BEZIRKSGERICHT
DES BUNDESSTAATES WASHINGTON, ADAMS COUNTY
Nr.97-1-00049-1
App. No.17779-3-III
Ritzville, Washington, 24. August
1998
BUNDESSTAAT
WASHINGTON, Kläger
gegen
MANUEL
BELIZ, Angeklagter
WÖRTLICHER
PROZESSBERICHT
HAUPTVERHANDLUNG
Vor
dem Richter Richard W. Miller, Bezirksrichter
ERSCHIENEN:
Auf
Seiten des Klägers: STAATSANWALT von ADAMS COUNTY, David M. Sandhaus, Anwalt
210 West Broadway
Ritzville, Washington 99169
Auf
Seiten des Angeklagten: DENNIS W. MORGAN, Anwalt
120 West Main
Ritzville, Washington 99169
Protokollführerin: Terry Sublette
169 South Stevens
Spokane,
Washington 99201
Tonmitschnitt
des Prozesses, Übertragung durch Protokolldienst.
Gericht: Sind die
Parteien in der Sache Staat Washington gegen Manuel Beliz bereit?
Staatsanwalt: Euer
Ehren, die Staatsanwaltschaft ist bereit.
Herr
Morgan: Die Verteidigung ist auch bereit, Euer Ehren.
Gericht: Gut.
Heute morgen geht es hier um ein Urteil gemäß vorheriger Anordnung des
Gerichts. Zuerst, Herr Morgan, haben Sie die Beweisaufnahme durchgesehen?
Herr
Morgan: Ja, Euer Ehren.
Gericht: Gibt es
in diesem speziellen Dokument Tatsachen, an denen Sie Anstoß nehmen und
von denen Sie möchten, dass die Staatsanwaltschaft sie beweist?
Herr
Morgan: Ja, Euer Ehren. Der Staat – Herr Scott und ich haben dieses
Dokument im Wesentlichen durchgesprochen, und es sind Fehler darin. Es ist
unser Standpunkt oder zumindest mein Standpunkt, dass ich das Gericht heute
morgen auf diese Irrtümer hinweisen und das dann der Entscheidung des Gerichtes
überlassen werde, obwohl ich die Bitte stellen möchte, dass es protokolliert
wird und so zu den Akten von Herrn Beliz kommt. Wir möchten da schon so genau
wie möglich sein.
Gericht: Nun, ich habe eingangs festgestellt, dass
die Zahl der Verbrechen, derer er überführt wurde – ich meine, das ist
wahrscheinlich das Deutlichste. Es ist nicht genau. Und es scheint mir, das war
auch in einer der früheren Denkschriften der Staatsanwaltschaft enthalten.
Herr
Morgan: Ich glaube –
Staatsanwalt: Das ist
richtig, Euer Ehren.
Herr
Morgan: – das ist richtig, Euer Ehren.
Staatsanwalt: Meiner
Erinnerung nach wurden die Anklagepunkte 1 und 2 fallen gelassen, Euer Ehren.
Wir haben den Spruch der Jury neu
nummeriert, damit das für die Jury ohne Kommentar darüber, was geschehen war,
Sinn macht. Und natürlich war das ein Dokument, das der
Gemeindebewährungshelfer erhielt und von dem er sich, da bin ich sicher, einen
Entwurf machte. Ich stimme auch mit Herrn Morgan überein, dass es da – dass da
ein Fehler ist, wenigstens insoweit es die Beweisaufnahme angeht. Und ohne
Herrn Morgan die Schau stehlen zu wollen, was die Schilderung angeht, so war
mein Gedanke, Euer Ehren, die Urteilsfindung vielleicht bis Freitag
fortzusetzen, und zwar aus zwei Gründen. Heute also das zu sagen, was
angemessen ist, und dann mit der Sache bis Freitag fortzufahren. Der erste
Grund ist: § 7.1(c) sagt, wenn man vorhat, neue Beweise einzubringen, muss das
drei Tage vorher angekündigt werden, und wir brauchen auch den Bericht über die
Beweisaufnahme innerhalb von zehn Tagen vom Datum der Urteilsverkündung, und
dass wäre der kommende Freitag, wenn ich vom Datum des Erhalts an zähle. Es
scheint also praktisch gesagt einfacher zu sein, das Gericht vielleicht zu
bitten, bis Freitag mit der Urteilsfindung fortzufahren. Wir haben einen
abgeänderten Bericht über die Beweisaufnahme und einen Bericht, der genau das
widerspiegelt, was wir tun. Ich weiß nicht. Ich sage das aus dem Gefühl heraus,
Euer Ehren, ohne zu wissen, wie mein Plan oder Ihrer oder der von Herrn Morgan
aussieht. Ich schaue in meinen Kalender und sehe, dass für die ganze Woche noch
nichts eingetragen ist, und ich weiß, das muss verkehrt sein; aber man weiß ja
nie.
Gericht: In Ordnung. Ich hatte nicht geplant, Freitag
hier zu sein.
Herr
Morgan: Und, Euer Ehren, ich glaube, dass lässt sich heute mit einer
Anweisung des Gerichts an die Bewährungshilfe handhaben.
Gericht: Die Akte
ergänzen?
Herr
Morgan: Den Bericht ergänzen oder neu schreiben – auf der Grundlage
dessen, was immer das Gericht heute für richtig befindet. Und was ich gerne tun
würde, ist, Seite für Seite die Beweisaufnahme durchzugehen und darauf
hinzuweisen, wo meiner Meinung nach Fehler sind. Herr Olin wird sich
wahrscheinlich Notizen machen; und zwar direkt auf seine Unterlagen der
Beweisaufnahme.
Beginnen
wir also auf Seite 1, wo steht, worum es geht, unter dem Absatz Verbrechen, die
Anklagepunkte 1 und 2 wurden fallen gelassen und sollten daher aus diesem
Absatz gestrichen werden. Dasselbe trifft auf den nächsten Abschnitt zu, auch
da sollten die Anklagepunkte 1 und 2 gestrichen werden.
Der
nächste Abschnitt, wo der Zeitraum des Verbrechens genannt wird, vom 1.1.1989
bis 31.12.1989, sollte gestrichen werden, weil das die Anklagepunkte 1 und 2
betrifft. Soweit das die erste Seite betrifft, so sind das die einzigen
Berichtigungen, die ich mir aufgeschrieben habe.
Dann,
was Seite 2 angeht, die Schilderung der Verbrechen, da scheint beim ersten
Abschnitt keine Änderung nötig zu sein. Beim zweiten Abschnitt haben wir wieder
–
Gericht: Was ist
mit der Überschrift?
Herr
Morgan: Oh, die Überschrift, das ist richtig. Die Anklagepunkte 1 und 2
müssen unter der Benennung des Verbrechens wieder gestrichen werden. Im zweiten
Absatz müssen wir Januar 1989 auf Januar 1990 ändern. Und den Anklagepunkt 1
streichen. Dann der Abschnitt mit Bezug auf – der im Sommer 1989 beginnt; da
das verworfen wurde, dieser Abschnitt oder die nächsten ein, zwei, drei, vier,
fünf Sätze, die sich auf 1989 beziehen, die sollten alle gestrichen werden. Im
dritten Abschnitt sollte Anklagepunkt 2 gestrichen werden. Der dann folgende
Abschnitt, der auf der Real Facts Doctrine beruht, und das wird eine
Anordnung des Gerichtes sein, der sollte gestrichen werden.
Staatsanwalt:
Entschuldigung, Euer Ehren, welche Seite, welcher Paragraph?
Herr
Morgan: Das ist immer noch in der Zusammenfassung der Verbrechen, der
letzte Abschnitt, wo es mit zwei mutmaßlichen anderen Opfern beginnt. Und das
geht durch bis zu Seite 3 oben bis auf den Punkt Auswirkungen auf die Opfer.
Dann sind wir beim letzten Teil der Zusammenfassung der Verbrechen, Euer Ehren,
und wieder müssen die Anklagepunkte – muss der Anklagepunkt 1 unter Punktbewertung
des Täters gestrichen werden.
Gericht: In
Ordnung, welche Seite ist das?
Herr
Morgan: Das ist Seite 4 des Berichtes ganz oben, Punktbewertung des
Täters.
Gericht: In
Ordnung.
Herr
Morgan: Anklagepunkt 1 sollte gestrichen werden. Die Punktbewertung des
Täters gründet sich unrichtigerweise auf die Tatsache, dass die Anklagepunkte 1
und 2 noch enthalten sind. Sie sollte halbiert werden, um eine Punktbewertung
von zwei oder drei widerzuspiegeln, und das würde das Urteilsmaß beeinflussen.
Ich habe die Änderung bei dem einen nicht herausgesucht. Der eine, der jetzt
146 bis 194 anführt, sollte bei 102 bis 136 liegen.
Gericht: In
Ordnung; nur einen Augenblick, ehe wir weitergehen, dass ich hier nicht zu sehr
verwirrt werde. Herr Scott, stimmen Sie mit der Punktebewertung überein, die
Herr Morgan andeutet?
Herr
Scott: Ja, Euer Ehren, das ist richtig.
Gericht: Die
Punktbewertung des Täters in – für Anklagepunkt 23 und –
Herr
Morgan: Die Anklagepunkte 3 und 5, Euer Ehren.
Gericht: In
Ordnung, hier also „X“.
Herr
Morgan: Nein, das wäre –
Gericht: Einen
Augenblick, das ist –
Herr
Morgan: Die Anklagepunkte 3 und 4 waren die 90 vor dem 1. August, und
Anklagepunkte 5 und 6 waren die von August 90.
Gericht: Ja. Einen
Augenblick bitte. Das sollte bei den Punkten 3 und 4 sein.
Herr
Morgan: Richtig.
Gericht: Hier war
Punkt 10, daher –
Herr
Morgan: Oh, nein, das ist das Maß der Schwere, Euer Ehren, das
„X“.
Gericht: Oh,
richtig. Und dann Anklagepunkt 5 –
Herr
Morgan: Fünf und sechs. 11
Gericht: – und 6.
Das war August 1990.
Gericht: In
Ordnung, und die Punktbewertung sollte bei neun liegen?
Herr
Morgan: Nein, bei drei.
Gericht: In
Ordnung, drei
Herr
Morgan: Maß der Schwere 11, Punktbewertung 3.
Gericht: Und dann
für das oben stehende auch drei?
Herr
Morgan: Nein, zwei.
Gericht: Zwei?
Herr
Morgan: Weil sich der Multiplikator in derselben Zeit geändert hat.
Gericht: In
Ordnung.
Herr
Morgan: Hier kommt es zu einer Menge Verwirrung, weil wir 1989 und 1990
ein paar wichtige Änderungen hatten.
Gericht: Ja, in
Ordnung. Und wo liegt jetzt das Maß?
Herr
Morgan: Bei den Anklagepunkten 5 und 6 wären es 102 bis 136. Und –
Gericht: Lassen
Sie uns sehen, welcher Strafmaßkatalog das ist?
Herr
Morgan: Das ist der Strafmaßkatalog von 1990.
Gericht: In
Ordnung, ich habe sie nicht hier auf dem Tisch.
Herr
Scott: Eigentlich ist es die von 1989-1990.
Gericht: Haben Sie
eine?
Herr
Morgan: Ich glaube, sie hängt hinten an meiner Stellungnahme, das Blatt
für die Bewertungen, Euer Ehren, wenn Sie darauf Bezug nehmen müssen.
Herr
Scott: Und, Euer Ehren, ich kann Ihnen hier –
Gericht: Nun,
warum sagen Sie mir nicht einfach, wie hoch es ist. Wenn Sie einverstanden
sind, notiere ich es mir hier. (Unhörbares Gespräch zwischen Anwälten.)
Herr
Scott: Eine Punktbewertung von drei, Euer Ehren, allerdings – nun ja,
Punktbewertung von drei.
Gericht: In Ordnung.
Das gilt für die Anklagepunkte 5 und 6, richtig?
Herr
Scott: Fünf und sechs.
Gericht: Ja. Und
das ist 102 bis 136?
Herr
Morgan: Richtig
Gericht: Was ist
mit den Anklagepunkten 3 und 4?
Herr
Morgan: Das wäre 62 bis 82, Euer Ehren.
Gericht: Sind Sie
einverstanden? Sind Sie mit diesem Maß, 62 bis 82, einverstanden?
Herr
Scott: Ja.
Gericht: Nun gut.
Dann zur nächsten Seite.
Herr
Morgan: Auf der nächsten Seite sehe ich nichts, was korrigiert werden
müsste, Euer Ehren.
Gericht: Gut.
Herr
Morgan: Dann geht es zur nächsten Seite unter dem Punkt Mögliches
Urteil, wo drei Fälle genannt werden; hier sollte es zwei Fälle heißen. In
der ersten Zeile an zwei Stellen, Vergewaltigung 1. Grades eines Kindes in zwei
Fällen, sexuelle Belästigung 1. Grades eines Kindes in zwei Fällen.
Unter
Überlegungen zum Strafmaß, Standardmaß, Anklagepunkte – wo
es in der zweiten Zeile, und auch in der dritten, Anklagepunkt 1 heißt, sollte
Anklagepunkt 1 gestrichen werden. Die Punktbewertung müsste auf zwei geändert
werden, und der Bereich bei 62 bis 82. Der Anklagepunkt 3 bezieht sich auf den
1. Januar 1989. Hier sollte es 1. Januar 1990 heißen. Und dann unten, fast die
letzte Zeile dieses Absatzes, da sollte eine Punktbewertung von drei statt
sechs stehen und ein Standardmaß von 102 bis 136.
Gericht: In
Ordnung.
Herr
Morgan: Im vorletzten Abschnitt beginnt es: „Das Opfer sagt aus“, und
wieder werden da in der zweiten Zeile drei Anklagepunkte aufgezählt. Dort
sollten nur zwei stehen. Dann, wenn ich die folgende Seite überfliege, da sollte
als Standardmaß wieder 102 bis 136 stehen, das ist die – für die schwereren
Verbrechen.
Gericht: Und dann
brauchen wir offensichtlich eine weitere Empfehlung.
Herr
Morgan: Offensichtlich, Euer Ehren, ich kann das nicht ändern oder
bitte darum, dass das geändert wird. Dann gehen wir zu den Empfehlungen unter Haft.
Es wird Herrn Olins Sache sein, das zu ändern. Vielleicht ist er bereit, heute
eine andere Empfehlung zu geben. Ich weiß nicht. Unter Finanzielle
Verpflichtungen: Ich wurde beauftragt, so sollten hier keine
Anwaltsgebühren stehen. Und aufgrund meiner Durchsicht glaube ich, das waren
die wichtigsten Irrtümer oder Berichtigungen, um die wir uns zu kümmern hatten.
Herr Beliz hat angedeutet – ich habe ihm eine Kopie dieser letzten Woche
gegeben, Euer Ehren, und er möchte ein bisschen darüber mit mir sprechen.
Könnten wir vielleicht fünf Minuten haben?
Gericht: Wir
machen eine Unterbrechung von fünf Minuten.
(Unterbrechung)
Gerichtsdiener: Das
Gericht ist wieder versammelt. Setzen Sie sich bitte.
Gericht: Herr
Morgan?
Herr
Morgan: Entschuldigung, dass es so lange gedauert hat.
Gericht: Nein,
geht schon in Ordnung.
Herr
Morgan: Da war noch ein weiterer Abschnitt, den ich ausgelassen habe.
Gehen Sie bitte zu Seite 5, unter Überlegungen zum Strafmaß. Wenn Sie
sich die Seite oben ansehen, unter Beweisaufnahme, da gibt es
Überschriften, und es heißt nur Überlegungen zum Strafmaß, dann geht es
gleich zu Sexuelles Verhalten.
Gericht: Ja.
Herr
Morgan: Der vierte und fünfte Satz darunter verletzten auch die Real
Facts Doctrine, und wir legen Widerspruch ein, dass die da stehen.
Gericht: Ja.
Beginnend mit –
Herr
Morgan: Es gibt wenigstens zwei weitere Opfer.
Gericht: Ja.
Herr
Morgan: Ich glaube –
Herr
Scott: Entschuldigung, Euer Ehren, ich bin nicht –
Herr
Morgan: Ich glaube, das betrifft alle Gebiete, die ich zuvor in meiner
Erklärung zur Urteilsfindung angesprochen habe, Euer Ehren, von denen wir
meinen, dass sie unzutreffend sind oder nicht in Betracht kommen.
Gericht: Herr
Scott, wollen Sie zu diesem Zeitpunkt etwas erwidern?
Herr
Scott: Ja, Euer Ehren, ich möchte einen kurzen Kommentar abgeben und
dann an meinen Bruder im Anwaltsstand verwiesen, um vielleicht über juristische
Dinge zu reden, mit denen er besser vertaut ist.
Gericht: In
Ordnung.
Herr
Scott: Ich schaue hier in den Strafmaßkatalog von 1990, Euer Ehren,
und ich bin auf Seite – ich vermute, das ist römisch 1-12. Hier geht es um die
Bewertung mehrfacher Verbrechen, und es scheint mir, dass es unter dem
Unterpunkt „A“ eine Ermessenssache des Gerichts ist, wie dasselbe kriminelle
Verhalten zu bewerten ist, ob als gleichzeitig oder als fortgesetzt. Nun hat
mich der Anwalt in seinem Schriftsatz auf den Fall Tinkum aufmerksam
gemacht – den Fall Dolen, Entschuldigung, wo das Gericht gesagt hatte,
das sei nicht unbedingt eine Möglichkeit, die das Gericht habe. Und das erwog
das Gericht zusammen mit dem, was der Anwalt vorhat, vor Gericht anzusprechen.
Es gibt einige Bemerkungen, die das Opfer in diesem Fall, Frau Rodriguez,
machen möchte, Euer Ehren. In diesem Zusammenhang bitte ich darum, das Gericht
nach diesen Bemerkungen nochmals ansprechen zu können.
Gericht: Möchte
sie sich an das Gericht wenden?
Herr
Scott: Ja, Euer Ehren.
Gericht: Ich werde
– Möchten Sie Ihre Empfehlungen für das Protokoll geben, oder haben Sie –
Herr
Scott: Wir bitten darum, Euer Ehren, das Gericht möge in diesem Fall
ein außergewöhnliches Strafmaß in Betracht ziehen, und ich werde mich dem Rat
beugen.
Gericht: Aus den
angegebenen Gründen?
Herr
Scott: Aus den angegebenen Gründen. Wenn ich das jetzt sage, Euer
Ehren, ersuchen wir nicht – als Strafverteidiger habe ich schon viele Male vor
Gericht gestanden und gesagt, es gibt nichts Magisches an der Zahl von Tagen,
Monaten, Jahren, und ich nehme an, Euer Ehren, das gilt auch hier bezüglich
einer ausdrücklichen Empfehlung, wie lange eine außergewöhnliche Strafe dauern
sollte. Das überlasse ich lieber ihrer Erwägung und bringe keine Zahl hervor,
die in dem Meinungsstreit zwischen Herrn Morgan und mir sowieso bedeutungslos
ist, also –
Gericht: In
Ordnung. Hat Herr De Young – wollte er sich zu diesem Zeitpunkt an das Gericht
wenden?
Herr
De Young: Ja, Euer Ehren, ich möchte etwas sagen –
Gericht: Fahren
Sie fort.
Herr
De Young: Ich möchte auf die Sache mit der außergewöhnlichen Strafe zu
sprechen kommen. Die Prozessordnung lässt eine außergewöhnlich hohe Strafe zu,
wenn es dafür erhebliche und zwingende Gründe gibt. Die Staatsanwaltschaft
glaubt, dass es solche Gründe gibt, und die Verteidigung hat gesagt, die Real
Facts Doctrine finde hier Anwendung, und wir möchten das Gericht darauf
aufmerksam machen, dass es bei 9.94A.372 eine solche gibt.
Gericht: Ja, auf
welcher Seite in Ihrem Schriftsatz hier ist das?
Herr
De Young: Das beginnt unten auf Seite 4 des Schriftsatzes, Euer Ehren.
Gericht: Haben Sie
das Gesetz hier zitiert? Ich weiß es im Augenblick nicht aus dem Kopf. Ja.
Herr
De Young: Weitergehend bis Seite 5 heißt es: Tatsachen, die ein
schwereres oder zusätzliche Verbrechen begründen, dürfen nicht verwendet
werden, um über das mutmaßliche Strafmaß hinauszugehen, wenn dies nicht
ausdrücklich verabredet oder ausdrücklich in RCW 9.94A.932 (c ), (d ), (f ) und
(g ) vorgesehen ist. Und (g ) bezieht sich auf ein fortgesetztes Muster sexuellen
Missbrauchs. Dies, Euer Ehren, ist also eine Ausnahme von der Real Facts
Doctrine. Und in diesem Fall haben wir Beweise vorgelegt bekommen, und es
heißt da nicht, dass es sich um angeklagte Verbrechen handeln muss, so wie ich
dieses Gesetz verstehe, und die Beweisaufnahme zeigt, dass dieses Muster
sexuellen Missbrauchs begann, als das Opfer so in etwa fünf Jahre alt war, und
fortdauerte, bis es elf war. Und noch aus einem anderen Grund ersuchen wir um
eine außergewöhnlich hohe Strafe, und der hat zu tun mit der besonderen
Verletzlichkeit des Opfers. Und die Staatsanwaltschaft – und wir haben uns den
Schriftsatz der Verteidigung angesehen und stimmen damit überein, dass dies
nicht ein Fall von außergewöhnlicher Jugend ist, wir argumentieren vielmehr, dass
in der Tat die Unfähigkeit oder eine Art von Seelenzustand besteht, den der
Angeklagte dem Opfer überträgt, und zwar –
Gericht:
Ist
das nicht, ist das nicht die Art von – Entschuldigung, wenn ich Sie unterbreche
– aber ist das nicht die Art von Verhalten, die ein Gutachten eines
medizinischen Sachverständigen oder eines Psychologen bedarf? Ich glaube
wirklich nicht, dass das etwas ist, wo das Gericht, wenn ich mich nicht irre,
ein Argument annehmen kann, wenn es nicht einen Sachverständigen gibt. Wenn ich
mich doch irre, werden Sie mich sicher eines Besseren belehren können.
Herr
De Young: Ja, das ist möglich, Euer Ehren. Es gibt für diesen Fall kein
Bundesgesetz. Alles, was wir haben, ist ein Fall, wo ein Opfer 22 Jahre alt war
und einen Gipsverband am Bein hatte, und der Gipsverband trug nicht zu den
Verletzungen des Opfers bei, und das ist alles, was wir haben. Ich habe das
Gesetz von Minnesota zu Rate gezogen, wo die Wortwahl in ihrem Gesetz der
unsrigen ähnlich ist, welcher Seelenzustand zutreffen könnte. Aber wir sind
bereit, von da aus weiterzugehen. Ein weiterer Punkt, von dem wir glauben, dass
er hier zutrifft, ist der Vertrauensmissbrauch. Und das Gericht traf eine
Ermessensentscheidung, die besagte, dass der Angeklagte in einer bestimmten
Situation in loco parentis handelte. Dass sie auf das Opfer aufpassten,
und dass er das Mädchen züchtigte, und dass er es für die Schule fertig machte.
In einer weiteren Ausnahme von der Real Facts Doctrine, die hier nicht
zutrifft, weist der Angeklagte darauf hin, dass in diesen Situationen immer ein
gewisses Vertrauensverhältnis besteht. Aber hier haben wir eine Art von
Vertrauen, das größer ist als das, das für das Verbrechen erforderlich ist, und
als solches könnte es als Grundlage für eine außergewöhnlich hohe Strafe
dienen. Ein weiterer Punkt, über den wir sprechen, ist das Fehlen von Reue beim
Angeklagten im Falle Staat gegen Russell; der Mangel an Reue bei einem
angeklagten Verbrecher stellt für die Urteilsfindung immer einen erschwerenden
Faktor dar, wenn es um einen besonders verwerflichen Charakter geht. Und die
Verteidigung hat gesagt, dass man das Schweigen des Angeklagten nicht als
Zeichen eines Fehlens von Reue nehmen darf, sondern abhängig davon, wie sich
die Beweisaufnahme gestaltet, hat der Angeklagte ein paar Sätze gesagt; der
Angeklagte ist also nicht still gewesen. Die Staatsanwaltschaft glaubt daher,
dies könne man als Faktor für eine schwereres Urteil betrachten, als
erschwerenden Faktor für ein außergewöhnlich hohes Urteil. Ähnlich sieht es mit
der Gefährlichkeit des Angeklagten für die Zukunft aus; das hängt von den
Befunden von Herrn Olin ab, der bereits eingangs bei der Beweisaufnahme
ausgesagt hat, er habe Beweise, dass der Angeklagte nicht therapiefähig sei. Der
Angeklagte hat bereits in gewissem Maße seine Schuld eingestanden, aber dann
hat er die Aussage zurückgezogen und ist dahinter gegangen. Wir glauben also,
das eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass er für die Gemeinschaft eine
Gefahr darstellt.
Gericht: Ja, der
Fall Post. Ich habe ihn hier, und er weist auf die zwei Faktoren hin,
die einen Befund für eine Gefahr für die Zukunft untermauern. Einer ist die
Ähnlichkeit im Verhaltensmuster. Und ich denke, im Falle Post – ich
glaube, da gab es schon eine Reihe von Vorstrafen. Und dann, zweitens, hat da
ein Sachverständiger ausgesagt. Ich weiß nicht mehr, ob das ein Psychologe war
oder ein Therapeut, der da aussagte, dass der Angeklagte nicht therapiefähig
sei; aber das legt dem Gericht nahe, dass wir eine Untersuchung und danach ein
Gutachten durch einen Sachverständigen brauchen, um das mit dem Fall Staat
gegen Post in Einklang zu bringen, es
sei denn –
Herr
De Young: Ja, Euer Ehren.
Gericht: – es sei
denn, Sie sind anderer Meinung als ich.
Herr
De Young: Nun, was die Staatsanwaltschaft wollte, war, die Aussage der
beiden Schwestern einzubringen, die von dem Angeklagten mutmaßlich missbraucht
worden waren. Und abhängig davon, wie das Gericht entscheidet, wie die Real
Facts Doctrine anzuwenden ist, so war es geplant, die Zeugenaussagen
einzuführen.
Herr
Scott: Euer Ehren, wenn ich hinzufügen darf, ich verstehe die (unhörbar)
Wahl, vor der Herr Morgan stand, aber wir hatten den Psychiater Dr. David Bott
gebeten, sich mit Herrn Beliz zusammenzusetzen und genau diesen Punkt zu
entscheiden. Und Dr. Bott sagt vor allem auf seiten von Strafverteidigern aus.
Eigentlich kann ich mich an keinen Fall erinnern, wo er von der
Staatsanwaltschaft als Sachverständiger ausgewählt wurde, obwohl ich da
vielleicht im Irrtum bin. Daher glaubte ich, er sei fair und neutral, aber
dennoch hat Herr Beliz das verfassungsmäßige Recht, nicht mit dem Arzt zu
sprechen. Ob das Gericht im Zusammenhang mit der Urteilsfindung die Tatsache in
Betracht ziehen kann, dass die Beurteilung angeboten, dass aber kein Gebrauch
davon gemacht wurde, ist ein weiteres Thema, über das das Gericht wird befinden
müssen; aber wir bringen das nur zu Ihrem Nutzen zur Sprache.
Gericht: In
Ordnung. Ich denke, es wäre eine unübliche Situation, in der das Gericht sich
befindet, weil das, worum ich gebeten wurde, im Wesentlichen das Aussprechen
einer alternativen Strafe ist, die höher als das Standardstrafmaß ist,
gegründet auf den Faktor, dass der Angeklagte von seinem Recht Gebrauch machte,
zu schweigen.
Herr
De Young: Würde das Gericht beide Faktoren als notwendig betrachten, um
im Strafmaß höher zu gehen, insoweit es die künftige Gefahr betrifft, die von
ihm ausgeht, dann wird es eine bloße Zufälligkeit, ob der Angeklagte aufgrund
eines eigenen oder eines Fehlers seines Anwalts dem Gericht Beweise anzubieten
hat, die für ihn nachteilig sind.
Gericht: Nun, ich
meine, das ist immer ein Dilemma –
Herr
De Young: Ja.
Gericht: – die
Verteidigung in dieser Art von Fall – insbesondere, wenn das Gericht um SOSA
(phonetisch) gebeten wird.
Herr
De Young: Richtig.
Gericht: Und dann
muss der Angeklagte sich natürlich einer Untersuchung unterziehen, und je
nachdem, was dabei herauskommt, kann sich das sehr wohl zum Nachteil des
Angeklagten auswirken. Ich sehe schon das Dilemma, in dem die Strafverteidigung
sich in einer solchen Art von Fall befindet.
Herr
Scott: In diesem Fall hätte er – hätte er nicht Recht gegeben. Aber ich
wollte nur einen Punkt anführen, Euer Ehren: Es scheint, diese Art von Beweis
liegt ganz in den Händen des Angeklagten, ob das Gericht dies nämlich als Grund
für eine Erhöhung der Strafe ansehen soll. Und ich weiß nicht, ob das Gesetz
das beabsichtigt. Herr Morgan hat uns mitgeteilt, dass Berufung eingelegt
werden wird, und manchmal, Euer Ehren, mag die Vorstellung dahinterstecken:
Nun, wenn schon, denn schon, fall schon drüber her, Richter. Natürlich erwarten
wir mehr. Und bei Ihnen, Euer Ehren, haben wir keinen Grund etwas anderes als
ein faires und ausgeglichenes Urteil zu erwarten. Aber mit dem Gedanken im Sinn
unterbreite ich es, dass es ins Protokoll mit aufgenommen wird.
Gericht: In
Ordnung.
Herr
De Young: Und, Euer Ehren, insbesondere auf diesen beiden Grundlagen, der
andauernden sexuellen Aktivität, die eine eindeutige Ausnahme von der Real
Facts Doctrine ist, und dem Missbrauch des Vertrauens, das aus dem
Strafregister direkt greifbar ist, möge eine außergewöhnlich hohe Strafe in
Erwägung gezogen werden. Das liegt im Ermessen des Gerichts. Danke.
Gericht: Herr
Morgan, wollten Sie etwas darauf erwidern?
Herr
Morgan: Ja, bitte.
Gericht: Dann
beginnen Sie.
Herr
Morgan: Ich meine, es ist besser, wegen der Komplexität der Dinge, die
dem Gericht vorgelegt werden, Schritt für Schritt vorzugehen. Herr Scott hat
damit begonnen, auf die Paragrafen in den Richtlinien zum Strafmaß von 1990
hinzuweisen, wo es um den Ermessensspielraum des Gerichtes geht. Ich glaube,
sie sind von der Entscheidung im Fall Dolen abgelöst worden, wo es nun heißt,
dass diese besonderen Anklagepunkte ein Gesamtstrafmaß bilden und daher nicht
im Ermessen liegen, wenn es um eine
fortgesetzte Tat geht. Und wenn sich das Gericht bitte an die Aussagen
zum Prozess erinnert, da hat Frau Garza sehr eindeutig darauf hingewiesen, dass
eine Handlung in die andere überging. Diesbezüglich hat sie bei ihrer Aussage
nicht gezögert.
Nun,
soweit wie außergewöhnlich hohe Strafen gehen, da wird das Gericht sicher
wissen, dass es handfeste und zwingende Gründe außerhalb der normalen
Erwägungen braucht, die bei der Schaffung der Richtlinien zum Strafmaß vorgebracht
wurden. Und was die Staatsanwaltschaft dem Gericht in Bezug auf – ich habe fünf
grundlegende Gebiete gezählt, wo sie meint, dass eine außergewöhnlich hohe
Strafe richtig wäre. Ich glaube nicht, dass sie hinreichend handfest und
zwingend sind, dass das Gericht das Standardstrafmaß überschreiten dürfte.
Erstens,
was das Thema fehlende Reue angeht: Das Gericht – oder die Staatsanwaltschaft
erkennt in ihrem eigenen Schriftsatz an, dass das Fehlen von Reue von einem
besonders verwerflichen Charakter ausgehen muss. In diesem besonderen Fall hat
Herr Beliz von seinen Rechten aus dem Fünften Verfassungszusatz Gebrauch
gemacht und sich durchgängig für unschuldig erklärt, und wo er auch nur irgend
etwas zugegeben hat, da geschah das während der ersten polizeilichen
Untersuchung durch das Othello Police Department, und das hat sich nicht
geändert. Das ist dieselbe Sprache, die bei der Beweisaufnahme gebraucht wurde,
dass eine Berührung – wenn es zu einer Berührung kam – über der Kleidung
stattfand, als Vergeltung für das, was Herr Beliz als ungesetzliches Berühren
seiner eigenen Tochter ansah. Da, so meine ich, kann man wohl kaum von einem
besonders verwerflichen Charakter sprechen.
Dann
ist da die Frage seiner künftigen Gefährlichkeit. Ich glaube, das Gericht hat das zutreffend in seiner Anhörung des
Staatsanwaltes angesprochen, und ich glaube, es wird auch zutreffend in meinem Memorandum
of Authorities in Bezug auf die besonderen Faktoren angesprochen, die
vorliegen müssen, um dieses besondere Element in Betracht zu ziehen.
Mein
ergänzender Schriftsatz zum Fall Tinkum zeigt die Lage von Herrn Beliz
mit Bezug auf das auf, was passieren würde, wenn das Gericht eine Untersuchung
anordnete. Er hätte gerne seinen Anwalt dabei. Er würde von seinem Recht aus
dem Fünften Verfassungszusatz in Bezug auf jede Befragung Gebrauch
machen, die ihn möglicherweise einer höheren Bestrafung oder zusätzlicher
Anklagepunkte aussetzten.
Was
die besondere Verletzlichkeit angeht, so steht die Staatsanwaltschaft in Bezug
auf ihre Interpretation des Wortes „Unfähigkeit“ allein da. Und da das Wort
„Unfähigkeit“ weder in irgendeinem Strafvollzugsgesetz noch im Strafmaßkatalog
selbst definiert wird, kommen wir auf die alte Faustregel zurück und sehen, was
ein gewöhnliches Wörterbuch dazu zu sagen hat. Die allgemeine Definition in den
Wörterbüchern ist „eine Untauglichkeit“. In diesem besonderen Fall wäre es eine
körperliche Untauglichkeit, die zuträfe. Wenn da eine psychische Untauglichkeit
wäre, würde das zutreffen. Wenn das Alter eine Rolle bei der Untauglichkeit
spielen würde, würde das zutreffen. Wir sprechen über das, was im Hinblick auf
Alter, soziale Stellung, Behinderungen nach dem Americans With Disabilities
Act, diese Art von Dingen, normalerweise als diskriminierende Praktiken
anerkannt wird. In diesem besonderen Fall zu behaupten, weil man eine Freundin
der Tochter des Angeklagten sei und er diese Freundschaft benutzt habe, habe
das zu einer Unfähigkeit im Kopf der klagenden Zeugin geführt, heißt wohl, die
Dinge ein bisschen zu überspannen, und es bringt nicht nur den Missbrauch von
Vertrauen hinein, das nächste Gebiet, das ich ansprechen möchte, sondern auch
einige weitere Faktoren, die wirklich keinen Bestand in Bezug auf die
Feststellung haben, ob es zu einer außergewöhnlich hohen Strafe kommen soll
oder nicht. Ich bestreite nicht, dass Minnesota hier als Richtlinie gelten
könnte. Fälle aus Minnesota könnten als Richtschnur dienen, weil ich glaube,
dass unser Strafrahmenkatalog aus demjenigen von Minnesota hervorgegangen ist.
Gericht: Das ist
richtig.
Herr
Morgan: Man hat Minnesota schon immer als Gebiet betrachtet, woher wir
Anleitung beziehen können. In diesem besonderen Fall findet das eine Zitat
gegenüber Behörden außerhalb von Minnesota wirklich keine Anwendung auf das,
was dem Gericht vorliegt. Was nun den Vertrauensmissbrauch angeht, Euer Ehren,
so ist das irgendwie außergewöhnlich, Denn was wir zum Vertrauensmissbrauch
haben, hat sich aus wirtschaftlichem Vertrauensmissbrauch heraus entwickelt,
ursprünglich einer der erschwerenden Faktoren. Dann haben das die Gerichte
durch Rechtfortschreibung auf nicht wirtschaftliche Verbrechen ausgedehnt, auf
Sexualstraftaten. Unsere Position zum Vertrauensmissbrauch, Euer Ehren, ist,
glaube ich, im Wesentlichen, dass das Gericht diesen besonderen Aspekt zwar
betrachten, aber unter den besonderen Tatsachen und Umständen dieses Falles
wahrscheinlich nicht in Erwägung ziehen sollte. Das Zitat, das wir haben, ist
über 13A Washington Practice, und Ferguson und Fine zeigen dort auf –
und ich denke, das Gericht kann dabei sowohl seine Erfahrung als Staatsanwalt
als auch als Stadtrichter in Rechnung stellen – dass in den meisten Fällen von
tatsächlichem oder behauptetem sexuellem Kindesmissbrauch zwischen dem
mutmaßlichen Täter und dem klagenden Opfer ein Bekanntheitsgrad besteht.
Normalerweise kennen sie sich also, und normalerweise besteht bereits ein
gewisses Vertrauensverhältnis. Was Ferguson und Fine im Grunde sagen, ist, dass
Fälle, wo kein Vertrauensverhältnis besteht, die große Ausnahme sind. In diesem
besonderen Fall bestand das Vertrauensverhältnis darin – und das Gericht hat
darüber im Hinblick auf die Zeugenaussage Nr. 4, Frau Beliz, bereits befunden –
dass Herr Beliz im Grunde genommen eine Art Vormundrolle innehatte. Wenn man
sich hier alle Umstände ansieht, dann glaube ich wiederum nicht, Euer Ehren,
dass die Tatsachen außerhalb dessen liegen, was geschieht, wenn ein
Vertrauensverhältnis missbraucht wird. Und Ferguson und Fine warnen, wenn man
sich die veröffentlichten Fälle ansieht, dann muss man sie meistens wirklich
nicht in Betracht ziehen, weil ihnen entweder ein Schuldbekenntnis oder eine
verminderte Strafe wegen Teilgeständnis zugrunde liegt. So sieht die Sache aus.
Und wir wissen wirklich nicht, wie die Fakten in den nicht veröffentlichten
Fällen aussehen. Sie raten also den Strafgerichten, die eigene Erfahrung
heranzuziehen, um zu entscheiden, ob dies ein außergewöhnlicher Fall ist oder
nicht. Ich glaube nicht, dass es das bei diesen Tatsachen und Unständen ist.
Gericht: Nun, ich denke,
es ist interessant, anzumerken, dass die Staatsanwaltschaft, zumindest in
allgemeiner Weise, nicht in der vom Staatsanwalt herausgegebenen
Presseerklärung, die einem Ihrer Memoranden beigefügt ist, anderer Meinung mit
Ihnen sein mag. Da gibt es ein Zitat, von dem ich annehme, dass es vom
Staatsanwalt sein soll, dass Statistiken zeigen, dass 90% aller Mädchen unter 12
Jahren, die sexuell missbraucht werden, von einem Freund oder Angehörigen
missbraucht werden.
Herr
Scott: Das stammt natürlich nicht von uns, Herr Richter.
Gericht: Nein. Nun,
es steht in den Akten.
Herr
Scott: Und ich würde gerne zu dem Thema etwas sagen, wenn Herr Morgan
fertig ist.
Herr
Morgan: Dann schließlich, Euer Ehren, haben wir da das fortgesetzte
Muster sexuellen Missbrauchs. Und wo ich darüber mit der Staatsanwaltschaft
unterschiedlicher Meinung bin, Euer Ehren, scheint mir, dass diese versucht
hat, zwei weitere Zeuginnen für dieses fortgesetzte Muster sexuellen
Missbrauchs einzuführen, was eine Verletzung der Real Facts Doctrine
darstellt. Und ich denke, das Gericht kennt die Real Facts Doctrine, wie
sie jetzt im Bundesstaat Washington besteht, genau, die sich im Grunde genommen
aus dem Fall Staat gegen Tierney ableitet, der eine sehr umfassende
Analyse der Real Facts Doctrine im Hinblick darauf gibt, was ein Gericht
erwägen und wie sie angewandt werden sollte. Da die Staatsanwaltschaft jetzt zu
sagen scheint: Wir wollen, dass Sie das fortgesetzte Muster sexuellen
Missbrauchs genau im Hinblick auf Frau Garza in Erwägung ziehen, ist unsere
Haltung dazu: Ja, Euer Ehren, Sie können diesen Punkt in Erwägung ziehen – aber
nur insoweit als es Ereignisse nach dem 11. Mai 1989 betrifft.
Gericht: Dinge vor
diesem Zeitpunkt sind verjährt.
Herr
Morgan: Das ist richtig. Und wir führen einen Fall an, der im Grunde
besagt, dass die Verjährung eine Grenze ist, vor der der Souverän keine
Handlungsmacht mehr hat. Wobei der Souverän der Staat ist. Wobei das Gericht
Teil des Staates ist. Wenn ein bestimmtes Verbrechen verjährt ist, sollte es
nicht als Faktor dienen, die Strafe für das, wessen der Angeklagte überführt
wurde, zu erhöhen. In diesem besonderen Fall stellt der 11. Mai 1989 die Grenze
der Verjährung eines jeden Verbrechens dar, das vorher geschah. Und alles vor
diesem Zeitpunkt sollte vom Gericht auch nicht berücksichtigt werden. Wir
glauben, dass das auch innerhalb der Parameter der Real Facts Doctrine
liegt. Wenn das Gericht vorhat, das fortgesetzte Muster sexuellen
Missbrauchs zu bedenken, dann fordern wir das Gericht auf, sich auf
die genannte Zeit zu beschränken. Und bei allen Tatsachen und Umständen glauben
wir nicht, Euer Ehren, dass in diesem Fall eine außergewöhnlich hohe Strafe
gerechtfertigt ist. Die Strafe sollte innerhalb des Standardstrafrahmens
liegen.
Gericht: Gut. Herr
Scott?
Herr
Scott: Euer Ehren, mit Bezug auf die Real Facts Doctrine denke
ich, dass das Gesetz annimmt, dass Sie sehr wohl die Macht haben, unter
der Real Facts Doctrine Beweise
in Erwägung zu ziehen und doch nicht insoweit beeinflusst zu sein, was
Überlegungen zum Strafmaß angeht, um andere nicht angeklagte Vergehen zu
bestrafen. Und ich denke, das ist wirklich das, worüber wir reden, und das ist
auch die Stoßrichtung der Real Facts Doctrine. In diesem Zusammenhang
glaube ich, dass das Gericht sicher die Tatsache mit heranziehen kann, das es
noch weitere, nicht angeklagte Vergehen an anderen Opfern gab. Ungeachtet
irgendeiner Presseerklärung, die vielleicht herausgegeben wurde. Darauf weise
ich hin. Sie haben die Zeugenaussage gehört, und Sie können diese Aussage bei
der Beweisaufnahme besser beurteilen als ich oder Herr Morgan. Mir scheint, wie
ich mich entsinne, dass Erica die Sache deshalb nicht anzeigte, weil sie Angst
hatte, sie würde die Freundschaft ihrer Kumpel, ihrer Freundinnen, verlieren.
Sie hat sich keine Sorgen gemacht, das Vertrauen und die Liebe von Herrn Beliz
zu verlieren. Das ist natürlich etwas ganz anderes, und ich meine, das ist der
Unterschied, den sich anzusehen ich das Gericht bitten möchte, wenn Sie
überlegen, ob das ein Vertrauensmissbrauch war oder nicht. Wenn sie so etwas
ausgesagt hätte – nun, ich wollte seine Liebe, seine Zuneigung, sein Vertrauen,
seinen Schutz nicht verlieren – dann läge es wohl im Ermessen des Gerichtes,
dagegen zu entscheiden, aber das hat sie nicht gesagt. Sie hat gesagt: Ich
möchte meine Freundinnen nicht verlieren. Ich möchte keine Familien zerstören.
Und das ist etwas anderes als: Ich wollte seine Liebe und Zuneigung oder
Bewunderung oder irgend so etwas verlieren – Dinge, die wir hören, die
notwendigerweise innerhalb des Verbrechens, wenn es angeklagt wird, in Erwägung
gezogen werden. Denn darauf läuft es hinaus: Wird das angeklagte Verbrechen,
wenn es zur Bestrafung kommt, zufriedenstellend bestraft, so wie es angeklagt
wurde? Ich denke, in diesem Fall kann das Gericht außerordentliche Gründe
finden, den Strafmaßkatalog zu (unhörbar).
Gericht: Ja, wäre
es nicht zwingender, der Grund für das Verheimlichen sei die Furcht, die
Beziehung mit dem Täter zu verlieren? Wäre das nicht ein größerer Grund, als
Furcht vor dem Verlust der Beziehung mit jemand anderem, zum Beispiel einem
Angehörigen?
Antwort: Nun, wenn
wir darüber reden, ob es einen Beweggrund oder einen Zwang für das
Verheimlichen gibt, denke ich, dass der eine – ich glaube, es gibt da alle
möglichen Abstufungen bei den Gründen, Euer Ehren, und vielleicht ist es
unfair, Sie zu bitten, eine solche Abstufung vorzunehmen. Aber dennoch hat der
Gesetzgeber das von ihnen gefordert. Ich glaube, es ist – er ist eher ein
Fremder für die Beziehung in loco parentis. Und vielleicht argumentiere
ich gegen meinen Bruder, wenn ich das sage, aber er ist eher ein Fremder. Es
gab keinerlei Zeugenaussage, dass er – dass sie sich vor einer Vergeltung seinerseits
in Form eines Gerichtsverfahrens und dergleichen Dinge fürchtete, an die wir
normalerweise denken, wenn wir an ein fünf- bis elfjähriges Mädchen denken.
Gericht: Nein, so
wie ich die Zeugenaussage in Erinnerung habe, ging es um die enge Verbindung
beider Familien und um die Tatsache, dass die Familienbande eine Reihe von
Jahren lang fast unzertrennlich waren.
Herr
Scott: In der Tat. Ich glaube, wir sind bereit zur Aussage von Frau
Rodriguez.
Gericht: In
Ordnung. Kommen Sie bitte zur Vereidigung nach vorne.
(Erica
Rodriguez wird vereidigt)
Gericht: Bitte
setzen Sie sich.
Herr
Morgan: Nur eine Klarstellung für das Protokoll, Euer Ehren. So wie ich
die Sache verstehe, führt die Staatsanwaltschaft die Aussage von Frau Garza nur
im Hinblick auf die Auswirkungen auf das Opfer vor, und dass es keinerlei Bezug
zu dem hat, was bereits geschehen ist, soweit es das Verfahren betrifft.
Herr
Scott: Euer Ehren, ich habe es nicht auf eine Wiederholung der Aussage
abgesehen, die wir bereits anderthalb Tage lang gehört haben.
Gericht: In
Ordnung.
Herr
Scott: Wir werden unsere Bemerkungen nur darauf beschränken, welche
Auswirkungen das auf Frau Rodriguez hatte.
Zeugenvernehmung
von Erica Rodriguez durch Herrn Scott:
Frage: Erica,
Sie und ich haben kurz miteinander gesprochen, und sie haben mit anderen
Angehörigen der Staatsanwaltschaft in Bezug auf die Auswirkungen geredet, die
dies auf Ihr Leben hatte, nicht wahr?
Antwort: Ja.
Frage: Können
Sie dem Gericht sagen, welche Art von Auswirkungen das hatte?
Antwort: Ja. Er hat
mir meine Kindheit genommen; alles, woran ich mich in meiner Vergangenheit
erinnere, ist, dass ich sexuell belästigt worden bin. Ich schaue zurück und
kann mich an nichts Gutes erinnern. Alles, woran ich mich erinnere, ist Manuel,
wie er mir nahe kommt. Als ich größer wurde, dasselbe, ich konnte nicht so auf
Männer reagieren, wie es ein normaler Teenager tut. Es hat lange gedauert, bis
ich in der Lage war, mit meinem Ehemann vertraut zu werden, weil – oder auch
nur mit ihm als Freund zusammen zu sein, weil es wirklich schwer für mich war,
in intimer, sexueller Art von Beziehung einem Mann nahe zu kommen, weil meine
erste sexuelle Erfahrung immer die mit Manuel war. Ich weiß, dass er mich die
vergangenen 15 Jahre in mein eigenes Gefängnis gesteckt hat, weil er mich
traumatisiert hat. Jeden Tag, jede Minute meines Lebens weiß ich, dass ich
missbraucht worden bin, und das hat immer Auswirkungen auf das, was ich in
meinem Leben tue.
Frage: Könnten
Sie das dem Gericht erklären? Ich wollte Ihren Gedankenfluss nicht
unterbrechen, aber Sie sagen, es hat täglich Auswirkungen auf Ihr Leben. Können
Sie dem Richter sagen, wie das aussieht? Wenn Sie zum Markt gehen, wenn sie
sehen, wie Leute mit Kindern umgehen, wie reagieren Sie da?
Antwort: Ja, es
ist schwer, wenn ich sehe – ich bin Kindermädchen. Ich passe auf kleine Kinder
auf und ich möchte sie mit keinem anderen als mit mir gehen lassen, weil ich
niemandem traue. Ich weiß, dass ich unfair ihnen gegenüber bin, und ich hasse
das. Ich möchte es nicht, aber die, die mir am nächsten standen, meine zweite
Familie, dass war Manuels Familie. Wenn ich also daran denke, sie mit ihren
Freunden ziehen zu lassen, dann denke ich, hallo, wenn mir jemand etwas angetan
hat, der mir so nahe stand, dann denke ich, jemand anders, ihre Freunde, die
Väter oder Mütter oder eben die Familien ihrer Freunde, werden sie nicht
missbrauchen, so wie mich meine zweite Familie, wie meine zweite – wie Manuel
mir gegenüber war. Ich weiß, wenn ich Kinder habe, vielleicht bin ich dann
unfair zu ihnen, aber ich würde niemandem trauen, nicht einmal meinen engsten
Freunden.
Frage: Haben Sie
das Gefühl, Sie könnten Ihrem Mann in dieser Beziehung trauen? Eine harte
Frage.
Antwort: Wissen
Sie, es ist hart, weil Manuel wie ein zweiter Vater war, so war es – es ist
hart und es hat sehr lange gebraucht, ihm auch nur nahe zu kommen, ihm
gegenüber in allem offen zu sein. Und ich kann es auch nicht wirklich sagen,
denn ich habe keine Kinder, aber ich weiß bei den Kindern, die ich betreue –
ja, ich vertraue meinem Mann. Aber ich habe immer im Hinterkopf, dass irgend
jemand, jeder es tun könnte. Ich meine, wenn Manuel es bei mir tat, könnte
jeder es tun, weil er wie mein Vater war.
Frage: Wie sieht
das in Bezug auf Ihre Religionsgemeinschaft aus, hatte es da Auswirkungen? Sie
sind Zeugin Jehovas, nicht wahr?
Antwort: Ja.
Leider –
Frage: Könnten
Sie dem Gericht das – könnten Sie dem Gericht von Ihrer Beziehung, Ihrer
religiösen Beziehung erzählen?
Antwort: Da Manuel
eine hohe Stellung in der Religionsgemeinschaft hatte und man ihm eine Menge
Vertrauen entgegenbrachte, hat ihm jeder vertraut. Er war ja in einer sehr
hohen Stellung. Als er das tat, was er tat, und als er – ich weiß nicht, wie
ich das erklären soll. Weil er eine so hohe Stellung hatte, ist es jetzt für mich
sehr schwer. Ich habe mich etwas zurückgezogen. Geistig bin ich um einiges
heruntergekommen.
Frage: Glauben
Sie aus dem einen oder anderen Grund, dass die Kirche sich zwischen Ihnen und
Herrn Beliz entschieden hat?
Antwort: Da gab es
gewisse Dinge, die waren nicht in Ordnung, und ich weiß nicht, ob es wegen
seiner Lügen war oder wegen seiner hohen Stellung in der Organisation – ja,
gewisse Dinge waren nicht fair, aber – und ich meine, darum hat er geistig
gesehen etwas in mir abgetötet.
Frage: Man hat
ihm die Gemeinschaft entzogen, nicht wahr?
Antwort: Ja.
Frage: Was bei
den Zeugen Jehovas bedeutet, dass er praktisch von der Kirche exkommuniziert
wurde, nicht wahr?
Antwort: Ja.
Frage: Kurz vor
der Hochzeit seiner Tochter?
Antwort: Ja.
Frage: Und wie lange
dauerte das, für wie lange war ihm die Gemeinschaft entzogen?
Antwort: Ich kann
mich nicht erinnern. Ich glaube, es war etwas weniger als ein Jahr, so etwa ein
Jahr.
Frage: Nun:
richtig oder falsch? Ich möchte Ihnen nicht das eine oder andere nahe legen,
aber war ihr Eindruck damals, dass die Kirche Ihnen nicht geholfen hat?
Antwort: Als sie
ihm die Gemeinschaft entzogen hatten, da dachte ich, sie hätten mich
unterstützt, aber als sie ihn dann wieder aufgenommen haben, ich weiß nicht
warum. Ich verstehe nicht. Ich –
Frage: Hatte das
insoweit Auswirkungen auf Sie, als es Ihren Glauben angeht?
Antwort: Ja.
Frage: Jetzt zu
Ihrer übrigen Familie und wie Sie mit ihr umgehen, insbesondere mit Ihrer
Mutter und Ihrem Vater. Hat das etwas zwischen Ihnen und den beiden geändert?
Antwort: Es hat
sie sehr mitgenommen. Meine Mutter und mein Vater wurden wirklich depressiv,
und sie mussten eine Zeitlang weggehen. Sie sind immer noch nicht wieder
zurück, aber es hat uns alle sehr mitgenommen. Mein Vater wurde depressiv,
meine Mutter auch. Sie wurde wirklich krank deswegen, und es hat sie sehr
mitgenommen. Er hat allen von uns seelischen Schaden zugefügt, nicht nur mir,
sondern auch meiner Familie, meinen Freundinnen, und ich bin mir sicher, auch
seiner Familie.
Frage: Ihre
Mutter und Ihr Vater gehören auch zur Zeugen-Jehovas-Gemeinde in Othello; das
ist doch richtig?
Antwort: In
Sacramento, ja.
Frage: Und davor
in Othello; das ist doch richtig?
Antwort: Ja.
Frage: Und hat
es sich auch an deren Teilnahme an religiösen Aktivitäten ausgewirkt?
Antwort: Ja.
Frage: In
welcher Weise?
Antwort: Sie haben
sich gefühlt, als würden sie einen Kinderschänder schützen.
Frage: Nun haben
Sie Kelsey gehört, wie er von Herrn Beliz sagte – und Sie hatten auch die
Möglichkeit, das Protokoll der Beweisaufnahme einzusehen, nicht wahr? Und dann
bemerken Sie, dass Herr Beliz sagte, er habe das aus Vergeltung getan, denn
hatte Ihr Vater nicht seine Tochter angefasst? Glauben Sie das?
Antwort: Nein.
Frage: Bewirkt
das bei Ihnen etwas?
Antwort: Ich
verstehe nicht, wie jemand so etwas aus Vergeltung tun kann. Ich meine, als
mein Vater – als mein Vater herausbekam, dass Manuel mich belästigte, da war
seine Reaktion nicht, zu jemand anderem zu gehen. Seine Reaktion war, jemandem
etwas aufs Maul zu geben. Ich meine, es war nie zu – als Vergeltung, weil man
so etwas nicht als Vergeltung tut.
Frage: Möchten
Sie dem Richter noch etwas über Ihre Situation und die Auswirkungen auf Sie
sagen?
Antwort: (Keine
Antwort.)
Frage: Es gab
auch finanzielle Gesichtspunkte, nicht wahr? Hin und zurück fliegen und die
Arbeit verlieren?
Antwort: Mein Mann
hat seine Arbeit wegen des Kindes verloren. Er war eine Zeitlang ohne Arbeit;
er konnte die Arbeitsstelle nicht verlassen, da sagte er, er müsse jetzt –
seine Frau unterstützen, er habe nicht vor, nicht zu gehen. So verlor er seine
Arbeit. Ich habe so viele Wochen Arbeit verpasst. Finanziell hat es Probleme
gegeben, ja. Meine Eltern, wissen Sie, wenn man fragte, ob ich etwas wollte –
Manuel hat mir seelischen Schaden zugefügt, seit ich im zarten Alter von fünf
Jahren war, und alles weiter so bis jetzt. Alles, was ich tue, wird von dem
bestimmt, was Manuel mir angetan hat. Und auch alles, was ich für den Rest
meines Lebens tun werde, hoffentlich noch weitere 60 Jahre oder so, das wird
immer ein Trauma für mich sein. Und alle Entscheidungen, die ich in meinem
Leben treffe, haben einen Bezug zu dem, was er mir angetan hat. Wenn ich Kinder
habe. Als ich heiratete. Ich habe jede Nacht Alpträume. Sehr oft kann ich nicht
schlafen und, wie ich sagte, er hat mich in mein Gefängnis gesteckt, und in
diesem Gefängnis werde ich jeden Tag sein, bis ich tot bin. Ich will nur, dass
Sie das wissen. Das ist etwas, das immer da ist, und es ist etwas, das ich nie
vergessen werde. Er hat mich seelisch zugrunde gerichtet und mich in mein
Gefängnis gesteckt, bis ich sterbe.
Frage: Und in
diesem Zusammenhang – wenn ich überdramatisiere – hat Herr Beliz so an die zehn
Jahre Gefängnis zu erwarten. Glauben Sie, das ist ein fairer Handel?
Antwort: Nun, ich
bin schon seit über 15 Jahren in meinem Gefängnis. Das sieht schon etwas
merkwürdig aus, dass er für das, was er getan hat, nur zehn Jahre bekommt. Wenn
ich für den Rest meines Lebens in meinem Gefängnis stecken werde, wenn das, was
er getan hat, mich seelisch kaputt macht, bis ich sterbe, nun, dann ist das
schon unfair.
Frage: Können
Sie sich an die Aussage des Polizeibeamten erinnern, der sagte, nachdem er
Herrn Beliz auf seine verfassungsmäßigen Rechte hingewiesen und ihn über die Tat
vernommen hatte, Herr Beliz habe ihm gesagt, wenn der Richter ihn frage, müsse
er wohl zugeben, dass er solche Dinge getan habe. Wenn es nun möglich wäre,
dass Herr Beliz entweder aus Mangel an rechtlichen Gründen, oder nun – oder aus
einem anderen Grund, wenn es möglich wäre, dass er Ihnen etwas sagte, was
würden Sie wollen, dass er zu Ihnen über alle diese Taten sagte? Was würden Sie
gerne hören wollen?
Antwort: Ich weiß,
dass ihm das, was er getan hat, nicht leid tut. Wenn er also jetzt aufsteht und
sagt, es tut ihm leid, dann bedeutet das nicht viel. Ich habe ihm ja die
Gelegenheit gegeben zu sagen, dass es ihm leid tut, und er hat es nicht gesagt.
Und ich habe ihm gesagt –
Frage: Wie das?
Antwort: Eines der
Gespräche, ich weiß nicht mehr genau das Datum, wurde von einem Beamten,
Officer Flopp, aufgezeichnet. Und ich habe ihm gesagt, wenn du dich
entschuldigst; und ich habe Melissa Beliz, seiner Tochter, gesagt, wenn er sich
entschuldigt, dann ist das in Ordnung. Dann würde ich ihn nicht vor Gericht bringen.
Aber er wollte nicht. Ich habe gesagt, ich will, dass er verhaftet wird. Er hat
sich nicht entschuldigt, und wenn er sich damals dafür entschied, sich nicht zu
entschuldigen und das alles hier durchzumachen, dann würde eine Entschuldigung
wirklich – dann würde eine Entschuldigung nicht viel bedeuten, weil es ihm ja
nicht wirklich leid tut. Manuel kann mir hier nichts sagen, das das, was er mir
angetan hat, ungeschehen machen würde, das bewirken würde, dass ich mich besser
fühle. Er kann nicht ein Wort sagen, das bewirkt, dass ich mich besser fühle.
Herr
Scott: Danke. Euer Ehren, ich gebe die Zeugin weiter.
Herr
Morgan: Keine Fragen, Euer Ehren.
Zeugenvernehmung
von Erica Rodriguez durch das Gericht:
Frage: Egal wie
lange Herr Beliz im Gefängnis verbringen wird: Hoffen Sie darauf, dass er die
Art von Hilfe, Therapie bekommt, diese Art von Verhalten hinter sich zu
bringen, wenn er schließlich wieder in die Öffentlichkeit –
Antwort: Ob ich
wollte, dass er Hilfe bekommt? Ja.
Gericht: Danke.
Herr
Scott: Euer Ehren, es war mein Gedanke am Ende der Aussage von Erica
vor Gericht, meine eigenen Gedanken dazu vorzubringen. Aber ich glaube, es gibt
wirklich mehr, das ich hinzufügen kann, das nicht bereits gesagt wurde. Ich
will mich darauf vorbereiten.
Gericht: Hat die
Bewährungshilfe Empfehlungen zu dem Punkt? Und wenn Sie nicht darauf
vorbereitet sind, jetzt eine Empfehlung zu geben, dann denke ich, weil es jetzt
Mittagszeit ist, wir könnten die Sitzung unterbrechen und nach dem Mittagessen
wieder zusammentreten. Das gäbe Ihnen die Möglichkeit, darüber nachzudenken,
wenn Sie das wollen. Ich weiß, Sie müssen das schriftlich tun, aber es könnte
hilfreich für das Gericht sein, wenn Sie in der Lage wären, mir Ihre Meinung zu
sagen, zumindest mündlich.
Herr
Scott: Nun, ich kann wahrscheinlich Änderungen vorbringen, die – und
ich entschuldige mich gegenüber dem Gericht für die Art und Weise, wie sich
diese Darstellung erwiesen hat hat, aber mir war nicht bewusst, dass die beiden
Anklagepunkte fallen gelassen worden waren. Ich hatte keine Informationen, dass
das geschehen war. Deshalb liegt die Bewertung dort, wo sie liegt.
Gericht: Nein, ich
verstehe das. Wir, die wir mit diesem Prozess zu tun hatten, verstehen es
wahrscheinlich, aber wenn Sie nur schnell in die Akten schauen, es ist etwas
verwirrend und es könnte sicher selbst zu dem Schluss führen, zu dem Sie kamen.
Herr
Scott: Nun, selbst mit den Änderungen – und die Bewertung hat sich
geändert – würde ich meinen, bei 125 Monaten für alles hätte er reichlich Zeit,
sich einer Behandlung zu unterziehen, wenn eine solche nötig sein sollte.
Gericht: Im
Wesentlichen ist das eine mutmaßliche Empfehlung, ungefähr in der Mitte des
Bereiches für das Strafmaß.
Herr
Scott: Nun ja, fast. Nun, es sind 102 bis 136 Monate, also etwas oberhalb
dem Mittelwert. Das sind 11 Monate weniger als die maximale (unhörbar).
Ich kann in diesem Augenblick gut damit leben.
Gericht: Herr
Morgan?
Herr
Morgan: Euer Ehren, ich bin mir nicht sicher, was das Gericht wünscht.
Da sind mehrere Leute, die zu Gunsten von Herrn Beliz aussagen möchten, und er
hat sein Rederecht und –
Gericht: Ja, wenn
das der Fall ist, dann wäre es angemessen, eine Pause zum Mittagessen zu machen
und dann zurückzukommen, anstatt mittags durchzumachen. In Ordnung, wollen wir
dann um etwa 1:15 wieder zusammenkommen?
Herr
Morgan: Das wäre gut, Euer Ehren.
Gericht: Ich habe
heute nachmittag noch andere Dinge vor, aber das muss warten, bis wir hier
fertig sind.
(Mittagspause)
Gerichtsdiener: Der Adams
County Superior Court ist wieder zusammengetreten. Setzen Sie sich bitte.
Gericht: Herr
Morgan?
Herr
Morgan: Ja, Euer Ehren. So wie ich sehe, wollen die folgenden Personen
zugunsten von Herrn Beliz aussagen: seine Frau, seine Tochter Melissa, sein
Sohn Gabriel und John White. In bin nicht sicher, in welcher Reihenfolge. Ich
habe ihnen gesagt, sie könnten hier vom Podium aus sprechen. Oder sollen sie
lieber in den Zeugenstand?
Gericht: Das geht
in Ordnung. Vom Podium aus ist in Ordnung. Für das Gerichtsprotokoll, auch wenn
ich Sie sehr gut kenne – für das Protokoll geben Sie alle, die hier sprechen
wollen, bitte Ihren Namen an.
Herr
White: Ja. Ich heiße John White.
Gericht: Fangen
Sie an.
Herr
White: Ich nehme an, ich spreche zugunsten von Manuel Beliz, aber ich spreche
auch zugunsten von Erica. Ich kannte Manuel 1970, als er in diese Gegend zog
und noch ein Teenager war. Und ich kenne Erica seit dem Tag ihrer Geburt. Sie
sind beide Mitglieder der Versammlung, die ich auch besucht habe. Die ganze
Zeit über, die Erica hier war, sah ich sie also mehrmals in der Woche, und
dasselbe gilt für Manuel Beliz. Ich kenne sie also beide. In den 1980er Jahren
wurde Manuel Beliz in eine bestimmte Stellung ernannt, die Erica erwähnte. Er
war – wir nennen das einen Dienstamtgehilfen. Kein Ältester, aber er hatte
gewisse Pflichten bei – ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was das war,
vielleicht war das die Literatur, wie sie in der Versammlung verteilt wird; so
etwas. Und ich habe in den 1980er Jahren bemerkt, dass er heiß und kalt war.
Viele Leute sind so, wir wissen nicht warum, ob sie die Sache ernst nehmen. Wie
auch immer, gegen Ende der 1980er Jahre – ich weiß nicht, ob er von seinem Amt
zurücktrat, oder vielleicht war es auch im gegenseitigen Einverständnis, dass
er den Posten verließ. Er wurde entfernt. Wir hatten keine Ahnung, wo die
Probleme lagen, wenn es welche gab.
Dann,
in den 1990er Jahren, sah ich, wie er geistlich wieder zu Kräften kam. Er wurde
für uns wieder sehr nützlich, und erst im Sommer 1996 erhielt ich einen Anruf
von einigen Ältesten in Ericas Versammlung in Sacramento, dass – wir hatten
keine Vorstellung, dass es dieses Problem gab. Wir haben also zum ersten Mal
davon gehört.
Wir
haben unser eigenes Rechtssystem, und man hat sich dieser Sache im Laufe von
soundsovielen Monaten, ich weiß es nicht mehr, angenommen. Manchmal sind wir in
der Lage, etwas innerhalb von ein paar Wochen zu tun. Manchmal dauert es über
ein Jahr; das hängt davon ab, wie wir die Informationen sammeln können. Man hat
sich dieser besonderen Sache also in der Versammlung angenommen und es wurde
eine bestimmte Strafe ausgesprochen. Ich muss sagen, Herrn Beliz war für
anderthalb Jahre die Gemeinschaft entzogen – er konnte sich nicht erinnern, wie
lang das war. So lang war das.
Und
dann wurde er wieder in die Versammlung aufgenommen, weil dasselbe
Rechtsgremium, das ihn zuerst bestraft hatte, überzeugt war, dass er bereut
hatte und wieder in die Versammlung aufgenommen werden konnte. Man hat ihn also
wieder aufgenommen.
Aber
ich – es war mir in den 1980er Jahren ein Rätsel, wo das Problem lag, denn
einmal konnte man ihn brauchen, dann wieder nicht. Er kam, er kam nicht. Aber
in den 1990er Jahren sahen wir eine Änderung, mit welchen Problemen er auch
immer klar kommen musste, nun, wir dachten, er hatte sie im Griff. Und danach
in den 1990er Jahren sehe ich einen anderen Menschen vor mir.
Ich
kann daher nichts zu dem Urteil, zum Strafmaß, sagen, weil ich mich wirklich
nicht so im Gesetz auskenne. Wenn Sie meinen, er müsse bestraft werden, dann
werden Sie den Menschen strafen, der er damals war. Ich bin nur einfach
überzeugt, dass er sich geändert hat. Wo immer die Probleme lagen, ab 1990
schien er sie im Griff zu haben. Und für uns sehen wir kein Problem.
Wenn
es da -- Beispielsweise glaube ich, dass auch Erica gesagt hat, sie befürchte,
wir würden einen Kinderschänder schützen. Wäre er jetzt und früher wirklich ein
Kinderschänder, hätten wir keinerlei Probleme, wenn Sie ihn in einer Weise
bestrafen. Wir würden das auch tun. Aber wir schützen keine Kinderschänder,
Vergewaltiger, Mörder, Lügner, Verleumder. Sie müssen alle durch unser
Rechtssystem wie auch Manuel Beliz.
Ich
möchte nur, dass zu Protokoll genommen wird, dass wir nicht den Eindruck
hinterlassen, unsere Versammlung würde irgendwie einen Kinderschänder schützen.
Das haben wir nicht getan. Zur rechten Zeit gab es bei uns ein Verfahren gegen
ihn, und man hat sich der Sache zu unserer Zufriedenheit angenommen. Als er
wieder aufgenommen wurde, war das Komitee, das ihn bestrafte, also offensichtlich
überzeugt. Wie weit Erica zufriedengestellt ist, darüber kann ich nicht viel
sagen. Das – das ist ein Problem, das nur sie selbst kennt.
Ich
würde gerne etwas mehr über das wissen, was wir nicht wissen, aber wissen
sollten. Ich weiß, was Erica gesagt hat. Ich weiß auch, was Manuel Beliz gesagt
hat. Ich wünschte, der Himmel öffnete sich und eine Stimme würde sagen: „So war
es wirklich.“ Denn egal was Sie tun, bei uns besteht die Notwendigkeit,
innerhalb unserer eigenen Reihen Recht zu sprechen.
So
hoffen wir also, dass wir eines Tages, wenn mehr Tatsachen ans Licht kommen,
tun werden, was wir tun müssen, weil die Versammlung ein sicherer Ort sein
muss. Mit anderen Worten: Wir wollen keine gefährlichen Leute bei uns haben.
Und zu diesem Zweck haben wir ein Rechtssystem, das das sicherstellt. Nicht
vollkommen, wie, da bin ich mir sicher, auch Ihr System nicht vollkommen ist,
aber wir geben uns Mühe.
Was
ich daher im Grunde genommen über Manuel Beliz sage, ist, dass ich weiß, dass
wir in den 1980er Jahren Probleme mit ihm hatten, und bis zum Sommer 1996 hatte
ich keine Ahnung, was das war. Aber danach haben wir uns der Sache angenommen.
Doch in den 1990er Jahren sahen wir einen anderen Menschen vor uns, und so
nahmen wir uns seiner an. Man hat ihm vergeben. Ich glaube, das ist das
richtige Wort.
Oh,
und noch etwas möchte ich sagen: Wie ich erwähnt habe, als ich im Zeugenstand
war und unter Eid aussagte, da bekam ich mit, dass Erica sagte, Manuel habe sie
angerufen und ihr gesagt, es täte ihm leid. Ich glaube, das waren ihre Worte.
Das alles haben wir natürlich mit berücksichtigt.
Oh,
und noch etwas, das – für den Fall, dass das zur Sprache kommt. Ich höre, dass
Mimi Cortez, die jüngste Tochter von Vanita Cortez, meine Tochter mit ins Spiel
brachte und sagte, Manuel Beliz habe meine Tochter belästigt.
So
haben wir meine Tochter angerufen und gesagt, hier, das ist die Beschuldigung.
Und ich höre, dass Herr Sandhaus sie vorgeladen hatte. Und wir haben weiter
angerufen und gefragt: „Bist du der Vorladung nachgekommen?“ Und sie sagte,
nein, nein. Das Ende vom Lied war, dass sie sagte: „Nein. Ich werde anrufen.
Ich werde Herrn Sandhaus anrufen und ihm sagen, an dem, was Mimi gesagt hat,
ist nichts dran.“
Und
das hat sie getan, und ich weiß, dass sie mit Herrn Sandhaus gesprochen hat.
Und ich möchte, dass das ins Protokoll kommt, dass diese Beschuldigung von Mimi
– dass nichts dran war. Solcher Dinge werden wir uns annehmen, aber ich wollte,
dass Sie, das Gericht, wissen, wenn die Sache zur Sprache kommt, dass wirklich
nichts dran ist. Ich habe mehrmals mit Herrn Sandhaus gesprochen. Ich habe ihm
gesagt, wie ich es auch hier tue, dass ich respektiere, was er tut. Er sagte zu
mir, dieser Mann sei ein Monster. Er müsse aus dem Verkehr gezogen – wissen
Sie, wir müssen die kleinen Mädchen im Staat Washington schützen. Wenn ich
dächte, das stimmte, er ist wirklich ein Monster, würde ich nicht sagen, ich
dächte, er habe sich geändert, oder wie immer man sich seines Problems seit
1990 angenommen hatte. Ich würde sagen, sperrt ihn weg und werft den Schlüssel
weg. So denke ich nicht, aber um nachts ruhig schlafen zu können, musste ich
das heute sagen. Ich kenne seine Probleme nicht, all die Probleme aus den
1980er Jahren, aber ich denke, ab 1990 hat er sich geändert, wie auch immer.
Ich
glaube, das ist alles, Euer Ehren. Ich bin dankbar für – ich habe mit Steve
Clays Abteilung gesprochen, mit Tom, und ich – ich meine, ich wollte mit
Tom reden, aber er meinte, das sei nicht nötig, weil ich die beiden kenne, und
es macht mich wirklich traurig, die beiden hier vor Gericht zu sehen. Das
sollte nicht nötig sein.
Und
ich denke, die Ältesten hier haben mehrfach mit ihnen geredet, als sie erstmals
mit dem Fall zu tun hatten, sie haben Erica eine Menge Aufmerksamkeit geschenkt
und alle ihnen mögliche Hilfe angeboten. Wir haben etwas miteinander geredet,
daher weiß ich, dass sie ihr Aufmerksamkeit schenkten und dass sie daran
interessiert waren, ihr zu helfen, sicherzustellen, dass man ihr in ihrem
Trauma, ihren Problemen helfen konnte, wissen Sie – soweit sie es eben konnten.
Ich denke, das ist alles, Euer Ehren. Vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben.
Gericht: Danke.
Gabriel
Beliz: Ich heiße Gabriel Beliz.
Gericht: Beginnen
Sie.
Gabriel
Beliz: Ich habe nicht im Voraus geplant oder eingeübt, was ich hier
sage. Ich rede frei von der Leber weg. Ich glaube, mein Vater ist ein sehr
liebevoller und treusorgender Mann. Ich habe eine Änderung an ihm gesehen. Ich
bin sehr stolz, diesen Menschen zum Vater zu haben. Er hat vielen Menschen
geholfen, ich kann sie alle gar nicht aufzählen.
Viele
Leute wünschten, sie könnten hier sein. Ich spreche auch für sie, wenn ich
sage, sie vermissen ihn, sie wünschten, er könne wieder bei ihnen sein. Ich
nehme an, sie verstehen nicht, wie es bei Gericht zugeht.
Aber
wenn ich Kinder hätte – und ich weiß, höchstwahrscheinlich wollte ich welche –
dann würde ich sie wirklich meinem Vater anvertrauen. Wissen Sie, ich würde
ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen, ihr Leben völlig in die Hände meines Vaters
geben, und ich würde sogar so weit gehen, das auch von anderen Kindern oder
Kindern anderer Eltern zu sagen. Ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass er
für sie sorgen würde, und er würde für sie nicht und auch nicht für jemand
anderen auf der Welt eine Bedrohung sein. Das ist im Grunde genommen alles, was
ich zu sagen habe.
Er
ist ein guter Mensch. Er ist liebevoll. Er gibt für jeden, der etwas braucht,
sein letztes Hemd. Und ich hoffe, wie auch immer die Lage aussieht, dass diese
Familie in der Lage ist, sich von dem Trauma, das sie erlitten hat, zu erholen.
Ich
hoffe nur das Beste für jeden, und ich glaube, mein Vater denkt auch so. Ich
weiß wirklich, dass er niemandem schaden möchte. Er hofft, nach alledem können
alle wieder Freunde werden. Das war’s.
Gericht: Danke.
Gabriel
Beliz: Danke.
Melissa
Gonzales: Ich bin Melissa A. Gonzalez, und ich spreche für meinen Vater.
Gericht: In
Ordnung.
Frau
Gonzales: Ich möchte nur dasselbe sagen wie mein Bruder. Er ist ein
großartiger Vater. Durch ihn ist unsere Familie stark und geeint. Ich würde ihm
vertrauen. Wenn ich Kinder habe, werde ich ihm meine Kinder anvertrauen. Es tut
mir weh, weil sie meine beste Freundin war, es tut mir weh. Ich weiß, dass das
Lügen sind, und das tut am meisten weh. Aber mein Vater ist ein guter,
liebevoller Vater, und ich vertraue ihm ganz meine Kinder an. Das ist alles,
was ich zu sagen habe.
Kathleen
Beliz: Kathleen Beliz. Euer Ehren, ich hatte nicht vor, hier vorne
etwas zu sagen, weil ich nicht wusste, dass wir das könnten. Man hat mir
gesagt, wir könnten es nicht. Als wir zur Beweisaufnahme kamen, habe ich
gefragt und man hat uns bedeutet, der einzige, der bereit wäre, wäre
wahrscheinlich Manuel, daher… Ich bin mit meinen Gedanken bei dieser Sache. Ich
bin einverstanden mit dem, was John gesagt hat. Ich habe mit ihm gelebt. Ich
wusste, dass irgendwann in den 1980er Jahren etwas nicht stimmte. Aber ich weiß
auch, dass die Sache in den 1990er Jahren völlig anders aussah. Und es war so,
wie John gesagt hat, er war ein anderer Mensch und er arbeitete äußerst hart
daran, unsere Familie wieder aufzurichten. Also ganz offen: In den 1990er
Jahren, als alles hochkam, hatten wir eine sehr – waren wir erfolgreich, und
ich rede nicht von Geld, wir hatten vielmehr als Familie Erfolg. Und selbst
jetzt würde ich ganz offen sagen, dass wir als Familie eine gute geistige
Einheit bildeten, und das im Grunde genommen, weil er die Familie wieder
aufgerichtet hat.
Er
hat alles, was er in den 1980er Jahren getan hat, wiedergutgemacht. Er ist
völlig vertrauenswert. Und ich möchte noch etwas hinzufügen. Entschuldigen Sie,
Euer Ehren. Kurz bevor das alles im Mai letzten Jahres hochkam, es war der 5.
Mai, dass er angeklagt wurde – von
Oktober an – das ist, als Erica ihre Klage einreichte – bis April und Mai waren
sie und ihre Mutter sehr – sie führten eine Untersuchung unter unseren Freunden
an. Sie nahmen Kontakt mit ein paar Freunden in Othello auf, und sie fragten
herum, ob es da noch weitere Opfer gebe. Sie baten sie, noch weitere Opfer zu
finden. Und eine der Personen, die an der Untersuchung teilnahm, sagte: „Wir
waren so froh, dass wir keine weiteren Opfer fanden.“
Was
ich damit sagen will, ist, sie befragten all die kleinen Mädchen, die in unser
Haus gekommen waren. Und ich weiß, das ist wahr, weil – und sie stellten
sicher, dass alle unsere Freunde davon erfuhren. Ich erinnere mich, wie ich
einmal irgendwo hinging und unsere Freunde sitzen da und ihre kleine Tochter
dreht sich herum und starrt uns mit so einem wissenden Blick an. Sie wussten
also alle davon.
Aber
ich denke, vielleicht könnte die Tatsache von Interesse für das Gericht sein,
dass keines dieser kleinen Mädchen vortrat und sagte: „Ich war Opfer wie
Erica.“ Das waren alles Mädchen von fünf, sechs, sieben, acht Jahren. Keines
von ihnen kam vor oder hat seinen Eltern gesagt, es sei auch ein Opfer. Ich
weiß also in meinem Inneren, dass er solche Dinge nicht tut, aber irgendwie war
das eine Bestätigung dafür. All die Kinder, die davon wussten; all die Eltern,
die davon wussten: keiner trat vor, weil es eben keine weiteren Opfer gab. So
dachte ich – ich möchte nur, dass Sie wissen, wir vertrauen ihm. Wir vertrauen
ihm von ganzem Herzen. Wir trauen ihm wegen der Tatsachen, die wir sehen. Wir
hoffen, dass Sie das berücksichtigen, Euer Ehren. Danke.
Gericht: Noch
jemand in der Familie, oder auch Freunde, die gehört werden möchten? Ja?
Lupe
Verdes: Kann ich vortreten?
Gericht: Sicher.
Lupe
Verdes: Mein Name ist Lupe Verdes, ich bin auch Manuels Bruder. Alles,
was ich sagen will, wissen Sie, wir sind tief – auch als Mitglieder unserer
Versammlung, als Ältester, der mit der Handhabung der Rechtssache nicht befasst
sein kann, weil ich ein Verwandter bin. Trotzdem vertraue ich dem
Rechtskomitee, das die Sache nach bestem Vermögen verhandelte, sehr. Und wir
wissen, dass unter diesen Umständen, Euer Ehren, egal wie viel graues Haar wir
auf dem Kopf haben oder Erkenntnis wir besitzen, jeder uns belügen oder eine
Geschichte abändern kann. Aber in diesem Fall, es geschieht vor Gericht, es
geschieht vor unseren Rechtskomitees, wenn wir – wenn wir versuchen,
Fehlverhalten wie dieses zu (unhörbar). Ich möchte nur sagen, dass wir
uns sehr bemühen, und wir geben unser Bestes, um die Grundsätze am Orte
anzuwenden, egal wie schwerwiegend das Fehlverhalten ist. Und in diesem Fall
fühlen wir uns sehr verletzt. Wie John White sagte, wissen Sie, wir fühlen uns
sehr verletzt, dass die ganze Angelegenheit hier zu einem Höhepunkt kam. Aber
wir sind – wir fühlen mit Erica und ihrer Familie und wir wünschen ihnen das
Beste, und möge Gott ihnen helfen, bald wieder geistig gesund zu werden, und
dass es irgendwie für sie weitergeht.
Und
wir wissen, das ist ein dornenreicher Weg für Erica. Wir sind aufrichtig – wir
meinen das so. Wir möchten, dass du bei deinem Mann bist und dass Gott deine
ganze Familie segnet und ihr weitermacht im Dienst. Und für Manuel, wie die
Sache aus ausgeht, wie Sie auch immer in der Sache entscheiden, wir wünschen
ihm auch das Beste und dass er unter welchen Umständen auch das für ihn
Mögliche tun kann. Und beide Familien sind großartige Familien. Wir kennen sie
schon seit vielen Jahren. Nochmals, ich kenne Erica schon seit vor ihrer Geburt
und Manuel natürlich mein Leben lang. Aber das ändert nicht viel daran, dass
wir hoffen, dass alle – beide Familien irgendwie weitermachen und es ihnen
gelingt, in der Zukunft wieder gesund zu werden. Danke.
Gericht: Noch
jemand?
Melanie
Beliz: Ich möchte gerne etwas sagen, Euer Ehren.
Gericht: In
Ordnung, kommen Sie herauf.
Melanie
Beliz: Und eigentlich fand ich die – ich wusste nicht einmal – das kam
gerade in mir auf. Was das angeht –
Gericht: Würden
Sie bitte Ihren Namen nennen?
Melanie
Beliz: Ich heiße Melanie Beliz.
Gericht: In
Ordnung.
Melanie
Beliz: Was die Familie Garza angeht, ich habe sie nie gekannt, und als
diese Beschuldigungen aufkamen, kannte ich die Familie Beliz noch nicht. Ich
habe erst kürzlich geheiratet, und um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich habe
noch nicht viel Zeit mit meinem Schwiegervater verbracht, aber aus der kurzen
Zeit, die ich mit ihm sprechen konnte, weiß ich, dass er ein wunderbarer Mensch
ist. Er liebt seine Kinder von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allem, was
er hat. Er liebt seine Frau. Und wissen Sie, man braucht nur ein paar gute
Menschen im Leben treffen, aber ich weiß, dass er einer der besten Menschen
ist, die ich je traf. Und wissen Sie, meine Eltern – die konnten heute nicht
hier sein, um ihn zu unterstützen, aber mein Vater mag ihn wie einen Bruder.
Wir würden alles geben, um jetzt hier den Schmerz wegzunehmen.
Ich
wollte nur kurz sagen, dass er einer der besten Menschen ist, die meine Familie
je kennen gelernt hat, und wir mögen ihn wirklich, und wir hoffen auch das
Beste für alle anderen Familien. Wir möchten niemandem Schaden zufügen. Aber
ich wollte nur für Manuel sprechen und Ihnen sagen, als was für einen guten
Menschen ich ihn in der kurzen Zeit kennen gelernt habe. Und das ist wirklich
alles, was ich zu sagen hatte.
Gericht: Danke.
Melanie
Beliz: Danke.
Gericht: Noch
jemand? Ja.
Flores
Gonzales: Mein Name ist Flores Gonzales. Ich würde gerne für mich selbst
sprechen.
Ich
kam in diese Familie und kannte Manuel nicht einmal, und ich verstehe seine
Situation. Und wir konnten wirklich keine echte – die Rechtssache oder was
immer in der Versammlung geschah, dieser Gemeinschaftsentzug erlaubte ihm
wirklich nicht, Umgang in der Versammlung zu haben, und ich gehöre zu dieser
Versammlung. So war ich wirklich nicht – hatte nicht die Art von Verhältnis zu
ihm, die wir hätten haben sollen. Aber ich kenne Manuel seit der Zeit, als er
wieder aufgenommen wurde, und er half uns bis in unsere Ehe oder in unserer
Verlobungszeit, und er war ein sehr liebevoller Vater, ich weiß das. Er gab
sich größte Mühe, das Beste zu tun, so viel wie er für uns tun konnte. Was nun diese
Beschuldigungen angeht: Ich kann nicht sagen, dass ich ihnen glaube, weil
Manuel seit unserer Bekanntschaft bis in unsere Ehe hinein ein anderer Mensch
war, selbst jetzt, wenn ich mit ihm rede. Er möchte, dass wir – er möchte, dass
ich – er sagt mir die ganze Zeit, ich solle – weil ich jetzt bei ihrer Familie
bin – er möchte, dass ich auf sie aufpasse, und er möchte, dass ich sie in
ihrem Glauben ermuntere, und dass sie stark sind. Das ist alles, worüber er mit
mir redet, und ich weiß, dass ich genau das tun werde. Und ich habe einfach
Vertrauen zu Manuel, und wenn ich einmal Kinder habe, weiß ich, dass ich sie
bei Manuel lassen kann. Das ist alles, was ich sagen wollte.
Gericht: In
Ordnung, danke.
Flores
Gonzales: Danke.
Gericht: Noch
jemand? Ja, gnädige Frau.
Ruth
Renoso: Ich bin Ruth Renoso, Manuels Schwester. Ich bin mit meinem
Bruder zusammen aufgewachsen, und ich muss zugeben, mein Bruder war – ist
wirklich einer meiner Lieblingsbrüder von den sechsen, die ich habe.
Manuel war mehr wie ich, zurückhaltend,