Von: silentlambs
An: editor@usatoday.com 
Thema: Jehovas Zeugen müssen aufgeklärt werden
Mittwoch, 13. Februar 2002, 10:32

In der heutigen Zeitung ist mir die folgende Meinung aufgefallen, darunter seht ihr meine Ansicht, wie sehr die Zeugen Jehovas verstanden haben, wenn es um Kindesmissbrauch geht. www.silentlambs.org, William H. Bowen, Calvert City, KY, 270-527-5350

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USA TODAY
13.2.2002
Seite 14A

"Wir haben verstanden"

Kirche hat aus Fehlern gelernt und bemüht sich, sie zu bereinigen.

von Wilton D. Gregory

Als die Bischöfe der römisch-katholischen Kirche zum ersten Mal auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche stießen, sahen wir das als moralisches Versagen an, dem durch Buße begegnet werden müsse.

Später sahen wir diese Neigungen als seelische Krankheit an, und Ärzte legten den Gedanken nahe, sie könne, wenn schon nicht geheilt, dann wenigstens unter Kontrolle gebracht werden. Die meisten Fachleute glauben heute etwas anderes. Das Gesetz macht zu Recht deutlich, dass der sexuelle Missbrauch Minderjähriger ein Verbrechen ist. Wir alle haben verstanden. Wir lernen weiter aus unseren Erfahrungen und, hoffentlich, noch mehr aus unseren Fehlern.

Heute haben wir verschärfte Auswahlverfahren für Seminare, um schädliche Anwärter auf das Priesteramt zu erkennen und auszusieben. Workshops sollen den Menschen helfen, Grenzen zu definieren und zu verstehen, wobei wir die Zusicherung haben, dass das Gesetz sich mit denen befassen wird, die nicht in der Lage sind, sich daran zu halten. Wir haben unsere Diözesen gedrängt, Aufsichtsgremien aus Laien und Fachleuten zu bilden, die bei der Bewertung von Anschuldigungen helfen, sobald sie erhoben werden, und nachprüfen, ob jemand für den Dienst geeignet ist. Und wir haben unsere Brüder Bischöfe energisch aufgefordert, gerecht und wie Hirten auf die Bedürfnisse der Opfer einzugehen. Inzwischen teilen die 350 Bischöfe und 47.000 Priester in den USA die Scham und Demütigung, die unsere Laien empfinden. Katholiken feiern und besuchen weiterhin die Messe. Wir besuchen die Kranken, geben den Beunruhigten Rat, helfen den Mittellosen und sorgen füreinander.

Im vergangenen Jahr leistete die katholische Kirche soziale Dienste für 11 Millionen Menschen und Gesundheitsdienste für über 77 Millionen Patienten. Die Kirche belehrte über 3,5 Millionen Schüler und hieß über 1,2 Millionen Menschen in ihren Reihen willkommen. Wir wissen, dass es Opfer gibt, deren Schreie immer noch nicht gehört wurden. Wir entschuldigen uns dafür. Uns tut der Schmerz all derer leid, die unter diesem Entsetzen litten, mehr als es Worte ausdrücken können.

Wilton D. Gregory ist Bischof von Belleville, Ill. und Vorsitzender der amerikanischen katholischen Bischofskonferenz.

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"Wir haben verstanden"

Kirche hat nicht aus Fehlern gelernt und bemüht sich nicht, sie zu bereinigen

von William H. Bowen

Als die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas zum ersten Mal auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch unsere Versammlungen stieß, sahen wir das als moralisches Versagen an, dem durch "Warten auf Jehova" begegnet werden müsse.

Später sahen wir diese Neigungen als Unvollkommenheit an, und Älteste legten den Gedanken nahe, sie könne, wenn schon nicht geheilt, dann wenigstens unter Kontrolle gebracht werden. Die meisten Fachleute glauben heute etwas anderes. Das Gesetz macht zu Recht deutlich, dass der sexuelle Missbrauch Minderjähriger ein Verbrechen ist. Wir alle sollten eigentlich verstanden haben. Aber anscheinend weigern wir uns, aus unseren Erfahrungen zu lernen, und leider noch weniger aus unseren Fehlern.

Heute haben wir keine verschärften Auswahlverfahren, um schädliche Anwärter auf das Ältestenamt in der Versammlung zu erkennen und auszusieben. Königreichsdienstschulen für Älteste und Pionierdienstschulen sollen den Menschen helfen, die Grenzen der Organisation zu definieren und zu verstehen, wobei wir die Zusicherung haben, dass die Wachtturm-Rechtsabteilung sich mit denen befassen wird, die nicht in der Lage sind, sich daran zu halten. Wir haben unsere Ältestenschaften gedrängt, Rechtskomitees zu bilden, die unter Verwendung zweier Augenzeugen, um Fehlverhalten festzustellen, Kindesmissbrauch untersuchen und bei der Bewertung von Anschuldigungen helfen, sobald sie erhoben werden, und nachprüfen, ob jemand für den Dienst geeignet ist. Und wir haben unsere Brüder Bezirksaufseher energisch aufgefordert, die Bedürfnisse der Opfer in aller Stille anzusprechen und ansonsten den Ruf der Kirche zu wahren. Inzwischen teilen die 60 Bezirksaufseher, 600 Kreisaufseher und 39.000 Älteste in den USA die Scham und Demütigung, die unsere Laien empfinden. Jehovas Zeugen gehen weiterhin von Haus zu Haus und besuchen dreimal die Woche die Königreichssäle. Wir besuchen selten die Kranken, geben den Beunruhigten keinen Rat, ignorieren den Mittellosen und sorgen nur füreinander.

Im vergangenen Jahr leisteten die Zeugen Jehovas soziale Dienste für niemanden und Gesundheitsdienste für niemanden. Die Kirche belehrte über 6 Millionen Jünger, wie man für die Kirche Literatur abgibt, und hieß über 200.000 Menschen in ihren Reihen willkommen. Wir wissen, dass es Opfer gibt, deren Schreie immer noch nicht gehört wurden. Wir ignorieren sie. Uns tut es leid, den Schmerz all derer anerkennen zu müssen, die unter diesem Entsetzen litten, mehr als es Worte ausdrücken können.

William H. Bowen ist ehemaliger vorsitzführender Aufseher in Draffenville, KY., und Präsident von Silentlambs, der einzigen Selbsthilfegruppe für Opfer von Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas.