Übersetzung des Briefes von Anders an das Zweigbüro in Schweden

 

 

Göteborg, 5. Juni 2003

 

An die Brüder im Bethel in Arboga

 

Liebe Brüder,

 

heute habe ich euren Brief erhalten, in dem ihr mich bittet, Informationen über ein Treffen zu liefern, bei dem ich den Ältesten in der Versammlung der Zeugen Jehovas in Tjörn-Orust berichtet habe, dass ich missbraucht wurde.

 

1996 ging ich zu den Brüdern und erzählte ihnen, dass ich missbraucht wurde. Bitte nehmt zur Kenntnis, dass ich derjenige war, der mit ihnen Kontakt aufnahm und trotz Morddrohungen von meinem Schänder den Missbrauch meldete.

 

Ich erinnere mich nicht an die Einzelheiten, wie die Gespräche mit den Ältesten liefen. Ich erinnere mich nicht daran, dass spezifische Daten erfragt oder gegeben wurden. Ich war zu der Zeit unter extremer seelischer Belastung und in schlechtem körperlichen Zustand.

 

Mit Hilfe vieler Sitzungen bei meinem Therapeuten, der sich auf die Behandlung von Opfern sexuellen Missbrauchs spezialisiert hat, brachte ich den Mut auf, über die schrecklichen Dinge zu reden, die mir als Kind zugestoßen waren. Viele Dinge habe ich geklärt, und ich habe mich genauer an Daten erinnert. Die Daten und die Informationen, die ich “Mission Investigate” gegenüber angegeben habe, waren völlig richtig.

 

Ich darf vorschlagen, dass ihr mit den Brüdern in meiner alten Versammlung Kontakt aufnehmt und hört, was sie zu dieser Sache zu sagen haben, um meine Erinnerungen an diese Dinge zu bestätigen.

 

Es ist schwer zu verstehen, warum ihr aus den kleinen Unterschieden zu dem, was mein Schänder sagt, wie es abgelaufen ist, einen Streitfall machen wollt. Was ich erzählt habe, stimmt leider, und keine Briefe, keine "Tatsachenerklärungen", keine Anzeigen in Zeitungen, um mich zu diskreditieren, können diese "Tatsachen" ändern. Als ich erwähnt habe, die Ältesten hätten mich "missbraucht", war der Grund, dass ihre Kommentare immer gewesen sind, ich solle das hinter mich bringen, und ich handelte, als hätte ich das Problem und nicht die Person, die mich missbraucht hat. Ich suche bei den Gesprächen mit den Ältesten immer noch nach einem gewissen Interesse, mir als dem Opfer zu helfen oder wenigstens zu versuchen, mich zu verstehen. Ich habe mich von der Versammlung völlig ignoriert und ausgegrenzt gefühlt. Leider bin nicht nur ich es, der in dieser Weise missbraucht wurde, sondern auch mehrere meiner Schwestern.

 

Ich kann immer noch nicht verstehen, wie ihr die Zeitungsanzeige veröffentlichen konntet, in der meine Lauterkeit in Zweifel gezogen wurde. Ihr habt diese Anzeigen veröffentlicht, ohne mich auch nur nach einer Klarstellung dessen zu fragen, was geschehen ist. Stattdessen habt ihr, wie ihr meiner Mutter geschrieben habt, einen Kinderschänder beim Wort genommen und das, was ein Opfer zu sagen hat, völlig ignoriert. Als ich diese Anzeige las, fühlte ich mich noch einmal vergewaltigt.

 

Wenn ihr irgendwann die Wahrheit erzählen wollt, werde ich euch gern alle Informationen geben, die ich euch geben kann. Wenn ihr weitere Fragen habt, könnt ihr gern Kontakt mit mir aufnehmen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Anders Christensson