Was ist die „Intimgegend“ von Mädchen?

Von unserem Korrespondenten ANDREW WOLFE
wolfea@telegraph-nh.com

NASHUA – Ein Mann aus Hollis bat am Donnerstag einen Richter, das Urteil wegen sexueller Belästigung zweier Zwillingsschwestern aufzuheben. Er argumentierte, die 10-Jährigen Mädchen hätten sich nicht genau genug ausgedrückt, als sie aussagten, er habe ihre „Intimgegend“ berührt.

Gregory Blackstock, 45, früher wohnhaft in 68 Flint Pond Drive, argumentierte auch, die Staatsanwaltschaft hätte nicht beweisen können, er habe mit der Absicht gehandelt, sich sexuelle Befriedigung zu verschaffen.

Blackstock war in einem Prozess am 26. Juli vor dem Hillsborough County Superior Court dreier Fälle erschwerter sexueller Übergriffe für schuldig befunden worden.

Wenn Richter William Groff sein Urteil aufrechterhält, soll Blackstock am 25. September das Strafmaß verkünden. Groff hatte dies am Donnerstag unmittelbar nach der Beweisaufnahme nicht getan.

Wenn Groff das Urteil gegen Blackstock aufhebt, könnte die Staatsanwaltschaft Berufung einlegen oder ein neues Verfahren fordern. Andererseits könnte Blackstock argumentieren, der Fall sollte abgewiesen werden, weil der Staat niemanden wegen einer Sache zweimal verurteilen dürfe.

Blackstock sitzt gegenwärtig eine 5- bis 10-Jährige Gefängnisstrafe ab, weil er ein neunjähriges Mädchen aus East Kingston sexuell angegriffen hatte. Im kommenden Monat steht ihm ein weiterer Prozess bevor, weil er zwischen 1989 und 1996 ein heute 17-Jähriges Mädchen sexuell belästigte.

Blackstock war überführt worden, die Zwillingsschwestern zwischen Oktober 1998 und Juni 1999 im Hause ihrer Mutter in Hollis missbraucht zu haben.

Blackstock lernte die Mädchen und ihre Familie kennen, als er in East Kingston lebte und dort dieselbe Versammlung der Zeugen Jehovas besuchte wie sie. Er freundete sich mit der Familie an und lebte eine Zeitlang bei ihr. Die mutmaßlichen Übergriffe fanden statt, als die Mädchen ihn in seiner Wohnung in Hollis besuchten.

Die Mädchen, beide heute 10, sagten während des Prozesses aus, Blackstock habe ihre „Intimgegend“ berührt Die Mädchen zeichneten Kreise auf einer anatomisch richtigen Zeichnung, um zu zeigen, welchen Teil sie meinten.

Blackstocks Verteidiger Paul Garrity argumentierte, die Beweise reichten nicht aus, um sexuellen Kontakt mit den Genitalien anzuzeigen.

„Sie haben einen Kreis um ein Gebiet gezogen, das den Bauch, die Leistengegend, die Beine und die Genitalien umfasste”, sagte Garrity.

Bezirksstaatsanwalt Roger Chadwick war anderer Meinung und sagte, die Zeichnungen seien doch genauer. In jedem Fall, so argumentierte er, sei der Begriff „Intimgegend” eindeutig.

„Es geht um einen sehr eindeutigen Begriff, der gemeinhin die Genitalien meint“, sagte Chadwick.

„Der gesunde Menschenverstand scheint jeden Zweifel auszuschließen, was ein 10-Jähriges Mädchen ... meint, wenn es ‚Intimgegend’ sagt“, schrieb Chadwick in seiner Erwiderung auf den Antrag Blackstocks. „Wenn Sie von diesem Papier aufschauen und jemanden gebückt in ihr Zimmer stolpern sehen, und er beklagt sich, man habe ihn in die ‚Intimgegend’ getreten, wollten oder könnten Sie da Zweifel haben, wo man ihn verletzt hat?”

In ihren Plädoyers führten Chadwick und Garrity zwei ältere Urteile des Supreme Court an. In einem Fall aus dem Jahre 1997 hielt das Gericht ein Urteil aufrecht, das sich teilweise auf die Aussage des Opfers stützte, man habe ihre ‚Intimgegend’ berührt, wobei ein ausgestopftes Häschen benutzt wurde, an dem das Opfer zeigte, was es meinte.

In einem Fall aus dem Jahre 1989 hielt der Supreme Court ein Urteil Groffs aufrecht, das Urteil gegen einen Mann aus Lowell, Massachusetts, aufzuheben, weil das Opfer aussagte, der Mann habe „seinen Finger in meinen Popo gesteckt“. Das Gericht befand, das Wort „Popo” sei zu zweideutig, um ein sexuelles Eindringen zu beweisen.

Garrity argumentierte, die Situation in Blackstock Fall sei dem Fall aus dem Jahre 1989 ähnlich, wohingegen Chadwick sie mit dem neueren Fall verglich.

Garrity beklagte sich auch, die Staatsanwaltschaft habe nicht beweisen können, dass Blackstock aus sexueller Befriedigung handelte, wie es die Gesetze in einem solchen Fall fordern.

Die Staatsanwaltschaft habe keine Beweise für die Umstände des angeblichen sexuellen Übergriffes angeführt – nicht einmal, ob es einmal oder mehrmals geschah, sagte Garrity. Nach allem, was die Jury kannte, konnte Blackstock zufällig auf die Mädchen gefallen sein oder sie berührt haben, als er schlief, sagte Garrity.

„Man kann ohne Beweise nicht auf kriminelle Absicht schließen”, sagte Garrity. „Sie haben keine Beweise für die näheren Umstände, in denen es zur Berührung kam, angeführt.“

„Es ist wie bei diesem Mitspieler in der Addams Family, der im Ozon schwebt“, sagte er.

Chadwick konterte, die einfache Tatsache, dass beide Mädchen angegriffen wurden, schließe einen Zufall aus und weise auf ein absichtliches Berühren hin.

Blackstocks hat bereits andere bemerkenswerte Rechtsvorschriften hervorgebracht.

Vor dem Prozess bestimmte Groff, dass Blackstock nicht nach dem „Drei-Fälle”-Gesetz für Vergewaltigungen verurteilt werden könne, weil er alle mutmaßlichen Taten begangen habe, ehe er beschuldigt wurde. Einige Richter haben das Gesetz anders ausgelegt, und das höchste Gericht des Bundesstaates muss in der Sache noch entscheiden.

In einem weiteren vorgerichtlichen Entscheid befand Groff, Älteste in Blackstock Versammlung der Zeugen Jehovas  könnten aufgrund des „Religionsprivilegs” nicht gezwungen werden, über seine Einlassung ihnen gegenüber eine Aussage zu machen, da Religionsführer nicht gezwungen werden könnten, ein Geständnis oder andere Aussagen zu enthüllen, die jemand ihnen als geistlichen Ratgebern gegenüber macht.

Andrew Wolfe ist zu erreichen unter 594-6410.