DER STAAT NEW HAMPSHIRE
HILLSBOROUGH, SS. SUPERIOR COURT
SOUTHERN DISTRICT 2000
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DER
STAAT NEW HAMPSHIRE
gegen
PAUL BERRY
97-S-1611, et al.
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ABSCHLIESSENDE SITZUNG UND URTEILSVERKÜNDUNG
VOR:
Ehrenwerter Richter Arthur D. Brennan,
Vorsitzender, zu
Nashua, am Dienstag, den 31. Oktober 2000.
STAATSANWALTSCHAFT:
Kathleen D. Brown, ACA
John
H. Harding III, ACA
VERTEIDIGUNG:
Mark L. Sisti
VORMUND:
Vera Borrelli Buck
PROTOKOLLFÜHRERIN: Kathryn A. Calder
ABSCHRIFT
Justizbeamter:
Bitte erheben Sie sich.
Gericht:
Guten Tag. Setzen Sie sich bitte.
Gerichtssekretär:
Es wird verhandelt: Der Staat New Hampshire gegen Paul
Berry. Herr Berry ist heute mit seinem Anwalt Mark Sisti
erschienen. Der Staat New Hampshire wird vertreten durch
Bezirksstaatsanwalt John Harding sowie Bezirksstaatsanwältin
Kathleen Brown. Ebenfalls anwesend ist der Vormund Vera
Borrelli Buck. Es geht heute vor Gericht um die Verurteilung
zu mehreren Anklagepunkten.
Gericht:
Danke. Ehe wir mit
den Eingangsplädoyers der beiden Seiten und den Zeugen, die
jeder vielleicht aufrufen wird, beginnen: Gibt es
irgendwelche Änderungen bei – zumindest im Bericht an die
Bewährungshilfe für diesen Fall?
Herr
Sisti: Ja bitte, Euer Ehren.
Gericht: Ja, Herr Rechtsanwalt Sisti?
Herr
Sisti: Danke. Es geht um ein paar Kleinigkeiten und
Klarstellungen. Ich glaube, es stand da, dass Herr Berry zu
einem anderen Zeitpunkt als 1983 nach Greenville gezogen
ist; das richtige Datum ist 1983. Es wird Bezug genommen auf
Ordnungsvergehen; uns sind solche Dinge nicht bekannt, und
ich habe auch keine Unterlagen gesehen, die solche Befunde
stützen würden. Es wird Bezug darauf genommen, welche
Rolle das Kinderkrankenhaus in diesem Fall spielte, etwas,
das wir in der Voruntersuchung verfolgt haben und das wir
weiter verfolgen werden. In diesem Fall gibt es einen
Hinweis auf eine psychiatrische Untersuchung am
Kinderkrankenhaus, und wir verfolgen das weiter. Aber um
ganz offen zu sein, in diesem besonderen Bericht steht eine
Schlussfolgerung, zu deren Stützung wir keine Unterlagen
haben, und wir möchten darum bitten, dass diese
Schlussfolgerung gestrichen wird. Auf Seite 2 der
gerichtlichen Voruntersuchung ist ein Bezug zu Pornografie
oder Pornovideos; wir streiten jeden Gesichtpunkt im
Hinblick auf diese besonderen Filme ab. Wir sind auch auf
keine solchen aufmerksam gemacht worden, und die Polizei
oder sonst wer hat auch keine beschlagnahmt. Das zu den
technischen Gesichtspunkten der gerichtlichen
Voruntersuchung.
Gericht: Danke, Herr Rechtsanwalt Sisti. Diese Punkte, die Sie
erwähnen: Ich erinnere mich daran aus der gerichtlichen
Voruntersuchung, und sie werden keine Rolle spielen –
Verteidiger
Sisti: Danke.
Gericht: – bei der Urteilsfindung. Frau Staatsanwältin Brown?
Staatsanwältin
Brown: Ja,
noch etwas zur gerichtlichen Voruntersuchung, Euer Ehren.
Ich wollte das Gericht darauf hinweisen, dass es
Informationen gab, dass Heather Brewer – Entschuldigung,
Heather Berry – ins Kinderkrankenhaus ging. Doch im
Verlauf der Untersuchungen waren wir nicht in der Lage,
diese Berichte aus dem Kinderkrankenhaus zu bekommen. Und
ich habe keine Informationen darüber, dass Holly ins
Kinderkrankenhaus ging. Deshalb wollte ich diese
Berichtigungen anführen.
Gericht: In Ordnung. Danke, Frau Staatsanwältin Brown. Gut,
dann möchte ich die Argumente der Anwälte hören. Frau
Staatsanwältin Brown?
Staatsanwältin
Brown: Danke,
Euer Ehren. Euer Ehren, ich möchte mich kurz an das Gericht
wenden, und dann wird auch Staatsanwalt Harding etwas zu
Ihnen sagen, und dann der Vormund. Und dann möchte ich
darum bitten, dass die drei Angehörigen der Familie von
Holly – insbesondere ihr Vater Jerome, ihre Mutter Sarah
und ihre Schwester Heather – sie werden sich an das
Gericht wenden. Und später wird Holly selbst zu Ihnen
sprechen. Bevor ich beginne, möchte ich mich bei einigen
Personen bedanken, die heute hier im Gerichtssaal sind:
Holly und ihre Familie und ein paar Freundinnen zu ihrer
Unterstützung; ich möchte mich bedanken, dass die Angehörigen
der Bundespolizei – beide haben an dem Fall gearbeitet und
ausgesagt, und sie sind zur Unterstützung hier; Jack Zeller
vom Polizeirevier in Keene ist hier zur Unterstützung;
Angehörige meines Büros und auch sechs Jurymitglieder, die
an diesem Fall saßen, sind hier, um Holly zu unterstützen.
Nun, um welche Strafe ersucht die Staatsanwaltschaft hier?
Die Staatsanwaltschaft hat einen Urteilsvorschlag
eingebracht, und daraus konnten Sie ersehen, dass die
Staatsanwaltschaft Sie darum ersucht, die Empfehlung der Bewährungshilfe
anzunehmen, insbesondere eine Strafe von 56 bis 112 Jahren
zu verhängen, wie im Urteilsvorschlag an das Gericht
niedergelegt. Bei all diesen Urteilen gibt es die
Vorkehrung, dass der Angeklagte keinen Kontakt mit Holly
Brewer oder einem Mitglied ihrer Familie mehr haben darf. Überdies
fordert die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte sich
behandeln – dass er eine Behandlung erhält, wie sie für
Sexualtäter vorgesehen ist. Warum ersucht die
Staatsanwaltschaft um eine solch hohe Strafe? Ganz offen,
Euer Ehren, ich habe lang und intensive über diese Sitzung
zur Urteilsverkündung nachgedacht, und darüber, was die
Staatsanwaltschaft zu Ihnen sagen sollte. Und es ist sehr
schwierig gewesen, die rechten Worte und Argumente zu
finden. Als Anwälte sind wir geschult, logisch zu denken;
es war hart für mich, mir dies anzusehen – mir alles
anzusehen, das der Angeklagte getan hat – und logische
Argumente zu finden, denn was der Angeklagte mit Holly getan
hat, spottet jeder Logik. Sie haben alles gehört, was er
mit ihr gemacht hat. Es gibt nichts, das ich sagen kann, das
überzeugender ist als Hollys eigene Worte. Sie haben gehört,
was der Angeklagte physisch mit ihr gemacht hat; sie kennen
die verschiedenen Orte, wo er seine Taten ausgeführt hat
– in der Scheune, in verschiedenen Schlafzimmern, im Hühnerstall
und im Verlies; Sie haben gehört, welche Gegenstände er
benutzte, um diese Taten auszuführen – Kerzen und
Karotten und Tiere. Ich meine, das spottet jeder Logik; ich
meine, das waren einfach unaussprechlich entsetzliche Taten.
Und durch seine Taten hatte der Angeklagte solch einen großen
Einfluss auf Holly und ihr Leben und ihre nicht existente
Kindheit. All das geschah in einem Zeitraum von sechs
Jahren, als sie vier war bis zu dem Zeitpunkt, als sie zehn
Jahre alt war. Und sie haben gehört, was sie dazu gesagt
hat. Ihre Kindheit war die Hölle. Sie hat nie gedacht, dass
sie einmal sechzehn Jahre alt würde. Sie hat nie gedacht,
sie würde von ihm loskommen, oder dass er aufhören würde,
solche Dinge mit ihr anzustellen. Und basierend auf dem, was
er ihr in dem Zeitraum antat, wie er ihr ihre Kindheit nahm
und sie für den Rest seines (sic) Lebens zeichnete, muss er
bestraft werden: Er verdient das Äquivalent einer
lebenslangen Strafe. Als ich damit zu tun hatte, Holly für
diesen Fall vorzubereiten, beeindruckte mich, wie
ungeschminkt ehrlich sie war, wie wahrheitsliebend sie war,
und wie viel Mut es erforderte, nach diesen Jahren
hervorzukommen und über all diese unaussprechlichen Taten
zu reden. Und wenn Sie den Angeklagten verurteilen, dann
bittet Sie die Staatsanwaltschaft, daran zu denken, dass
Holly nicht um ihrer selbst willen hervorkam. Sie sagte aus,
sie habe die Tür geschlossen, ihr Leben sei weitergegangen.
Sie musste ihn nicht mehr sehen. Sie kam hervor und machte
dies durch aus Sorge um ihre Schwester, und das hat sie
Ihnen auch gesagt. Und wenn wir schon über ihre
Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit bei der Vorbereitung dieser
Sitzung sprechen: Die Staatsanwaltschaft hat Hollys Verhör
und das Kreuzverhör verfolgt; und als sie von Rechtsanwalt
Sisti ins Kreuzverhör genommen wurde, sagte sie ihm, sie
sei ehrlich und werde es auch bleiben. Und er zog das
in Zweifel, und sie sagte ihm, er solle sie in Ruhe lassen,
weitermachen und sie dann in Ruhe lassen. Euer Ehren, Sie
kennen die Taten des Angeklagten, den wiederholten
Missbrauch über die Jahre, das prallte an ihr ab. Es machte
ihre Kindheit zunichte. Aber es prallte von ihr als Person
ab. Eine Menge anderer Leute wären an dem, was er tat,
zerbrochen; doch nicht sie. Sie hat triumphiert und ist zu
dem Menschen geworden, der sie heute ist, zu der Person, die
bei diesem Prozess zu Ihnen und zur Jury gesprochen hat. Und
wegen ihres Mutes, hervorzukommen, ist der Angeklagte für
seine Taten verantwortlich gemacht worden. Und wegen der
Entsetzlichkeit seiner Taten sollte er die von der
Staatsanwaltschaft vorgeschlagene Strafe erhalten. Das ist für
den Augenblick alles, Euer Ehren. Und wie ich schon sagte,
der Vormund und mein Kollege, Staatsanwalt Harding, werden
zu Ihnen sprechen, und dann werden auch einige
Familienmitglieder zu Ihnen sprechen.
Gericht: Gut, danke, Frau Staatsanwältin Brown. Herr Anwalt
Harding?
Staatsanwalt
Harding: Danke,
Euer Ehren. Euer Ehren, der sexuelle Missbrauch eines Kindes
durch einen Familienmitglied ist ein heimtückisches
Problem, weil der Täter sich typischerweise in die Familie
drängt und heimlich mit dem Missbrauch dieses Kindes
beginnt. Ein Kind, das von einem Familienmitglied
missbraucht wurde, hat typischerweise nicht die Mittel, ihn
abzuwehren – oder sich selbst vor dem Täter zu schützen,
und das Kind wird unwissentlich ohne Schutz in die Hände
des Täters gegeben. Es ist nun natürlich richtig, wenn wir
als Gesellschaft solchen Missbrauch verurteilen und die nötigen
Schritte unternehmen, diesem Kindesmissbrauch ein Ende zu
machen. Unsere Gesetzgeber können Gesetze erlassen, die die
Registrierung von überführten Kinderschändern zur Pflicht
machen; unsere Gesetzgeber können die Strafen für
Personen, die des sexuellen Missbrauchs von Kindern überführt
wurden, erhöhen; die Polizei und die Staatsanwaltschaften können
solche Fälle nachdrücklicher untersuchen und verfolgen;
Lehrer und Eltern können Kindern einschärfen, es ihnen zu
sagen, wenn sie missbraucht wurden. Aber nachdem ein
Kinderschänder von einer Jury für schuldig erklärt wurde,
ist derjenige in der Gesellschaft, der die wirkungsvollste
und doch fairste Botschaft darüber aussenden kann, wie die
Gesellschaft Kinderschänder ansieht, das Gericht, der
Richter. Wenn das Gericht den Angeklagten gemäß der
Empfehlung der Staatsanwaltschaft verurteilt, kann es nicht
nur Paul Berry, sondern auch andere Kinderschänder wissen
lassen, dass ihr Verhalten unmöglich ist und bestraft wird.
Vielleicht ebenso wichtig ist, wenn das Gericht Paul Berry
gemäß der Empfehlung der Staatsanwaltschaft verurteilt,
dann kann es auch die Opfer anderer Kinderschänder wissen
lassen, dass ihre Missbrauchstaten verkehrt sind und
bestraft werden. Danke.
Gericht: Danke, Herr Staatsanwalt Harding. Anwältin Buck?
Frau
Buck: Danke, Euer Ehren. Wie es das Gericht heute Nachmittag
wünscht: Das Gericht weiß sehr wohl, dass ich während des
ganzen Verfahrens Hollys Gerichtsvormund war. Und ich muss
heute sagen, dass es mir eine Freude war, in dieser Funktion
zu dienen. Das Gericht hat von den Qualen gehört, die der
Angeklagte ihr zufügte. Das begann, als sie vier war, und
ging weiter, bis sie zehn Jahre alt war. Ich benutze dieses
Wort „Qualen“, auch wenn das Gesetz nicht definiert, was
der Angeklagte ihr diesem Begriff nach antat; aber laienhaft
gesagt und im Grunde genommen waren es Qualen. Der
Angeklagte fügte einem reinen, unschuldigen und hübschen
Kind Qualen zu. Der Angeklagte zeichnete ein reines,
unschuldiges und hübsches Kind in mancher Hinsicht für ihr
Leben. Aber ob er es weiß oder nicht, Holly hat die Sache
überstanden; und es war diese Überlebende, die vor Gericht
zog und dem Angeklagten eine Lektion erteilte. Holly kam,
und obwohl es schwer für sie war, war sie in der Lage, das
Entsetzliche dieser Tage wiederzugeben. Und es war wirklich
entsetzlich, weil das, was er ihr antat, undenkbar und
unaussprechlich war. Ich nehme einmal an, der Angeklagte
glaubte nicht, dass Holly den Mut haben würde, vor Gericht
zu ziehen und zu erzählen, was mit ihr geschah. Ich meine,
im Verlauf der Vorbereitung für diesen Prozess, im Verlauf
der paar Jahre, die es brauchte, den Fall tatsächlich im
Juni zum Prozess zu bringen, haben wir – das Team von
Leuten, die mit Holly arbeiten – nicht gedacht, dass Holly
das durchstehen würde. Es gab Verzögerungen, es gab
Amtsenthebungen, es gab das Gefühl, dass sie nicht die
innere Kraft aufbringen würde, es bis zum Ende
durchzustehen. Aber sie hat es durchgestanden. Und dafür möchte
ich sie loben – für diese Anstrengungen und für die
Kraft, die sie hatte, vor Gericht zu ziehen. Der Schaden,
den der Angeklagte an Holly verübte, war unermesslich, und
er dauert an. In mancher Hinsicht wird er sie ihr ganzes
Leben begleiten. Ich meine, dem unermesslichen Schaden, den
er ihr zufügte, sollte eine ebenso unermessliche Strafe
folgen. Als Anwältin weiß ich, dass das Gesetz dem Gericht
nicht erlaubt, eine unermessliche, eine grenzenlose Strafe
zu verhängen; deshalb mochte ich das Gericht bitten, dass
es die nach dem Gesetz höchstmögliche Strafe gegen dieses
Monster verhängt, das diese Scheußlichkeiten beging –
entsetzliche, brutale, qualvolle Handlungen an einem armen
Kind. Danke.
Gericht: Danke, Frau Anwältin Buck. Herr Justizbeamter, bitte
entfernen Sie – das nimmt mir die Sicht auf diesen Teil
des Gerichtssaals. Könnten Sie es näher heranbringen –
(Pause).
Herr
Brewer: Ich heiße Jerome Donald Brewer, B-r-e-w-e-r. Ich bin
Hollys Vater. Es tut mir leid, dass ich heute hier sein
muss. Es tut mir leid, dass überhaupt jemand heute hier
sein muss. Ich – mich macht die Tatsache traurig, dass
dieser Mann ins Gefängnis gehen muss, weil er solche
schrecklichen Dinge getan hat. Ich wünschte allerdings
auch, er müsste für immer dorthin, weil er solche
schrecklichen Dinge getan hat. Ich habe vier Kinder. Ich
liebe alle meine Kinder sehr. Als mir das zum ersten Mal
offenbart wurde, wollte ich ihn umbringen; wirklich, dass
wollte ich. Ich erkannte, das Beste, was ich für meine
Tochter tun konnte, war, für sie hier zu sein – da ich,
da sie damals mit mir zusammen lebte. Und es kam von ihr –
wir saßen zwei Stunden lang im Auto, und sie weinte, ehe
sie auch nur den ersten Hinweis geben konnte, was in ihrem
Leben passiert war. Und dann kam es wie eine Flut. Und es
hat Eindruck auf mich gemacht, wie stark sie war – und
ist. Und das habe ich immer gewusst, dass sie sehr stark
ist. Sie ist einer der intelligentesten, stärksten
Menschen, die ich kenne. Und das – wie Frau Brown sagte
– hinter sich zu lassen und weiterzuleben und
weiterzumachen, wie sehr es sie auch betroffen hat – sie
war dabei, damit klar zu kommen. Und es war aus Liebe zu
ihrer Schwester, weil sie nicht wollte, dass jemand anderer
aus der Familie dasselbe und noch Schlimmeres durchmachte,
dass sie etwas sagte – in erster Linie. Ich wünschte, das
alles wäre nicht wahr, Paul wäre ein freier Mann, er
erhielte sein Leben zurück, wenn das Holly die ganze Zeit
ihrer Kindheit zurückbringen würde. Ich glaube, eine der
größten Tragödien hier ist, dass nicht nur so viele
Menschen auf schreckliche und verheerende Weise betroffen
sind, sondern dass es so viel wenn auch nur geringeres Leid
dabei gibt – meine Mutter glaubte, sie hätte die Zeichen
sehen müssen, weil Holly sich sträubte, nach Hause zu
gehen, wenn sie kam und ein Wochenende mit mir verbrachte.
Den ganzen Weg nach Hause über wurde sie zunehmend
erregter, so dass – Sie wissen, dass – und meine Mutter
meinte, sie hätte etwas unternehmen müssen! So wie jeder
etwas hätte tun können, wenn wir uns je vorgestellt hätten,
dass so etwas vor sich ging. Wie dieser Mann – Paul –
mich so vollkommen täuschte, das verschlägt mir schon die
Sprache. Ich habe wirklich geglaubt, dass – dass meine
Kinder in einem ordentlichen Haus aufwachsen, mit Liebe und
christlichen Werten. Und dieses Abkehren von Gott, von allem, was
heilig ist, das ist jetzt in ihr Leben gekommen – weil man
die beiden Dinge gleichsetzt. Man setzt Pauls
Ungeheuerlichkeiten mit dem Leben als Zeuge Jehovas gleich,
mit dem Religiössein, mit dem Christsein, und – und das
ist tragisch. Ich glaube, man muss die Botschaft
weitergeben, dass diese Art von Scheußlichkeit nicht in der
Gesellschaft toleriert werden kann. Und ich hoffe, ich kann
diese Botschaft heute weitergeben. Danke.
Gericht: Danke.
Heather
Berry: Ich heiße Heather Berry, B-e-r-r-y. Ich habe gerade
– ich habe einen Brief an meinen Vater geschrieben und ein
paar Gedichte, die ich gerne vorlesen möchte. In Ordnung,
ich beginne mit dem Brief. (Sie liest:) „Papa, ich
empfinde so viel für dich: unser Verhältnis; die Art, wie
du mein Leben, das meiner Familie und das von anderen
beeinflusst hast. Mit den Jahren hat sich mein Bewusstsein für
diese Empfindungen, für unsere Situation, für meine
Rechte, auch die fehlenden, geschärft, und auch für den
Heilungsprozess, der bei mir weitergeht. Jede Empfindung,
die ich durch dich oder durch dein Verhalten empfangen habe,
war intensiv und ganz oft auch überwältigend. Zu gewissen
Zeiten in unserer Geschichte habe ich empfunden, als wärst
du mein Beschützer, Ernährer und bester Freund. Dann
wieder, eher öfter als nicht, hast du mich erschreckt. Du
hast von mir genommen, und ich lief vor dir weg auf der
Suche nach Trost in meinem Inneren, eine Mühe ohne
Belohnung. Ich habe dich geliebt, und ich habe dich gehasst.
Beide Gefühle haben mich tief verletzt, und ich sehnte mich
danach, zu entkommen. Bei dir zu bleiben schien unmöglich,
und das Verlassen erschien unerträglich. Als ich jünger
war, habe ich Mama gebeten, dass sie mich bei dir leben lässt.
Das war nicht, weil ich mich danach sehnte, bei dir zu sein,
sondern weil ich ein merkwürdiges Mitleid für dich
empfand. Ich habe mit dir mitgefühlt, weil du alleine warst
und deine Seele erregt. Ich hatte, solange ich mich erinnern
kann, dasselbe Problem, aber du hast meine Seele erregt. Der
Unterschied besteht darin, dass deine Traurigkeit gefährlich
für andere ist. Da du mir meine natürliche Unschuld
genommen hast, empfinde ich schlecht über mich selbst. Ich
bin unsicher und fühle mich schmutzig. Ich bin befleckt
worden. Ich fühle mich, als sei ich nur das Produkt einer
gequälten Seele und einer widerwärtigen Gewohnheit. Die
Ironie von allem ist dein Glaube. Du behauptest, stark zu
sein, ein gottesfürchtiger Mensch zu sein, aber die Dinge,
die du deiner Familie angetan hast, waren höchst ungöttlich;
etwas, das ein Mensch nicht begehen darf. Du hast deine Töchter
vergewaltigt, deine Frau und deine Kinder zur Strafe
geschlagen und hungern lassen und uns die geringst mögliche
Lebensweise gegeben. Eine lange Zeit über habe ich alle Gefühle
für dich geleugnet. Ich habe alle Erinnerungen verleugnet,
ich habe allen Schmerz verleugnet. Ich habe mir freiwillig
einen Schleier zum Schutz übergezogen. Ich habe einmal
wirklich geglaubt, wenn ich das Böse nicht anerkennen würde,
wäre es nicht da. Eines Tages habe ich erkannt, dass alles
doch passiert war, und ich begann, gesund zu werden. In den
vergangenen paar Jahren habe ich gekämpft, meine
Erinnerungen wiederzuerlangen. Man gewinnt einige, man
verliert einige. Jeden Tag kommen mehr zurück. Ich weiß
nicht, ob dir dein Problem bewusst ist oder nicht, aber ich
glaube, du bist dir der rechtlichen Folgen bewusst. Ich weiß
nicht, ob dir die Folgen bewusst sind, mit denen ich jeden
Tag körperlich und seelisch fertig werden muss. Jeder Tag
ist ein Kampf und wird es auch bleiben. Es gibt Rechte, die
du meiner Familie und mir genommen hast; darum musst du die
Folgen tragen. Du hast uns das Recht auf Sicherheit
genommen; Du hast uns das Recht auf Glück genommen; Du hast
uns das Recht auf gesunde Sexualität genommen. Ich war
nicht einmal dem geistigen Zustand nahe, eine Entscheidung
dieses Formats zu treffen. Ich mache mir Sorgen um frühere
und künftige Opfer, die noch ungenannt sind, die
hervorgekommen sind, die sich auf dem Weg der Gefahr
befinden. Daher musst du die Folgen bezahlen. Niemand sonst
muss innerlich sterben, um deinen Schmerz zu überwältigen.
Wie ich schon erwähnt habe, gibt es einen Heilungsprozess,
der vor ein paar Jahren begann. Die Heilung wird ein
schwerer, lang andauernder Prozess sein, aber es wird immer
besser. Ich glaube, ich lasse es mir schon gut gehen. Es ist
mir gelungen, mein Leben wieder aufzubauen – ohne dich.
Ich habe vor anderthalb Jahren die High School
abgeschlossen. Ich habe Freunde gefunden, ich baue weiter an
einer stärkeren Beziehung zu den existierenden
Familienangehörigen. Ich habe in einem Kampf gesiegt und
bin der Mensch, der ich seit Jahren sein wollte. Ich
verstehe, dass man Falsches nicht mit Falschem vergelten
darf, und daher will ich keine Rache, weil das für meinen
Heilungsprozess nicht gut ist. Ich habe – Entschuldigung.
Ich habe an den falschen Orten nach Heilung gesucht. Sexuell
habe ich vieles falsch verstanden und mir falsch
vorgestellt. Ich habe im Schmerz nach Heilung gesucht und
keine Befreiung gefunden. Dieser Prozess ist Teil meiner
Heilung. Ein Ende der Debatte ist nur ein Stich in diese
Wunde. Jeder in dieser Situation braucht Heilung, und ich
habe das Vertrauen, dass es gut ausgeht. Papa, dies ist mein
Lebewohl. Ich wünsche, dass deine Seele wieder Ruhe findet;
ich wünsche, dass du Heilung findest; ich wünsche, dass du
aus deinen Fehlern und den Folgen lernst. Mein Weg wird mit
diesem Tag immer heller. Lebewohl.” (Ende des Vorlesens.)
Das ist der Schluss meines Briefes. Ich möchte gerne ein
paar Gedichte vorlesen, in denen es um diese Sache geht.
Dies hier habe ich am 15. September 1998 geschrieben, und da
ging es um Erinnerungen, die in mir hochgekommen waren. (Hier
in Prosa wiedergegeben.) „Das Schreien wird lauter –
man kann es unmöglich hören. Es krallt sich in mir fest
und tritt auf meine Angst, es reißt mir das Gehirn heraus
und hackt auf meinen Eingeweiden herum, es lacht über meine
Worte und nennt mich Schlampe. Es tritt stundenlang auf mir
herum und sagt, ich sei verrückt, es tritt mir ins Gesicht
und wünscht mir ständig Schmerz. Verloren in der
Verwirrung, habe ich jeden Kampf aufgegeben. Mit meinem
Stolz hat es mir auch alle Kraft genommen. Ich bitte es um
Mitleid: Töte mich oder befreie mich. Mit monströsem
Lachen sagt er: Ich weiß nicht, wir werden sehen.“ Ich würde
gerne noch eins vorlesen. 12.
September 1998. „Er
kam zu mir in der Schwärze der Nacht, die Hände
ausgestreckt – da war kein Kampf. Dem maskierten Mann
wurden meine Umrisse langsam vertraut. Sanft rieb er seine Hände
auf mir, auf jedem Winkel mit starrem Blick. Mein Kind, du
bist so süß, vollkommen und reif. Dann kenne ich nichts
mehr als Niederlage. Seine Hände gingen durch meinen Nabel,
packten meinen Magen und sagten: Das tut nicht weh.
Herausgerissen und vor mir gegessen, in Stücke gerissen, fühlte
ich solch eine Qual, dass die Wunde bis heute bleibt. In
meinen Träumen geistert immer noch der Tag herum, an dem
mir der Frieden genommen wurde.” Und das ist alles. Danke.
Gericht: Danke.
Frau
Poisson:
Ich bin Hollys Mutter. Ich heiße Sarah McIntyre Poisson. Während
des Prozesses vor diesem Gericht war ich McIntyre, das ist
mein Mädchenname, buchstabiert M-c-Großes I-n-t-y-r-e. Und
im Verlauf des Prozesses habe ich einen wunderbaren Mann
geheiratet, dessen Nachname Poisson, P-o-i-s-s-o-n, ist. Ich
freue mich sehr über die Gelegenheit, hier vor Gericht zu
sprechen. So vieles ist so lange nicht gesagt worden, dass
diese Chance zum Schluss ein Geschenk ist. Im Zusammenhang
mit dem Prozess, der hier stattfand, hat das Gericht
erfahren, was mit Holly passiert ist. Was das Gericht jedoch
nicht kennt, das sind die fehlenden Stücke, die, wenn man
sie zusammenstellt, erkennen lassen, wie es war, mit Paul
Berry zu leben. Paul ist ein Mann, der ausfallend werden
kann. Er ist ausfallend im ganzen Sinn des Wortes. Er war körperlich
ausfallend gegenüber uns allen. Er war verbal ausfallend
gegenüber uns allen. Er zerstörte aus bloßem Spaß daran
Dinge, die für uns wichtig waren. Es war nichts Ungewöhnliches,
wenn eines der Kinder von der Schule durch die Tür kam und
seine Faust zu spüren bekam, nur weil er wegen irgend etwas
wütend auf mich war. Gewöhnlich hatte dieses „irgend
etwas“ damit zu tun, dass er meinte, ich hätte etwas
falsch gemacht. Wir waren mit dem Essen spät dran; ihm hat
nicht gefallen, was ich angezogen hatte; oder er war auf
jemand anderen wütend. Die Kinder zahlten den Preis, weil
Paul genau wusste, wie sehr mich das verletzte. Wenn den
Kindern etwas angetan wird, dann ist das verletzender, als
wenn einem selbst etwas angetan wird. Damals gehörten wir
zu einer Religionsgemeinschaft. Diese Gemeinschaft forderte
den Ausschluss aller Außenstehenden. Wir durften mit
niemandem außerhalb der Versammlung Umgang haben. Frauen
durften keine Ausbildung anstreben; und uns wurde geraten,
wenn möglich, nicht einer Arbeit nachzugehen. Das geschah,
um uns zu „schützen“. Wo immer irgendeine Anleitung benötigt
wurde, war das Sache der Ältesten in der Versammlung.
Wiederholt ging ich wegen meiner Sorgen wegen Pauls
Verhalten zu dieser Ältestenschaft; wiederholt hat man mir
gesagt, ich müsse eine bessere Ehefrau werden, ich müsse
mehr beten. Jedes Mal, wenn ich mit den Ältesten redete,
wurde ich in irgendeiner Weise bestraft. Man hat mir
Vorrechte genommen, weil ich es gewagt hatte, mir die Rolle
meines Mannes anzueignen, indem ich mit jemand anderem über
das redete, was bei uns zu Hause vorging. Etwa um diese Zeit
begann Heather, die noch sehr klein war, sich seltsam zu
verhalten. Sie weigerte sich, in ihrem Bett zu schlafen; sie
wollte nur in der Badewanne schlafen. Sie warf mit Sachen
nach ihrem Vater und wurde sehr gewalttätig. Heather war
die Art kleines Mädchen, die verwelkten Löwenzahl für
mich nach Hause brachte. Ich hatte den Verdacht, Paul würde
sie sexuell missbrauchen, und begann, Fachleuten Fragen zu
stellen und Heather zur Sozialberatung mitzunehmen. So ging
das jahrelang weiter. Sie wurde weiter missbraucht. Eines
Tages ging mein Sohn mit dem Abdruck einer Fliegenklatsche
auf seinem Bein zur Schule – einer ganzen Fliegenklatsche.
Die Schule gab einen Bericht an die Jugendbehörde. Ein
Sozialarbeiter besuchte mich und informierte mich, dass ich
noch am selben Tag bis 17:00 Uhr Paul aus dem Haus werfen
solle, sonst nähmen sie mir meine Kinder. Vor mir lag nun
die Entscheidung – und zwar eine sehr reale Entscheidung
– zwischen Gott, so wie ich ihn damals wahrgenommen habe,
oder meinen Kindern zu wählen. Und ich habe mich für meine
Kinder entschieden. Das Ergebnis dieser Entscheidung war
jahrelange äußerste Armut. Die gesamte Versammlung kehrte
uns den Rücken zu. Da wir niemand anderen kennen durften,
gab es buchstäblich niemanden, an den wir uns um
irgendwelche Unterstützung wenden konnten. Um Geld zu
verdienen, damit wir überleben konnten, musste ich wieder
zur Schule gehen. Ich hatte das immer gewollt, aber mein
Mann hat es verboten. Einmal versuchte ich, ohne seine
Erlaubnis zu gehen, aber er hat es herausgefunden und die Bücher
verbrannt. Die nächsten fünf Jahre ging ich ganztägig zur
Schule, hatte soviel wie zwei Vollzeitjobs und erzog
gleichzeitig auch noch meine Kinder. Oft haben sie sich
selbst erzogen. Natürlich gab es kein Geld für eine
Beaufsichtigung in der Schule nach dem Unterricht, als sie
alle in dem Alter waren. Die Älteren sorgten für die Jüngeren.
Ich habe meinen Bachelor und meinen Magister gemacht. Während
dieser Zeit brachte die Jugendbehörde Paul wiederholt vor
Gericht, weil er kein Unterhaltsgeld zahlte. Was ein paar
Dollar mehr in diesen Jahren ausgemacht hätten! Wir waren
oft hungrig und froren, und es schien keinen Ausweg zu
geben. Angetrieben, weiterzumachen, hat mich die Tatsache,
dass meine Kinder sonst absolut niemanden auf der Welt
hatten. Hollys Präpubertät und Pubertät waren verwirrend,
schmerzlich und manchmal entsetzlich. Es gab Zeiten, da
erschien mir ihr Verhalten wirklich psychotisch. Ich
versuchte, ihr zu helfen. Sie hatte Jahre mit sozialer
Beratung und stationärem Krankenhausaufenthalt. Der
behandelnde Psychologe sagte, dass ich Hollys Problem sei!
Dass sie und ich in einem Beziehungsnetz gefangen seien. Sie
wurde entlassen, und kurz darauf lief sie weg. Ich habe 18
Monate lang nichts von Holly gehört. Eines Tages rief sie
aus Indiana an und sagte, sie wolle nach Hause kommen. Ich
habe ihr eine Busfahrkarte geschickt und sie in Ascutney,
Vermont, aufgelesen. Sie war mager, sie war krank und sie
hatte Parasiten. Als sie aus dem Bus stieg, fragte sie mich:
„Warum hast du das geschehen lassen?“ Und ich sagte:
„Warum habe ich was geschehen lassen?“ Und das war das
erste Mal, dass ich von dem sexuellen Missbrauch an ihr hörte.
Holly hatte die Wahl, ihn anzuzeigen oder nicht, einen
Prozess durchzustehen oder nicht. Als ich sie in Gespräch
auf Gespräch ihre Geschichte erzählen hörte, wusste ich,
dass das die Wahrheit war. Ich wusste es, weil Paul ein paar
der bizarren Handlungen mit Werkzeugen, die Holly beschrieb,
auch an mir begangen hatte, wenn ich weinte. Ich hatte das
nie jemandem erzählt. Ich habe es nicht erzählt, weil ich
so gedemütigt war und mich schämte. Holly schämte sich
nicht. Sie hat während dieses ganzen Martyriums eine
erstaunliche Stärke gezeigt, und sie hat überlebt. Heather
war, als sie noch kleiner war, mehrfach zu stationären
Aufenthalten im Krankenhaus, darunter auch im Bostoner
Kinderkrankenhaus. Sie hat etwas getan, was wir in meinem
Beruf „sich schneiden“ nennen: Wenn Angst, Furcht, Wut
oder andere starke negative Emotionen sie überwältigten,
hat sie sich Schnitte beigebracht, um die Spannung
abzubauen. Leute, die sich schneiden, tun dies, weil es
etwas ist, über das sie Kontrolle haben, während sie über
andere Dinge in der Welt wenig Kontrolle haben. Ich habe
versucht, die Besuche bei Paul zu blockieren; ich habe die
Scheidung jahrelang hinausgezögert, damit sein Elternrecht
beendet würde. Aber es gelang mir nicht. Ich konnte sie
nicht vor ihm schützen. Ich wusste, dass er sie unsittlich
berührt hatte. Ich wusste nicht, wie; und ich konnte es
auch nicht beweisen. Heather hat ihren Schmerz überwunden,
trotz der psychiatrischen Gemeinschaft, die nicht hilfreich
für sie war. Sie ist eine glückliche und gut angepasste
junge Frau, die großes soziales Interesse zeigt. Jahrelang
haben Heather, ihre jüngere Schwester Hilary und ich an dem
Take Back the Night-Marsch teilgenommen, der jedes Frühjahr,
im April stattfindet. Das ist ein Marsch, der sich zum Ziel
setzt, häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen ein
Ende zu machen. Obwohl ihre Mitschüler sich oft über sie
lustig machten, weil sie an diesem Marsch teilnahm, sang sie
noch um so lauter. Heather ist wirklich eine Überlebende.
Ich wusste nicht, was mit meiner Tochter geschah, deshalb
kann man mir nicht die Schuld dafür geben. Ich wusste
allerdings, dass er sie schlug, und als es mir nicht
gelungen war, Hilfe von der Ältestenschaft zu erhalten, hätte
ich sofort Schluss machen sollen mit allem. Ich hatte so
viel Kontrolle und Gehirnwäsche bei mir zugelassen, dass
ich ihnen glaubte, als sie mir sagten, es sei meine Schuld:
ich müsse eine bessere Ehefrau sein und mehr beten. Als ich
das zuließ, da hatte ich indirekt die Schuld an den
weiteren Schlägen. Und damit muss ich für den Rest meines
Lebens fertig werden. Jede Organisation, die lehrt, Frauen
und Kinder seien schwächer als Männer und müssten daher
eingezäunt und beschützt werden, und die dann so eklatant
darin versagt, diesen Schutz zu bieten, verletzt ihre
Pflicht in fahrlässiger Weise. Jede Gruppe, die sagt: Hab
mit niemandem sonst Umgang, wir können für alle deine Bedürfnisse
sorgen – und die sich dann in den schwärzesten Stunden
von dir abwendet, besteht bestenfalls nur aus Heuchlern.
Jede Sozialarbeiterin, die fordert, dass du deine Familie
zerbrichst, und die dann, wenn man sie fragt: Was haben wir
dann zum Essen, wo sollen wir leben?, sagt (ich zitiere):
Das ist doch wohl nicht mein Problem!, versagt in ihrer
Pflicht, Schutz zu bieten, und auch als Mensch. Ein
Psychologe, der sagt, das Problem mit meiner Tochter rühre
von dem Beziehungsnetz zwischen uns her, und dem das
eigentliche Problem entgeht, riecht nach Unfähigkeit. Es
gibt Gaben, die mir aus dieser Erfahrung erwachsen sind. Ich
bin Klinikerin, die sich insbesondere mit häuslicher Gewalt
und Überlebenden sexueller Übergriffe befasst. Ich habe in
Komitees und Gremien gearbeitet, fünf Jahre lang als
Aufsicht für die Hotline zu häuslicher Gewalt in Sullivan
County und fünf Jahre lang als Familientherapeutin. Ich
habe Kundgebungen organisiert und zahllose öffentliche
Reden zu diesem Thema gehalten. Ich habe bei der
Regierungskonferenz zu häuslicher und sexueller Gewalt
gesprochen. Ich habe mich um einen Sitz im Repräsentantenhaus
beworben und zwei Jahre lang im Gesetzgebungskomitee zu Kind
und Familie gedient, weil diese Themen sehr wesentlich für
mein Leben geworden sind. Teilweise habe ich es getan, weil
es etwas ist, das getan werden muss; teilweise, weil ich
selbst mich von meiner eigenen Erfahrung erholen musste. Das
habe ich alles getan. Ich bin glücklich, ich bin frei, und
ich bin aus der Sache herausgekommen. Es gibt Dinge, die
Paul mir genommen hat, die er mir nicht mehr zurückgeben
kann. Ich frage mich nur, wie das Leben für Holly und für
Heather und für mich ausgesehen hätte, wäre dies nicht
passiert. Wohin gehen die ermordeten Seelen von Kindern? Was
ist mit Holly, dem kleinen Mädchen, geschehen? Er hat mir
das weggenommen. Und wohin ging Heathers Unschuld? Und warum
musste er mir dieses Kind rauben und es durch eines
ersetzen, das nur ständigen Schmerz und Angst erfuhr? Wie
konnte er nur so abgestumpft und selbstsüchtig sein, so
viel Leid bei Menschen zu verursachen, von denen er
behauptet hat, er liebe sie am meisten? Der Heilungsprozess,
der vor sich gehen kann, ist abgeschlossen. Es gibt jetzt
nur Fragen, die nicht beantwortet werden können. Ich möchte
der Jury, dem Büroteam des Bezirksstaatsanwaltes, das den
Fall behandelt hat, und dem Gericht meinen Dank aussprechen.
Was da an Empfindungen hochkommt, wenn Schuldsprüche gefällt
werden, ist absolut unbeschreiblich. Und endlich, nach
zwanzig Jahren und vierzehn Tagen, ist der Alptraum vorbei.
Gericht: Danke.
Staatsanwältin
Brown: Die
Staatsanwaltschaft hat zu diesem Punkt nichts zu sagen.
Gericht: Danke, Frau Staatsanwältin Brown. Herr Rechtsanwalt
Sisti?
Verteidiger
Sisti: Danke,
Euer Ehren. Euer Ehren, es gibt ein paar Dinge, die wir hier
erwähnen möchten. Es geht um den Anfang. Ich weiß, dass
das Gericht das bereits weiß, und ich weiß, dass die
Staatsanwaltschaft es auch weiß, aber es muss noch einmal
gesagt werden. Es steht in dem Bericht zur Voruntersuchung,
und zwar ziemlich deutlich. Es steht in Absatz 36. Und da
steht es, und wir können es noch einmal sagen – und ich möchte
das klarstellen – es steht zwar eine Menge Wut hier im
Raum, es steht eine Menge Leidenschaft im Raum, aber unsere
Haltung ist – und Herr Berry möchte, dass jeder das weiß
– dass er diese Handlungen nicht begangen hat; und dass
wir deshalb in Berufung gehen werden – und das Gericht weiß
das. Ich möchte mich nicht in die Einzelheiten der Berufung
vertiefen, aber generell haben sie mit den Dingen zu tun,
die die Jury nicht gewusst hat. Es geht um Dinge, die die
Staatsanwaltschaft mit Erfolg und im Wesentlichen vor der
Jury unterdrückt hat. Und das sind die Dinge, die wir bei
der Berufung vorbringen werden, die im nächsten Prozess den
zwölf Mitgliedern der Jury zur Aufmerksamkeit gebracht
werden, so dass sie objektiv entscheiden können, ob die
hier vorgebrachte Geschichte wahr ist: das Thema der Glaubwürdigkeit
dieses angeblichen Opfers; das Thema des Beweggrundes dieses
angeblichen Opfers; das Thema der seelischen Gesundheit
dieses angeblichen Opfers; das Thema des Drogengebrauchs
dieses angeblichen Opfers; das Thema von Erzählungen über
weitere Vergewaltigungen dieses angeblichen Opfers. Aber
das, Herr Richter, ist für einen anderen Tag. Was ich jetzt
zuerst tun möchte, ist, hier Leute vorzuführen. Sie sitzen
hinter mir. Ich bitte sie einfach, aufzustehen, sich
vorzustellen und sehr, sehr kurz zu sagen, wie sie Paul
kennen, vielleicht auch, seit welcher Zeit – irgend so
etwas. Können wir hier vorne gleich anfangen?
Zeuge
der Verteidigung 1:
Ich heiße Joyce Saunders. Ich kenne Paul schon seit den frühen
1980er Jahren, als er mit seiner Familie in die Gegend von
Greenville zog. Wir gehören derselben Religionsgemeinschaft
an. Unsere Kinder gingen zusammen zur Schule. Ich kenne Paul
nur als jemanden, der in materieller Hinsicht sehr gut für
seine Familie gesorgt hat. Meine Familie hat der seinen auch
in schweren Zeiten geholfen, wir haben für Feuerholz
gesorgt, [wenn wir merkten,] dass es kalt war, oder für
Lebensmittel, oder jahrelang für den Babysitterdienst –
alles noch lange, nachdem die Familie zerbrochen war. Ich
kenne Paul als sehr ehrlichen Menschen, als sehr zuverlässig,
wenn es darum geht, dass er seine Kinder mitnimmt, für sie
da ist. Und ich hatte nie Zweifel daran, wie er eines meiner
Kinder behandelte, oder – ich habe nie Zeichen von
Missbrauch entdeckt, wenn meine oder seine Kinder herüber
ins Haus kamen. Ich – ich bin entsetzt über den Gedanken,
dass man solche Anschuldigungen gegen einen so freundlichen
Menschen, wie Pauls es ist, auch nur in Erwägung ziehen
kann.
Verteidiger
Sisti: Nur
für das Protokoll, Euer Ehren: Sie erinnern sich vielleicht
daran, dass dieser Frau das Recht auf eine Zeugenaussage mit
Hinblick auf die Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers
verweigert wurde.
Zeuge
der Verteidigung 2:
Ich habe Halsschmerzen.
Verteidiger
Sisti: Das
kann unangenehm werden!
Zeuge
der Verteidigung 2:
Ich heiße Doris [Glenn]. Ich kenne Paul seit zwölf Jahren.
Ich gehöre derselben Religionsgemeinschaft an. Ich möchte
nur sagen, dass ich den Magister in Pädagogik habe und eine
von den – ich bin eine Zeugin Jehovas, und ich bin seit
siebenundzwanzig Jahren Sonderschullehrerin in Nashua. Ich
arbeite hauptsächlich mit Kindern, die seelische und
Verhaltensprobleme nach sexuellem Missbrauch haben. Und wir
kennen Paul – meine Familie: mein Mann, meine Kinder und
ich – wir sind mit den Jahren gute Freunde geworden, und
ich hatte niemals einen Grund zu vermuten, dass da etwas
Ungewöhnliches vor sich geht.
Gericht: Danke.
Zeuge
der Verteidigung 3:
Ich bin Rita Rivard, und ich kenne Paul schon seit dreizehn
Jahren. Und [er ist gut zu] unserer Versammlung. Ich habe
immer gemerkt, dass er ein guter Familienvater ist: das war
eins der Dinge, die mich an ihm beeindruckt haben. Und in
all den Jahren ist mir aufgefallen, dass er immer ein
treusorgender Mensch ist, jemand, der immer bereit war,
Menschen zu helfen, wo er konnte, ein integrer Mann. Ich
habe nie einen Grund gesehen zu denken, das wäre anders bei
ihm. Und wenn es je die Möglichkeit gäbe, dass er mein
Nachbar wäre oder dass ich für meine 3 ½-Jährige Enkelin
einen Babysitter brauchte, ich würde nicht zögern, Paul zu
nehmen.
Zeuge
der Verteidigung 4:
Mein Name ist Bob Ward. Ich bin einer der Ältesten in der
Versammlung, zu der Paul gehörte. Ich kenne ihn schon etwas
mehr als fünfzehn Jahre. Ich kann mich daran erinnern, wie
Holly und Heather und der Rest von ihnen so groß waren, ich
habe sie aufwachsen sehen, und – Familie? Ich war oft in
seinem Haus. Ja, Paul hatte Probleme wie wir alle.
Vielleicht damit, seine Arbeitsstelle zu behalten – er
hatte Arbeit – aber er war – er war immer für seine
Kinder da. Tatsächlich habe ich die Kinder manchmal drei-
oder viermal in der Woche gesehen. Sie kamen zu den
Zusammenkünften, ich ging in ihr Haus – es gab keine
Probleme. Ja, das waren gute Kinder. Und wenn Leute aus der
Versammlung und andere sich trafen, wir hatten keine
Probleme, wenn Paul die Kinder hatte. Tatsächlich leitete
er eine Gruppe für den Rasen – den Rasen mähen und
sauber halten und so. Kinder und Jugendliche – Eltern
haben ihre Jungen, wissen Sie, so 12 bis 15, 16 Jahre alt,
kommen und mit ihm arbeiten lassen. Es gibt niemanden, der
seine Kinder von ihm fernhalten würde – er war gut zu
ihnen. Und deshalb – ich glaube aus allem, was ich gesehen
und gehört habe, und ich war auch in einigen Fällen bei
Sarah, wenn sie Probleme hatte – nicht ihre Schuld,
sondern die von jemand anderem. Und so habe ich versucht,
ihr zu helfen. Und deshalb will ich über Paul sagen: Ich
stimme zu, dass das keine Situation ist, in der er sein
sollte. Nach allem, was ich ersehe, ist er sauber. Danke,
Euer Ehren.
Zeuge
der Verteidigung 5:
Ich bin Paul Ward. Ich bin sein Sohn. Und ich bin hier, um
Paul zu unterstützen. Ich kenne Paul ebenso schon 15 Jahre,
und Paul und ich haben viel zusammen unternommen, beim Sport
oder bei so etwas – irgendetwas in dieser Richtung. Ich
habe zwei Jungen. Ich bin mit Paul zusammen aufgewachsen,
und wir haben zusammen viel unternommen. Und wenn ich
glauben würde, dass Paul schuldig ist, dann wäre ich nicht
hier.
Zeuge
der Verteidigung 6:
Ich heiße Susan Ward. Ich bin schon seit vielen Jahren mit
Paul befreundet. Wir haben eine gemeinsame Freundin in
Honduras, und Paul hat mit mir und diesem Mädchen Zeit
verbracht, wenn sie uns besuchte. Und ich möchte sagen,
wenn ich da irgend welche Zweifel bei Paul gehabt hätte,
dann hätte mein Mann das nicht zugelassen. Paul und ich
haben acht Jahre lang und noch mehr oft damit verbracht,
zusammen Königreichssäle zu bauen. Ich arbeite bei diesen
Königreichssälen als Maurerin, so hat er immer neben mir
gearbeitet. Paul ist nicht schuldig, und ich bete darum,
dass er nicht auch nur einen weiteren Tag im Gefängnis
verbringen muss.
Zeuge
der Verteidigung 7:
Mein Name ist Shirley [Roby], und ich kenne Paul seit so um
die acht Jahre. Er war immer ein feiner Mann. Ich habe
niemals – ich bin niemals irgendwohin gegangen mit ihm,
aber dies hier ist meine Tochter, und ich weiß, dass sie
immer ein gutes Verhältnis zueinander hatten, wenn sie
zusammen gearbeitet haben, in den Dienst gegangen sind, mit
Leuten geredet haben – an den Türen zusammen, was ich
selbst mit Paul auch getan habe. Er war immer ein feiner
Mann, und ich bete auch für ihn, dass er nicht verurteilt
wird.
Zeuge
der Verteidigung 8:
Ich bin Mike [Earhardt]. Ich kenne Paul jetzt schon seit ein
paar Jahren aus der Ferne. Und letztes Jahr hatte ich das
Vorrecht, dass er zu uns nach Hause gekommen ist und seine
Zeit mit uns verbracht hat – mit unserer Familie, im
vergangenen Jahr. Und ich habe zwei Jungen und ein
Kleinkind, und Paul hat ihnen gegenüber seine Zuneigung
immer auf anständige Weise gezeigt. Ich würde ihm jeden
Tag unsere Kinder zum Aufpassen geben. Ich kenne ihn auch
als einen guten Arbeiter. Er hat eine kurze Zeit mit mir
zusammen gearbeitet. Er hat mich auf anständige Weise
vertreten – ich wusste, dass er das tun würde – und ich
würde ihm jede Arbeit zuteilen, so vertraue ich ihm. Für
die kurze Zeit, die ich ihn kenne, ist er also ein guter
Freund gewesen: er erwies sich immer als vertrauenswürdig
und moralisch [rein].
Zeuge
der Verteidigung 9:
Mein Name ist Renata [Earhardt]. Ich kenne Paul schon ungefähr
15 Jahre lang. 1985 und 1986 brauchte ich jemanden als
Babysitter, als meine Kinder noch kleiner waren, Ich weiß,
dass er ein guter Vater und ein guter Ernährer war, jemand,
dem ich vertraut habe. 1986 war ich für ihn – bei ihm
beschäftigt, und er war fair und ehrlich in Geschäftsdingen.
Anfang 1987 war eine Freundin von mir gestorben. Es war für
mich eine Zeit der Unruhe, und er war der stabilisierende
Faktor in meinem Leben. Er hat immer Zeit für mich und
meine Kinder gefunden. Nochmals: er war wie ein Bruder zu
mir; er war ein beständiger Mensch; was seine Beschäftigung
angeht: ich kenne ihn als harten Arbeiter; ich weiß, er hat
freiwillig schwer gearbeitet, um anderen zu helfen; er passt
auf sich auf, wenn er mit anderen zusammen ist; Ich weiß
dass er Wertschätzung – dass er das Leben wertschätzt;
er achtet andere Menschen; er hat Wertschätzung für das
Leben um ihn herum. (Schniefen) Entschuldigung! Und ich weiß,
dass er ein guter und anständiger Mensch ist, jemand, der
jederzeit mir und meinen Kindern willkommen ist.
Zeuge
der Verteidigung 10:
Euer Ehren, ich bin Jean (Mirona). Das ist für die meisten
von uns eine schwierige Situation, weil wir nie zuvor in
dieser Lage waren. Bitte verstehen Sie also, dass wir aus
Nervosität zittern. Aber ich wollte ihnen gegenüber erwähnen,
dass ich Paul bereits so an die zehn Jahre kenne. Ich bin
Mutter und Ehefrau. Ich bin schon seit fast 35 Jahren mit
demselben Mann verheiratet; er ist ein wunderbarer Ehemann.
Und ich habe fünf Kinder, davon haben zwei mit den beiden Mädchen
von Paul Umgang gehabt. Und wir sind zusammengewesen, und
Paul war bei vielen Gelegenheiten bei uns zu Hause, weil er
bei uns eine Arbeit verrichtet hat. Er war mehrere Male –
er ist so ein harter Arbeiter. Er hat die Teppichböden
gereinigt, er hat Fenster eingesetzt, er hat das Haus von außen
kunststoffverkleidet – er kann schon arbeiten. Aber er ist
mehr als das; er ist ein anständiger und freundlicher
Mensch. Ich hatte die Gelegenheit, Pauls Dinge zu nehmen und
in seinen Wohnwagen zu packen, denn als er angehört wurde
– und in seinem Fall, wo er jetzt für schuldig befunden
wurde – er dachte, er könne wieder nach Hause; er dachte,
man würde ihn für unschuldig erklären, denn er wusste,
dass er unschuldig war. Daher hat er alles in seinem
Wohnwagen gelassen, so dass er nach Hause kommen, die Vögel
füttern und die Wäsche waschen würde. Nun, als wir kamen,
mussten wir alles wegpacken. Ich habe nach einem Anzeichen
gesucht, dass irgendetwas nicht stimmt, ich bin ja Mutter;
aber alles war in Ordnung. Ich habe Briefe gefunden, die die
kleinen Mädchen an ihren Vater schrieben. Sie sagten: Papa,
du bist der Größte – wir lieben dich. So etwas, Karten
an ihren Vater, Bilder. Es zeigte mir, dass das, was ich von
Paul glaubte, stimmte. Entschuldigen Sie bitte, wenn wir so
nervös sind. Wir wissen, dass dieser Mann unschuldig ist.
Danke, Euer Ehren.
Zeuge
der Verteidigung 11:
Mein Name ist Robin [Nolan]. Ich bin diplomierte
Krankenschwester und Leiterin der Abteilung für
Berufskrankheiten am [Gemeindekrankenhaus von Monadnock].
Ich bin auch Mitglied bei den Zeugen Jehovas, in der
Versammlung in Wilton. Ich kenne Paul jetzt schon annähernd
zehn Jahre. Während dieser Zeit habe ich ihn als nichts
anders als freundlich und aufmerksam kennen gelernt. Ich
habe auch eine Tochter – zwei Töchter, von denen eine mit
Heather zur Schule ging, und ich habe meiner Tochter
erlaubt, bei ihnen zu Hause zu sein, als sie noch jünger
war, und mit Heather zu spielen. Ich hatte zu keiner Zeit
Zweifel oder Sorgen, weil sie bei Paul oder in ihrem Haus
war. Ich glaube wirklich, Euer Ehren, dass Paul unschuldig
ist.
Zeuge
der Verteidigung 12:
Ich heiße Erin (Corcoran).Ich bin ihre Tochter. Paul ist
ein guter, gütiger Mensch. Ich bin immer zu ihnen nach
Hause gegangen, als ich noch jünger war, und Paul ist
einfach ein liebevoller Vater und ein guter Mann. Ich habe
letzten Monat geheiratet. Und Paul ist einfach ein
wunderbarer Mensch. Er hält nur Ausschau, wie es anderen
Menschen geht, und dann sorgt er für sie und ist freigebig.
Zeuge
der Verteidigung 13:
Mein Name ist Sharon Ellis. Ich kenne Paul jetzt schon seit
etwa zehn Jahren. Ich habe drei hübsche, kleine Mädchen,
die ich wirklich sehr beschütze. Wir hatten Paul bei vielen
Gelegenheiten bei uns im Haus. Wir sind mit Paul
ausgegangen. Paul hat auch auf meine drei Kinder aufgepasst.
Würde ich Paul wieder auf sie aufpassen lassen, dann würde
ich es tun, weil er ein freundlicher, sanfter, vertrauenswürdiger
Mann ist. Ich habe auch einen Brief, den meine 11-Jährige
Tochter schrieb. (Liest vor) „Mein Name ist Jessica
Ellis. Ich bin elf Jahre alt, und ich kenne Paul seit vier
oder fünf Jahren.“ Und sie erinnert sich. (Liest vor)
„Ich erinnere mich, als du uns ermuntert hast, Spiele mit
uns zu spielen, und als wir eine Menge Dinge zusammen getan
haben. Paul, du bist ein treusorgender liebevoller,
freundlicher Mensch, und ich werde dich vermissen. Und ich
hoffe, sie stecken dich nicht ins Gefängnis. Grüße,
Jessica.“
Zeuge
der Verteidigung 14:
Ich bin Janet Dube. Ich bin eine Zeugin Jehovas. Ich kenne
Paul seit zehn Jahren. Er ist immer freundlich und
aufmerksam gewesen, immer bereit, anderen, die in Not sind,
zu helfen. Im Sommer hatten wir einmal im Monat eine
Grillparty, wo die Familien zusammen waren. Paul hat die
Kinder immer ermuntert, Frisbee, Volleyball, Whiffleball,
oder was immer, zu spielen. Er dachte immer an sie. Und die
Kinder haben Paul gemocht, weil er sich um sie kümmerte und
sich immer Zeit für sie nahm Paul ist ein guter, ehrlicher
Mensch. Er kennt die Bibel, er weiß, wie – er ist Gott
Rechenschaft schuldig, er weiß, wie Gott über Lügner
denkt, und ich bin sicher und glaube, dass Paul nicht lügen
würde. Ich glaube an Pauls Unschuld und bete darum, dass er
nicht ins Gefängnis muss.
Zeuge
der Verteidigung 15:
Ich heiße Mike Dube, Euer Ehren. Dies hier ist meine Frau.
Ich kenne Paul seit wenigstens 10 bis 12 Jahren, ich habe
gemeinsam mit ihm Sport und andere Dinge gemacht. Er ist ein
sehr sanfter Mensch, er wird geachtet, er ist treusorgend.
Er war bei mir zu Hause, wie bemerkt wurde. Ich hätte keine
Probleme damit, meine Kinder in seiner Obhut zu lassen, wenn
es darum geht. Eines ist er bestimmt nicht, nämlich ein
Monster.
Zeuge
der Verteidigung 16:
Ich bin Derek [Hilpin]. Ich kenne Paul jetzt seit etwa zehn,
fünfzehn Jahren, aber seit fünf Jahren sind wir tagein,
tagaus Arbeitskollegen. Und man sollte doch meinen, in fünf
Jahren, wenn man jeden Tag mit ihm zusammen arbeitet, würde
etwas zu erkennen sein, dass man eine Neigung bei ihm für
das entdeckt, dessen er angeklagt ist – er hat sich nicht
viel Sorgen um diesen Fall gemacht, weil er sich unschuldig
fühlte, wissen Sie. Wir haben in der ganzen Gegend
gearbeitet, in Amherst, in Bedford. Und wenn jemand bei
einem aus und ein geht, sollte man doch denken, dass etwas
– dass irgendetwas herauskommen würde. Aber ich habe ihn
nie anders als einen guten Arbeiter gekannt. Hausbesitzer würden
ihm ein Lob aussprechen, weil er solch ein guter Arbeiter
ist, und ich musste ihn immer zurückhalten davon, mit
Leuten zu reden – mit Kunden. Aber ich habe eine sechs
Monate alte Tochter draußen. Als sie aufwuchs, hätte ich
nicht zweimal überlegt. Paul hätte auf sie aufpassen dürfen,
weil – ich weiß, er sollte heute nicht hier sein. Er
sitzt schon seit Juni, das ist an sich schon eine schlimme
Strafe, weil er nicht einmal in der Lage ist, zu (unhörbar)
.
Zeuge
der Verteidigung 17:
Mein Name ist Jose Rodriguez. Ich kenne Paul seit vier
Jahren. Wir haben eine Menge Zeit zusammen in der spanischen
Versammlung verbracht. Wenn ich den Menschen beschreiben
sollte, der er in den vier Jahren war, dann kann ich nur
sagen, dass er ein hart arbeitender Mann ist; er ist einer
der nettesten Menschen, denen ich je begegnet bin; er ist
vertrauenswürdig. Ich erinnere mich, dass er in der Zeit,
die wir zusammen verbrachten, immer bereit war, mir in
Situationen zu helfen – wenn ich etwas brauchte. Und nicht
nur das, ich habe bemerkt, dass er nicht nur zu mir, sondern
auch zu anderen fair ist, er ist immer bereit, alles für
sie zu tun, ihnen auszuhelfen. Ich hoffe, dass er nie seine
Zeit im Gefängnis verbringen muss, und ich hoffe, die Zeit
– dass die Zeit kommt, wo er seine Unschuld beweisen kann.
Zeuge
der Verteidigung 18:
Euer Ehren, ich heiße Thomas Quigley. Ich bin Geschäftsmann,
und ich (nicht zu verstehen) in Manchester. Ich kenne
Paul seit etwa sechs Jahren. Ich habe vier Kinder. Meine [älteste]
Tochter ist jetzt auf der Höheren Schule, sie arbeitet an
ihrer Karriere. Dazu ermutige ich alle meine Kinder. (Nicht
zu verstehen) auch den Vollzeitdienst. Ich habe Paul bei
freiwilligen Arbeiten, bei denen wir zusammen waren, kennen
gelernt. Ich habe ihn im vergangenen Jahre besser kennen
gelernt, und in den letzten paar Monaten noch mehr. Ich
besuche – ich habe Paul weiter im Gefängnis besucht, weil
ich auch Ältester in der Versammlung bin. Es ist für mich
besonders ermutigend, ihn dort zu sehen, weil ich sagen würde,
bei allen meinen Besuchen, außer einem, war er positiver
[als sogar] ich, der ich versucht habe, ihn aufzumuntern. Er
hatte – er hat nichts Schlechtes über seine Frau oder über
seine Töchter zu sagen. Er glaubt fest an seine Unschuld,
wie ich auch. Er ist enorm stabil und gutmütig und erträgt
eine schwierige Situation, die für viele andere zu lang wäre.
Zeuge
der Verteidigung 19:
Mein Name ist David [Garey]. Ich bin auch Geschäftsmann in
dieser Gegend und auch einer der Ältesten in der
Versammlung. Ich kenne Paul seit an die fünfzehn Jahre. Ich
kenne ihn vom Umgang her, ich kenne ihn von geschäftlichem
Standpunkt aus, und ich kenne ihn persönlich. Ich kann
einfach nicht glauben, was ich jetzt über diesen Mann höre.
Ich habe auch für eine fünfköpfige Familie gesorgt. Zu
keiner Zeit hat mir Paul einen Hinweis gegeben, oder durch
seine Handlungsweise gezeigt, oder durch das, was er hatte,
was er tat, dass er eines dieser Vergehen, dessen er hier
angeklagt ist, fähig wäre. Ich würde jederzeit meine
Kinder mit Paul zusammen in meinem Haus lassen.
Zeuge
der Verteidigung 20:
Ich bin James Hilton. Ich kenne Paul seit etwa siebzehn
Jahren, seit er hier in die Gegend von Greenville gezogen
ist. Ich bin auch Ältester in der Christenversammlung, und
in dieser Zeit hatte ich manchmal die Gelegenheit, mit Sarah
und Paul zu reden. Niemals wurde über so etwas gesprochen,
dass das ihre Probleme waren. Ich hatte auch die
Gelegenheit, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich habe mein
eigenes Geschäft gehabt. Paul hat bei mir gearbeitet und
bei meinem Sohn, der jetzt das Geschäft übernimmt, und der
hat weiter mit Paul zusammen gearbeitet. Während dieser
Zeit hat Paul nie darauf hingewiesen, dass so etwas in
seiner Familie geschieht. Und nach seiner Scheidung zog Paul
in den Wohnwagenpark, wo ich lebe, und jetzt wohnt er ein
paar Türen weiter als ich, und in dieser Zeit lernte ich
die beiden Mädchen kennen, die bei ihm lebten. Wir haben
sie regelmäßig in den Dienst mitgenommen, und zu keiner
Zeit schienen sie in irgendeiner Weise niedergeschlagen oder
negativ gegenüber Paul zu sein. Alles schien immer obenauf
zu sein, und sie
schienen das Leben zu genießen. Ich kann mit Sicherheit
nicht glauben, dass so etwas von Paul kommen würde.
Zeuge
der Verteidigung 21:
Ich heiße Gail Hilton, und ich bin Jims Frau. Ich kenne
Paul seit siebzehn Jahren, und ich kenne auch die Familie so
lange. Und nie in all den Jahren hätte ich an so etwas
gedacht. Paul war ein liebevoller und fürsorglicher Mensch,
und er ist immer bereit, jedem zu helfen. Und wie mein Mann
sagte, als er in den Wohnwagenpark zog, da war er ein guter
Nachbar, und seinen Töchtern ging es gut und sie waren glücklich.
Ich kann einfach nicht glauben, [dass das alles vorbei ist].
Zeuge
der Verteidigung 22:
Mein Name ist Dean [Foucher], ich bin pensionierter
Polizeibeamter aus Worcester, Massachusetts, und
Feuerwehrmann in Worcester. Ich zog in diese Gegend und traf
Paul Berry vor etwa fünfzehn Jahren. Ich habe ein Geschäft,
und Paul hat oft bei mir gearbeitet. Er hatte stundenlange
Anfahrtswege zu seinen Arbeitsstellen. In Bezug auf die
Kinder war er immer obenauf. Paul sprach immer sehr gut von
ihnen. Er sprach davon, wie gut das war, wie die Kinder in
der Schule vorankamen. Nur ein paar Mal hatte ich ein
Problem mit Paul: Wenn er nicht für mich arbeiten konnte,
dann war das, weil er irgendwo seine Kinder auflesen oder zu
Hause sein musste, wenn sie von der Schule kamen. Ein sehr
verantwortungsbewusster Mann, Euer Ehren, ein ehrenwerter
Mann. Ich habe drei Kinder, und sie schrieben an Paul. Auch
wenn er weit von zu Hause weg ist, möchten sie wissen, was
er tut. Und sie haben ihn gemocht. Sie haben ihn mit den
Jahren kennen gelernt. Er blieb bei uns zu Hause mit den
Kindern, wenn ich spät von der Arbeit kam. Ich habe ihm
sogar meine Kinder anvertraut. Und meine kleinere Tochter,
sie kennt Paul nicht sehr gut, aber ich kann dem Gericht
sagen, wenn ich heute Abend einen Babysitter brauchte, dann
würden wir Paul nehmen. Danke, Euer Ehren.
Zeuge
der Verteidigung 23:
Mein Name ist Wendi Herman. Ich bin Geschäftsfrau und auch
Mitglied in der Versammlung der Zeugen Jehovas, und ich
kenne Paul seit ungefähr sechzehn Jahren. Ich traf ihn
zuerst geschäftlich. Er arbeitete für einen Herrn, der für
mich tätig war, und ein paar Jahre später kauft er den
Hausmeisterdienst von diesem Herrn – [ich arbeite] als
Kauffrau. Und so haben wir in den Jahren zusammen
gearbeitet, und ich habe gesehen, dass er auf diesem Gebiet
hart arbeitet, und dass er jemand war, der immer – das,
was er gesagt hat, hat er auch getan. Er war immer sehr
hilfsbereit, sehr besorgt um die Empfindungen anderer, ob
man die Arbeit so tat, wie sie sie getan haben wollten. Ich
kenne ihn auch als Menschen und als einen Freund. Wie haben
in den Jahren so manches unternommen. Wie manche gesagt
haben: Wir unternehmen etwas. Wir haben Picknicks,
Grillpartys, wir haben Wanderungen unternommen und Sport
getrieben; wir waren immer zusammen. Und so, wie wir es
gesehen haben, haben es auch andere zum Ausdruck gebracht.
Wir haben eine ganz andere Person gesehen als die, die hier
im Gerichtssaal beschrieben wurde. Niemand von uns hat etwas
von dem gesehen, was hier gesagt wurde. Wir haben ihn als
anständigen Menschen gesehen, so wie ihn auch die Leute in
der Gemeinde, in der Versammlung, wie ihn seine persönlichen
Freunde sehen. Daher möchte ich Sie bitten, Euer Ehren,
dass dies der letzte Tag ist, den er im Gefängnis
verbringt, und dass er freikommt.
Zeuge
der Verteidigung 24:
Guten Tag, Euer Ehren. Ich heiße Carla [Ranchela]. Ich
kenne Paul jetzt seit annähernd sechs Jahren oder so. Ich möchte
[allerdings] nur sagen, dass ich Absolventin des [Barrett]-College
bin. Paul ist mein Nachbar seit – er ist zweimal mein
Nachbar gewesen, einmal in Greenville und einmal in Wilton,
New Hampshire. Mein Bruder und ich sind die ganze Zeit über
hinüber gegangen und haben sich bei Paul aufgehalten und
mit ihm Filme angesehen. Hätte ich irgendein Anzeichen
bemerkt, dass so etwas passierte, ich wäre mit meinem
Bruder nie hinüber gegangen. Meine Mutter hat erlaubt, dass
wir bei ihm waren – ich – ich kann einfach nicht
glauben, dass das passiert, Euer Ehren. Ich denke, Paul ist
unschuldig, er ist – er war immer freundlich und fürsorglich,
und ich kann einfach – ich kann wirklich nicht glauben,
dass dies hier geschieht. Danke.
Zeuge
der Verteidigung 25:
Mein Name ist [Hearne]. Ich kenne Paul seit etwa sechzehn
Jahren flüchtig. Ich kenne ihn als einen Mann, der sich
immer höflich und anständig benimmt. Er war nie grob und
hat in keiner Weise so gehandelt, dass man sich bei ihm
unbehaglich fühlte. Ich bin die meiste Zeit meines Lebens
über auch Zeuge Jehovas gewesen. Ich habe meinen Magister
gemacht und habe zwanzig Jahre lang in der Computerwelt
gearbeitet – und ich bringe dies vor, um alle
Anschuldigungen zurückzuweisen, dass Jehovas Zeugen von
einer Ausbildung abgeraten wird. Die meisten von uns haben
eine sehr gute Ausbildung, und wir – viele Leute in diesem
Raum haben gesagt, dass wir auch eine weltliche Arbeit
haben. Ich wurde ermuntert, immer selbst für mich sorgen zu
können, unabhängig zu sein, auf das aufzupassen, was in
der Welt vor sich geht, so dass wir eine angemessene
Zeugenaussage machen können, wenn wir dazu aufgefordert
werden. Ich bin sehr traurig, dass Paul jetzt in dieser Lage
ist, und mit den anderen zusammen bitte ich darum, dass dies
sein letzter Tag (unhörbar) im Gefängnis ist.
Zeuge
der Verteidigung 26:
Ich bin Pat [Hearne]. Meine Töchter und mein Mann sind auch
hier. Ich kenne Paul seit annähernd fünfzehn Jahren als
Mitglied der Versammlung. Ich habe ihn immer als einfühlsam
und fürsorglich erlebt. Er ist praktizierender Christ. Er
glaubt an das, was die Bibel über Moral lehrt, und aus
allem, was ich je an ihm beobachten konnte, sehe ich, dass
er genau das in die Tat umsetzt. Ich denke über ihn genauso
wie die anderen: Er ist ein ehrenwerter Mann. Ich freue
mich, dass ich ihn als Freund bezeichnen kann.
Zeuge
der Verteidigung 27:
Mein Name ist Robert [Michalowski]. Ich bin Designer bei (unverständlich)
Associates in Andover, Massachusetts. Ich bin das schon seit
sieben Jahren oder so. Ich war früher auch Ältester in der
Versammlung in Milford – vielmehr in Wilton. Gelegentlich
haben andere Älteste und ich die Familie Berry besucht und
mit ihnen geredet. Die Beziehung mit Paul [und] dass wir ihn
kennen, das geht schon fünfzehn bis zwanzig Jahre. Damals
redeten wir immer wieder mit Paul, wir redeten auch mit
Sarah, und wir besuchten sie auch oft. Wir benutzten dabei
die Heilige Schrift als Hilfe. Wir sind keine vollkommenen
Menschen, wir sind keine, man mag sagen, Experten; aber wir
halten uns an biblische Grundsätze, so wie das sechshundert
– nein, sechs Millionen Zeugen Jehovas auf der ganzen Welt
tun. Paul – ich werde mit ihm reden – er ist ein Mensch,
der in unserer Familie in hohem Ansehen steht. Meine Töchter
fragen mich ständig, was er macht. Ich muss ihnen die
traurige Nachricht geben, dass er immer noch im Gefängnis
ist. Welche Anschuldigungen auch immer gegen ihn vorgebracht
wurden, da muss irgendetwas falsch verstanden worden sein,
denn niemals hätten wir das als Älteste in der Versammlung
auch nur eine Minute geglaubt. Denn wenn es ein Problem mit
Missbrauch gibt, dass jemand seine Familie schlecht
behandelt, da sind die Ältesten sehr schnell dabei. Jedes
Mitglied hier – ich weiß alles über sie, wir sind so eng
zusammen wie Sie mit Ihrer Familie, oder andere Angehörige
mit ihrer Familie, wie auch immer. Und wenn etwas aufkommt,
dann wissen wir darüber mit Sicherheit zum größten Teil
Bescheid. Was Paul betrifft, so hat meine Familie – ich
habe drei Jungen und zwei Mädchen groß gezogen – Umgang
mit seiner Familie gehabt; wir haben zusammen bei ihnen zu
Hause gegessen. Ich habe nie ein Anzeichen für das
entdeckt, was hier an Beschuldigungen vorgebracht wurde,
oder die Anschuldigungen, die ich früher gehört habe –
vor der [Jury]. Paul ist ein guter Vater. Und er bleibt auch
weiter ein guter Vater, trotz der Anschuldigungen, die gegen
ihn vorgebracht wurden. Was meine Familie angeht, wir würden
ihn als Babysitter nehmen. Ich habe immer noch ein Mädchen
bei mir im Haus. Sie ist jetzt sechzehn, und dann ist da
noch eine ältere, die lebt auch dort. Sie können sie gerne
befragen, ich bin sicher, sie würden dasselbe über Paul
und seinen Lebensstil sagen – und andere Familien, die
nicht hier sind, würden das auch sagen. Paul ist mit
Sicherheit nicht schuldig, und wir hoffen, dass ihm unsere
Aussagen etwas helfen können. Danke, Euer Ehren.
Zeuge
der Verteidigung 28:
Euer Ehren, ich bin Shannon Christian. Ich bin ein Zeuge
Jehovas. Ich habe zwei Kinder und eine Frau, die in der Frühschicht
arbeitet. Ich arbeite eng mit den Ältesten und der
Versammlung zusammen. Wir sind seit fast einem Jahrzehnt
Freunde – gute Freunde von Paul. Es gibt vier Dinge, an
die ich mich so aus dem Stegreif erinnern kann, die Paul
liebt. Eins ist Hockey; das andere sind Meeresfrüchte; aber
weit wichtiger: er liebt seine Familie und seine Freunde;
und am wichtigsten: er liebt Jehovas Gott. Und das steht in
der Bibel, dass wir Jehova von ganzem Herzen, mit ganzem
Sinn, mit ganzer Kraft lieben sollen; und unsere Nächsten
wie uns selbst – unsere Nächsten, das ist die Menschheit
ganz allgemein. Ich habe Paul in all den Jahren beobachtet,
und daher weiß ich, dass er Jehova liebt, und auch seinen Nächsten
wie sich selbst. Als seine Tochter Heather – ich erinnere
mich, dass sie sich öfters bei meiner Frau aufgehalten hat.
Ich erinnere mich, dass Heather einmal über ihren Vater
sprach, wie er mit ihr redete, wie er mit ihr argumentierte,
und dass er dabei sogar weinte. Als liebevollem Vater hat
das eine Saite in mir zum Klingen gebracht. Etwas anderes,
an das ich bei Paul immer denke, ist, als ich einmal in sein
Haus hinüberging, da sagte er, er habe sich ein paar Tage
Urlaub genommen – er arbeitete für Bruder Hilton – und
er sagte, er habe das getan, weil er sich nicht gut fühlte,
und er wolle ihm sozusagen „kein Geld stehlen“, weil
nicht viel mit ihm anzufangen sei. Das blieb mir im Kopf
haften. Deshalb glaube ich – wissen Sie, es macht mich
sicher, dass Paul ein Gewissen hat; er würde also nichts
gegen sein Gewissen tun. Nun, wenn er – Jesus selbst
sagte, wer im Geringsten treu sei, der sei auch in vielem
treu. Wenn er also im, ich zitiere: Geringsten treu sein
kann, dann denken Sie an die Anschuldigung, die gegen ihn
vorgebracht wurde, dass er seine Kinder sexuell belästigt
haben soll: wirklich, bei einem Gewissern, wie er es hat, würde
ihn das fertig machen. Und wie – inzwischen hätte er
gestanden, dass er schuldig wäre. Ich glaube, er ist
unschuldig. Er ist mein Freund. Er hat mit mir und meinen
Kindern draußen im Predigtdienst von Haus zu Haus
gearbeitet; ich habe einen Jungen und ein Mädchen, sie sind
jetzt fünf und sieben; damals waren sie wahrscheinlich drei
und fünf. Sie sind auch unten. Und er hat meinen Sohn und
meine Tochter selbst zur Tür gebracht; oder wenn ich draußen
an der Tür war, war er mit beiden im Auto. Und ich war überhaupt
nicht nervös, auch nicht nach den Anschuldigungen, die
gegen ihn erhoben wurden. Noch etwas – ich bin mir da
nicht völlig sicher, aber ich meine, am Anfang, als Paul
angeklagt wurde, da habe man ihm Strafminderung gegen ein
Teilgeständnis angeboten. Aber weil er den Gott der
Wahrheit anbetet, wollte er nicht lügen und etwas gestehen,
nur um besser davonzukommen. Er vertraut mit ganzem Herzen
auf Jehova, wie es auch auf der Rückseite der
Ein-Dollar-Note steht: „Wir vertrauen auf Gott.“ Ja,
Paul vertraut Gott selbst. Ich weiß noch, wenn meine Frau
hin und wieder ihre Angehörigen besuchte, da habe ich an
einen Babysitter gedacht. Und Jehova ist mein Zeuge: Ich
habe dabei mehrmals an Paul gedacht; aber ich habe den
Gedanken schnell wieder verworfen, weil ich wusste, dass er
jeden Abend in Blakes Eiscafé arbeitete und es putzte. So
habe ich gedacht, jemand anderer müsse den Babysitterdienst
machen. Vor etwa einem Jahrzehnt wurde ich ein Zeuge
Jehovas, und ich weiß noch, da wurde er geschieden, und
seine Frau verließ ihn. Bis heute weiß ich nicht einmal,
warum. Und – aber sie ist keine Zeugin Jehovas mehr. Nun,
Jehova ist der Gott der Wahrheit, und auch unter diesen –
diesen schwierigen Umständen betet Paul Berry immer noch
den Gott der Wahrheit an; aber seine Frau und seine Kinder
tun es nicht. Das besagt etwas Außerordentliches für mich.
Ich bin durch und durch überzeugt, dass Paul unschuldig
ist. Er ist mein Freund. Ich tue – ich bin nicht nervös,
wenn er bei meinen Kindern ist – ich war es nicht und
werde es nie sein. Dasselbe gilt für alle Zeugen Jehovas:
Wir beten alle den Gott der Wahrheit an. Und wir würden
hier auch keine Lügen fördern. Wenn Paul lügen würde,
dann wären wir nicht hier, um die Lüge zu decken. Wir sind
hier, weil wir durch und durch überzeugt sind, dass er die
Wahrheit sagt. Das war alles. Danke.
Gericht: Danke. Ja?
Zeuge
der Verteidigung 29:
Ich bin Ryan (unverständlich). Ich hatte eigentlich
nicht vor, hier zu sprechen. Ich war nur hier, weil ich
meinen Freund Paul moralisch stützen wollte. Ich kenne ihn
seit fünfzehn Jahren, aber am besten habe ich ihn in den
letzten fünf Jahren kennen gelernt, weil wir eins der Dinge
gemeinsam haben, die Shannon schon erwähnt hat: Hockey. Ich
bin hin und her gefahren mit ihm. Er hat nie etwas gesagt,
das ich als zweideutig ansehen würde. Ich habe nie gesehen,
dass er einer Frau oder einem Mädchen nachgeschaut hätte
– meine Tochter zum Beispiel: Wenn wir uns mit ihm
getroffen haben, haben wir nie gesehen, dass er ihr gegenüber
etwas gezeigt hätte, was ihn verdächtig – von dem,
dessen er angeklagt ist. Wir spielen Hockey, und da geht es
schon einmal rau zu – ich meine, das ist kein gewalttätiges
Spiel, aber es geht halt rau zu. Und falls Paul – Sie müssen
wissen, Paul ist ein sehr guter Hockeyspieler; aber wenn er
eine Schwäche zeigte, dann würde ich sagen, es war das
Fehlen von Aggression. Er hat sein Format oder seine Fähigkeiten
nie dazu benutzt, um ein anderes Team zu übervorteilen.
Auch wenn er das Team aufstellte, auch wenn er der Kapitän
war, hat er immer dazu geneigt, das andere Team an die erste
Stelle zu setzen. Und ich glaube, das kann man über sein
ganzes Leben sagen. Und wissen Sie, ich bin stolz darauf,
ihn zu kennen, und mir tut es leid, dass ich ihm gegenüber
als Freund versagt habe. Ich hätte während des ganzen
Prozesses hier sein sollen. Ich komme hierher, wenn es zu spät
ist. Ja, ich habe versagt, und ich – ich werde ihn unterstützen,
komme da, was wolle. Und ich hoffe, das Gericht wird ihn
nicht im Stich lassen, sondern ihm auch zu Hilfe kommen.
Danke.
Gericht: Danke.
Verteidiger
Sisti: Euer
Ehren, die Staatsanwaltschaft und die Zeugen haben vor
Gericht das Bild eines bösen Monsters gezeichnet. Und
wissen Sie, die eine Hälfte von mir hat heute gesagt: Warum
auch nur versuchen, ich meine, warum würde – warum überhaupt
etwas tun? Die Beweisaufnahme war unlogisch; das meiste
waren Kleinigkeiten. Und Sie und ich wissen mehr über
diesen Fall, als sich auf einer Seite zusammenfassen lässt,
und Sie wissen auch, was der Jury nicht vorgelegt wurde. Und
heute wissen Sie, Euer Ehren, auch etwas mehr über Herrn
Berry. Sie wissen, dass man jeden nach einem Schuldspruch
mit einem breiten Pinsel zeichnen kann. Aber ich bin lange
genug dabei, und Sie sind lange genug dabei, und diese Leute
sind lange genug dabei, um zu sagen, dass es gelegentlich
Justizirrtümer gibt. Und ich bitte das Gericht darum, das
gut im Sinn zu behalten. Vielleicht haben wir hier dreißig
Leute, die einen Fehler gemacht haben. Vielleicht haben sie
alle einen Fehler gemacht – vielleicht aber auch nicht,
Herr Richter. Vielleicht – vielleicht ist Paul Berry im
Hinblick auf den Urteilsspruch einige Überlegungen wert,
und zwar nicht einen Urteilsspruch, der ihn 100 Jahre alt
werden lässt, ehe er auf Bewährung frei kommt. Das ist
sehr schlau, aber es ist unlogisch. Und Sie wissen auch,
dass das keine eindeutige Botschaft nach draußen an die
Gesellschaft ist. Von 1982 bis 1988 war ich nur in Mordfällen
Verteidiger, Herr Richter. Auch da, wo wir die Fälle
verloren haben, gab es nie Urteile von 56 bis 112 Jahren Gefängnis,
weil das sinnlose Urteile sind. Wenn es um lebenslange
Strafen geht – nun, das ist eine Sache. Aber wenn der
Richter einen Ermessensspielraum hatte, wenn jemand einen
Ermessensspielraum hatte, der die Dinge objektiv abwägen
sollte – nicht bloß aus Schneid, nicht bloß, indem er
mit dem Finger auf Menschen zeigt und sie „Monster“
nennt, nicht nur, um eine gefärbte Brille aufzusetzen und
andere glauben machen wollen, dass eine
Religionsgemeinschaft eine fanatische, merkwürdige kleine
Gruppe ist, wo Frauen und Gedanken in der Kirche versklavt
werden – ich meine, dafür gibt es keinen Platz in diesem
Gerichtssaal, ganz und gar keinen. Ich meine, ich stelle
jeden Tag Jurys auf stecke Zeugen Jehovas hinein. Vielleicht
weiß die Staatsanwaltschaft das gar nicht. Da drüben
sitzen alle möglichen Religionen, alle möglichen
Religionen sitzen da drüben, und auch hier sitzen alle möglichen
Religionen. Für so etwas ist hier kein Platz. Die
Bemerkungen einer wütenden Mutter sind nicht mehr als genau
das: die Bemerkungen einer wütenden Mutter. Und vielleicht
hat sie ihre Wut an sich selbst ausgelassen, vielleicht gibt
es andere Themen, die sie entwickelt, vielleicht war es gut
für sie, ihrem Ärger freien Lauf zu lassen; aber ganz
offen: das waren die Bemerkungen einer wütenden Mutter. Und
vielleicht haben Sie die schwierigste Aufgabe von allen,
weil Sie alle diese Dinge abwägen müssen. Es ist nicht
leicht für Sie, ich weiß das. Und ich weiß, dass er einer
Anzahl verbrecherischer sexueller Übergriffe für schuldig
befunden wurde, und ich weiß, das macht es noch
schwieriger. Aber was Sie in den vergangenen 45 Minuten
erfahren haben sollten, ist, dass er nicht bloß ein
Drecksack ist, sondern dass es Menschen gibt, denen etwas an
ihm liegt, dass es Menschen gibt, die gute und großartige
Dinge über ihn sagen. Wenn Sie also über das Strafmaß
nachdenken, dann bitte ich Sie, auch darüber nachzudenken.
Und sicher überlasse ich es Ihnen, Herr Richter; ich meine
– das ist alles, was wir hier haben, und ich überlasse es
Ihnen. Danke.
Gericht: Danke, Herr Rechtsanwalt Sisti.
Staatsanwältin
Brown: Ich
habe ein paar –
Gericht: Frau Staatsanwältin Brown?
Staatsanwältin
Brown: –
Ja, Euer Ehren. Es gibt da ein paar Dinge, die ich noch
sagen möchte, bevor ich darum bitte, dass Holly – ob
Holly sprechen möchte. Zuerst einmal: Bei den hier
angeklagten Verbrechen geht es um verbrecherische sexuelle
Angriffe von besonderer Schwere und einfache sexuelle Übergriffe.
Und wie das Gericht gut weiß, sind das Verbrechen, die sich
im Geheimen abspielen. Das sind Verbrechen, die nicht zu
Hause bei jemandem anderen geschehen, oder auf der Arbeit,
oder in einer Kirche oder in einem Tempel, oder in einem Königreichssaal
der Zeugen Jehovas. Einer der Herren wies darauf hin, dass
der Angeklagte sich nicht viel Sorgen um seinen Fall mache.
Nun, die Staatsanwaltschaft meint, dass der Angeklagte sich
deshalb nicht viel Sorgen um seinen Fall machte, weil er
hoffte, die aus seinen Altersgenossen bestehende Jury würde
Herrn Anwalt Sisti das Argument abnehmen, dass Holly, ich
zitiere: eine Lügnerin, ich zitiere: ein bizarrer Mensch,
ich zitiere: eine Person mit Makeln sei. Aber er stand vor
einer aus seinen Altersgenossen bestehende Jury, und sie hat
ihn in siebzehn Fällen des erschwerten verbrecherischen
sexuellen Angriffs, und in vier Fällen des einfachen
sexuellen Angriffs für schuldig befunden. Das sind keine
Anschuldigungen, das sind Verurteilungen. Und Holly Brewer
ist nicht ein „angebliches“ Opfer, wie Anwalt Sisti sie
zu charakterisieren beliebte; sie ist das Opfer dessen, was
dieser Mann ihr in all den Jahren angetan hat. Die Jury kam
über jeden vernünftigen Zweifel erhaben zu ihrem
Schuldspruch. Und die Bitte der Staatsanwaltschaft ist nicht
„schlau“. Es ist nicht einmal die vom Gesetz her mögliche
Höchststrafe. Es ist eine lange Haftstrafe, und er verdient
diese lange Strafe.
Holly
Brewer: Mein Name ist Holly Brewer, B-r-e-w-e-r. Ich wollte mir
etwas aufschreiben, was ich heute sagen könnte, weil jeder
das getan hat, und es schien das Richtige zu sein. Und ich
habe versucht, etwas aufzuschreiben, aber es kam nichts
dabei heraus. Man kann in das, was man sagen will, keine
Ordnung bringen. Dies ist ein Gipfelpunkt in meinem Leben.
Diese Leute kennen mich, seit ich ein kleines Kind im Königreichssaal
war, wie ich meinem Vater gehorchte und das tat, was er
sagte. Und sie wissen nicht, was bei mir zu Hause passierte,
so haben sie gesagt, dass er bei der Arbeit gut war. Nun,
wissen Sie, ich wusste genau, wie ich ihn sexuell
befriedigen konnte, als er – als ich fünf war. Und ihr
Leute da wisst das nicht, weil er es mich offenbar nicht im
Königreichssaal tun ließ. Und ich weiß, ihr glaubt ihm,
aber – Entschuldigung – ihr wart nicht sein Kind. Ich
wusste nicht, wie ich beginnen sollte, die Ereignisse
einzuordnen. Mein ganzes Leben war voller Furcht. Mein
ganzes Leben lang hatte ich Angst vor ihm; ich habe die
Nacht allein im Wald verbracht; ich bin mit Leuten
weggelaufen und wusste nicht, wo ich war; ich saß da und
habe versucht, mir eine Traumwelt zu erschaffen, in der das
Leben für mich weit angenehmer gewesen wäre, als nach
Hause zu gehen und mit ihm zusammen sein; ich habe Notizen
hinterlassen, dass ich weglaufen würde; dann kommt er in
mein Zimmer und sagt zu mir, dass es losgeht – dass es
Zeit dafür ist. Und okay, fein, ich weiß genau, was ich
tun muss; ich weiß genau, in welcher Reihenfolge sich alles
abspielen muss. Und das tut weh, denn wenn man später eine
sexuelle Beziehung mit jemand anderem eingeht, dann geht das
andere nicht einfach weg. Man vergisst das nicht, denn das
Gefühl, das man hatte, als man ein kleines Kind war, ist
genau dasselbe Gefühl, das man jetzt hat, ob man mit
jemandem zusammen ist, den man wirklich liebt, oder auch
nicht – das macht keinen Unterschied. Ich kann das nie
abschütteln. Und ich verstecke mich nicht hinter einer
Opferrolle. Es ist einfach etwas, mit dem ich immer zu tun
haben werde: Ich wache auf und habe Träume; ich weiß, ich
liebe jemanden, der ganz anders ist als er – und sein
Gesicht erscheint mir wieder. So wird es wohl immer gehen.
Und ich weiß, das ist etwas, mit dem ich fertig werden
muss, und ich verstecke mich überhaupt nicht hinter der
Opferrolle. Aber ich bin so froh, dass ich jetzt hier bin,
dass ich älter bin, und dass du mir nicht weh tun kannst,
und dass ich mich an jede Einzelheit erinnere, die du mir
angetan hast, und ich muss [tapfer] sein, wenn ich mit dir
rede, weil ich so klein war. Aber ich werde es nicht
vergessen – nie, nie, nie. Ich werde es nie vergessen. Wie
ich in dem Lebensstil aufgewachsen bin, als Zeugin Jehovas,
und weiß, wie du mir Bibelstellen vorliest, dass ein Mann
seine Frau und die Kinder so bestrafen kann, wie es ihm als
König des Haushaltes passt, während ich dir am Schwanz
lutsche. Ich bin entsetzt, dass diese Leute für ihn
eintreten, aber ich weiß, es ist nicht ihr Fehler; es ist
das System, wo man darauf dressiert wird, zu sagen, alles
sei in Ordnung. Ja, viele Male sind sie immer wieder zu uns
nach Hause gekommen. Warum? Weil er uns verhauen hat. Weil
ich ihm ein Geschenk gemacht habe, und er hat es nicht
gemocht, sondern gegen die Wand geworfen. Weil er mich immer
eine kleine Schlampe genannt hat. Weil er mich sein Miststück
genannt hat. „Du weißt genau, was ich will, du Miststück.
Du bist mein kleines Miststück. Du bist so sexy. Ich liebe
dich mehr als deine Mutter. Wenn du das je deiner Mutter erzählst“
– sie weiß es bereits – „dann wird sie so eifersüchtig,
dass sie dich einfach hinauswirft.“ Erinnerst du dich an
diese Worte? Jetzt bin ich größer, jetzt bin ich stärker,
und ich habe fast das Gefühl, als könne mich nichts mehr
berühren. Ich kam hierher, und ich war hysterisch, als wir
das erste Mal hierher kamen; und nun fühle ich mich einfach
stark. Nun fühle ich mich so schön.
Und ja, ich sehe verrückt aus – das ist Kunst, und
es ist schön. Und würde ich so aussehen, wenn mich nicht
jemand gebumst hätte, seit ich drei war? Du musst dich
schon selbst fragen, warum ich so bizarr bin? Warum dieses
Bedürfnis, mich so zu äußern? Ich denke, es ist schön.
Vielen Dank, mein Herr
Gericht: Herr Rechtsanwalt Sisti?
Verteidiger
Sisti:
Nun ja, Euer Ehren, ich meine, ich werde hier keine lange
Gegenrede halten oder zu entscheiden versuchen, ob zuerst
das Huhn da war oder das Ei. Aber ganz offen: der Aspekt des
Bizarren, der Aspekt des Lügens, das ist genau das, was wir
bei der Berufung vorbringen werden, und das Gericht weiß
das. Und wissen Sie, die Staatsanwaltschaft kann auch auf
mich mit dem Finger zeigen, wenn sie es will. Sie kann alles
tun, was sie will – das ist mir egal. Aber ganz offen: sie
war es, die damit angefangen hat, mit dicken Pinselstrichen
ein Monster zu zeichnen und mit den seltsamen religiösen
Aspekten irgendeiner seltsamen Religionsgemeinschaft
anzukommen. Es hört sich eben nicht so merkwürdig an, wenn
die Leute aufstehen und über das Leben, das sie führen,
reden; über die Familien, die sie haben; über die
Arbeitsstellen, die sie haben; über die Probleme, die sie
haben; die Kinder, die sie unterstützen – die Familien.
Ich habe ganz offen gesagt nicht vor, dagegen anzugehen. Ich
bitte das Gericht, alles in seine Überlegungen mit
einzubeziehen und in dieser Sache ein angemessenes Urteil zu
fällen
Gericht: Danke, Herr Rechtsanwalt Sisti. Gibt es noch etwas?
[Frau
Buck]: Nein.
Gericht: In Ordnung. Wir werden so vorgehen: Wir nehmen uns
etwas fünfzehn Minuten Zeit. Ich muss – ich brauche
einfach Zeit, um darüber nachzudenken. Und so machen wir
jetzt eine Pause von etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten, und
dann kommen wir wieder zurück und ich spreche das Urteil.
Justizbeamter: Bitte alle
aufstehen.
(Unterbrechung)
Gericht: Bitte setzen Sie sich. Nun, ich brauche nicht zu sagen,
dass ich seit dem Prozess so viel über das Urteil
nachgedacht habe wie auch sicher die Anwälte auf beiden
Seiten. Und ich bemerke, da sind einige Dinge – Dinge, die
für den Angeklagten eine Berufung begründen. Ich habe
meine Entscheidung getroffen, und ich habe mein Bestes
getan, dem Gesetz so zu folgen, wie ich es verstehe. Ich
habe Beweise außer Acht gelassen, die ich für nicht
bedeutsam gehalten habe; ich habe auch Beweise außer Acht
gelassen, die beide Seiten anboten, die ich nicht für
relevant gehalten habe. Bei der Berufung wird der Supreme
Court darüber befinden, ob ich das angemessen getan habe
oder nicht, und ja, das sollte es auch. Ich möchte sagen,
dass ich den Mut schätze, vor Gericht zu erscheinen, wenn
jemand für schuldig befunden wurde, und zu Gunsten dieser
Person zu sprechen. Und ich schätze auch den Mut, vor
Gericht zu erscheinen und über Dinge zu reden, von denen
ich weiß, dass sie so schwierig für Familienmitglieder
sind. Ich denke, Rechtsanwalt Sisti sprach über die Jahre
seiner – seine Jahre der Erfahrung – und er hat viele:
er ist einer der besten Verteidiger von – wahrscheinlich
in ganz Neuengland. Aber aufgrund meiner jahrelangen
Erfahrung möchte ich den Leuten hier, die für den
Angeklagten sprachen, sagen: Seien Sie vorsichtig mit Ihren
Kindern. Ich kann Ihnen garantieren, dass es innerhalb Ihrer
Gruppe einige gibt, die sexuell angegriffen wurden. Wenn ich
Jurys für Prozesse zusammenstelle, dann ist es nicht ungewöhnlich,
dass ein halbes Dutzend oder mehr Kandidaten vorkommen und
sagen: Nein, ich kann in diesem Fall nicht urteilen: ich
wurde sexuell angegriffen; meine Tochter wurde sexuell
angegriffen. Was Sie sehen, wenn Sie jemanden wie den
Angeklagten besuchen, oder wenn sie in der Kirche sind, ist
nicht alles, glauben Sie mir. Ich hatte schon Prozesse, da
waren die Angeklagten katholische Priester, und sie wurden für
schuldig befunden; da sind Opfer nach dem Prozess
aufgestanden und haben schließlich den Leuten gesagt, ja,
auch sie waren Opfer; da hatte jemand den Mut, schließlich
vorzukommen und etwas zu sagen. Es ist – ich glaube, Herr
Staatsanwalt Harding hat es gesagt: Es ist die Heimlichkeit.
Viele Leute drehen so ein Ding und werden nie für etwas
verurteilt und haben wahrscheinlich
– ich kann es nicht in Zahlen sagen, aber ich weiß,
dass viele Menschen als Opfer einfach meinen, sie wollen
nicht vor Gericht treten; den Stress, die Dinge, die so
schwer für sie waren, als sie so hilflos waren und sich an
niemanden wenden konnten, wollten sie nicht nochmals
durchleben. Aber glauben Sie mir, sagen Sie nicht so einfach
dahin: „Ich würde meine Kinder bei jedem lassen.“ Die
Jury hat den Angeklagten in diesen Dingen für schuldig
befunden. Und ich habe heute früh einige der Anklagepunkte
gelesen, und ich dachte über Holly nach – Holly B., wie
es in der Anklage heißt. Hier sehe ich Holly B., die Frau,
aber es war Holly B., das Kind, von dem in der Anklage die
Rede war. Und sie wurde seelisch und körperlich und sexuell
missbraucht, zwischen, nehme ich an, fünf und zehn Jahren.
Und sie hatte niemanden, zu dem sie gehen konnte. Sie –
ihre Eltern konnten ihr nicht helfen; der Angeklagte wollte
ihr nicht helfen; die Kirche hat ihr nicht geholfen; und der
Staat hat ihr nicht geholfen. In dieser Zeit ihres Lebens
konnte sie keine Hilfe am Horizont auftauchen sehen. Ich
denke, wie Frau Staatsanwältin Brown sagte, sie glaubte
nicht, dass sie sechzehn Jahre alt werden würde. Aber in
diesem Kind schlummerte eine Heldin; und nun, Jahre später
– einundzwanzig Jahre alt, voller Tätowierungen – kommt
in gewissem Sinne der Dichter-Krieger, um das Kind zu
retten. Ich werde den Angeklagten nicht als Monster
bezeichnen. Niemand, der hier in den Gerichtssaal kommt, ist
ein Monster; wir alle sind Menschen und begehen schreckliche
Fehler. Aber ich sage auch, dass an jemandem, der jahrelang
diese Anzahl von Verbrechen an einem hilflosen Kind verübt,
auf schreckliche Weise etwas nicht stimmt. Und ich glaube,
Herr Rechtsanwalt Sisti sagte, dass er Mordfälle verhandelt
hat, wo die Empfehlung der Staatsanwaltschaft – die
Empfehlung in diesem Fall wäre höher als bei einem
Mordfall. Nun, ein Mordfall ist etwas ganz anderes. Es geht
da um eine einzige Tat, häufig begangen in der Hitze des
Augenblicks. Er ist nicht geplant und systematisch und
insgeheim auf Kosten eines Kindes begangen, das sich nicht
helfen kann, weil die Gemeinde ihr nicht helfen will. Und
deshalb werde ich das Strafmaß in Höhe der Empfehlung der
Staatsanwaltschaft festsetzen. Ich glaube, die
Handlungsweise des Angeklagten verdient das. Ich meine, es
ist wichtig, dass der Angeklagte für diese Taten bestraft
wird. Und ich möchte darauf hinweisen, wenn vor Jahren
jemand etwas gesagt hätte, wenn jemand nachgefragt hätte,
anstatt sich auf Jehova zu verlassen – ich rede nicht
gegen jemandes Religion; ich sage aber , dass ich das in
einer Vielzahl von Versammlungen habe geschehen sehen –
dann gäbe es vielleicht eine kürzere Strafe und eine Menge
weniger Grausamkeit für das Kind. Ich bitte den
Gerichtssekretär jetzt, das Urteil zu verlesen.
Gerichtssekretär:
Herr Berry, wenn Sie bitte für die Verlesung des Urteils
aufstehen wollen. Im Hinblick auf 99-8-1490: Sie werden
verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und mindestens
siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von New
Hampshire. Davon werden die 128 Tage der Untersuchungshaft
abgezogen. Eine Bedingung des Urteils ist: Sie werden keinen
Kontakt – weder direkt, noch indirekt, noch per Brief,
Telefon, Computer oder durch Dritte -- mit Holly B. oder
einem Angehörigen ihrer Familie haben. Wenn Sie dieser
Auflage nicht folgen, kann das zur Aufhebung jeglicher Bewährung,
die Sie heute erhalten mögen, führen. Im Hinblick auf
99-8-396: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn
Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis
von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-8-1490
verhängte Strafe. Es gilt dasselbe Kontaktverbot. Im
Hinblick auf 99-8-1486: Sie werden verurteilt zu höchstens
fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im
Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf
die in 99-8-396 und 99-8-1490 verhängten Strafen. Wiederum
gilt das Kontaktverbot. Im Hinblick auf 99-8-1485: Sie
werden verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und
mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von
New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-8-1486,
99-8-396 und 99-8-1490 verhängten Strafen. Mit Bezug auf
die Anklage 99-8-1484: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn
Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis
von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in
99-8-1485, 1486, 396 und 1490 verhängten Strafen. Im
Hinblick auf 99-8-1483: Sie werden verurteilt zu höchstens
fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im
Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf
die in 99-8-1484, 1485, 1486, 396 und 148 – es tut mir
leid, aber das letzte kann ich nicht lesen, das ist eine
schlechte Fotokopie. Haben Sie diese Notiz, Frau –
Aufsichtsbeamtin:
1490.
Gerichtssekretär:
–
Vielen Dank. In Bezug auf die Strafen, die ich eben
vorgelesen habe, gilt: Der Mindeststrafe wird eine
Disziplinarstrafe von 115 – Entschuldigung – 150 Tagen für
jedes Jahr der Mindeststrafe hinzugefügt, und zwar anteilsmäßig
für jeden Teil des Jahres. Für den Fall, dass ich etwas
Falsches gesagt habe: Das Kontaktverbot trifft auf jede der
Strafen zu, die ich ihnen eben vorgelesen habe. Im Hinblick
auf 99-8-1482: Sie werden verurteilt zu höchstens zwölf
Jahren und mindestens sechs Jahren Haft im Staatsgefängnis
von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99- 8-1483,
1484, 1485, 1486, 396 und 1490 verhängten Strafen. Auch
hier gilt wieder das Kontaktverbot. Im Hinblick auf to 99-
8-1481: Sie werden verurteilt zu höchstens zehn Jahren und
mindestens fünf Jahren Haft im Staatsgefängnis von New
Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-5-1482, 1483,
1484, 1485, 396, 1486 und 1490 verhängten Strafen. Mit
Bezug auf die folgenden Strafen – Entschuldigung, Vergehen
99-8-1479, 1480, 1478 und 1487: Sie werden verurteilt zu
aufeinander folgenden Strafen von zwölf Monaten im offenen
Vollzug. Diese Strafen folgen auf die in 99-8-1481 verhängte
Strafe – und das ist eine Strafe, die ich Ihnen zuvor
schon vorgelesen habe. Auch hier ist wiederum mit Bezug auf
diese Strafen das Kontaktverbot wirksam. Es lautet wie
folgt: Der Angeklagte darf keinerlei Kontakt zu Holly B.
oder einem ihrer Angehörigen haben. Die restliche Gruppe
von Anklagen besteht aus den folgenden Registernummern, und
sie werden alle zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst. Das wären
97-1611, 99- 1476, 99-1477, 99-1488, 99-1489, 97-1618 –
ich glaube, es sind -18, 97-1619, 97-1620, 97-1621. Sie
werden zu folgender Gesamtstrafe verurteilt: Sie werden
verurteilt zu höchstens zehn Jahren und mindestens fünf
Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Und auch
alle diese Strafen, die schon gleichlaufend sind, werden mit
99- 8-1431, 1479, 1480, 1478 und 1487 zu einer Gesamtstrafe
zusammengefasst. Und wiederum wird im Hinblick auf die heute
verhängten Strafen im Staatsgefängnis von New Hampshire
der Mindeststrafe eine Disziplinarzeit von 150 Tagen für
jedes Jahr Mindeststrafe hinzugefügt, und zwar anteilsmäßig
für jeden Teil des Jahres. Und damit das Protokoll klar
ist, das Kontaktverbot findet auf jede Strafe, die ich heute
vorgelesen habe, Anwendung.
Ich lese es für das Protokoll noch einmal: Der
Angeklagte darf keinerlei Kontakt zu Holly B. oder einem
ihrer Angehörigen haben, wie in 99-S-1481 gesagt. Wenn Sie
dieses Verbot nicht befolgen, führt das dazu, dass Sie Ihre
auf Bewährung ausgesetzten Strafen absitzen müssen. Herr
Berry, verstehen Sie, was Ihre Strafen bedeuten?
Berry:
(Keine hörbare Reaktion.)
Gerichtssekretär:
Gut, Herr Berry. Noch
etwas zum Abschluss: Sie haben das Recht, gegen die heute
gegen Sie ausgesprochenen Strafen im Staatsgefängnis
Berufung einzulegen. Sie können innerhalb von dreißig
Tagen nach Urteilsverkündung Berufung einlegen, darüber
hinaus nur, wenn es dafür gute Gründe gibt. Wenn Sie
Berufung einlegen, wird Ihr Urteil von einem Kollegium aus
drei Richtern überprüft – das können Richter eines
Superior Court, höhere Richter oder pensionierte Richter
eines Superior Court sein. Die Überprüfung des Urteils
kann dazu führen, dass die Minimal- oder
die Maximalstrafe im Rahmen des Gesetzes erhöht oder
vermindert wird; oder das Urteil wird aufrecht erhalten. Das
Formular dafür können Sie hier erhalten. Das Formular ist
datiert auf den 31. Oktober 2000. Es soll bitte ins
Protokoll aufgenommen werden, dass ich Herrn Berry seinen
Antrag auf Überprüfung des Urteils ausgehändigt habe.
Herr Berry, wenn es nichts weiter gibt, wird der Sheriff Sie
jetzt wieder in Untersuchungshaft bringen, bis Sie ins
Staatsgefängnis von New Hampshire verbracht werden.
Gericht: Gibt es noch etwas von der Verteidigung?
Verteidiger
Sisti: Ja.
Ja, wir werden gleich die Überprüfung des Urteils
einreichen, Euer Ehren.
Gericht: Noch etwas seitens der Staatsanwaltschaft?
Staatsanwältin
Brown: Nein,
danke.
Gericht:
Danke.
Staatsanwalt
Harding:
Danke.
Justizbeamter: Erheben Sie sich bitte.
(Ende der Sitzung)
Ich bestätige
hiermit, dass es sich um eine wahre und genau Mitschrift der
besagten Rechtssache nach bestem Wissen und Gewissen
handelt.
GERICHTSPROTOKOLLFÜHRERIN