Gericht: Gibt es irgendwelche Angehörigen des Opfers, oder das Opfer selbst, jemand, der sich an das Gericht wenden möchte? Gut. Erica, würden Sie bitte vortreten?

Erica  Rodriguez: Euer Ehren.

Gericht: Guten Morgen.

Erica Rodriguez: Ich bin hier, weil ich hoffe, dass ich die Angelegenheit ein für allemal ruhen lassen kann. Von Personen, die Manuel unterstützten, wurde gesagt, dass – Entschuldigung (Zeugin weint) – vielleicht würde er für ein Verbrechen bestraft, das er vor so langer Zeit begangen hat, weil er anders – jetzt ist er ein anderer Mensch. Aber ich kann Ihnen schon sagen, was Manuel mir angetan hat; es ist egal, wie viel Zeit seit dem Tag, an dem er mich vergewaltigt hat, vergangen ist. Das ändert nichts an der Tatsache, dass er ein Vergewaltiger ist. Es ändert nichts an der Tatsache, dass ich damit jeden Tag meines Lebens leben muss. Ich muss mit der Tatsache leben, dass er mich vergewaltigt hat. Und das wird sich auf den Rest meines Lebens auswirken. Wissen Sie, ehe die sexuelle Belästigung und die Vergewaltigung begannen, war er ein guter Freund der Familie. Er war Ältester, Dienstamtgehilfe bei den Zeugen Jehovas, und ich habe zu ihm aufgeschaut. Er stellte in meinem Leben eine große Autorität dar. Wir wurden gelehrt, sie doppelter Ehre würdig zu halten, zu lieben und zu achten, und in dem Alter wusste ich es nicht besser, als ihn von ganzem Herzen zu lieben. Entschuldigung. Es ist nur etwas, das ich niemals vergessen werde; etwas, mit dem ich für immer leben muss. Manuel nahm dieses kostbare Verhältnis, das wir hatten, und er drehte es um und machte dieses Wirrwarr daraus. Er entriss mir alles, meinen ganzen Glauben und alles. Er nahm mir meine Unschuld als Kind, und er tat etwas, das sich auf den ganzen Rest meines Lebens auswirken wird. Es begann, als ich vier Jahre alt war, und in drei Wochen werde ich 23. Das sind 18 Jahre, die er mich in meinem eigenen Gefängnis eingesperrt hat. Ich weiß, Sie können nicht alles verhandeln, seit ich ein Kind war, aber wenn Sie das verhandeln, was von 1990 bis jetzt passiert ist, dann sind das 11 Jahre. Und das ist etwas, das immer so weitergeht. Ich kann Ihnen nichts anderes sagen, als dass es – ich werde immer in meinem eigenen Gefängnis sein. Es gibt nichts, was das beseitigen könnte. Ich bitte Sie nur um eine Bestrafung, die dem Verbrechen angemessen ist. Danke, Euer Ehren.

Gericht:  Danke. Noch jemand? Ja? Würden Sie bitte Ihren Namen für das Protokoll nennen?

Herr Garza: Mein Name ist Reuben Garza. Ich bin Ericas Vater. Und ich möchte nur sagen, Euer Ehren, seit dem Tag, als wir herausfanden, was Manuel Beliz meiner Tochter angetan hat, hat sich unser Leben geändert, meins und das meiner Frau. Meine Frau ist ziemlich krank deswegen. Sie konnte heute nicht hier sein, um etwas zu sagen. Aber ich möchte einfach sagen, was er unserer Tochter angetan hat, das war etwas Verabscheuungswürdiges, und es hat uns so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass wir nicht einmal auf die Kindheit unserer Tochter zurückblicken können – sie ist nicht so aufgewachsen, wie es hätte sein sollen. Wir schauen uns Bilder von ihr an, und wir können es nicht ertragen. Wir können es nicht aushalten, uns Bilder von ihr anzusehen, als sie vier war, weil wir dann anfangen zu weinen oder sich uns der Magen umdreht. Das steht eindeutig fest. Wie können uns keine Bilder von ihr mehr anschauen. Ich weiß, dass sie hier die Hauptbetroffene ist, aber ich wollte nur, dass Sie wissen, wir als Eltern sind sehr betroffen, und zu wissen, dass er ihr das angetan hat, als sie vier war, das macht uns ganz krank, Euer Ehren. Alles, was ich daher sagen kann, ist: Geben Sie ihm die Höchststrafe nach dem Gesetz, ich bitte Sie darum. Danke.

Gericht:  Noch jemand? Würden auch Sie bitte Ihren Namen für das Protokoll nennen?

Sherry Galvez: Sherry Galvez. Ich bin eine langjährige Freundin von Erica. Ich kenne sie schon, seit sie 15 war. Erica hat hin und wieder bei mir und meinem Mann gelebt, und nun auf Dauer, seit sie 16 ist. Ich habe täglich die Zerstörung miterlebt von dem, was ihr Manuel Beliz angetan hat, welche Auswirkungen es auf sie hatte, ohne Ende. Das reicht von allgegenwärtiger Trauer, dem Verlust der Unschuld ihrer Kindheit bis zu den Alpträumen, die nie ganz weggehen; Erica leidet jeden Tag. Manuel Beliz wurde trotz seines 23-fachen durchsichtigen Leugnens in zwei Fällen der schweren Vergewaltigung eines Kindes und des schweren Missbrauchs eine Kindes für schuldig befunden, weil die Wahrheit und Reinheit der Zeugenaussage Ericas alle Täuschungsmanöver in diesem Gerichtssaal durchdrungen hat. Es hat sich der Jury und allen anständigen Beobachtern hier eingebrannt. Gegenwärtig steht unsere große Nation, wie wir alle wissen, vor entsetzlichen Terrortaten. Amerika wird sich das nicht bieten lassen. Amerika steht bereit, an diesen ausländischen Feinden seine Urteile zu vollstrecken. Und warum sollten wir gerade jetzt irgendeine Form des Bösen tolerieren, eine Form privaten Terrorismus, denn genau das ist hier geschehen. Leider geschieht das immer wieder, aber in diesem Fall war es privater Terrorismus gegen ein Kind, das vor keiner anderen Wahl stand, als dass man ihr die Unschuld ihrer Kindheit geraubt hat, wie Erica selbst erwähnte, dass man ihr ihren Glauben gründlich genommen hat. Und ja, das hat sich bis heute auf sie ausgewirkt und wird es für den Rest ihres Lebens. Daran besteht kein Zweifel. Weniger als die in diesem Fall zulässige Höchststrafe zu verhängen; zuzulassen, dass dieses sexuelle Raubtier mit weniger als der Höchststrafe davonkommt, das wäre eine Beleidigung für jeden anständigen Amerikaner. Das kann man nicht hinnehmen. Als anständige Amerikaner hier, die sich völlig auf unser Rechtssystem verlassen, ersuchen wir das Gericht dringend, diesen schuldigen, reuelosen Kinderschänder in einer Weise zu bestrafen, die das abscheuliche Wesen seiner Verbrechen gegen dieses Kind widerspiegelt. Das sind sexuell perverse Verbrechen, die an einem vierjährigen Kleinkind, und danach noch weitere sieben Jahre, verübt wurden, die nur deshalb ein Ende nahmen, weil dieses Kind in eine andere Gegend zog und es damit seinem Zugriff entzogen war. Ich beschwöre Sie, Euer Ehren, im Angesicht Gottes und aller anständigen Zuschauer heute Gerechtigkeit walten zu lassen. Danke.

Gericht:  Danke. Noch jemand? Würden Sie sich bitte für das Protokoll ausweisen?

Bill Bowen: Ja, Sir. Mein Name ist Bill Bowen, und ich habe Erica Rodriguez im Februar diesen Jahres kennen gelernt. Und ich lernte sie kennen, weil ich Fürsprecher für Opfer von Kindesmissbrauch bin, und sie hat sich per Telefon an mich gewandt. Sie hat mir ihre Geschichte erzählt, und dann habe ich ihre Geschichte zusammen mit Hunderten anderer ins Internet gesetzt, und dann, als sich ihr Fall entwickelte, hatten wir mehrere weitere Telefongespräche. Der Grund, warum ich das hier vor Ihnen anführe, ist, es gibt drei Hauptgründe, warum ich meine, dass Herr Beliz weiterhin eine Bedrohung für Kinder ist. Und das ist – der erste hängt damit zusammen, dass Erica, seit ich sie kenne, mir ihre Geschichte gut über ein Dutzend Mal erzählt hat. Wenn jemand nicht wahrheitstreu ist, dann ändert sich die Geschichte mit der Zeit. Wenn man Ihnen eine Geschichte erzählt, und sie ändert sich immer etwas, dann können Sie sagen, ich zweifle den Wahrheitsgehalt der Worte an. Ich kenne tatsächlich Opfer, bei denen ändert sich ihre Geschichte, so merke ich das. Ich verurteile sie deswegen nicht, aber meiner Meinung nach ist das ein Faktor, an dem man erkennen kann, ob jemand einem die Wahrheit sagt. Wenn ich Erica zugehört habe, waren ihre Geschichten immer übereinstimmend. Sie hat immer dasselbe gesagt. Ich glaube ihr. Ich glaube, dass sie die Wahrheit sagt. Ich war hier im August diesen Jahres, und ich habe der Aussage von Herrn Beliz zugehört. Ich denke, es war für die Jury ersichtlich, dass sich seine Geschichte geändert hat, so wie er hier saß und aussagte. Soweit ich mich erinnere, hat er gesagt, er habe sie nur einmal um die Taille gefasst. Und er hat vorgegeben, sein Gedächtnis sei schlecht. Seine Bemerkungen haben in mir etwas Früheres wieder hochkommen lassen. Ich habe in meiner Kirche an die 20 Jahre als Ältester gedient, und ich habe in Rechtskomitees gesessen, wo es um Kindesmissbrauch ging. Und ich erkannte, dass die Worte von Herrn. Beliz dieselben Kommentare widerspiegelten, die ein Kinderschänder, der dasselbe behauptete, erst vergangenen Herbst gemacht hat. Er änderte seine Geschichte. Er konnte sich nicht mehr erinnern, und dann gestand er gerade einmal einen Vorfall bei einem Kind, das mehr als einmal missbraucht worden war. Ich meine nicht, Grund zu dem Glauben zu haben, dass Herr Beliz wirklich bereut, dass er wirklich die Wahrheit sagen und jede Strafe annehmen wolle, die ihm das Gericht auferlegt, und dass er Erica wissen lassen wolle, dass er ein besserer Mensch würde. Meiner Meinung nach ist er jemand, der weiterhin eine Gefahr für Kinder darstellt. Ich konnte letztes Mal, als Herr Beliz für schuldig gesprochen wurde, noch einmal Einblick in das Protokoll der Verhandlung nehmen. 1998 sagte John White aus, dass ein Rechtskomitee der Kirche Herrn Beliz im Herbst 1996 die Gemeinschaft entzogen habe. Im Lichte dieser Aussage ist das für mich interessant, weil – die Gemeinschaft bekommt nur jemand entzogen, der reuelos ist. Das heißt, das Rechtskomitee muss annehmen, dass der Mann oder die Frau die Tat wiederholen wird. Dass es immer noch eine Bedrohung gibt. Wenn wir irgendein Anzeichen von Reue finden können, dann versuchen wir, der Person den Ausschluss zu ersparen. Wir werfen sie nicht aus der Versammlung. Nun, wenn Herr Beliz im Oktober 1996 ausgeschlossen wurde, dann zeigt das, dass er damals eine Bedrohung darstellte. Nach meiner Erinnerung hat Herr White im Prinzip ausgesagt, der Gerechtigkeit der Kirche sei Genüge getan worden, da er, wie ich verstanden habe, etwa im Juni 1997 wieder aufgenommen wurde. Ich kenne diese Dinge. Und wie ich sagte, wenn er Reue gezeigt hätte, wäre er niemals ausgeschlossen worden. Die Tatsache, dass er ausgeschlossen wurde, wirft Fragen bezüglich seiner Gefahr für Kinder auf. Der dritte Punkt, den ich erwähnen möchte: Im August diesen Jahres, kurz nachdem die Verhandlung eröffnet wurde, gab es da eine Frau, die in dem Protokoll zur Urteilsverkündung aus dem Jahre 1998 erwähnt wurde. Ihr Name war Mimi Martinez. Mimi nahm per Telefon Verbindung mit mir auf. Sie war ziemlich verärgert, weil sie nichts von der Verhandlung hier in Ritzville wusste. Ich nehme an, sie wusste es nicht, weil sie in Yakima wohnt. Aber sie erzählte mir – ja, das waren ihre Worte mir gegenüber: dass Herr Beliz sie und ihre Schwester in den 1980er Jahren sexuell belästigt habe. Nun, ich sehe wohl, dass das inzwischen verjährt ist und kein Gewicht mehr haben kann, aber es zeigt dennoch, dass es auch noch andere Personen gibt, die offensichtlich glauben, dass dieser Mann Einfluss auf ihr Leben genommen hat. Und ich glaube – dass ist meine eigene Meinung – es gibt da noch weitere Opfer. Wenn ich also alle drei Dinge noch einmal aufführe: das ausweichende Verhalten von Herrn Beliz, sein Gemeinschaftsentzug durch das Rechtskomitee im Jahre 1996 und mein persönliches Gespräch mit Frau Martinez, dann ist Herr Beliz wohl weiterhin eine Bedrohung für die Gesellschaft und sollte so hart bestraft werden, wie es im Bundesstaat Washington eben möglich ist. Wir vertrauen in dieser Sache auf Ihr Urteil. Ich denke, dass Herr Beliz, wie Frau Galvez sich ausgedrückt hat, ein Terrorist gegenüber Kindern ist. Personen, die durch die Organisation der Zeugen Jehovas Pädophile schützen, hat er in die Lage versetzt, ungeschoren davonzukommen, und dafür sollte er verurteilt werden. Danke.

Gericht:  Noch jemand? Würden Sie bitte Ihren Namen nennen?

Pat Garza: Ich heiße Pat Garza. Ich bin nicht verwandt mit Erica, auch wenn ich den gleichen Hausnamen habe.

Gericht:  Gut, bitte beginnen Sie.

Pat Garza: Ich stehe hier als Freundin von Erica vor Ihnen. Ich kenne sie erst seit kurzem. Ich war hier bei der letzten Verhandlung. Ich stehe hier auch selbst als Opfer von Kindesmissbrauch. Und so weiß ich, dass das, was Erica sagt und empfindet, wahr ist. Ich verstehe ihre Alpträume bei Nacht. Ich verstehe die Angst und das Entsetzen, das einen überfällt, wenn man den Täter wiedersieht oder Kontakt mit ihm hat. Ich verstehe das Entsetzen und die Furcht vor Verlust, wenn man bedroht wird, ja nichts zu erzählen, weil solche Drohungen auch mir gegenüber erhoben wurden. Eines, von dem ich weiß, dass das Opfer es sehr braucht und was Erica nicht von Herrn Beliz erhalten hat, ist, dass das Opfer vom Täter hören muss, dass es nicht ihre Schuld war; dass sie nicht die Ursache für das Geschehene war; dass es nicht war, weil sie in der Nähe war; dass es nicht war, weil sie so niedlich war; dass es nicht war, weil sie sich auf bestimmte Weise bewegte oder in bestimmter Weise aussah. Der Täter muss die volle Verantwortung übernehmen für das, was geschah, und er muss sie vollständig von jeglicher Schuld befreien und zu Erica sagen: „Es war nicht deine Schuld, Erica. Es war völlig meine Schuld und Verantwortung, ich übernehme die volle Verantwortung dafür.“ Und Erica muss auch hören, dass es nicht ihre Schuld ist, dass die Sache vor Gericht kam. Denn das ist es, was das Gesetz unseres großen Landes besagt: dass Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern nicht hinnehmbar sind. Leider – nun, ich möchte gerne die Worte von Präsident Bush zu dieser terroristischen Tat in New York gebrauchen, weil sie eine besondere Bedeutung für mich hatten. Er sagte – er sprach direkt zu den Terroristen. Er sagte: „Ihr könnt weglaufen, aber ihr könnt nicht für immer weglaufen. Ihr könnt euch verstecken, aber ihr könnt euch nicht für immer verstecken. Ihr mögt einen Zufluchtsort haben, aber ihr könnt nicht für immer da bleiben. Eure terroristischen Taten mögen uns ins Chaos werfen und daran hindern, frei zu leben, aber das lassen wir nicht zu.“ Und er sagte auch: „Wir werden euch aufstöbern.“ Und er hat die Welt aufgerufen, sich ihm anzuschließen, sich unserem Land anzuschließen, um die Welt von Terrorismus und Terroristen zu befreien. Diese Worte hatten eine besondere Bedeutung für mich, denn als Opfer macht man uns Angst, dass wir ruhig sind – nicht nur der Täter tut das, sondern unsere Religion macht uns auch Angst, ruhig zu sein. Ich war 40 Jahre lang Zeugin Jehovas. Jetzt nicht mehr. Aber wenn man uns Angst macht, damit wir ruhig sind, dann sind wir nicht in der Lage, unsere Stimme zu erheben. Ich habe vergessen, was ich sagen wollte. Also, was dann geschieht, ist einfach wie bei den Terroristen in der Welt, sie verstecken sich in der Öffentlichkeit. Und so ist es bei den Zeugen Jehovas; weil ich das erlebt habe, kann ich davon sprechen, auch Herr Beliz hat sich eine Zeitlang in der Öffentlichkeit versteckt, weil er nicht – es ist nicht gesagt worden, was er getan hat. Er war in der Lage, Erica so zu terrorisieren, dass sie schwieg. Und wer weiß, ob es da nicht noch weitere Opfer gibt, die so terrorisiert wurden, dass sie schweigen, die nicht vorgekommen sind, die es aber irgendwann doch tun werden, wenn sie Mut gefasst haben. Ich schaue ihn mir an und sehe einen Mann, der die Furcht in Ericas Gesicht gesehen haben muss. Er muss das Entsetzen in ihren Augen gesehen haben. Er muss ihr Weinen und Winseln gehört haben, als er sie vergewaltigte, und sie fühlte den Schmerz, von dem sie uns im Zeugenstand berichtet hat. Dies ist ein Mann, der erbarmungslos ist, der kein Mitleid mit diesem kleinen Kind hatte. Er hatte keinerlei Empfindungen ihr gegenüber, sonst hätte er es nie versucht. Und ich glaube, es ist skrupellos, während sie hier zu einer Beerdigung ist – hier bricht ihr das Herz, weil jemand gestorben ist, den sie lieb hatte; und er nutzt diesen Moment aller Momente höchster Verletzlichkeit aus, dieses Kind zu vergewaltigen, während ihre Eltern nicht da waren, um sie zu beschützen. Wenn sie in seiner Obhut war. Und das geschah nicht so einfach, sondern er benutzte das als Gelegenheit, sie wieder zu vergewaltigen. Und da gibt es noch etwas, was ich an ihm bemerkte, als er hier seine Aussage machte – ich habe da meine Erfahrungen, und ich habe hier einen ganzen Aktenordner voller Briefe; Briefverkehr mit der Wachtturm-Gesellschaft, weil ich versuchte, eine Lösung für eine Situation zu finden, die dann schließlich doch nie gelöst wurde. Also: Ich habe ihn da oben beobachtet und sah in sein Gesicht, ich sah sein Verhalten, und was er sagte, war fast wörtlich das, was ein anderer sagte; der, der mich missbrauchte. Ich war ziemlich schockiert, als ich das sah, denn das war das erste Mal, dass ich das mitmachte. Sein Verhalten, sein Gesicht, sein ganzes Gehabe und wie er das, was er getan hat, bagatellisierte. Aus diesen Gründen und aufgrund meiner eigenen Erfahrung glaube ich wirklich, dass ihm seine Tat nicht leid tut. Er entschuldigt sich ja auch nicht in angemessener Weise bei dem Opfer, und ich habe da meine Zweifel, ob er es je tun wird. Zumindest jetzt tut er es nicht. Ich hoffe, dass er es tut. Ich hoffe, dass er die Mauer des Leugnens, hinter der er sich versteckt, einreißt, damit er die Hilfe bekommt, die er braucht. Aber im Augenblick bitte ich das Gericht auch, dass er die Höchststrafe erhält. Danke.

Gericht:  Noch jemand? Würden Sie bitte Ihren Namen für das Protokoll nennen?

Bruce Baker: Mein Name ist Bruce Baker, aus Salem, Oregon. Ich bin auch erst seit kurzem ein Freund von Erica. Ich war im Bundesstaat Oregon 52 Jahre lang in der Wachtturm-Organisation. Ich hatte die meisten Ämter, die ein Zeuge dort haben kann; ich war Aufseher, und ich hatte auch als Vorsitzender mit zwei Fällen von Kindesmissbrauch zu tun. Bei einer Gelegenheit sagte uns der Wachtturm-Anwalt Greg Olsen, wir dürften das nicht den Behörden melden. An meiner Tür standen zwei Tage hintereinander zwei Polizisten, die mir sagten, wenn ich keine Aussage über die betreffende Person machte, würde ich eine Geldstrafe von 1.000 Dollar bekommen – 1.000 Dollar pro Tag. Ich rief wieder bei der Wachtturm-Gesellschaft an, und dort sagte man mir, ich dürfe keine Informationen über die Person preisgeben. Glücklicherweise hat jemand anderer die Informationen preisgegeben, und das hat mich herausgepaukt. Bei einem anderen Fall ging es um ein Mädchen in Ericas Alter. Sie hatte zwei Kinder, aber in ihrem Fall gab es keinen zweiten Augenzeugen. Sie war seelisch sehr verstört, weil sie keine zwei Augenzeugen hatte. Der Fall fiel durch die Maschen unseres Rechtssystems. Heute glaube ich, dass ihr Vater der Schuldige bei diesen vielen Vorfällen war. Man glaubt das, weil sie voller Verzweiflung mit ihren beiden Kindern vor einen Zementlaster lief. Was ich damit sagen will: Die Organisation neigt dazu, eher an ihrem Image interessiert zu sein, egal was aus den Kindern wird. Vergangenes Jahr wurde ich sofort ausgeschlossen, als ich Wahrheiten über diese Organisation verbreitete. Ohne Komiteesitzungen. Diese Organisation wiegt Kinderschänder in falsche Sicherheit. Und ich bin froh, dass dieses Gericht, dieses Rechtssystem weit besser ist als das, das die Wachtturm-Gesellschaft vertritt. Es tut mir leid, dass so viel Gefühle bei mir hochgekommen sind. Danke.

Gericht:  Noch jemand? Ja, bitte.

Richard Rawe: Richard Rawe aus Soap Lake, Washington. Ich bin in dieser Organisation fast 60 Jahre lang Zeuge gewesen; 25 Jahre davon im Vollzeitdienst. Ich habe ein bisschen Insiderinformation in Bezug auf das, was wirklich in der Organisation passiert. Und ich möchte mich im Sinne Ericas für eine Strafe weit oberhalb des üblichen Strafmaßes aussprechen. Es hat mit dem Vertrauensmissbrauch zu tun, der hier erwähnt wurde. Erica erwähnte, dass Herr Beliz, als er Ältester war, doppelter Ehre für würdig gehalten wurde. Das ist eine Redewendung die niemand versteht, der kein Zeuge Jehovas ist. Diese Redewendung bedeutet für ein 4-Jähriges, 6- oder 8- oder 10-Jähriges, oder wie viel auch immer, Mädchen, dass er direkt unter Gott steht. So wichtig ist solch eine Person. Nun, für eine 14- oder 24-Jährige würde es das nicht bedeuten. Aber für ein Mädchen oder einen Jungen im Teenageralter würde es das wirklich bedeuten. Und es geht hier um den Missbrauch des Vertrauens, eines gewaltigen Vertrauens, das sie zu einer solchen Person haben. Und wenn dieses Vertrauen missbraucht wurde, dann mögen sie das zuerst nicht merken, aber wenn sie älter werden, dann erkennen sie das. Das kann sie so sehr zerstören, dass sie nicht einmal mehr glauben, dass es einen Gott gibt, geschweige denn etwas anderes. Das ist die Art von Zerstörung, die Erica Rodriguez heimgesucht hat, und die auch jeden anderen heimsucht, der von einem Ältesten oder auch nur einem einfachen Mitglied der Versammlung missbraucht wurde. Aber wie gesagt: Besonders ist das so beim Vertrauensmissbrauch. Also, in einem gewissen Sinne war Herr Beliz, wie ich das verstehe, so eine Art Arbeitgeber für Erica, als sie in kleines Mädchen war. Sie hat vielleicht nur 10 Cent oder sowas bekommen, und dann hat sie sich Süßigkeiten gekauft. Aber bei ihr ging das Vertrauen weit über das Übliche hinaus. Und ich glaube, Herr Beliz sollte auch eine Strafe weit über das Übliche hinaus erhalten, weil er sicher für die oberen 5 Prozent aller Kinderschänder im Land in Frage kommt. Ich möchte noch etwas zugunsten von Herrn Beliz sagen. Was Sie hier und heute in Herrn Beliz sehen, mögen nicht seine ehrlichen und wahren Empfindungen sein. Er handelt vielleicht unter der Anleitung seiner Organisation. Sie sagt ihm, er solle sich in einer ganz bestimmten Weise verhalten. Und was, wenn er das nicht tut? Sie schließt ihn wieder aus. Nun ist ein Ausschluss eine sehr, sehr schwere Bestrafung, äußerst schwer. Ich weiß das, denn ich bin schon seit 30 Jahren ausgeschlossen. Und dann ist man von den Angehörigen getrennt. Man kann seiner Mutter, seinem Vater, seiner Schwester, seiner Tante, seinem Onkel oder wem auch immer nicht einmal einen guten Tag wünschen. Als Zeuge ist man nur auf die Leute verwiesen, die auch Zeugen sind. Alle anderen Menschen in der Welt sind Teufel. Sie werden in Harmagedon vernichtet. Sie werden nie mehr wieder leben. Das ist die Bedrohung, die Herr Beliz heute fühlt und wegen der er so handelt, wie er es tut. Würde er so handeln, wie er es will, dann würden wir heute einen ganz anderen Menschen sehen. Und darum meine ich, er verdient eine außerordentliche Strafe weit über das Übliche hinaus. Danke.

Gericht: Noch jemand? Herr Morgan?

Herr Morgan (Anwalt): Danke, Euer Ehren. Das wird wahrscheinlich länger dauern, als ich aufgrund der verschiedenen Kommentare, die Personen zugunsten von Frl. Rodriguez abgegeben haben, und aufgrund einiger Bemerkungen von Herrn Flyckt angenommen habe.