DER STAAT NEW HAMPSHIRE

HILLSBOROUGH, SS. SUPERIOR COURT

SOUTHERN DISTRICT 2000

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DER STAAT NEW HAMPSHIRE

gegen

PAUL BERRY

97-S-1611, et al. 

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ABSCHLIESSENDE SITZUNG UND URTEILSVERKÜNDUNG

VOR: Ehrenwerter Richter Arthur D. Brennan,

Vorsitzender, zu Nashua, am Dienstag, den 31. Oktober 2000.

STAATSANWALTSCHAFT: Kathleen D. Brown, ACA

John H. Harding III, ACA 

VERTEIDIGUNG: Mark L. Sisti  

VORMUND: Vera Borrelli Buck 

PROTOKOLLFÜHRERIN: Kathryn A. Calder 

ABSCHRIFT 

Justizbeamter: Bitte erheben Sie sich.

Gericht: Guten Tag. Setzen Sie sich bitte. 

Gerichtssekretär: Es wird verhandelt: Der Staat New Hampshire gegen Paul Berry. Herr Berry ist heute mit seinem Anwalt Mark Sisti erschienen. Der Staat New Hampshire wird vertreten durch Bezirksstaatsanwalt John Harding sowie Bezirksstaatsanwältin Kathleen Brown. Ebenfalls anwesend ist der Vormund Vera Borrelli Buck. Es geht heute vor Gericht um die Verurteilung zu mehreren Anklagepunkten.  

Gericht: Danke. Ehe wir mit den Eingangsplädoyers der beiden Seiten und den Zeugen, die jeder vielleicht aufrufen wird, beginnen: Gibt es irgendwelche Änderungen bei – zumindest im Bericht an die Bewährungshilfe für diesen Fall?  

Herr Sisti: Ja bitte, Euer Ehren.  

Gericht: Ja, Herr Rechtsanwalt Sisti?  

Herr Sisti: Danke. Es geht um ein paar Kleinigkeiten und Klarstellungen. Ich glaube, es stand da, dass Herr Berry zu einem anderen Zeitpunkt als 1983 nach Greenville gezogen ist; das richtige Datum ist 1983. Es wird Bezug genommen auf Ordnungsvergehen; uns sind solche Dinge nicht bekannt, und ich habe auch keine Unterlagen gesehen, die solche Befunde stützen würden. Es wird Bezug darauf genommen, welche Rolle das Kinderkrankenhaus in diesem Fall spielte, etwas, das wir in der Voruntersuchung verfolgt haben und das wir weiter verfolgen werden. In diesem Fall gibt es einen Hinweis auf eine psychiatrische Untersuchung am Kinderkrankenhaus, und wir verfolgen das weiter. Aber um ganz offen zu sein, in diesem besonderen Bericht steht eine Schlussfolgerung, zu deren Stützung wir keine Unterlagen haben, und wir möchten darum bitten, dass diese Schlussfolgerung gestrichen wird. Auf Seite 2 der gerichtlichen Voruntersuchung ist ein Bezug zu Pornografie oder Pornovideos; wir streiten jeden Gesichtpunkt im Hinblick auf diese besonderen Filme ab. Wir sind auch auf keine solchen aufmerksam gemacht worden, und die Polizei oder sonst wer hat auch keine beschlagnahmt. Das zu den technischen Gesichtspunkten der gerichtlichen Voruntersuchung.

Gericht: Danke, Herr Rechtsanwalt Sisti. Diese Punkte, die Sie erwähnen: Ich erinnere mich daran aus der gerichtlichen Voruntersuchung, und sie werden keine Rolle spielen –

Verteidiger Sisti: Danke.

Gericht: – bei der Urteilsfindung. Frau Staatsanwältin Brown?

Staatsanwältin Brown: Ja, noch etwas zur gerichtlichen Voruntersuchung, Euer Ehren. Ich wollte das Gericht darauf hinweisen, dass es Informationen gab, dass Heather Brewer – Entschuldigung, Heather Berry – ins Kinderkrankenhaus ging. Doch im Verlauf der Untersuchungen waren wir nicht in der Lage, diese Berichte aus dem Kinderkrankenhaus zu bekommen. Und ich habe keine Informationen darüber, dass Holly ins Kinderkrankenhaus ging. Deshalb wollte ich diese Berichtigungen anführen.  

Gericht: In Ordnung. Danke, Frau Staatsanwältin Brown. Gut, dann möchte ich die Argumente der Anwälte hören. Frau Staatsanwältin Brown?  

Staatsanwältin Brown: Danke, Euer Ehren. Euer Ehren, ich möchte mich kurz an das Gericht wenden, und dann wird auch Staatsanwalt Harding etwas zu Ihnen sagen, und dann der Vormund. Und dann möchte ich darum bitten, dass die drei Angehörigen der Familie von Holly – insbesondere ihr Vater Jerome, ihre Mutter Sarah und ihre Schwester Heather – sie werden sich an das Gericht wenden. Und später wird Holly selbst zu Ihnen sprechen. Bevor ich beginne, möchte ich mich bei einigen Personen bedanken, die heute hier im Gerichtssaal sind: Holly und ihre Familie und ein paar Freundinnen zu ihrer Unterstützung; ich möchte mich bedanken, dass die Angehörigen der Bundespolizei – beide haben an dem Fall gearbeitet und ausgesagt, und sie sind zur Unterstützung hier; Jack Zeller vom Polizeirevier in Keene ist hier zur Unterstützung; Angehörige meines Büros und auch sechs Jurymitglieder, die an diesem Fall saßen, sind hier, um Holly zu unterstützen. Nun, um welche Strafe ersucht die Staatsanwaltschaft hier? Die Staatsanwaltschaft hat einen Urteilsvorschlag eingebracht, und daraus konnten Sie ersehen, dass die Staatsanwaltschaft Sie darum ersucht, die Empfehlung der Bewährungshilfe anzunehmen, insbesondere eine Strafe von 56 bis 112 Jahren zu verhängen, wie im Urteilsvorschlag an das Gericht niedergelegt. Bei all diesen Urteilen gibt es die Vorkehrung, dass der Angeklagte keinen Kontakt mit Holly Brewer oder einem Mitglied ihrer Familie mehr haben darf. Überdies fordert die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte sich behandeln – dass er eine Behandlung erhält, wie sie für Sexualtäter vorgesehen ist. Warum ersucht die Staatsanwaltschaft um eine solch hohe Strafe? Ganz offen, Euer Ehren, ich habe lang und intensive über diese Sitzung zur Urteilsverkündung nachgedacht, und darüber, was die Staatsanwaltschaft zu Ihnen sagen sollte. Und es ist sehr schwierig gewesen, die rechten Worte und Argumente zu finden. Als Anwälte sind wir geschult, logisch zu denken; es war hart für mich, mir dies anzusehen – mir alles anzusehen, das der Angeklagte getan hat – und logische Argumente zu finden, denn was der Angeklagte mit Holly getan hat, spottet jeder Logik. Sie haben alles gehört, was er mit ihr gemacht hat. Es gibt nichts, das ich sagen kann, das überzeugender ist als Hollys eigene Worte. Sie haben gehört, was der Angeklagte physisch mit ihr gemacht hat; sie kennen die verschiedenen Orte, wo er seine Taten ausgeführt hat – in der Scheune, in verschiedenen Schlafzimmern, im Hühnerstall und im Verlies; Sie haben gehört, welche Gegenstände er benutzte, um diese Taten auszuführen – Kerzen und Karotten und Tiere. Ich meine, das spottet jeder Logik; ich meine, das waren einfach unaussprechlich entsetzliche Taten. Und durch seine Taten hatte der Angeklagte solch einen großen Einfluss auf Holly und ihr Leben und ihre nicht existente Kindheit. All das geschah in einem Zeitraum von sechs Jahren, als sie vier war bis zu dem Zeitpunkt, als sie zehn Jahre alt war. Und sie haben gehört, was sie dazu gesagt hat. Ihre Kindheit war die Hölle. Sie hat nie gedacht, dass sie einmal sechzehn Jahre alt würde. Sie hat nie gedacht, sie würde von ihm loskommen, oder dass er aufhören würde, solche Dinge mit ihr anzustellen. Und basierend auf dem, was er ihr in dem Zeitraum antat, wie er ihr ihre Kindheit nahm und sie für den Rest seines (sic) Lebens zeichnete, muss er bestraft werden: Er verdient das Äquivalent einer lebenslangen Strafe. Als ich damit zu tun hatte, Holly für diesen Fall vorzubereiten, beeindruckte mich, wie ungeschminkt ehrlich sie war, wie wahrheitsliebend sie war, und wie viel Mut es erforderte, nach diesen Jahren hervorzukommen und über all diese unaussprechlichen Taten zu reden. Und wenn Sie den Angeklagten verurteilen, dann bittet Sie die Staatsanwaltschaft, daran zu denken, dass Holly nicht um ihrer selbst willen hervorkam. Sie sagte aus, sie habe die Tür geschlossen, ihr Leben sei weitergegangen. Sie musste ihn nicht mehr sehen. Sie kam hervor und machte dies durch aus Sorge um ihre Schwester, und das hat sie Ihnen auch gesagt. Und wenn wir schon über ihre Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit bei der Vorbereitung dieser Sitzung sprechen: Die Staatsanwaltschaft hat Hollys Verhör und das Kreuzverhör verfolgt; und als sie von Rechtsanwalt Sisti ins Kreuzverhör genommen wurde, sagte sie ihm, sie  sei ehrlich und werde es auch bleiben. Und er zog das in Zweifel, und sie sagte ihm, er solle sie in Ruhe lassen, weitermachen und sie dann in Ruhe lassen. Euer Ehren, Sie kennen die Taten des Angeklagten, den wiederholten Missbrauch über die Jahre, das prallte an ihr ab. Es machte ihre Kindheit zunichte. Aber es prallte von ihr als Person ab. Eine Menge anderer Leute wären an dem, was er tat, zerbrochen; doch nicht sie. Sie hat triumphiert und ist zu dem Menschen geworden, der sie heute ist, zu der Person, die bei diesem Prozess zu Ihnen und zur Jury gesprochen hat. Und wegen ihres Mutes, hervorzukommen, ist der Angeklagte für seine Taten verantwortlich gemacht worden. Und wegen der Entsetzlichkeit seiner Taten sollte er die von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagene Strafe erhalten. Das ist für den Augenblick alles, Euer Ehren. Und wie ich schon sagte, der Vormund und mein Kollege, Staatsanwalt Harding, werden zu Ihnen sprechen, und dann werden auch einige Familienmitglieder zu Ihnen sprechen.  

Gericht: Gut, danke, Frau Staatsanwältin Brown. Herr Anwalt Harding?

Staatsanwalt Harding: Danke, Euer Ehren. Euer Ehren, der sexuelle Missbrauch eines Kindes durch einen Familienmitglied ist ein heimtückisches Problem, weil der Täter sich typischerweise in die Familie drängt und heimlich mit dem Missbrauch dieses Kindes beginnt. Ein Kind, das von einem Familienmitglied missbraucht wurde, hat typischerweise nicht die Mittel, ihn abzuwehren – oder sich selbst vor dem Täter zu schützen, und das Kind wird unwissentlich ohne Schutz in die Hände des Täters gegeben. Es ist nun natürlich richtig, wenn wir als Gesellschaft solchen Missbrauch verurteilen und die nötigen Schritte unternehmen, diesem Kindesmissbrauch ein Ende zu machen. Unsere Gesetzgeber können Gesetze erlassen, die die Registrierung von überführten Kinderschändern zur Pflicht machen; unsere Gesetzgeber können die Strafen für Personen, die des sexuellen Missbrauchs von Kindern überführt wurden, erhöhen; die Polizei und die Staatsanwaltschaften können solche Fälle nachdrücklicher untersuchen und verfolgen; Lehrer und Eltern können Kindern einschärfen, es ihnen zu sagen, wenn sie missbraucht wurden. Aber nachdem ein Kinderschänder von einer Jury für schuldig erklärt wurde, ist derjenige in der Gesellschaft, der die wirkungsvollste und doch fairste Botschaft darüber aussenden kann, wie die Gesellschaft Kinderschänder ansieht, das Gericht, der Richter. Wenn das Gericht den Angeklagten gemäß der Empfehlung der Staatsanwaltschaft verurteilt, kann es nicht nur Paul Berry, sondern auch andere Kinderschänder wissen lassen, dass ihr Verhalten unmöglich ist und bestraft wird. Vielleicht ebenso wichtig ist, wenn das Gericht Paul Berry gemäß der Empfehlung der Staatsanwaltschaft verurteilt, dann kann es auch die Opfer anderer Kinderschänder wissen lassen, dass ihre Missbrauchstaten verkehrt sind und bestraft werden. Danke.  

Gericht: Danke, Herr Staatsanwalt Harding. Anwältin Buck?  

Frau Buck: Danke, Euer Ehren. Wie es das Gericht heute Nachmittag wünscht: Das Gericht weiß sehr wohl, dass ich während des ganzen Verfahrens Hollys Gerichtsvormund war. Und ich muss heute sagen, dass es mir eine Freude war, in dieser Funktion zu dienen. Das Gericht hat von den Qualen gehört, die der Angeklagte ihr zufügte. Das begann, als sie vier war, und ging weiter, bis sie zehn Jahre alt war. Ich benutze dieses Wort „Qualen“, auch wenn das Gesetz nicht definiert, was der Angeklagte ihr diesem Begriff nach antat; aber laienhaft gesagt und im Grunde genommen waren es Qualen. Der Angeklagte fügte einem reinen, unschuldigen und hübschen Kind Qualen zu. Der Angeklagte zeichnete ein reines, unschuldiges und hübsches Kind in mancher Hinsicht für ihr Leben. Aber ob er es weiß oder nicht, Holly hat die Sache überstanden; und es war diese Überlebende, die vor Gericht zog und dem Angeklagten eine Lektion erteilte. Holly kam, und obwohl es schwer für sie war, war sie in der Lage, das Entsetzliche dieser Tage wiederzugeben. Und es war wirklich entsetzlich, weil das, was er ihr antat, undenkbar und unaussprechlich war. Ich nehme einmal an, der Angeklagte glaubte nicht, dass Holly den Mut haben würde, vor Gericht zu ziehen und zu erzählen, was mit ihr geschah. Ich meine, im Verlauf der Vorbereitung für diesen Prozess, im Verlauf der paar Jahre, die es brauchte, den Fall tatsächlich im Juni zum Prozess zu bringen, haben wir – das Team von Leuten, die mit Holly arbeiten – nicht gedacht, dass Holly das durchstehen würde. Es gab Verzögerungen, es gab Amtsenthebungen, es gab das Gefühl, dass sie nicht die innere Kraft aufbringen würde, es bis zum Ende durchzustehen. Aber sie hat es durchgestanden. Und dafür möchte ich sie loben – für diese Anstrengungen und für die Kraft, die sie hatte, vor Gericht zu ziehen. Der Schaden, den der Angeklagte an Holly verübte, war unermesslich, und er dauert an. In mancher Hinsicht wird er sie ihr ganzes Leben begleiten. Ich meine, dem unermesslichen Schaden, den er ihr zufügte, sollte eine ebenso unermessliche Strafe folgen. Als Anwältin weiß ich, dass das Gesetz dem Gericht nicht erlaubt, eine unermessliche, eine grenzenlose Strafe zu verhängen; deshalb mochte ich das Gericht bitten, dass es die nach dem Gesetz höchstmögliche Strafe gegen dieses Monster verhängt, das diese Scheußlichkeiten beging – entsetzliche, brutale, qualvolle Handlungen an einem armen Kind. Danke.  

Gericht: Danke, Frau Anwältin Buck. Herr Justizbeamter, bitte entfernen Sie – das nimmt mir die Sicht auf diesen Teil des Gerichtssaals. Könnten Sie es näher heranbringen – (Pause).  

Herr Brewer: Ich heiße Jerome Donald Brewer, B-r-e-w-e-r. Ich bin Hollys Vater. Es tut mir leid, dass ich heute hier sein muss. Es tut mir leid, dass überhaupt jemand heute hier sein muss. Ich – mich macht die Tatsache traurig, dass dieser Mann ins Gefängnis gehen muss, weil er solche schrecklichen Dinge getan hat. Ich wünschte allerdings auch, er müsste für immer dorthin, weil er solche schrecklichen Dinge getan hat. Ich habe vier Kinder. Ich liebe alle meine Kinder sehr. Als mir das zum ersten Mal offenbart wurde, wollte ich ihn umbringen; wirklich, dass wollte ich. Ich erkannte, das Beste, was ich für meine Tochter tun konnte, war, für sie hier zu sein – da ich, da sie damals mit mir zusammen lebte. Und es kam von ihr – wir saßen zwei Stunden lang im Auto, und sie weinte, ehe sie auch nur den ersten Hinweis geben konnte, was in ihrem Leben passiert war. Und dann kam es wie eine Flut. Und es hat Eindruck auf mich gemacht, wie stark sie war – und ist. Und das habe ich immer gewusst, dass sie sehr stark ist. Sie ist einer der intelligentesten, stärksten Menschen, die ich kenne. Und das – wie Frau Brown sagte – hinter sich zu lassen und weiterzuleben und weiterzumachen, wie sehr es sie auch betroffen hat – sie war dabei, damit klar zu kommen. Und es war aus Liebe zu ihrer Schwester, weil sie nicht wollte, dass jemand anderer aus der Familie dasselbe und noch Schlimmeres durchmachte, dass sie etwas sagte – in erster Linie. Ich wünschte, das alles wäre nicht wahr, Paul wäre ein freier Mann, er erhielte sein Leben zurück, wenn das Holly die ganze Zeit ihrer Kindheit zurückbringen würde. Ich glaube, eine der größten Tragödien hier ist, dass nicht nur so viele Menschen auf schreckliche und verheerende Weise betroffen sind, sondern dass es so viel wenn auch nur geringeres Leid dabei gibt – meine Mutter glaubte, sie hätte die Zeichen sehen müssen, weil Holly sich sträubte, nach Hause zu gehen, wenn sie kam und ein Wochenende mit mir verbrachte. Den ganzen Weg nach Hause über wurde sie zunehmend erregter, so dass – Sie wissen, dass – und meine Mutter meinte, sie hätte etwas unternehmen müssen! So wie jeder etwas hätte tun können, wenn wir uns je vorgestellt hätten, dass so etwas vor sich ging. Wie dieser Mann – Paul – mich so vollkommen täuschte, das verschlägt mir schon die Sprache. Ich habe wirklich geglaubt, dass – dass meine Kinder in einem ordentlichen Haus aufwachsen, mit Liebe und christlichen Werten. Und  dieses Abkehren von Gott, von allem, was heilig ist, das ist jetzt in ihr Leben gekommen – weil man die beiden Dinge gleichsetzt. Man setzt Pauls Ungeheuerlichkeiten mit dem Leben als Zeuge Jehovas gleich, mit dem Religiössein, mit dem Christsein, und – und das ist tragisch. Ich glaube, man muss die Botschaft weitergeben, dass diese Art von Scheußlichkeit nicht in der Gesellschaft toleriert werden kann. Und ich hoffe, ich kann diese Botschaft heute weitergeben. Danke.

Gericht: Danke. 

Heather Berry: Ich heiße Heather Berry, B-e-r-r-y. Ich habe gerade – ich habe einen Brief an meinen Vater geschrieben und ein paar Gedichte, die ich gerne vorlesen möchte. In Ordnung, ich beginne mit dem Brief. (Sie liest:) „Papa, ich empfinde so viel für dich: unser Verhältnis; die Art, wie du mein Leben, das meiner Familie und das von anderen beeinflusst hast. Mit den Jahren hat sich mein Bewusstsein für diese Empfindungen, für unsere Situation, für meine Rechte, auch die fehlenden, geschärft, und auch für den Heilungsprozess, der bei mir weitergeht. Jede Empfindung, die ich durch dich oder durch dein Verhalten empfangen habe, war intensiv und ganz oft auch überwältigend. Zu gewissen Zeiten in unserer Geschichte habe ich empfunden, als wärst du mein Beschützer, Ernährer und bester Freund. Dann wieder, eher öfter als nicht, hast du mich erschreckt. Du hast von mir genommen, und ich lief vor dir weg auf der Suche nach Trost in meinem Inneren, eine Mühe ohne Belohnung. Ich habe dich geliebt, und ich habe dich gehasst. Beide Gefühle haben mich tief verletzt, und ich sehnte mich danach, zu entkommen. Bei dir zu bleiben schien unmöglich, und das Verlassen erschien unerträglich. Als ich jünger war, habe ich Mama gebeten, dass sie mich bei dir leben lässt. Das war nicht, weil ich mich danach sehnte, bei dir zu sein, sondern weil ich ein merkwürdiges Mitleid für dich empfand. Ich habe mit dir mitgefühlt, weil du alleine warst und deine Seele erregt. Ich hatte, solange ich mich erinnern kann, dasselbe Problem, aber du hast meine Seele erregt. Der Unterschied besteht darin, dass deine Traurigkeit gefährlich für andere ist. Da du mir meine natürliche Unschuld genommen hast, empfinde ich schlecht über mich selbst. Ich bin unsicher und fühle mich schmutzig. Ich bin befleckt worden. Ich fühle mich, als sei ich nur das Produkt einer gequälten Seele und einer widerwärtigen Gewohnheit. Die Ironie von allem ist dein Glaube. Du behauptest, stark zu sein, ein gottesfürchtiger Mensch zu sein, aber die Dinge, die du deiner Familie angetan hast, waren höchst ungöttlich; etwas, das ein Mensch nicht begehen darf. Du hast deine Töchter vergewaltigt, deine Frau und deine Kinder zur Strafe geschlagen und hungern lassen und uns die geringst mögliche Lebensweise gegeben. Eine lange Zeit über habe ich alle Gefühle für dich geleugnet. Ich habe alle Erinnerungen verleugnet, ich habe allen Schmerz verleugnet. Ich habe mir freiwillig einen Schleier zum Schutz übergezogen. Ich habe einmal wirklich geglaubt, wenn ich das Böse nicht anerkennen würde, wäre es nicht da. Eines Tages habe ich erkannt, dass alles doch passiert war, und ich begann, gesund zu werden. In den vergangenen paar Jahren habe ich gekämpft, meine Erinnerungen wiederzuerlangen. Man gewinnt einige, man verliert einige. Jeden Tag kommen mehr zurück. Ich weiß nicht, ob dir dein Problem bewusst ist oder nicht, aber ich glaube, du bist dir der rechtlichen Folgen bewusst. Ich weiß nicht, ob dir die Folgen bewusst sind, mit denen ich jeden Tag körperlich und seelisch fertig werden muss. Jeder Tag ist ein Kampf und wird es auch bleiben. Es gibt Rechte, die du meiner Familie und mir genommen hast; darum musst du die Folgen tragen. Du hast uns das Recht auf Sicherheit genommen; Du hast uns das Recht auf Glück genommen; Du hast uns das Recht auf gesunde Sexualität genommen. Ich war nicht einmal dem geistigen Zustand nahe, eine Entscheidung dieses Formats zu treffen. Ich mache mir Sorgen um frühere und künftige Opfer, die noch ungenannt sind, die hervorgekommen sind, die sich auf dem Weg der Gefahr befinden. Daher musst du die Folgen bezahlen. Niemand sonst muss innerlich sterben, um deinen Schmerz zu überwältigen. Wie ich schon erwähnt habe, gibt es einen Heilungsprozess, der vor ein paar Jahren begann. Die Heilung wird ein schwerer, lang andauernder Prozess sein, aber es wird immer besser. Ich glaube, ich lasse es mir schon gut gehen. Es ist mir gelungen, mein Leben wieder aufzubauen – ohne dich. Ich habe vor anderthalb Jahren die High School abgeschlossen. Ich habe Freunde gefunden, ich baue weiter an einer stärkeren Beziehung zu den existierenden Familienangehörigen. Ich habe in einem Kampf gesiegt und bin der Mensch, der ich seit Jahren sein wollte. Ich verstehe, dass man Falsches nicht mit Falschem vergelten darf, und daher will ich keine Rache, weil das für meinen Heilungsprozess nicht gut ist. Ich habe – Entschuldigung. Ich habe an den falschen Orten nach Heilung gesucht. Sexuell habe ich vieles falsch verstanden und mir falsch vorgestellt. Ich habe im Schmerz nach Heilung gesucht und keine Befreiung gefunden. Dieser Prozess ist Teil meiner Heilung. Ein Ende der Debatte ist nur ein Stich in diese Wunde. Jeder in dieser Situation braucht Heilung, und ich habe das Vertrauen, dass es gut ausgeht. Papa, dies ist mein Lebewohl. Ich wünsche, dass deine Seele wieder Ruhe findet; ich wünsche, dass du Heilung findest; ich wünsche, dass du aus deinen Fehlern und den Folgen lernst. Mein Weg wird mit diesem Tag immer heller. Lebewohl.” (Ende des Vorlesens.) Das ist der Schluss meines Briefes. Ich möchte gerne ein paar Gedichte vorlesen, in denen es um diese Sache geht. Dies hier habe ich am 15. September 1998 geschrieben, und da ging es um Erinnerungen, die in mir hochgekommen waren. (Hier in Prosa wiedergegeben.) „Das Schreien wird lauter – man kann es unmöglich hören. Es krallt sich in mir fest und tritt auf meine Angst, es reißt mir das Gehirn heraus und hackt auf meinen Eingeweiden herum, es lacht über meine Worte und nennt mich Schlampe. Es tritt stundenlang auf mir herum und sagt, ich sei verrückt, es tritt mir ins Gesicht und wünscht mir ständig Schmerz. Verloren in der Verwirrung, habe ich jeden Kampf aufgegeben. Mit meinem Stolz hat es mir auch alle Kraft genommen. Ich bitte es um Mitleid: Töte mich oder befreie mich. Mit monströsem Lachen sagt er: Ich weiß nicht, wir werden sehen.“ Ich würde gerne noch eins vorlesen. 12. September 1998. „Er kam zu mir in der Schwärze der Nacht, die Hände ausgestreckt – da war kein Kampf. Dem maskierten Mann wurden meine Umrisse langsam vertraut. Sanft rieb er seine Hände auf mir, auf jedem Winkel mit starrem Blick. Mein Kind, du bist so süß, vollkommen und reif. Dann kenne ich nichts mehr als Niederlage. Seine Hände gingen durch meinen Nabel, packten meinen Magen und sagten: Das tut nicht weh. Herausgerissen und vor mir gegessen, in Stücke gerissen, fühlte ich solch eine Qual, dass die Wunde bis heute bleibt. In meinen Träumen geistert immer noch der Tag herum, an dem mir der Frieden genommen wurde.” Und das ist alles. Danke.

Gericht: Danke.  

Frau Poisson: Ich bin Hollys Mutter. Ich heiße Sarah McIntyre Poisson. Während des Prozesses vor diesem Gericht war ich McIntyre, das ist mein Mädchenname, buchstabiert M-c-Großes I-n-t-y-r-e. Und im Verlauf des Prozesses habe ich einen wunderbaren Mann geheiratet, dessen Nachname Poisson, P-o-i-s-s-o-n, ist. Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, hier vor Gericht zu sprechen. So vieles ist so lange nicht gesagt worden, dass diese Chance zum Schluss ein Geschenk ist. Im Zusammenhang mit dem Prozess, der hier stattfand, hat das Gericht erfahren, was mit Holly passiert ist. Was das Gericht jedoch nicht kennt, das sind die fehlenden Stücke, die, wenn man sie zusammenstellt, erkennen lassen, wie es war, mit Paul Berry zu leben. Paul ist ein Mann, der ausfallend werden kann. Er ist ausfallend im ganzen Sinn des Wortes. Er war körperlich ausfallend gegenüber uns allen. Er war verbal ausfallend gegenüber uns allen. Er zerstörte aus bloßem Spaß daran Dinge, die für uns wichtig waren. Es war nichts Ungewöhnliches, wenn eines der Kinder von der Schule durch die Tür kam und seine Faust zu spüren bekam, nur weil er wegen irgend etwas wütend auf mich war. Gewöhnlich hatte dieses „irgend etwas“ damit zu tun, dass er meinte, ich hätte etwas falsch gemacht. Wir waren mit dem Essen spät dran; ihm hat nicht gefallen, was ich angezogen hatte; oder er war auf jemand anderen wütend. Die Kinder zahlten den Preis, weil Paul genau wusste, wie sehr mich das verletzte. Wenn den Kindern etwas angetan wird, dann ist das verletzender, als wenn einem selbst etwas angetan wird. Damals gehörten wir zu einer Religionsgemeinschaft. Diese Gemeinschaft forderte den Ausschluss aller Außenstehenden. Wir durften mit niemandem außerhalb der Versammlung Umgang haben. Frauen durften keine Ausbildung anstreben; und uns wurde geraten, wenn möglich, nicht einer Arbeit nachzugehen. Das geschah, um uns zu „schützen“. Wo immer irgendeine Anleitung benötigt wurde, war das Sache der Ältesten in der Versammlung. Wiederholt ging ich wegen meiner Sorgen wegen Pauls Verhalten zu dieser Ältestenschaft; wiederholt hat man mir gesagt, ich müsse eine bessere Ehefrau werden, ich müsse mehr beten. Jedes Mal, wenn ich mit den Ältesten redete, wurde ich in irgendeiner Weise bestraft. Man hat mir Vorrechte genommen, weil ich es gewagt hatte, mir die Rolle meines Mannes anzueignen, indem ich mit jemand anderem über das redete, was bei uns zu Hause vorging. Etwa um diese Zeit begann Heather, die noch sehr klein war, sich seltsam zu verhalten. Sie weigerte sich, in ihrem Bett zu schlafen; sie wollte nur in der Badewanne schlafen. Sie warf mit Sachen nach ihrem Vater und wurde sehr gewalttätig. Heather war die Art kleines Mädchen, die verwelkten Löwenzahl für mich nach Hause brachte. Ich hatte den Verdacht, Paul würde sie sexuell missbrauchen, und begann, Fachleuten Fragen zu stellen und Heather zur Sozialberatung mitzunehmen. So ging das jahrelang weiter. Sie wurde weiter missbraucht. Eines Tages ging mein Sohn mit dem Abdruck einer Fliegenklatsche auf seinem Bein zur Schule – einer ganzen Fliegenklatsche. Die Schule gab einen Bericht an die Jugendbehörde. Ein Sozialarbeiter besuchte mich und informierte mich, dass ich noch am selben Tag bis 17:00 Uhr Paul aus dem Haus werfen solle, sonst nähmen sie mir meine Kinder. Vor mir lag nun die Entscheidung – und zwar eine sehr reale Entscheidung – zwischen Gott, so wie ich ihn damals wahrgenommen habe, oder meinen Kindern zu wählen. Und ich habe mich für meine Kinder entschieden. Das Ergebnis dieser Entscheidung war jahrelange äußerste Armut. Die gesamte Versammlung kehrte uns den Rücken zu. Da wir niemand anderen kennen durften, gab es buchstäblich niemanden, an den wir uns um irgendwelche Unterstützung wenden konnten. Um Geld zu verdienen, damit wir überleben konnten, musste ich wieder zur Schule gehen. Ich hatte das immer gewollt, aber mein Mann hat es verboten. Einmal versuchte ich, ohne seine Erlaubnis zu gehen, aber er hat es herausgefunden und die Bücher verbrannt. Die nächsten fünf Jahre ging ich ganztägig zur Schule, hatte soviel wie zwei Vollzeitjobs und erzog gleichzeitig auch noch meine Kinder. Oft haben sie sich selbst erzogen. Natürlich gab es kein Geld für eine Beaufsichtigung in der Schule nach dem Unterricht, als sie alle in dem Alter waren. Die Älteren sorgten für die Jüngeren. Ich habe meinen Bachelor und meinen Magister gemacht. Während dieser Zeit brachte die Jugendbehörde Paul wiederholt vor Gericht, weil er kein Unterhaltsgeld zahlte. Was ein paar Dollar mehr in diesen Jahren ausgemacht hätten! Wir waren oft hungrig und froren, und es schien keinen Ausweg zu geben. Angetrieben, weiterzumachen, hat mich die Tatsache, dass meine Kinder sonst absolut niemanden auf der Welt hatten. Hollys Präpubertät und Pubertät waren verwirrend, schmerzlich und manchmal entsetzlich. Es gab Zeiten, da erschien mir ihr Verhalten wirklich psychotisch. Ich versuchte, ihr zu helfen. Sie hatte Jahre mit sozialer Beratung und stationärem Krankenhausaufenthalt. Der behandelnde Psychologe sagte, dass ich Hollys Problem sei! Dass sie und ich in einem Beziehungsnetz gefangen seien. Sie wurde entlassen, und kurz darauf lief sie weg. Ich habe 18 Monate lang nichts von Holly gehört. Eines Tages rief sie aus Indiana an und sagte, sie wolle nach Hause kommen. Ich habe ihr eine Busfahrkarte geschickt und sie in Ascutney, Vermont, aufgelesen. Sie war mager, sie war krank und sie hatte Parasiten. Als sie aus dem Bus stieg, fragte sie mich: „Warum hast du das geschehen lassen?“ Und ich sagte: „Warum habe ich was geschehen lassen?“ Und das war das erste Mal, dass ich von dem sexuellen Missbrauch an ihr hörte. Holly hatte die Wahl, ihn anzuzeigen oder nicht, einen Prozess durchzustehen oder nicht. Als ich sie in Gespräch auf Gespräch ihre Geschichte erzählen hörte, wusste ich, dass das die Wahrheit war. Ich wusste es, weil Paul ein paar der bizarren Handlungen mit Werkzeugen, die Holly beschrieb, auch an mir begangen hatte, wenn ich weinte. Ich hatte das nie jemandem erzählt. Ich habe es nicht erzählt, weil ich so gedemütigt war und mich schämte. Holly schämte sich nicht. Sie hat während dieses ganzen Martyriums eine erstaunliche Stärke gezeigt, und sie hat überlebt. Heather war, als sie noch kleiner war, mehrfach zu stationären Aufenthalten im Krankenhaus, darunter auch im Bostoner Kinderkrankenhaus. Sie hat etwas getan, was wir in meinem Beruf „sich schneiden“ nennen: Wenn Angst, Furcht, Wut oder andere starke negative Emotionen sie überwältigten, hat sie sich Schnitte beigebracht, um die Spannung abzubauen. Leute, die sich schneiden, tun dies, weil es etwas ist, über das sie Kontrolle haben, während sie über andere Dinge in der Welt wenig Kontrolle haben. Ich habe versucht, die Besuche bei Paul zu blockieren; ich habe die Scheidung jahrelang hinausgezögert, damit sein Elternrecht beendet würde. Aber es gelang mir nicht. Ich konnte sie nicht vor ihm schützen. Ich wusste, dass er sie unsittlich berührt hatte. Ich wusste nicht, wie; und ich konnte es auch nicht beweisen. Heather hat ihren Schmerz überwunden, trotz der psychiatrischen Gemeinschaft, die nicht hilfreich für sie war. Sie ist eine glückliche und gut angepasste junge Frau, die großes soziales Interesse zeigt. Jahrelang haben Heather, ihre jüngere Schwester Hilary und ich an dem Take Back the Night-Marsch teilgenommen, der jedes Frühjahr, im April stattfindet. Das ist ein Marsch, der sich zum Ziel setzt, häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen ein Ende zu machen. Obwohl ihre Mitschüler sich oft über sie lustig machten, weil sie an diesem Marsch teilnahm, sang sie noch um so lauter. Heather ist wirklich eine Überlebende. Ich wusste nicht, was mit meiner Tochter geschah, deshalb kann man mir nicht die Schuld dafür geben. Ich wusste allerdings, dass er sie schlug, und als es mir nicht gelungen war, Hilfe von der Ältestenschaft zu erhalten, hätte ich sofort Schluss machen sollen mit allem. Ich hatte so viel Kontrolle und Gehirnwäsche bei mir zugelassen, dass ich ihnen glaubte, als sie mir sagten, es sei meine Schuld: ich müsse eine bessere Ehefrau sein und mehr beten. Als ich das zuließ, da hatte ich indirekt die Schuld an den weiteren Schlägen. Und damit muss ich für den Rest meines Lebens fertig werden. Jede Organisation, die lehrt, Frauen und Kinder seien schwächer als Männer und müssten daher eingezäunt und beschützt werden, und die dann so eklatant darin versagt, diesen Schutz zu bieten, verletzt ihre Pflicht in fahrlässiger Weise. Jede Gruppe, die sagt: Hab mit niemandem sonst Umgang, wir können für alle deine Bedürfnisse sorgen – und die sich dann in den schwärzesten Stunden von dir abwendet, besteht bestenfalls nur aus Heuchlern. Jede Sozialarbeiterin, die fordert, dass du deine Familie zerbrichst, und die dann, wenn man sie fragt: Was haben wir dann zum Essen, wo sollen wir leben?, sagt (ich zitiere): Das ist doch wohl nicht mein Problem!, versagt in ihrer Pflicht, Schutz zu bieten, und auch als Mensch. Ein Psychologe, der sagt, das Problem mit meiner Tochter rühre von dem Beziehungsnetz zwischen uns her, und dem das eigentliche Problem entgeht, riecht nach Unfähigkeit. Es gibt Gaben, die mir aus dieser Erfahrung erwachsen sind. Ich bin Klinikerin, die sich insbesondere mit häuslicher Gewalt und Überlebenden sexueller Übergriffe befasst. Ich habe in Komitees und Gremien gearbeitet, fünf Jahre lang als Aufsicht für die Hotline zu häuslicher Gewalt in Sullivan County und fünf Jahre lang als Familientherapeutin. Ich habe Kundgebungen organisiert und zahllose öffentliche Reden zu diesem Thema gehalten. Ich habe bei der Regierungskonferenz zu häuslicher und sexueller Gewalt gesprochen. Ich habe mich um einen Sitz im Repräsentantenhaus beworben und zwei Jahre lang im Gesetzgebungskomitee zu Kind und Familie gedient, weil diese Themen sehr wesentlich für mein Leben geworden sind. Teilweise habe ich es getan, weil es etwas ist, das getan werden muss; teilweise, weil ich selbst mich von meiner eigenen Erfahrung erholen musste. Das habe ich alles getan. Ich bin glücklich, ich bin frei, und ich bin aus der Sache herausgekommen. Es gibt Dinge, die Paul mir genommen hat, die er mir nicht mehr zurückgeben kann. Ich frage mich nur, wie das Leben für Holly und für Heather und für mich ausgesehen hätte, wäre dies nicht passiert. Wohin gehen die ermordeten Seelen von Kindern? Was ist mit Holly, dem kleinen Mädchen, geschehen? Er hat mir das weggenommen. Und wohin ging Heathers Unschuld? Und warum musste er mir dieses Kind rauben und es durch eines ersetzen, das nur ständigen Schmerz und Angst erfuhr? Wie konnte er nur so abgestumpft und selbstsüchtig sein, so viel Leid bei Menschen zu verursachen, von denen er behauptet hat, er liebe sie am meisten? Der Heilungsprozess, der vor sich gehen kann, ist abgeschlossen. Es gibt jetzt nur Fragen, die nicht beantwortet werden können. Ich möchte der Jury, dem Büroteam des Bezirksstaatsanwaltes, das den Fall behandelt hat, und dem Gericht meinen Dank aussprechen. Was da an Empfindungen hochkommt, wenn Schuldsprüche gefällt werden, ist absolut unbeschreiblich. Und endlich, nach zwanzig Jahren und vierzehn Tagen, ist der Alptraum vorbei.  

Gericht: Danke.  

Staatsanwältin Brown: Die Staatsanwaltschaft hat zu diesem Punkt nichts zu sagen.  

Gericht: Danke, Frau Staatsanwältin Brown. Herr Rechtsanwalt Sisti? 

Verteidiger Sisti: Danke, Euer Ehren. Euer Ehren, es gibt ein paar Dinge, die wir hier erwähnen möchten. Es geht um den Anfang. Ich weiß, dass das Gericht das bereits weiß, und ich weiß, dass die Staatsanwaltschaft es auch weiß, aber es muss noch einmal gesagt werden. Es steht in dem Bericht zur Voruntersuchung, und zwar ziemlich deutlich. Es steht in Absatz 36. Und da steht es, und wir können es noch einmal sagen – und ich möchte das klarstellen – es steht zwar eine Menge Wut hier im Raum, es steht eine Menge Leidenschaft im Raum, aber unsere Haltung ist – und Herr Berry möchte, dass jeder das weiß – dass er diese Handlungen nicht begangen hat; und dass wir deshalb in Berufung gehen werden – und das Gericht weiß das. Ich möchte mich nicht in die Einzelheiten der Berufung vertiefen, aber generell haben sie mit den Dingen zu tun, die die Jury nicht gewusst hat. Es geht um Dinge, die die Staatsanwaltschaft mit Erfolg und im Wesentlichen vor der Jury unterdrückt hat. Und das sind die Dinge, die wir bei der Berufung vorbringen werden, die im nächsten Prozess den zwölf Mitgliedern der Jury zur Aufmerksamkeit gebracht werden, so dass sie objektiv entscheiden können, ob die hier vorgebrachte Geschichte wahr ist: das Thema der Glaubwürdigkeit dieses angeblichen Opfers; das Thema des Beweggrundes dieses angeblichen Opfers; das Thema der seelischen Gesundheit dieses angeblichen Opfers; das Thema des Drogengebrauchs dieses angeblichen Opfers; das Thema von Erzählungen über weitere Vergewaltigungen dieses angeblichen Opfers. Aber das, Herr Richter, ist für einen anderen Tag. Was ich jetzt zuerst tun möchte, ist, hier Leute vorzuführen. Sie sitzen hinter mir. Ich bitte sie einfach, aufzustehen, sich vorzustellen und sehr, sehr kurz zu sagen, wie sie Paul kennen, vielleicht auch, seit welcher Zeit – irgend so etwas. Können wir hier vorne gleich anfangen?  

Zeuge der Verteidigung 1: Ich heiße Joyce Saunders. Ich kenne Paul schon seit den frühen 1980er Jahren, als er mit seiner Familie in die Gegend von Greenville zog. Wir gehören derselben Religionsgemeinschaft an. Unsere Kinder gingen zusammen zur Schule. Ich kenne Paul nur als jemanden, der in materieller Hinsicht sehr gut für seine Familie gesorgt hat. Meine Familie hat der seinen auch in schweren Zeiten geholfen, wir haben für Feuerholz gesorgt, [wenn wir merkten,] dass es kalt war, oder für Lebensmittel, oder jahrelang für den Babysitterdienst – alles noch lange, nachdem die Familie zerbrochen war. Ich kenne Paul als sehr ehrlichen Menschen, als sehr zuverlässig, wenn es darum geht, dass er seine Kinder mitnimmt, für sie da ist. Und ich hatte nie Zweifel daran, wie er eines meiner Kinder behandelte, oder – ich habe nie Zeichen von Missbrauch entdeckt, wenn meine oder seine Kinder herüber ins Haus kamen. Ich – ich bin entsetzt über den Gedanken, dass man solche Anschuldigungen gegen einen so freundlichen Menschen, wie Pauls es ist, auch nur in Erwägung ziehen kann.  

Verteidiger Sisti: Nur für das Protokoll, Euer Ehren: Sie erinnern sich vielleicht daran, dass dieser Frau das Recht auf eine Zeugenaussage mit Hinblick auf die Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers verweigert wurde.  

Zeuge der Verteidigung 2: Ich habe Halsschmerzen.  

Verteidiger Sisti: Das kann unangenehm werden!  

Zeuge der Verteidigung 2: Ich heiße Doris [Glenn]. Ich kenne Paul seit zwölf Jahren. Ich gehöre derselben Religionsgemeinschaft an. Ich möchte nur sagen, dass ich den Magister in Pädagogik habe und eine von den – ich bin eine Zeugin Jehovas, und ich bin seit siebenundzwanzig Jahren Sonderschullehrerin in Nashua. Ich arbeite hauptsächlich mit Kindern, die seelische und Verhaltensprobleme nach sexuellem Missbrauch haben. Und wir kennen Paul – meine Familie: mein Mann, meine Kinder und ich – wir sind mit den Jahren gute Freunde geworden, und ich hatte niemals einen Grund zu vermuten, dass da etwas Ungewöhnliches vor sich geht.  

Gericht: Danke.

Zeuge der Verteidigung 3: Ich bin Rita Rivard, und ich kenne Paul schon seit dreizehn Jahren. Und [er ist gut zu] unserer Versammlung. Ich habe immer gemerkt, dass er ein guter Familienvater ist: das war eins der Dinge, die mich an ihm beeindruckt haben. Und in all den Jahren ist mir aufgefallen, dass er immer ein treusorgender Mensch ist, jemand, der immer bereit war, Menschen zu helfen, wo er konnte, ein integrer Mann. Ich habe nie einen Grund gesehen zu denken, das wäre anders bei ihm. Und wenn es je die Möglichkeit gäbe, dass er mein Nachbar wäre oder dass ich für meine 3 ½-Jährige Enkelin einen Babysitter brauchte, ich würde nicht zögern, Paul zu nehmen.  

Zeuge der Verteidigung 4: Mein Name ist Bob Ward. Ich bin einer der Ältesten in der Versammlung, zu der Paul gehörte. Ich kenne ihn schon etwas mehr als fünfzehn Jahre. Ich kann mich daran erinnern, wie Holly und Heather und der Rest von ihnen so groß waren, ich habe sie aufwachsen sehen, und – Familie? Ich war oft in seinem Haus. Ja, Paul hatte Probleme wie wir alle. Vielleicht damit, seine Arbeitsstelle zu behalten – er hatte Arbeit – aber er war – er war immer für seine Kinder da. Tatsächlich habe ich die Kinder manchmal drei- oder viermal in der Woche gesehen. Sie kamen zu den Zusammenkünften, ich ging in ihr Haus – es gab keine Probleme. Ja, das waren gute Kinder. Und wenn Leute aus der Versammlung und andere sich trafen, wir hatten keine Probleme, wenn Paul die Kinder hatte. Tatsächlich leitete er eine Gruppe für den Rasen – den Rasen mähen und sauber halten und so. Kinder und Jugendliche – Eltern haben ihre Jungen, wissen Sie, so 12 bis 15, 16 Jahre alt, kommen und mit ihm arbeiten lassen. Es gibt niemanden, der seine Kinder von ihm fernhalten würde – er war gut zu ihnen. Und deshalb – ich glaube aus allem, was ich gesehen und gehört habe, und ich war auch in einigen Fällen bei Sarah, wenn sie Probleme hatte – nicht ihre Schuld, sondern die von jemand anderem. Und so habe ich versucht, ihr zu helfen. Und deshalb will ich über Paul sagen: Ich stimme zu, dass das keine Situation ist, in der er sein sollte. Nach allem, was ich ersehe, ist er sauber. Danke, Euer Ehren. 

Zeuge der Verteidigung 5: Ich bin Paul Ward. Ich bin sein Sohn. Und ich bin hier, um Paul zu unterstützen. Ich kenne Paul ebenso schon 15 Jahre, und Paul und ich haben viel zusammen unternommen, beim Sport oder bei so etwas – irgendetwas in dieser Richtung. Ich habe zwei Jungen. Ich bin mit Paul zusammen aufgewachsen, und wir haben zusammen viel unternommen. Und wenn ich glauben würde, dass Paul schuldig ist, dann wäre ich nicht hier.  

Zeuge der Verteidigung 6: Ich heiße Susan Ward. Ich bin schon seit vielen Jahren mit Paul befreundet. Wir haben eine gemeinsame Freundin in Honduras, und Paul hat mit mir und diesem Mädchen Zeit verbracht, wenn sie uns besuchte. Und ich möchte sagen, wenn ich da irgend welche Zweifel bei Paul gehabt hätte, dann hätte mein Mann das nicht zugelassen. Paul und ich haben acht Jahre lang und noch mehr oft damit verbracht, zusammen Königreichssäle zu bauen. Ich arbeite bei diesen Königreichssälen als Maurerin, so hat er immer neben mir gearbeitet. Paul ist nicht schuldig, und ich bete darum, dass er nicht auch nur einen weiteren Tag im Gefängnis verbringen muss. 

Zeuge der Verteidigung 7: Mein Name ist Shirley [Roby], und ich kenne Paul seit so um die acht Jahre. Er war immer ein feiner Mann. Ich habe niemals – ich bin niemals irgendwohin gegangen mit ihm, aber dies hier ist meine Tochter, und ich weiß, dass sie immer ein gutes Verhältnis zueinander hatten, wenn sie zusammen gearbeitet haben, in den Dienst gegangen sind, mit Leuten geredet haben – an den Türen zusammen, was ich selbst mit Paul auch getan habe. Er war immer ein feiner Mann, und ich bete auch für ihn, dass er nicht verurteilt wird.  

Zeuge der Verteidigung 8: Ich bin Mike [Earhardt]. Ich kenne Paul jetzt schon seit ein paar Jahren aus der Ferne. Und letztes Jahr hatte ich das Vorrecht, dass er zu uns nach Hause gekommen ist und seine Zeit mit uns verbracht hat – mit unserer Familie, im vergangenen Jahr. Und ich habe zwei Jungen und ein Kleinkind, und Paul hat ihnen gegenüber seine Zuneigung immer auf anständige Weise gezeigt. Ich würde ihm jeden Tag unsere Kinder zum Aufpassen geben. Ich kenne ihn auch als einen guten Arbeiter. Er hat eine kurze Zeit mit mir zusammen gearbeitet. Er hat mich auf anständige Weise vertreten – ich wusste, dass er das tun würde – und ich würde ihm jede Arbeit zuteilen, so vertraue ich ihm. Für die kurze Zeit, die ich ihn kenne, ist er also ein guter Freund gewesen: er erwies sich immer als vertrauenswürdig und moralisch [rein].  

Zeuge der Verteidigung 9: Mein Name ist Renata [Earhardt]. Ich kenne Paul schon ungefähr 15 Jahre lang. 1985 und 1986 brauchte ich jemanden als Babysitter, als meine Kinder noch kleiner waren, Ich weiß, dass er ein guter Vater und ein guter Ernährer war, jemand, dem ich vertraut habe. 1986 war ich für ihn – bei ihm beschäftigt, und er war fair und ehrlich in Geschäftsdingen. Anfang 1987 war eine Freundin von mir gestorben. Es war für mich eine Zeit der Unruhe, und er war der stabilisierende Faktor in meinem Leben. Er hat immer Zeit für mich und meine Kinder gefunden. Nochmals: er war wie ein Bruder zu mir; er war ein beständiger Mensch; was seine Beschäftigung angeht: ich kenne ihn als harten Arbeiter; ich weiß, er hat freiwillig schwer gearbeitet, um anderen zu helfen; er passt auf sich auf, wenn er mit anderen zusammen ist; Ich weiß dass er Wertschätzung – dass er das Leben wertschätzt; er achtet andere Menschen; er hat Wertschätzung für das Leben um ihn herum. (Schniefen) Entschuldigung! Und ich weiß, dass er ein guter und anständiger Mensch ist, jemand, der jederzeit mir und meinen Kindern willkommen ist.  

Zeuge der Verteidigung 10: Euer Ehren, ich bin Jean (Mirona). Das ist für die meisten von uns eine schwierige Situation, weil wir nie zuvor in dieser Lage waren. Bitte verstehen Sie also, dass wir aus Nervosität zittern. Aber ich wollte ihnen gegenüber erwähnen, dass ich Paul bereits so an die zehn Jahre kenne. Ich bin Mutter und Ehefrau. Ich bin schon seit fast 35 Jahren mit demselben Mann verheiratet; er ist ein wunderbarer Ehemann. Und ich habe fünf Kinder, davon haben zwei mit den beiden Mädchen von Paul Umgang gehabt. Und wir sind zusammengewesen, und Paul war bei vielen Gelegenheiten bei uns zu Hause, weil er bei uns eine Arbeit verrichtet hat. Er war mehrere Male – er ist so ein harter Arbeiter. Er hat die Teppichböden gereinigt, er hat Fenster eingesetzt, er hat das Haus von außen kunststoffverkleidet – er kann schon arbeiten. Aber er ist mehr als das; er ist ein anständiger und freundlicher Mensch. Ich hatte die Gelegenheit, Pauls Dinge zu nehmen und in seinen Wohnwagen zu packen, denn als er angehört wurde – und in seinem Fall, wo er jetzt für schuldig befunden wurde – er dachte, er könne wieder nach Hause; er dachte, man würde ihn für unschuldig erklären, denn er wusste, dass er unschuldig war. Daher hat er alles in seinem Wohnwagen gelassen, so dass er nach Hause kommen, die Vögel füttern und die Wäsche waschen würde. Nun, als wir kamen, mussten wir alles wegpacken. Ich habe nach einem Anzeichen gesucht, dass irgendetwas nicht stimmt, ich bin ja Mutter; aber alles war in Ordnung. Ich habe Briefe gefunden, die die kleinen Mädchen an ihren Vater schrieben. Sie sagten: Papa, du bist der Größte – wir lieben dich. So etwas, Karten an ihren Vater, Bilder. Es zeigte mir, dass das, was ich von Paul glaubte, stimmte. Entschuldigen Sie bitte, wenn wir so nervös sind. Wir wissen, dass dieser Mann unschuldig ist. Danke, Euer Ehren.  

Zeuge der Verteidigung 11: Mein Name ist Robin [Nolan]. Ich bin diplomierte Krankenschwester und Leiterin der Abteilung für Berufskrankheiten am [Gemeindekrankenhaus von Monadnock]. Ich bin auch Mitglied bei den Zeugen Jehovas, in der Versammlung in Wilton. Ich kenne Paul jetzt schon annähernd zehn Jahre. Während dieser Zeit habe ich ihn als nichts anders als freundlich und aufmerksam kennen gelernt. Ich habe auch eine Tochter – zwei Töchter, von denen eine mit Heather zur Schule ging, und ich habe meiner Tochter erlaubt, bei ihnen zu Hause zu sein, als sie noch jünger war, und mit Heather zu spielen. Ich hatte zu keiner Zeit Zweifel oder Sorgen, weil sie bei Paul oder in ihrem Haus war. Ich glaube wirklich, Euer Ehren, dass Paul unschuldig ist.  

Zeuge der Verteidigung 12: Ich heiße Erin (Corcoran).Ich bin ihre Tochter. Paul ist ein guter, gütiger Mensch. Ich bin immer zu ihnen nach Hause gegangen, als ich noch jünger war, und Paul ist einfach ein liebevoller Vater und ein guter Mann. Ich habe letzten Monat geheiratet. Und Paul ist einfach ein wunderbarer Mensch. Er hält nur Ausschau, wie es anderen Menschen geht, und dann sorgt er für sie und ist freigebig.  

Zeuge der Verteidigung 13: Mein Name ist Sharon Ellis. Ich kenne Paul jetzt schon seit etwa zehn Jahren. Ich habe drei hübsche, kleine Mädchen, die ich wirklich sehr beschütze. Wir hatten Paul bei vielen Gelegenheiten bei uns im Haus. Wir sind mit Paul ausgegangen. Paul hat auch auf meine drei Kinder aufgepasst. Würde ich Paul wieder auf sie aufpassen lassen, dann würde ich es tun, weil er ein freundlicher, sanfter, vertrauenswürdiger Mann ist. Ich habe auch einen Brief, den meine 11-Jährige Tochter schrieb. (Liest vor) „Mein Name ist Jessica Ellis. Ich bin elf Jahre alt, und ich kenne Paul seit vier oder fünf Jahren.“ Und sie erinnert sich. (Liest vor) „Ich erinnere mich, als du uns ermuntert hast, Spiele mit uns zu spielen, und als wir eine Menge Dinge zusammen getan haben. Paul, du bist ein treusorgender liebevoller, freundlicher Mensch, und ich werde dich vermissen. Und ich hoffe, sie stecken dich nicht ins Gefängnis. Grüße, Jessica.“  

Zeuge der Verteidigung 14: Ich bin Janet Dube. Ich bin eine Zeugin Jehovas. Ich kenne Paul seit zehn Jahren. Er ist immer freundlich und aufmerksam gewesen, immer bereit, anderen, die in Not sind, zu helfen. Im Sommer hatten wir einmal im Monat eine Grillparty, wo die Familien zusammen waren. Paul hat die Kinder immer ermuntert, Frisbee, Volleyball, Whiffleball, oder was immer, zu spielen. Er dachte immer an sie. Und die Kinder haben Paul gemocht, weil er sich um sie kümmerte und sich immer Zeit für sie nahm Paul ist ein guter, ehrlicher Mensch. Er kennt die Bibel, er weiß, wie – er ist Gott Rechenschaft schuldig, er weiß, wie Gott über Lügner denkt, und ich bin sicher und glaube, dass Paul nicht lügen würde. Ich glaube an Pauls Unschuld und bete darum, dass er nicht ins Gefängnis muss.  

Zeuge der Verteidigung 15: Ich heiße Mike Dube, Euer Ehren. Dies hier ist meine Frau. Ich kenne Paul seit wenigstens 10 bis 12 Jahren, ich habe gemeinsam mit ihm Sport und andere Dinge gemacht. Er ist ein sehr sanfter Mensch, er wird geachtet, er ist treusorgend. Er war bei mir zu Hause, wie bemerkt wurde. Ich hätte keine Probleme damit, meine Kinder in seiner Obhut zu lassen, wenn es darum geht. Eines ist er bestimmt nicht, nämlich ein Monster.  

Zeuge der Verteidigung 16: Ich bin Derek [Hilpin]. Ich kenne Paul jetzt seit etwa zehn, fünfzehn Jahren, aber seit fünf Jahren sind wir tagein, tagaus Arbeitskollegen. Und man sollte doch meinen, in fünf Jahren, wenn man jeden Tag mit ihm zusammen arbeitet, würde etwas zu erkennen sein, dass man eine Neigung bei ihm für das entdeckt, dessen er angeklagt ist – er hat sich nicht viel Sorgen um diesen Fall gemacht, weil er sich unschuldig fühlte, wissen Sie. Wir haben in der ganzen Gegend gearbeitet, in Amherst, in Bedford. Und wenn jemand bei einem aus und ein geht, sollte man doch denken, dass etwas – dass irgendetwas herauskommen würde. Aber ich habe ihn nie anders als einen guten Arbeiter gekannt. Hausbesitzer würden ihm ein Lob aussprechen, weil er solch ein guter Arbeiter ist, und ich musste ihn immer zurückhalten davon, mit Leuten zu reden – mit Kunden. Aber ich habe eine sechs Monate alte Tochter draußen. Als sie aufwuchs, hätte ich nicht zweimal überlegt. Paul hätte auf sie aufpassen dürfen, weil – ich weiß, er sollte heute nicht hier sein. Er sitzt schon seit Juni, das ist an sich schon eine schlimme Strafe, weil er nicht einmal in der Lage ist, zu (unhörbar) .  

Zeuge der Verteidigung 17: Mein Name ist Jose Rodriguez. Ich kenne Paul seit vier Jahren. Wir haben eine Menge Zeit zusammen in der spanischen Versammlung verbracht. Wenn ich den Menschen beschreiben sollte, der er in den vier Jahren war, dann kann ich nur sagen, dass er ein hart arbeitender Mann ist; er ist einer der nettesten Menschen, denen ich je begegnet bin; er ist vertrauenswürdig. Ich erinnere mich, dass er in der Zeit, die wir zusammen verbrachten, immer bereit war, mir in Situationen zu helfen – wenn ich etwas brauchte. Und nicht nur das, ich habe bemerkt, dass er nicht nur zu mir, sondern auch zu anderen fair ist, er ist immer bereit, alles für sie zu tun, ihnen auszuhelfen. Ich hoffe, dass er nie seine Zeit im Gefängnis verbringen muss, und ich hoffe, die Zeit – dass die Zeit kommt, wo er seine Unschuld beweisen kann.  

Zeuge der Verteidigung 18: Euer Ehren, ich heiße Thomas Quigley. Ich bin Geschäftsmann, und ich (nicht zu verstehen) in Manchester. Ich kenne Paul seit etwa sechs Jahren. Ich habe vier Kinder. Meine [älteste] Tochter ist jetzt auf der Höheren Schule, sie arbeitet an ihrer Karriere. Dazu ermutige ich alle meine Kinder. (Nicht zu verstehen) auch den Vollzeitdienst. Ich habe Paul bei freiwilligen Arbeiten, bei denen wir zusammen waren, kennen gelernt. Ich habe ihn im vergangenen Jahre besser kennen gelernt, und in den letzten paar Monaten noch mehr. Ich besuche – ich habe Paul weiter im Gefängnis besucht, weil ich auch Ältester in der Versammlung bin. Es ist für mich besonders ermutigend, ihn dort zu sehen, weil ich sagen würde, bei allen meinen Besuchen, außer einem, war er positiver [als sogar] ich, der ich versucht habe, ihn aufzumuntern. Er hatte – er hat nichts Schlechtes über seine Frau oder über seine Töchter zu sagen. Er glaubt fest an seine Unschuld, wie ich auch. Er ist enorm stabil und gutmütig und erträgt eine schwierige Situation, die für viele andere zu lang wäre.  

Zeuge der Verteidigung 19: Mein Name ist David [Garey]. Ich bin auch Geschäftsmann in dieser Gegend und auch einer der Ältesten in der Versammlung. Ich kenne Paul seit an die fünfzehn Jahre. Ich kenne ihn vom Umgang her, ich kenne ihn von geschäftlichem Standpunkt aus, und ich kenne ihn persönlich. Ich kann einfach nicht glauben, was ich jetzt über diesen Mann höre. Ich habe auch für eine fünfköpfige Familie gesorgt. Zu keiner Zeit hat mir Paul einen Hinweis gegeben, oder durch seine Handlungsweise gezeigt, oder durch das, was er hatte, was er tat, dass er eines dieser Vergehen, dessen er hier angeklagt ist, fähig wäre. Ich würde jederzeit meine Kinder mit Paul zusammen in meinem Haus lassen.

 

Zeuge der Verteidigung 20: Ich bin James Hilton. Ich kenne Paul seit etwa siebzehn Jahren, seit er hier in die Gegend von Greenville gezogen ist. Ich bin auch Ältester in der Christenversammlung, und in dieser Zeit hatte ich manchmal die Gelegenheit, mit Sarah und Paul zu reden. Niemals wurde über so etwas gesprochen, dass das ihre Probleme waren. Ich hatte auch die Gelegenheit, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich habe mein eigenes Geschäft gehabt. Paul hat bei mir gearbeitet und bei meinem Sohn, der jetzt das Geschäft übernimmt, und der hat weiter mit Paul zusammen gearbeitet. Während dieser Zeit hat Paul nie darauf hingewiesen, dass so etwas in seiner Familie geschieht. Und nach seiner Scheidung zog Paul in den Wohnwagenpark, wo ich lebe, und jetzt wohnt er ein paar Türen weiter als ich, und in dieser Zeit lernte ich die beiden Mädchen kennen, die bei ihm lebten. Wir haben sie regelmäßig in den Dienst mitgenommen, und zu keiner Zeit schienen sie in irgendeiner Weise niedergeschlagen oder negativ gegenüber Paul zu sein. Alles schien immer obenauf zu sein, und  sie schienen das Leben zu genießen. Ich kann mit Sicherheit nicht glauben, dass so etwas von Paul kommen würde.  

Zeuge der Verteidigung 21: Ich heiße Gail Hilton, und ich bin Jims Frau. Ich kenne Paul seit siebzehn Jahren, und ich kenne auch die Familie so lange. Und nie in all den Jahren hätte ich an so etwas gedacht. Paul war ein liebevoller und fürsorglicher Mensch, und er ist immer bereit, jedem zu helfen. Und wie mein Mann sagte, als er in den Wohnwagenpark zog, da war er ein guter Nachbar, und seinen Töchtern ging es gut und sie waren glücklich. Ich kann einfach nicht glauben, [dass das alles vorbei ist].  

Zeuge der Verteidigung 22: Mein Name ist Dean [Foucher], ich bin pensionierter Polizeibeamter aus Worcester, Massachusetts, und Feuerwehrmann in Worcester. Ich zog in diese Gegend und traf Paul Berry vor etwa fünfzehn Jahren. Ich habe ein Geschäft, und Paul hat oft bei mir gearbeitet. Er hatte stundenlange Anfahrtswege zu seinen Arbeitsstellen. In Bezug auf die Kinder war er immer obenauf. Paul sprach immer sehr gut von ihnen. Er sprach davon, wie gut das war, wie die Kinder in der Schule vorankamen. Nur ein paar Mal hatte ich ein Problem mit Paul: Wenn er nicht für mich arbeiten konnte, dann war das, weil er irgendwo seine Kinder auflesen oder zu Hause sein musste, wenn sie von der Schule kamen. Ein sehr verantwortungsbewusster Mann, Euer Ehren, ein ehrenwerter Mann. Ich habe drei Kinder, und sie schrieben an Paul. Auch wenn er weit von zu Hause weg ist, möchten sie wissen, was er tut. Und sie haben ihn gemocht. Sie haben ihn mit den Jahren kennen gelernt. Er blieb bei uns zu Hause mit den Kindern, wenn ich spät von der Arbeit kam. Ich habe ihm sogar meine Kinder anvertraut. Und meine kleinere Tochter, sie kennt Paul nicht sehr gut, aber ich kann dem Gericht sagen, wenn ich heute Abend einen Babysitter brauchte, dann würden wir Paul nehmen. Danke, Euer Ehren.  

Zeuge der Verteidigung 23: Mein Name ist Wendi Herman. Ich bin Geschäftsfrau und auch Mitglied in der Versammlung der Zeugen Jehovas, und ich kenne Paul seit ungefähr sechzehn Jahren. Ich traf ihn zuerst geschäftlich. Er arbeitete für einen Herrn, der für mich tätig war, und ein paar Jahre später kauft er den Hausmeisterdienst von diesem Herrn – [ich arbeite] als Kauffrau. Und so haben wir in den Jahren zusammen gearbeitet, und ich habe gesehen, dass er auf diesem Gebiet hart arbeitet, und dass er jemand war, der immer – das, was er gesagt hat, hat er auch getan. Er war immer sehr hilfsbereit, sehr besorgt um die Empfindungen anderer, ob man die Arbeit so tat, wie sie sie getan haben wollten. Ich kenne ihn auch als Menschen und als einen Freund. Wie haben in den Jahren so manches unternommen. Wie manche gesagt haben: Wir unternehmen etwas. Wir haben Picknicks, Grillpartys, wir haben Wanderungen unternommen und Sport getrieben; wir waren immer zusammen. Und so, wie wir es gesehen haben, haben es auch andere zum Ausdruck gebracht. Wir haben eine ganz andere Person gesehen als die, die hier im Gerichtssaal beschrieben wurde. Niemand von uns hat etwas von dem gesehen, was hier gesagt wurde. Wir haben ihn als anständigen Menschen gesehen, so wie ihn auch die Leute in der Gemeinde, in der Versammlung, wie ihn seine persönlichen Freunde sehen. Daher möchte ich Sie bitten, Euer Ehren, dass dies der letzte Tag ist, den er im Gefängnis verbringt, und dass er freikommt.  

Zeuge der Verteidigung 24: Guten Tag, Euer Ehren. Ich heiße Carla [Ranchela]. Ich kenne Paul jetzt seit annähernd sechs Jahren oder so. Ich möchte [allerdings] nur sagen, dass ich Absolventin des [Barrett]-College bin. Paul ist mein Nachbar seit – er ist zweimal mein Nachbar gewesen, einmal in Greenville und einmal in Wilton, New Hampshire. Mein Bruder und ich sind die ganze Zeit über hinüber gegangen und haben sich bei Paul aufgehalten und mit ihm Filme angesehen. Hätte ich irgendein Anzeichen bemerkt, dass so etwas passierte, ich wäre mit meinem Bruder nie hinüber gegangen. Meine Mutter hat erlaubt, dass wir bei ihm waren – ich – ich kann einfach nicht glauben, dass das passiert, Euer Ehren. Ich denke, Paul ist unschuldig, er ist – er war immer freundlich und fürsorglich, und ich kann einfach – ich kann wirklich nicht glauben, dass dies hier geschieht. Danke.  

Zeuge der Verteidigung 25: Mein Name ist [Hearne]. Ich kenne Paul seit etwa sechzehn Jahren flüchtig. Ich kenne ihn als einen Mann, der sich immer höflich und anständig benimmt. Er war nie grob und hat in keiner Weise so gehandelt, dass man sich bei ihm unbehaglich fühlte. Ich bin die meiste Zeit meines Lebens über auch Zeuge Jehovas gewesen. Ich habe meinen Magister gemacht und habe zwanzig Jahre lang in der Computerwelt gearbeitet – und ich bringe dies vor, um alle Anschuldigungen zurückzuweisen, dass Jehovas Zeugen von einer Ausbildung abgeraten wird. Die meisten von uns haben eine sehr gute Ausbildung, und wir – viele Leute in diesem Raum haben gesagt, dass wir auch eine weltliche Arbeit haben. Ich wurde ermuntert, immer selbst für mich sorgen zu können, unabhängig zu sein, auf das aufzupassen, was in der Welt vor sich geht, so dass wir eine angemessene Zeugenaussage machen können, wenn wir dazu aufgefordert werden. Ich bin sehr traurig, dass Paul jetzt in dieser Lage ist, und mit den anderen zusammen bitte ich darum, dass dies sein letzter Tag (unhörbar) im Gefängnis ist.  

Zeuge der Verteidigung 26: Ich bin Pat [Hearne]. Meine Töchter und mein Mann sind auch hier. Ich kenne Paul seit annähernd fünfzehn Jahren als Mitglied der Versammlung. Ich habe ihn immer als einfühlsam und fürsorglich erlebt. Er ist praktizierender Christ. Er glaubt an das, was die Bibel über Moral lehrt, und aus allem, was ich je an ihm beobachten konnte, sehe ich, dass er genau das in die Tat umsetzt. Ich denke über ihn genauso wie die anderen: Er ist ein ehrenwerter Mann. Ich freue mich, dass ich ihn als Freund bezeichnen kann.  

Zeuge der Verteidigung 27: Mein Name ist Robert [Michalowski]. Ich bin Designer bei (unverständlich) Associates in Andover, Massachusetts. Ich bin das schon seit sieben Jahren oder so. Ich war früher auch Ältester in der Versammlung in Milford – vielmehr in Wilton. Gelegentlich haben andere Älteste und ich die Familie Berry besucht und mit ihnen geredet. Die Beziehung mit Paul [und] dass wir ihn kennen, das geht schon fünfzehn bis zwanzig Jahre. Damals redeten wir immer wieder mit Paul, wir redeten auch mit Sarah, und wir besuchten sie auch oft. Wir benutzten dabei die Heilige Schrift als Hilfe. Wir sind keine vollkommenen Menschen, wir sind keine, man mag sagen, Experten; aber wir halten uns an biblische Grundsätze, so wie das sechshundert – nein, sechs Millionen Zeugen Jehovas auf der ganzen Welt tun. Paul – ich werde mit ihm reden – er ist ein Mensch, der in unserer Familie in hohem Ansehen steht. Meine Töchter fragen mich ständig, was er macht. Ich muss ihnen die traurige Nachricht geben, dass er immer noch im Gefängnis ist. Welche Anschuldigungen auch immer gegen ihn vorgebracht wurden, da muss irgendetwas falsch verstanden worden sein, denn niemals hätten wir das als Älteste in der Versammlung auch nur eine Minute geglaubt. Denn wenn es ein Problem mit Missbrauch gibt, dass jemand seine Familie schlecht behandelt, da sind die Ältesten sehr schnell dabei. Jedes Mitglied hier – ich weiß alles über sie, wir sind so eng zusammen wie Sie mit Ihrer Familie, oder andere Angehörige mit ihrer Familie, wie auch immer. Und wenn etwas aufkommt, dann wissen wir darüber mit Sicherheit zum größten Teil Bescheid. Was Paul betrifft, so hat meine Familie – ich habe drei Jungen und zwei Mädchen groß gezogen – Umgang mit seiner Familie gehabt; wir haben zusammen bei ihnen zu Hause gegessen. Ich habe nie ein Anzeichen für das entdeckt, was hier an Beschuldigungen vorgebracht wurde, oder die Anschuldigungen, die ich früher gehört habe – vor der [Jury]. Paul ist ein guter Vater. Und er bleibt auch weiter ein guter Vater, trotz der Anschuldigungen, die gegen ihn vorgebracht wurden. Was meine Familie angeht, wir würden ihn als Babysitter nehmen. Ich habe immer noch ein Mädchen bei mir im Haus. Sie ist jetzt sechzehn, und dann ist da noch eine ältere, die lebt auch dort. Sie können sie gerne befragen, ich bin sicher, sie würden dasselbe über Paul und seinen Lebensstil sagen – und andere Familien, die nicht hier sind, würden das auch sagen. Paul ist mit Sicherheit nicht schuldig, und wir hoffen, dass ihm unsere Aussagen etwas helfen können. Danke, Euer Ehren.  

Zeuge der Verteidigung 28: Euer Ehren, ich bin Shannon Christian. Ich bin ein Zeuge Jehovas. Ich habe zwei Kinder und eine Frau, die in der Frühschicht arbeitet. Ich arbeite eng mit den Ältesten und der Versammlung zusammen. Wir sind seit fast einem Jahrzehnt Freunde – gute Freunde von Paul. Es gibt vier Dinge, an die ich mich so aus dem Stegreif erinnern kann, die Paul liebt. Eins ist Hockey; das andere sind Meeresfrüchte; aber weit wichtiger: er liebt seine Familie und seine Freunde; und am wichtigsten: er liebt Jehovas Gott. Und das steht in der Bibel, dass wir Jehova von ganzem Herzen, mit ganzem Sinn, mit ganzer Kraft lieben sollen; und unsere Nächsten wie uns selbst – unsere Nächsten, das ist die Menschheit ganz allgemein. Ich habe Paul in all den Jahren beobachtet, und daher weiß ich, dass er Jehova liebt, und auch seinen Nächsten wie sich selbst. Als seine Tochter Heather – ich erinnere mich, dass sie sich öfters bei meiner Frau aufgehalten hat. Ich erinnere mich, dass Heather einmal über ihren Vater sprach, wie er mit ihr redete, wie er mit ihr argumentierte, und dass er dabei sogar weinte. Als liebevollem Vater hat das eine Saite in mir zum Klingen gebracht. Etwas anderes, an das ich bei Paul immer denke, ist, als ich einmal in sein Haus hinüberging, da sagte er, er habe sich ein paar Tage Urlaub genommen – er arbeitete für Bruder Hilton – und er sagte, er habe das getan, weil er sich nicht gut fühlte, und er wolle ihm sozusagen „kein Geld stehlen“, weil nicht viel mit ihm anzufangen sei. Das blieb mir im Kopf haften. Deshalb glaube ich – wissen Sie, es macht mich sicher, dass Paul ein Gewissen hat; er würde also nichts gegen sein Gewissen tun. Nun, wenn er – Jesus selbst sagte, wer im Geringsten treu sei, der sei auch in vielem treu. Wenn er also im, ich zitiere: Geringsten treu sein kann, dann denken Sie an die Anschuldigung, die gegen ihn vorgebracht wurde, dass er seine Kinder sexuell belästigt haben soll: wirklich, bei einem Gewissern, wie er es hat, würde ihn das fertig machen. Und wie – inzwischen hätte er gestanden, dass er schuldig wäre. Ich glaube, er ist unschuldig. Er ist mein Freund. Er hat mit mir und meinen Kindern draußen im Predigtdienst von Haus zu Haus gearbeitet; ich habe einen Jungen und ein Mädchen, sie sind jetzt fünf und sieben; damals waren sie wahrscheinlich drei und fünf. Sie sind auch unten. Und er hat meinen Sohn und meine Tochter selbst zur Tür gebracht; oder wenn ich draußen an der Tür war, war er mit beiden im Auto. Und ich war überhaupt nicht nervös, auch nicht nach den Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben wurden. Noch etwas – ich bin mir da nicht völlig sicher, aber ich meine, am Anfang, als Paul angeklagt wurde, da habe man ihm Strafminderung gegen ein Teilgeständnis angeboten. Aber weil er den Gott der Wahrheit anbetet, wollte er nicht lügen und etwas gestehen, nur um besser davonzukommen. Er vertraut mit ganzem Herzen auf Jehova, wie es auch auf der Rückseite der Ein-Dollar-Note steht: „Wir vertrauen auf Gott.“ Ja, Paul vertraut Gott selbst. Ich weiß noch, wenn meine Frau hin und wieder ihre Angehörigen besuchte, da habe ich an einen Babysitter gedacht. Und Jehova ist mein Zeuge: Ich habe dabei mehrmals an Paul gedacht; aber ich habe den Gedanken schnell wieder verworfen, weil ich wusste, dass er jeden Abend in Blakes Eiscafé arbeitete und es putzte. So habe ich gedacht, jemand anderer müsse den Babysitterdienst machen. Vor etwa einem Jahrzehnt wurde ich ein Zeuge Jehovas, und ich weiß noch, da wurde er geschieden, und seine Frau verließ ihn. Bis heute weiß ich nicht einmal, warum. Und – aber sie ist keine Zeugin Jehovas mehr. Nun, Jehova ist der Gott der Wahrheit, und auch unter diesen – diesen schwierigen Umständen betet Paul Berry immer noch den Gott der Wahrheit an; aber seine Frau und seine Kinder tun es nicht. Das besagt etwas Außerordentliches für mich. Ich bin durch und durch überzeugt, dass Paul unschuldig ist. Er ist mein Freund. Ich tue – ich bin nicht nervös, wenn er bei meinen Kindern ist – ich war es nicht und werde es nie sein. Dasselbe gilt für alle Zeugen Jehovas: Wir beten alle den Gott der Wahrheit an. Und wir würden hier auch keine Lügen fördern. Wenn Paul lügen würde, dann wären wir nicht hier, um die Lüge zu decken. Wir sind hier, weil wir durch und durch überzeugt sind, dass er die Wahrheit sagt. Das war alles. Danke.  

Gericht: Danke. Ja?  

Zeuge der Verteidigung 29: Ich bin Ryan (unverständlich). Ich hatte eigentlich nicht vor, hier zu sprechen. Ich war nur hier, weil ich meinen Freund Paul moralisch stützen wollte. Ich kenne ihn seit fünfzehn Jahren, aber am besten habe ich ihn in den letzten fünf Jahren kennen gelernt, weil wir eins der Dinge gemeinsam haben, die Shannon schon erwähnt hat: Hockey. Ich bin hin und her gefahren mit ihm. Er hat nie etwas gesagt, das ich als zweideutig ansehen würde. Ich habe nie gesehen, dass er einer Frau oder einem Mädchen nachgeschaut hätte – meine Tochter zum Beispiel: Wenn wir uns mit ihm getroffen haben, haben wir nie gesehen, dass er ihr gegenüber etwas gezeigt hätte, was ihn verdächtig – von dem, dessen er angeklagt ist. Wir spielen Hockey, und da geht es schon einmal rau zu – ich meine, das ist kein gewalttätiges Spiel, aber es geht halt rau zu. Und falls Paul – Sie müssen wissen, Paul ist ein sehr guter Hockeyspieler; aber wenn er eine Schwäche zeigte, dann würde ich sagen, es war das Fehlen von Aggression. Er hat sein Format oder seine Fähigkeiten nie dazu benutzt, um ein anderes Team zu übervorteilen. Auch wenn er das Team aufstellte, auch wenn er der Kapitän war, hat er immer dazu geneigt, das andere Team an die erste Stelle zu setzen. Und ich glaube, das kann man über sein ganzes Leben sagen. Und wissen Sie, ich bin stolz darauf, ihn zu kennen, und mir tut es leid, dass ich ihm gegenüber als Freund versagt habe. Ich hätte während des ganzen Prozesses hier sein sollen. Ich komme hierher, wenn es zu spät ist. Ja, ich habe versagt, und ich – ich werde ihn unterstützen, komme da, was wolle. Und ich hoffe, das Gericht wird ihn nicht im Stich lassen, sondern ihm auch zu Hilfe kommen. Danke.  

Gericht: Danke.  

Verteidiger Sisti: Euer Ehren, die Staatsanwaltschaft und die Zeugen haben vor Gericht das Bild eines bösen Monsters gezeichnet. Und wissen Sie, die eine Hälfte von mir hat heute gesagt: Warum auch nur versuchen, ich meine, warum würde – warum überhaupt etwas tun? Die Beweisaufnahme war unlogisch; das meiste waren Kleinigkeiten. Und Sie und ich wissen mehr über diesen Fall, als sich auf einer Seite zusammenfassen lässt, und Sie wissen auch, was der Jury nicht vorgelegt wurde. Und heute wissen Sie, Euer Ehren, auch etwas mehr über Herrn Berry. Sie wissen, dass man jeden nach einem Schuldspruch mit einem breiten Pinsel zeichnen kann. Aber ich bin lange genug dabei, und Sie sind lange genug dabei, und diese Leute sind lange genug dabei, um zu sagen, dass es gelegentlich Justizirrtümer gibt. Und ich bitte das Gericht darum, das gut im Sinn zu behalten. Vielleicht haben wir hier dreißig Leute, die einen Fehler gemacht haben. Vielleicht haben sie alle einen Fehler gemacht – vielleicht aber auch nicht, Herr Richter. Vielleicht – vielleicht ist Paul Berry im Hinblick auf den Urteilsspruch einige Überlegungen wert, und zwar nicht einen Urteilsspruch, der ihn 100 Jahre alt werden lässt, ehe er auf Bewährung frei kommt. Das ist sehr schlau, aber es ist unlogisch. Und Sie wissen auch, dass das keine eindeutige Botschaft nach draußen an die Gesellschaft ist. Von 1982 bis 1988 war ich nur in Mordfällen Verteidiger, Herr Richter. Auch da, wo wir die Fälle verloren haben, gab es nie Urteile von 56 bis 112 Jahren Gefängnis, weil das sinnlose Urteile sind. Wenn es um lebenslange Strafen geht – nun, das ist eine Sache. Aber wenn der Richter einen Ermessensspielraum hatte, wenn jemand einen Ermessensspielraum hatte, der die Dinge objektiv abwägen sollte – nicht bloß aus Schneid, nicht bloß, indem er mit dem Finger auf Menschen zeigt und sie „Monster“ nennt, nicht nur, um eine gefärbte Brille aufzusetzen und andere glauben machen wollen, dass eine Religionsgemeinschaft eine fanatische, merkwürdige kleine Gruppe ist, wo Frauen und Gedanken in der Kirche versklavt werden – ich meine, dafür gibt es keinen Platz in diesem Gerichtssaal, ganz und gar keinen. Ich meine, ich stelle jeden Tag Jurys auf stecke Zeugen Jehovas hinein. Vielleicht weiß die Staatsanwaltschaft das gar nicht. Da drüben sitzen alle möglichen Religionen, alle möglichen Religionen sitzen da drüben, und auch hier sitzen alle möglichen Religionen. Für so etwas ist hier kein Platz. Die Bemerkungen einer wütenden Mutter sind nicht mehr als genau das: die Bemerkungen einer wütenden Mutter. Und vielleicht hat sie ihre Wut an sich selbst ausgelassen, vielleicht gibt es andere Themen, die sie entwickelt, vielleicht war es gut für sie, ihrem Ärger freien Lauf zu lassen; aber ganz offen: das waren die Bemerkungen einer wütenden Mutter. Und vielleicht haben Sie die schwierigste Aufgabe von allen, weil Sie alle diese Dinge abwägen müssen. Es ist nicht leicht für Sie, ich weiß das. Und ich weiß, dass er einer Anzahl verbrecherischer sexueller Übergriffe für schuldig befunden wurde, und ich weiß, das macht es noch schwieriger. Aber was Sie in den vergangenen 45 Minuten erfahren haben sollten, ist, dass er nicht bloß ein Drecksack ist, sondern dass es Menschen gibt, denen etwas an ihm liegt, dass es Menschen gibt, die gute und großartige Dinge über ihn sagen. Wenn Sie also über das Strafmaß nachdenken, dann bitte ich Sie, auch darüber nachzudenken. Und sicher überlasse ich es Ihnen, Herr Richter; ich meine – das ist alles, was wir hier haben, und ich überlasse es Ihnen. Danke.  

Gericht: Danke, Herr Rechtsanwalt Sisti.  

Staatsanwältin Brown: Ich habe ein paar –  

Gericht: Frau Staatsanwältin Brown?  

Staatsanwältin Brown: – Ja, Euer Ehren. Es gibt da ein paar Dinge, die ich noch sagen möchte, bevor ich darum bitte, dass Holly – ob Holly sprechen möchte. Zuerst einmal: Bei den hier angeklagten Verbrechen geht es um verbrecherische sexuelle Angriffe von besonderer Schwere und einfache sexuelle Übergriffe. Und wie das Gericht gut weiß, sind das Verbrechen, die sich im Geheimen abspielen. Das sind Verbrechen, die nicht zu Hause bei jemandem anderen geschehen, oder auf der Arbeit, oder in einer Kirche oder in einem Tempel, oder in einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas. Einer der Herren wies darauf hin, dass der Angeklagte sich nicht viel Sorgen um seinen Fall mache. Nun, die Staatsanwaltschaft meint, dass der Angeklagte sich deshalb nicht viel Sorgen um seinen Fall machte, weil er hoffte, die aus seinen Altersgenossen bestehende Jury würde Herrn Anwalt Sisti das Argument abnehmen, dass Holly, ich zitiere: eine Lügnerin, ich zitiere: ein bizarrer Mensch, ich zitiere: eine Person mit Makeln sei. Aber er stand vor einer aus seinen Altersgenossen bestehende Jury, und sie hat ihn in siebzehn Fällen des erschwerten verbrecherischen sexuellen Angriffs, und in vier Fällen des einfachen sexuellen Angriffs für schuldig befunden. Das sind keine Anschuldigungen, das sind Verurteilungen. Und Holly Brewer ist nicht ein „angebliches“ Opfer, wie Anwalt Sisti sie zu charakterisieren beliebte; sie ist das Opfer dessen, was dieser Mann ihr in all den Jahren angetan hat. Die Jury kam über jeden vernünftigen Zweifel erhaben zu ihrem Schuldspruch. Und die Bitte der Staatsanwaltschaft ist nicht „schlau“. Es ist nicht einmal die vom Gesetz her mögliche Höchststrafe. Es ist eine lange Haftstrafe, und er verdient diese lange Strafe.

Holly Brewer: Mein Name ist Holly Brewer, B-r-e-w-e-r. Ich wollte mir etwas aufschreiben, was ich heute sagen könnte, weil jeder das getan hat, und es schien das Richtige zu sein. Und ich habe versucht, etwas aufzuschreiben, aber es kam nichts dabei heraus. Man kann in das, was man sagen will, keine Ordnung bringen. Dies ist ein Gipfelpunkt in meinem Leben. Diese Leute kennen mich, seit ich ein kleines Kind im Königreichssaal war, wie ich meinem Vater gehorchte und das tat, was er sagte. Und sie wissen nicht, was bei mir zu Hause passierte, so haben sie gesagt, dass er bei der Arbeit gut war. Nun, wissen Sie, ich wusste genau, wie ich ihn sexuell befriedigen konnte, als er – als ich fünf war. Und ihr Leute da wisst das nicht, weil er es mich offenbar nicht im Königreichssaal tun ließ. Und ich weiß, ihr glaubt ihm, aber – Entschuldigung – ihr wart nicht sein Kind. Ich wusste nicht, wie ich beginnen sollte, die Ereignisse einzuordnen. Mein ganzes Leben war voller Furcht. Mein ganzes Leben lang hatte ich Angst vor ihm; ich habe die Nacht allein im Wald verbracht; ich bin mit Leuten weggelaufen und wusste nicht, wo ich war; ich saß da und habe versucht, mir eine Traumwelt zu erschaffen, in der das Leben für mich weit angenehmer gewesen wäre, als nach Hause zu gehen und mit ihm zusammen sein; ich habe Notizen hinterlassen, dass ich weglaufen würde; dann kommt er in mein Zimmer und sagt zu mir, dass es losgeht – dass es Zeit dafür ist. Und okay, fein, ich weiß genau, was ich tun muss; ich weiß genau, in welcher Reihenfolge sich alles abspielen muss. Und das tut weh, denn wenn man später eine sexuelle Beziehung mit jemand anderem eingeht, dann geht das andere nicht einfach weg. Man vergisst das nicht, denn das Gefühl, das man hatte, als man ein kleines Kind war, ist genau dasselbe Gefühl, das man jetzt hat, ob man mit jemandem zusammen ist, den man wirklich liebt, oder auch nicht – das macht keinen Unterschied. Ich kann das nie abschütteln. Und ich verstecke mich nicht hinter einer Opferrolle. Es ist einfach etwas, mit dem ich immer zu tun haben werde: Ich wache auf und habe Träume; ich weiß, ich liebe jemanden, der ganz anders ist als er – und sein Gesicht erscheint mir wieder. So wird es wohl immer gehen. Und ich weiß, das ist etwas, mit dem ich fertig werden muss, und ich verstecke mich überhaupt nicht hinter der Opferrolle. Aber ich bin so froh, dass ich jetzt hier bin, dass ich älter bin, und dass du mir nicht weh tun kannst, und dass ich mich an jede Einzelheit erinnere, die du mir angetan hast, und ich muss [tapfer] sein, wenn ich mit dir rede, weil ich so klein war. Aber ich werde es nicht vergessen – nie, nie, nie. Ich werde es nie vergessen. Wie ich in dem Lebensstil aufgewachsen bin, als Zeugin Jehovas, und weiß, wie du mir Bibelstellen vorliest, dass ein Mann seine Frau und die Kinder so bestrafen kann, wie es ihm als König des Haushaltes passt, während ich dir am Schwanz lutsche. Ich bin entsetzt, dass diese Leute für ihn eintreten, aber ich weiß, es ist nicht ihr Fehler; es ist das System, wo man darauf dressiert wird, zu sagen, alles sei in Ordnung. Ja, viele Male sind sie immer wieder zu uns nach Hause gekommen. Warum? Weil er uns verhauen hat. Weil ich ihm ein Geschenk gemacht habe, und er hat es nicht gemocht, sondern gegen die Wand geworfen. Weil er mich immer eine kleine Schlampe genannt hat. Weil er mich sein Miststück genannt hat. „Du weißt genau, was ich will, du Miststück. Du bist mein kleines Miststück. Du bist so sexy. Ich liebe dich mehr als deine Mutter. Wenn du das je deiner Mutter erzählst“ – sie weiß es bereits – „dann wird sie so eifersüchtig, dass sie dich einfach hinauswirft.“ Erinnerst du dich an diese Worte? Jetzt bin ich größer, jetzt bin ich stärker, und ich habe fast das Gefühl, als könne mich nichts mehr berühren. Ich kam hierher, und ich war hysterisch, als wir das erste Mal hierher kamen; und nun fühle ich mich einfach stark. Nun fühle ich mich so schön.  Und ja, ich sehe verrückt aus – das ist Kunst, und es ist schön. Und würde ich so aussehen, wenn mich nicht jemand gebumst hätte, seit ich drei war? Du musst dich schon selbst fragen, warum ich so bizarr bin? Warum dieses Bedürfnis, mich so zu äußern? Ich denke, es ist schön. Vielen Dank, mein Herr

Gericht: Herr Rechtsanwalt Sisti?  

Verteidiger Sisti: Nun ja, Euer Ehren, ich meine, ich werde hier keine lange Gegenrede halten oder zu entscheiden versuchen, ob zuerst das Huhn da war oder das Ei. Aber ganz offen: der Aspekt des Bizarren, der Aspekt des Lügens, das ist genau das, was wir bei der Berufung vorbringen werden, und das Gericht weiß das. Und wissen Sie, die Staatsanwaltschaft kann auch auf mich mit dem Finger zeigen, wenn sie es will. Sie kann alles tun, was sie will – das ist mir egal. Aber ganz offen: sie war es, die damit angefangen hat, mit dicken Pinselstrichen ein Monster zu zeichnen und mit den seltsamen religiösen Aspekten irgendeiner seltsamen Religionsgemeinschaft anzukommen. Es hört sich eben nicht so merkwürdig an, wenn die Leute aufstehen und über das Leben, das sie führen, reden; über die Familien, die sie haben; über die Arbeitsstellen, die sie haben; über die Probleme, die sie haben; die Kinder, die sie unterstützen – die Familien. Ich habe ganz offen gesagt nicht vor, dagegen anzugehen. Ich bitte das Gericht, alles in seine Überlegungen mit einzubeziehen und in dieser Sache ein angemessenes Urteil zu fällen  

Gericht: Danke, Herr Rechtsanwalt Sisti. Gibt es noch etwas?  

[Frau Buck]: Nein.

Gericht: In Ordnung. Wir werden so vorgehen: Wir nehmen uns etwas fünfzehn Minuten Zeit. Ich muss – ich brauche einfach Zeit, um darüber nachzudenken. Und so machen wir jetzt eine Pause von etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten, und dann kommen wir wieder zurück und ich spreche das Urteil.  

Justizbeamter:  Bitte alle aufstehen.

(Unterbrechung)

Gericht: Bitte setzen Sie sich. Nun, ich brauche nicht zu sagen, dass ich seit dem Prozess so viel über das Urteil nachgedacht habe wie auch sicher die Anwälte auf beiden Seiten. Und ich bemerke, da sind einige Dinge – Dinge, die für den Angeklagten eine Berufung begründen. Ich habe meine Entscheidung getroffen, und ich habe mein Bestes getan, dem Gesetz so zu folgen, wie ich es verstehe. Ich habe Beweise außer Acht gelassen, die ich für nicht bedeutsam gehalten habe; ich habe auch Beweise außer Acht gelassen, die beide Seiten anboten, die ich nicht für relevant gehalten habe. Bei der Berufung wird der Supreme Court darüber befinden, ob ich das angemessen getan habe oder nicht, und ja, das sollte es auch. Ich möchte sagen, dass ich den Mut schätze, vor Gericht zu erscheinen, wenn jemand für schuldig befunden wurde, und zu Gunsten dieser Person zu sprechen. Und ich schätze auch den Mut, vor Gericht zu erscheinen und über Dinge zu reden, von denen ich weiß, dass sie so schwierig für Familienmitglieder sind. Ich denke, Rechtsanwalt Sisti sprach über die Jahre seiner – seine Jahre der Erfahrung – und er hat viele: er ist einer der besten Verteidiger von – wahrscheinlich in ganz Neuengland. Aber aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung möchte ich den Leuten hier, die für den Angeklagten sprachen, sagen: Seien Sie vorsichtig mit Ihren Kindern. Ich kann Ihnen garantieren, dass es innerhalb Ihrer Gruppe einige gibt, die sexuell angegriffen wurden. Wenn ich Jurys für Prozesse zusammenstelle, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass ein halbes Dutzend oder mehr Kandidaten vorkommen und sagen: Nein, ich kann in diesem Fall nicht urteilen: ich wurde sexuell angegriffen; meine Tochter wurde sexuell angegriffen. Was Sie sehen, wenn Sie jemanden wie den Angeklagten besuchen, oder wenn sie in der Kirche sind, ist nicht alles, glauben Sie mir. Ich hatte schon Prozesse, da waren die Angeklagten katholische Priester, und sie wurden für schuldig befunden; da sind Opfer nach dem Prozess aufgestanden und haben schließlich den Leuten gesagt, ja, auch sie waren Opfer; da hatte jemand den Mut, schließlich vorzukommen und etwas zu sagen. Es ist – ich glaube, Herr Staatsanwalt Harding hat es gesagt: Es ist die Heimlichkeit. Viele Leute drehen so ein Ding und werden nie für etwas verurteilt und haben wahrscheinlich  – ich kann es nicht in Zahlen sagen, aber ich weiß, dass viele Menschen als Opfer einfach meinen, sie wollen nicht vor Gericht treten; den Stress, die Dinge, die so schwer für sie waren, als sie so hilflos waren und sich an niemanden wenden konnten, wollten sie nicht nochmals durchleben. Aber glauben Sie mir, sagen Sie nicht so einfach dahin: „Ich würde meine Kinder bei jedem lassen.“ Die Jury hat den Angeklagten in diesen Dingen für schuldig befunden. Und ich habe heute früh einige der Anklagepunkte gelesen, und ich dachte über Holly nach – Holly B., wie es in der Anklage heißt. Hier sehe ich Holly B., die Frau, aber es war Holly B., das Kind, von dem in der Anklage die Rede war. Und sie wurde seelisch und körperlich und sexuell missbraucht, zwischen, nehme ich an, fünf und zehn Jahren. Und sie hatte niemanden, zu dem sie gehen konnte. Sie – ihre Eltern konnten ihr nicht helfen; der Angeklagte wollte ihr nicht helfen; die Kirche hat ihr nicht geholfen; und der Staat hat ihr nicht geholfen. In dieser Zeit ihres Lebens konnte sie keine Hilfe am Horizont auftauchen sehen. Ich denke, wie Frau Staatsanwältin Brown sagte, sie glaubte nicht, dass sie sechzehn Jahre alt werden würde. Aber in diesem Kind schlummerte eine Heldin; und nun, Jahre später – einundzwanzig Jahre alt, voller Tätowierungen – kommt in gewissem Sinne der Dichter-Krieger, um das Kind zu retten. Ich werde den Angeklagten nicht als Monster bezeichnen. Niemand, der hier in den Gerichtssaal kommt, ist ein Monster; wir alle sind Menschen und begehen schreckliche Fehler. Aber ich sage auch, dass an jemandem, der jahrelang diese Anzahl von Verbrechen an einem hilflosen Kind verübt, auf schreckliche Weise etwas nicht stimmt. Und ich glaube, Herr Rechtsanwalt Sisti sagte, dass er Mordfälle verhandelt hat, wo die Empfehlung der Staatsanwaltschaft – die Empfehlung in diesem Fall wäre höher als bei einem Mordfall. Nun, ein Mordfall ist etwas ganz anderes. Es geht da um eine einzige Tat, häufig begangen in der Hitze des Augenblicks. Er ist nicht geplant und systematisch und insgeheim auf Kosten eines Kindes begangen, das sich nicht helfen kann, weil die Gemeinde ihr nicht helfen will. Und deshalb werde ich das Strafmaß in Höhe der Empfehlung der Staatsanwaltschaft festsetzen. Ich glaube, die Handlungsweise des Angeklagten verdient das. Ich meine, es ist wichtig, dass der Angeklagte für diese Taten bestraft wird. Und ich möchte darauf hinweisen, wenn vor Jahren jemand etwas gesagt hätte, wenn jemand nachgefragt hätte, anstatt sich auf Jehova zu verlassen – ich rede nicht gegen jemandes Religion; ich sage aber , dass ich das in einer Vielzahl von Versammlungen habe geschehen sehen – dann gäbe es vielleicht eine kürzere Strafe und eine Menge weniger Grausamkeit für das Kind. Ich bitte den Gerichtssekretär jetzt, das Urteil zu verlesen.  

Gerichtssekretär: Herr Berry, wenn Sie bitte für die Verlesung des Urteils aufstehen wollen. Im Hinblick auf 99-8-1490: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Davon werden die 128 Tage der Untersuchungshaft abgezogen. Eine Bedingung des Urteils ist: Sie werden keinen Kontakt – weder direkt, noch indirekt, noch per Brief, Telefon, Computer oder durch Dritte -- mit Holly B. oder einem Angehörigen ihrer Familie haben. Wenn Sie dieser Auflage nicht folgen, kann das zur Aufhebung jeglicher Bewährung, die Sie heute erhalten mögen, führen. Im Hinblick auf 99-8-396: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-8-1490 verhängte Strafe. Es gilt dasselbe Kontaktverbot. Im Hinblick auf 99-8-1486: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-8-396 und 99-8-1490 verhängten Strafen. Wiederum gilt das Kontaktverbot. Im Hinblick auf 99-8-1485: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-8-1486, 99-8-396 und 99-8-1490 verhängten Strafen. Mit Bezug auf die Anklage 99-8-1484: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in  99-8-1485, 1486, 396 und 1490 verhängten Strafen. Im Hinblick auf 99-8-1483: Sie werden verurteilt zu höchstens fünfzehn Jahren und mindestens siebeneinhalb Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-8-1484, 1485, 1486, 396 und 148 – es tut mir leid, aber das letzte kann ich nicht lesen, das ist eine schlechte Fotokopie. Haben Sie diese Notiz, Frau – 

Aufsichtsbeamtin: 1490.  

Gerichtssekretär: – Vielen Dank. In Bezug auf die Strafen, die ich eben vorgelesen habe, gilt: Der Mindeststrafe wird eine Disziplinarstrafe von 115 – Entschuldigung – 150 Tagen für jedes Jahr der Mindeststrafe hinzugefügt, und zwar anteilsmäßig für jeden Teil des Jahres. Für den Fall, dass ich etwas Falsches gesagt habe: Das Kontaktverbot trifft auf jede der Strafen zu, die ich ihnen eben vorgelesen habe. Im Hinblick auf 99-8-1482: Sie werden verurteilt zu höchstens zwölf Jahren und mindestens sechs Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99- 8-1483, 1484, 1485, 1486, 396 und 1490 verhängten Strafen. Auch hier gilt wieder das Kontaktverbot. Im Hinblick auf to 99- 8-1481: Sie werden verurteilt zu höchstens zehn Jahren und mindestens fünf Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Diese Strafe folgt auf die in 99-5-1482, 1483, 1484, 1485, 396, 1486 und 1490 verhängten Strafen. Mit Bezug auf die folgenden Strafen – Entschuldigung, Vergehen 99-8-1479, 1480, 1478 und 1487: Sie werden verurteilt zu aufeinander folgenden Strafen von zwölf Monaten im offenen Vollzug. Diese Strafen folgen auf die in 99-8-1481 verhängte Strafe – und das ist eine Strafe, die ich Ihnen zuvor schon vorgelesen habe. Auch hier ist wiederum mit Bezug auf diese Strafen das Kontaktverbot wirksam. Es lautet wie folgt: Der Angeklagte darf keinerlei Kontakt zu Holly B. oder einem ihrer Angehörigen haben. Die restliche Gruppe von Anklagen besteht aus den folgenden Registernummern, und sie werden alle zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst. Das wären 97-1611, 99- 1476, 99-1477, 99-1488, 99-1489, 97-1618 – ich glaube, es sind -18, 97-1619, 97-1620, 97-1621. Sie werden zu folgender Gesamtstrafe verurteilt: Sie werden verurteilt zu höchstens zehn Jahren und mindestens fünf Jahren Haft im Staatsgefängnis von New Hampshire. Und auch alle diese Strafen, die schon gleichlaufend sind, werden mit 99- 8-1431, 1479, 1480, 1478 und 1487 zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst. Und wiederum wird im Hinblick auf die heute verhängten Strafen im Staatsgefängnis von New Hampshire der Mindeststrafe eine Disziplinarzeit von 150 Tagen für jedes Jahr Mindeststrafe hinzugefügt, und zwar anteilsmäßig für jeden Teil des Jahres. Und damit das Protokoll klar ist, das Kontaktverbot findet auf jede Strafe, die ich heute vorgelesen habe, Anwendung.  Ich lese es für das Protokoll noch einmal: Der Angeklagte darf keinerlei Kontakt zu Holly B. oder einem ihrer Angehörigen haben, wie in 99-S-1481 gesagt. Wenn Sie dieses Verbot nicht befolgen, führt das dazu, dass Sie Ihre auf Bewährung ausgesetzten Strafen absitzen müssen. Herr Berry, verstehen Sie, was Ihre Strafen bedeuten?  

Berry: (Keine hörbare Reaktion.) 

Gerichtssekretär: Gut, Herr Berry. Noch etwas zum Abschluss: Sie haben das Recht, gegen die heute gegen Sie ausgesprochenen Strafen im Staatsgefängnis Berufung einzulegen. Sie können innerhalb von dreißig Tagen nach Urteilsverkündung Berufung einlegen, darüber hinaus nur, wenn es dafür gute Gründe gibt. Wenn Sie Berufung einlegen, wird Ihr Urteil von einem Kollegium aus drei Richtern überprüft – das können Richter eines Superior Court, höhere Richter oder pensionierte Richter eines Superior Court sein. Die Überprüfung des Urteils kann dazu führen, dass die Minimal- oder  die Maximalstrafe im Rahmen des Gesetzes erhöht oder vermindert wird; oder das Urteil wird aufrecht erhalten. Das Formular dafür können Sie hier erhalten. Das Formular ist datiert auf den 31. Oktober 2000. Es soll bitte ins Protokoll aufgenommen werden, dass ich Herrn Berry seinen Antrag auf Überprüfung des Urteils ausgehändigt habe. Herr Berry, wenn es nichts weiter gibt, wird der Sheriff Sie jetzt wieder in Untersuchungshaft bringen, bis Sie ins Staatsgefängnis von New Hampshire verbracht werden.  

Gericht: Gibt es noch etwas von der Verteidigung?  

Verteidiger Sisti: Ja. Ja, wir werden gleich die Überprüfung des Urteils einreichen, Euer Ehren.  

Gericht: Noch etwas seitens der Staatsanwaltschaft?  

Staatsanwältin Brown: Nein, danke.  

Gericht: Danke. 

Staatsanwalt Harding: Danke.  

Justizbeamter: Erheben Sie sich bitte.  

(Ende der Sitzung)  

Ich bestätige hiermit, dass es sich um eine wahre und genau Mitschrift der besagten Rechtssache nach bestem Wissen und Gewissen handelt. 

GERICHTSPROTOKOLLFÜHRERIN

Zur Beachtung: Worte in eckigen Klammern [] zeigen an; (1) Unsicherheit, welche Worte verwendet wurden, oder (2) Unsicherheit in Bezug auf die Schreibweise von Namen.