Jehovas Zeugen, die öffentlich IRGENDEINE Vorschrift oder Lehre der Wachtturm-Gesellschaft in Frage stellen, anzweifeln, kritisieren oder ablehnen, werden höchstwahrscheinlich "ausgeschlossen" (exkommuniziert) und von Angehörigen und Freunden, die Zeugen Jehovas sind, geächtet. Sie werden als "Abtrünnige" bezeichnet, und die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, falls man ausgeschlossen ist, wenn Harmagedon kommt, wird Gott einen auf ewig vernichten:

The Watchtower, 1. März 1952, Seite 141:

Wer mit der Situation in der Versammlung vertraut ist, sollte [Ausgeschlossene] nie grüßen. Er ist in unserer Mitte nicht willkommen, wir meiden ihn.
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The Watchtower, 1. Oktober 1952, Seite 599:

"Wir müssen [den Ausgeschlossenen] im wahrsten Sinne hassen, das heißt, ihm mit äußerster Abneigung begegnen, ihn als abstoßend, ekelhaft, schmutzig, verachtungswürdig ansehen."
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The Watchtower, 15. November 1952:

Wie sollten Angehörige in den familiären Beziehungen einen Vater, eine Mutter, einen Sohn oder eine Tochter  behandeln, die ausgeschlossen sind?

Wir leben heute nicht in theokratischen Nationen, wo solche Blutsverwandte wegen Abtrünnigkeit von Gott und seiner theokratischen Organisation ausgerottet werden können, wie es in der Nation Israel in der Wildnis des Sinai und im Land Palästina möglich und angeordnet war. "Du solltest ihn unweigerlich töten. Deine Hand sollte als erste von allen an ihm sein, um ihn zu Tode zu bringen, und danach die Hand des ganzen Volkes. Und du sollst ihn mit Steinen steinigen, und er soll sterben, denn er hat dich von Jehova, deinem Gott, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt hat, abwendig zu machen gesucht. . . . Dann wird ganz Israel [es] hören und sich fürchten, und man wird nicht wieder etwas so Schlechtes tun in deiner Mitte" (5. Mos. 13:6-11).

Da wir durch das Gesetz der weltlichen Nation, in der wir leben, und auch durch die Gesetze Gottes durch Jesus Christus, eingeschränkt sind, können wir nur in bestimmtem Maße etwas gegen Abtrünnige unternehmen, das sich mit beiden Gesetzessammlungen verträgt.

Das Gesetz des Landes und Gottes Gesetz durch Christus verbieten uns, Abtrünnige zu töten, auch wenn sie unsere Blutsverwandten sind. Doch Gottes Gesetz fordert von uns, anzuerkennen, dass sie aus seiner Versammlung ausgeschlossen sind, und dies trotz der Tatsache, dass das Gesetz des Landes, in dem wir leben, von uns unter einer gewissen natürlichen Verpflichtung fordert, mit solchen Abtrünnigen unter einem Dach zu leben und mit ihnen Kontakt zu haben.

... Wenn die Kinder erwachsen sind, dann ist auch ein physischen Trennen der Familienbande möglich, weil die geistigen Bande bereits zerbrochen sind.

Wenn Kinder erwachsen sind und weiterhin Umgang mit einem ausgeschlossenen Elternteil haben, weil sie von ihm materielle Unterstützung erhalten, dann müssen sie bedenken, inwieweit ihre geistigen Interessen in Gefahr sind, weil sie in diesem ungleichen Verhältnis bleiben, und ob sie Vorkehrungen treffen können, sich selbst zu ernähren und  getrennt von ihrem abgefallenen Elternteil zu leben. Dass sie weiterhin materielle Unterstützung erhalten, sollte sie nicht dazu führen, Kompromisse einzugehen, wie zum Beispiel zu ignorieren, dass der Elternteil ausgeschlossen ist. Wenn der Elternteil damit droht, ihnen die Unterstützung zu entziehen, weil sie in Übereinstimmung mit der Ausschlussanordnung der Gemeinschaft des Volkes Gottes handeln, dann müssen sie bereit sein, diese Folgen auf sich zu nehmen.

Satans Einfluss auf die Familie durch den Ausgeschlossenen will den oder die anderen Angehörigen, die in der Wahrheit sind, dazu veranlassen, sich dem Ausgeschlossenen in seinem Lauf oder in seiner Haltung gegenüber Gottes Organisation anzuschließen. Das zu tun wäre verheerend, und so müssen die treuen Familienmitglieder die Ausschlussanordnung anerkennen und sie befolgen. Aber wie geht das, wenn man unter demselben Dach lebt oder täglich persönlichen, physischen Kontakt mit dem Ausgeschlossenen hat? Auf diese Weise: Indem man es ablehnt, mit dem Ausgeschlossenen religiöse Beziehungen zu haben.

... religiöse Gemeinschaft mit dem Ausgeschlossenen haben - nein, das geht nicht! Der treue Ehepartner würde mit dem Abtrünnigen oder Ausgeschlossenen nicht über religiöse Dinge sprechen und ihn auch nicht zu seiner Anbetungsstätte begleiten oder an dessen Zusammenkünften teilhaben. Jesus sagte: "Wenn er nicht auf sie [die Versammlung, die verpflichtet war, ihn auszuschließen] hört, so sei er für dich ebenso wie ein Mensch von den Nationen und wie ein Steuereinnehmer [für Jehovas geheiligte Nation]" (Matth. 18:17, NW). Ihm schaden dürfte man nicht, aber es gäbe keine geistige oder religiöse Gemeinschaft.

Dieselbe Vorschrift trifft auf die zu, die in einem Eltern-Kind- oder Kind-Eltern-Verhältnis stehen. Der treue Elternteil oder das treue Kind würde jeder Verpflichtung gemäß den Gesetzen der Menschen und Gottes nachkommen. Aber mehr als das oder religiöse Gemeinschaft mit solch einer Person, und das unter Bruch der Ausschlussanordnung - nein, das geht für den Glaubenstreuen nicht! Wenn der Glaubenstreue in materieller oder anderer Hinsicht leidet, weil er treu das theokratische Gesetz befolgt, dann muss er das als Leiden um der Gerechtigkeit willen annehmen.

Die Ausschlussanordnung zu befolgen hat einen bestimmten Zweck: der Ausgeschlossene soll seinen Irrtum erkennen und, wenn möglich, beschämt werden, so dass er wiederhergestellt werden kann, und auch unsere eigene Rettung zum Leben in der neuen Welt zur Rechtfertigung Gottes zu wahren (2. Thess. 3:14, 15; Titus 2:8). Wenn du in unauflöslichen, natürlichen Familienbanden in demselben Haushalt unter einem Dach mit einem Ausgeschlossenen lebst, magst du mit ihm essen und physischen Kontakt haben, und in diesem Fall treffen 1. Korinther 5:9-11 und 2. Johannes 10 nicht zu; aber vereitle nicht den Zweck der Ausschlussanordnung der Versammlung nicht dadurch, dass du geistige oder religiöse Speise mit solch einer Person teilst oder ihn in religiösem Sinne günstig aufnimmst oder ihm "Auf Wiedersehen" sagst und Wohlergehen in seinem abtrünnigen Lauf wünschst.
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The Watchtower, 1. Dezember 1952, Seite 735:

Allgemein gesprochen wäre es für uns wünschenswert, wenn wir mit Ausgeschlossenen keinen Kontakt hätten, weder geschäftlich noch sozial oder geistig.
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The Watchtower, 15. Juli 1961, Seite 420:

Um zu hassen, was böse ist, muss ein Christ [den Ausgeschlossenen] hassen.
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The Watchtower, 1. Juli 1963, Seite 411:

[Ein Gemeinschaftsentzug] dient als machtvolles warnendes Beispiel für alle in der Versammlung, weil sie dann die verheerenden Folgen sehen können, die es hat, wenn man Jehovas Gesetze ignoriert. Paulus sagte: "Weise Personen, die Sünde treiben, vor den Augen aller zurecht, damit auch die übrigen Furcht haben" (1. Tim. 5:20).
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The Watchtower, 1. Juli 1963, Seite 413:

[Die Mitglieder der Versammlung] werden sich mit solch einer Person nicht unterhalten oder ihn irgendwie anerkennen. Wenn der Ausgeschlossene versucht, mit anderen in der Versammlung zu sprechen, dann sollten sie weggehen. Auf diese Weise wird er die ganze Bedeutung seiner Sünde empfinden ... ein Ausgeschlossener, der das Rechte tun möchte, sollte jeden, der ihn in aller Unschuld anspricht, informieren, dass er ausgeschlossen ist, und nicht mit ihm reden.
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The Watchtower, 15. Juli 1963, Seiten 443-444:

Im Falle eines ausgeschlossenen Verwandten, der nicht im selben Haus lebt, wird der Kontakt mit ihm auf das absolut Notwendige beschränkt. Bei einer weltlichen Arbeit wird der Kontakt eingeschränkt und, wenn möglich, sogar ganz beendet.

Wir sollten nicht sehen, wie nahe wir einem Verwandten, der von Gottes Organisation ausgeschlossen ist, kommen können, sondern aufhören, Umgang mit ihm zu haben.

Was ist, wenn ein von Gottes Versammlung Abgeschnittener unerwartet gläubige Verwandte besucht? Was sollte ein Christ dann tun? Wenn ein solcher Besuch zu ersten Mal stattfindet, kann ein hingegebener Christ, wenn sein Gewissen es zulässt, in dieser besonderen Situation weiterhin höflich sein. Doch wenn sein Gewissen es nicht zulässt, hat er die Pflicht, nicht so zu handeln. Wenn die Höflichkeiten aber größere Ausmaße annehmen, sollte ein Christ klarstellen, dass dies nicht zu einer regelmäßigen Praxis wird ... Dem ausgeschlossenen Verwandten sollte man zu erkennen geben, dass seine Besuche nicht willkommen sind wie zuvor, als er noch in Übereinstimmung mit Jehova wandelte.

Seite 446:

Wenn ein ausgeschlossener Ehemann darauf besteht, beim Essen ein Gebet zu sprechen, würden die treuen Haushaltsmitglieder das Gebet nicht mit einem "Amen" beenden, und sie würden sich auch nicht, wie es manchmal Sitte ist, die Hände reichen, denn das wäre geistige Teilhabe. Sie könnten die Köpfe senken und selbst ein stilles Gebet zu Jehova sprechen.
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Organization for Kingdom-Preaching and Disciple-Making (1972), Seiten 172-173:

In Treue gegenüber Gott würde niemand in der Versammlung solche [ausgeschlossenen] Personen grüßen, wenn sie sie in der Öffentlichkeit begegnen - sie würden sie auch nicht zu sich nach Hause einladen.
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Der Wachtturm, 15. Januar 1975, Seite 442:

... Weißt du aber auch, wie man haßt? Diese harten Worte bringen den gottgefälligen Haß zum Ausdruck, den auch du empfinden mußt, wenn du Gott gefallen möchtest. Haß ruft in uns Abscheu hervor. Etwas, was man haßt, ist einem zuwider, man ekelt sich davor, man kann es nicht ausstehen.

Folgender Satz ist nur in der englischen Watchtower-Ausgabe enthalten:

[...] [Man hasst ausgeschlossene Zeugen Jehovas] in dem Sinne, wie man Gift oder einer giftigen Schlange aus dem Weg geht.
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Der Wachtturm, 1. November 1980, Seite 19:

Wer also mit seinen Zweifeln so weit geht, daß er abtrünnig wird, schwingt sich zum Richter auf. Er denkt, er wisse es besser als seine Mitchristen und auch besser als der „treue und verständige Sklave", durch den er das meiste, wenn nicht sogar alles, gelernt hat, was er über Jehova Gott und seine Vorsätze weiß.
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Der Wachtturm, 15. Dezember 1981, Seiten 19-31:

Die rechte Ansicht über den Gemeinschaftsentzug

„O Jehova . . . Wer wird weilen auf deinem heiligen Berge? Wer untadelig wandelt und Gerechtigkeit übt" (Ps. 15:1, 2).

JEHOVA ist gerecht und heilig. Er verfährt mit unvollkommenen Menschen zwar barmherzig und verständnisvoll, doch erwartet er von seinen Anbetern, daß sie seine Heiligkeit widerspiegeln, indem sie sich bemühen, sich an seine gerechten Maßstäbe zu halten (Ps. 103:8-14; 4. Mose 15:40).

2 Ein Israelit, der Gottes Gebote vorsätzlich übertrat und sich beispielsweise des Abfalls, des Ehebruchs oder des Mordes schuldig machte, sollte „weggetilgt", zu Tode gebracht werden (4. Mose 15:30, 31; 35:31; 5. Mose 13:1-5; 3. Mose 20:10). Die strikte Einhaltung der vernünftigen und gerechten Maßstäbe Gottes war für alle Israeliten gut, denn dadurch wurde die Reinheit der Versammlung bewahrt. Gleichzeitig wurde dadurch verhindert, daß jemand unter dem Volk, das Gottes Namen trug, Verderbnis ausbreitete.

3 Unter römischer Herrschaft waren die Juden im ersten Jahrhundert nicht befugt, die Todesstrafe zu verhängen (Joh. 18:28-31). Ein Jude, der einer Übertretung des mosaischen Gesetzes schuldig war, konnte jedoch aus der Synagoge ausgeschlossen werden. Diese schwere Strafe hatte unter anderem zur Folge, daß andere Juden den Ausgeschlossenen mieden. Man sagt, daß sie mit ihm — außer daß sie ihm das Lebensnotwendige verkauften — nicht einmal geschäftlich in Verbindung traten (Joh. 9:22; 12:42; 16:2).

4 Die Christenversammlung löste bei ihrer Gründung die jüdische Nation als Namensvolk Gottes ab (Matth. 21:43; Apg. 15:14). Von Christen konnte also zu Recht erwartet werden, daß sie für Jehovas Gerechtigkeit eintraten. Der Apostel Petrus schrieb: „In Übereinstimmung mit dem Heiligen, der euch berufen hat, werdet auch ihr selbst heilig in eurem ganzen Wandel, weil geschrieben steht: ,Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin‘ " (1. Petr. 1:14-16). Jehova liebt sein Volk und möchte die Christenversammlung rein erhalten. Daher traf er Vorkehrungen, daß eine Person, die in einem Lauf verharrt, der Gott entehrt und die Versammlung gefährdet, verworfen oder ausgeschlossen werden kann.

5 Der Apostel Paulus schrieb: „Einen Menschen, der eine Sekte fördert, weise ab nach einer ersten und zweiten ernsten Ermahnung, da du weißt, daß sich ein solcher vom Wege abgewandt hat und sündigt, wobei er durch sich selbst verurteilt ist" (Tit. 3:10, 11). Ja, Älteste wie Titus versuchen zunächst liebevoll, dem Missetäter zu helfen. Wenn er auf ihre Hilfe nicht reagiert und fortgesetzt „sündigt", sind sie befugt, ein Komitee aus Ältesten zusammenzustellen, um die zur „Gemeinde Gehörigen zu richten" (1. Kor. 5:12, Menge). Liebe zu Gott und der Reinheit seines Volkes erfordert, daß die zur „Gemeinde" oder Versammlung Gehörenden ‘diesen Menschen abweisen’.

6 IIm ersten Jahrhundert erhoben sich einige solche Missetäter wie zum Beispiel Hymenäus und Alexander, Männer, die „an ihrem Glauben Schiffbruch erlitten" hatten. Paulus sagte: „Ich habe sie dem Satan übergeben, damit sie durch Züchtigung gelehrt werden, nicht zu lästern" (1. Tim. 1:19, 20). Der Ausschluß dieser beiden Männer war eine schwere Züchtigung, eine Strafe, die sie lehren sollte, den heiligen und lebendigen Gott nicht zu lästern. (Vergleiche Lukas 23:16, wo das griechische Grundwort vorkommt, das oft mit „züchtigen" wiedergegeben wird.) Es war angebracht, diese Lästerer der Gewalt Satans zu übergeben, sie gleichsam in die Finsternis der von Satan beherrschten Welt hinauszuwerfen (2. Kor. 4:4; Eph. 4:17-19; 1. Joh. 5:19; vergleiche Apostelgeschichte 26:18).

WIE MAN AUSGESCHLOSSENE BEHANDELN SOLLTE

7 Darüber, wie man Ausgeschlossene behandeln sollte, mögen indes einige Fragen entstehen. Wir können dankbar dafür sein, daß Gott in seinem Wort für Antworten und Richtlinien gesorgt hat, von denen wir überzeugt sein können, daß sie vollkommen und gerecht sind (Jer. 17:10; 5. Mose 32:4).

8 Ein Mann in der Korinther Versammlung trieb zum Beispiel Unsittlichkeit und zeigte offensichtlich keine Reue. Paulus schrieb, daß die Versammlung diesen Mann ‘aus ihrer Mitte wegschaffen sollte’, da er Sauerteig glich, wovon schon ein wenig eine ganze Masse durchsäuern oder verderben kann (1. Kor. 5:1, 2, 6). Sollte man ihn aber, nachdem er ausgeschlossen worden war, lediglich wie eine beliebige weltliche Person behandeln, der ein Christ in seiner Nachbarschaft oder im täglichen Leben begegnet? Beachten wir die Worte des Paulus.

9 „Ich [schrieb] euch, keinen Umgang mehr mit Hurern zu haben, nicht in dem Sinne gänzlich mit den Hurern dieser Welt oder den Habgierigen und Erpressern oder Götzendienern. Sonst müßtet ihr ja aus der Welt hinausgehen" (1. Kor. 5:9, 10). Mit diesen Worten erkannte Paulus in realistischer Weise an, daß die meisten Personen, mit denen wir im täglichen Leben in Berührung kommen, Gottes Weg nicht kennen oder ihn nicht gehen. Sie mögen Hurer, Erpresser oder Götzendiener sein. Christen würden sich daher solche Personen nicht als enge Gefährten aussuchen. Wir leben aber auf diesem Planeten unter solchen Menschen und müssen uns vielleicht in ihrer Nähe aufhalten und auf dem Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Nachbarschaft mit ihnen sprechen.

10 Im folgenden Vers vergleicht Paulus diese Situation mit der Art und Weise, wie sich Christen gegenüber jemandem verhalten sollten, der ein christlicher „Bruder" war, aber wegen einer Sünde aus der Versammlung ausgeschlossen worden ist: „Nun aber schreibe ich euch, keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben [„verkehrt nicht mit einem", Rösch], der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Erpresser ist, selbst nicht mit einem solchen zu essen" (1. Kor. 5:11).

11 Der Ausgeschlossene ist nicht einfach ein Weltmensch, der weder Gott kennengelernt noch je ein gottgefälliges Leben geführt hat, sondern er kennt den Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit, hat ihn aber verlassen und reuelos in der Sünde so lange verharrt, daß er ausgeschlossen werden mußte. Deshalb ist er anders zu behandeln. Der Apostel Petrus zeigte, inwiefern sich solche ehemaligen Christen von einem beliebigen „Mann auf der Straße" unterscheiden: „Wenn sie nämlich, nachdem sie durch eine genaue Erkenntnis des Herrn und Retters Jesus Christus den Befleckungen der Welt entronnen sind, wieder in eben diese Dinge verwickelt und davon überwunden werden, so sind die letzten Zustände für sie schlimmer geworden als die ersten. . . . Es ist ihnen ergangen, wie das wahre Sprichwort sagt: ,Der Hund ist zum eigenen Gespei zurückgekehrt und die gebadete Sau zum Wälzen im Schlamm‘ " (2. Petr. 2:20-22; 1. Kor. 6:11).

12 Ja, die Bibel gebietet Christen, keinen Umgang oder keine Gemeinschaft mit einer Person zu pflegen, die aus der Versammlung ausgeschlossen worden ist. Jehovas Zeugen sprechen daher passenderweise von einem „Gemeinschaftsentzug", wenn ein reueloser Missetäter ausgeschlossen und anschließend von ihnen gemieden wird. Daß sie mit einem Ausgeschlossenen weder auf geistiger noch auf gesellschaftlicher Ebene Gemeinschaft haben wollen, verrät Loyalität gegenüber den Maßstäben Gottes und Gehorsam gegenüber seinem in 1. Korinther 5:11, 13 aufgezeichneten Gebot. Dieses Verhalten steht im Einklang mit Jesu Aufforderung, eine solche Person ebenso zu betrachten, wie „ein Mensch von den Nationen" damals von den Juden angesehen wurde. Noch einige Zeit nach dem Tode der Apostel hielten sich bekennende Christen an dieses schriftgemäße Vorgehen. Doch wie viele Kirchen befolgen heute in dieser Hinsicht Gottes deutliche Anweisungen?

PERSONEN, DIE DIE GEMEINSCHAFT VERLASSEN

13 Ein Christ könnte zum Beispiel geistig schwach werden, weil er vielleicht nicht regelmäßig Gottes Wort studiert, persönliche Probleme hat oder Verfolgung ausgesetzt ist (1. Kor. 11:30; Röm. 14:1). Er mag aufhören, die christlichen Zusammenkünfte zu besuchen. Was sollte in einem solchen Fall getan werden? Denken wir daran, daß Jesus in der Nacht, in der er verhaftet wurde, von seinen Aposteln verlassen wurde. Dennoch hatte er Petrus ermahnt: „Bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder [die Jesus ebenfalls verließen]" (Luk. 22:32). Christliche Älteste und andere besuchen daher aus Liebe Personen, die schwach und untätig geworden sind, um ihnen zu helfen (1. Thess. 5:14; Röm. 15:1; Hebr. 12:12, 13). Anders verhält es sich indessen, wenn der Betreffende kein Christ mehr sein möchte und selbst die Gemeinschaft verläßt.

14 Es könnte sein, daß jemand, der ein wahrer Christ war, den Weg der Wahrheit verlassen hat und erklärt, er betrachte sich nicht mehr als ein Zeuge Jehovas oder wünsche nicht mehr, als ein solcher bekannt zu sein. Wenn dieser seltene Fall eintritt, gibt der Betreffende seinen Stand als Christ auf und verläßt vorsätzlich die Gemeinschaft der Versammlung. Der Apostel Johannes schrieb: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie sind nicht von unserer Art gewesen; denn wenn sie von unserer Art gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben" (1. Joh. 2:19).

15 Oder jemand mag durch seine Handlungen seinen Platz in der Christenversammlung verlassen, zum Beispiel dadurch, daß er ein Teil einer Organisation wird, deren Ziele schriftwidrig sind, und dadurch unter das Urteil Jehovas zu stehen kommt (vergleiche Offenbarung 19:17 bis 21; Jesaja 2:4). Wenn sich also jemand, der ein Christ ist, denen anschließt, die Gott mißbilligt, wäre es für die Versammlung angebracht, durch eine kurze Bekanntmachung zu bestätigen, daß er die Gemeinschaft verlassen hat und kein Zeuge Jehovas mehr ist.

16 Personen, die den Glauben und die Glaubenslehren der Zeugen Jehovas vorsätzlich verwerfen und dadurch selbst zeigen, daß sie „nicht von unserer Art" sind, sollten passenderweise so betrachtet und behandelt werden wie jemand, dem wegen eines Unrechts die Gemeinschaft entzogen worden ist.

MIT DER VERSAMMLUNG ZUSAMMENARBEITEN

17 Christen freuen sich über die geistige Gemeinschaft, die sie genießen, wenn sie mit ihren Brüdern oder interessierten Personen biblische Gespräche führen oder die Bibel studieren, doch wünschen sie keine Gemeinschaft mit einem ausgeschlossenen Sünder (oder einer Person, die den Glauben und die Glaubensansichten der Zeugen Jehovas aufgegeben und die Gemeinschaft verlassen hat). Der Ausgeschlossene ist ‘abgewiesen’ worden und „durch sich selbst verurteilt", weil er „sündigt", und die Glieder der Versammlung akzeptieren Gottes Urteil und unterstützen es. Mit einem Gemeinschaftsentzug hört jedoch nicht nur die geistige Gemeinschaft auf zu bestehen (Tit. 3:10, 11).

18 Paulus schrieb, mit dem Betreffenden „keinen Umgang mehr . . . zu haben, . . . selbst nicht mit einem solchen zu essen" (1. Kor. 5:11). Eine Mahlzeit ist eine Gelegenheit zur Entspannung und zum geselligen Beisammensein. Die Bibel schließt also auch geselliges Zusammensein aus, zum Beispiel, daß man sich mit einem Ausgeschlossenen zu einem Picknick oder zu einer Party begibt, mit ihm Sport treibt, an den Strand fährt, ins Theater geht oder mit ihm eine Mahlzeit einnimmt. (Die besonderen Probleme, die sich im Fall eines Verwandten ergeben, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist, werden in dem folgenden Artikel besprochen.)

19 Manchmal mag sich ein Christ gedrängt fühlen, diesen biblischen Rat zu mißachten. Vielleicht regen sich bei ihm starke Gefühle, oder Bekannte setzen ihn unter Druck. Ein Bruder wurde beispielsweise dazu gedrängt, die Ehe zweier Personen zu schließen, denen die Gemeinschaft entzogen worden war. Könnte dieser Dienst als eine reine Freundlichkeit gedeutet werden? Man könnte diesen Standpunkt vertreten. Doch warum wünschte man seine Dienste, statt sich von dem Standesbeamten der Stadt oder des Staates trauen zu lassen? Geschah es nicht wegen seiner Stellung als Diener Gottes und der Fähigkeit, anhand des Wortes Gottes Rat über die Ehe zu erteilen? Solchem Druck nachzugeben würde bedeuten, Gemeinschaft mit dem Paar zu pflegen, mit Personen, die wegen ihrer gottlosen Handlungsweise aus der Versammlung ausgeschlossen worden sind (1. Kor. 5:13).

20 Andere Probleme entstehen im Geschäftsleben oder am Arbeitsplatz. Angenommen, du arbeitest bei jemandem, der aus der Versammlung ausgeschlossen worden ist, oder jemand, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist, arbeitet bei dir. Falls du vertragsmäßig oder aus finanziellen Gründen verpflichtet wärst, die geschäftliche Verbindung vorerst aufrechtzuerhalten, würdest du ihm gegenüber nun sicherlich eine andere Haltung einnehmen als zuvor. Gespräche über geschäftliche Angelegenheiten oder Kontakt am Arbeitsplatz mögen notwendig sein, doch mit biblischen Gesprächen und geselliger Gemeinschaft wäre es vorbei. Auf diese Weise könntest du deinen Gehorsam gegenüber Gott zeigen und eine Schranke zu deinem Schutz errichten. So könnte dem Betreffenden auch deutlich gemacht werden, wieviel ihn seine Sünde in verschiedener Hinsicht gekostet hat (2. Kor. 6:14, 17)

MIT EINEM AUSGESCHLOSSENEN REDEN?

21 Wenn man für Gottes Gerechtigkeit eintreten und seine Vorkehrung des Gemeinschaftsentzugs unterstützen möchte, bedeutet das dann, daß man einen Ausgeschlossenen nicht einmal grüßen sollte? Diese Frage ist bei einigen aufgestiegen, weil Jesus darauf hinwies, unsere Feinde zu lieben und nicht ‘nur unsere Brüder zu grüßen’ (Matth. 5:43-47).

22 Jehova Gott hat in seiner Weisheit nicht versucht, jede mögliche Situation zu behandeln. Es gilt, den Sinn dessen zu erfassen, was er über die Behandlung eines Ausgeschlossenen sagt, denn dann können wir uns bemühen, seinen Standpunkt einzunehmen. Durch den Apostel Johannes läßt Gott sagen:

„Jeder, der vorausdrängt und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. . . . Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn niemals in euer Haus auf, noch entbietet ihm einen Gruß. Denn wer ihm einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" (2. Joh. 9-11).

23 Der Apostel, der diese weisen und warnenden Worte äußerte, war mit Jesus eng verbunden und wußte, was Christus über das Grüßen gesagt hatte. Er kannte auch den damals üblichen Gruß „Friede". Einem Ausgeschlossenen, der versucht, für seine abtrünnigen Gedanken zu werben oder sie zu rechtfertigen, oder der seinen gottlosen Lebenswandel fortsetzt, wünschen wir im Unterschied zu einem persönlichen „Feind" oder einer weltlichen Autoritätsperson, die zu Christen gegnerisch eingestellt ist, bestimmt keinen „Frieden" (1. Tim. 2:1, 2). Und wir wissen im Laufe der Zeit aus eigener Erfahrung, daß ein einfacher Gruß der erste Schritt zu einer Unterhaltung und vielleicht sogar zu einer Freundschaft sein kann. Möchten wir bei einem Ausgeschlossenen diesen ersten Schritt tun?

24 „Wie verhält es sich aber, wenn er reumütig zu sein scheint und der Ermunterung bedarf?" mag sich jemand fragen. Für solche Fälle besteht eine Vorkehrung. Die Aufseher in der Versammlung sind als geistige Hirten dazu da, die Herde zu schützen (Hebr. 13:17; 1. Petr. 5:2). Bittet ein Ausgeschlossener um Wiederaufnahme oder läßt er Anzeichen dafür erkennen, daß er wieder in Gottes Gunst gelangen möchte, so können die Ältesten mit ihm sprechen. Sie werden ihm freundlich erklären, was er tun sollte, und mögen ihn entsprechend ermahnen, wobei sie die mit seiner früheren Sünde verbundenen Umstände und seine Einstellung berücksichtigen können. Andere Glieder der Versammlung verfügen nicht über diese Informationen. Wenn daher jemand denkt, ein Ausgeschlossener sei reumütig, könnte er nach dem äußeren Schein, statt aufgrund genauer Informationen urteilen. Wenn die Aufseher davon überzeugt sind, daß der Betreffende bereut und die Früchte der Reue hervorbringt, wird er wieder in die Versammlung aufgenommen. Dann können alle anderen in der Versammlung ihn in den Zusammenkünften herzlich willkommen heißen, ihm vergeben, ihn trösten und ihre Liebe zu ihm bestätigen, wozu Paulus die Korinther im Fall eines Mannes aufforderte, der wiederaufgenommen wurde (2. Kor. 2:5-8).

NICHT AN BÖSEN WERKEN TEILHABEN

25 Alle treuen Christen sollten sich die ernste Wahrheit zu Herzen nehmen, die Johannes unter göttlicher Inspiration mit den Worten zum Ausdruck brachte: „Wer ihm [einem ausgeschlossenen Sünder, der eine Irrlehre vertritt oder einen gottlosen Wandel führt] einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" (2. Joh. 11).

26 Viele Kommentatoren der Christenheit nehmen Anstoß an 2. Johannes 11. Sie behaupten, es handle sich um „unchristlichen Rat, der dem Geist unseres Herrn widerspricht" oder der zu Intoleranz ermuntere. Doch solche Gedanken gehen von religiösen Organisationen aus, die sich nicht an das göttliche Gebot halten: „Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte" und die sogar nur selten, wenn überhaupt, einen offenkundigen Missetäter aus ihrer Kirche ausschließen (1. Kor. 5:13). Ihre „Toleranz" ist unbiblisch und unchristlich (Matth. 7:21-23; 25:24-30; Joh. 8:44).

27 Aber es ist nicht verkehrt, gegenüber dem gerechten Gott der Bibel loyal zu sein. Er sagt uns, daß er nur diejenigen ‘auf seinem heiligen Berge’ zulassen wird, die untadelig wandeln, Gerechtigkeit üben und die Wahrheit reden (Ps. 15:1-5). Würde ein Christ auf Gedeih und Verderb zu einem Missetäter halten, der von Gott verworfen und dem die Gemeinschaft entzogen worden ist oder der die Gemeinschaft verlassen hat, so würde er gewissermaßen sagen, er wünsche auch keinen Platz ‘auf Gottes heiligem Berge’. Wenn die Ältesten beobachten würden, daß er diesen Weg beschreitet, indem er regelmäßig mit einem Ausgeschlossenen zusammen ist, würden sie versuchen, ihm liebevoll und geduldig zu helfen, wieder Gottes Standpunkt einzunehmen (Matth. 18:18; Gal. 6:1). Sie würden ihm Rat erteilen und ihn nötigenfalls ‘mit Strenge zurechtweisen’, da sie ihm helfen möchten, ‘auf Gottes heiligem Berge’ zu bleiben. Wenn er aber nicht aufhört, Gemeinschaft mit dem Ausgeschlossenen zu pflegen, ‘hat er an den bösen Werken teil’ (indem er sie unterstützt oder sich daran beteiligt) und muß aus der Versammlung entfernt oder ausgeschlossen werden (Tit. 1:13; Jud. 22, 23; vergleiche 4. Mose 16:26).

LOYAL GEGENÜBER GOTTES STANDPUNKT

28 Loyalität gegenüber Jehova Gott und seinen Vorkehrungen ist eine Quelle der Freude, denn alle seine Wege sind gerecht und gut. Das trifft auch auf seine Vorkehrung zu, reuelosen Missetätern die Gemeinschaft zu entziehen. Wenn wir diese Vorkehrung unterstützen, können wir auf Davids Worte vertrauen: „Nehmt zur Kenntnis, daß Jehova seinen Loyalgesinnten gewißlich auszeichnen wird" (Ps. 4:3). Ja, Gott schützt, ehrt und leitet alle, die ihm gegenüber loyal sind und seine Wege einhalten. Diese Loyalität trägt uns neben vielen anderen Segnungen die Freude ein, zu denen zu gehören, die ‘auf Gottes heiligem Berge’ sind und seine Anerkennung haben (Ps. 84:10, 11).

Wenn einem Verwandten die Gemeinschaft entzogen wird

NACHDEM Adam einige Zeit allein gewesen war, sagte Gott: „Es ist für den Menschen nicht gut, daß er weiterhin allein sei." Er erschuf dann Eva und stiftete so die Ehe (1. Mose 2:18, 21, 22). Von da an sollte die Erdbevölkerung wachsen. Jeder Mensch hätte schließlich viele Verwandte gehabt. Selbst wenn einige Angehörige (zum Beispiel Kinder) nicht in der Nähe gewohnt hätten, hätte man sie besuchen und schöne Stunden mit ihnen verleben können (1. Mose 1:28; Hiob 1:1-5).

2 Gott hatte vorgesehen, daß die Familien in der wahren Anbetung geeint sein sollten. Es sollte also keine Trennung durch unterschiedliche religiöse Anschauungen geben. Doch es gab später Familien, in denen die Religion zu einer Streitfrage wurde. Das war beispielsweise der Fall, als Korah, Dathan und Abiram rebellierten. Jehova bestätigte, daß er durch Moses und Aaron handelte, nicht durch jene religiösen Rebellen. Daraufhin forderte Moses das Volk auf, sich von den Zelten der Rebellen zu entfernen. Was würden die Angehörigen Korahs, Dathans und Abirams tun? Würden sie die Loyalität zur Familie höher einstufen als die Loyalität zu Jehova und seiner Versammlung? Die meisten Angehörigen dieser Rebellen gaben der Familie den Vorzug vor Gott. Jehova vernichtete diese Angehörigen zusammen mit den Rebellen (4. Mose 16:16-33).

3 Doch einige Söhne Korahs blieben Gott und seinem Volk gegenüber loyal. Sie wurden nicht zusammen mit den übrigen Gliedern der Familie Korahs und den Familien Dathans und Abirams hingerichtet (4. Mose 26:9-11). Ja, Nachkommen dieser Korahiter wurden später dadurch gesegnet, daß sie einen besonderen Dienst im Tempel verrichten durften und ehrenhaft in der Bibel erwähnt werden (2. Chron. 20:14-19; Ps. 42, 44 bis 49, 84, 85, 87).

4 Eine ähnliche Entscheidung zwischen der Loyalität zur Familie und der Loyalität zu Gott mußte getroffen werden, wenn ein Israelit abtrünnig wurde. Würden seine Angehörigen aufgrund menschlicher Regungen oder verwandtschaftlicher Bande versuchen, den Betreffenden davor zu schützen, „weggetilgt" zu werden? Oder würden selbst sein Bruder, sein Sohn oder seine Tochter erkennen, daß es richtig und weise ist, Gott und der Versammlung gegenüber loyal zu sein? (Siehe 5. Mose 13:6-11.) In der christlichen Ordnung wird ein Sünder heute zwar nicht durch eine Hinrichtung „weggetilgt", doch mag es für Christen eine Prüfung sein, wenn ein Angehöriger in Zucht genommen wird.

VERWANDTE KÖNNEN PROBLEME VERURSACHEN

5 Die Bindung und Zuneigung unter Familienangehörigen kann sehr stark sein. Das ist etwas Natürliches und entspricht der Einrichtung Gottes (Joh. 16:21). Aber diese starken Bande können für einen Christen auch zu einer schweren Prüfung werden. Wenn jemand ein Christ wird, mögen zum Beispiel, wie Jesus erklärte, seine Verwandten eine feindliche Haltung ihm gegenüber einnehmen. Jesus sagte: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern ein Schwert. Denn ich bin gekommen, um zu entzweien: einen Menschen mit seinem Vater und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine junge Ehefrau mit ihrer Schwiegermutter. In der Tat, eines Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer zum Vater oder zur Mutter größere Zuneigung hat als zu mir, ist meiner nicht würdig" (Matth. 10:34-38).

6 Christen wünschen nicht, daß es zu einer solchen Feindschaft kommt. Und es gibt keinen Grund, weshalb Angehörige ihnen gegenüber ablehnend eingestellt sein oder sie hassen sollten, nur weil sie sittlich reine, aufrichtige Diener Gottes geworden sind. Wahre Christen erkennen indes, daß sie der Familie nicht den Vorzug vor Gott geben können. Wenn ein Christ Gott treu bleibt, ist dies für ihn selbst und für seine Familie, auf lange Sicht gesehen, das beste. Im Laufe der Zeit kann er vielleicht seine Angehörigen bewegen, den Weg einzuschlagen, der zur Rettung führt (Röm. 9:1-3; 1. Kor. 7:12-16).

7 Durch Verwandte können für einen wahren Christen auch in anderer Hinsicht Probleme entstehen, beispielsweise dann, wenn einem Verwandten die Gemeinschaft entzogen wird. Wie in den vorangegangenen Artikeln gezeigt worden ist, verlangt Gott, daß einem Glied der Versammlung, das ständig schwerwiegend sündigt und nicht bereut, die Gemeinschaft entzogen wird (1. Kor. 5:11-13). Durch den Lebenswandel des Missetäters hat sich sein Verhältnis zu Jehova und daher auch zu den Angehörigen, die Zeugen Jehovas sind, verändert. Daran ist nicht Gott schuld, denn seine Maßstäbe sind gerecht (Hiob 34:10, 12). Der Fehler liegt auch nicht bei den treuen christlichen Angehörigen, sondern bei dem Ausgeschlossenen, der sich selbst und seinen Verwandten Probleme geschaffen hat.

8 Zwei unterschiedliche Situationen, die dabei auftreten können, sollten wir etwas näher beleuchten. In dem einen Fall lebt ein Christ mit einem Angehörigen, der ausgeschlossen worden ist oder die Gemeinschaft verlassen hat, in derselben Familie zusammen. In dem anderen Fall gehört dieser nicht zum engsten Familienkreis.

IM ENGSTEN FAMILIENKREIS

9 Jemand mag ein Christ werden, ohne daß andere Glieder seiner Familie zum Glauben kommen. Es könnte beispielsweise sein, daß eine Frau Jehova dient, ihr Mann aber nicht. Sie ist trotzdem immer noch „e i n Fleisch" mit ihrem Mann und ist verpflichtet, ihn zu lieben und zu achten (1. Mose 2:24; 1. Petr. 3:1-6). Oder vielleicht ist sie mit einem Mann verheiratet, der ein Gott hingegebener Christ war, aber aus der Versammlung ausgeschlossen worden ist. Dadurch würden jedoch die Ehebande nicht aufgelöst werden; das würde nur durch den Tod oder eine schriftgemäße Scheidung geschehen (1. Kor. 7:39; Matth. 19:9).

10 Ähnlich verhält es sich, wenn ein Elternteil oder ein Sohn oder eine Tochter ausgeschlossen worden ist oder die Gemeinschaft verlassen hat. Die verwandtschaftlichen Bande bleiben bestehen. Heißt das aber, daß nach dem Gemeinschaftsentzug dieses Angehörigen innerhalb der Familie alles beim alten bleibt? Sicher nicht.

11 Ein Ausgeschlossener ist geistig von der Versammlung abgeschnitten worden; die früheren geistigen Bande sind völlig aufgelöst worden. Das trifft selbst auf seine Angehörigen zu, auch auf die im engsten Familienkreis. Sie haben — obschon sie die Familienbande anerkennen — keine geistige Gemeinschaft mehr mit ihm (1. Sam. 28:6; Spr. 15:8, 9).

12 Das bringt zwangsläufig Veränderungen in den geistigen Beziehungen mit sich, die bis dahin in der Familie bestanden haben mögen. Wenn zum Beispiel dem Mann die Gemeinschaft entzogen worden ist, wird es seiner Frau und den Kindern nicht recht sein, daß er ein Familienstudium durchführt oder die Familie beim Bibellesen oder im Gebet leitet. Möchte er bei Mahlzeiten ein Gebet sprechen, so hat er in seiner Wohnung das Recht dazu. Doch seine Angehörigen können im stillen selbst zu Gott beten (Spr. 28:9; Ps. 119:145, 146). Was ist, wenn ein Familienangehöriger, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist, dem Bibellesen oder einem Bibelstudium im Familienkreis beiwohnen möchte? Die anderen können ihn zuhören lassen, wenn er nicht versucht, sie zu belehren oder seine religiösen Anschauungen vorzubringen.

13 IWenn einem Minderjährigen die Gemeinschaft entzogen worden ist, werden die Eltern immer noch für seine physischen Bedürfnisse sorgen und ihn erziehen. Sie würden mit ihm persönlich kein Bibelstudium durchführen, bei dem er sich beteiligen könnte. Das heißt aber nicht, daß man von ihm nicht verlangen würde, dem Familienstudium beizuwohnen, wobei die Eltern auf Stellen in der Bibel oder in christlichen Veröffentlichungen aufmerksam machen können, die Rat enthalten, den er benötigt (Spr. 1:8-19; 6:20 bis 22; 29:17; Eph. 6:4). Sie können ihn zu christlichen Zusammenkünften mitnehmen und ihn dort neben sich sitzen lassen in der Hoffnung, daß er den biblischen Rat beherzigen wird.

14 Was ist aber zu tun, wenn ein naher Verwandter, ein Sohn oder ein Elternteil, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist und der nicht in der Wohnung seiner christlichen Angehörigen lebt, mit in diese Wohnung ziehen möchte? Was die Familie in einem solchen Fall tun sollte, könnte sie je nach den bestehenden Umständen selbst entscheiden.

15 Ein Elternteil, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist, mag zum Beispiel krank werden oder in finanzieller oder körperlicher Hinsicht nicht mehr in der Lage sein, für sich selbst zu sorgen. Christliche Kinder haben eine biblische und moralische Verpflichtung, dem Betreffenden zu helfen (1. Tim. 5:8). Vielleicht erscheint es ihnen notwendig, ihn entweder vorübergehend oder auf Dauer in ihre Wohnung aufzunehmen, oder sie mögen es für ratsam erachten, ihn irgendwo unterzubringen, wo er ärztlich betreut werden kann, sie ihn aber besuchen müssen. Was sie tun, mag beispielsweise davon abhängen, welche Bedürfnisse der Elternteil wirklich hat, wie er eingestellt ist und was das Haupt der Familie im Hinblick auf das geistige Wohl der Familie für angebracht hält.

16 Das gleiche könnte auch im Fall eines Kindes gelten, das nicht mehr im Elternhaus ist und dem die Gemeinschaft entzogen worden ist oder das die Gemeinschaft verlassen hat. Mitunter haben christliche Eltern ein Kind, das ausgeschlossen wurde und dann körperlich oder emotionell erkrankte, wieder eine Zeitlang in die Familie aufgenommen. Aber in jedem Fall können die Eltern die gegebenen Umstände abwägen. Hat der ausgeschlossene Sohn einen eigenen Haushalt geführt, und ist er jetzt nicht mehr dazu in der Lage? Oder möchte er vor allem deswegen in die elterliche Wohnung zurückkehren, weil er dort ein leichteres Leben hat? Wie steht es mit seinen Moralbegriffen und seiner Einstellung? Wird er „Sauerteig" in die Familie bringen? (Gal. 5:9).

17 Der Vater in Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn lief seinem Sohn entgegen und nahm ihn dann bei sich auf. Er sah den jämmerlichen Zustand des Sohnes und reagierte darauf mit natürlicher elterlicher Sorge. Wohlgemerkt: Der Sohn kam nicht mit Huren nach Hause und nicht in der Absicht, sein sündiges Leben in seinem Vaterhaus fortzusetzen, sondern brachte von Herzen kommende Reue zum Ausdruck und war offensichtlich entschlossen, wieder ein reines Leben zu führen (Luk. 15:11-32).

AUSGESCHLOSSENE VERWANDTE, DIE NICHT IN DERSELBEN WOHNUNG LEBEN

18 Die zweite Situation, die wir betrachten müssen, betrifft einen Verwandten, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist oder der die Gemeinschaft verlassen hat und nicht zum engeren Familienkreis gehört oder nicht in derselben Wohnung lebt. Da zu dem Betreffenden immer noch verwandtschaftliche Bindungen bestehen, mag es nötig sein, sich im begrenzten Rahmen bestimmter familiärer Angelegenheiten anzunehmen. Dennoch ist es nicht genauso, wie wenn er in derselben Wohnung leben würde, wo Berührungen und Gespräche nicht vermieden werden können. Wir sollten die inspirierte Anweisung der Bibel deutlich im Sinn behalten, „keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben, der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger . . . ist, selbst nicht mit einem solchen zu essen" (1. Kor. 5:11).

19 Christen, die mit einem Ausgeschlossenen verwandt sind, der nicht in derselben Wohnung lebt, sollten demnach jeden unnötigen Umgang mit dem Betreffenden vermeiden und selbst geschäftliche Kontakte auf ein Minimum beschränken. Wie vernünftig diese Handlungsweise ist, wird durch das deutlich, was an einigen Orten geschah, wo sich Verwandte auf den Standpunkt stellten, der Betreffende sei zwar ausgeschlossen, doch seien sie immer noch mit ihm verwandt und könnten ihn daher so behandeln wie zuvor. In einem Fall wird berichtet:

„Jemand, dem die Gemeinschaft entzogen worden war, war mit ungefähr einem Drittel der Versammlung verwandt. Alle seine Verwandten pflegten weiterhin Umgang mit ihm."

Ein sehr geachteter christlicher Ältester schreibt:

„In unserem Gebiet werden einige Ausgeschlossene, die eine große Verwandtschaft haben, wenn sie den Vorraum des Königreichssaals betreten, mit großer Herzlichkeit begrüßt (obwohl man weiß, daß der Ausgeschlossene immer noch einen unmoralischen Lebenswandel führt). Ich bin sehr darüber besorgt, denn diese Ausgeschlossenen sollten erkennen, daß ihr Verhalten von Jehova und seinem Volk gehaßt wird, und sie sollten sich der Notwendigkeit bewußt werden, aufrichtig zu bereuen. Was wird diese Ausgeschlossenen veranlassen, sich zu ändern, wenn sie von ihren vielen Angehörigen, die von ihrer Handlungsweise wissen, ständig begrüßt werden?"

20 Im ersten Jahrhundert muß es Versammlungen gegeben haben, in denen viele Christen miteinander verwandt waren. Konnten sich aber die Verwandten eines Ausgeschlossenen dem Betreffenden gegenüber so verhalten wie zuvor, solange sie nichts Biblisches mit ihm besprachen? Nein. Sonst hätte die Versammlung in Wirklichkeit nicht das Gebot befolgt: „Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte" (1. Kor. 5:13).

21 Wir sollten sorgfältig darauf achten, daß wir jemandes Stand als ausgeschlossener Sünder nicht ignorieren oder bagatellisieren. Wie das gute Beispiel der Söhne Korahs zeigt, sollten wir vor allem zu Jehova und zu seiner theokratischen Einrichtung loyal sein. Wenn wir für seine Maßstäbe eintreten und die Gemeinschaft mit seinem organisierten Volk dem Umgang mit Missetätern vorziehen, dürfen wir davon überzeugt sein, daß er uns beschützen und segnen wird (Ps. 84:10 bis 12).

GESELLIGE ANLÄSSE UND AUSGESCHLOSSENE VERWANDTE

22 Normalerweise sind Verwandte oft bei Mahlzeiten, Picknicks, Familientreffen oder anderen geselligen Anlässen beisammen. Doch wenn jemand reuelos in Sünde verharrt hat und ausgeschlossen werden mußte, können sich für seine christlichen Verwandten dadurch Schwierigkeiten im Hinblick auf solche Anlässe ergeben. Sie sind sich zwar dessen bewußt, daß sie immer noch mit ihm verwandt sind, doch möchten sie auch die Worte des Paulus nicht unberücksichtigt lassen, daß treue Christen „keinen Umgang mehr" mit einem ausgeschlossenen Sünder haben sollten.

23 Es ist sinnlos, nach einer Regel zu suchen, die besagt, ob man einem geselligen Anlaß beiwohnen darf, bei dem auch ein ausgeschlossener Verwandter zugegen ist. Das muß man in Übereinstimmung mit der Anweisung des Paulus selbst entscheiden (1. Kor. 5:11). Doch man sollte Verständnis dafür haben, daß die Gegenwart eines Ausgeschlossenen bei einem Zusammensein, zu dem auch Zeugen Jehovas eingeladen sind, die nicht mit dem Ausgeschlossenen verwandt sind, deren Verhalten beeinflussen mag. Ein christliches Paar mag sich zum Beispiel in einem Königreichssaal trauen lassen. Kommt zu dieser Trauung ein ausgeschlossener Verwandter in den Königreichssaal, so könnte er sich offensichtlich nicht der Hochzeitsgesellschaft anschließen oder dort „die Braut dem Bräutigam übergeben". Und was ist von einer Hochzeitsfeier zu sagen? Sie kann ein freudiger geselliger Anlaß sein, wie dies in Kana der Fall war, wo Jesus einer solchen Feier beiwohnte (Joh. 2:1, 2). Wird man aber einen ausgeschlossenen Verwandten der Feier beiwohnen lassen oder ihn sogar dazu einladen? Wenn feststeht, daß er anwesend sein wird, mögen sich viele Christen — ob mit ihm verwandt oder nicht — angesichts der Richtlinien des Paulus in 1. Korinther 5:11 sagen, daß sie nicht dabeisein und mit ihm essen und Umgang mit ihm haben können.

24 Mitunter sehen sich Christen nicht in der Lage, einen Verwandten, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist oder der die Gemeinschaft verlassen hat, einem Beisammensein beiwohnen zu lassen, zu dem normalerweise auch Familienangehörige kommen würden. Sie können sich aber immer noch der Gemeinschaft der loyalen Glieder der Versammlung erfreuen, indem sie Jesu Worte im Sinn behalten: „Wer immer den Willen Gottes tut, dieser ist mir Bruder und Schwester und Mutter" (Mark. 3:35).

25 Fest steht, daß ein Christ, der sich in Sünde verstrickt und ausgeschlossen werden muß, viel einbüßt: die Anerkennung Gottes, die Zugehörigkeit zu der glücklichen Versammlung von Christen, die liebliche Gemeinschaft der Brüder und einen Großteil der Gesellschaft seiner christlichen Verwandten (1. Petr. 2:17). Andere mögen aufgrund dessen, was er ihnen zugefügt hat, sogar noch nach seinem Tod leiden.

26 Sollte er sterben, solange ihm die Gemeinschaft entzogen ist, so kann in Verbindung mit seiner Beerdigung ein Problem entstehen. Seine christlichen Verwandten möchten vielleicht gern, daß eine Ansprache im Königreichssaal gehalten wird, falls das am Ort üblich ist. Doch das wäre im Fall eines Ausgeschlossenen nicht passend. Wenn der Betreffende erkennen ließ, daß er bereute und Gottes Vergebung wünschte, indem er nicht mehr ‘Sünde trieb’ und die christlichen Zusammenkünfte besuchte, mag das Gewissen eines Bruders es zulassen, in der Friedhofshalle oder am Grab eine biblische Ansprache zu halten. Der biblische Aufschluß über den Zustand der Toten ist für Ungläubige ein Zeugnis und tröstet die Verwandten. Wenn aber der Ausgeschlossene immer noch falsche Lehren vertrat oder einen gottlosen Wandel führte, wäre auch eine solche Ansprache nicht angebracht (2. Joh. 9-11).

WAS WIR ALLE DARAUS LERNEN

27 Wir alle sollten erkennen, daß es auf das Urteil Jehovas ankommt (Spr. 29:26). Das gilt für hassenswerte Handlungen, denn, wie die Bibel zeigt, verabscheut Gott solche Handlungen (Spr. 6:16-19). Es gilt aber auch für sein Urteil über Einzelpersonen. Jehovas Wort erklärt eindeutig, daß „Ungerechte" — Personen, die die „Werke des Fleisches" pflegen — Gottes Königreich nicht ererben werden (1. Kor. 6:9, 10; Gal. 5:19-21). Solche Personen haben weder einen Platz im Himmel, noch passen sie in den irdischen Bereich des Königreiches. Wer daher in der reinen Versammlung Gottes bleiben möchte, muß sich heute nach seinen Maßstäben ausrichten. Gott wird in seinem heiligen Volk keinen „Sauerteig" dulden, da dieser einen verderblichen Einfluß ausüben würde (1. Kor. 5:6-13).

28 Wenn einem nahen Verwandten die Gemeinschaft entzogen worden ist, kommen ganz natürlich menschliche Gefühlsregungen ins Spiel, die für uns eine große Prüfung darstellen können. Die gefühlsmäßigen und familiären Bindungen sind zwischen Eltern und Kindern besonders stark, und sie spielen auch eine große Rolle, wenn einem Ehepartner die Gemeinschaft entzogen worden ist. Wir müssen aber einsehen, daß wir letzten Endes niemandem nützen und auch Gott nicht wohlgefallen, wenn wir uns durch unsere Gefühle dazu verleiten lassen, seinen Rat und seine Anleitung zu mißachten. Wir sollten zeigen, daß wir auf die vollkommene Gerechtigkeit der Wege Gottes — die die Vorkehrung einschließen, daß einem reuelosen Missetäter die Gemeinschaft entzogen wird — völlig vertrauen. Wenn wir gegenüber Gott und der Versammlung loyal bleiben, zieht der Missetäter im Laufe der Zeit vielleicht eine Lehre daraus, indem er bereut und wieder in die Versammlung aufgenommen werden kann. Doch ganz gleich, ob das geschieht oder nicht, können wir aus den Worten, die David gegen Ende seines Lebens äußerte, Trost und Kraft schöpfen:

„Alle . . . richterlichen Entscheidungen [Gottes] sind vor mir . . . Und möge Jehova mir vergelten gemäß meiner Gerechtigkeit, gemäß meiner Reinheit vor seinen Augen. Mit einem Loyalgesinnten wirst du loyal handeln; mit dem Untadeligen, Starken wirst du untadelig verfahren; dem, der sich rein hält, wirst du dich rein erzeigen . . . Und das demütige Volk wirst du retten" (2. Sam. 22:23-28).
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Der Wachtturm, 1. April 1983, Seiten 30-31:

Fragen von Lesern

Wie können wir denen in unserer Versammlung helfen, die einen ausgeschlossenen Verwandten haben?

Es ist schön, wenn Älteste und andere auf Christen, die in dieser Lage sind, liebevoll Rücksicht nehmen, denn dadurch, daß sie freundlich und verständnisvoll sind, können sie der gefühlsmäßigen und geistigen Belastung entgegenwirken, die sich aus der Situation ergeben mag. Jedoch müssen Christen, die einen ausgeschlossenen Verwandten haben, und diejenigen, die ihnen helfen möchten, ein klares und richtiges Verständnis über den Gemeinschaftsentzug haben.

Gottes Wort gebietet der Versammlung, Personen auszuschließen, die Sünde treiben, ohne zu bereuen (1. Korinther 5:11-13). Dadurch wird die Versammlung im allgemeinen davor geschützt, verunreinigt zu werden und ihren guten Ruf zu verlieren. Aber auch auf privater Ebene müssen Angehörige, die loyale Christen sind, und Personen, die ihnen helfen möchten, geschützt werden. Wir können das besser verstehen, wenn wir betrachten, was ein Gemeinschaftsentzug über den Herzenszustand einer Person verrät. Beachte die folgenden beiden Situationen in Verbindung mit dem Gemeinschaftsentzug:

1. Jemand hat eine schwere Sünde begangen, aufgrund deren er Gottes Gunst verlieren und ausgeschlossen werden kann, und ein aus Ältesten bestehendes Komitee setzt sich mit ihm zusammen. Er hat bereits erkannt, wie falsch seine Handlungsweise war, hat in seinem Herzen bereut und hat begonnen, „Werke [zu] verrichten, die der Reue entsprechen" (Apostelgeschichte 26:20). In diesem Fall werden ihn die Ältesten anhand des Wortes Gottes zurechtweisen, werden ihm biblischen Rat darüber erteilen, wie er ‘gerade Bahn für seine Füße machen’ kann, und werden mit ihm und für ihn beten. Da er bereut, braucht ihm nicht die Gemeinschaft entzogen zu werden, und seine Angehörigen und andere brauchen ihn nicht als ausgeschlossen zu betrachten (1. Timotheus 5:20; Hebräer 12:13; Jakobus 5:14-16).

2. Es kann vorkommen, daß ein Sünder noch nicht bereut hat, wenn das Komitee mit ihm zusammenkommt. Während der Zusammenkunft gelingt es den Ältesten jedoch, sein Herz zu berühren, und er erkennt die Schwere seiner Sünde. (Vergleiche 2. Samuel 12:1-13.) Da er bis dahin noch keine ‘Früchte hervorgebracht hat, die der Reue entsprechen’, sollten die Ältesten natürlich sehr vorsichtig sein, um sicherzugehen, daß er nicht nur deshalb betrübt ist oder sich schämt, weil er überführt worden ist (Lukas 3:8). Da sie um die Versammlung besorgt sind, sollten sie fest davon überzeugt sein, daß er jetzt wirklich bereut und bereit ist, ‘zu Gott umzukehren, indem er Werke verrichtet, die der Reue entsprechen’ (Apostelgeschichte 26:20). Wenn sie davon überzeugt sind, daß er bereut, darf er in der Versammlung bleiben, und die Ältesten, seine Angehörigen und andere dürfen ihm helfen.

Weshalb haben wir diese beiden Situationen geschildert? Um zu zeigen, daß jemand, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist, zu diesem Zeitpunkt wirklich einen schlechten Herzenszustand gehabt haben und/oder entschlossen gewesen sein muß, eine Gott entehrende Handlungsweise fortzusetzen. Petrus sagte, daß der Zustand eines solchen Menschen schlimmer ist als zu der Zeit, wo er noch kein Christ war; er gleicht ‘einer gebadeten Sau, die zum Wälzen im Schlamm zurückkehrt’ (2. Petrus 2:20-22). Diese Tatsachen sollten christlichen Angehörigen und anderen helfen, Gottes Ansicht über einen Ausgeschlossenen zu teilen.

Menschliche Gefühle und Bindungen können jedoch einen starken Einfluß ausüben, so daß es einigen schwerfällt, in Übereinstimmung mit einem Gemeinschaftsentzugsbeschluß zu handeln, wenn ein Angehöriger davon betroffen ist. (Vergleiche 4. Mose 16:16-33.) Zum Beispiel ist einer treuen christlichen Ehefrau klar, daß durch den Gemeinschaftsentzug ihres Mannes die religiösen Bande, die bis dahin bestanden haben, zerstört worden sind. Er hat durch sein Verhalten und die daraus entstandenen Folgen das religiöse Band zwischen sich und wahren Christen gelöst. Seine Frau wird ihm als Ehemann und Familienoberhaupt weiterhin Liebe und Respekt erweisen, wie es auch Frauen tun, deren Mann nie gläubig war (1. Petrus 3:1, 2). Aber es wird ihr nicht möglich sein, geistige Gemeinschaft mit ihm zu pflegen, indem sie zum Beispiel mit ihm biblische Gespräche führen und mit ihm beten würde, wie sie das vorher getan hat (Sprüche 28:9). Sie wird gewiß diesen Verlust spüren.

Auch loyale christliche Großeltern mögen einen Verlust verspüren, wenn ihren Kindern die Gemeinschaft entzogen wird. Vielleicht waren sie es gewohnt, ihre Kinder regelmäßig zu besuchen, so daß sie die Gelegenheit hatten, sich an ihren Enkeln zu erfreuen. Jetzt wird den Eltern die Gemeinschaft entzogen, weil sie Jehovas Maßstäbe und Wege verworfen haben. In der Familie ist somit nicht mehr alles beim alten. Natürlich müssen die Großeltern beurteilen, ob gewisse wichtige Familienangelegenheiten es erfordern, daß sie mit ihren ausgeschlossenen Kindern einen begrenzten Kontakt haben. Und manchmal mögen sie die Enkel bei sich zu Besuch haben. Wie traurig ist es jedoch, daß die Kinder durch ihre unchristliche Handlungsweise den Großeltern die ganz normalen Freuden unmöglich gemacht haben, die sie bis dahin hatten!

Diese Beispiele zeigen, weshalb sich Christen der besonderen Bedürfnisse bewußt sein sollten, die bestehen mögen, wenn jemand in der Versammlung einen nahen Verwandten hat, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist. Der Apostel Paulus forderte Christen auf, ‘bekümmerten Seelen tröstend zuzureden’. Diese Bezeichnung mag ohne weiteres auf den loyalen christlichen Angehörigen zutreffen (1. Thessalonicher 5:14). Auch sollten wir nicht nur dann ein tröstendes, ermutigendes Wort sagen, wenn der Gemeinschaftsentzug bekanntgegeben wird. Das Bedürfnis nach Ermunterung mag noch über längere Zeit vorhanden sein. Vielleicht nimmt es sogar zu, wenn der Treue lange Zeit die geistige Gemeinschaft mit dem ausgeschlossenen Angehörigen entbehren muß. Natürlich ist es nicht nötig, den Gemeinschaftsentzug immer wieder in unseren Gesprächen zu erwähnen. Wir sollten nur bewußt darauf achten, herzliche, echte Anteilnahme zu zeigen und vor allem geistig erbauende Gespräche zu führen (Sprüche 15:23; Prediger 12:10).

Viel Gutes kann auch durch christliche Gemeinschaft bewirkt werden. Manchmal kommt sich ein Christ, dessen Ehepartner ausgeschlossen worden ist, isoliert vor. Wie bereits erwähnt, hat der ausgeschlossene Ehepartner bewiesen, daß er kein wünschenswerter Umgang ist. Und wir müssen aufpassen, daß wir nicht in die Lage kommen, mit ihm Gemeinschaft zu haben, weil wir den christlichen Ehepartner besuchen oder ihm helfen wollen. Vielleicht kann man einen Besuch machen, wenn man weiß, daß der Ausgeschlossene nicht zu Hause ist.

Wir müssen unseren Brüdern und Schwestern, die ausgeschlossene Angehörige haben, helfen, die Wahrhaftigkeit der inspirierten Worte zu erkennen: „Da ist ein Freund, der anhänglicher ist als ein [leiblicher] Bruder" oder ein anderer leiblicher Verwandter (Sprüche 18:24). Es ist uns wahrscheinlich nicht möglich, den Verlust, den der Ausgeschlossene seinen christlichen Angehörigen zugefügt hat, völlig auszugleichen. Aber wenn wir uns der besonderen Bedürfnisse solcher Christen bewußt sind, werden wir vielleicht „die, die in allerlei Drangsal sind, zu trösten vermögen". Und wir können liebevoll diejenigen stärken, die dieses besondere Bedürfnis haben (2. Korinther 1:3, 4; Hebräer 12:12, 13).
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Der Wachtturm, 15. Juli 1984, Seite 20:

In biblischen Zeiten gab es gewöhnlich einen „Freund des Bräutigams" und Gefährtinnen der Braut (Johannes 3:29; Psalm 45:14). So ist es auch oft bei Hochzeitsansprachen oder Trauungen im Königreichssaal. Was die Zahl dieser Teilnehmer betrifft sowie ihre Kleidung und ihr Verhalten, sollte man Vernunft walten lassen. Es wäre unpassend, wenn sich im Gefolge des Brautpaares Personen befänden, denen die Gemeinschaft entzogen wurde oder die einen anstößigen Lebenswandel führen, der biblischen Grundsätzen eindeutig widerspricht (2. Korinther 6:14-16).
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Der Wachtturm, 15. Dezember 1984, Seite 18:

Wir sind im voraus gewarnt worden, daß es Abtrünnige und Personen geben wird, die sich gern die Ohren kitzeln lassen. Der Rat aus 2. Johannes 9-11, 1. Korinther 5:11-13 und 2. Timotheus 3:5 läßt keine Möglichkeit offen, mit denjenigen Gemeinschaft zu pflegen, die sich von der Wahrheit abwenden. Ebensowenig kaufen oder lesen wir ihre Schriften.

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Der Wachtturm, 15. März 1986, Seite 12:

Nun, was wirst du tun, wenn du mit den Lehren Abgefallener konfrontiert wirst, mit spitzfindigen Überlegungen, durch die dein Glaube als Zeuge Jehovas zur Unwahrheit abgestempelt werden soll? Was wirst du beispielsweise tun, wenn du einen Brief oder eine Sendung von Schriften erhältst und beim Öffnen gleich erkennst, daß sie von einem Abgefallenen stammen? Wird dich deine Neugier veranlassen, sie zu lesen, nur um zu sehen, was er zu sagen hat? Möglicherweise denkst du: „Es wird mir nichts anhaben können; ich stehe zu fest in der Wahrheit. Und wenn wir die Wahrheit haben, brauchen wir nichts zu befürchten. Die Wahrheit wird der Prüfung standhalten." Einige, die so dachten, haben ihren Sinn mit dem Gedankengut Abgefallener genährt und sind Fragen und Zweifeln zum Opfer gefallen.

Vernichtest du wohlweislich die Schriften Abtrünniger?

Seite 14:

Warum ist das Lesen der Schriften Abtrünniger mit dem Lesen pornographischer Literatur vergleichbar?

Seite 17:

Nimm dich vor Personen in acht, die ihren eigenen, andersartigen Meinungen Geltung zu verschaffen suchen.

Seite 20:

Sei daher in deinem Herzen fest entschlossen, niemals mit dem Gift in Berührung zu kommen, das Abtrünnige dir anbieten wollen.
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Der Wachtturm, 1. April 1986, Seiten 30-31:

Fragen von Lesern

Warum haben Jehovas Zeugen einige Personen, die sich immer noch zum Glauben an Gott, die Bibel und Jesus Christus bekennen, wegen Abtrünnigkeit ausgeschlossen (exkommuniziert)?

In Verbindung mit dieser Frage wird häufig darauf hingewiesen, daß viele religiöse Organisationen, die sich als christlich bezeichnen, abweichende Ansichten zulassen. Sogar manche Geistliche gehen mit den Grundlehren ihrer Kirche nicht einig, und dennoch verbleiben sie in Amt und Würden. In nahezu allen Glaubensgemeinschaften der Christenheit gibt es Modernisten und Fundamentalisten, zwischen denen völlige Uneinigkeit in bezug auf die Inspiration der Bibel besteht.

Solche Beispiele sind jedoch für uns kein Grund, dasselbe zu tun. Warum nicht? Viele Glaubensgemeinschaften gestatten weit auseinanderklaffende Ansichten unter der Geistlichkeit und der Laienschaft, weil man denkt, es sei nicht sicher, was eigentlich die biblische Wahrheit sei. Hier besteht eine Parallele zu den Schriftgelehrten und Pharisäern der Tage Jesu, die im Unterschied zu ihm nicht in der Lage waren, mit Autorität zu lehren (Matthäus 7:29). Außerdem sind religiöse Menschen in dem Maße, wie sie den Interkonfessionalismus befürworten, auch verpflichtet, abweichende Ansichten nicht zu ernst zu nehmen

Eine solche Betrachtungsweise entbehrt jedoch jeder biblischen Grundlage. Jesus machte mit keiner Sekte des Judaismus gemeinsame Sache. Die Juden, die zu jenen Sekten gehörten, gaben vor, an den Gott der Schöpfung und an die Hebräischen Schriften, vor allem an das Gesetz Mose, zu glauben. Trotzdem sagte Jesus seinen Jüngern, sie sollten sich „vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer in acht" nehmen (Matthäus 16:11, 12; 23:15). Beachte auch, mit welcher Bestimmtheit sich der Apostel Paulus ausdrückte: „Selbst wenn wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als gute Botschaft verkündigen sollte außer dem, was wir euch als gute Botschaft verkündigt haben, er sei verflucht." Zur Betonung wiederholte Paulus dann diese Aussage (Galater 1:8, 9).

Das Lehren abweichender Ansichten ist nicht mit dem wahren Christentum vereinbar, was Paulus gemäß 1. Korinther 1:10 deutlich machte: „Ich ermahne euch aber, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung" (Einheitsübersetzung). Laut Epheser 4:3-6 sagte er außerdem, daß Christen sich ernstlich bemühen sollten, „die Einheit des Geistes in dem vereinigenden Band des Friedens zu bewahren. Da ist e i n Leib und e i n Geist, so wie ihr in der e i n e n Hoffnung berufen worden seid, zu der ihr berufen wurdet; e i n Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe; e i n Gott und Vater aller."

Sollte diese Einheit dadurch erreicht und bewahrt werden, daß jeder unabhängig die Schriften erforschte, zu seinen eigenen Schlußfolgerungen gelangte und dann diese lehrte? Keineswegs! Jehova Gott gab durch Jesus Christus zu diesem Zweck „einige als Apostel, . . . einige als Evangeliumsverkündiger, einige als Hirten und Lehrer, . . . bis wir alle zur Einheit im Glauben und in der genauen Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollerwachsenen Mann". Ja, mit der Hilfe solcher Diener Gottes könnte und würde die Einheit der Versammlung — Einheit in der Lehre und in der Tätigkeit — ermöglicht werden (Epheser 4:11-13).

Offensichtlich kann eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen nicht lediglich auf einem Glauben an Gott, an die Bibel und an Jesus Christus beruhen. Der Papst in Rom wie auch der anglikanische Erzbischof von Canterbury bekennen sich zu solchen Glaubensinhalten, dennoch schließt die Zugehörigkeit zu einer dieser Kirchen die Zugehörigkeit zur anderen aus. Ebenso wäre jemand, der sich lediglich zu solchen Glaubensinhalten bekennt, nicht berechtigt, als Zeuge Jehovas betrachtet zu werden.

Eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen erfordert, daß man die Gesamtheit der wahren Lehren der Bibel akzeptiert, einschließlich jener biblischen Glaubensinhalte, die nur Jehovas Zeugen vertreten. Um welche Glaubensinhalte handelt es sich dabei?

Daß sich die große Streitfrage, die die ganze Menschheit berührt, um die Rechtmäßigkeit der Souveränität Jehovas dreht und daß er deswegen schon so lange das Böse zuläßt (Hesekiel 25:17). Daß Jesus Christus eine vormenschliche Existenz hatte und seinem himmlischen Vater untergeordnet ist (Johannes 14:28). Daß es heute auf der Erde einen „treuen und verständigen Sklaven" gibt, der ‘über alle irdischen Interessen Jesu’ gesetzt ist und mit der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas verbunden ist (Matthäus 24:45-47). Daß das Jahr 1914 durch das Ende der Zeiten der Nationen und die Aufrichtung des Königreiches Gottes im Himmel sowie durch die Zeit für Christi vorhergesagte Gegenwart gekennzeichnet ist (Lukas 21:7-24; Offenbarung 11:15 bis 12:10). Daß nur 144 000 Christen den himmlischen Lohn empfangen werden (Offenbarung 14:1, 3). Daß Harmagedon, das sich auf die Schlacht des großen Tages Gottes, des Allmächtigen, bezieht, nahe ist (Offenbarung 16:14, 16; 19:11-21). Daß darauf Christi Tausendjahrherrschaft folgen wird, durch die weltweit das Paradies wiederhergestellt wird. Daß die ersten, die sich dessen erfreuen werden, die Glieder der heutigen „großen Volksmenge" Jesu „anderer Schafe" sind (Johannes 10:16; Offenbarung 7:9-17; 21:3, 4).

Haben wir ein biblisches Vorbild für einen derart strikten Standpunkt? Durchaus. Paulus schrieb über einige seiner Zeitgenossen: „Ihr Wort wird sich ausbreiten wie Gangrän. Hymenäus und Philetus gehören zu diesen. Gerade diese Männer sind von der Wahrheit abgewichen, indem sie sagen, die Auferstehung sei bereits geschehen; und sie untergraben den Glauben einiger" (2. Timotheus 2:17, 18; siehe auch Matthäus 18:6). Nichts deutet an, daß diese Männer nicht an Gott, an die Bibel und an Jesu Opfer geglaubt hätten. Doch wegen eines grundlegenden Punktes, nämlich wegen ihrer Lehre über die Zeit der Auferstehung, brandmarkte Paulus sie rechtmäßigerweise als Abtrünnige, mit denen treue Christen keine Gemeinschaft haben sollten.

Der Apostel Johannes bezeichnete diejenigen, die nicht glaubten, daß Jesus im Fleisch gekommen war, als Antichristen. Sie mögen durchaus an Gott, an die Hebräischen Schriften und an Jesus Christus als Gottes Sohn geglaubt haben. Aber über diesen Punkt, nämlich daß Jesus wirklich im Fleisch gekommen war, waren sie anderer Meinung, und daher wurden sie als „Antichrist" bezeichnet. Des weiteren sagte Johannes über Personen, die solche abweichenden Ansichten vertreten: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn niemals in euer Haus auf, noch entbietet ihm einen Gruß. Denn wer ihm einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" (2. Johannes 7, 10, 11).

Wenn ein Christ (der sich zum Glauben an Gott, an die Bibel und an Jesus bekennt) in reueloser Weise falsche Lehren fördert, kann es gemäß den dargelegten biblischen Mustern notwendig werden, ihn aus der Versammlung auszuschließen. (Siehe Titus 3:10, 11.) Hat natürlich jemand lediglich Zweifel oder ist in einer Sache nicht informiert, dann werden ihm befähigte Diener Gottes liebevoll beistehen. Das stimmt mit dem Rat überein: „Fahrt auch fort, einigen, die Zweifel haben, Barmherzigkeit zu erweisen; rettet sie, indem ihr sie aus dem Feuer reißt" (Judas 22, 23). Daher kann die wahre Christenversammlung nicht berechtigterweise beschuldigt werden, streng dogmatisch zu sein, sondern sie setzt sich mit großer Wertschätzung für die Einheit ein, zu der in Gottes Wort ermuntert wird.
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Der Wachtturm, 15. April 1988, Seiten 26-31:

Zucht, die eine friedsame Frucht eintragen kann

„Jede Züchtigung [scheint] für die Gegenwart nicht erfreulich, sondern betrüblich zu sein; nachher aber trägt sie denen, die durch sie geübt worden sind, eine friedsame Frucht ein, nämlich Gerechtigkeit" (HEBRÄER 12:11).

DENKE einmal an deine Kindheit zurück. Kannst du dich noch daran erinnern, daß dich deine Eltern in Zucht genommen haben? Die meisten von uns können sich gewiß daran erinnern. Wie wir in Hebräer 12:9-11 lesen können, benutzte der Apostel Paulus diese Zucht als Veranschaulichung für die Zucht, die von Gott kommt.

2 Gottes väterliche Zucht, die sich auf unser geistiges Leben auswirken kann, kann auf vielerlei Weise erfolgen. Eine Form besteht darin, daß jemand, der nicht mehr nach Gottes Maßstäben leben möchte oder es ablehnt, das zu tun, aus der Christenversammlung ausgeschlossen wird. Wer auf diese Weise streng gemaßregelt oder in Zucht genommen wird, bereut vielleicht und kehrt um. Gleichzeitig wird auch der Versammlung der Loyalgesinnten Zucht zuteil, und zwar insofern, als sie lernt, wie wichtig es ist, den hohen Maßstäben Gottes zu entsprechen (1. Timotheus 1:20).

3 „Aber ist das keine zu strenge Maßnahme", mag jemand sagen, „eine Person auszuschließen und sich dann zu weigern, mit ihr zu sprechen?" Diese Ansicht tauchte kürzlich in einem Rechtsfall auf, der eine Frau betraf, die von Eltern erzogen worden war, die Zeugen Jehovas waren. Ihren Eltern wurde die Gemeinschaft entzogen. Sie selbst wurde nicht ausgeschlossen, sondern sie verließ von sich aus die Gemeinschaft, indem sie in einem Brief erklärte, sie wolle nichts mehr mit der Versammlung zu tun haben. Daraufhin wurde der Versammlung bekanntgegeben, daß sie keine Zeugin Jehovas mehr sei. Die Frau zog an einen anderen Ort, kehrte aber Jahre danach zurück und stellte fest, daß sich die Zeugen am Ort nicht mit ihr unterhielten. Sie ging deswegen vor Gericht. Was war der Ausgang der Sache, und wie könnte das dich berühren? Um das richtige Verständnis zu vermitteln, wollen wir sehen, was die Bibel über das damit zusammenhängende Thema Gemeinschaftsentzug zu sagen hat.

Warum dieser entschiedene Standpunkt?

4 Die meisten wahren Christen treten loyal für Gott und seine gerechten Gesetze ein (1. Thessalonicher 1:2-7; Hebräer 6:10). Gelegentlich kommt es allerdings vor, daß jemand den Pfad der Wahrheit verläßt. Obwohl ihm von seiten christlicher Ältester Hilfe zuteil wird, übertritt er womöglich in reueloser Weise Gottes Gesetze. Oder vielleicht verwirft er den Glauben, indem er Irrlehren verbreitet oder sich von der Versammlung lossagt. Was ist dann zu tun? Solche Fälle gab es auch schon zu Lebzeiten der Apostel. Wollen wir daher sehen, was sie darüber schrieben.

5 Als ein Mann in Korinth sein unsittliches Verhalten nicht bereute, wies Paulus die Versammlung an, „keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben, der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Erpresser ist, selbst nicht mit einem solchen zu essen" (1. Korinther 5:11-13). Genauso sollte man auch mit Abtrünnigen, wie zum Beispiel Hymenäus, verfahren: „Einen Menschen, der eine Sekte fördert, weise ab nach einer ersten und zweiten ernsten Ermahnung, da du weißt, daß sich ein solcher vom Weg abgewandt hat und sündigt" (Titus 3:10, 11; 1. Timotheus 1:19, 20). Ebenso passend wäre es, jemand zu meiden, der die Versammlung verwirft: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie sind nicht von unserer Art gewesen; denn wenn sie von unserer Art gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber sie sind weggegangen, damit offenbar gemacht werde, daß nicht alle von unserer Art sind" (1. Johannes 2:18, 19).

6 Es ist zu hoffen, daß eine solche Person bereut, so daß sie wiederaufgenommen werden kann (Apostelgeschichte 3:19). Können aber Christen in der Zwischenzeit beschränkten Umgang mit dem Betreffenden haben, oder ist es notwendig, den Umgang mit ihm strikt zu vermeiden? Und wenn ja, warum?

Völlig abgeschnitten?

7 Christen halten sich nicht von Menschen fern. Wir haben normale Kontakte zu Nachbarn, Arbeitskollegen, Mitschülern und anderen und geben ihnen Zeugnis, selbst wenn einige von ihnen ‘Hurer, Habgierige, Erpresser oder Götzendiener’ sein mögen. Paulus schrieb, daß wir sie nicht völlig meiden können, ‘sonst müßten wir ja aus der Welt hinausgehen’. Etwas anderes wäre es aber, wenn sich ein „Bruder" ungebührlich verhielte, denn Paulus gab die Anweisung, „keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben, der Bruder genannt wird, wenn er . . . [zu einer solchen Handlungsweise zurückgekehrt ist], selbst nicht mit einem solchen zu essen" (1. Korinther 5:9-11; Markus 2:13-17).

8 In den Schriften des Apostels Johannes finden wir ähnliche Anweisungen, die zeigen, daß Christen solche Personen völlig meiden sollten: „Jeder, der vorausdrängt und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. . . . Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn niemals in euer Haus auf, noch entbietet ihm einen Gruß. Denn wer ihm einen Gruß [griechisch: cháirō] entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" (2. Johannes 9-11).

9 Warum ist es angebracht, auch heute eine solch entschiedene Haltung einzunehmen? Nun, denken wir daran, daß in dem Gesetz, das Gott dem Volk Israel gab, die strenge Maßnahme des ‘Abschneidens’ geboten wurde. In verschiedenen schwerwiegenden Fällen wurden willentliche Übertreter hingerichtet (3. Mose 20:10; 4. Mose 15:30, 31). Nach der Hinrichtung war es niemandem mehr möglich — selbst den Verwandten nicht —, mit dem Gesetzesbrecher zu sprechen (3. Mose 19:1-4; 5. Mose 13:1-5; 17:1-7). Loyale Israeliten waren Menschen wie wir und hatten dieselben Empfindungen. Sie wußten aber, daß Gott gerecht und liebevoll ist und daß sein Gesetz ein Schutz für ihre sittliche und geistige Reinheit war. Daher konnten sie davon ausgehen, daß seine Anordnung, Sünder vom Leben abzuschneiden, grundsätzlich gut und richtig war (Hiob 34:10-12).

10 Wir dürfen ebenso davon überzeugt sein, daß Gottes Anordnung für Christen, einem ausgeschlossenen, reuelosen Sünder die Gemeinschaft zu verweigern, ein vernünftiger Schutz für uns ist. „Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr eine neue Masse seiet, wie ihr ja ungesäuert seid" (1. Korinther 5:7). Auch solche Personen zu meiden, die von sich aus die Gemeinschaft verlassen haben, ist für Christen ein Schutz vor möglicherweise kritischen oder verständnislosen Äußerungen oder vor irgendwelchen Ansichten Abtrünniger (Hebräer 12:15, 16).

Wie verhält es sich bei Verwandten?

11 Gott ist sich zweifellos der Tatsache bewußt, daß die Anwendung seiner gerechten Gesetze über das ‘Abschneiden’ von Sündern oftmals auch Verwandte betrifft oder sich auf sie auswirkt. Wenn in Israel ein Übertreter hingerichtet wurde, war es, wie bereits erwähnt, den Familienangehörigen nicht mehr möglich, Gemeinschaft mit ihm zu haben. Zum Beispiel sollten sogar Eltern einen Sohn, wenn er ein Trunkenbold und ein Schlemmer war, vor die Richter bringen, und wenn er nicht bereute, sollten sie an seiner Hinrichtung teilnehmen, die zu Recht erfolgte, ‘um das Böse aus der Mitte Israels wegzuschaffen’ (5. Mose 21:18-21). Man kann ohne weiteres verstehen, daß den Eltern das nicht leichtfiel. Und stellen wir uns auch vor, was die Brüder, die Schwestern oder die Großeltern des Übertreters empfunden haben mögen. Aber die Loyalität gegenüber ihrem gerechten Gott der familiären Zuneigung voranzustellen konnte für sie Leben bedeuten.

12 Denken wir an den Fall Korahs, der in der Auflehnung gegen die von Moses ausgeübte Führung Gottes führend voranging. In seiner vollkommenen Gerechtigkeit erkannte Jehova, daß Korah den Tod verdiente. Doch allen Loyalgesinnten wurde geraten: „Weicht bitte von der Stelle vor den Zelten dieser bösen Männer, und rührt nichts an, was ihnen gehört, damit ihr nicht in all ihrer Sünde weggerafft werdet." Verwandte, die Gottes Warnung nicht beachteten, starben zusammen mit den Rebellen. Aber einige der Angehörigen Korahs entschieden sich dafür, Jehova gegenüber loyal zu sein. Das rettete ihnen das Leben und trug ihnen später viele Segnungen ein (4. Mose 16:16-33; 26:9-11; 2. Chronika 20:19).

13 Von der Christenversammlung abgeschnitten zu werden bedeutet nicht den sofortigen Tod. Daher bleiben die Familienbande bestehen. Ein Mann, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist oder der die Gemeinschaft verlassen hat, könnte somit immer noch bei seiner christlichen Frau und seinen treuen Kindern wohnen. Aus Achtung vor Gottes Urteilssprüchen und der Maßnahme der Versammlung werden die Frau und die Kinder anerkennen, daß er durch seine Handlungsweise die geistigen Bande, die früher bestanden, gelöst hat. Da aber durch seinen Gemeinschaftsentzug nicht die Blutsverwandtschaft oder die ehelichen Bande aufgehoben wurden, könnten der normale Umgang und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Familie weiterbestehen.

14 Anders verhält es sich, wenn einem Verwandten, der außerhalb des engsten Familienkreises lebt, das heißt nicht in derselben Wohnung, die Gemeinschaft entzogen worden ist oder er die Gemeinschaft verlassen hat. Höchstwahrscheinlich ist es möglich, so gut wie gar keinen Kontakt mit diesem Verwandten zu haben. Doch selbst wenn gewisse familiäre Angelegenheiten einen Kontakt erfordern würden, würde man diesen gewiß auf ein Minimum beschränken, was im Einklang mit dem göttlichen Grundsatz wäre, „keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben, der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger . . . ist [oder einer anderen schweren Sünde schuldig ist], selbst nicht mit einem solchen zu essen" (1. Korinther 5:11).

15 Das mag verständlicherweise aufgrund der Gefühle und der Familienbande, wie zum Beispiel der Liebe von Großeltern zu ihren Enkeln, schwierig sein. Aber dadurch wird die Loyalität gegenüber Gott auf die Probe gestellt, wie die auf Seite 26 zitierte Schwester sagte. Wer als Verwandter den Schmerz und die Traurigkeit empfindet, die der Ausgeschlossene verursacht hat, kann sich durch das Beispiel einiger Angehöriger Korahs trösten und ermuntern lassen (Psalm 84:10-12).

Das Gerichtsurteil

16 Vielleicht interessiert dich der Ausgang des Gerichtsverfahrens, das eine Frau angestrengt hatte, die darüber ungehalten war, daß frühere Bekannte nicht mehr mit ihr sprachen, nachdem sie sich entschieden hatte, den Glauben zu verwerfen und die Gemeinschaft der Versammlung zu verlassen.

17 Bevor es zu einer Verhandlung des Falles kam, fällte ein Bundesgericht in erster Instanz in abgekürztem Verfahren ein Urteil zuungunsten der Frau. Dieses Urteil stützte sich auf die Auffassung, daß sich Gerichte nicht in disziplinarische Maßnahmen von Kirchen einmischen. Die Frau legte dagegen Berufung ein. Das einstimmige Urteil des Bundesappellationsgerichts beruhte auf der breiteren Grundlage der Rechte aus dem ersten Zusatzartikel (der amerikanischen Verfassung): „Da die Gepflogenheit, [bestimmte] Personen zu meiden, ein Bestandteil des Glaubens der Zeugen Jehovas ist, stellen wir fest, daß die Bestimmung in der Verfassung der Vereinigten Staaten über ‚freie Ausübung [der Religion]‘ die Frau davon ausschließt zu obsiegen. Die Beklagten haben ein durch die Verfassung geschütztes Privileg, die Gepflogenheit zu praktizieren, Personen zu meiden. Demgemäß bestätigen wir" das vorausgegangene Urteil des Gerichts erster Instanz.

18 In der Urteilsbegründung hieß es weiter: „Das Meiden von Personen ist eine Gepflogenheit, die Jehovas Zeugen gemäß ihrer Auslegung des kanonischen Textes praktizieren, und es steht uns nicht zu, diesen Text neu zu interpretieren . . . Den Beklagten steht die freie Ausübung ihrer Religion zu . . . Gerichte untersuchen im allgemeinen nicht näher das Verhältnis unter Mitgliedern (oder früheren Mitgliedern) einer Kirche. Kirchen wird ein großer Ermessensspielraum gewährt, wenn sie Mitglieder oder frühere Mitglieder in Zucht nehmen. Wir stimmen mit der Ansicht von Richter Jackson [früher am Obersten Gerichtshof der USA] überein, daß ‚religiöse Handlungen, die nur Mitglieder betreffen, frei sind und sein sollten — beinahe so absolut frei wie nur irgend möglich‘. . . . Die Mitglieder der Kirche, die . . . zu verlassen [sie] sich entschied, sind zu dem Schluß gekommen, daß sie keine Gemeinschaft mehr mit ihr wünschen. Unserer Auffassung nach steht es ihnen frei, sich so zu entscheiden."

19 Das Appellationsgericht räumte ein, daß es die Frau zwar geschmerzt haben mag, daß sich frühere Bekannte dafür entschieden, nicht mit ihr zu sprechen, doch „ihr zu gestatten, immaterielle oder emotionelle Schäden ersetzt zu erhalten, würde in verfassungswidriger Weise die freie Religionsausübung der Zeugen Jehovas einschränken . . . Die durch die Verfassung garantierte freie Religionsausübung erfordert, daß die Gesellschaft die Art Schäden, die . . . [die Frau] erlitt, als einen Preis hinnimmt, der es wert ist, gezahlt zu werden, um das Recht auf religiöse Meinungsverschiedenheit zu wahren, das alle Bürger haben." In gewissem Sinne hat dieses Urteil seit seiner Verkündigung sogar noch größeres Gewicht erhalten. Wieso? Die Frau rief später das höchste Gericht des Landes an, damit es sich des Falles annehme und möglicherweise die gegen sie gefällte Entscheidung umstoße. Doch im November 1987 weigerte sich der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dies zu tun.

20 In diesem wichtigen Rechtsstreit wurde somit entschieden, daß jemand, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist oder der sie verlassen hat, gerichtlich von Jehovas Zeugen keine Schäden dafür erstattet erhalten kann, daß er gemieden wird. Da die Versammlung auf die vollkommenen Anweisungen, die jeder in Gottes Wort nachlesen kann, reagierte und sie befolgte, nahm die betreffende Person einen Schaden wahr, den sie sich durch ihr eigenes Verhalten zugefügt hatte.

Zucht von großem Nutzen

21 Der eine oder andere Außenstehende, der von einem Gemeinschaftsentzug erfährt, neigt vielleicht dazu, mit einem Übertreter, der nicht mehr mit den Gliedern der Christenversammlung sprechen kann, Mitleid zu haben. Ist aber solches Mitleid nicht fehl am Platz? Denken wir an den möglichen Nutzen, der dem Übertreter und anderen durch die Maßnahme erwächst.

22 Auf Seite 26 konnten wir bereits lesen, daß sich Lynette beispielsweise entschlossen hatte, den Umgang mit ihrer Schwester Margaret, die ausgeschlossen worden war, völlig aufzugeben. Sie und ihre christlichen Verwandten glaubten, daß der Weg Jehovas der beste ist. Und er ist es tatsächlich.

23 Später sagte die Schwester zu Lynette: „Wenn ihr . . . [den] Gemeinschaftsentzug auf die leichte Schulter genommen hättet, dann hätte ich, wie ich genau weiß, nicht so schnell Schritte unternommen, wiederaufgenommen zu werden. Daß wir von dem engen Kontakt mit den Angehörigen und der Versammlung völlig abgeschnitten waren, weckte in uns den übermächtigen Drang zu bereuen. . . . [Es] wurde mir bewußt, wie verkehrt ich gehandelt hatte und wie schwerwiegend es war, Jehova den Rücken zu kehren."

24 Ein anderer Fall sind Lauries Eltern, denen ebenfalls die Gemeinschaft entzogen wurde. Laurie sagte jedoch: „Ich gab den Umgang mit ihnen nicht auf, sondern pflegte ihn noch mehr. Im Laufe der Zeit ließ meine Tätigkeit sehr nach. Es kam so weit, daß ich nicht einmal mehr die Zusammenkünfte besuchte." Dann las sie die Artikel, die im Wachtturm vom 1. und 15. Dezember 1981 erschienen und in denen der Rat aus 1. Korinther 5:11-13 und 2. Johannes 9-11 erörtert wurde. „Es war, als ob mir ein Licht aufging", schrieb sie. „Mir wurde klar, daß ich mich ändern mußte. Ich verstehe jetzt besser, was Matthäus 10:34-36 bedeutet. Es fiel meinen Eltern schwer, meine Entscheidung hinzunehmen, denn mein Sohn (5) ist der einzige Junge in der Familie, und sie lieben ihn sehr." Hoffentlich berührt der Verlust dieses Umgangs das Herz der Eltern, wie das bei Margaret der Fall war. Für Laurie war die Zucht jedenfalls eine Hilfe: „Ich gehe wieder in den Predigtdienst. Meine Ehe und meine Familie sind aufgrund der Änderungen, die ich vorgenommen habe, gefestigt, und auch ich bin stärker geworden."

25 Oder betrachten wir, wie Sandi empfindet, die nach einem Gemeinschaftsentzug wiederaufgenommen wurde. Sie schrieb: „Ich möchte Euch für die sehr hilfreichen und lehrreichen [oben angeführten] Artikel über Zurechtweisung und Gemeinschaftsentzug danken. Ich freue mich, daß Jehova sein Volk so sehr liebt, daß er auf die Reinerhaltung seiner Organisation achtet. Was Außenstehenden hart erscheinen mag, ist notwendig und ein Ausdruck der Liebe. Ich bin dankbar, daß unser himmlischer Vater ein liebevoller und zum Vergeben bereiter Gott ist."

26 Unser Gott, der verlangt, daß ein reueloser Übertreter aus der Versammlung ausgeschlossen wird, zeigt liebevollerweise auch, daß der Sünder wieder in die Versammlung aufgenommen werden kann, wenn er bereut und umkehrt. (Auch jemand, der die Gemeinschaft verlassen hat, kann darum bitten, wieder ein Teil der Versammlung zu werden.) Danach kann er von Christen getröstet werden, die ihre Liebe zu ihm bestätigen (2. Korinther 2:5-11; 7:8-13). Ja, es verhält sich so, wie Paulus schrieb: „Allerdings scheint jede Züchtigung für die Gegenwart nicht erfreulich, sondern betrüblich zu sein; nachher aber trägt sie denen, die durch sie geübt worden sind, eine friedsame Frucht ein, nämlich Gerechtigkeit" (Hebräer 12:11).
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Preparing For Child Custody Cases (veröffentlicht von der Watchtower Society):

Viele versuchen, die Glaubensansichten und Praktiken der Zeugen Jehovas als dogmatisch und restriktiv zu bezeichnen. Wenn du Fragen zu deinen Glaubensansichten und Praktiken beantwortest, betone, dass du deine Glaubensansichten geformt und deine Praktiken nach vielem Studieren und Nachsinnen  angenommen hast und deine Religion nicht bloß eine Sache von Vorschriften ist, die von den Ältesten erlassen wurden. Du möchtest die Tatsache betonen, dass du ein denkender, ausgeglichener und vernünftiger Mensch bist, der als Elternteil kompetent handeln kann. Vermeide jede Antwort, die den Eindruck vermittelt, du seiest unwillig oder unfähig, aufgrund deiner religiösen Anschauungen im besten Interesse deiner Kinder zu handeln.
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Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde (Vertrauliches Vorschriftenbuch nur für Älteste, 1991), Seite 103:

Diejenigen, die sich eines guten Verhältnisses zu Jehova erfreuen möchten, halten sich von Personen fern, denen die Gemeinschaft entzogen wurde oder die die Gemeinschaft verlassen haben.

Grundlegender biblischer Rat über die richtige Einstellung gegenüber denen, die aus der Versammlung ausgeschlossen wurden, ist in den Worten des Apostels Paulus in 1. Korinther 5:11-13 zu finden.

Johannes gibt den Rat, mit Ausgeschlossenen oder mit Personen, die die Gemeinschaft verlassen haben, weder zu reden noch Umgang zu pflegen, um nicht 'an ihren bösen Werken teilzuhaben (2. Joh. 11).
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Der Wachtturm, 15. April 1991, Seite 22:

Frühere Freunde und Verwandte eines Ausgeschlossenen mögen hoffen, daß er zurückkehrt, doch aus Achtung vor dem Gebot aus 1. Korinther 5:11 haben sie keinen Umgang mit ihm.
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Der Wachtturm, 1. Oktober 1993, Seite 19:

Abtrünnigkeit ist in Wahrheit Rebellion gegen Jehova. Manche Abtrünnige behaupten zwar, Gott zu kennen und ihm zu dienen, aber sie lehnen Lehren oder Anforderungen ab, die in seinem Wort dargelegt werden. Andere behaupten, an die Bibel zu glauben, verwerfen jedoch Jehovas Organisation und setzen alles daran, deren Werk zu behindern. Wenn sie bewußt solche Schlechtigkeit wählen, obwohl sie wissen, was recht ist, und wenn ihnen das Schlechte so in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß es einen untrennbaren Bestandteil ihres Wesens bildet, dann muß ein Christ sie als solche hassen (im biblischen Sinn des Wortes), die sich mit der Schlechtigkeit unlösbar verbunden haben.
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Der Wachtturm, 15. Juli 1995:

Weshalb ist es liebevoll, einen reuelosen Missetäter aus der Versammlung auszuschließen? Diese Maßnahme ist ein Ausdruck der Liebe gegenüber Jehova und seinen Wegen (Psalm 97:10). Sie ist ein Beweis der Liebe gegenüber denen, die den rechten Weg einhalten, weil jemand, der einen schlechten Einfluß auf sie ausüben könnte, aus ihrer Mitte entfernt wird. Auch wird die Reinheit der Versammlung bewahrt.
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Der Wachtturm, 1. Dezember 1998, Seite 17:

Wie verhält es sich mit verleumderischen Medienberichten?

Manchmal sind durch die Medien verdrehte Informationen über Jehovas Zeugen verbreitet worden. Zum Beispiel veröffentlichte am 1. August 1997 eine russische Zeitung einen verleumderischen Artikel, in dem unter anderem behauptet wurde, die Zeugen verlangten von ihren Mitgliedern grundsätzlich, der Ehefrau oder dem Ehemann und den Eltern den Rücken zu kehren, wenn diese ihren Glauben nicht verstehen und nicht teilen. Jemand, der wirklich mit Jehovas Zeugen vertraut ist, weiß, daß eine solche Behauptung aus der Luft gegriffen ist. Die Bibel zeigt, daß Christen ungläubige Familienangehörige mit Liebe und Respekt behandeln müssen, und die Zeugen bemühen sich, diese Anweisung zu befolgen (1. Korinther 7:12-16; 1. Petrus 3:1-4). Trotzdem wurde der Artikel gedruckt, und viele Leser wurden dadurch falsch unterrichtet. Wie können wir unseren Glauben verteidigen, wenn unwahre Anschuldigungen gegen uns erhoben werden?

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Der Wachtturm, 1. Juni 1999, Seiten 17-18:

... [dass wir] nicht nur ‘gehorchen’, sondern ihnen gegenüber auch ‘unterwürfig sein’ sollen. Das griechische Wort für „unterwürfig sein" bedeutet wörtlich „weicht beständig [dar]unter", „gebt beständig [dar]unter nach". Der Bibelgelehrte R. C. H. Lenski sagt mit Bezug auf die Begriffe „gehorcht" und „seid unterwürfig": „Man gehorcht, wenn man dem zustimmt, wozu man aufgefordert wird, überzeugt von dessen Richtigkeit und Nützlichkeit; man gibt nach, . . . wenn man ganz anderer Meinung ist." Wenn wir eine Anweisung von denjenigen, die die Führung übernehmen, verstehen und damit einverstanden sind, werden wir wahrscheinlich bereitwillig gehorchen. Was ist aber, wenn wir den Grund für eine bestimmte Entscheidung nicht verstehen?

An diesem Punkt müssen wir unterwürfig sein beziehungsweise nachgeben. Warum? Zum einen sollten wir das Vertrauen haben, daß den in geistiger Hinsicht befähigten Männern unser Wohl am Herzen liegt. Schließlich ist ihnen durchaus bewußt, daß sie sich vor Jehova für die Schafe verantworten müssen, die ihrer Obhut anvertraut sind (Jakobus 3:1). Zum anderen tun wir gut daran, zu bedenken, daß uns womöglich nicht all die vertraulichen Tatsachen bekannt sind, von denen sie sich bei ihrer fundierten Entscheidung leiten ließen (Sprüche 18:13).

Wie verhält es sich damit, bei richterlichen Entscheidungen unterwürfig zu sein? Es stimmt zwar, daß dies nicht immer einfach ist, besonders wenn entschieden wurde, eine uns nahestehende Person auszuschließen — einen Angehörigen oder einen guten Freund. Doch auch hier ist es das beste, sich dem Urteil der „Gaben in Form von Menschen" zu fügen. Sie können objektiver sein als wir, und ihnen sind oftmals mehr Fakten bekannt.

Aber [die Ältesten] müssen auch die Versammlung rein erhalten, und die Bibel enthält die Anweisung, reuelose Missetäter auszuschließen (1. Korinther 5:11-13). In vielen Fällen akzeptiert der Missetäter die Entscheidung. Die Zuchtmaßnahme ist womöglich genau das, was er benötigt, um sich zu besinnen. Wenn wir als ihm nahestehende Menschen in Verbindung mit einer solchen Entscheidung unterwürfig sind, können wir ihm helfen, aus der Zuchtmaßnahme Nutzen zu ziehen.
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Offizielle Webseite der Zeugen Jehovas für die Medien, 18. März 2002 [http://www.jw-media.org/beliefs/beliefsfaq.htm]:

Meidest du frühere Mitglieder?

Personen, die einfach aufhören, an der Glaubensgemeinschaft teilzuhaben, werden nicht gemieden. In Befolgung der Bibel kann jedoch Mitgliedern für schwerwiegend unchristliches Verhalten, wie Stehlen, Trunkenheit oder Ehebruch, die Gemeinschaft entzogen werden, wenn sie nicht bereuen und diese Handlungsweise aufgeben. Ein Gemeinschaftsentzug trennt nicht die Familienbande. Ausgeschlossene können weiter am Gottesdienst teilnehmen und, wenn sie es wünschen, Hirtenbesuche erhalten. Sie sind immer willkommen, zur Glaubensgemeinschaft zurückzukehren (1. Korinther 5:11-13).
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Offizielle Webseite der Zeugen Jehovas für die Medien, 20. Juli 2002 [http://www.jw-media.org/beliefs/beliefsfaq.htm]:

Meidest du frühere Mitglieder?

Personen, die einfach die Glaubensgemeinschaft verlassen, werden nicht gemieden. Wenn jedoch jemand ohne Reue schwerwiegende Sünden verübt, wie Trunkenheit, Diebstahl oder Ehebruch, wird er ausgeschlossen, und so jemand wird von den früheren Mitgläubigen gemieden. Jede Bemühung wird unternommen, um Übeltätern zu helfen. Aber wenn sie nicht bereuen, muss die Versammlung vor ihrem Einfluss geschützt werden. Die Bibel sagt eindeutig: "Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte" (1. Korinther 5:13). Was ist mit einem Mann, der ausgeschlossen ist, dessen Frau und Kinder aber weiterhin Zeugen Jehovas sind? Die geistigen Bande, die er mit seiner Familie hatte, ändern sich, aber die verwandtschaftlichen Bande bleiben. Die Ehebeziehung und die normalen familiären Gefühle und Angelegenheiten können weiter bleiben. Bei ausgeschlossenen Verwandten, die nicht im selben Haushalt leben, wenden Jehovas Zeugen den biblischen Rat an: "Habt keinen Umgang mehr mit ihnen" (1. Korinther 5:11). Ausgeschlossene können weiter am Gottesdienst teilnehmen und, wenn sie es wünschen, geistlichen Rat von Ältesten in Hinsicht auf ihre Wiederherstellung erhalten. Sie sind immer willkommen, wenn sie zur Glaubensgemeinschaft zurückkehren, falls sie den unrechten Lauf aufgeben, für den sie ausgeschlossen wurden.
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Offizielle Webseite der Zeugen Jehovas für die Medien, Juni 2003 [http://www.jw-media.org/beliefs/beliefsfaq.htm]:

Meidest du frühere Mitglieder?

Personen, die in der Versammlung untätig werden, vielleicht sogar aus der Gemeinschaft mit den Mitgläubigen abgleiten, werden nicht gemieden. Tatsächlich werden besondere Bemühungen unternommen, um sie zu erreichen und ihr geistiges Interesse wieder anzufachen. Wenn jedoch jemand ohne Reue schwerwiegende Sünden verübt, wie Trunkenheit, Diebstahl oder Ehebruch, wird er ausgeschlossen, und so jemand wird von den früheren Mitgläubigen gemieden. Jede Bemühung wird unternommen, um Übeltätern zu helfen. Aber wenn sie nicht bereuen, muss die Versammlung vor ihrem Einfluss geschützt werden. Die Bibel sagt eindeutig: "Entfernt den bösen Menschen aus eurer Mitte" (1. Korinther 5:13). Wer formell sagt, er wolle nicht mehr zur Organisation gehören, wird auch gemieden. Was ist mit einem Mann, der ausgeschlossen ist, dessen Frau und Kinder aber weiterhin Zeugen Jehovas sind? Die geistigen Bande, die er mit seiner Familie hatte, ändern sich, aber die verwandtschaftlichen Bande bleiben. Die Ehebeziehung und die normalen familiären Gefühle und Angelegenheiten können weiter bleiben. Bei ausgeschlossenen Verwandten, die nicht im selben Haushalt leben, wenden Jehovas Zeugen den biblischen Rat an: "Habt keinen Umgang mehr mit ihnen" (1. Korinther 5:11).  Ausgeschlossene können weiter am Gottesdienst teilnehmen und, wenn sie es wünschen, geistlichen Rat von Ältesten in Hinsicht auf ihre Wiederherstellung erhalten. Sie sind immer willkommen, wenn sie zur Glaubensgemeinschaft zurückkehren, falls sie den unrechten Lauf aufgeben, für den sie ausgeschlossen wurden.
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Unser Königreichsdienst, August 2002:

Der Zusammenhalt von Familienangehörigen kann sehr stark sein. Dadurch kann es für einen Christen zu einer Prüfung werden, wenn der Ehepartner, ein Kind, ein Elternteil oder ein anderer naher Verwandter ausgeschlossen wird oder die Gemeinschaft von sich aus verlässt.

Verhalten gegenüber Ausgeschlossenen: Gottes Wort gebietet Christen, keinen Umgang oder keine Gemeinschaft mit jemandem zu haben, der aus der Versammlung ausgeschlossen wurde.

Jesus [wies] seine Nachfolger an, keinen Umgang mit Ausgeschlossenen zu haben.

Das heißt, dass loyale Christen keine religiöse Gemeinschaft mit jemandem haben, der aus der Versammlung ausgeschlossen wurde. Doch das ist nicht alles. Gottes Wort sagt, wir sollten nicht einmal mit einem solchen essen (1. Kor. 5:11). Daher sollten wir auch keinen gesellschaftlichen Umgang mit einem Ausgeschlossenen haben. Das schließt aus, mit ihm zu picknicken, zu feiern, Sport zu treiben, einzukaufen, ins Theater zu gehen, sich mit ihm zum Essen in der Wohnung oder in einem Restaurant zu treffen.

Wie verhält es sich mit Gesprächen mit einem Ausgeschlossenen?

Ein einfacher Gruß kann der erste Schritt zu einer Unterhaltung und vielleicht sogar zu einer Freundschaft sein. Möchten wir bei einem Ausgeschlossenen diesen ersten Schritt tun?

Fest steht, dass ein Christ, der sich in Sünde verstrickt und ausgeschlossen werden muss, viel einbüßt: die Anerkennung Gottes, . . . die liebliche Gemeinschaft der Brüder und einen Großteil der Gesellschaft seiner christlichen Verwandten.

Die früheren geistigen Bande sind völlig aufgelöst worden. Das trifft selbst auf seine Angehörigen zu, auch auf die im engsten Familienkreis. . . . Das bringt zwangsläufig Veränderungen in den geistigen Beziehungen mit sich, die bis dahin in der Familie bestanden haben mögen. Wenn zum Beispiel dem Mann die Gemeinschaft entzogen worden ist, wird es seiner Frau und den Kindern nicht recht sein, dass er ein Familienstudium durchführt oder die Familie beim Bibellesen oder im Gebet leitet.

Anders verhält es sich, wenn einem Verwandten, der außerhalb des engsten Familienkreises lebt, das heißt nicht in derselben Wohnung, die Gemeinschaft entzogen worden ist oder er die Gemeinschaft verlassen hat.

Höchstwahrscheinlich ist es möglich, so gut wie gar keinen Kontakt mit diesem Verwandten zu haben.

Loyale Christen sollten sich bemühen, keinen unnötigen Kontakt zu solchen Verwandten zu haben, und sogar Geschäftsbeziehungen auf ein Mindestmaß beschränken.

Mitunter haben christliche Eltern ein Kind, das ausgeschlossen wurde und dann körperlich oder emotionell erkrankte, wieder eine Zeit lang in die Familie aufgenommen. Aber in jedem Fall können die Eltern die gegebenen Umstände abwägen.

Wird er ‚Sauerteig‘ in die Familie bringen?

Sich an die biblische Verfahrensweise zu halten, reuelosen Missetätern die Gemeinschaft zu entziehen und die Betreffenden zu meiden, wirkt sich zum Guten aus.

Nachdem ein Bruder und seine leibliche Schwester auf einem Kreiskongress [der Zeugen Jehovas] einen Vortrag gehört hatten, wurde ihnen bewusst, dass sie sich gegenüber ihrer Mutter, die woanders lebte und seit sechs Jahren ausgeschlossen war, anders verhalten mussten. Der Bruder rief sofort nach dem Kongress seine Mutter an, versicherte ihr, dass er sie liebe, und sagte ihr anschließend, dass er und seine Schwester nicht mehr mit ihr sprechen würden, es sei denn, wichtige Familienangelegenheiten würden dies erfordern. Kurz darauf fing seine Mutter an, Zusammenkünfte zu besuchen, und schließlich wurde sie wieder aufgenommen. Auch ihr ungläubiger Mann begann zu studieren und ließ sich im Laufe der Zeit [als Zeuge Jehovas] taufen..
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Der Wachtturm, 15. Juli 1985, Seiten 30-31:

Fragen von Lesern

Bezog sich 2. Johannes 10, wo es heißt, daß man gewisse Personen nicht in sein Haus aufnehmen oder grüßen sollte, nur auf diejenigen, die falsche Lehren verbreitet hatten?

Wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, bezog sich dieser Rat auf die „vielen Betrüger", die ausgegangen waren und „das Kommen Jesu Christi im Fleische" nicht bekannten (2. Johannes 7). Der Apostel Johannes ordnete an, wie die damaligen Christen jemand behandeln sollten, der leugnete, daß Jesus existiert hatte oder daß er der Christus und Erlöser war. Er gab die Anweisung: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn niemals in euer Haus auf, noch entbietet ihm einen Gruß. Denn wer ihm einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" (2. Johannes 10, 11). Die Bibel läßt jedoch an anderen Stellen erkennen, daß das einen weit größeren Anwendungsbereich hatte.

Unter den Christen in Korinth gab es einen Mann, der Unsittlichkeit trieb, und der Apostel Paulus schrieb ihnen, sie sollten „keinen Umgang mehr mit jemandem . . . haben, der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Erpresser ist, selbst nicht mit einem solchen zu essen" (1. Korinther 5:11). Bezog sich das nur auf ehemalige Brüder, die wegen der hier aufgezählten schweren Verfehlungen ausgeschlossen worden waren?

Nein. In Offenbarung 21:8 wird auch gezeigt, daß Personen wie reuelose Mörder, Hurer, Spiritisten und Lügner den zweiten Tod verdienen. Sicher wäre der Rat aus 1. Korinther 5:11 ebenso auf ehemalige Christen angewandt worden, die sich der letztgenannten Verfehlungen schuldig gemacht hätten. Außerdem schrieb Johannes in bezug auf einige Personen: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie sind nicht von unserer Art gewesen; denn wenn sie von unserer Art gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber sie sind weggegangen, damit kund werde, daß nicht alle von unserer Art sind" (1. Johannes 2:18, 19). Johannes sagte nicht, daß die Betreffenden wegen einer schweren Sünde ausgeschlossen worden waren. Vielleicht hatten einige von ihnen einfach Schluß gemacht und wollten nicht mehr zur Versammlung gehören, weil sie mit einer Lehre nicht übereinstimmten. Andere waren möglicherweise ermattet und hatten aufgegeben (1. Korinther 15:12; 2. Thessalonicher 2:1-3; Hebräer 12:3, 5).

Wenn ein Bruder abgeirrt wäre und sich in Sünde verstrickt hätte, hätten sich reife Christen natürlich bemüht, ihm zu helfen (Galater 6:1; 1. Johannes 5:16). Hätte er Zweifel gehabt, dann hätten sie versucht, ihn ‘aus dem Feuer zu reißen’ (Judas 23). Selbst wenn er untätig geworden wäre, das heißt die Zusammenkünfte nicht besucht oder sich nicht am öffentlichen Dienst beteiligt hätte, wären die geistig Starken bemüht gewesen, ihn wieder zu stärken. Vielleicht hätte er ihnen gesagt, man solle ihn in Ruhe lassen mit allem, was die Versammlung betreffe. Daran hätten sie seine Glaubensschwäche und seine schlechte geistige Verfassung erkannt. Sie hätten ihn dann nicht bedrängt, ihm aber gelegentlich freundliche Besuche abgestattet. Solch liebevolle, geduldige und barmherzige Bemühungen hätten bewiesen, welch großes Interesse Gott daran hat, daß keiner verlorengeht (Lukas 15:4-7).

Im Gegensatz dazu deuten die Worte des Johannes an, daß es bei einigen um mehr ging als nur um eine geistige Schwäche und um Untätigkeit; sie verwarfen in Wirklichkeit Gottes Versammlung. Jemand mag in offene Gegnerschaft zu Gottes Volk getreten sein, indem er vielleicht erklärte, er wolle nicht mehr zur Versammlung gehören. Möglicherweise hatte er seinem früheren Glauben formell — zum Beispiel durch einen Brief — abgeschworen. Natürlich hätte die Versammlung seine Entscheidung, die Gemeinschaft zu verlassen, akzeptiert. Wie wäre er dann jedoch behandelt worden?

Johannes sagte: „Jeder, der vorausdrängt und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. Wer in dieser Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn niemals in euer Haus auf, noch entbietet ihm einen Gruß" (2. Johannes 9, 10). Diese Worte trafen sicher auf jemand zu, der ein Abtrünniger geworden war, indem er sich einer falschen Religion angeschlossen oder falsche Lehren verbreitet hatte (2. Timotheus 2:17-19). Wie stand es jedoch mit denjenigen, von denen Johannes sagte, sie seien „von uns ausgegangen"? Natürlich wußten die Christen im 1. Jahrhundert, daß sie mit niemandem Umgang haben sollten, der als Übeltäter oder als aktiver Abtrünniger ausgeschlossen worden war. Verhielten sie sich jedoch ähnlich gegenüber jemandem, der nicht ausgeschlossen worden war, sondern willentlich dem christlichen Lebensweg abgeschworen hatte?

In dem Buch Hilfe zum Verständnis der Bibel wird gezeigt, daß die Wörter „Abfall, Abtrünnigkeit" die Übersetzung eines griechischen Wortes sind, das buchstäblich „ ‚ein Abstehen von‘, jedoch im Sinne von ‚Verlassen‘, ‚Lossagung‘ oder ‚Empörung‘ " bedeutet. Im Hilfe-Buch heißt es weiter: „Zu den verschiedenen Ursachen des Abfalls, vor denen die Apostel warnten, gehörten der Unglaube (Hebr. 3:12); das Fehlen der Bereitschaft, unter Verfolgung auszuharren (Hebr. 10:32-39); das Aufgeben sittlicher Grundsätze (2. Petr. 2:15-22); die Beachtung ‚verfälschter Worte‘ von Irrlehrern und ‚irreführender inspirierter Äußerungen‘ (1. Tim. 4:1-3). . . . Wer sich willentlich von der Christenversammlung lossagt, wird dadurch zu einem Teil des ‚Antichristen‘ (1. Joh. 2:18, 19)."

Wer willentlich und formell die Gemeinschaft der Christenversammlung verlassen hätte, hätte dieser Beschreibung entsprochen. Dadurch, daß er vorsätzlich Gottes Versammlung verworfen und dem christlichen Weg abgeschworen hätte, hätte er sich selbst zu einem Abtrünnigen gemacht. Ein loyaler Christ hätte mit einem Abtrünnigen keinen Umgang haben wollen. Selbst wenn sie vorher befreundet gewesen wären, hätte sich der Betreffende dadurch, daß er die Versammlung verworfen hätte und abtrünnig geworden wäre, die Grundlage für die Gemeinschaft mit den Brüdern entzogen. Johannes machte deutlich, daß er persönlich niemanden in seinem Haus empfangen hätte, der ‘Gott nicht hatte’ und nicht „von unserer Art" war.

Wer Gottes Versammlung verwarf, war vom biblischen Standpunkt aus verwerflicher als Menschen in der Welt. Warum? Nun, Paulus zeigte, daß Christen in der römischen Welt täglich mit Hurern, Erpressern und Götzendienern Kontakt hatten. Dennoch schrieb er, daß Christen „keinen Umgang mehr mit jemandem . . . haben" dürfen, „der Bruder genannt wird" und einer gottlosen Handlungsweise verfallen ist (1. Korinther 5:9-11). Petrus sagte, daß sich jemand, der den „Befleckungen der Welt entronnen" ist und dann wieder zu seiner früheren Lebensweise zurückkehrt, wie eine Sau verhält, die zum Wälzen im Schlamm zurückkehrt (2. Petrus 2:20-22). Somit gab Johannes einen Rat, der in völliger Übereinstimmung mit all diesen Anweisungen war, als er schrieb, daß Christen niemanden ‘in ihr Haus aufnehmen sollten’, der willentlich ‘von ihnen ausgegangen war’ (2. Johannes 10).

Johannes fügte hinzu: „Denn wer ihm einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" (2. Johannes 11). Das griechische Wort, das Johannes hier für Gruß verwendete, war cháirō, nicht das in Vers 13 vorkommende Wort aspázomai.

cháirō bedeutet „sich freuen" (Lukas 10:20; Philipper 3:1; 4:4). Es wurde auch als Gruß gebraucht, in mündlicher wie schriftlicher Form (Matthäus 28:9; Apostelgeschichte 15:23; 23:26). aspázomai bedeutet „in den Arm nehmen, begrüßen, willkommen heißen" (Lukas 11:43; Apostelgeschichte 20:1, 37; 21:7, 19). Beide Wörter konnten als Gruß verwendet werden, aber aspázomai kann mehr als ein höfliches „Guten Tag" bedeutet haben. Jesus wies die 70 Jünger an, niemanden zu grüßen (aspásesthe). Auf diese Weise zeigte er, daß ihnen ihr dringendes Werk keine Zeit für die orientalische Art der Begrüßung mit Küssen, Umarmungen und langer Unterhaltung ließ (Lukas 10:4). Petrus und Paulus rieten: ‘Grüßt [aspásasthe] einander mit einem Kuß der Liebe, einem heiligen Kuß’ (1. Petrus 5:14; 2. Korinther 13:12, 13; 1. Thessalonicher 5:26).

Johannes hat also wahrscheinlich mit Absicht in 2. Johannes 10, 11 cháirō statt aspázomai (Vers 13) verwendet. Wenn ja, dann ermahnte er die Christen damit nicht, lediglich die herzliche Begrüßung (mit einer Umarmung, einem Kuß und einer Unterhaltung) einer Person zu meiden, die Irrlehren lehrte oder die Versammlung verwarf (abtrünnig war). Vielmehr wollte Johannes sagen, daß sie eine solche Person nicht einmal mit cháirō, einem üblichen „Guten Tag", grüßen sollten.

Johannes’ Worte: „Wer ihm einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil" zeigen, wie ernst der Rat gemeint war. Kein wahrer Christ hätte gewollt, daß Gott ihn als jemand betrachtet, der an bösen Werken teilhat, indem er mit einem ausgeschlossenen Übeltäter verkehrte oder mit jemandem, der Gottes Versammlung verwarf. Viel vorzüglicher ist es, an der liebevollen christlichen Bruderschaft ‘teilzuhaben’, von der Johannes sagte: „Das, was wir gesehen und gehört haben, berichten wir auch euch, damit auch ihr mit uns daran teilhabet. Außerdem ist diese unsere Teilhaberschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus" (1. Johannes 1:3).
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Ende der Zitate über Gemeinschaftsentzug