BEZIRKSGERICHT DES BUNDESSTAATES WASHINGTON, ADAMS COUNTY

 

Nr.97-1-00049-1

App. No.17779-3-III

Ritzville, Washington, 24. August 1998

 

BUNDESSTAAT WASHINGTON, Kläger

gegen

MANUEL BELIZ, Angeklagter

WÖRTLICHER PROZESSBERICHT

HAUPTVERHANDLUNG

Vor dem Richter Richard W. Miller, Bezirksrichter

ERSCHIENEN:

Auf Seiten des Klägers: STAATSANWALT von ADAMS COUNTY, David M. Sandhaus, Anwalt

210 West Broadway

Ritzville, Washington 99169

 

Auf Seiten des Angeklagten: DENNIS W. MORGAN, Anwalt

120 West Main

Ritzville, Washington 99169

Protokollführerin: Terry Sublette

169 South Stevens

Spokane, Washington 99201

Tonmitschnitt des Prozesses, Übertragung durch Protokolldienst.

 

Gericht: Sind die Parteien in der Sache Staat Washington gegen Manuel Beliz bereit?

Staatsanwalt: Euer Ehren, die Staatsanwaltschaft ist bereit.

Herr Morgan: Die Verteidigung ist auch bereit, Euer Ehren.

Gericht: Gut. Heute morgen geht es hier um ein Urteil gemäß vorheriger Anordnung des Gerichts. Zuerst, Herr Morgan, haben Sie die Beweisaufnahme durchgesehen?

Herr Morgan: Ja, Euer Ehren.

Gericht: Gibt es in diesem speziellen Dokument Tatsachen, an denen Sie Anstoß nehmen und von denen Sie möchten, dass die Staatsanwaltschaft sie beweist?

Herr Morgan: Ja, Euer Ehren. Der Staat – Herr Scott und ich haben dieses Dokument im Wesentlichen durchgesprochen, und es sind Fehler darin. Es ist unser Standpunkt oder zumindest mein Standpunkt, dass ich das Gericht heute morgen auf diese Irrtümer hinweisen und das dann der Entscheidung des Gerichtes überlassen werde, obwohl ich die Bitte stellen möchte, dass es protokolliert wird und so zu den Akten von Herrn Beliz kommt. Wir möchten da schon so genau wie möglich sein.

Gericht:  Nun, ich habe eingangs festgestellt, dass die Zahl der Verbrechen, derer er überführt wurde – ich meine, das ist wahrscheinlich das Deutlichste. Es ist nicht genau. Und es scheint mir, das war auch in einer der früheren Denkschriften der Staatsanwaltschaft enthalten.

Herr Morgan: Ich glaube –

Staatsanwalt: Das ist richtig, Euer Ehren.

Herr Morgan: – das ist richtig, Euer Ehren.

Staatsanwalt: Meiner Erinnerung nach wurden die Anklagepunkte 1 und 2 fallen gelassen, Euer Ehren. Wir haben den Spruch der Jury  neu nummeriert, damit das für die Jury ohne Kommentar darüber, was geschehen war, Sinn macht. Und natürlich war das ein Dokument, das der Gemeindebewährungshelfer erhielt und von dem er sich, da bin ich sicher, einen Entwurf machte. Ich stimme auch mit Herrn Morgan überein, dass es da – dass da ein Fehler ist, wenigstens insoweit es die Beweisaufnahme angeht. Und ohne Herrn Morgan die Schau stehlen zu wollen, was die Schilderung angeht, so war mein Gedanke, Euer Ehren, die Urteilsfindung vielleicht bis Freitag fortzusetzen, und zwar aus zwei Gründen. Heute also das zu sagen, was angemessen ist, und dann mit der Sache bis Freitag fortzufahren. Der erste Grund ist: § 7.1(c) sagt, wenn man vorhat, neue Beweise einzubringen, muss das drei Tage vorher angekündigt werden, und wir brauchen auch den Bericht über die Beweisaufnahme innerhalb von zehn Tagen vom Datum der Urteilsverkündung, und dass wäre der kommende Freitag, wenn ich vom Datum des Erhalts an zähle. Es scheint also praktisch gesagt einfacher zu sein, das Gericht vielleicht zu bitten, bis Freitag mit der Urteilsfindung fortzufahren. Wir haben einen abgeänderten Bericht über die Beweisaufnahme und einen Bericht, der genau das widerspiegelt, was wir tun. Ich weiß nicht. Ich sage das aus dem Gefühl heraus, Euer Ehren, ohne zu wissen, wie mein Plan oder Ihrer oder der von Herrn Morgan aussieht. Ich schaue in meinen Kalender und sehe, dass für die ganze Woche noch nichts eingetragen ist, und ich weiß, das muss verkehrt sein; aber man weiß ja nie.

Gericht:  In Ordnung. Ich hatte nicht geplant, Freitag hier zu sein.

Herr Morgan: Und, Euer Ehren, ich glaube, dass lässt sich heute mit einer Anweisung des Gerichts an die Bewährungshilfe handhaben.

Gericht: Die Akte ergänzen?

Herr Morgan: Den Bericht ergänzen oder neu schreiben – auf der Grundlage dessen, was immer das Gericht heute für richtig befindet. Und was ich gerne tun würde, ist, Seite für Seite die Beweisaufnahme durchzugehen und darauf hinzuweisen, wo meiner Meinung nach Fehler sind. Herr Olin wird sich wahrscheinlich Notizen machen; und zwar direkt auf seine Unterlagen der Beweisaufnahme.

Beginnen wir also auf Seite 1, wo steht, worum es geht, unter dem Absatz Verbrechen, die Anklagepunkte 1 und 2 wurden fallen gelassen und sollten daher aus diesem Absatz gestrichen werden. Dasselbe trifft auf den nächsten Abschnitt zu, auch da sollten die Anklagepunkte 1 und 2 gestrichen werden.

Der nächste Abschnitt, wo der Zeitraum des Verbrechens genannt wird, vom 1.1.1989 bis 31.12.1989, sollte gestrichen werden, weil das die Anklagepunkte 1 und 2 betrifft. Soweit das die erste Seite betrifft, so sind das die einzigen Berichtigungen, die ich mir aufgeschrieben habe.

Dann, was Seite 2 angeht, die Schilderung der Verbrechen, da scheint beim ersten Abschnitt keine Änderung nötig zu sein. Beim zweiten Abschnitt haben wir wieder –

Gericht: Was ist mit der Überschrift?

Herr Morgan: Oh, die Überschrift, das ist richtig. Die Anklagepunkte 1 und 2 müssen unter der Benennung des Verbrechens wieder gestrichen werden. Im zweiten Absatz müssen wir Januar 1989 auf Januar 1990 ändern. Und den Anklagepunkt 1 streichen. Dann der Abschnitt mit Bezug auf – der im Sommer 1989 beginnt; da das verworfen wurde, dieser Abschnitt oder die nächsten ein, zwei, drei, vier, fünf Sätze, die sich auf 1989 beziehen, die sollten alle gestrichen werden. Im dritten Abschnitt sollte Anklagepunkt 2 gestrichen werden. Der dann folgende Abschnitt, der auf der Real Facts Doctrine beruht, und das wird eine Anordnung des Gerichtes sein, der sollte gestrichen werden.

Staatsanwalt: Entschuldigung, Euer Ehren, welche Seite, welcher Paragraph?

Herr Morgan: Das ist immer noch in der Zusammenfassung der Verbrechen, der letzte Abschnitt, wo es mit zwei mutmaßlichen anderen Opfern beginnt. Und das geht durch bis zu Seite 3 oben bis auf den Punkt Auswirkungen auf die Opfer. Dann sind wir beim letzten Teil der Zusammenfassung der Verbrechen, Euer Ehren, und wieder müssen die Anklagepunkte – muss der Anklagepunkt 1 unter Punktbewertung des Täters gestrichen werden.

Gericht: In Ordnung, welche Seite ist das?

Herr Morgan: Das ist Seite 4 des Berichtes ganz oben, Punktbewertung des Täters.

Gericht: In Ordnung.

Herr Morgan: Anklagepunkt 1 sollte gestrichen werden. Die Punktbewertung des Täters gründet sich unrichtigerweise auf die Tatsache, dass die Anklagepunkte 1 und 2 noch enthalten sind. Sie sollte halbiert werden, um eine Punktbewertung von zwei oder drei widerzuspiegeln, und das würde das Urteilsmaß beeinflussen. Ich habe die Änderung bei dem einen nicht herausgesucht. Der eine, der jetzt 146 bis 194 anführt, sollte bei 102 bis 136 liegen.

Gericht: In Ordnung; nur einen Augenblick, ehe wir weitergehen, dass ich hier nicht zu sehr verwirrt werde. Herr Scott, stimmen Sie mit der Punktebewertung überein, die Herr Morgan andeutet?

Herr Scott: Ja, Euer Ehren, das ist richtig.

Gericht: Die Punktbewertung des Täters in – für Anklagepunkt 23 und –

Herr Morgan: Die Anklagepunkte 3 und 5, Euer Ehren.

Gericht: In Ordnung, hier also „X“.

Herr Morgan: Nein, das wäre –

Gericht: Einen Augenblick, das ist –

Herr Morgan: Die Anklagepunkte 3 und 4 waren die 90 vor dem 1. August, und Anklagepunkte 5 und 6 waren die von August 90.

Gericht: Ja. Einen Augenblick bitte. Das sollte bei den Punkten 3 und 4 sein.

Herr Morgan: Richtig.

Gericht: Hier war Punkt 10, daher –

Herr Morgan: Oh, nein, das ist das Maß der Schwere, Euer Ehren, das „X“.

Gericht: Oh, richtig. Und dann Anklagepunkt 5 –

Herr Morgan: Fünf und sechs. 11

Gericht: – und 6. Das war August 1990.

Gericht: In Ordnung, und die Punktbewertung sollte bei neun liegen?

Herr Morgan: Nein, bei drei.

Gericht: In Ordnung, drei

Herr Morgan: Maß der Schwere 11, Punktbewertung 3.

Gericht: Und dann für das oben stehende auch drei?

Herr Morgan: Nein, zwei.

Gericht: Zwei?

Herr Morgan: Weil sich der Multiplikator in derselben Zeit geändert hat.

Gericht: In Ordnung.

Herr Morgan: Hier kommt es zu einer Menge Verwirrung, weil wir 1989 und 1990 ein paar wichtige Änderungen hatten.

Gericht: Ja, in Ordnung. Und wo liegt jetzt das Maß?

Herr Morgan: Bei den Anklagepunkten 5 und 6 wären es 102 bis 136. Und –

Gericht: Lassen Sie uns sehen, welcher Strafmaßkatalog das ist?

Herr Morgan: Das ist der Strafmaßkatalog von 1990.

Gericht: In Ordnung, ich habe sie nicht hier auf dem Tisch.

Herr Scott: Eigentlich ist es die von 1989-1990.

Gericht: Haben Sie eine?

Herr Morgan: Ich glaube, sie hängt hinten an meiner Stellungnahme, das Blatt für die Bewertungen, Euer Ehren, wenn Sie darauf Bezug nehmen müssen.

Herr Scott: Und, Euer Ehren, ich kann Ihnen hier –

Gericht: Nun, warum sagen Sie mir nicht einfach, wie hoch es ist. Wenn Sie einverstanden sind, notiere ich es mir hier. (Unhörbares Gespräch zwischen Anwälten.)

Herr Scott: Eine Punktbewertung von drei, Euer Ehren, allerdings – nun ja, Punktbewertung von drei.

Gericht: In Ordnung. Das gilt für die Anklagepunkte 5 und 6, richtig?

Herr Scott: Fünf und sechs.

Gericht: Ja. Und das ist 102 bis 136?

Herr Morgan: Richtig

Gericht: Was ist mit den Anklagepunkten 3 und 4?

Herr Morgan: Das wäre 62 bis 82, Euer Ehren.

Gericht: Sind Sie einverstanden? Sind Sie mit diesem Maß, 62 bis 82, einverstanden?

Herr Scott: Ja.

Gericht: Nun gut. Dann zur nächsten Seite.

Herr Morgan: Auf der nächsten Seite sehe ich nichts, was korrigiert werden müsste, Euer Ehren.

Gericht: Gut.

Herr Morgan: Dann geht es zur nächsten Seite unter dem Punkt Mögliches Urteil, wo drei Fälle genannt werden; hier sollte es zwei Fälle heißen. In der ersten Zeile an zwei Stellen, Vergewaltigung 1. Grades eines Kindes in zwei Fällen, sexuelle Belästigung 1. Grades eines Kindes in zwei Fällen.

Unter Überlegungen zum Strafmaß, Standardmaß, Anklagepunkte – wo es in der zweiten Zeile, und auch in der dritten, Anklagepunkt 1 heißt, sollte Anklagepunkt 1 gestrichen werden. Die Punktbewertung müsste auf zwei geändert werden, und der Bereich bei 62 bis 82. Der Anklagepunkt 3 bezieht sich auf den 1. Januar 1989. Hier sollte es 1. Januar 1990 heißen. Und dann unten, fast die letzte Zeile dieses Absatzes, da sollte eine Punktbewertung von drei statt sechs stehen und ein Standardmaß von 102 bis 136.

Gericht: In Ordnung.

Herr Morgan: Im vorletzten Abschnitt beginnt es: „Das Opfer sagt aus“, und wieder werden da in der zweiten Zeile drei Anklagepunkte aufgezählt. Dort sollten nur zwei stehen. Dann, wenn ich die folgende Seite überfliege, da sollte als Standardmaß wieder 102 bis 136 stehen, das ist die – für die schwereren Verbrechen.

Gericht: Und dann brauchen wir offensichtlich eine weitere Empfehlung.

Herr Morgan: Offensichtlich, Euer Ehren, ich kann das nicht ändern oder bitte darum, dass das geändert wird. Dann gehen wir zu den Empfehlungen unter Haft. Es wird Herrn Olins Sache sein, das zu ändern. Vielleicht ist er bereit, heute eine andere Empfehlung zu geben. Ich weiß nicht. Unter Finanzielle Verpflichtungen: Ich wurde beauftragt, so sollten hier keine Anwaltsgebühren stehen. Und aufgrund meiner Durchsicht glaube ich, das waren die wichtigsten Irrtümer oder Berichtigungen, um die wir uns zu kümmern hatten. Herr Beliz hat angedeutet – ich habe ihm eine Kopie dieser letzten Woche gegeben, Euer Ehren, und er möchte ein bisschen darüber mit mir sprechen. Könnten wir vielleicht fünf Minuten haben?

Gericht: Wir machen eine Unterbrechung von fünf Minuten.

(Unterbrechung)

Gerichtsdiener: Das Gericht ist wieder versammelt. Setzen Sie sich bitte.

Gericht: Herr Morgan?

Herr Morgan: Entschuldigung, dass es so lange gedauert hat.

Gericht: Nein, geht schon in Ordnung.

Herr Morgan: Da war noch ein weiterer Abschnitt, den ich ausgelassen habe. Gehen Sie bitte zu Seite 5, unter Überlegungen zum Strafmaß. Wenn Sie sich die Seite oben ansehen, unter Beweisaufnahme, da gibt es Überschriften, und es heißt nur Überlegungen zum Strafmaß, dann geht es gleich zu Sexuelles Verhalten.

Gericht: Ja.

Herr Morgan: Der vierte und fünfte Satz darunter verletzten auch die Real Facts Doctrine, und wir legen Widerspruch ein, dass die da stehen.

Gericht: Ja. Beginnend mit –

Herr Morgan: Es gibt wenigstens zwei weitere Opfer.

Gericht: Ja.

Herr Morgan: Ich glaube –

Herr Scott: Entschuldigung, Euer Ehren, ich bin nicht –

Herr Morgan: Ich glaube, das betrifft alle Gebiete, die ich zuvor in meiner Erklärung zur Urteilsfindung angesprochen habe, Euer Ehren, von denen wir meinen, dass sie unzutreffend sind oder nicht in Betracht kommen.

Gericht: Herr Scott, wollen Sie zu diesem Zeitpunkt etwas erwidern?

Herr Scott: Ja, Euer Ehren, ich möchte einen kurzen Kommentar abgeben und dann an meinen Bruder im Anwaltsstand verwiesen, um vielleicht über juristische Dinge zu reden, mit denen er besser vertaut ist.

Gericht: In Ordnung.

Herr Scott: Ich schaue hier in den Strafmaßkatalog von 1990, Euer Ehren, und ich bin auf Seite – ich vermute, das ist römisch 1-12. Hier geht es um die Bewertung mehrfacher Verbrechen, und es scheint mir, dass es unter dem Unterpunkt „A“ eine Ermessenssache des Gerichts ist, wie dasselbe kriminelle Verhalten zu bewerten ist, ob als gleichzeitig oder als fortgesetzt. Nun hat mich der Anwalt in seinem Schriftsatz auf den Fall Tinkum aufmerksam gemacht – den Fall Dolen, Entschuldigung, wo das Gericht gesagt hatte, das sei nicht unbedingt eine Möglichkeit, die das Gericht habe. Und das erwog das Gericht zusammen mit dem, was der Anwalt vorhat, vor Gericht anzusprechen. Es gibt einige Bemerkungen, die das Opfer in diesem Fall, Frau Rodriguez, machen möchte, Euer Ehren. In diesem Zusammenhang bitte ich darum, das Gericht nach diesen Bemerkungen nochmals ansprechen zu können.

Gericht: Möchte sie sich an das Gericht wenden?

Herr Scott: Ja, Euer Ehren.

Gericht: Ich werde – Möchten Sie Ihre Empfehlungen für das Protokoll geben, oder haben Sie –

Herr Scott: Wir bitten darum, Euer Ehren, das Gericht möge in diesem Fall ein außergewöhnliches Strafmaß in Betracht ziehen, und ich werde mich dem Rat beugen.

Gericht: Aus den angegebenen Gründen?

Herr Scott: Aus den angegebenen Gründen. Wenn ich das jetzt sage, Euer Ehren, ersuchen wir nicht – als Strafverteidiger habe ich schon viele Male vor Gericht gestanden und gesagt, es gibt nichts Magisches an der Zahl von Tagen, Monaten, Jahren, und ich nehme an, Euer Ehren, das gilt auch hier bezüglich einer ausdrücklichen Empfehlung, wie lange eine außergewöhnliche Strafe dauern sollte. Das überlasse ich lieber ihrer Erwägung und bringe keine Zahl hervor, die in dem Meinungsstreit zwischen Herrn Morgan und mir sowieso bedeutungslos ist, also –

Gericht: In Ordnung. Hat Herr De Young – wollte er sich zu diesem Zeitpunkt an das Gericht wenden?

Herr De Young: Ja, Euer Ehren, ich möchte etwas  sagen –

Gericht: Fahren Sie fort.

Herr De Young: Ich möchte auf die Sache mit der außergewöhnlichen Strafe zu sprechen kommen. Die Prozessordnung lässt eine außergewöhnlich hohe Strafe zu, wenn es dafür erhebliche und zwingende Gründe gibt. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass es solche Gründe gibt, und die Verteidigung hat gesagt, die Real Facts Doctrine finde hier Anwendung, und wir möchten das Gericht darauf aufmerksam machen, dass es bei 9.94A.372 eine solche gibt.

Gericht: Ja, auf welcher Seite in Ihrem Schriftsatz hier ist das?

Herr De Young: Das beginnt unten auf Seite 4 des Schriftsatzes, Euer Ehren.

Gericht: Haben Sie das Gesetz hier zitiert? Ich weiß es im Augenblick nicht aus dem Kopf. Ja.

Herr De Young: Weitergehend bis Seite 5 heißt es: Tatsachen, die ein schwereres oder zusätzliche Verbrechen begründen, dürfen nicht verwendet werden, um über das mutmaßliche Strafmaß hinauszugehen, wenn dies nicht ausdrücklich verabredet oder ausdrücklich in RCW 9.94A.932 (c ), (d ), (f ) und (g ) vorgesehen ist. Und (g ) bezieht sich auf ein fortgesetztes Muster sexuellen Missbrauchs. Dies, Euer Ehren, ist also eine Ausnahme von der Real Facts Doctrine. Und in diesem Fall haben wir Beweise vorgelegt bekommen, und es heißt da nicht, dass es sich um angeklagte Verbrechen handeln muss, so wie ich dieses Gesetz verstehe, und die Beweisaufnahme zeigt, dass dieses Muster sexuellen Missbrauchs begann, als das Opfer so in etwa fünf Jahre alt war, und fortdauerte, bis es elf war. Und noch aus einem anderen Grund ersuchen wir um eine außergewöhnlich hohe Strafe, und der hat zu tun mit der besonderen Verletzlichkeit des Opfers. Und die Staatsanwaltschaft – und wir haben uns den Schriftsatz der Verteidigung angesehen und stimmen damit überein, dass dies nicht ein Fall von außergewöhnlicher Jugend ist, wir argumentieren vielmehr, dass in der Tat die Unfähigkeit oder eine Art von Seelenzustand besteht, den der Angeklagte dem Opfer überträgt, und zwar –

Gericht: Ist das nicht, ist das nicht die Art von – Entschuldigung, wenn ich Sie unterbreche – aber ist das nicht die Art von Verhalten, die ein Gutachten eines medizinischen Sachverständigen oder eines Psychologen bedarf? Ich glaube wirklich nicht, dass das etwas ist, wo das Gericht, wenn ich mich nicht irre, ein Argument annehmen kann, wenn es nicht einen Sachverständigen gibt. Wenn ich mich doch irre, werden Sie mich sicher eines Besseren belehren können.

Herr De Young: Ja, das ist möglich, Euer Ehren. Es gibt für diesen Fall kein Bundesgesetz. Alles, was wir haben, ist ein Fall, wo ein Opfer 22 Jahre alt war und einen Gipsverband am Bein hatte, und der Gipsverband trug nicht zu den Verletzungen des Opfers bei, und das ist alles, was wir haben. Ich habe das Gesetz von Minnesota zu Rate gezogen, wo die Wortwahl in ihrem Gesetz der unsrigen ähnlich ist, welcher Seelenzustand zutreffen könnte. Aber wir sind bereit, von da aus weiterzugehen. Ein weiterer Punkt, von dem wir glauben, dass er hier zutrifft, ist der Vertrauensmissbrauch. Und das Gericht traf eine Ermessensentscheidung, die besagte, dass der Angeklagte in einer bestimmten Situation in loco parentis handelte. Dass sie auf das Opfer aufpassten, und dass er das Mädchen züchtigte, und dass er es für die Schule fertig machte. In einer weiteren Ausnahme von der Real Facts Doctrine, die hier nicht zutrifft, weist der Angeklagte darauf hin, dass in diesen Situationen immer ein gewisses Vertrauensverhältnis besteht. Aber hier haben wir eine Art von Vertrauen, das größer ist als das, das für das Verbrechen erforderlich ist, und als solches könnte es als Grundlage für eine außergewöhnlich hohe Strafe dienen. Ein weiterer Punkt, über den wir sprechen, ist das Fehlen von Reue beim Angeklagten im Falle Staat gegen Russell; der Mangel an Reue bei einem angeklagten Verbrecher stellt für die Urteilsfindung immer einen erschwerenden Faktor dar, wenn es um einen besonders verwerflichen Charakter geht. Und die Verteidigung hat gesagt, dass man das Schweigen des Angeklagten nicht als Zeichen eines Fehlens von Reue nehmen darf, sondern abhängig davon, wie sich die Beweisaufnahme gestaltet, hat der Angeklagte ein paar Sätze gesagt; der Angeklagte ist also nicht still gewesen. Die Staatsanwaltschaft glaubt daher, dies könne man als Faktor für eine schwereres Urteil betrachten, als erschwerenden Faktor für ein außergewöhnlich hohes Urteil. Ähnlich sieht es mit der Gefährlichkeit des Angeklagten für die Zukunft aus; das hängt von den Befunden von Herrn Olin ab, der bereits eingangs bei der Beweisaufnahme ausgesagt hat, er habe Beweise, dass der Angeklagte nicht therapiefähig sei. Der Angeklagte hat bereits in gewissem Maße seine Schuld eingestanden, aber dann hat er die Aussage zurückgezogen und ist dahinter gegangen. Wir glauben also, das eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass er für die Gemeinschaft eine Gefahr darstellt.

Gericht: Ja, der Fall Post. Ich habe ihn hier, und er weist auf die zwei Faktoren hin, die einen Befund für eine Gefahr für die Zukunft untermauern. Einer ist die Ähnlichkeit im Verhaltensmuster. Und ich denke, im Falle Post – ich glaube, da gab es schon eine Reihe von Vorstrafen. Und dann, zweitens, hat da ein Sachverständiger ausgesagt. Ich weiß nicht mehr, ob das ein Psychologe war oder ein Therapeut, der da aussagte, dass der Angeklagte nicht therapiefähig sei; aber das legt dem Gericht nahe, dass wir eine Untersuchung und danach ein Gutachten durch einen Sachverständigen brauchen, um das mit dem Fall Staat gegen Post in Einklang zu bringen, es  sei denn –

Herr De Young: Ja, Euer Ehren.

Gericht: – es sei denn, Sie sind anderer Meinung als ich.

Herr De Young: Nun, was die Staatsanwaltschaft wollte, war, die Aussage der beiden Schwestern einzubringen, die von dem Angeklagten mutmaßlich missbraucht worden waren. Und abhängig davon, wie das Gericht entscheidet, wie die Real Facts Doctrine anzuwenden ist, so war es geplant, die Zeugenaussagen einzuführen.

Herr Scott: Euer Ehren, wenn ich hinzufügen darf, ich verstehe die (unhörbar) Wahl, vor der Herr Morgan stand, aber wir hatten den Psychiater Dr. David Bott gebeten, sich mit Herrn Beliz zusammenzusetzen und genau diesen Punkt zu entscheiden. Und Dr. Bott sagt vor allem auf seiten von Strafverteidigern aus. Eigentlich kann ich mich an keinen Fall erinnern, wo er von der Staatsanwaltschaft als Sachverständiger ausgewählt wurde, obwohl ich da vielleicht im Irrtum bin. Daher glaubte ich, er sei fair und neutral, aber dennoch hat Herr Beliz das verfassungsmäßige Recht, nicht mit dem Arzt zu sprechen. Ob das Gericht im Zusammenhang mit der Urteilsfindung die Tatsache in Betracht ziehen kann, dass die Beurteilung angeboten, dass aber kein Gebrauch davon gemacht wurde, ist ein weiteres Thema, über das das Gericht wird befinden müssen; aber wir bringen das nur zu Ihrem Nutzen zur Sprache.

Gericht: In Ordnung. Ich denke, es wäre eine unübliche Situation, in der das Gericht sich befindet, weil das, worum ich gebeten wurde, im Wesentlichen das Aussprechen einer alternativen Strafe ist, die höher als das Standardstrafmaß ist, gegründet auf den Faktor, dass der Angeklagte von seinem Recht Gebrauch machte, zu schweigen.

Herr De Young: Würde das Gericht beide Faktoren als notwendig betrachten, um im Strafmaß höher zu gehen, insoweit es die künftige Gefahr betrifft, die von ihm ausgeht, dann wird es eine bloße Zufälligkeit, ob der Angeklagte aufgrund eines eigenen oder eines Fehlers seines Anwalts dem Gericht Beweise anzubieten hat, die für ihn nachteilig sind.

Gericht: Nun, ich meine, das ist immer ein Dilemma –

Herr De Young: Ja.

Gericht: – die Verteidigung in dieser Art von Fall – insbesondere, wenn das Gericht um SOSA (phonetisch) gebeten wird.

Herr De Young: Richtig.

Gericht: Und dann muss der Angeklagte sich natürlich einer Untersuchung unterziehen, und je nachdem, was dabei herauskommt, kann sich das sehr wohl zum Nachteil des Angeklagten auswirken. Ich sehe schon das Dilemma, in dem die Strafverteidigung sich in einer solchen Art von Fall befindet.

Herr Scott: In diesem Fall hätte er – hätte er nicht Recht gegeben. Aber ich wollte nur einen Punkt anführen, Euer Ehren: Es scheint, diese Art von Beweis liegt ganz in den Händen des Angeklagten, ob das Gericht dies nämlich als Grund für eine Erhöhung der Strafe ansehen soll. Und ich weiß nicht, ob das Gesetz das beabsichtigt. Herr Morgan hat uns mitgeteilt, dass Berufung eingelegt werden wird, und manchmal, Euer Ehren, mag die Vorstellung dahinterstecken: Nun, wenn schon, denn schon, fall schon drüber her, Richter. Natürlich erwarten wir mehr. Und bei Ihnen, Euer Ehren, haben wir keinen Grund etwas anderes als ein faires und ausgeglichenes Urteil zu erwarten. Aber mit dem Gedanken im Sinn unterbreite ich es, dass es ins Protokoll mit aufgenommen wird.

Gericht: In Ordnung.

Herr De Young: Und, Euer Ehren, insbesondere auf diesen beiden Grundlagen, der andauernden sexuellen Aktivität, die eine eindeutige Ausnahme von der Real Facts Doctrine ist, und dem Missbrauch des Vertrauens, das aus dem Strafregister direkt greifbar ist, möge eine außergewöhnlich hohe Strafe in Erwägung gezogen werden. Das liegt im Ermessen des Gerichts. Danke.

Gericht: Herr Morgan, wollten Sie etwas darauf erwidern?

Herr Morgan: Ja, bitte.

Gericht: Dann beginnen Sie.

Herr Morgan: Ich meine, es ist besser, wegen der Komplexität der Dinge, die dem Gericht vorgelegt werden, Schritt für Schritt vorzugehen. Herr Scott hat damit begonnen, auf die Paragrafen in den Richtlinien zum Strafmaß von 1990 hinzuweisen, wo es um den Ermessensspielraum des Gerichtes geht. Ich glaube, sie sind von der Entscheidung im Fall Dolen abgelöst worden, wo es nun heißt, dass diese besonderen Anklagepunkte ein Gesamtstrafmaß bilden und daher nicht im Ermessen liegen, wenn es um eine  fortgesetzte Tat geht. Und wenn sich das Gericht bitte an die Aussagen zum Prozess erinnert, da hat Frau Garza sehr eindeutig darauf hingewiesen, dass eine Handlung in die andere überging. Diesbezüglich hat sie bei ihrer Aussage nicht gezögert.

Nun, soweit wie außergewöhnlich hohe Strafen gehen, da wird das Gericht sicher wissen, dass es handfeste und zwingende Gründe außerhalb der normalen Erwägungen braucht, die bei der Schaffung der Richtlinien zum Strafmaß vorgebracht wurden. Und was die Staatsanwaltschaft dem Gericht in Bezug auf – ich habe fünf grundlegende Gebiete gezählt, wo sie meint, dass eine außergewöhnlich hohe Strafe richtig wäre. Ich glaube nicht, dass sie hinreichend handfest und zwingend sind, dass das Gericht das Standardstrafmaß überschreiten dürfte.

Erstens, was das Thema fehlende Reue angeht: Das Gericht – oder die Staatsanwaltschaft erkennt in ihrem eigenen Schriftsatz an, dass das Fehlen von Reue von einem besonders verwerflichen Charakter ausgehen muss. In diesem besonderen Fall hat Herr Beliz von seinen Rechten aus dem Fünften Verfassungszusatz Gebrauch gemacht und sich durchgängig für unschuldig erklärt, und wo er auch nur irgend etwas zugegeben hat, da geschah das während der ersten polizeilichen Untersuchung durch das Othello Police Department, und das hat sich nicht geändert. Das ist dieselbe Sprache, die bei der Beweisaufnahme gebraucht wurde, dass eine Berührung – wenn es zu einer Berührung kam – über der Kleidung stattfand, als Vergeltung für das, was Herr Beliz als ungesetzliches Berühren seiner eigenen Tochter ansah. Da, so meine ich, kann man wohl kaum von einem besonders verwerflichen Charakter sprechen.

Dann ist da die Frage seiner künftigen Gefährlichkeit. Ich glaube, das Gericht  hat das zutreffend in seiner Anhörung des Staatsanwaltes angesprochen, und ich glaube, es wird auch zutreffend in meinem Memorandum of Authorities in Bezug auf die besonderen Faktoren angesprochen, die vorliegen müssen, um dieses besondere Element in Betracht zu ziehen.

Mein ergänzender Schriftsatz zum Fall Tinkum zeigt die Lage von Herrn Beliz mit Bezug auf das auf, was passieren würde, wenn das Gericht eine Untersuchung anordnete. Er hätte gerne seinen Anwalt dabei. Er würde von seinem Recht aus dem Fünften Verfassungszusatz in Bezug auf jede Befragung Gebrauch machen, die ihn möglicherweise einer höheren Bestrafung oder zusätzlicher Anklagepunkte aussetzten.

Was die besondere Verletzlichkeit angeht, so steht die Staatsanwaltschaft in Bezug auf ihre Interpretation des Wortes „Unfähigkeit“ allein da. Und da das Wort „Unfähigkeit“ weder in irgendeinem Strafvollzugsgesetz noch im Strafmaßkatalog selbst definiert wird, kommen wir auf die alte Faustregel zurück und sehen, was ein gewöhnliches Wörterbuch dazu zu sagen hat. Die allgemeine Definition in den Wörterbüchern ist „eine Untauglichkeit“. In diesem besonderen Fall wäre es eine körperliche Untauglichkeit, die zuträfe. Wenn da eine psychische Untauglichkeit wäre, würde das zutreffen. Wenn das Alter eine Rolle bei der Untauglichkeit spielen würde, würde das zutreffen. Wir sprechen über das, was im Hinblick auf Alter, soziale Stellung, Behinderungen nach dem Americans With Disabilities Act, diese Art von Dingen, normalerweise als diskriminierende Praktiken anerkannt wird. In diesem besonderen Fall zu behaupten, weil man eine Freundin der Tochter des Angeklagten sei und er diese Freundschaft benutzt habe, habe das zu einer Unfähigkeit im Kopf der klagenden Zeugin geführt, heißt wohl, die Dinge ein bisschen zu überspannen, und es bringt nicht nur den Missbrauch von Vertrauen hinein, das nächste Gebiet, das ich ansprechen möchte, sondern auch einige weitere Faktoren, die wirklich keinen Bestand in Bezug auf die Feststellung haben, ob es zu einer außergewöhnlich hohen Strafe kommen soll oder nicht. Ich bestreite nicht, dass Minnesota hier als Richtlinie gelten könnte. Fälle aus Minnesota könnten als Richtschnur dienen, weil ich glaube, dass unser Strafrahmenkatalog aus demjenigen von Minnesota hervorgegangen ist.

Gericht: Das ist richtig.

Herr Morgan: Man hat Minnesota schon immer als Gebiet betrachtet, woher wir Anleitung beziehen können. In diesem besonderen Fall findet das eine Zitat gegenüber Behörden außerhalb von Minnesota wirklich keine Anwendung auf das, was dem Gericht vorliegt. Was nun den Vertrauensmissbrauch angeht, Euer Ehren, so ist das irgendwie außergewöhnlich, Denn was wir zum Vertrauensmissbrauch haben, hat sich aus wirtschaftlichem Vertrauensmissbrauch heraus entwickelt, ursprünglich einer der erschwerenden Faktoren. Dann haben das die Gerichte durch Rechtfortschreibung auf nicht wirtschaftliche Verbrechen ausgedehnt, auf Sexualstraftaten. Unsere Position zum Vertrauensmissbrauch, Euer Ehren, ist, glaube ich, im Wesentlichen, dass das Gericht diesen besonderen Aspekt zwar betrachten, aber unter den besonderen Tatsachen und Umständen dieses Falles wahrscheinlich nicht in Erwägung ziehen sollte. Das Zitat, das wir haben, ist über 13A Washington Practice, und Ferguson und Fine zeigen dort auf – und ich denke, das Gericht kann dabei sowohl seine Erfahrung als Staatsanwalt als auch als Stadtrichter in Rechnung stellen – dass in den meisten Fällen von tatsächlichem oder behauptetem sexuellem Kindesmissbrauch zwischen dem mutmaßlichen Täter und dem klagenden Opfer ein Bekanntheitsgrad besteht. Normalerweise kennen sie sich also, und normalerweise besteht bereits ein gewisses Vertrauensverhältnis. Was Ferguson und Fine im Grunde sagen, ist, dass Fälle, wo kein Vertrauensverhältnis besteht, die große Ausnahme sind. In diesem besonderen Fall bestand das Vertrauensverhältnis darin – und das Gericht hat darüber im Hinblick auf die Zeugenaussage Nr. 4, Frau Beliz, bereits befunden – dass Herr Beliz im Grunde genommen eine Art Vormundrolle innehatte. Wenn man sich hier alle Umstände ansieht, dann glaube ich wiederum nicht, Euer Ehren, dass die Tatsachen außerhalb dessen liegen, was geschieht, wenn ein Vertrauensverhältnis missbraucht wird. Und Ferguson und Fine warnen, wenn man sich die veröffentlichten Fälle ansieht, dann muss man sie meistens wirklich nicht in Betracht ziehen, weil ihnen entweder ein Schuldbekenntnis oder eine verminderte Strafe wegen Teilgeständnis zugrunde liegt. So sieht die Sache aus. Und wir wissen wirklich nicht, wie die Fakten in den nicht veröffentlichten Fällen aussehen. Sie raten also den Strafgerichten, die eigene Erfahrung heranzuziehen, um zu entscheiden, ob dies ein außergewöhnlicher Fall ist oder nicht. Ich glaube nicht, dass es das bei diesen Tatsachen und Unständen ist.

Gericht: Nun, ich denke, es ist interessant, anzumerken, dass die Staatsanwaltschaft, zumindest in allgemeiner Weise, nicht in der vom Staatsanwalt herausgegebenen Presseerklärung, die einem Ihrer Memoranden beigefügt ist, anderer Meinung mit Ihnen sein mag. Da gibt es ein Zitat, von dem ich annehme, dass es vom Staatsanwalt sein soll, dass Statistiken zeigen, dass 90% aller Mädchen unter 12 Jahren, die sexuell missbraucht werden, von einem Freund oder Angehörigen missbraucht werden.

Herr Scott: Das stammt natürlich nicht von uns, Herr Richter.

Gericht: Nein. Nun, es steht in den Akten.

Herr Scott: Und ich würde gerne zu dem Thema etwas sagen, wenn Herr Morgan fertig ist.

Herr Morgan: Dann schließlich, Euer Ehren, haben wir da das fortgesetzte Muster sexuellen Missbrauchs. Und wo ich darüber mit der Staatsanwaltschaft unterschiedlicher Meinung bin, Euer Ehren, scheint mir, dass diese versucht hat, zwei weitere Zeuginnen für dieses fortgesetzte Muster sexuellen Missbrauchs einzuführen, was eine Verletzung der Real Facts Doctrine darstellt. Und ich denke, das Gericht kennt die Real Facts Doctrine, wie sie jetzt im Bundesstaat Washington besteht, genau, die sich im Grunde genommen aus dem Fall Staat gegen Tierney ableitet, der eine sehr umfassende Analyse der Real Facts Doctrine im Hinblick darauf gibt, was ein Gericht erwägen und wie sie angewandt werden sollte. Da die Staatsanwaltschaft jetzt zu sagen scheint: Wir wollen, dass Sie das fortgesetzte Muster sexuellen Missbrauchs genau im Hinblick auf Frau Garza in Erwägung ziehen, ist unsere Haltung dazu: Ja, Euer Ehren, Sie können diesen Punkt in Erwägung ziehen – aber nur insoweit als es Ereignisse nach dem 11. Mai 1989 betrifft.

Gericht: Dinge vor diesem Zeitpunkt sind verjährt.

Herr Morgan: Das ist richtig. Und wir führen einen Fall an, der im Grunde besagt, dass die Verjährung eine Grenze ist, vor der der Souverän keine Handlungsmacht mehr hat. Wobei der Souverän der Staat ist. Wobei das Gericht Teil des Staates ist. Wenn ein bestimmtes Verbrechen verjährt ist, sollte es nicht als Faktor dienen, die Strafe für das, wessen der Angeklagte überführt wurde, zu erhöhen. In diesem besonderen Fall stellt der 11. Mai 1989 die Grenze der Verjährung eines jeden Verbrechens dar, das vorher geschah. Und alles vor diesem Zeitpunkt sollte vom Gericht auch nicht berücksichtigt werden. Wir glauben, dass das auch innerhalb der Parameter der Real Facts Doctrine liegt. Wenn das Gericht vorhat, das fortgesetzte Muster sexuellen Missbrauchs zu bedenken, dann fordern wir das Gericht auf, sich auf die genannte Zeit zu beschränken. Und bei allen Tatsachen und Umständen glauben wir nicht, Euer Ehren, dass in diesem Fall eine außergewöhnlich hohe Strafe gerechtfertigt ist. Die Strafe sollte innerhalb des Standardstrafrahmens liegen.

Gericht: Gut. Herr Scott?

Herr Scott: Euer Ehren, mit Bezug auf die Real Facts Doctrine denke ich, dass das Gesetz annimmt, dass Sie sehr wohl die Macht haben, unter der  Real Facts Doctrine Beweise in Erwägung zu ziehen und doch nicht insoweit beeinflusst zu sein, was Überlegungen zum Strafmaß angeht, um andere nicht angeklagte Vergehen zu bestrafen. Und ich denke, das ist wirklich das, worüber wir reden, und das ist auch die Stoßrichtung der Real Facts Doctrine. In diesem Zusammenhang glaube ich, dass das Gericht sicher die Tatsache mit heranziehen kann, das es noch weitere, nicht angeklagte Vergehen an anderen Opfern gab. Ungeachtet irgendeiner Presseerklärung, die vielleicht herausgegeben wurde. Darauf weise ich hin. Sie haben die Zeugenaussage gehört, und Sie können diese Aussage bei der Beweisaufnahme besser beurteilen als ich oder Herr Morgan. Mir scheint, wie ich mich entsinne, dass Erica die Sache deshalb nicht anzeigte, weil sie Angst hatte, sie würde die Freundschaft ihrer Kumpel, ihrer Freundinnen, verlieren. Sie hat sich keine Sorgen gemacht, das Vertrauen und die Liebe von Herrn Beliz zu verlieren. Das ist natürlich etwas ganz anderes, und ich meine, das ist der Unterschied, den sich anzusehen ich das Gericht bitten möchte, wenn Sie überlegen, ob das ein Vertrauensmissbrauch war oder nicht. Wenn sie so etwas ausgesagt hätte – nun, ich wollte seine Liebe, seine Zuneigung, sein Vertrauen, seinen Schutz nicht verlieren – dann läge es wohl im Ermessen des Gerichtes, dagegen zu entscheiden, aber das hat sie nicht gesagt. Sie hat gesagt: Ich möchte meine Freundinnen nicht verlieren. Ich möchte keine Familien zerstören. Und das ist etwas anderes als: Ich wollte seine Liebe und Zuneigung oder Bewunderung oder irgend so etwas verlieren – Dinge, die wir hören, die notwendigerweise innerhalb des Verbrechens, wenn es angeklagt wird, in Erwägung gezogen werden. Denn darauf läuft es hinaus: Wird das angeklagte Verbrechen, wenn es zur Bestrafung kommt, zufriedenstellend bestraft, so wie es angeklagt wurde? Ich denke, in diesem Fall kann das Gericht außerordentliche Gründe finden, den Strafmaßkatalog zu (unhörbar).

Gericht: Ja, wäre es nicht zwingender, der Grund für das Verheimlichen sei die Furcht, die Beziehung mit dem Täter zu verlieren? Wäre das nicht ein größerer Grund, als Furcht vor dem Verlust der Beziehung mit jemand anderem, zum Beispiel einem Angehörigen?

Antwort: Nun, wenn wir darüber reden, ob es einen Beweggrund oder einen Zwang für das Verheimlichen gibt, denke ich, dass der eine – ich glaube, es gibt da alle möglichen Abstufungen bei den Gründen, Euer Ehren, und vielleicht ist es unfair, Sie zu bitten, eine solche Abstufung vorzunehmen. Aber dennoch hat der Gesetzgeber das von ihnen gefordert. Ich glaube, es ist – er ist eher ein Fremder für die Beziehung in loco parentis. Und vielleicht argumentiere ich gegen meinen Bruder, wenn ich das sage, aber er ist eher ein Fremder. Es gab keinerlei Zeugenaussage, dass er – dass sie sich vor einer Vergeltung seinerseits in Form eines Gerichtsverfahrens und dergleichen Dinge fürchtete, an die wir normalerweise denken, wenn wir an ein fünf- bis elfjähriges Mädchen denken.

Gericht: Nein, so wie ich die Zeugenaussage in Erinnerung habe, ging es um die enge Verbindung beider Familien und um die Tatsache, dass die Familienbande eine Reihe von Jahren lang fast unzertrennlich waren.

Herr Scott: In der Tat. Ich glaube, wir sind bereit zur Aussage von Frau Rodriguez.

Gericht: In Ordnung. Kommen Sie bitte zur Vereidigung nach vorne.

(Erica Rodriguez wird vereidigt)

Gericht: Bitte setzen Sie sich.

Herr Morgan: Nur eine Klarstellung für das Protokoll, Euer Ehren. So wie ich die Sache verstehe, führt die Staatsanwaltschaft die Aussage von Frau Garza nur im Hinblick auf die Auswirkungen auf das Opfer vor, und dass es keinerlei Bezug zu dem hat, was bereits geschehen ist, soweit es das Verfahren betrifft.

Herr Scott: Euer Ehren, ich habe es nicht auf eine Wiederholung der Aussage abgesehen, die wir bereits anderthalb Tage lang gehört haben.

Gericht: In Ordnung.

Herr Scott: Wir werden unsere Bemerkungen nur darauf beschränken, welche Auswirkungen das auf Frau Rodriguez hatte.

Zeugenvernehmung von Erica Rodriguez durch Herrn Scott:

Frage: Erica, Sie und ich haben kurz miteinander gesprochen, und sie haben mit anderen Angehörigen der Staatsanwaltschaft in Bezug auf die Auswirkungen geredet, die dies auf Ihr Leben hatte, nicht wahr?

Antwort: Ja.

Frage: Können Sie dem Gericht sagen, welche Art von Auswirkungen das hatte?

Antwort: Ja. Er hat mir meine Kindheit genommen; alles, woran ich mich in meiner Vergangenheit erinnere, ist, dass ich sexuell belästigt worden bin. Ich schaue zurück und kann mich an nichts Gutes erinnern. Alles, woran ich mich erinnere, ist Manuel, wie er mir nahe kommt. Als ich größer wurde, dasselbe, ich konnte nicht so auf Männer reagieren, wie es ein normaler Teenager tut. Es hat lange gedauert, bis ich in der Lage war, mit meinem Ehemann vertraut zu werden, weil – oder auch nur mit ihm als Freund zusammen zu sein, weil es wirklich schwer für mich war, in intimer, sexueller Art von Beziehung einem Mann nahe zu kommen, weil meine erste sexuelle Erfahrung immer die mit Manuel war. Ich weiß, dass er mich die vergangenen 15 Jahre in mein eigenes Gefängnis gesteckt hat, weil er mich traumatisiert hat. Jeden Tag, jede Minute meines Lebens weiß ich, dass ich missbraucht worden bin, und das hat immer Auswirkungen auf das, was ich in meinem Leben tue.

Frage: Könnten Sie das dem Gericht erklären? Ich wollte Ihren Gedankenfluss nicht unterbrechen, aber Sie sagen, es hat täglich Auswirkungen auf Ihr Leben. Können Sie dem Richter sagen, wie das aussieht? Wenn Sie zum Markt gehen, wenn sie sehen, wie Leute mit Kindern umgehen, wie reagieren Sie da?

Antwort: Ja, es ist schwer, wenn ich sehe – ich bin Kindermädchen. Ich passe auf kleine Kinder auf und ich möchte sie mit keinem anderen als mit mir gehen lassen, weil ich niemandem traue. Ich weiß, dass ich unfair ihnen gegenüber bin, und ich hasse das. Ich möchte es nicht, aber die, die mir am nächsten standen, meine zweite Familie, dass war Manuels Familie. Wenn ich also daran denke, sie mit ihren Freunden ziehen zu lassen, dann denke ich, hallo, wenn mir jemand etwas angetan hat, der mir so nahe stand, dann denke ich, jemand anders, ihre Freunde, die Väter oder Mütter oder eben die Familien ihrer Freunde, werden sie nicht missbrauchen, so wie mich meine zweite Familie, wie meine zweite – wie Manuel mir gegenüber war. Ich weiß, wenn ich Kinder habe, vielleicht bin ich dann unfair zu ihnen, aber ich würde niemandem trauen, nicht einmal meinen engsten Freunden.

Frage: Haben Sie das Gefühl, Sie könnten Ihrem Mann in dieser Beziehung trauen? Eine harte Frage.

Antwort: Wissen Sie, es ist hart, weil Manuel wie ein zweiter Vater war, so war es – es ist hart und es hat sehr lange gebraucht, ihm auch nur nahe zu kommen, ihm gegenüber in allem offen zu sein. Und ich kann es auch nicht wirklich sagen, denn ich habe keine Kinder, aber ich weiß bei den Kindern, die ich betreue – ja, ich vertraue meinem Mann. Aber ich habe immer im Hinterkopf, dass irgend jemand, jeder es tun könnte. Ich meine, wenn Manuel es bei mir tat, könnte jeder es tun, weil er wie mein Vater war.

Frage: Wie sieht das in Bezug auf Ihre Religionsgemeinschaft aus, hatte es da Auswirkungen? Sie sind Zeugin Jehovas, nicht wahr?

Antwort: Ja. Leider –

Frage: Könnten Sie dem Gericht das – könnten Sie dem Gericht von Ihrer Beziehung, Ihrer religiösen Beziehung erzählen?

Antwort: Da Manuel eine hohe Stellung in der Religionsgemeinschaft hatte und man ihm eine Menge Vertrauen entgegenbrachte, hat ihm jeder vertraut. Er war ja in einer sehr hohen Stellung. Als er das tat, was er tat, und als er – ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Weil er eine so hohe Stellung hatte, ist es jetzt für mich sehr schwer. Ich habe mich etwas zurückgezogen. Geistig bin ich um einiges heruntergekommen.

Frage: Glauben Sie aus dem einen oder anderen Grund, dass die Kirche sich zwischen Ihnen und Herrn Beliz entschieden hat?

Antwort: Da gab es gewisse Dinge, die waren nicht in Ordnung, und ich weiß nicht, ob es wegen seiner Lügen war oder wegen seiner hohen Stellung in der Organisation – ja, gewisse Dinge waren nicht fair, aber – und ich meine, darum hat er geistig gesehen etwas in mir abgetötet.

Frage: Man hat ihm die Gemeinschaft entzogen, nicht wahr?

Antwort: Ja.

Frage: Was bei den Zeugen Jehovas bedeutet, dass er praktisch von der Kirche exkommuniziert wurde, nicht wahr?

Antwort: Ja.

Frage: Kurz vor der Hochzeit seiner Tochter?

Antwort: Ja.

Frage: Und wie lange dauerte das, für wie lange war ihm die Gemeinschaft entzogen?

Antwort: Ich kann mich nicht erinnern. Ich glaube, es war etwas weniger als ein Jahr, so etwa ein Jahr.

Frage: Nun: richtig oder falsch? Ich möchte Ihnen nicht das eine oder andere nahe legen, aber war ihr Eindruck damals, dass die Kirche Ihnen nicht geholfen hat?

Antwort: Als sie ihm die Gemeinschaft entzogen hatten, da dachte ich, sie hätten mich unterstützt, aber als sie ihn dann wieder aufgenommen haben, ich weiß nicht warum. Ich verstehe nicht. Ich –

Frage: Hatte das insoweit Auswirkungen auf Sie, als es Ihren Glauben angeht?

Antwort: Ja.

Frage: Jetzt zu Ihrer übrigen Familie und wie Sie mit ihr umgehen, insbesondere mit Ihrer Mutter und Ihrem Vater. Hat das etwas zwischen Ihnen und den beiden geändert?

Antwort: Es hat sie sehr mitgenommen. Meine Mutter und mein Vater wurden wirklich depressiv, und sie mussten eine Zeitlang weggehen. Sie sind immer noch nicht wieder zurück, aber es hat uns alle sehr mitgenommen. Mein Vater wurde depressiv, meine Mutter auch. Sie wurde wirklich krank deswegen, und es hat sie sehr mitgenommen. Er hat allen von uns seelischen Schaden zugefügt, nicht nur mir, sondern auch meiner Familie, meinen Freundinnen, und ich bin mir sicher, auch seiner Familie.

Frage: Ihre Mutter und Ihr Vater gehören auch zur Zeugen-Jehovas-Gemeinde in Othello; das ist doch richtig?

Antwort: In Sacramento, ja.

Frage: Und davor in Othello; das ist doch richtig?

Antwort: Ja.

Frage: Und hat es sich auch an deren Teilnahme an religiösen Aktivitäten ausgewirkt?

Antwort: Ja.

Frage: In welcher Weise?

Antwort: Sie haben sich gefühlt, als würden sie einen Kinderschänder schützen.

Frage: Nun haben Sie Kelsey gehört, wie er von Herrn Beliz sagte – und Sie hatten auch die Möglichkeit, das Protokoll der Beweisaufnahme einzusehen, nicht wahr? Und dann bemerken Sie, dass Herr Beliz sagte, er habe das aus Vergeltung getan, denn hatte Ihr Vater nicht seine Tochter angefasst? Glauben Sie das?

Antwort: Nein.

Frage: Bewirkt das bei Ihnen etwas?

Antwort: Ich verstehe nicht, wie jemand so etwas aus Vergeltung tun kann. Ich meine, als mein Vater – als mein Vater herausbekam, dass Manuel mich belästigte, da war seine Reaktion nicht, zu jemand anderem zu gehen. Seine Reaktion war, jemandem etwas aufs Maul zu geben. Ich meine, es war nie zu – als Vergeltung, weil man so etwas nicht als Vergeltung tut.

Frage: Möchten Sie dem Richter noch etwas über Ihre Situation und die Auswirkungen auf Sie sagen?

Antwort: (Keine Antwort.)

Frage: Es gab auch finanzielle Gesichtspunkte, nicht wahr? Hin und zurück fliegen und die Arbeit verlieren?

Antwort: Mein Mann hat seine Arbeit wegen des Kindes verloren. Er war eine Zeitlang ohne Arbeit; er konnte die Arbeitsstelle nicht verlassen, da sagte er, er müsse jetzt – seine Frau unterstützen, er habe nicht vor, nicht zu gehen. So verlor er seine Arbeit. Ich habe so viele Wochen Arbeit verpasst. Finanziell hat es Probleme gegeben, ja. Meine Eltern, wissen Sie, wenn man fragte, ob ich etwas wollte – Manuel hat mir seelischen Schaden zugefügt, seit ich im zarten Alter von fünf Jahren war, und alles weiter so bis jetzt. Alles, was ich tue, wird von dem bestimmt, was Manuel mir angetan hat. Und auch alles, was ich für den Rest meines Lebens tun werde, hoffentlich noch weitere 60 Jahre oder so, das wird immer ein Trauma für mich sein. Und alle Entscheidungen, die ich in meinem Leben treffe, haben einen Bezug zu dem, was er mir angetan hat. Wenn ich Kinder habe. Als ich heiratete. Ich habe jede Nacht Alpträume. Sehr oft kann ich nicht schlafen und, wie ich sagte, er hat mich in mein Gefängnis gesteckt, und in diesem Gefängnis werde ich jeden Tag sein, bis ich tot bin. Ich will nur, dass Sie das wissen. Das ist etwas, das immer da ist, und es ist etwas, das ich nie vergessen werde. Er hat mich seelisch zugrunde gerichtet und mich in mein Gefängnis gesteckt, bis ich sterbe.

Frage: Und in diesem Zusammenhang – wenn ich überdramatisiere – hat Herr Beliz so an die zehn Jahre Gefängnis zu erwarten. Glauben Sie, das ist ein fairer Handel?

Antwort: Nun, ich bin schon seit über 15 Jahren in meinem Gefängnis. Das sieht schon etwas merkwürdig aus, dass er für das, was er getan hat, nur zehn Jahre bekommt. Wenn ich für den Rest meines Lebens in meinem Gefängnis stecken werde, wenn das, was er getan hat, mich seelisch kaputt macht, bis ich sterbe, nun, dann ist das schon unfair.

Frage: Können Sie sich an die Aussage des Polizeibeamten erinnern, der sagte, nachdem er Herrn Beliz auf seine verfassungsmäßigen Rechte hingewiesen und ihn über die Tat vernommen hatte, Herr Beliz habe ihm gesagt, wenn der Richter ihn frage, müsse er wohl zugeben, dass er solche Dinge getan habe. Wenn es nun möglich wäre, dass Herr Beliz entweder aus Mangel an rechtlichen Gründen, oder nun – oder aus einem anderen Grund, wenn es möglich wäre, dass er Ihnen etwas sagte, was würden Sie wollen, dass er zu Ihnen über alle diese Taten sagte? Was würden Sie gerne hören wollen?

Antwort: Ich weiß, dass ihm das, was er getan hat, nicht leid tut. Wenn er also jetzt aufsteht und sagt, es tut ihm leid, dann bedeutet das nicht viel. Ich habe ihm ja die Gelegenheit gegeben zu sagen, dass es ihm leid tut, und er hat es nicht gesagt. Und ich habe ihm gesagt –

Frage: Wie das?

Antwort: Eines der Gespräche, ich weiß nicht mehr genau das Datum, wurde von einem Beamten, Officer Flopp, aufgezeichnet. Und ich habe ihm gesagt, wenn du dich entschuldigst; und ich habe Melissa Beliz, seiner Tochter, gesagt, wenn er sich entschuldigt, dann ist das in Ordnung. Dann würde ich ihn nicht vor Gericht bringen. Aber er wollte nicht. Ich habe gesagt, ich will, dass er verhaftet wird. Er hat sich nicht entschuldigt, und wenn er sich damals dafür entschied, sich nicht zu entschuldigen und das alles hier durchzumachen, dann würde eine Entschuldigung wirklich – dann würde eine Entschuldigung nicht viel bedeuten, weil es ihm ja nicht wirklich leid tut. Manuel kann mir hier nichts sagen, das das, was er mir angetan hat, ungeschehen machen würde, das bewirken würde, dass ich mich besser fühle. Er kann nicht ein Wort sagen, das bewirkt, dass ich mich besser fühle.

Herr Scott: Danke. Euer Ehren, ich gebe die Zeugin weiter.

Herr Morgan: Keine Fragen, Euer Ehren.

Zeugenvernehmung von Erica Rodriguez durch das Gericht:

Frage: Egal wie lange Herr Beliz im Gefängnis verbringen wird: Hoffen Sie darauf, dass er die Art von Hilfe, Therapie bekommt, diese Art von Verhalten hinter sich zu bringen, wenn er schließlich wieder in die Öffentlichkeit –

Antwort: Ob ich wollte, dass er Hilfe bekommt? Ja.

Gericht: Danke.

Herr Scott: Euer Ehren, es war mein Gedanke am Ende der Aussage von Erica vor Gericht, meine eigenen Gedanken dazu vorzubringen. Aber ich glaube, es gibt wirklich mehr, das ich hinzufügen kann, das nicht bereits gesagt wurde. Ich will mich darauf vorbereiten.

Gericht: Hat die Bewährungshilfe Empfehlungen zu dem Punkt? Und wenn Sie nicht darauf vorbereitet sind, jetzt eine Empfehlung zu geben, dann denke ich, weil es jetzt Mittagszeit ist, wir könnten die Sitzung unterbrechen und nach dem Mittagessen wieder zusammentreten. Das gäbe Ihnen die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wenn Sie das wollen. Ich weiß, Sie müssen das schriftlich tun, aber es könnte hilfreich für das Gericht sein, wenn Sie in der Lage wären, mir Ihre Meinung zu sagen, zumindest mündlich.

Herr Scott: Nun, ich kann wahrscheinlich Änderungen vorbringen, die – und ich entschuldige mich gegenüber dem Gericht für die Art und Weise, wie sich diese Darstellung erwiesen hat hat, aber mir war nicht bewusst, dass die beiden Anklagepunkte fallen gelassen worden waren. Ich hatte keine Informationen, dass das geschehen war. Deshalb liegt die Bewertung dort, wo sie liegt.

Gericht: Nein, ich verstehe das. Wir, die wir mit diesem Prozess zu tun hatten, verstehen es wahrscheinlich, aber wenn Sie nur schnell in die Akten schauen, es ist etwas verwirrend und es könnte sicher selbst zu dem Schluss führen, zu dem Sie kamen.

Herr Scott: Nun, selbst mit den Änderungen – und die Bewertung hat sich geändert – würde ich meinen, bei 125 Monaten für alles hätte er reichlich Zeit, sich einer Behandlung zu unterziehen, wenn eine solche nötig sein sollte.

Gericht: Im Wesentlichen ist das eine mutmaßliche Empfehlung, ungefähr in der Mitte des Bereiches für das Strafmaß.

Herr Scott: Nun ja, fast. Nun, es sind 102 bis 136 Monate, also etwas oberhalb dem Mittelwert. Das sind 11 Monate weniger als die maximale (unhörbar). Ich kann in diesem Augenblick gut damit leben.

Gericht: Herr Morgan?

Herr Morgan: Euer Ehren, ich bin mir nicht sicher, was das Gericht wünscht. Da sind mehrere Leute, die zu Gunsten von Herrn Beliz aussagen möchten, und er hat sein Rederecht und –

Gericht: Ja, wenn das der Fall ist, dann wäre es angemessen, eine Pause zum Mittagessen zu machen und dann zurückzukommen, anstatt mittags durchzumachen. In Ordnung, wollen wir dann um etwa 1:15 wieder zusammenkommen?

Herr Morgan: Das wäre gut, Euer Ehren.

Gericht: Ich habe heute nachmittag noch andere Dinge vor, aber das muss warten, bis wir hier fertig sind.

(Mittagspause)

Gerichtsdiener: Der Adams County Superior Court ist wieder zusammengetreten. Setzen Sie sich bitte.

Gericht: Herr Morgan?

Herr Morgan: Ja, Euer Ehren. So wie ich sehe, wollen die folgenden Personen zugunsten von Herrn Beliz aussagen: seine Frau, seine Tochter Melissa, sein Sohn Gabriel und John White. In bin nicht sicher, in welcher Reihenfolge. Ich habe ihnen gesagt, sie könnten hier vom Podium aus sprechen. Oder sollen sie lieber in den Zeugenstand?

Gericht: Das geht in Ordnung. Vom Podium aus ist in Ordnung. Für das Gerichtsprotokoll, auch wenn ich Sie sehr gut kenne – für das Protokoll geben Sie alle, die hier sprechen wollen, bitte Ihren Namen an.

Herr White: Ja. Ich heiße John White.

Gericht: Fangen Sie an.

Herr White: Ich nehme an, ich spreche zugunsten von Manuel Beliz, aber ich spreche auch zugunsten von Erica. Ich kannte Manuel 1970, als er in diese Gegend zog und noch ein Teenager war. Und ich kenne Erica seit dem Tag ihrer Geburt. Sie sind beide Mitglieder der Versammlung, die ich auch besucht habe. Die ganze Zeit über, die Erica hier war, sah ich sie also mehrmals in der Woche, und dasselbe gilt für Manuel Beliz. Ich kenne sie also beide. In den 1980er Jahren wurde Manuel Beliz in eine bestimmte Stellung ernannt, die Erica erwähnte. Er war – wir nennen das einen Dienstamtgehilfen. Kein Ältester, aber er hatte gewisse Pflichten bei – ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was das war, vielleicht war das die Literatur, wie sie in der Versammlung verteilt wird; so etwas. Und ich habe in den 1980er Jahren bemerkt, dass er heiß und kalt war. Viele Leute sind so, wir wissen nicht warum, ob sie die Sache ernst nehmen. Wie auch immer, gegen Ende der 1980er Jahre – ich weiß nicht, ob er von seinem Amt zurücktrat, oder vielleicht war es auch im gegenseitigen Einverständnis, dass er den Posten verließ. Er wurde entfernt. Wir hatten keine Ahnung, wo die Probleme lagen, wenn es welche gab.

Dann, in den 1990er Jahren, sah ich, wie er geistlich wieder zu Kräften kam. Er wurde für uns wieder sehr nützlich, und erst im Sommer 1996 erhielt ich einen Anruf von einigen Ältesten in Ericas Versammlung in Sacramento, dass – wir hatten keine Vorstellung, dass es dieses Problem gab. Wir haben also zum ersten Mal davon gehört.

Wir haben unser eigenes Rechtssystem, und man hat sich dieser Sache im Laufe von soundsovielen Monaten, ich weiß es nicht mehr, angenommen. Manchmal sind wir in der Lage, etwas innerhalb von ein paar Wochen zu tun. Manchmal dauert es über ein Jahr; das hängt davon ab, wie wir die Informationen sammeln können. Man hat sich dieser besonderen Sache also in der Versammlung angenommen und es wurde eine bestimmte Strafe ausgesprochen. Ich muss sagen, Herrn Beliz war für anderthalb Jahre die Gemeinschaft entzogen – er konnte sich nicht erinnern, wie lang das war. So lang war das.

Und dann wurde er wieder in die Versammlung aufgenommen, weil dasselbe Rechtsgremium, das ihn zuerst bestraft hatte, überzeugt war, dass er bereut hatte und wieder in die Versammlung aufgenommen werden konnte. Man hat ihn also wieder aufgenommen.

Aber ich – es war mir in den 1980er Jahren ein Rätsel, wo das Problem lag, denn einmal konnte man ihn brauchen, dann wieder nicht. Er kam, er kam nicht. Aber in den 1990er Jahren sahen wir eine Änderung, mit welchen Problemen er auch immer klar kommen musste, nun, wir dachten, er hatte sie im Griff. Und danach in den 1990er Jahren sehe ich einen anderen Menschen vor mir.

Ich kann daher nichts zu dem Urteil, zum Strafmaß, sagen, weil ich mich wirklich nicht so im Gesetz auskenne. Wenn Sie meinen, er müsse bestraft werden, dann werden Sie den Menschen strafen, der er damals war. Ich bin nur einfach überzeugt, dass er sich geändert hat. Wo immer die Probleme lagen, ab 1990 schien er sie im Griff zu haben. Und für uns sehen wir kein Problem.

Wenn es da -- Beispielsweise glaube ich, dass auch Erica gesagt hat, sie befürchte, wir würden einen Kinderschänder schützen. Wäre er jetzt und früher wirklich ein Kinderschänder, hätten wir keinerlei Probleme, wenn Sie ihn in einer Weise bestrafen. Wir würden das auch tun. Aber wir schützen keine Kinderschänder, Vergewaltiger, Mörder, Lügner, Verleumder. Sie müssen alle durch unser Rechtssystem wie auch Manuel Beliz.

Ich möchte nur, dass zu Protokoll genommen wird, dass wir nicht den Eindruck hinterlassen, unsere Versammlung würde irgendwie einen Kinderschänder schützen. Das haben wir nicht getan. Zur rechten Zeit gab es bei uns ein Verfahren gegen ihn, und man hat sich der Sache zu unserer Zufriedenheit angenommen. Als er wieder aufgenommen wurde, war das Komitee, das ihn bestrafte, also offensichtlich überzeugt. Wie weit Erica zufriedengestellt ist, darüber kann ich nicht viel sagen. Das – das ist ein Problem, das nur sie selbst kennt.

Ich würde gerne etwas mehr über das wissen, was wir nicht wissen, aber wissen sollten. Ich weiß, was Erica gesagt hat. Ich weiß auch, was Manuel Beliz gesagt hat. Ich wünschte, der Himmel öffnete sich und eine Stimme würde sagen: „So war es wirklich.“ Denn egal was Sie tun, bei uns besteht die Notwendigkeit, innerhalb unserer eigenen Reihen Recht zu sprechen.

So hoffen wir also, dass wir eines Tages, wenn mehr Tatsachen ans Licht kommen, tun werden, was wir tun müssen, weil die Versammlung ein sicherer Ort sein muss. Mit anderen Worten: Wir wollen keine gefährlichen Leute bei uns haben. Und zu diesem Zweck haben wir ein Rechtssystem, das das sicherstellt. Nicht vollkommen, wie, da bin ich mir sicher, auch Ihr System nicht vollkommen ist, aber wir geben uns Mühe.

Was ich daher im Grunde genommen über Manuel Beliz sage, ist, dass ich weiß, dass wir in den 1980er Jahren Probleme mit ihm hatten, und bis zum Sommer 1996 hatte ich keine Ahnung, was das war. Aber danach haben wir uns der Sache angenommen. Doch in den 1990er Jahren sahen wir einen anderen Menschen vor uns, und so nahmen wir uns seiner an. Man hat ihm vergeben. Ich glaube, das ist das richtige Wort.

Oh, und noch etwas möchte ich sagen: Wie ich erwähnt habe, als ich im Zeugenstand war und unter Eid aussagte, da bekam ich mit, dass Erica sagte, Manuel habe sie angerufen und ihr gesagt, es täte ihm leid. Ich glaube, das waren ihre Worte. Das alles haben wir natürlich mit berücksichtigt.

Oh, und noch etwas, das – für den Fall, dass das zur Sprache kommt. Ich höre, dass Mimi Cortez, die jüngste Tochter von Vanita Cortez, meine Tochter mit ins Spiel brachte und sagte, Manuel Beliz habe meine Tochter belästigt.

So haben wir meine Tochter angerufen und gesagt, hier, das ist die Beschuldigung. Und ich höre, dass Herr Sandhaus sie vorgeladen hatte. Und wir haben weiter angerufen und gefragt: „Bist du der Vorladung nachgekommen?“ Und sie sagte, nein, nein. Das Ende vom Lied war, dass sie sagte: „Nein. Ich werde anrufen. Ich werde Herrn Sandhaus anrufen und ihm sagen, an dem, was Mimi gesagt hat, ist nichts dran.“

Und das hat sie getan, und ich weiß, dass sie mit Herrn Sandhaus gesprochen hat. Und ich möchte, dass das ins Protokoll kommt, dass diese Beschuldigung von Mimi – dass nichts dran war. Solcher Dinge werden wir uns annehmen, aber ich wollte, dass Sie, das Gericht, wissen, wenn die Sache zur Sprache kommt, dass wirklich nichts dran ist. Ich habe mehrmals mit Herrn Sandhaus gesprochen. Ich habe ihm gesagt, wie ich es auch hier tue, dass ich respektiere, was er tut. Er sagte zu mir, dieser Mann sei ein Monster. Er müsse aus dem Verkehr gezogen – wissen Sie, wir müssen die kleinen Mädchen im Staat Washington schützen. Wenn ich dächte, das stimmte, er ist wirklich ein Monster, würde ich nicht sagen, ich dächte, er habe sich geändert, oder wie immer man sich seines Problems seit 1990 angenommen hatte. Ich würde sagen, sperrt ihn weg und werft den Schlüssel weg. So denke ich nicht, aber um nachts ruhig schlafen zu können, musste ich das heute sagen. Ich kenne seine Probleme nicht, all die Probleme aus den 1980er Jahren, aber ich denke, ab 1990 hat er sich geändert, wie auch immer.

Ich glaube, das ist alles, Euer Ehren. Ich bin dankbar für – ich habe mit Steve Clays Abteilung gesprochen, mit Tom, und ich – ich meine, ich wollte mit Tom reden, aber er meinte, das sei nicht nötig, weil ich die beiden kenne, und es macht mich wirklich traurig, die beiden hier vor Gericht zu sehen. Das sollte nicht nötig sein.

Und ich denke, die Ältesten hier haben mehrfach mit ihnen geredet, als sie erstmals mit dem Fall zu tun hatten, sie haben Erica eine Menge Aufmerksamkeit geschenkt und alle ihnen mögliche Hilfe angeboten. Wir haben etwas miteinander geredet, daher weiß ich, dass sie ihr Aufmerksamkeit schenkten und dass sie daran interessiert waren, ihr zu helfen, sicherzustellen, dass man ihr in ihrem Trauma, ihren Problemen helfen konnte, wissen Sie – soweit sie es eben konnten. Ich denke, das ist alles, Euer Ehren. Vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben.

Gericht: Danke.

Gabriel Beliz: Ich heiße Gabriel Beliz.

Gericht: Beginnen Sie.

Gabriel Beliz: Ich habe nicht im Voraus geplant oder eingeübt, was ich hier sage. Ich rede frei von der Leber weg. Ich glaube, mein Vater ist ein sehr liebevoller und treusorgender Mann. Ich habe eine Änderung an ihm gesehen. Ich bin sehr stolz, diesen Menschen zum Vater zu haben. Er hat vielen Menschen geholfen, ich kann sie alle gar nicht aufzählen.

Viele Leute wünschten, sie könnten hier sein. Ich spreche auch für sie, wenn ich sage, sie vermissen ihn, sie wünschten, er könne wieder bei ihnen sein. Ich nehme an, sie verstehen nicht, wie es bei Gericht zugeht.

Aber wenn ich Kinder hätte – und ich weiß, höchstwahrscheinlich wollte ich welche – dann würde ich sie wirklich meinem Vater anvertrauen. Wissen Sie, ich würde ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen, ihr Leben völlig in die Hände meines Vaters geben, und ich würde sogar so weit gehen, das auch von anderen Kindern oder Kindern anderer Eltern zu sagen. Ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass er für sie sorgen würde, und er würde für sie nicht und auch nicht für jemand anderen auf der Welt eine Bedrohung sein. Das ist im Grunde genommen alles, was ich zu sagen habe.

Er ist ein guter Mensch. Er ist liebevoll. Er gibt für jeden, der etwas braucht, sein letztes Hemd. Und ich hoffe, wie auch immer die Lage aussieht, dass diese Familie in der Lage ist, sich von dem Trauma, das sie erlitten hat, zu erholen.

Ich hoffe nur das Beste für jeden, und ich glaube, mein Vater denkt auch so. Ich weiß wirklich, dass er niemandem schaden möchte. Er hofft, nach alledem können alle wieder Freunde werden. Das war’s.

Gericht: Danke.

Gabriel Beliz: Danke.

Melissa Gonzales: Ich bin Melissa A. Gonzalez, und ich spreche für meinen Vater.

Gericht: In Ordnung.

Frau Gonzales: Ich möchte nur dasselbe sagen wie mein Bruder. Er ist ein großartiger Vater. Durch ihn ist unsere Familie stark und geeint. Ich würde ihm vertrauen. Wenn ich Kinder habe, werde ich ihm meine Kinder anvertrauen. Es tut mir weh, weil sie meine beste Freundin war, es tut mir weh. Ich weiß, dass das Lügen sind, und das tut am meisten weh. Aber mein Vater ist ein guter, liebevoller Vater, und ich vertraue ihm ganz meine Kinder an. Das ist alles, was ich zu sagen habe.

Kathleen Beliz: Kathleen Beliz. Euer Ehren, ich hatte nicht vor, hier vorne etwas zu sagen, weil ich nicht wusste, dass wir das könnten. Man hat mir gesagt, wir könnten es nicht. Als wir zur Beweisaufnahme kamen, habe ich gefragt und man hat uns bedeutet, der einzige, der bereit wäre, wäre wahrscheinlich Manuel, daher… Ich bin mit meinen Gedanken bei dieser Sache. Ich bin einverstanden mit dem, was John gesagt hat. Ich habe mit ihm gelebt. Ich wusste, dass irgendwann in den 1980er Jahren etwas nicht stimmte. Aber ich weiß auch, dass die Sache in den 1990er Jahren völlig anders aussah. Und es war so, wie John gesagt hat, er war ein anderer Mensch und er arbeitete äußerst hart daran, unsere Familie wieder aufzurichten. Also ganz offen: In den 1990er Jahren, als alles hochkam, hatten wir eine sehr – waren wir erfolgreich, und ich rede nicht von Geld, wir hatten vielmehr als Familie Erfolg. Und selbst jetzt würde ich ganz offen sagen, dass wir als Familie eine gute geistige Einheit bildeten, und das im Grunde genommen, weil er die Familie wieder aufgerichtet hat.

Er hat alles, was er in den 1980er Jahren getan hat, wiedergutgemacht. Er ist völlig vertrauenswert. Und ich möchte noch etwas hinzufügen. Entschuldigen Sie, Euer Ehren. Kurz bevor das alles im Mai letzten Jahres hochkam, es war der 5. Mai, dass er angeklagt wurde –  von Oktober an – das ist, als Erica ihre Klage einreichte – bis April und Mai waren sie und ihre Mutter sehr – sie führten eine Untersuchung unter unseren Freunden an. Sie nahmen Kontakt mit ein paar Freunden in Othello auf, und sie fragten herum, ob es da noch weitere Opfer gebe. Sie baten sie, noch weitere Opfer zu finden. Und eine der Personen, die an der Untersuchung teilnahm, sagte: „Wir waren so froh, dass wir keine weiteren Opfer fanden.“

Was ich damit sagen will, ist, sie befragten all die kleinen Mädchen, die in unser Haus gekommen waren. Und ich weiß, das ist wahr, weil – und sie stellten sicher, dass alle unsere Freunde davon erfuhren. Ich erinnere mich, wie ich einmal irgendwo hinging und unsere Freunde sitzen da und ihre kleine Tochter dreht sich herum und starrt uns mit so einem wissenden Blick an. Sie wussten also alle davon.

Aber ich denke, vielleicht könnte die Tatsache von Interesse für das Gericht sein, dass keines dieser kleinen Mädchen vortrat und sagte: „Ich war Opfer wie Erica.“ Das waren alles Mädchen von fünf, sechs, sieben, acht Jahren. Keines von ihnen kam vor oder hat seinen Eltern gesagt, es sei auch ein Opfer. Ich weiß also in meinem Inneren, dass er solche Dinge nicht tut, aber irgendwie war das eine Bestätigung dafür. All die Kinder, die davon wussten; all die Eltern, die davon wussten: keiner trat vor, weil es eben keine weiteren Opfer gab. So dachte ich – ich möchte nur, dass Sie wissen, wir vertrauen ihm. Wir vertrauen ihm von ganzem Herzen. Wir trauen ihm wegen der Tatsachen, die wir sehen. Wir hoffen, dass Sie das berücksichtigen, Euer Ehren. Danke.

Gericht: Noch jemand in der Familie, oder auch Freunde, die gehört werden möchten? Ja?

Lupe Verdes: Kann ich vortreten?

Gericht: Sicher.

Lupe Verdes: Mein Name ist Lupe Verdes, ich bin auch Manuels Bruder. Alles, was ich sagen will, wissen Sie, wir sind tief – auch als Mitglieder unserer Versammlung, als Ältester, der mit der Handhabung der Rechtssache nicht befasst sein kann, weil ich ein Verwandter bin. Trotzdem vertraue ich dem Rechtskomitee, das die Sache nach bestem Vermögen verhandelte, sehr. Und wir wissen, dass unter diesen Umständen, Euer Ehren, egal wie viel graues Haar wir auf dem Kopf haben oder Erkenntnis wir besitzen, jeder uns belügen oder eine Geschichte abändern kann. Aber in diesem Fall, es geschieht vor Gericht, es geschieht vor unseren Rechtskomitees, wenn wir – wenn wir versuchen, Fehlverhalten wie dieses zu (unhörbar). Ich möchte nur sagen, dass wir uns sehr bemühen, und wir geben unser Bestes, um die Grundsätze am Orte anzuwenden, egal wie schwerwiegend das Fehlverhalten ist. Und in diesem Fall fühlen wir uns sehr verletzt. Wie John White sagte, wissen Sie, wir fühlen uns sehr verletzt, dass die ganze Angelegenheit hier zu einem Höhepunkt kam. Aber wir sind – wir fühlen mit Erica und ihrer Familie und wir wünschen ihnen das Beste, und möge Gott ihnen helfen, bald wieder geistig gesund zu werden, und dass es irgendwie für sie weitergeht.

Und wir wissen, das ist ein dornenreicher Weg für Erica. Wir sind aufrichtig – wir meinen das so. Wir möchten, dass du bei deinem Mann bist und dass Gott deine ganze Familie segnet und ihr weitermacht im Dienst. Und für Manuel, wie die Sache aus ausgeht, wie Sie auch immer in der Sache entscheiden, wir wünschen ihm auch das Beste und dass er unter welchen Umständen auch das für ihn Mögliche tun kann. Und beide Familien sind großartige Familien. Wir kennen sie schon seit vielen Jahren. Nochmals, ich kenne Erica schon seit vor ihrer Geburt und Manuel natürlich mein Leben lang. Aber das ändert nicht viel daran, dass wir hoffen, dass alle – beide Familien irgendwie weitermachen und es ihnen gelingt, in der Zukunft wieder gesund zu werden. Danke.

Gericht: Noch jemand?

Melanie Beliz: Ich möchte gerne etwas sagen, Euer Ehren.

Gericht: In Ordnung, kommen Sie herauf.

Melanie Beliz: Und eigentlich fand ich die – ich wusste nicht einmal – das kam gerade in mir auf. Was das angeht –

Gericht: Würden Sie bitte Ihren Namen nennen?

Melanie Beliz: Ich heiße Melanie Beliz.

Gericht: In Ordnung.

Melanie Beliz: Was die Familie Garza angeht, ich habe sie nie gekannt, und als diese Beschuldigungen aufkamen, kannte ich die Familie Beliz noch nicht. Ich habe erst kürzlich geheiratet, und um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich habe noch nicht viel Zeit mit meinem Schwiegervater verbracht, aber aus der kurzen Zeit, die ich mit ihm sprechen konnte, weiß ich, dass er ein wunderbarer Mensch ist. Er liebt seine Kinder von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allem, was er hat. Er liebt seine Frau. Und wissen Sie, man braucht nur ein paar gute Menschen im Leben treffen, aber ich weiß, dass er einer der besten Menschen ist, die ich je traf. Und wissen Sie, meine Eltern – die konnten heute nicht hier sein, um ihn zu unterstützen, aber mein Vater mag ihn wie einen Bruder. Wir würden alles geben, um jetzt hier den Schmerz wegzunehmen.

Ich wollte nur kurz sagen, dass er einer der besten Menschen ist, die meine Familie je kennen gelernt hat, und wir mögen ihn wirklich, und wir hoffen auch das Beste für alle anderen Familien. Wir möchten niemandem Schaden zufügen. Aber ich wollte nur für Manuel sprechen und Ihnen sagen, als was für einen guten Menschen ich ihn in der kurzen Zeit kennen gelernt habe. Und das ist wirklich alles, was ich zu sagen hatte.

Gericht: Danke.

Melanie Beliz: Danke.

Gericht: Noch jemand? Ja.

Flores Gonzales: Mein Name ist Flores Gonzales. Ich würde gerne für mich selbst sprechen.

Ich kam in diese Familie und kannte Manuel nicht einmal, und ich verstehe seine Situation. Und wir konnten wirklich keine echte – die Rechtssache oder was immer in der Versammlung geschah, dieser Gemeinschaftsentzug erlaubte ihm wirklich nicht, Umgang in der Versammlung zu haben, und ich gehöre zu dieser Versammlung. So war ich wirklich nicht – hatte nicht die Art von Verhältnis zu ihm, die wir hätten haben sollen. Aber ich kenne Manuel seit der Zeit, als er wieder aufgenommen wurde, und er half uns bis in unsere Ehe oder in unserer Verlobungszeit, und er war ein sehr liebevoller Vater, ich weiß das. Er gab sich größte Mühe, das Beste zu tun, so viel wie er für uns tun konnte. Was nun diese Beschuldigungen angeht: Ich kann nicht sagen, dass ich ihnen glaube, weil Manuel seit unserer Bekanntschaft bis in unsere Ehe hinein ein anderer Mensch war, selbst jetzt, wenn ich mit ihm rede. Er möchte, dass wir – er möchte, dass ich – er sagt mir die ganze Zeit, ich solle – weil ich jetzt bei ihrer Familie bin – er möchte, dass ich auf sie aufpasse, und er möchte, dass ich sie in ihrem Glauben ermuntere, und dass sie stark sind. Das ist alles, worüber er mit mir redet, und ich weiß, dass ich genau das tun werde. Und ich habe einfach Vertrauen zu Manuel, und wenn ich einmal Kinder habe, weiß ich, dass ich sie bei Manuel lassen kann. Das ist alles, was ich sagen wollte.

Gericht: In Ordnung, danke.

Flores Gonzales: Danke.

Gericht: Noch jemand? Ja, gnädige Frau.

Ruth Renoso: Ich bin Ruth Renoso, Manuels Schwester. Ich bin mit meinem Bruder zusammen aufgewachsen, und ich muss zugeben, mein Bruder war – ist wirklich einer meiner Lieblingsbrüder von den sechsen, die ich habe.

Manuel war mehr wie ich, zurückhaltend, scheu, schüchtern. Ich glaube, darum habe ich ihn so gerne gemocht, weil wir so vieles gemeinsam haben. Ich habe meine Kinder bei meinem Bruder gelassen, und mein Andrew hat nie etwas davon gesagt, dass mein Bruder ihn angefasst oder missbraucht hätte. Tatsächlich hat mein Andrew, er ist fünf Jahre alt, er hat sogar gefragt, wann sein Onkel Chatto – er hat ihm den Spitznamen Chatto gegeben – wann er wieder nach Hause kommt. Ich habe gesagt, ich hoffe, bald. Ich hoffe wirklich, bald.

Ich weiß, dass er ein liebevoller Mensch ist. Er ist ein liebevoller Vater. Ich habe Freundinnen, die kannten meinen Bruder. Wir sind mit meinem Bruder Manuel immer Fahrrad fahren, und sie können diesen Anschuldigungen nicht glauben, die aufgekommen sind, weil (unhörbar). Sie sind sogar dankbar, weil Manuel ihnen das Fahrradfahren beigebracht hat. Und sie haben gesagt, ihnen sei nie etwas passiert. Sie unterstützen uns, und ich bin sehr froh darüber.

Aber ich weiß, wenn – nun, ich weiß, ich fühle mich so, als ob mein Bruder tot wäre, weil wir einen sehr liebevollen Bruder verlieren, aber ich hoffe, dass – nun, Gott stehe uns bei, und ich hoffe, er gibt uns wie auch Ericas Familie die Kraft. Es ist geschehen, und wissen Sie, ich hoffe alles – Gott vergibt, und ich hoffe, er wird meinem Bruder vergeben. Und ich weiß, dass er das hat, weil mein Bruder wieder in die Versammlung aufgenommen wurde. Und das ist alles, was ich zu sagen habe.

Gericht: Danke. Noch jemand?

Herr Beliz, Sie haben das Recht, noch einmal zum Gericht zu sprechen, ehe ich das Urteil verkünde. Gibt es etwas, das Sie mir sagen möchten?

Manuel Beliz: Ja.

Gericht: Dann beginnen Sie bitte.

Manuel Beliz: Zuerst, Euer Ehren, sehe ich ein, was ich damals vor neun Jahren getan habe. Ich war ein Christ. Mein Gewissen hat mich bewegt, das Rechte zu tun, Frieden mit den Garzas zu schließen. Ich habe alles in meiner Macht Stehende getan, um auch für sie die Dinge recht zu machen. Aber um für welche Schuld auch immer zu bezahlen, biete ich ihnen sogar alles an und schicke ihnen Geld, für welche Schuld auch immer.

Aber ich möchte auch sagen, Euer Ehren, dass ich hier in Othello schon 30 Jahre lebe. Von diesen 30 Jahren war ich 20 Jahre lang selbständig. Ich habe im Gebiet von Othello die letzten 20 Jahre lang mein Geschäft betrieben, und während der 20 Jahre meines Geschäftsbetriebs in diesem Gebiet begegneten mir immer zwei oder drei Polizeibeamte. Sie wussten also sehr gut, wo ich in diesen 20 Jahren war. 18 Jahre lang war im Rathaus neben der Polizeistation eine Kopie meines Gewerbescheins, die meisten wussten also, wer ich war und wo ich mein Geschäft betrieb, meinen Dienst in der Umgegend von Othello versah. Und in diesen 20 Jahren hatte ich, glaube ich, 12 oder 15 Jahre lang eine weitere Arbeit am Tag. Ich musste also zu zwei Arbeitsstellen gehen, viel Zeit, um für meine Familie zu sorgen. Nun möchte ich noch etwas hinzufügen: Abends oder nachts gehen meine Frau und ich spazieren. Und wieder waren da ein oder zwei (unhörbar), die uns immer über den Weg liefen. Was ich also sagen will, Euer Ehren: Mein Leben spielte sich immer in der Öffentlichkeit ab, aber wieder tat ich mein Bestes, um Frieden zu halten. Nun bin ich immer noch als Mitglied mit den Zeugen Jehovas verbunden. Sie haben all das gehört, was – was jeder von ihnen sagte, stimmt.

Worum ich Sie also bitte, Euer Ehren, ist, dass Sie diese aufrichtigen Bemühungen mit berücksichtigen. Ich möchte auch sagen, dass ich immer noch bereit bin, bis zu diesem Augenblick alles wieder gutzumachen. Und ich will auch sagen, Euer Ehren, dass ich zu keiner Zeit ein Sexualtäter oder ein Raubtier gewesen bin. Etwas, das ich erwähnen möchte, da mein Fall vor etwa einem Jahr durch die Zeitungen ging, nicht nur in Othello, sondern auch in Moses Lake, bis zum Gebier der drei Städte, und da ist kein einziger vorgetreten und hat gesagt: Ja, der Kerl ist ein Sexualtäter. Das weiß ich genau. Was ich also sagen will, Euer Ehren, ich bin keine Bedrohung für die Gesellschaft. Danke, Euer Ehren.

Herr Morgan: Wenn ich noch einen Punkt ansprechen darf, Euer Ehren?

Gericht: Bitte.

Herr Morgan: Das wurde während der Zeugenaussage von Frau Garza aufgeworfen, und das bezieht sich auf den Anruf der Polizeibehörde von Sacramento, die auf Antrag vom Gericht ausgeschlossen worden war. Damals habe ich sie nicht unterbrochen, aber dieser Anruf, Euer Ehren, war im Grunde genommen ein Anruf aus List, und ich denke, unter den gegebenen Umständen sollte das Gericht das berücksichtigen. Es war kein Anruf mit der Bitte um Entschuldigung, sondern die Polizei hat hier angerufen, um zu sehen, ob sie im Verlauf des Gesprächs ein Geständnis von Herrn Beliz bekäme.

Herr Scott: Euer Ehren, mit Erlaubnis des Gerichts könnte ich ein paar abschließende Bemerkungen Bitte ahead.

Herr Scott: Ein paar Dinge, Euer Ehren. Ich war mit einem Klienten gesegnet, der ein Zeuge Jehovas war, wie auch damit, diesen Leuten allen begegnet zu sein, und so glaubte ich, ich hätte ein Interesse daran zu erfahren, was da vor sich geht. Ich habe mit meinem Klienten in Bezug auf den Vorgang gesprochen, in dem die Kirche ihre Mitglieder bestraft, und ich habe folgendes entdeckt:

Es werden drei Leute ernannt, und sie kommen mit demjenigen, der von der Kirche bestraft werden soll, zusammen. Die Folge dieses Zusammenkommens ist ein Gemeinschaftsentzug. Sie erinnern sich, wir hatten einige Aussagen hier darüber, was da zulässig ist und was nicht, aber darauf kommt es eigentlich nicht an. Worauf es ankommt, ist: Um wieder aufgenommen zu werden, musste er seine Tat vor der Kommission zugeben und sich bei dem Opfer entschuldigen und die Sache wieder gutmachen, hauptsächlich auf seelischem Gebiet.

Und Erica weist mich darauf hin, dass er sich bei den Eltern entschuldigt hat. Nicht bei ihr. Warum ich das Gericht darauf aufmerksam mache? Natürlich weil er, wie Sie gehört haben, wieder in seine Kirche aufgenommen wurde, und das bedeutet, er musste vor der Kirche seine Tat eingestehen. Ich war bei dem Vorgang nicht zugegen, also weiß ich nicht, wie er das dargestellt hat, aber ich vermute, dass er da vielleicht nicht ganz ehrlich war.

Ich habe nach einem Hinweis eines Klienten, von dem ich zuvor sprach, einiges gelesen, und da finde ich ein paar Dinge. So ist das Bestrafen bei den Zeugen Jehovas ein zweistufiger Vorgang. Einmal führt die Kirche ihre eigene Bestrafung aus, aber dann machen sie in ihren Schriften sehr deutlich – die Konsequenzen aus – soll ich sagen, vom Standpunkt eines Laien aus, von unserem Standpunkt aus, vom Standpunkt der Sekte aus, dass dennoch deutlich gesagt wird, dass derjenige auch der Bestrafung durch ein Gericht unterliegt. Man sagt ihnen in ihren Schriften, das sei eine selbstverständliche Konsequenz, und die Kirche mischt sich da kein bisschen ein. Eigentlich gehen sie sogar soweit, das für gut zu befinden. Es insofern gut zu finden, als es die natürliche Folge ist, und  dass es – da gibt es die Strafe durch Gott, die verhängt die Kirche, und dann gibt es die weltliche Strafe, die verhängen Sie, Euer Ehren. Soweit, so gut, wie es die Kirche betrifft. Ich respektiere Herrn White, und ich denke, er stimmt mir zu, dass das genau die Haltung der Kirche ist.

Es sei fern von mir, als Sachverständiger aufzutreten. Ich spreche, soweit es dies betrifft, ganz vom anderen Ende des Spektrums, aber die Tatsache, dass die Kirche vielleicht mit dem zufrieden war, was Herr Beliz tat, spricht wohl, denke ich, für den guten Glauben. Aber ich weiß nicht, ob das etwas an der Strafe ändern wird, die unter den gegebenen Umständen angemessen ist.

Anscheinend, Euer Ehren, um auf den Beweisaufnahmebericht zu sprechen zu kommen, der herausgegeben wurde – da war eine Aussage im letzten Absatz, und ich bin – ich habe beim besten Willen immer nach den Seitenzahlen in diesem Ding gesucht, es hat eine Faxnummerierung – und da haben wir es, es ist Seite 3.

Gericht: Die Zahlen da am Seitenende sind so klein, dass ich sie selbst mit meiner Lesebrille nur schwer finden kann.

Herr Scott: Ich erhielt gestern meine AARP-Karte mit der Post und habe ganz naiv meine Brille beiseite gelegt. Ich dachte, eine Beleidigung sei genug.

Aber da unten auf der Seite heißt es, dass der Fall von zwei weiteren Opfern, die in den Polizeiberichten vermerkt sind, nicht zur Anklage kam. Die Schwestern leben Yakima, und nur eine von ihnen war in der Lage, mit der Polizei über ihre Begegnung mit dem Angeklagten zu reden.

Was ich also Herrn Beliz und den Rest seiner Familie über das Abkämmen der Gemeinde, ob es weitere Vorfälle gab oder nicht – da gibt es einen Vorfall, der im Untersuchungsbericht erwähnt wird, wo ausdrücklich von weiteren Opfern die Rede ist. Und, Euer Ehren, ich meine, es wäre doch wohl ungewöhnlich, wenn das nicht so wäre, wenn es keine weiteren Opfer gäbe.

Dann, Euer Ehren, komme ich zum Prozessverlauf selbst und erinnere mich, dass Herr Beliz heute vielleicht zum ersten Mal zugegeben hat, was Sie dem Beamten zuvor gesagt haben: wenn der Richter ihn nämlich fragte, dann müsse er wohl zugeben, dass alles stimmt. Das halte ich ihm zugute.

Andererseits, Euer Ehren, bemerkte ich die Handlungsweise der Parteien während des Prozesses, und ich bin sicher, Sie auch. Eine dieser Handlungsweisen, die mir im Sinn blieb, Euer Ehren, ist die Tatsache, dass Frau Beliz ins Gefängnis ging, und das war, nachdem sie sich mit Herrn Beliz und nicht mit Herrn Morgan darüber besprochen hatte, ob ihre Aussage der Jury angeboten werden sollte oder nicht. Ich kann Ihnen den Zusammenhang, in dem dieses Gespräch stattfand, nicht nennen. Ich habe nur bemerkt, wie Frau Beliz mit ihm sprach, und dann hat man entschieden, sie solle keine Aussage machen.

Das ist natürlich sein gutes Recht. Aber wenn ich die Dinge in weiterem Rahmen betrachte, Euer Ehren, dann sehe ich den Schaden, den dieser feine Herr mit seinem Verhalten angerichtet habe, nicht nur für seine eigene Familie und die Familie Garza, sondern weit darüber hinaus. Und es ist dieses Verhalten, Euer Ehren, von dem ich glaube, dass es sträflich ist.

Ich wage es nicht, ihn als Monster zu bezeichnen. Ich glaube nicht, dass das ein Begriff ist, der hier angemessen ist. Aber ebenso, Euer Ehren, werde ich nicht sagen, dass er ein fehlgeleiteter Herr ist, dem jetzt ein Licht aufging und der 10 oder 15 Jahre lang ein guter Mensch war. Seine eigene Kirche sagt, er müsse für seine Verbrechen bestraft werden, und wir beantragen, dass er bestraft wird. Wir beantragen auch, dass Sie ihn außergewöhnlich hoch bestrafen.

Um seiner eigenen Familie willen – wie ich sage, dass ich den Zusammenhang des Gespräches nicht kenne, aber ich sah, wie Familienangehörige als Ergebnis des Verhaltens bestraft wurden, und ich sehe, wie seine eigenen Familienangehörigen bestraft werden, weil er sich weigert, ein Geständnis abzulegen. Und aus dem Grunde, Euer Ehren, meine ich, dass das seine wahre Haltung mehr als alles andere verrät.

Gericht: Das Gericht hat alle Informationen betrachtet, die mir heute vorgelegt wurden. Ich habe auch die Memoranden in Erwägung gezogen, die die Anwälte der Parteien zur Erhärtung ihrer Position eingereicht haben, und das Gericht erwägt auch alle Beweise, die ihm vorgelegt wurden.

Ehe ich das Urteil verkünde, möchte ich ein paar Anmerkungen machen. Herr Scott weist darauf hin, dass der – dass  das Verhalten von Herrn Beliz in den 1980er Jahren bis, ich glaube, 1990 nicht nur seiner eigenen Familie, sondern offensichtlich auch dem Opfer und ihrer Familie Schaden zugefügt hat, und ich denke, das wird aus den Aussagen der heute hier aufgetretenen Personen deutlich. Das ist nicht – diese Art von Fällen neigt dazu, allen denen ein weites Spektrum von Strafen aufzuerlegen, die nicht nur dem Opfer, sondern auch dem Angeklagten lieb und teuer sind, etwas, das dieser Art von Fällen eigen ist.

Es ist nicht besonders ungewöhnlich, wenn ein Angeklagter die Tat nicht zugibt, wie die Anwälte und das Gericht sicher wissen, es die anderen Anwesenden im Gerichtssaal vielleicht aber nicht wissen. Die meisten von Ihnen hatten wahrscheinlich nicht mit dieser Art von Fällen zu tun, aber es ist eine recht übliche Situation, wenn der Täter seine Tat abstreitet.

Und ich denke, diejenigen von uns, die zu Seminaren und Therapeuten usw. gegangen sind, lassen erkennen, dass das sehr üblich und eines der schwierigeren Dinge ist, alt zu werden, ehe man eine wirkungsvolle Behandlung erreichen kann.

Dieser Fall bietet also nichts, das ungewöhnlich wäre. Indem ich das sage, mindere ich keinesfalls das, was hier geschehen ist und was die Jury befand, das hier geschehen ist, aber ich möchte Sie alle darauf hinweisen – es wird Sie zwar nicht erleichtern, aber ich sage es trotzdem – dass das Szenario, das sich hier bot, für diese Art von Fällen recht üblich ist.

Was den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Erlass einer außergewöhnlich hohen Strafe angeht, so denke ich, wir sind uns alle bewusst, dass es handfeste und zwingende Gründe geben muss, damit ein Gericht eine außergewöhnlich hohe Strafe ausspricht. Unter unseren von der Legislative gesetzten Strafmaßstäben ist das Kriterium dafür beispielsweise ein Verhalten, das die Menschen – insbesondere Laien – so verwerflich finden, dass es bei der Festsetzung des Strafmaßes in Erwägung gezogen wird, und – ich denke eindeutig – was der Strafrahmen ist.

Und das ist hier eindeutig der Fall. Wir haben mit der Zeit eine recht bedeutsame Zunahme der Strafen von damals, als das geschah, bis heute erlebt. Der Gesetzgeber hat bei mehr als einer Gelegenheit das Thema sexuelle Übergriffe gegenüber Kindern aufgegriffen und es als angemessen angesehen, und ich denke, mit guten Gründen, das Strafmaß zu erhöhen.

Was das Argument der besonderen Verletzlichkeit angeht, meine ich nicht, dass es in diesem Fall zutrifft. Das zielt eindeutig auf Personen im zarten Alter ab. Die Staatsanwaltschaft bringt hier ein neuartiges Argument vor, aber das Opfer ist ganz klar nicht in der Weise behindert, wie jeder von uns diesen Begriff versteht.

Es besteht kein Zweifel, dass es Aussagen gibt, die den Gedanken nahe legen, dass es da –dass das über einen erheblichen Zeitraum hinweg geschah. Doch die Jury hörte die Aussagen und fand vier Vorfälle, von denen sich zwei im Grunde am selben Tag ereigneten. Mit anderen Worten: Die Belästigung bzw. die Vergewaltigung des Kindes ereignete sich als fortgesetzte Handlung.

Das Fehlen von Reue scheint für das Gericht ebenfalls eine falsche Fährte zu sein. Mir scheint, wenn man dieses Argument aufgreifen würde, hieße das, es würde in fast jedem Fall zutreffen, wo ein Angeklagter auf unschuldig plädiert, und es würde erfordern, dass die Staatsanwaltschaft den Fall über jeden vernünftigen Zweifel erhaben beweisen müsste.

Ich meine, Nichtjuristen haben damit manchmal ein Problem, weil sie es einfach nicht verstehen. Auf unschuldig plädieren heißt nicht unbedingt, die Tat abzustreiten. Auf unschuldig plädieren ist im Grunde genommen eine Herausforderung für die Staatsanwaltschaft, den Fall über jeden vernünftigen Zweifel erhaben zu beweisen.

Es heißt nicht notwendigerweise, dass der Täter die Tat nicht begangen hätte; er hat das Recht, das verfassungsmäßige Recht, diese Position einzunehmen. Und ich denke ganz klar, es wäre unangebracht, das gegen den Angeklagten zu verwenden, weil der auf einem Recht besteht, das jeder von uns, der hier in den Vereinigten Staaten von Amerika lebt, hat.

Es gibt keinen Zweifel, dass ein Vertrauensmissbrauch vorliegt, so wie wir diesen Begriff verstehen. Die Beziehungen der Familien untereinander waren eindeutig ein Faktor, aber wie ich den Staatsanwalt hier erkennen ließ, scheint mir, dass das eher ein Faktor in der umgekehrten Situation ist.

Ich finde hier keinen Mangel an Reue, nicht so wie das viele Berufungsgerichte untersucht haben. Aus den eben genannten Gründen zu schweigen und auf seinen verfassungsmäßigen Rechten zu bestehen ist kein angemessener Grund, eine Strafe zu erhöhen.

Über die künftige Gefährlichkeit habe ich mich bereits ausgelassen. Die fehlt hier eindeutig, so wie der Fall Post, Staat gegen Post, es nahe zu legen scheint, zumindest weisen dort die Tatsachen auf Vorstrafen, und ein Gutachter bestätigte, dass der Angeklagte nicht therapierbar war. Keinen dieser Faktoren haben wir hier.

Das Fazit aus einem außergewöhnlichen Urteil – und das sollten die Gerichte zwar erwägen, tun es aber wohl nicht immer – ist, die besonderen Faktoren eines Falles zu erwägen. Ist ein Fall soviel entsetzlicher, dass er ein Überschreiten des Standardstrafmaßes durch das Gericht rechtfertigt? Ich meine, in diesem besonderen Fall muss die Antwort „Nein“ heißen.

Ich betone nochmals, das soll nicht heißen, dass die Fakten in diesem Fall nicht schwerwiegend sind. Ich denke, das sind sie. Aber in Fällen wie diesem sind sie das zweifellos immer.

Und das Gericht – ich weise nur darauf hin, dass in den meisten Fällen wie diesem eine Strafe im üblichen Rahmen ausgesprochen wird, wenn es keine besonders widerwärtigen Umstände gibt – das Gericht hat sich den Katalog der Kommission für die Festsetzung von Strafrahmen für das Jahr 1997 angesehen. Und da sehe ich, dass im Bundesstaat – dass von 134 Urteilen im Bundesstaat Washington im vergangenen Jahr – die Kommission datiert von Juli 1990 bis 27.Juli 1997 – 12 Fälle oberhalb von 10% lagen; und vor 1970 ist das bei Vergewaltigung eines Kindes, was teilweise dieser Fall ist, ein Fall von sechs, das sind 16%..

Bei sexueller Belästigung von Kindern liegen die Zahlen noch niedriger. Bei sexueller Belästigung eines Kindes nach 1970 sind das, lassen Sie mich sehen, letztes Jahr 199 Fälle, und nur bei acht Fällen gab es unüblich hohe Strafen. Vor 1970 waren es acht und nur einer.

Ich meine also, das weist das Gericht und hoffentlich auch alle Anwesenden darauf hin, dass eine ungewöhnlich hohe Strafe etwas ist, das man nicht auf die leichte Schulter nimmt. Sie muss im Lichte aller Fälle im Bundesstaat Washington gesehen werden und kommt nur in Frage, wenn man sagen kann, dass die Fakten des Falles so widerwärtig sind, dass sie alle bis auf ein paar einzelne übersteigen – oder ein paar Fälle, die im ganzen Staate Washington entschieden wurden. Und ich glaube nicht, dass das Gericht das in diesem Fall ehrlich sagen kann.

Der Strafrahmen für die Anklagepunkte 3 und 4 liegt bei 62 bis 82 Monaten. Die Strafe für die Punkte 3 und 4 wird bei 82 Monaten festgesetzt. Der Strafrahmen für die Punkte 4 – Entschuldigung, 5 und 6, liegt bei 102 bis 136 Monaten. Das Gericht verhängt hiermit 136 Monate. Die Einzelstrafen werden zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst.

Zusätzlich wird das Gericht weitere Dinge aussprechen, mit den Taten in Beziehung stehende Verbote, Urteilserfordernisse und die Bedingungen für eine gemeinnützige Arbeit von 1 bis 10, wie bei der Beweisaufnahme hingewiesen. Zusätzlich werden 24 Monate gemeinnütziger Arbeit verhängt.

Ich möchte dem Angeklagten dringend raten, eine Therapie, die der Staat Washington bietet, zu beginnen. Das Gericht war dort. Ich habe an Seminaren über den Therapieprozess teilgenommen, und solche Therapien sind bemerkenswert erfolgreich. Das ist natürlich Ihre Entscheidung, und ich kann Sie nicht dazu zwingen, aber ich will Ihnen doch nahe legen, dass das sehr vorteilhaft für Sie wäre. Zusätzlich wird noch eine Opferentschädigung von 500 Dollar für einen späteren Zeitpunkt festgesetzt. Ich glaube nicht, dass die Staatsanwaltschaft eine von diesen Informationen zum heutigen Zeitpunkt hat, nicht wahr?

Herr Scott: Nein, Euer Ehren. Wir haben es nicht geschafft – 45 Tage, Euer Ehren – es tut uns leid.

Gericht: Jetzt 180. Es gibt keine Geldstrafe, und die Gerichtskosten werden die normalen plus den Anwaltsgebühren sein, und ich werde die Geschäftsstelle des Gerichts ermächtigen, die Beträge zusammenzurechnen und in den Vollzugsbescheid setzen. Haben Sie eine Urteilsvollstreckung?

Herr Scott: Entschuldigung, Euer Ehren, nein. Ich glaube nicht, dass Herr Sandhaus eine den Akten beigelegt hat.

Gericht: In Ordnung.

Herr Scott: Ich weiß, dass der Angeklagte bei der Ausführung zugegen sein muss, und ich will schnell nach unten laufen und sehen, dass wir das geregelt bekommen.

Gericht: Ich möchte, dass das heute noch geregelt wird, und zwar aus einer ganzen Zahl von Gründen. Nicht der geringste ist, dass wir in der Vergangenheit Situationen hatten, wo wir das nicht in einem Tag geregelt bekamen, und dann  wurde das irgendwie zurückgestellt, und einen Monat später oder so hatten wir immer noch keine Urteilsvollstreckung bei den Akten. Und ich möchte nicht, dass das passiert, denn ehe Herr Beliz offenbar ins Gefängnis verbracht wird, brauchen wir eine Urteilsvollstreckung. Herr Olin, Sie wollten den Untersuchungsbericht noch einmal überarbeiten?

Herr Olin: Ja.

Gericht: In Ornung.

Herr Olin: Wir werden das Datum korrigieren und versuchen, dass Sie ihn morgen Nachmittag wieder zurückhaben.

Gericht: Gut.

Herr Scott: Und, Euer Ehren, ich werde dafür sorgen dass der Vollzugsbescheid ausgefertigt wird.

Gericht: Nun, Herr Beliz, ehe wir weitermachen, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Sie das Recht haben, Berufung einzulegen. Wenn innerhalb von dreißig Tagen ab dem Eingang des Urteils kein Berufungsantrag bei der Geschäftsstelle des Gerichts eingeht, wird die Sache so angesehen, dass Sie unwiderruflich auf Ihr Recht auf Berufung verzichtet haben. Wenn Sie keinen Anwalt haben, der für Sie den Berufungsantrag aufsetzt, wird die Geschäftsstelle des Gerichts, wenn Sie darum ersuchen, für Sie einen Berufungsantrag aufsetzen. Wenn Sie sich die Kosten einer Berufung nicht leisten können, haben Sie auf Kosten der Öffentlichkeit das Recht auf einen Pflichtverteidiger, der Sie bei der Berufung vertritt und Teile des Verfahrens protokolliert, damit sie später auf Fehler durchgesehen werden können. Verstehen Sie das?

Manuel Beliz: Ja.

Gericht: In Ordnung. Wenn ja, übergebe ich Ihnen eine schriftliche Rechtsbelehrung über Ihr Recht auf Berufung, und ich möchte, dass Sie und Ihr Anwalt sie unterschreiben.

Herr Morgan: Mit der Rückgabe der Belehrung, Euer Ehren, übergebe ich auch einen Antrag und eine eidesstattliche Versicherung der Bedürftigkeit.

Gericht: Richtig.

Herr Morgan: Wie das Gericht weiß, war ich mit diesem Fall beauftragt, doch zu diesem Zeitpunkt hat Herr Beliz im Prinzip alle Geldmittel erschöpft, und er bittet das Gericht, eine Ernennung eines vom Gericht bestellten Anwaltes für die Berufung zu erwägen. Ich würde bei diesem Fall bleiben, wenn das Gericht dies unter allen Fakten und Umständen verfügt.

Gericht: Nun, ich glaube, das wäre das Richtige. Sie sind eindeutig am meisten mit dem Fall und den zahlreichen Punkten aus den außergerichtlichen Anträgen vertraut, und dieses – mit dem Prozess in dieser Sache und auch den Verfahren zur Urteilsfindung. Ich denke, das wäre richtig, und ich werde die Verfügung unterschreiben.

Herr Morgan: Wenn ich noch einmal vortreten dürfte, würde ich die Berufung gleich jetzt einreichen. Auch wenn ich weiß, dass der Vollzugsbescheid noch nicht unterzeichnet ist, Euer Ehren, habe ich, damit ich nicht noch mehrmals kommen muss, einen Antrag auf Erlass einer Entlassung aus der Haft wegen der Berufung eingereicht, zusammen mit einem Begleitbrief an die Behörden. Nun weiß ich nicht, ob Herr Scott sich darum gekümmert hat oder nicht, oder wo das ihn betrifft. Vielleicht will das Gericht heute auch nicht darüber befinden.

Gericht: Nein, dass will ich nicht. Ich glaube, ich wies am Freitag bei unserer Nottelefonkonferenz auf die Möglichkeit hin, wenn die Staatsanwaltschaft darauf erwidern wolle, brauche sie dafür vielleicht zusätzliche Zeit. Ist das der Fall?

Herr Scott: Natürlich, Euer Ehren, ich war da nicht zugegen.

Gericht: Ja, das habe ich mir schon gedacht.

Herr Scott: Ich habe mir also die Vorschrift 10.64.025 vorgenommen, die das Gericht zur Zeit der Verurteilung angewandt hatte, und ich hatte nicht die Möglichkeit, mir den Schriftsatz der Verteidigung anzusehen. Und das würde ich doch zumindest gerne tun, ehe ich darauf antworte. So aus dem Stegreif, Euer Ehren, würde ich sagen, das Gesetz lautet – die Worte sind ganz und gar nicht  ungenau. Mir scheinen sie ziemlich klar zu sein, und das heißt Haft.

Herr Morgan: Und was – weil Herr Scott nicht das Vorrecht hatte, das Memorandum zu lesen, weise ich darauf hin, dass darin steht, als das Gesetz erlassen wurde, sei es an eine finanzielle Vorkehrung gebunden worden, in der es heißt, das Gesetz sei null und nichtig, wenn die finanzielle Vorkehrung nicht verabschiedet würde. Deshalb – vielleicht möchte er, Euer Ehren, mehr Nachforschung treiben. Worum ich also ersuche –

Herr Scott: Das Fazit ist, es steht doch in Ihrem Ermessen, Euer Ehren –

Herr Morgan: Ja, das ist richtig.

Herr Scott: – und ich denke, das gilt unter allen Umständen.

Gericht: Ich bin sicher, dass das so ist.

Herr Morgan: Ja.

Herr Scott: Unter allen Umständen, Euer Ehren, wenn es – wenn es eine Verurteilung gab und das Urteil auf Gefängnisstrafe lautet, dann sollte es einen zwingenden Grund geben, warum der Angeklagte seine Haftstrafe nicht antreten sollte. Und ich wage zu sagen, Euer Ehren, dass ich denke, eine der vielleicht unausgesprochenen Erwägungen des Gerichts ist vielleicht der Erfolg einer Berufung. Ich verstehe, dass es da einige Dinge gegeben hat, an denen ich nicht beteiligt war, Euer Ehren, aber ich meine, Sie mit Ihrem guten Urteilsvermögen haben die meisten Probleme, über die sich Herr Morgan beklagt hat, beseitigt – vielleicht leider.

Gericht: Ja, wir wollen hoffen, dass ich das getan habe.

Herr Scott: Und so dass ich – ich möchte argumentieren, dass hier bei einem Urteil wie diesem wohl Fluchtgefahr besteht. Ich denke, jedem vernünftigen Menschen käme zumindest das in den Sinn. Und wer solch eine Haft antreten muss, mag ein bisschen mutiger sein als jemand anderer. Ich sehe das als einen Punkt an.

Es ist besonders bedeutsam für die Berufung, dass der Angeklagte für Herrn Morgan bei der Aufsetzung der Berufung greifbar ist, weil das nicht ins Protokoll kommt, zumindest nicht am Anfang. Und ich habe die Tatsache im Sinn, Euer Ehren, dass mir scheint, den Fehlern, die wir vor meiner Beteiligung an dem Fall begingen, wenn es überhaupt welche gab, wurde von Ihnen abgeholfen, und das war – ich nehme Ihre Bemerkungen zu der Zeit, als die Entscheide getroffen wurden, zur Kenntnis. Und wenn sie an mich gerichtet gewesen wären, ich wäre ihnen ausgewichen, aber ich denke, Sie haben ihnen abgeholfen.

Herr Morgan: Euer Ehren, ich könnte heute Argumente vorbringen, aber ich meine, da Herr Scott keine Gelegenheit hatte, das Memo zu lesen, wäre es nur fair, die Sache auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ich möchte nur darum ersuchen, wenn das Gericht den Zeitpunkt festlegt, dass wenigstens die Haftanstalt zu diesem Zeitpunkt angewiesen wird, Herrn Beliz nicht nach Shelton zu schicken, bis wir diese Entscheidung haben, weil es nur doppelte Mühe wäre, ihn wieder hierher zurückbringen zu lassen.

Herr Scott: Ich denke, Euer Ehren, wir werden jetzt einen Vollzugsbescheid schreiben. Sicher ist jemand im Büro, der das tun kann, während ich den Schriftsatz lese, und dann können wir heute Nachmittag wieder zusammenkommen und die Sache ansprechen, wenn das Gericht –

Gericht: Das geht in Ordnung. Wenn Sie das tun wollen, geht das in Ordnung. Ich würde Ihnen noch mehr Zeit einräumen, wenn Sie glauben, dass sie sie benötigen –

Herr Scott: Nun, ich werde mich da ganz nach dem Gericht richten.

Gericht: Herr Beliz wird beim Sheriff von Adams County in Untersuchungshaft gehalten.

Herr Morgan: Da gibt es noch einen Punkt, den, so glaube ich, sich das Gericht vorgenommen hatte, und ich weiß nicht, wie das Gericht jetzt darüber denkt. Das war das Ersuchen um Anwaltsgebühren nach Antrag CR-11, das das Gericht sich je nach Ausgang des Prozesses und Ausfallen des Urteils vorbehalten hatte. Ich möchte das Gericht nur daran erinnern, dass das noch ruht.

Gericht: Das mussten Sie tun, nicht wahr? In Ordnung.

Herr Morgan: Ich glaube, wir haben darüber gesprochen, und Sie behielten es sich vor, Euer Ehren, und ich warte auf die Entscheidung des Gerichts darüber, aber es ist meine Pflicht, das zur Sprache zu bringen, auch wenn –

Gericht: Ich verstehe.

Herr Scott: Ich denke, Euer Ehren, angesichts der guten Atmosphäre hier, derer ich mir zumindest bewusst war, liefen die Dinge, die hier im Prozess vorgebracht wurden, reibungslos, und das sollte in diesem Fall der Staatsanwaltschaft gutgehalten werden. Das mag recht zufällig so sein, aber es war doch der Fall. Und ich meine, wenn das Gericht grobes Verhalten strafen wollte, dann könnte das dem Antrag von Herrn Morgan den Boden unter den Füßen wegziehen, aber ich meine doch, dass das Problem sich – zumindest im Zusammenhang mit diesem Fall – von selbst erledigt hat. Ich weiß, das Gericht schaut nicht auf künftiges Verhalten, aber vielleicht auf früheres Verhalten.

Gericht: Nun, ich denke wirklich, das Verhalten, über das sich Herr Morgan beklagt hat – im Wesentlichen das des Staatsanwaltes – war schon töricht. Ich bin mir nicht so sicher, dass es leichtsinnig war. Ich glaube, ein paar Dinge vor dem Prozess waren – haben nicht viel Sinn ergeben, aber im Lichte der Geschehnisse und im Lichte der Bemühungen des Gerichtes, diesen Fall dorthin zu bringen zu versuchen, wo er hingehört, wäre ich etwas widerstrebend, zu finden, diese Handlungsweise sei leichtsinnig.

Herr Morgan: Ich möchte darum ersuchen, Euer Ehren, dass die Staatsanwaltschaft eine Verfügung aufsetzt, damit, wenn Herr Beliz nach einer Beratung diesen Punkt in der Berufung ansprechen möchte, wir das ebenfalls tun können.

Gericht: Richtig. So wird entschieden. Danke.

(Schluss der Sitzung)

 STATE OF WASHINGTON, COUNTY OF SPOKANE

Ich, Terry Sublette, öffentliche Notarin im und für den Staat Washington,

BESTÄTIGE HIERMIT: Das oben Stehende ist eine Mitschrift nach bestem Wissen und Gewissen der elektronischen Vier-Kanal-Aufnahme der Sitzung zur Zeit und am Ort wie auf Seite 1 angegeben; dass die Zeugen vom Gericht vereidigt wurden, die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen und daraufhin die oben aufgeführten Antworten gaben; dass ich mit keiner der Parteien dieses Prozesses verwandt bin und kein persönliches Interesse am Ausgang des Prozesses habe. Besiegelt am 25. März 1999.

Öffentliche Notarin für den Staat Washington

Vollmacht bis zum 22.08.2002

SUBLETTE AUDIO/VIDEO, South 169 Stevens, Spokane, WA (509) 928-1217