die Zeugen Jehovas sind, bis das Opfer/der Ankläger sich einverstanden erklärt, gemäß der Vorschrift/Politik der Organisation zu leben. Überdies wird  das Opfer/der Ankläger aufgefordert, mutmaßlichen Missbrauch durch einen Verkündiger generell nicht den Behörden außerhalb der Zeugen Jehovas zu melden, da dies Gott und die Organisation der Schande aussetzen würde.

            30.       Wenn ein Zeuge Jehovas sich gegen die Politik der Organisation vergeht und mutmaßlichen Kindesmissbrauch bei den Behörden außerhalb von Jehovas Zeugen anzeigt, dann wird dieser Verkündiger von der Organisation abgestraft und manchmal ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu gelten dem beschuldigten Zeugen Jehovas generell Zuflucht, Schutz, Sympathie und Unterstützung seitens der Organisation und anderer Verkündiger. Diese Richtlinien und Vorgehensweisen führten dazu, dass die Mutter der Klägerinnen von der Organisation bestraft wurde, weil sie den Verdacht geäußert hatte, Berry würde Kinder missbrauchen, wohingegen die Ältesten der Versammlung in Wilton bei dem Prozess gegen Berry zu seinen Gunsten aussagten.

            31.       Als die Mutter der Klägerinnen den mutmaßlichen Missbrauch der Klägerinnen den Ältesten in der Organisation der Zeugen Jehovas meldete, handelten die Ältesten in jeder Hinsicht und ihm Rahmen ihrer Stellungen als Vertreter der beklagten Kirche in Übereinstimmung mit der eben genannten Praktik und Politik und den genannten Anweisungen.  Die langjährige Praxis und Politik der Organisation, Missbrauch durch Versammlungsverkündiger kleinzureden, zu verteidigen und zu tolerieren, gab dem Missbrauch in fahrlässiger Weise Raum und verletzte die gesetzliche Pflicht gegenüber den Klägerinnen, sie zu schützen und den besagten Missbrauch zu verhindern.

            32.       Die Beklagten, die Watchtower Bible and Tract Society, Inc, und die Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton, ließen den sexuellen Missbrauch der Klägerinnen durch Berry wissentlich in einer oder mehreren der folgenden Weisen zu bzw. förderten ihn:

            a.         durch das langjährige Muster und die Praxis der beklagten Watchtower Bible and Tract Society Inc.:  (1) offen und notorisch den Missbrauch von Kindern durch Verkündiger und Älteste zu tolerieren, kleinzureden und zu verteidigen; (2) dadurch, die Opfer/Ankläger eines Missbrauchs statt der Täter verantwortlich zu machen, zu demütigen und zu bestrafen und (3) dadurch, dass man sich weigerte und es versäumte, diesen Missbrauch bei den Justizbehörden und den staatlichen Jugendwohlfahrtsorganisationen anzuzeigen, und dass man Verkündigern der Kirche von einer Anzeige abriet und von ihnen verlangte, keine Anzeige zu erstatten;

            b.         indem man zuließ, dass Berry nicht überwacht wurde und unbeschränkten Zugang zu seinen Kindern hatte und ein Verkündiger in gutem Ansehen in der Organisation bleiben konnte;

            c.         indem man den Kindesmissbrauch durch Berry weder den Justizbehörden noch Jugendwohlfahrtsorganisationen meldete;

            d.         indem man es versäumte, andere Verkündiger in der Organisation und der Familie und andere, die in Gefahr standen, durch Berry missbraucht zu werden, zu warnen;

            e.         indem man es versäumte, die Angestellten, freiwillige und ernannte Aufseher darin zu schulen, Kindesmissbrauch zu verhindern, zu erkennen, darauf zu reagieren oder ihn anzuzeigen

            f.          indem man es versäumte, sich Richtlinien und Vorgehensweisen zum Schutz von Kindern und anderen Verkündigern zu eigen zu machen, indem ernannte Aufseher in der Versammlung die Einhaltung und den Gehorsam gegenüber bestehenden Prozeduren überwachten.

            g.         indem man Berry weiterhin Mitglied der Organisation und Verkündiger der Versammlung in gutem Ansehen sein ließ und ihn schließlich in der Versammlung in Wilton noch zum Dienstamtgehilfen beförderte.

            33.       Die verantwortungslose Fahrlässigkeit der Beklagten und ihre Vernachlässigung der Fürsorgepflicht sind das Ergebnis vorsätzlicher, bewusster und empörender Gleichgültigkeit gegenüber der Gesetzesvorschrift NH RSA 169-C:29 und gegenüber der Gesundheit, der Sicherheit und dem Wohlergehen der Klägerinnen; dies sind erschwerende Umstände, die die Klägerinnen berechtigen, erhöhten ausgleichenden Schadenersatz zu fordern.

            34.       Der sexuelle Missbrauch an den Klägerinnen und die Umstände, unter denen er geschah, führten bei den Klägerinnen zu verschiedenen Kompensationsmechanismen und Symptomen psychischer Belastung, darunter große Scham, Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, Depression, Verdrängung und Distanzierung. Das führte dazu, dass die Klägerinnen nicht in der Lage waren, das Bestehen oder das Wesen ihrer seelischen Wunden und deren Verbindung zu dem sexuellen Missbrauch, den der Angeklagte Berry an ihnen verübte, zu erkennen.

ANKLAGEPUNKT I -  (Fahrlässigkeit)

            In ihrem ersten Anklagepunkt gegen die beklagte Watchtower Bible and Tract Society  Inc. und die beklagte Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton stellen die Klägerinnen folgendes fest:

            35.       Die Kläger nehmen alle Absätze dieser Klageschrift auf, als seien sie vollständige unter diesem Klagepunkt angeführt, und machen ferner geltend:

            36.       Indem die Beklagten es versäumten, den mutmaßlichen Missbrauch an den Klägerinnen anzuzeigen, und durch weitere hier geltend gemachte Handlungen ließen die Beklagten zu, dass die Klägerinnen weiterhin sexuell missbraucht wurden.

            37.       Das direkte Ergebnis der fahrlässigen Handlungsweise der Beklagten war, dass die Klägerinnen die hier geltend gemachten Verletzungen und Schäden erlitten.

ANKLAGEPUNKT II  - (Verletzung der Fürsorgepflicht)

In ihrem zweiten Anklagepunkt gegen die beklagte Watchtower Bible and Tract Society  Inc. und die beklagte Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton stellen die Klägerinnen folgendes fest:

38.       Die Kläger nehmen alle Absätze dieser Klageschrift auf, als seien sie vollständige unter diesem Klagepunkt angeführt, und machen ferner geltend:

39.       Die Beklagten hatten eine Fürsorgepflicht gegenüber en Klägerinnen als minderjährigen Kindern, sie vor Schaden zu bewahren.

40.       Die Beklagten verletzten diese Fürsorgepflicht gegenüber den Klägerinnen in fahrlässiger Weise, indem sie es versäumten, vernünftige Schritte zu unternehmen, Berry daran zu hindern, sie weiterhin zu belästigen, und/oder indem sie es versäumten, die Klägerinnen zu warnen oder zu schützen.

41.       Das direkte Ergebnis der fahrlässigen Handlungsweise der Beklagten war, dass die Klägerinnen die hier geltend gemachten Verletzungen und Schäden erlitten.

ANKLAGEPUNKT III  - (Versäumnis, den mutmaßlichen Kindesmissbrauch, wie vom Gesetz gefordert, anzuzeigen)

            In ihrem dritten Anklagepunkt gegen die beklagte Watchtower Bible and Tract Society  Inc. und die beklagte Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton stellen die Klägerinnen folgendes fest:

            42.       Die Kläger nehmen alle Absätze dieser Klageschrift auf, als seien sie vollständige unter diesem Klagepunkt angeführt, und machen ferner geltend:

            43.       Die Ältesten der Versammlung Wilton sind verpflichtet, Kindesmissbrauch nach dem Gesetz RSA 169-C:29 und 32 für New Hampshire anzuzeigen.

            44.       Die Ältesten versäumten es, den ihnen zur Kenntnis gebrachten Kindesmissbrauch durch Berry bei den Justizbehörden oder den staatlichen Kinderwohlfahrtsdiensten für New Hampshire oder bei anderen staatlichen Behörden im Einklang mit dem Gesetz anzuzeigen.

            45.       Hätten sich die Ältesten an das Gesetz gehalten, so wäre Berry daran gehindert gewesen, weiterhin die Klägerinnen und andere schutzbedürftige Minderjährige unter seiner Kontrolle zu missbrauchen.

            46.       Das direkte Ergebnis der Verletzung der Anzeigepflicht durch die Beklagten war, dass die Klägerinnen die hier geltend gemachten Verletzungen und Schäden erlitten.

            47.       Die Ältesten waren Vertreter der beklagten Watchtower Bible and Tract Society, Inc. und der beklagten Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton und handelten zur besagten Zeit im Rahmen dieser Vertretung. Daher sind die Beklagten stellvertretend verantwortlich für das fahrlässige und gesetzwidrige Verhalten der Ältesten.

ANKLAGEPUNKT IV - (Täuschung und Bruch der Fürsorgepflicht)

            In ihrem vierten Anklagepunkt gegen die beklagte Watchtower Bible and Tract Society  Inc. und die beklagte Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton stellen die Klägerinnen folgendes fest: 

            48.       Die Kläger nehmen alle Absätze dieser Klageschrift auf, als seien sie vollständige unter diesem Klagepunkt angeführt, und machen ferner geltend:

            49.       Zu allen besagten Zeiten wussten die Beklagten oder hätten wissen sollen, dass jemand, der wahrscheinlich ein Kind unter seiner Kontrolle sexuell missbraucht hat, oft in der Gefahr steht, zahllose weitere Kinder unter seiner Kontrolle zu missbrauchen.

            50.       Die Opfer von körperlichem und/oder sexuellem Missbrauch durch eine Autoritätsperson werden den Missbrauch wegen der Autorität des Täters oder wegen ihres Alters wahrscheinlich nicht öffentlich enthüllen oder wegen der Auswirkungen Rat suchen, bis die Ältesten und andere Verkündiger in der Organisation oder Personen, die Aufsicht führen, das Verbrechen anerkannt und den Opfern geistliche Hilfe angeboten haben.

            Ohne ein solches Anerkennen wird das Opfer dazu neigen zu glauben, dass es selbst für den Missbrauch verantwortlich ist, und insgeheim und im Stillen leiden und aus Furcht vor Vergeltung, Demütigung durch den Täter oder aus Furcht, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, nicht bereit oder fähig sein, den Missbrauch offen zu enthüllen.

            51.       Nachdem die Beklagten Kenntnis von dem Missbrauch eines oder mehrerer Kinder durch Berry erhalten hatten, enthielten sie diese Information den Klägerinnen und anderen ähnlich betroffenen Opfern vor. Damit verheimlichten sie diese Information willentlich und verletzten ihre Pflichten gegenüber den Klägerinnen, indem sie es versäumten, in angemessener Weise zu untersuchen, ob es auch andere Opfer gab, und andere davon in Kenntnis zu setzen, dass sie beruhigt berichten konnten, ebenfalls von Berry missbraucht worden zu sein. Sie versäumtes es auch, Berrys Verbrechen in der Öffentlichkeit oder in der Organisation der Zeugen Jehovas bekannt zu geben.

            52.       Dass die Beklagten Berrys Verbrechen verheimlichten und ihre Fürsorgepflicht verletzten, führte dazu, dass die Klägerinnen nicht wussten, dass sie keine Schuld trugen; dass sie nicht wussten, dass man ihnen glauben konnte, wenn sie den Missbrauch melden würden; dass sie den Missbrauch in verschiedenem Maße geheim hielten, sich selbst die Schuld gaben, dass sie daher keinen psychologischen Rat wegen der Auswirkungen suchten und nicht in der Lage gewesen sind, von den Auswirkungen des Missbrauchs zu gesunden und zu erkennen, wie der Missbrauch sich auf Dauer und unauslöschlich auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt hat. So haben die Klägerinnen erst vor zwei Jahren innerhalb der Einreichung diese Klage entdeckt, dass die Beklagten Berrys Verbrechen verheimlichten und ihre Fürsorgepflicht verletzten.

            53.       Das direkte Ergebnis der Verheimlichung der Verbrechen Berrys durch die Beklagten war, dass die Klägerinnen die hier geltend gemachten Verletzungen und Schäden erlitten.

            54.       Die Beklagten haben Berrys Verbrechen vorsätzlich und böswillig verheimlicht und ihre Fürsorgepflicht ebenso verletzt. Es war das Ergebnis leichtfertiger und empörender Gleichgültigkeit gegenüber einem höchst vernunftwidrigen Schadensrisiko und bewusster Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheit, Sicherheit und dem Wohlergehen der Klägerinnen; ein solches Verhalten ist sozial nicht hinnehmbar und gehört zu einem langjährigen Muster, Kindesmissbrauch durch Verkündiger und Funktionäre der Kirche zu verheimlichen. Den Klägerinnen steht ein erhöhtes Schmerzensgeld zu.

ANKLAGEPUNKT V – (Tätlicher Angriff)

            In ihrem ersten Anklagepunkt gegen den Beklagten Berry stellen die Klägerinnen fest und machen geltend:

            55.       Die Kläger nehmen alle Absätze dieser Klageschrift auf, als seien sie vollständige unter diesem Klagepunkt angeführt, und machen ferner geltend:

            56.       Sechs Jahre lang berührte der Angeklagte Berry die Klägerinnen Holly Berry und Heather Berry vorsätzlich sexuell.

            57.       Das direkte Ergebnis dieses gesetzwidrigen Verhaltens war, dass die Klägerinnen die hier geltend gemachten Verletzungen und Schäden erlitten.

            DAHER fordern die Klägerinnen gegen alle Beklagten als Einzelne, gemeinschaftlich und unnachsichtig Schmerzensgeld und Schadensersatz in einer Höhe im Ermessen des Gerichts.   Die Klägerinnen fordern auch von jedem Beklagten Erstattung ihrer Kosten und Auslagen, darunter die Anwaltsgebühren, Zinsen und andere Entschädigungen im Ermessen des Gerichts.

Datum: ____________ 2001.