WATCH TOWER

BIBLE AND TRACT SOCIETY OF PENNSYLVANIA

THE RIDGEWAY LONDON NW7 1RN ENGLAND

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30. Januar 1992

AN ALLE ÄLTESTENSCHAFTEN IN GROSSBRITANNIEN

VERTRAULICH

Liebe Brüder,

Wir  schreiben euch, um euch allen als einzelnen Ältesten zu helfen, sich der wachsenden Sorge um die Ausübung eurer Pflichten bewusst zu sein, bei denen es um rechtliche Punkte oder Fragen gehen mag. Aufgrund der Wichtigkeit der hier gegebenen Informationen wird vorgeschlagen, dass die Ältestenschaft diesen Brief so bald wie möglich nach Erhalt in der Versammlung gemeinsam liest und betrachtet. Macht bitte keine Kopien dieses Briefes, es sollten ihn auch nicht andere lesen. Er sollte in den vertraulichen Unterlagen der Versammlung aufbewahrt werden, damit die Ältestenschaft künftig, wenn nötig, darin nachsehen kann.

Bei der Verbreitung der Königsreichsbotschaft ist es angemessen, dass wir in unserer Rede offen und direkt sind. Jesus gebot: "Was ihr im Flüsterton hört, das predigt von den Hausdächern" (Matthäus 10:27). Auch wenn weltliche Mächte von uns fordern, dass wir schweigen, erwidern wir wie die Apostel: "Wir aber, wir können nicht aufhören, von den Dingen zu reden, die wir gesehen und gehört haben" (Apg. 4:20). Die Christenversammlung wird weiterhin kühn die Königreichsbotschaft verkünden, bis Jehova sagt, dass das Werk getan ist.

Älteste teilen die Verpflichtung, die Herde zu hüten. Doch sie müssen vorsichtig sein, an nicht Befugte keine Informationen über private Dinge weiterzugeben. Es gibt "eine Zeit zum Schweigen", wenn "deiner Worte wenige sind" (Prediger 3:7; 5:2). Sprüche 10:19 warnt: "Bei der Menge von Worten fehlt Übertretung nicht, wer aber seine Lippen in Schach hält, handelt verständig." Probleme entstehen, wenn Älteste unweise Dinge enthüllen, die vertraulich gehalten werden sollten. Älteste müssen den Rat besonders beherzigen: "Offenbare nicht das vertrauliche Gespräch eines anderen" (Sprüche 25:9). Oft sind der Frieden, die Einheit und das geistige Wohl der Versammlung in Gefahr. Unrichtiger Gebrauch der Zunge durch einen Ältesten kann zu schwerwiegenden rechtlichen  Problemen für den Einzelnen in der Versammlung und sogar für die Gesellschaft führen.

Als Christen sind wir zwar bereit, denen, die ein Unrecht gegen uns begehen, zu vergeben, aber Menschen in der Welt sind nicht dazu geneigt. Weltmenschen strengen schnell Gerichtsprozesse an, wenn sie meinen,

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sie seien in ihren "Rechten" verletzt worden. Jemand der gegen das Königreichspredigtwerk ist, kann schnell rechtliche Vorkehrungen ausnutzen, um sich in seinen Fortschritt einzumischen oder ihn zu behindern. Älteste müssen also besonders ihre Zunge hüten. Jesus stand Gegnern gegenüber, die versuchten, "damit sie ihn in der Rede fangen und ihn dann der Regierung übergeben könnten" (Lukas 20:20). Er wies uns an: "Erweist euch vorsichtig wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben" in solchen Situationen (Matthäus 10:16). Wo solch eine Bedrohung besteht, sollte unsere Haltung als Älteste die des David sein: "Ich will meinen Mund mit einem Maulkorb verwahren, solange irgendein Böser vor mir ist" - Psalm 39:1.

In den vergangenen Jahren ist diese Sache zu einer Ursache für zunehmende Sorgen geworden. Der Geist der Welt hat die Menschen für ihre "Rechte" und die juristischen Möglichkeiten, durch die sie Bestrafungen erwirken können, wenn diese "Rechte" verletzt werden, sensibilisiert. Daher hat eine zunehmende Zahl Rachsüchtiger oder Verbitterter sowie Gegner Prozesse angestrengt, um Geldstrafen gegen Einzelne, die Versammlung oder die Gesellschaft zu erwirken. Viele dieser Prozesse sind das Ergebnis eines falschen Gebrauchs der Zunge. Denkt als Älteste daran, dass unbesonnene Aussagen oder Taten eurerseits juristisch manchmal als Verletzung der "Rechte" anderer ausgelegt werden können.

Die Notwendigkeit, dass Älteste strikte Vertraulichkeit wahren, ist wiederholt betont worden. Siehe bitte den Watchtower vom 1. April 1971, Seiten 222-224, und vom 1. September 1987, Seiten 12-15. OUR KINGDOM SERVICE vom September 1977, Seite 6, Absatz 36, und das Lehrbuch ks7J, Seite 65, geben auch hilfreiche Anleitung und Rat. Der Stoff betonte deutlich die Verantwortung der Ältesten, keine vertraulichen Informationen an jemanden weiterzugeben, der kein Recht hat, sie zu kennen.

Die rechtlichen Folgen eines Bruches der Vertraulichkeit durch Älteste können erheblich sein. Wenn die Ältesten die Anweisung der Gesellschaft, vertrauliche Dinge zu behandeln, nicht sorgfältig befolgen, können solche Fehler zu erfolgreichen Prozessen der Geschädigten führen. Gegen die Ältesten oder die Versammlung könnten erhebliche Schadensersatzsummen verhängt werden. In einigen Fällen, wo Behörden beteiligt sind, könnten gewisse Verwicklungen zu einer Geld- oder Gefängnisstrafe führen. Diese Möglichkeiten unterstreichen die Notwendigkeit, dass Älteste Unterscheidungsvermögen walten lassen und sorgfältig den Anweisungen der Gesellschaft folgen.

I. WAS IN BESONDEREN FÄLLEN ZU TUN IST

II. A. Rechtskomiteeangelegenheiten

Rechtskomitees müssen sich, wenn sie ihren Pflichten nachkommen, genau an die Anweisungen der Gesellschaft halten. (Beachtete ks77, Seitens 66-70; ks81, Seiten 160-70.) Alles vom

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mutmaßlichen Übeltäter oder von Zeugen an das Komitee eingereichte Schriftliche sollte streng vertraulich behandelt werden. Wenn es nötig ist, zu späterer Zeit mit einer Rechtskomiteesitzung fortzufahren, sollten die Mitglieder des Komitees dem Vorsitzenden alle persönlichen Notizen, die sie sich gemacht haben, übergeben. Der Vorsitzende wird diese Notizen an einem sicheren Ort aufbewahren, um Vertrauensbrüche zu verhindern. Wenn die Anhörung wider aufgenommen wird, können die Notizen den einzelnen Ältesten zurückgegeben werden. Nach Abschluss des Falles sollte der Vorsitzende nur notwendige Notizen und Dokumente und eine Zusammenfassung des Falles und die Formblätter S-77 in einem versiegelten Umschlag in die Versammlungsunterlagen tun. Nichts sollte von einem Ältesten in dem Komitee außerhalb des versiegelten Umschlags aufbewahrt werden (einschließlich unnötiger persönlicher Notizen). Es ist offensichtlich, dass kein Komitee zulässt, dass Rechtssitzungen auf Band aufgenommen werden oder dass Zeugen, die vor dem Komitee aussagen, sich Notizen machen.

B. Kindesmissbrauch

Jehovas Volk heißt in keiner Weise Verbrechen wie Kindesmissbrauch gut und bemüht sich auch nicht, die zu beschützen, die solche Taten begehen. Wenn ein Ältester von körperlicher Misshandlung oder sexuellem Missbrauch eines Kindes hört, sollte er sofort mit der Rechtsabteilung der Gesellschaft Kontakt aufnehmen. Missbrauchsopfer müssen vor weiterer Gefahr geschützt werden. - Siehe "Falls das Schlimmste eintreten sollte", Erwachet!, 8. August 1985, Seite 8.

Als Angehörige der Gemeinde, in der Caesar immer noch als Gottes Diener handelt und daher immer noch eine gewisse Macht hat, werden alle aus der Christenversammlung an ihre persönliche und moralische Verantwortung denken wollen, die zuständigen Behörden in Fällen aufmerksam zu machen, wo ein schweres Verbrechen begangen wurde oder die Gefahr besteht, dass ein solches begangen werden könnte (siehe ks91, Seite 138). Bei Kindesmissbrauchsfällen mag zu diesen Autoritäten auch der Hausarzt, der Sozialdienst, das NSPCC oder die Polizei gehören.

C. Verbrechen und Ermittlungen

In einigen Fällen werden Älteste Rechtskomitees bilden, um mutmaßliches Fehlverhalten zu behandeln, das auch eine Verletzung der Strafgesetze Caesars darstellen könnte (z.B. Diebstahl, Überfall usw.). Es ist natürlich, dass die Christenversammlung solche Situationen als belastend empfindet. Es besteht ganz klar die Notwendigkeit, den Grundsatz "Caesars Dinge dem Caesar zu geben" (Matthäus 22:21) mit den Grundsätzen in Einklang zu bringen, die die geistige Reinheit der Versammlung betreffen, wie wir 1. Korinther 5: 11-13 entnehmen. Ein derartiger Fall sollte auf zwei Ebenen gesehen werden.

Erstens, die weltlichen Gerichte sehen es als ihr Vorrecht an, strafrechtlich relevante Beschuldigungen zu untersuchen und

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die Sache zu beurteilen. Sollten Versammlungsälteste an einer Sache beteiligt werden, die ein schwebendes Verfahren ist, stehen sie in Gefahr, dass ihre Einmischung als "Versuch" oder "Verschwörung, den Gang der Justiz zu verdrehen"; angesehen wird. Die Behörden mögen diese Ansicht annehmen, wenn auf die Zeugen oder den Angeklagten Druck ausgeübt zu werden scheint, um ihn zu Aussagen zu bringen oder davon abzuhalten. Sollte eine Partei ihre Aussage zwischen der Rechtskomiteeverhandlung der Versammlung und dem Strafprozess ändern, kann sich das zu einem Kreuzverhör entwickeln. Angesichts der schwerwiegenden Folgen einer Verurteilung für eine Straftat mögen die Anwälte der angeklagten Partei die Anweisung erteilen, mit niemandem vor dem Prozess über die Sache zu sprechen. In allen Fällen, in denen ein Bruder oder eine Schwester einer Straftat beschuldigt wird und die Tat auch eine Verletzung des Gesetzes Gottes ist, die die Bildung eines Rechtskomitees nötig macht, nehmt bitte sofort mit der Rechtsabteilung der Gesellschaft Kontakt auf.

Diesen Rat zu befolgen mag zu einer längeren Verzögerung bei der Behandlung einer schwerwiegenden Angelegenheit führen. In solch einem Fall muss die Versammlung geduldig sein und auf Jehova warten. Es mag ratsam sein, den Bruder, der beschuldigt ist, nicht für Zuteilungen zu verwenden, bis die Sache geklärt ist. Eine Anklage, die vor Gericht verhandelt wird, wird zumindest in begrenztem Maße in der Öffentlichkeit bekannt. Der angeklagte Bruder wird, selbst wenn er unschuldig ist, zusammenarbeiten wollen, um den guten Ruf der Christenversammlung zu wahren. Natürlich liegt jeder Fall anders, und es ist nicht möglich, Regeln aufzustellen, die in jeder Situation gelten.

Die zweite Ebene ist zu bedenken, wenn der mutmaßliche Übeltäter ein Geständnis gemacht hat. Das Rechtskomitee der Versammlung kann dann auf der Grundlage des Geständnisses fortfahren, ohne den Abschluss des Strafprozesses abzuwarten. Natürlich sollte es sich um ein schriftliches und unterzeichnetes Geständnis handeln, oder es sollte von mehr als einem Zeugen gehört worden sein. In solch einem Fall besteht nicht die Notwendigkeit, aufgrund von Zeugenaussagen die Schuld festzustellen. Doch es sollte Vorsicht geübt werden, falls der Schuldige sein Geständnis zwischen der Rechtskomiteesitzung und dem Strafprozess ändert, vielleicht auf den Rat eines weltlichen Anwalts hin. Und sollte während des Strafprozesses weiteres Fehlverhalten ans Licht kommen, wäre es notwendig, die Sache noch einmal zu untersuchen, wie es bei jeder Rechtssache zutrifft, wenn zusätzliches Fehlverhalten entdeckt wird.

D. Durchsuchungsbefehle und Vorladungen

1. Ein Durchsuchungsbefehl ist eine gerichtliche Anordnung, die die Polizei ermächtigt, das Gelände zu durchsuchen, um Beweise zu sichern, die bei einem Strafverfahren verwendet werden können. Kein Ältester sollte der Durchsuchung eines Königreichssaales oder eines anderen Ortes zustimmen, wo vertrauliche Unterlagen gelagert werden. Doch bewaffnet mit einem Durchsuchungsbefehl braucht die Polizei keine Zustimmung, sie kann sogar Gewalt anwenden, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Vor der Erwirkung eines Durchsuchungsbefehls

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werden die Polizei oder andere Behördenvertreter wahrscheinlich Ermittlungen über vertrauliche Unterlagen anstellen, die Herausgabe der Unterlagen fordern oder darauf hinweisen, dass sie einen Durchsuchungsbefehl erwirken werden, wenn der Älteste/die Ältesten nicht kooperieren. In einer solchen Situation sollte sofort die Rechtsabteilung der Gesellschaft angerufen werden.

Immer wenn ein Ältester mit einem Durchsuchungsbefehl konfrontiert wird (ob im Voraus vorgelegt oder nicht), sollte er erst darum bitten, dass er den Durchsuchungsbefehl lesen kann. Nachdem er ihn gelesen hat, sollte er fragen, ob er um rechtlichen Rat fragen kann, und dann die Gesellschaft anrufen. Wenn die Rechtsabteilung der Gesellschaft aus irgendeinem Grund nicht zu erreichen ist, sollte der betreffende Älteste alle Anstrengungen unternehmen, den Beistand eines örtlichen Anwalts zu erhalten, um die Vertraulichkeit der Unterlagen zu schützen. Vielleicht  ist es unmöglich, entschlossene Beamte davon abzuhalten, die durch den Gerichtsbefehl autorisierte Suche durchzuführen. Gewissenhafte Älteste werden alles tun wollen, was sie vernünftigerweise und im Frieden tun können, um in Übereinstimmung mit dem Grundsatz aus Apostelgeschichte 5:29 die Vertraulichkeit der Versammlung zu wahren.

2. Vorladungen sind Forderungen nach Aussagen oder nach dem Erscheinen eines Einzelnen bei einem Prozess oder einer beeideten Aussage. Vorladungen können vom Gericht aus ergehen oder in manchen Fällen von Behörden oder Anwälten. Wenn ein Ältester eine Vorladung erhält, sollte er sofort mit der Rechtsabteilung der Gesellschaft Kontakt aufnehmen. Übergebt nie Aufzeichnungen, Notizen oder Dokumente oder offenbart eine vertrauliche Angelegenheit, nach der in der Vorladung gefragt wird, ohne eine Anweisung der Rechtsabteilung erhalten zu haben.

In Schottland sind solche Anordnungen bekannt als Zeugenvorladungen und Sicherstellung von Dokumenten.

E. Wenn Prozesse drohen

Wenn die Versammlung oder die Ältesten (in ihrer Eigenschaft als Älteste) durch einen Prozess bedroht werden, sollte sofort mit der Rechtsabteilung der Gesellschaft Kontakt aufgenommen werden. Kein Mitglied der Ältestenschaft sollte ohne Ermächtigung der Gesellschaft eine Erklärung über die Vorzüge oder den Sinn eines augenblicklichen oder drohenden Gerichtsverfahrens abgeben.

F. Elterliche Rechte und Verantwortlichkeiten

Älteste mögen erfahren, dass ein Verkündiger bei einem Scheidungsprozess vor einem Streit über das Sorgerecht für das Kind steht. Wenn das elterliche Recht einer solchen Person auf der Grundlage unseres christlichen Glaubens oder der Behauptung, unser Glaube sei schädlich für das Kindeswohl, in Zweifel gezogen wird, sollten die Ältesten sofort an die Rechtsabteilung der Gesellschaft schreiben. In einem seltenen Notfall mag ein Telefonanruf nötig sein. Die Rechtsabteilung wird die Tatsachen bewerten und, wenn überhaupt, das Maß der Beteiligung bestimmen

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und ob sie ein Paket schickt, das Prozessvorlagen enthält. Die Rechtsabteilung kann vielleicht einen örtlichen Anwalt vorschlagen, der bereit wäre, wenn erforderlich, einen Familienprozess bezüglich Jehovas zeugen zu führen. Älteste sind nicht ermächtigt, irgendwelche Versprechungen zu machen, dass die Gesellschaft Gerichtsgebühren zahlt oder sich bestimmter Fälle annimmt. Die Gesellschaft braucht nicht kontaktiert werden, wenn es kein Anzeichen gibt, dass bei einem Sorgerechtsstreit der Glauben und die Glaubenspraktik der Zeugen Jehovas angegriffen werden.

Wenn ihr über einen bestimmten Fall an die Rechtsabteilung der Gesellschaft schreibt, gebt bitte folgende Informationen an

1. Die Namen der Eltern und ihrer Anwälte.

2. Die Zahl der betroffenen Kinder und ihr Alter.

3. Eine kurze Tatsachenbeschreibung, auch ob Abtrünnige anwesend sind.

4. Eine Bewertung des geistigen Zustandes des christlichen Elternteils -- ist er oder sie neu in der Wahrheit? Aktiv? Untätig? Ausgeglichen?

5. Wie weit ist die Sache juristisch vorangekommen -- Ist die Sache vor Gericht gekommen? Ist ein Prozesstermin festgesetzt worden? Wenn ja, wann?

G. Wenn Diener und Verkündiger umziehen

Eine erhebliche Anzahl von Verkündigern, darunter auch Älteste und Dienstamtgehilfen, ziehen von einer Versammlung in die andere. Manchmal sind die Umstände ihres Weggangs unsicher. Einige ernannte Brüder mögen Probleme durchmachen, die ihre Befähigung in Frage gestellt haben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Ältestenschaft sich mit Rat zurückhält und den Bruder umziehen lässt, ohne sein Problem zu besprechen. Danach lehnen sie es ab, seine Wiederernennung in der neuen Versammlung zu empfehlen. Oft protestiert solch ein Bruder und und macht ausgedehnte Korrespondenz zwischen den Ältestenschaften erforderlich. Viele persönliche und manchmal peinliche Informationen müssen dann weitergegeben werden. Solche falsche Behandlung der Dinge vermehrt das Potential für schwerwiegende Erschütterungen sehr. Probleme können vermieden werden, wenn die Ältestenschaft ihrer Pflicht nachkommt, einen Bruder zu informieren, dass er nicht positiv beurteilt werden wird, und die Gründe dafür ausführlich darlegt. Es sollte jede Anstrengung unternommen werden, alle Differenzen beizulegen, ehe er geht, und so jede Notwendigkeit einer Auseinandersetzung in der neuen Versammlung auszuschalten. Die Ältestenschaft sollte zwei Älteste bestimmen, die sich mit ihm treffen, ehe er geht, und ihn wissen lassen, ob sie ihn der neuen Versammlung empfehlen.

Das würde in gleicher Weise auf Verkündiger zutreffen, die zu einer Zeit umziehen, wo ihr persönliches Verhalten eine Untersuchung der Ältesten erforderlich macht. Wenn gegen jemanden

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schwerwiegende Anschuldigungen erhoben wurden und er in eine andere Versammlung zieht, ehe die Dinge zum Abschluss gekommen sind, ist es gewöhnlich das Beste, wenn die Ältesten der alten Versammlung die Dinge weiter verfolgen, wenn das möglich ist und die Entfernung es zulässt. Sie sind mit der Person und den Umständen des möglichen Fehlverhaltens vertraut; das setzt sie gewöhnlich in die beste Lage, die Tatsachen zu ermitteln und den Fall zu behandeln. Wenn die Dinge in dieser Weise behandelt werden, wird das die Notwendigkeit ausschalten, unnötig vertrauliche Informationen über das Privatleben von Personen weiterzugeben.

II. ZUR ERINNERUNG

A. A. Denkt an die Wichtigkeit, Vertraulichkeit zu wahren

Älteste müssen außerordentlich vorsichtig sein, wenn es um die Behandlung vertraulicher Informationen aus dem Privatleben anderer geht. Bagatellisiert die Schwere eines Vertraulichkeitsbruchs nicht. Unberechtigte Aufdeckung vertraulicher Informationen kann zu kostspieligen Gerichtsprozessen führen. Selbst wenn ein Prozess günstig ausgeht, werden wertvolle Zeit und Kraft verloren, die man für die Königreichsinteressen hätte aufwenden können.

B. Gebt gegenüber weltlichen Behörden keine Erklärungen ab, bis ihr rechtlichen Rat von der Gesellschaft erhalten habt

Ihr seid juristisch nicht verpflichtet, weltlichen Behörden in Dingen, wo es um die Aufdeckung vertraulicher Informationen gehen könnte, sofort zu antworten. Freiwillig einer Durchsuchung des Königreichssaal oder vertraulicher Unterlagen zuzustimmen, wenn kein Durchsuchungsbefehl vorgezeigt wird, könnte die Rechte der Versammlung oder anderer verletzen. Es sollten keine Erklärungen abgegeben werden, bis die Rechtsabteilung der Gesellschaft euch über eure rechtliche Lage aufgeklärt hat.

C. Seid äußerst vorsichtig mit Geschriebenem

Alles Material in Bezug auf einen Rechtsfall sollte an sicherem Ort aufbewahrt werden, zu dem nur Älteste Zugang haben. Schlussberichte über die Behandlung rechtlicher Angelegenheiten sollten in einem versiegelten Umschlag in den Versammlungsunterlagen aufbewahrt werden. Ein Rechtskomitee sollte niemandem irgendeinen Brief schicken, in dem ihm ein bestimmtes Fehlverhalten vorgeworfen wird (Beachte ks9J. Seiten 110, 121.) Einem Ausgeschlossenen sollte ohne Anweisung der Gesellschaft nichts geschrieben werden, was ihn über seinen Status oder die Gründe dafür in Kenntnis setzt. Die Regeln und Vorschriften der Zeugen Jehovas fordern keine solchen geschriebenen Kenntnisnahmen. Alles einem Rechtskomitee übergebene

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Geschriebene sollte streng vertraulich gehalten werden. Wenn ein Rechtskomitee jemandem die Gemeinschaft entzieht, sollte er darüber und über sein Recht, Berufung einzulegen, mündlich mündlich informiert werden. Wenn der Übeltäter sich weigert, der Rechtsverhandlung zugegen zu sein, sollten zwei Mitglieder des Rechtskomitees versuchen, bei sich zu Hause mit ihm Kontakt aufzunehmen und ihn mündlich von der Entscheidung in Kenntnis zu setzen. Wenn das nicht möglich ist, können zwei Älteste ihn vielleicht telefonisch informieren.

D. Hütet den Gebrauch eurer Zunge

Denkt nach, ehe ihr etwas sagt. Besprecht private und rechtliche Angelegenheiten nicht mit Angehörigen eurer Familie, auch nicht mit euren Frauen, oder anderen Mitgliedern der Versammlung. Seid äußerst vorsichtig, nicht unabsichtlich private Informationen aufzudecken, wenn andere anwesend sind, zum Beispiel, wenn ihr telefoniert und andere zuhören. Gelegentlich mögen komplizierte Rechtsfälle eine Unterredung mit einem erfahrenen, reifen Ältesten in einer anderen Versammlung oder mit dem Kreisaufseher nötig machen. Wenn nicht der Kreisaufseher der konsultierte Älteste ist, sollten nur die wichtigen Einzelheiten und keine Namen erwähnt werden.

Älteste tragen eine schwere Verantwortung, wenn sie den Bedürfnissen der Versammlung dienen und dabei die Vertraulichkeit beachten (1. Korinther 16:13). Wir glauben, dass der Stoff in diesem Brief euch hilft, diese Last zu tragen. Seid bitte unserer Liebe und unserer Gebete versichert, und möge euch Jehova weiterhin segnen, wenn ihr die Herde hütet. -- 1. Petrus 5:1-3.

Eure Brüder,

Watch Tower B. & T. Society of Pennsylvania

[Offizieller Stempel]