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Jehovas Zeugen William Bowen, Anwalt Jeff Anderson und Klägerin Heidi Meyer kündigen am Dienstag, den 2. Juli 2002,  eine Zivilklage gegen die Zentrale der Zeugen Jehovas an.   (Photo: AP)

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http://www.cbsnews.com/stories/2003/04/29/eveningnews/main551557.shtml
Ein weiterer Kirchensexskandal
SOUTHERN MINNESOTA , 29. April 2003


Wie jede Mutter bringt Heidi Meyer Ausrutscher in Ordnung, serviert das Frühstück und sieht sogar die Mathematikhausaufgaben durch.

Aber jeder Kampf ist ein Tag für diese Mutter, ihre Vergangenheit zu überwinden.

"Er hat mich auf alle Weisen angefasst, wie es nur geht", sagte sie der
CBS Nachrichten-Korrespondentin Jane Clayson .

Ab der Zeit, als sie 10 war, bis sie 13 wurde, wurde Heidi, eine Zeugin Jehovas, von einem Mitglied ihrer Versammlung missbraucht, sagt sie. Schließlich wandte sie sich an die Führer ihrer Glaubensgemeinschaft.

Und was haben sie gesagt?

"Sie haben mich gefragt, ob ich meinte, das könne ein Missverständnis sein? Und ich sagte nein. Nein, ich bin sehr sicher, wie seine Hände an meinem Körper waren. Da gab es nichts misszuverstehen", sagte Meyer.

Aber die Ältesten wiesen ihr Flehen um Hilfe ab und schickten sie weg mit der Warnung: "Du musst den Mund halten darüber. Du willst doch seinen Namen nicht in den Schmutz ziehen. Du möchtest doch den Namen Jehovas nicht durch den Schmutz ziehen."

Bill Bowen, fast 20 Jahre lang Ältester, erklärte: "Alles, was ein Ältester sagt, wird als das direkte Wort Gottes angesehen."

Bowen, ein früherer Ältester, sagte weiter: "Man kann sogar dafür ausgeschlossen werden, wenn man infrage stellt, was einem ein Ältester zu tun aufträgt. Da gibt es kein Verhandeln. Man muss dem gehorchen, was die Ältesten anweisen."

Was aber die meisten Opfer zum Schweigen bringt, ist, dass die Zeugen Jehovas entweder ein Geständnis oder zwei Augenzeugen für jede Tat fordern -- das macht es fast unmöglich, sexuellen Missbrauch zu beweisen.

Für Leanna Morley in Oregon begann der Missbrauch, als sie fünf war.

"Es ist Zeit, dass die Leute von den Geheimnissen erfahren, die in dieser Religion geschehen,, sagte sie. "Es war die reinste Hölle."

Sue war sieben Jahre alt und lebte in Washington. Ihr Schänder machte später en eiskaltes Geständnis. Er sagte, es seien 24 bis 42 kleine Mädchen gewesen, die er missbraucht habe -- er konnte sich nicht daran erinnern, wie viele es waren.


Nun sagt
Bill Bowen, der Präsident einer Selbsthilfegruppe für Opfer namens Silentlambs, bis zum Ende des Jahres erwarte er wenigstens 100 Klagen, die gegen die Glaubensgemeinschaft eingereicht würden.

Das Problem sei riesig, sagte er. "Es hat globale Ausmaße. Wir reden über Zehntausende von Kindern, die in den letzten zehn Jahren missbraucht wurden. Zehntausende mit Leichtigkeit."

Die Zentrale der Zeugen Jehovas bestreitet diese Zahl, sagt aber, sie seien sich des Problems bewusst -- und zitiert einen Brief, den sie vergangenen Mai veröffentlichte. Es heißt darin: "Wir weisen die Ältesten schon seit langem an, Kindesmissbrauch den Behörden zu melden, wo das Gesetz dies fordert, auch wenn es nur einen Zeugen gibt."

Es gibt einen weiteren Brief. Er bestreitet die Anschuldigungen von Heidi Meyer und sagt: "... kein Kindesmissbrauch betroffen."

Für Heidi ist das ein weiterer Verrat durch eine Glaubensgemeinschaft, der sie vertraute und an die sie sich um Hilfe wandte.

"Das sind unsere geistigen Führer, das sind Männer, die in den Augen der Zeugen Jehovas von Gott ernannt wurden, und wer war ich? Wissen Sie, ich war nur irgendein Kind."

Als Mutter kämpft sie immer doch damit, die Vergangenheit zu überwinden  -- sie unterrichtet sogar ihren Sohn zu Hause, weil sie Angst hat, ihn mit anderen alleine zu lassen.