Fünfzehn Unterstützer stehen Frau bei, die behauptet, als Kind von einem Zeugenältesten missbraucht worden zu sein

von Shirley Wentworth
Tri-City Herald

Mittwoch, 15. August 2001

RITZVILLE – Fünfzehn Unterstützer aus den ganzen Vereinigten Staaten und aus Kanada reisten nach Ritzville, um einer jungen Frau beizustehen, die behauptet, sie sei als Kind von einem Ältesten der Zeugen Jehovas sexuell missbraucht und vergewaltigt worden.

Am Dienstag begann im Bezirksgericht von Adams County ein Berufungsprozess. Mitglieder der Gruppe sagen, sie machten sich besondere Sorgen über Sexualverbrechen, die von Geistlichen begangen werden. Weil man offensichtlich Probleme vorhersah, wurde eine Anzahl von Beamten des Sheriffs von Adams County postiert, die auf Unruhen achten sollten und die Leute nach Waffen durchsuchten, ehe sie in den Gerichtsaal durften. Manuel L. Beliz, 49, war 1998 von einer Jury vor dem Bezirksgericht von Adams County wegen zweier Fälle von Vergewaltigung von Kindern und wegen zweier Fälle von sexueller Belästigung von Kindern verurteilt worden. Zwei weitere Anklagepunkte wurden von der Jury abgewiesen.

Gemäß dem Berufungsantrag an den Bundesstaat Washington focht Beliz ohne Erfolg Ablehnungen von Jurymitgliedern durch die Staatsanwaltschaft an und nannte sie rassistisch begründet. Der damalige Bezirksstaatsanwalt Dennis Scott bestritt dies und sagte, die Ablehnungen seien nicht erfolgt, um spanisch gebürtige Bürger, sondern um Frauen auszuschließen. Die Staatsanwaltschaft gab zu, sie habe vorrangig nach einer aus älteren Männern bestehenden Jury Ausschau gehalten. Das Berufungsgericht fand zwar keine rassistischen Vorurteile, es befand aber, der Ausschluss von Frauen sei ein Grund für eine Wiederholung des Verfahrens. Am Dienstag nahm die Auswahl der Jurymitglieder die meiste Zeit in Anspruch, aber um 15:00 Uhr gab Gary Brueher, Staatsanwalt in Adams County, seine Eröffnungserklärung vor einer Jury ab, die dieses Mal aus acht Männern und vier Frauen besteht. Brueher sagte der Jury, die wichtigste Zeugenaussage werde die von Erica Garza, heute 22, sein, die die Beschuldigung erhebe, dass Beliz sie bei verschiedenen Gelegenheiten belästigte und vergewaltigte, beginnend, als sie 4 Jahre alt war, bis zu ihrem 12. Lebensjahr. Brueher sagte, sie habe als Kind nichts gesagt, weil ihre Familie eng mit der Familie von Beliz befreundet war und sie die beste Freundin der Tochter von Beliz gewesen war. Brueher erwähnte auch, dass beide Familien einer Kirche angehörten, die dazu ermutigt, sich statt an den Staat an die Ältesten zu wenden. „Ich fordere Sie auf, auf die Einzelheiten zu achten“, sagte er.

Verteidiger Dennis Morgan hob sich das Recht auf eine Eingangserklärung für später auf. Der Polizeibeamte Dave Rehaume aus Othello wurde in den Zeugenstand gerufen, um das Verhör von Beliz wiederzugeben, das stattfand, nachdem die Polizeistation in Othello im Dezember 1996 von der Polizei in Sacramento, Kalifornien, dahingehend informiert worden war, dass Rodriguez Beliz angezeigt habe. Die Familie Rodriguez war 1990 nach Kalifornien umgezogen. Rehaume sagte, als er Beliz verhörte, habe dieser zuerst alles abgestritten, später aber seine Geschichte abgeändert. Rehaume sagte, er glaube, Beliz habe eine schwere Vergewaltigung gestanden.

Rodriguez, die heute vor Gericht aussagen soll, sagte in einem früheren Gespräch, sie sei von Ältesten der Zeugen Jehovas schwer bedrängt worden, nicht mit ihrer Geschichte zur Polizei zu gehen. Sie erzählte, man habe ihr gesagt, sie würde dann nicht nur als jemand angesehen, der eine Familie zerstört, sondern sie werde dann auch von Gott verurteilt. Bill Bowen, ein ehemaliger Ältester der Zeugen Jehovas, der aus Kentucky zum Prozess in Adams County anreiste, sagte, er habe im letzten Jahr seine Arbeit gekündigt, um seine Zeit einer Kampagne mit dem Ziel zu widmen, die Politik der Kirche zu ändern. Bowen sagt auch, die Kirchenführung schütze Kinderschänder und gebe den Opfern die Schuld.

Bowen leitete früher eine Versammlung der Kirche in Draffenville, Kentucky. Er widmet dem Problem eine Website: www.silentlambs.org

In einer Klage, die letzte Woche in New Hampshire eingereicht wurde, wird behauptet, die Kirche der Zeugen Jehovas fordere die Opfer regelmäßig dazu auf, sexuellen Missbrauch nicht anzuzeigen, weil dies Schande über die Organisation bringe.

Reporterin Shirley Wentworth ist erreichbar unter 509-488-0657 oder per
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