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Jehovas Zeugen werfen Eltern eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers hinaus 

LOUISVILLE, Kentucky (AP) – Eine Frau sagte, sie und ihr Mann seien von den Zeugen Jehovas exkommuniziert worden, nachdem sie gegen die Art und Weise aufgestanden waren, wie die Kirche mit den Anschuldigungen ihrer Tochter, sie sei von einem anderen Kirchenmitglied sexuell missbraucht worden, umging.

Barbara und Carl Pandelo aus Belmar, New Jersey, hatten seit Montag auf eine Entscheidung gewartet, dem Tag, an dem ein Rechtskomitee der Kirche in New Jersey zusammenkam, um zu überlegen, ob man sie ächten müsse, eine Praxis, die die Religionsgemeinschaft Gemeinschaftsentzug nennt.

„Jetzt haben sie es einfach nur noch offiziell gemacht“, sagte sie Freitagabend in einem Telefoninterview.

Sie gehören zu vier Zeugen, denen man mit dem Gemeinschaftsentzug drohte, weil sie Zwietracht in der Glaubensgruppe säten, indem sie gegen ihre Kirche aufstanden.

Einer von ihnen, William Bowen, ein 44-Jähriger ehemaliger Kirchenältester aus Draffenville, Kentucky, hat beklagt, dass die Zeugen Jehovas mutmaßlichen sexuellen Missbrauch von Kindern in ihren Reihen wegen des geschlossenen Charakters der Kirche und ihrem Beharren, Probleme intern zu behandeln, im Allgemeinen nicht bei den weltlichen Behörden anzeigen.

Anthony Valenti, Ältester in der Kirche der Pandelos, hat am Freitag nicht auf Telefonanrufe reagiert.

Aber J.R. Brown, Sprecher der Religionsgemeinschaft, sagte Anfang dieser Woche, Eltern würden von der Kirche nicht bestraft, wenn sie im Falle von Kindesmissbrauch zuerst zur Polizei gingen. Er meinte, jeder, der von einem Rechtskomitee der Kirche der sexuellen Belästigung schuldig befunden werde, würde aus allen Ämtern entfernt werden.

Der Streit der Pandelos mit der Religionsgemeinschaft geht bis auf das Jahr 1988 zurück, als ihre 12 Jahre alte Tochter sagte, sie sei von ihrem Großvater väterlicherseits, auch ein Mitglied der Glaubensgemeinschaft, belästigt worden.

Carl und Barbara Pandelo sind schon seit weniger Zeit nicht mehr in der Kirche aktiv, sagte sie, aber es täte ihr leid, dass sie Freunde verloren hätten.

„Jemanden einfach zu ächten und aufzugeben, ist das seelisch Verheerendste, was man tun kann“, sagte Pandelo.

Barbara Anderson aus Normandy, Tennessee, wurde gleichfalls vor ein Komitee zitiert. Anderson hat gesagt, sie habe von der Art des Umgehens ihrer Kirche mit Missbrauchsfällen erfahren, als sie in der Weltzentrale in New York City tätig war.