Sonntag, 4. Februar 2001

Missbrauchsopfer und Eltern glauben, Kirchenälteste hätten sie im Stich gelassen
von PETER SMITH, The Courier-Journal

Im Brennpunkt
>Vorschriften der Zeugen Jehovas für Kindesmissbrauch angegriffen<
>Vorschriften zur Anzeige bei sexuellem Missbrauch bei jeder Religionsgemeinschaft anders<
Als Corinne Pandelo 12 Jahre alt war, erzählte sie ihren Eltern, wie aus dem Gerichtsprotokoll hervorgeht, dass ihr Großvater sie im August 1988 während eines Besuchs in seinem Haus in Paramus, N.J., missbraucht hatte. Diese Episode ließ eine Kette von Ereignissen anlaufen, die Corinne und ihre Eltern schließlich von der Kirche, zu der sie als fromme Mitglieder gehörten, entfremdeten. Carl und Barbara Pandelo, heute Belmar, N.J., lebend, gingen mit der Beschuldigung ihrer Tochter zu den Ältesten in ihrer Versammlung der Zeugen Jehovas in Fair Lawn, N.J., so das Gerichtsprotokoll.

Das Gesetz in New Jersey fordert von Geistlichen, dass sie mutmaßlichen Kindesmissbrauch anzeigen. Die Ältesten wandten sich an Carl Pandelos Vater, Clement Pandelo, er möge sich selbst an die Behörden wenden, sagte Carl Pandelo. Clement Pandelo gestand der Polizei am 24. August 1988 den Missbrauch. Aber Carl und Barbara Pandelo sagten, die Ältesten der Ortsversammlung hätten sie auch bedrängt, einem Teilgeständnis Clement Pandelos für eine geringere Strafe zuzustimmen, um damit, wie sie sagten, Corinne das Trauma eines Gerichtsverfahrens zu ersparen. Die Pandelos waren einverstanden. Anthony Valenti aus Maywood, N.J., der zu der Zeit Ältester in der Versammlung Fair Lawn war, sagte in einem Interview, das entspräche nicht seiner Erinnerung. „Meines Wissens haben wir ihm diesen Rat nicht gegeben“, sagte er.

Clement Pandelo erhielt, nachdem er sich im Februar 1989 vor dem Superior Court in Bergen County, N.J., für schuldig erklärt hatte, Corinne und zwei andere Mädchen belästigt zu haben, eine Bewährungsstrafe. Pandelo, heute 75 Jahre alt und Mitglied der Versammlung Hawthorne, N.J., sagte dem Courier-Journal, er wolle dazu nichts sagen.

Die Versammlung Fair Lawn schloss Clement Pandelo nach einer Rechtskomiteesitzung aus und nahm ihn 18 Monate später wieder auf, so das Gerichtsprotokoll. Carl Pandelo sagte, die Wiederaufnahme sei auf einen Brief seines Vaters an ihn, nicht an seine Tochter, gefolgt.

Carl und Barbara Pandelo sagten, es sei schlimm genug gewesen, dass die Familie den Angreifer Corinnes bei Kirchenzusammenkünften sah. Sie wurden verärgert, als Mitglieder und ein Ältester sie warnten, sie würden „nicht Harmagedon überleben“, wenn sie die Beziehung zu Clement Pandelo nicht wieder aufnähmen, sagte Carl Pandelo.

Corinne bereitete sich damals auf ihre Taufe vor und hatte wiederholte Alpträume, wie sie mit ihrem Großvater am Taufbecken zusammentraf, so die Gerichtsunterlagen. „Ich kann verstehen, wie die Pandelos sich fühlen“, sagte Valenti und fügte hinzu, dass jemand erst dann wieder aufgenommen wird, nachdem ein Dreierkomitee ihn als reumütig ansieht. „Es wäre besser, wenn sie (Clement Pandelo) vergeben könnten, aber die Verhältnisse sind nun einmal so.“

Schließlich brachten die Eltern Corinne zur Therapie. Corinne sagte, in ihr seien Erinnerungen hoch gekommen, wie sie mehrere Jahre lang von ihrem Großvater belästigt wurde, so die Gerichtsunterlagen. Um bei der Therapie zu helfen, sagten Corinnes Eltern, sie hätten den Polizeibericht erhalten und seien schockiert gewesen, dass Clement Pandelo gestanden hatte, schon seit 40 Jahren Mädchen zu befummeln. Die Eltern sagten, sie hätten die Ältesten nach Einzelheiten des Geständnisses von Clement gefragt. Man habe ihnen gesagt, das sei vertraulich. „Als Eltern haben wir doch wohl das Recht, zu erfahren, was er gestanden hat“, sagte Carl Pandelo in einem Brief vom 21. Januar 1993 an die Wachtturm-Gesellschaft, eine Rechtskörperschaft dieser Religion.

Valenti sagte, die Pandelos hätten mit den Ältesten über ihre Tochter diskutiert. Er lehnte es ab zu sagen, was die Ältesten mit Clement Pandelo bei anderen Gelegenheiten besprochen hatten.

Clement Pandelo wurde nicht anderweitig beschuldigt, aber seine Versammlung in Hawthorne schloss ihn 1992 aus, so die Gerichtsunterlagen. Vier Jahre später wurde er wieder aufgenommen, so ein Brief der Pandelos an die Wachtturm-Gesellschaft. Als Carl und Barbara Pandelo sich vorbereiteten, Clement Pandelo im Jahre 1993 auf Rückzahlung der Kosten für Corinnes Therapie zu verklagen, sagte Valenti, habe er ihnen gesagt, in der Bibel stehe, Christen sollten einander nicht verklagen. Valenti sagte, die Kirche erlaube Mitgliedern, Gelder aus Versicherungen einzunehmen – Clement Pandelo würde es aus seiner Haftpflichtversicherung bezahlen, aber die Ältesten hätten versucht, zu einem Kompromiss außerhalb des Gerichts zu kommen. Carl und Barbara Pandelo wandten sich an die Zentrale der Zeugen Jehovas und bekamen schließlich grünes Licht für eine Klage, so ein Brief der Kirche. Corinne Holloway, heute 24, verheiratet und in Spring Lake Park, N.J., lebend, erhielt 1999 vom Bergen County Superior Court 1,8 Millionen Dollar von Clement Pandelo zugesprochen, nachdem auch andere Frauen ausgesagt hatten, er habe sie, als sie noch Mädchen waren, belästigt. Clement Pandelo wurde auch zu 500.000 Dollar Geldstrafe verurteilt. Die Jury zog 40% von der ursprünglichen Summe von 3 Millionen Dollar an Holloway ab, da die Eltern 40% der Schuld trügen, weil sie ihre Tochter mit dem Großvater allein gelassen hatten.

Die Jury hörte die Aussage, eine Verwandte habe Carl Pandelo gesagt, sein Vater habe schon vor Jahren ein Mädchen belästigt. Carl Pandelo sagte in einem Interview, Valenti habe ihm gesagt, wenigstens ein Ältester habe Clement Pandelo wegen möglichen Missbrauchs befragt und gefunden, das sei unwahr. Valenti bestätige vor dem Prozess eidesstattlich, ein Ältester habe ihm gesagt, eine Untersuchung hätte keine Beweise zu Tage gefördert, dass Clement Pandelo jemanden sexuell missbraucht hatte. Valenti, der aufgrund seines Schweigerechts nicht vor Gericht aussagte, lehnte einen Kommentar ab. Holloway geht in die Berufung.