*** w97 15. 8. 26-7 Warum sollte man Unrecht berichten? ***
Warum sollte man Unrecht berichten?
„WER etwas offenbart, wird der Leute
Feind“, sagt man in Westafrika. So erging es Olu, als er seinen älteren Bruder
eines blutschänderischen Verhältnisses mit seiner Schwester beschuldigte. „Du
bist ein Lügner!“ schrie der Bruder. Dann verprügelte er Olu, warf ihn aus dem
Haus der Familie und verbrannte seine gesamte Kleidung. Die Dorfbewohner
stellten sich auf die Seite des älteren Bruders. Da Olu in dem Dorf nicht mehr
willkommen war, mußte er es verlassen. Erst als man feststellte, daß das
Mädchen schwanger war, erkannte man, daß Olu die Wahrheit gesagt hatte. Sein
Bruder legte ein Geständnis ab, und Olu wurde in Ehren wieder aufgenommen. Es
wäre auch ein ganz anderer Ausgang möglich gewesen. Olu hätte sogar getötet
werden können.
Wer Jehova nicht liebt, wird es
wahrscheinlich kaum schätzen, wenn sein Vergehen ans Licht gebracht wird. Der
sündige Mensch neigt dazu, sich gegen eine Zurechtweisung zu sträuben und sich
über den zu ärgern, der sie erteilt. (Vergleiche Johannes 7:7.) Kein Wunder,
daß viele lieber den Mund halten, als diejenigen von dem Unrecht zu
unterrichten, die befugt sind, Missetäter zurechtzuweisen.
Den Wert einer Zurechtweisung
schätzen
Unter Jehovas Volk ist man zu einer
Zurechtweisung allerdings anders eingestellt. Gottesfürchtige Männer und Frauen
haben tiefe Wertschätzung für die Vorkehrungen, die Jehova getroffen hat, um
denjenigen in der Christenversammlung zu helfen, die einen Fehltritt begangen
haben. Sie betrachten solche Zucht als Ausdruck seiner liebenden Güte (Hebräer
12:6-11).
Das läßt sich an Hand einer
Begebenheit aus dem Leben König Davids veranschaulichen. Er war zwar von Jugend
an ein gerechter Mann, doch eines Tages verübte auch er schwere Missetaten.
Zunächst beging er Ehebruch. In dem Bemühen, seine Sünde zu verbergen,
veranlaßte er dann, daß der Mann jener Frau getötet wurde. Doch Jehova
offenbarte Davids Sünde dem Propheten Nathan, der David mutig mit dem Vorfall
konfrontierte. Nathan bediente sich einer zu Herzen gehenden Veranschaulichung,
indem er David fragte, was mit einem Reichen geschehen solle, der viele Schafe
hatte, aber das Lamm eines Armen, sein einziges umhegtes Haustier, nahm und
schlachtete, um seinen Freund zu verköstigen. David, ein ehemaliger Hirte,
geriet darüber so in Zorn, daß er sagte: „Der Mann, der dies tut, verdient zu
sterben!“ Nathan wandte die Veranschaulichung dann auf David an und erklärte:
„Du selbst bist der Mann!“ (2. Samuel 12:1-7).
David ärgerte sich nicht über
Nathan; er versuchte auch nicht, sich zu rechtfertigen, noch nahm er Zuflucht
zu Gegenbeschuldigungen. Statt dessen regte sich sein Gewissen wegen Nathans
Tadel. Tief betrübt bekannte David: „Ich habe gegen Jehova gesündigt“ (2. Samuel
12:13).
Es wirkte sich positiv aus, daß
Nathan die Sünde Davids aufdeckte und ihn auf die von Gott vorgesehene Weise
zurechtwies. David blieb zwar nicht von den Folgen seiner falschen Handlung
verschont, aber er bereute und wurde mit Jehova versöhnt. Wie dachte David über
eine solche Zurechtweisung? Er schrieb: „Sollte der Gerechte mich schlagen, es
wäre liebende Güte; und sollte er mich zurechtweisen, es wäre Öl auf das Haupt,
das mein Haupt nicht zurückweisen möchte“ (Psalm 141:5).
Auch heute kann es vorkommen, daß
Diener Jehovas — selbst solche, die viele Jahre treu gedient haben — eine
schwere Missetat begehen. In dem Bewußtsein, daß die Ältesten helfen können,
ergreifen die meisten die Initiative und bitten sie um Hilfe (Jakobus 5:13-16).
Doch es kann auch vorkommen, daß ein Missetäter seine Sünde zu vertuschen sucht
wie König David. Was sollten wir tun, wenn wir Kenntnis von einer schweren
Missetat in der Versammlung haben?
Wessen Verantwortung ist es?
Wenn Älteste von einer schweren
Missetat erfahren, sprechen sie den Betreffenden an, um ihm die nötige Hilfe zu
leisten und ihn zurechtzubringen. Es gehört zu den Pflichten der Ältesten,
solche Personen in der Versammlung zu richten. Da sie über den geistigen
Zustand der Versammlung wachen, helfen sie demjenigen, der im Begriff steht,
einen unklugen oder verkehrten Schritt zu tun, und ermahnen ihn (1. Korinther
5:12, 13; 2. Timotheus 4:2; 1. Petrus 5:1, 2).
Wie verhält es sich jedoch, wenn
jemand, der kein Ältester ist, von der schweren Missetat eines anderen Christen
erfährt? Entsprechende Richtlinien sind in dem Gesetz zu finden, das Jehova der
Nation Israel gab. Darin wurde erklärt, daß jemand, der Zeuge von abtrünnigem
Handeln, von Aufwiegelung, Mord oder gewissen anderen Verbrechen wurde, verpflichtet
war, es zu berichten und das zu bezeugen, was er wußte. In 3. Mose 5:1 heißt
es: „Falls nun eine Seele sündigt, indem sie eine öffentliche Verfluchung
gehört hat, und der Betreffende ist Zeuge, oder er hat es gesehen oder hat es
erfahren, dann soll er sich, wenn er es nicht berichtet, für sein Vergehen
verantworten.“ (Vergleiche 5. Mose 13:6-8; Esther 6:2; Sprüche 29:24.)
Christen stehen heute zwar nicht
unter dem mosaischen Gesetz, aber sie können sich von den diesem Gesetz
zugrunde liegenden Grundsätzen leiten lassen (Psalm 19:7, 8). Was sollten wir
also tun, wenn wir von der schweren Missetat eines Mitchristen erfahren?
Behandlung der Angelegenheit
Zunächst muß wirklich berechtigter
Grund zu der Annahme bestehen, daß eine schwere Missetat begangen wurde. „Werde
nicht ohne Gründe Zeuge gegen deinen Mitmenschen“, sagte ein weiser Mann. „Dann
würdest du töricht reden mit deinen Lippen“ (Sprüche 24:28).
Vielleicht entschließen wir uns,
direkt zu den Ältesten zu gehen. Das wäre nicht verkehrt. Normalerweise ist es
jedoch liebevoller, zuerst die betreffende Person anzusprechen. Vielleicht
haben wir uns getäuscht. Es könnte allerdings auch sein, daß sich die Ältesten
bereits mit der Angelegenheit befassen. Unterhalten wir uns mit der Person in
ruhigem Ton über die Sache. Sollte weiterhin Grund zu der Annahme bestehen, daß
ein schweres Unrecht begangen wurde, werden wir den Betreffenden ermuntern, bei
den Ältesten Hilfe zu suchen, und ihm erklären, warum es weise ist, das zu tun.
Wir sollten jedoch mit niemand anders über die Angelegenheit sprechen, denn das
wäre Geschwätz.
Sollte sich die Person innerhalb
einer angemessenen Frist nicht bei den Ältesten gemeldet haben, müßten wir zu
ihnen gehen. Ein oder zwei Älteste werden dann mit dem Beschuldigten über die
Angelegenheit sprechen. Die Ältesten sollten ‘suchen und nachforschen und sich
gründlich erkundigen’, um festzustellen, ob Unrecht begangen wurde. Wenn ja,
werden sie den Fall entsprechend den biblischen Richtlinien behandeln (5. Mose
13:12-14).
Um eine Missetat nachzuweisen, deren
jemand beschuldigt wird, müssen mindestens zwei Zeugen vorhanden sein (Johannes
8:17; Hebräer 10:28). Falls die Person die Beschuldigung zurückweist und nur
unser Zeugnis vorliegt, muß die Angelegenheit Jehova überlassen werden (1.
Timotheus 5:19, 24, 25). Das geschieht in dem Bewußtsein, daß vor Jehova alle
Dinge „bloßgelegt“ sind und daß, wenn der Betreffende schuldig ist, seine
Sünden ihn schließlich „einholen“ werden (Hebräer 4:13; 4. Mose 32:23).
Angenommen, die Person weist die
Beschuldigung zurück und wir sind der einzige Belastungszeuge. Müßten wir nun
mit einer Gegenklage wegen Verleumdung rechnen? Nicht wenn wir mit keinem
Uneingeweihten über die Angelegenheit gesprochen haben. Es ist nicht
verleumderisch, diejenigen, die die Befugnis und die Verantwortung haben, zu
beaufsichtigen und Dinge richtigzustellen, über etwas zu unterrichten, was die
Versammlung betrifft. Das ist sogar im Einklang mit unserem Wunsch, stets das
zu tun, was richtig und loyal ist. (Vergleiche Lukas 1:74, 75.)
Die Heiligkeit der Versammlung
bewahren
Missetaten sollten unter anderem
deshalb berichtet werden, weil es dazu beiträgt, die Reinheit der Versammlung
zu bewahren. Jehova ist ein reiner Gott, ein heiliger Gott. Er verlangt von allen,
die ihm dienen, geistig und sittlich rein zu sein. Sein inspiriertes Wort
enthält die mahnenden Worte: „Formt euch als gehorsame Kinder nicht mehr nach
den Begierden, die ihr früher in eurer Unwissenheit hattet, sondern in
Übereinstimmung mit dem Heiligen, der euch berufen hat, werdet auch ihr selbst
heilig in eurem ganzen Wandel, weil geschrieben steht: ‚Ihr sollt heilig sein,
weil ich heilig bin‘ “ (1. Petrus 1:14-16). Personen, die unreine Handlungen
oder Unrecht begehen, können eine ganze Versammlung beflecken oder der Gunst
Jehovas berauben, wenn nichts unternommen wird, die Betreffenden
zurechtzuweisen oder aus der Versammlung zu entfernen. (Vergleiche Josua,
Kapitel 7.)
Aus den Briefen, die der Apostel Paulus
an die Christenversammlung in Korinth richtete, geht hervor, wie das Berichten
von Missetaten dazu beitrug, die dortigen Diener Gottes zu reinigen. Paulus
schrieb in seinem ersten Brief: „Tatsächlich wird von Hurerei unter euch
berichtet und von einer solchen Hurerei, wie es sie selbst nicht unter den
Nationen gibt, daß ein gewisser Mann die Frau seines Vaters hat“ (1. Korinther
5:1).
In der Bibel wird nichts darüber
gesagt, woher der Apostel seine Kenntnis davon hatte. Vielleicht erfuhr er es
von Stephanas, Fortunatus und Achaikus, die von Korinth nach Ephesus gereist
waren, wo sich Paulus aufhielt. Außerdem hatte er von der Christenversammlung
in Korinth einen Brief mit Fragen erhalten. Ungeachtet dessen, woher Paulus
seine Informationen über die Zustände hatte, konnte er, nachdem ihm
zuverlässige Zeugen davon berichtet hatten, entsprechende Hinweise dazu geben.
„Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte“, schrieb er. Der Mann wurde aus
der Versammlung ausgeschlossen (1. Korinther 5:13; 16:17, 18).
Wirkte sich die von Paulus erteilte
Anweisung zum Guten aus? Ganz gewiß! Der Missetäter besann sich offenbar. In
seinem zweiten Brief an die Korinther forderte Paulus die Versammlung auf, dem
reumütigen Mann ‘zu verzeihen und ihn zu trösten’ (2. Korinther 2:6-8). Das
Berichten der Missetat führte somit zu einem Vorgehen, durch das sowohl die
Versammlung gereinigt wurde als auch eine Person wieder in Gottes Gunst
gelangte, die ihr Verhältnis zu ihm zerstört hatte.
Im ersten Brief des Paulus an die
Christenversammlung in Korinth finden wir ein weiteres Beispiel. Diesmal nennt
der Apostel die Zeugen, die über die Angelegenheit berichtet hatten. Er
schrieb: „Mir ist über euch, meine Brüder, durch die Hausgenossen der Chloe
enthüllt worden, daß Streitigkeiten unter euch bestehen“ (1. Korinther 1:11).
Paulus wußte, daß solche Streitigkeiten in Verbindung mit ungebührlicher
Menschenverehrung zu einer sektiererischen Einstellung geführt hatten, die die
Einheit der Versammlung gefährdete. Aus tiefer Sorge um das geistige Wohl der
dortigen Glaubensbrüder handelte Paulus schnell und übermittelte der
Versammlung berichtigenden Rat.
Die große Mehrheit der Brüder und
Schwestern in den Versammlungen auf der ganzen Erde ist heute angestrengt
bemüht, die geistige Reinheit der Versammlung zu bewahren, indem sie stets das
tun, was Gottes Anerkennung einträgt. Einige müssen deshalb leiden; andere sind
um der Bewahrung der Lauterkeit willen sogar gestorben. Wer Missetaten
entschuldigt oder zudeckt, beweist gewiß fehlende Wertschätzung für diese
Anstrengungen.
Hilfe für Personen, die
verkehrt handeln
Was hält einige, die eine schwere
Sünde begangen haben, davon ab, sich an die Ältesten der Versammlung zu wenden?
Oft geschieht es deshalb, weil sie sich nicht bewußt sind, von welchem Nutzen
es ist, zu den Ältesten zu gehen. Manche sind der irrigen Auffassung, ihre
Sünde würde, wenn sie diese bekennen, der ganzen Versammlung bekanntwerden.
Andere erliegen einer Selbsttäuschung in bezug auf den Ernst ihrer Lage. Wieder
andere meinen, sie könnten sich auch ohne die Hilfe der Ältesten korrigieren.
Doch ein Missetäter benötigt die
liebevolle Hilfe der Versammlungsältesten. Jakobus schrieb: „Ist jemand unter
euch krank? Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich, und sie mögen über
ihm beten und ihn im Namen Jehovas mit Öl einreiben. Und das Gebet des Glaubens
wird dem sich nicht wohl Fühlenden zum Heil sein, und Jehova wird ihn
aufrichten. Und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden“ (Jakobus
5:14, 15).
Welch eine wunderbare Vorkehrung, um
Personen, die verkehrt gehandelt haben, zu helfen, ihr Geistiggesinntsein
wiederherzustellen! Durch die Anwendung des heilsamen Rates aus Gottes Wort und
durch ihre Gebete für die Betreffenden können die Ältesten den geistig Kranken
helfen, sich nach einem Fehlverhalten wieder zu fangen. Statt verurteilt,
fühlen sich reumütige Personen oft erfrischt und befreit, wenn sie mit
liebevollen Ältesten zusammenkommen. Ein junger Westafrikaner hatte Hurerei
begangen und seine Sünde monatelang verheimlicht. Nachdem seine Sünde offenbar
geworden war, sagte er zu den Ältesten: „Hätte mich doch jemand nach meinem
Verhältnis zu dem Mädchen befragt! Es ist so befreiend, die Sache zu bekennen.“
(Vergleiche Psalm 32:3-5.)
Ein Akt grundsatztreuer Liebe
Getaufte Diener Gottes sind „vom Tod
zum Leben übergegangen“ (1. Johannes 3:14). Doch wer eine schwerwiegende Sünde
begeht, begibt sich wieder auf den Weg des Todes. Wird ihm nicht geholfen,
verhärtet er sich möglicherweise in der Sünde und will gar nicht mehr bereuen
und zur Anbetung des wahren Gottes zurückkehren (Hebräer 10:26-29).
Eine Missetat zu berichten ist ein
Akt des echten Interesses an dem Missetäter. Jakobus schrieb: „Meine Brüder,
wenn jemand unter euch von der Wahrheit weg in die Irre geführt worden ist, und
ein anderer bringt ihn zur Umkehr, so wißt, daß der, der einen Sünder vom
Irrtum seines Weges zurückführt, seine Seele vom Tod retten und eine Menge von
Sünden bedecken wird“ (Jakobus 5:19, 20).
Warum sollten wir also Unrecht berichten?
Weil es zu guten Ergebnissen führt. Eine Missetat zu berichten ist tatsächlich
ein Akt grundsatztreuer christlicher Liebe zu Gott, zur Versammlung und zu dem
Missetäter. Wenn jedes Glied der Versammlung loyal Gottes gerechte Maßstäbe
hochhält, wird Jehova die Versammlung als Ganzes reichlich segnen. Der Apostel
Paulus schrieb: „Er [Jehova] wird euch auch befestigen bis ans Ende, damit ihr
frei von Anklage seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus“ (1. Korinther 1:8).
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Es zeugt von Liebe, einen Zeugen
Jehovas, der verkehrt gehandelt hat, zu ermuntern, mit den Ältesten zu sprechen
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Älteste helfen Personen, die
verkehrt gehandelt haben, wieder in Gottes Gunst zu gelangen
*** it-1 261 Ausschluß ***
Personen wie Hurer, Ehebrecher, Homosexuelle, Habgierige, Erpresser, Diebe,
Lügner, Trunkenbolde, Schmäher, Spiritisten, Mörder, Götzendiener, Abtrünnige
und solche, die Spaltungen in der Versammlung verursachen, verdienen es, aus
der Christenversammlung ausgeschlossen zu werden (1Ko 5:9-13; 6:9, 10; Tit
3:10, 11; Off 21:8). Wenn jemand eine Sekte fördert, wird der Betreffende
barmherzigerweise erst zweimal gewarnt, bevor ihm die Gemeinschaft entzogen
wird. In der Christenversammlung gilt der im mosaischen Gesetz aufgestellte
Grundsatz, daß eine Anklage durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen
bestätigt werden muß (1Ti 5:19). Personen, die Sünde getrieben haben und
überführt worden sind, werden schriftgemäß vor „den Augen aller“
zurechtgewiesen, z. B. derjenigen, die den sündigen Lebenswandel bezeugten, so
daß auch sie eine gesunde Furcht vor solcher Sünde haben mögen (1Ti 5:20; siehe
ZURECHTWEISUNG).
Die Christenversammlung wird durch
die Bibel auch ermahnt, aufzuhören, Umgang mit jemandem zu haben, der unordentlich
und unkorrekt wandelt, aber es nicht verdient, völlig aus der Gemeinschaft
entfernt zu werden. Paulus schrieb an die Versammlung in Thessalonich darüber:
„Hört auf, Umgang mit ihm zu haben, damit er beschämt werde. Und doch
betrachtet ihn nicht als einen Feind, sondern ermahnt ihn weiterhin ernstlich
als einen Bruder“ (2Th 3:6, 11, 13-15).
*** it-2 671 Rechtsfall ***
Beweismittel. Wenn jemand Zeuge abtrünniger Handlungen, aufrührerischen
Verhaltens, eines Mordes, der das Land verunreinigte, oder bestimmter anderer
schwerer Verbrechen wurde, war er verpflichtet, die Sache zu berichten und das,
was er wußte, zu bezeugen. Ansonsten war er dem göttlichen Fluch ausgesetzt,
was öffentlich bekanntgemacht wurde (3Mo 5:1; 5Mo 13:8; vgl. Spr 29:24; Est
6:2). Ein Zeuge reichte allerdings nicht aus, um eine Sünde nachzuweisen.
Zwei oder mehr Zeugen waren nötig (4Mo 35:30; 5Mo 17:6; 19:15; vgl. Joh
8:17, 18; 1Ti 5:19; Heb 10:28). Das mosaische Gesetz gebot Zeugen, die Wahrheit
zu reden (2Mo 20:16; 23:7), und in einigen Fällen wurden sie unter Eid gestellt
(Mat 26:63). Das war vor allen Dingen dann der Fall, wenn derjenige, der
verdächtigt wurde, der einzige Zeuge in der Angelegenheit war (2Mo 22:10, 11).
Da Personen, die wegen eines Rechtsfalls vor die Richter oder zur Beurteilung
einer Angelegenheit zum Heiligtum kamen, so betrachtet wurden, als stünden sie
vor Jehova, mußten sich die Zeugen darüber im klaren sein, daß sie Gott
Rechenschaft zu geben hatten (2Mo 22:8; 5Mo 1:17; 19:17). Ein Zeuge durfte weder
eine Bestechung annehmen noch zulassen, daß irgendein Böser ihn überredete,
lügnerisch zu reden oder Gewalttat zu planen (2Mo 23:1, 8). Der Zeuge durfte
sich bei seiner Zeugenaussage nicht durch den Druck der Menge oder durch den
Reichtum oder die Armut derer, die in den Fall verwickelt waren, beeinflussen
lassen (2Mo 23:2, 3). Sogar die engsten Familienbande durften jemanden nicht
davon zurückhalten, gegen einen bösen Gesetzesübertreter wie beispielsweise
einen Abtrünnigen oder einen Rebellen auszusagen (5Mo 13:6-11; 21:18-21; Sach
13:3).
*** w87 1. 9. 12-15 "Eine Zeit zum Reden" - Wann? ***
Maria ist eine erdachte Person. Sie ist in einer Lage, in der sich schon
etliche Christen befunden haben. Wie sie das Problem angeht, ist ein Beispiel
dafür, wie einige Christen in einer solchen Lage biblische Grundsätze angewandt
haben.
In dem Werk Biblischer Commentar
über das Alte Testament, herausgegeben von Carl
Friedr. Keil und Franz Delitzsch (1870), heißt es, die Vergehung oder Sünde
würde darin bestehen, „daß jemand der um das Verbrechen eines andern wußte, sei
es daß er dasselbe gesehen oder auf andere Weise in gewisse Erfahrung gebracht
hatte, mithin vor Gericht als Zeuge zur Ueberführung des Verbrechers
aufzutreten befähigt war, dies nicht tat und was er gesehen oder erfahren hatte
nicht anzeigte, wenn er bei der öffentlichen Verhandlung über das Verbrechen
die feierliche Adjuration des Richters hörte, durch welche alle Anwesenden, die
um die Sache wußten, veranlaßt werden solten, als Zeugen aufzutreten“.
[Bild auf Seite 15]
Man handelt richtig und auch
liebevoll, wenn man einen Zeugen Jehovas, der in die Irre gegangen ist,
ermuntert, mit den Ältesten zu sprechen, im Vertrauen darauf, daß sie beim
Lösen des Problems Güte und Verständnis bekunden werden
*** w85 1. 6. 19-20 Wandle im Vertrauen auf Jehovas Führung ***
15 Obwohl es manchmal nicht einfach
sein mag, im Vertrauen auf Jehovas Führung zu wandeln, dürfen wir die Tatsache,
daß Gott seine Organisation leitet, nicht aus dem Sinn verlieren. Ein Beispiel:
Nehmen wir einmal an, ein Bruder ist der Meinung, er sei deshalb noch nicht zum
Dienstamtgehilfen oder Ältesten ernannt worden, weil die Ältesten etwas gegen
ihn hätten. Statt nun auf eine Weise zu reagieren, durch die der Frieden der
Versammlung gestört werden könnte, sollte er daran denken, daß Jehova die
theokratische Organisation leitet. Der Bruder könnte also auf demütige,
friedfertige Weise um eine Erklärung bitten (Hebräer 12:14). Wie weise es doch
wäre, wenn er gewisse Schwächen, auf die er vielleicht aufmerksam gemacht wird,
eingestehen und sich gebetsvoll um Besserung bemühen würde! Danach kann er die
Angelegenheit Gott überlassen und sich so an die Worte halten: „Wirf deine
Bürde auf Jehova“ (Psalm 55:22). Jehova wird im Laufe der Zeit, wenn wir die
geistige Befähigung erlangt haben, sicher dafür sorgen, daß wir in seinem
Dienst reichlich beschäftigt sind. (Vergleiche 1. Korinther 15:58.)
16 Was sollten wir jedoch tun, wenn
uns von seiten eines Bruders oder einer Schwester wirklich Unrecht widerfahren
ist? Würden wir das als berechtigten Grund ansehen, mit der Versammlung keine
Gemeinschaft mehr zu pflegen? Wären wir berechtigt, mit unserem heiligen Dienst
für Jehova aufzuhören? Nein, denn eine solche Handlungsweise würde Untreue
gegenüber Gott und Undankbarkeit gegenüber seiner Führung bedeuten. Dadurch
würden wir auch zeigen, daß wir unsere treuen Mitgläubigen auf der weiten Erde
nicht lieben (Matthäus 22:36-40; 1. Johannes 4:7, 8). Außerdem würden wir, wenn
wir unsere Lauterkeit gegenüber Jehova brechen, Satan einen Grund geben, Gott
zu höhnen — und das wollen wir doch sicher nicht (Sprüche 27:11).
17 Laßt uns daher ‘Jehova segnen und
niemals all die Taten dessen vergessen, der unser Leben mit liebender Güte und
Erbarmungen krönt’ (Psalm 103:2-4). Wenn wir immer an unseren liebevollen Gott
denken und in Übereinstimmung mit seinem Wort handeln, werden wir ein starkes
Vertrauen zu seiner unfehlbaren Führung bewahren (Sprüche 22:19). Sich von
Jehova und seiner Organisation abzuwenden, die Leitung durch den „treuen und
verständigen Sklaven“ zu verschmähen und sich einfach auf das persönliche
Bibellesen und die eigene Auslegung zu verlassen würde dazu führen, daß man
gleich einem einsamen Baum in einem ausgetrockneten Land wird. Wer dagegen sein
Vertrauen auf unseren großen Führer, Jehova, setzt, wird „gewißlich wie ein an
den Wassern gepflanzter Baum werden, der seine Wurzeln direkt am Wasserlauf
aussendet; und er wird es nicht sehen, wenn Hitze kommt, sondern sein Laub wird
sich tatsächlich als üppig erweisen“. Außerdem wird er „im Jahr der Dürre . . .
sich nicht sorgen, noch wird er davon ablassen, Frucht hervorzubringen“ zum
Ruhm Jehovas (Matthäus 24:45-47; Jeremia 17:8). Diesen Segen kannst du
erfahren, wenn du mit Entschiedenheit weiterhin im Vertrauen auf Jehovas
Führung wandelst.