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20. Juli 1998

AN ALLE ÄLTESTENSCHAFTEN, VERTRAULICH

Liebe Brüder,

wir geben euch hier zum künftigen Nachschlagen Stoff, der in dem 15-stündigen Ergänzungskurs für Versammlungsälteste zu gewissen ernsten Angelegenheiten dargeboten wurde.

Kindesmissbrauch: In dem Brief der Gesellschaft an alle Ältestenschaften vom 14. März 1997 heißt es auf Seite 2 im Absatz 5: "[Gebt] der Gesellschaft über jeden einen Bericht, der gegenwärtig oder früher in einer von der Gesellschaft ernannten Stellung dient/diente und von dem man weiß, dass er sich in der Vergangenheit des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht hat." Berichte zeigen, dass einige Älteste meinen, diese Anweisung treffe nicht zu, wenn die Person vor seiner Taufe ein Kind missbraucht hat. Doch selbst in einer solchen Situation sollten die Ältesten an das Zweigbüro schreiben. Das trifft selbst dann zu, wenn die Tat vor vielen Jahren geschah. Wenn eine Ältestenschaft solch eine Sache noch nicht berichtet hat, sollte sie es sofort tun. Überdies sollte jede Korrespondenz, die über eine Person, die des Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde, ob berechtigt oder nicht, geschrieben und in die vertraulichen Versammlungsunterlagen gelegt wurde, mit "Nicht vernichten'" gekennzeichnet und auf unabsehbare Zeit aufbewahrt werden.

Im Ergänzungskurs der Königreichsdienstschule für Versammlungsälteste gab es eine Erörterung in Teil 5b, "UNTERSCHEIDUNGSVERMÖGEN BEI DER BEHANDLUNG SCHWERWIEGENDER ANGELEGENHEITEN ANWENDEN". Dieser Abschnitt des Kurses sprach Fragen bezüglich des Problems bei Kindesmissbrauch an. Frage 6 in dem Abschnitt lautete: "Welche Faktoren sollten beachtet werden, um zu entscheiden, welche Vorrechte in der Versammlung ein früherer Kinderschänder, wenn überhaupt, erhalten kann?" In der Antwort hieß es unter anderem: "Es gibt auch juristische Überlegungen". Einige haben angefragt, wie und warum juristische Überlegungen unsere Empfehlungen von Personen betreffen sollten, die sich in der Vergangenheit des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben.

Wer zu Dienstvorrechten ernannt wird, wie Älteste und Dienstamtgehilfen, wird in eine Vertrauensstellung gesetzt. Jemand, dem Vorrechte in der Versammlung übertragen werden, wird von anderen als vertrauenswürdig beurteilt. Das schließt ein, dass er größere Freiheiten hat, wenn Kinder seiner Obhut und Aufsicht überlassen werden. Die Versammlung wäre schutzlos, wenn wir jemanden voreilig zum Ältesten oder Dienstamtgehilfen ernennen würden, der ein Kind missbraucht hat. Überdies machen Gerichte und Anwälte jede Organisation haftbar, die wissentlich frühere Kinderschänder in Vertrauensstellungen setzt, wenn eine solche Person später wieder ein Kind missbraucht. Das könnte zu kostspieligen Prozessen führen, wo Gelder ausgegeben werden müssten, die für die Förderung des Königreichswerkes gespendet wurden. So sind also auch juristische Überlegungen abzuwägen zusammen mit dem Maß an trauriger Berühmtheit, der Schwere des Fehlverhaltens, vor wie vielen Jahren die Sünde geschah und wie der Bruder heute von der Versammlung und den Menschen in der Gemeinde einschließlich der Opfer angesehen wird.

AN ALLE ÄLTESTENSCHAFTEN, 20. Juli 1998, Seite 2

Biblische Freiheit, wieder zu heiraten: Das Lehrbuch von 1991 für die Königreichsdienstschule, Seite 135, Absatz 1, beschreibt eine Situation, wo ein ehebrecherischer Partner gegen den Widerspruch des unschuldigen Ehepartners eine Scheidung erlangt. In solch einem Fall ist der Schuldige nicht frei, sich wiederzuverheiraten. Was ist, wenn der unschuldige Teil der Scheidung zustimmt? Macht das den Schuldigen frei, sich wiederzuverheiraten? Ja, hier trifft Jesu Rat aus Matthäus 5:37 zu: "Euer Wort Ja bedeute einfach ja, euer Nein nein." Wenn der unschuldige Ehepartner, vielleicht in dem Bemühen, sich selbst finanziell zu schützen oder das Sorgerecht für die Kinder zu erhalten, einer von dem ehebrecherischen Mann verlangten Scheidung zustimmt, dann ist der Ehebrecher frei, wieder zu heiraten. Auch wenn der unschuldige Teil durch seine Zustimmung zu der Scheidung behaupten mag, er habe vergeben, wird doch angezeigt, dass der ehebrecherische Partner zurückgewiesen wird. Da sie ihn abgewiesen hat, stellt sie keine weiteren Ansprüche an ihn, und er ist biblisch frei, wieder zu heiraten.

Eine weitere Situation bezüglich der biblischen Freiheit, wieder zu heiraten, ist die, wo eine nicht schriftgemäße Scheidung erlangt wurde und dann, einige Zeit später, einer der Partner Hurerei begeht. Haben in solch einem Fall beide eine biblische Grundlage, wieder zu heiraten?

Wenn ein Mann die Initiative ergreift und sich ohne biblische Grundlage von seiner Frau scheiden lässt und seine geschiedene Frau später Ehebruch begeht, sind beide frei, wieder zu heiraten. Das ist so, weil der Mann durch seine vorherige unbiblische Scheidung von seiner Frau zu erkennen gegeben hat, dass er sie ablehnen will. Hier trifft zu, was im Lehrbuch von 1991 für die Königreichsdienstschule, Seite 135, Absatz 6, gesagt wird: "Jemand, der Ehebruch begeht, nachdem sein Ehepartner sich aus unbiblischen Gründen von ihm hat scheiden lassen, wäre biblisch frei, wieder zu heiraten, weil er von dem Partner, der die Scheidung erwirkt hat, abgewiesen wurde." Doch das Umgekehrte trifft nicht unbedingt zu.

Wenn derjenige, der die nicht biblische Scheidung erwirkte, später Ehebruch begeht, ist er immer noch verpflichtet, dies dem Partner zu bekennen, obwohl beide rechtlich geschieden sind. Dem Unschuldigen muss die Gelegenheit gegeben werden, zu entscheiden, ob er vergibt oder nicht. Doch in beiden Fällen müsste derjenige, der Ehebruch begangen hat, vor ein Rechtskomitee treten.

Die oben umrissenen Grundsätze sollten sich zwar bei der Behandlung von Anfragen von Verkündigern über die biblische Freiheit zur Wiederheirat als hilfreich erweisen, doch die Ältesten sollten immer äußerste Vorsicht üben, wenn sie eine Antwort geben. Sie sollten erst dann einem Verkündiger sagen, es scheine eine Grundlage für die biblische Freiheit zur Scheidung und Wiederheirat zu geben, wenn schlüssige Beweise festgestellt wurden, (1) dass Ehebruch begangen wurde, (2) dass der Unschuldige den schuldigen Teil zurückgewiesen hat, und (3) dass eine rechtlich gültige Scheidung erwirkt wurde. Wegen der zahlreichen mit solchen Dingen zusammenhängenden Faktoren wird es in vielen Fällen das Beste sein, der Gesellschaft zu schreiben. Wenn ihr das tut, gebt immer so viele Einzelheiten wie möglich an, darunter die Namen der Betroffenen. Dann wird die Gesellschaft den nötigen Beistand leisten. Wenn ein geschiedener Bruder oder eine geschiedene Schwester wieder heiraten möchte, sollten die Ältesten freundlich um das Scheidungsurteil bitten, um sicherzustellen, dass derjenige rechtlich frei ist. Sie sollten auch feststellen, dass gefunden wurde, dass beide betroffenen Parteien biblisch frei sind für eine Wiederheirat. (Matth.19:9) Dies wird Dienern Jehovas helfen, die Reinheit der Versammlung zu wahren und ehebrecherischen Ehen aus dem Weg zu gehen. Bezüglich Richtlinien zu Hochzeitszeremonien vor dem Schließen einer Ehe siehe immer 

AN ALLE ÄLTESTENSCHAFTEN, 20. Juli 1998, Seite 3

den Brief der Gesellschaft an alle Ältestenschaften vom 15. Mai 1988.

Bitte seid unserer Gebete für euch versichert, wie ihr euch bemüht, eure gewichtigen Pflichten als Hirten der Herde zu erfüllen. Wir senden euch hiermit herzliche Grüße christlicher Liebe und beste Wünsche.

Eure Brüder,

WTBS

PS an die Ältestenschaft: Beim nächsten Treffen der gesamten Ältestenschaft sollte der vorsitzführende Aufseher diesen Brief vorlesen und jeden Ältesten folgende Anmerkungen an den Rand des persönlichen Exemplars des Lehrbuchs 1991 für die Königreichsdienstschule machen lassen:

Auf Seite 93, neben den Absätzen 10-11: Siehe die Briefe der Gesellschaft vom 20. Juli 1998; 14. März 1997; 1. August 1995; 3. Februar 1993; 23. März 1992; und 1. Juli 1989.

Auf Seite 135, neben den Absätzen 1-6: Siehe den Brief der Gesellschaft vom 20. Juli 1998.