Jehovas Zeugen
Dänisches Zweigbüro

15. Mai 2003
SA/SB

AN ALLE ÄLTESTENSCHAFTEN
Betreff: Behandlung von Anklagen wegen Kindesmissbrauch

Liebe Brüder,

viele Jahre lang ist es Standardvorgehensweise gewesen, dass Älteste sofort Kontakt mit dem Zweigbüro aufnehmen, wenn Fälle von Kindesmissbrauch aufkommen. Auf diese Weise stellen wir immer sicher, dass in diesen seltenen Fällen die richtigen Richtlinien befolgt werden. Wir werden dieses Verfahren weiter verfolgen.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist eine empörende Perversion, und alle diese Anschuldigungen sollten ernst genommen werden. Die Ergebnisse eines solchen Missbrauchs sind weit reichend. Viele Opfer werden sich erst dann erholen, wenn Jehova in der neuen Welt alle Dinge neu macht. Der Wachtturm gibt eine deutliche Erklärung unserer Haltung – jemand, der ein Kind missbraucht, ist ein Vergewaltiger und als solcher anzusehen. Alle, die Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs geworden sind, haben das Recht, den Schänder zu beschuldigen. – Wachtturm, 1. November 1995, Seiten 25– 27.

Auch wenn nur sehr wenige Versammlungen Erfahrung mit solchen Fällen machen, hat das Zweigbürokomitee entschieden, dass alle Ältesten mit dem Aktionsplan vertraut sein sollten, den die Dienstabteilung benutzt, wenn sie Anleitung in solche Fällen gibt. Es ist unsere Hoffnung, dass Offenheit in solch schweren Problemen bewirkt, dass Kindesmissbrauch verhindert wird und euch die Fähigkeit verliehen wird, die richtige Hilfe zu geben, wenn es passiert. Gleichzeitig ergreifen wir die Gelegenheit, zu betonen, dass solch schwerer Missbrauch nicht leicht genommen werden darf. Der Aktionsplan besteht aus sechs Teilen: 1. Verhütung. 2. Hilfe für die Opfer. 3. Zusammenarbeit mit Behörden. 4. Verantwortung für die Versammlung. 5. Hilfe für Personen mit "wiedererlangten Erinnerungen".  6. Verhältnis zu den Medien.

1. VERHÜTUNG

A. Wenn es möglich ist, sollten Eltern ermuntert werden, sich noch einmal den Stoff in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. Oktober 1993 anzusehen. Dort stehen viele gute Artikel unter dem Thema "Wie können wir unsere Kinder schützen?"

B. In den meisten Fällen von Kindesmissbrauch gehört der Missbraucher zur Familie oder ist ein guter Freund der Familie. Älteste müssen daher besonders wachsam sein, wenn sie in ihrem täglichen Bemühen um die Versammlung auf Verhalten unter Kindern oder erwachsenen treffen, das ein Anzeichen für Missbrauch sein könnte – siehe den Artikel "Zu Hause sexuellem Missbrauch vorbeugen" im oben erwähnten Erwachet!

C. Viele Pädophile finden ihre Opfer durch das Internet. Die Ausgabe vom 22. Juli 1997 von Erwachet!, Seiten 10-13, enthält Warnungen und gute Leitlinien für Eltern.

D. Befolgt genau die Richtlinien, dass Personen, die als Pädophile bekannt sind, nicht mit den Kindern anderer allein sein sollten, nicht allein in den Dienst gehen sollten und keine verantwortlichen Stellungen in der Versammlung bekleiden sollten.

E. Älteste müssen wachsam sein, wenn jemand, der die Zusammenkünfte der Versammlung besucht, unangemessenes Interesse an Kindern zeigt, und sie selbst müssen gute Vorbilder sein, indem sie in aller Reinheit mit Kindern umgehen.

An alle Ältestenschaften
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2. HILFE FÜR DIE OPFER

A. In Fällen von Missbrauch sind sofort Schritte zu unternehmen, um das Kind vor weiterem Missbrauch zu schützen. Die Eltern, das Opfer oder die Ältesten müssen sofort Kontakt mit einem Arzt oder den Sozialbehörden aufnehmen.

B. Verweist Eltern auf den Kasten "Wenn das eigene Kind missbraucht wird" auf Seite 9 des oben erwähnten Erwachet! vom 8. Oktober 1993.

C. Die Ältesten dürfen das Kind nicht befragen, was passiert ist. Das ist etwas, das die Eltern in Zusammenarbeit mit Ärzten und Sozialbehörden tun müssen.

D. Wenn ein erwachsener Zeuge mit den Ältesten über Missbrauch sprechen möchte, den er als Kind erlitten hat, werden die Ältesten natürlich geistige Hilfe und Mitgefühl aufbringen. Das Erwachet! vom 8. Oktober 1991 bietet eine Reihe von Artikeln untere dem Thema "Die unsichtbaren Wunden des Kindesmissbrauchs" und "Eine Zeit zum Heilen", die eine große Hilfe sein können, wenn man sich darum kümmert.

3. ZUSAMMENARBEIT MIT BEHÖRDEN

A. Als Älteste ist es eure Pflicht, den Mitgliedern der Versammlung der Zeugen Jehovas religiöse und geistige Hilfe anzubieten. Jede Information, die ihr in Ausübung eurer Pflicht erhaltet, ist als vertraulich anzusehen, und ihr steht unter der Verpflichtung, sie niemandem zu offenbaren. Gebt nie irgendwelche Erklärungen ab, weder gegenüber der Presse noch gegenüber nicht Betroffenen.

B. Gemäß Sozialgesetzbuch §§ 35 und 36 haben alle dänischen Bürger die Pflicht, die Sozialbehörden in ihrer Kommune zu unterrichten, wenn sie von Kindesmissbrauch wissen oder ihn vermuten.

§ 35: Jeder in der Ausführung seiner Amtspflicht oder seines Berufs soll die kommunalen Behörden informieren. Wenn er beim Ausführen seiner täglichen Pflichten Kenntnis von Umständen erlangt, die Kinder unter achtzehn Jahren betreffen, bedeutet das, dass das Kind speziellen Bedarf der Unterstützung hat.

§ 36: Personen ... die Kenntnis über ein Kind unter 18 Jahren erlangen, das von seinen Eltern vernachlässigt oder misshandelt wird, hat die Pflicht, es bei den kommunalen Behörden melden.

C. Eltern sollten deshalb ermutigt werden, sich an den Arzt oder die kommunale Sozialbehörde zu wenden. Haltet nie jemanden davon ab, bei den Behörden Anzeige zu erstatten. Wenn die Eltern/Opfer den Missbrauch melden, werden die Ältesten überlegen, ob sie nach dem Sozialgesetzbuch auch an die Behörden herantreten sollten.

D. Wenn der Missbrauch untersucht werden soll, arbeiten die Ältesten mit den Sozialbehörden wie auch mit der Polizei zusammen.

4. VERANTWORTUNG FÜR DIE VERSAMMLUNG

A. Der Missbrauch von Kindern ist eine ernste Sünde, die zum Gemeinschaftsentzug der Versammlungen der Zeugen führen kann. Jede Beschuldigung sollte ernst genommen und von mindestens zwei Ältesten untersucht werden.

B. Wenn der Beschuldigte den Missbrauch zugibt, sollte er sofort von allen Pflichten in der Versammlung entbunden werden. Anschließend sollte ein Rechtskomitee gebildet werden, das entscheiden soll, ob der Missbraucher aus der Versammlung ausgeschlossen werden sollte.

Wenn außergewöhnliche Umstände vorschreiben, dass ein Kinderschänder nicht ausgeschlossen wird, wird er in der Versammlung öffentlich zurechtgewiesen, so dass Familien mit Kindern auf der Hut sein können.

An alle Ältestenschaften
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Ob der Missbraucher ausgeschlossen wird oder nicht, er soll richtig behandelt werden. Die Ältesten ermutigen ihn und, wenn möglich, helfen ihm, professionelle Behandlung und Unterstützung zu erhalten.

C. Wenn der Angeklagte die Beschuldigung vor den zwei Ältesten leugnet und Wort gegen Wort steht, wird kein Rechtskomitee gebildet. Die Bibel fordert, dass es zwei oder drei Zeugen geben muss, damit eine Entscheidung getroffen wird. Es liegt in der Natur solcher Fälle, dass es selten Zeugen gibt. Die Ältesten können deshalb nur eingreifen, wenn es starke Umstandsbeweise gibt oder wenn ein anderer Augenzeuge über einen ähnlichen Missbrauch aussagen kann. Wenn nicht, müssen sie die Angelegenheit in Jehovas Hände legen (1. Timotheus 5:19, 24, 25).

D. Die Behandlung eines solchen Falles durch die Ältesten betrifft nur die Beziehung des Missbrauchers zu unserer Kirche. Sie kann deshalb parallel zu der Untersuchung durch die Behörden durchgeführt werden. Das Opfer kann sofort zum Arzt oder zur Sozialbehörde gehen; es muss nicht die Entscheidungen der Ältesten abwarten. Auch wenn ein Rechtskomitee nichts unternehmen kann, sollten die Ältesten das Opfer oder die Verwandten ermutigen, daran zu denken, die Sozialbehörden zu informieren.

5. HILFE FÜR PERSONEN MIT "WIEDERERLANGTEN ERINNERUNGEN"

A. Befolgt sorgfältig die Richtlinien in dem Artikel " Trost für Menschen mit einem 'niedergeschlagenen Geist'" im Wachtturm vom 1. November 1995 (Seiten 25-29)

B. Wiederhergestellte Erinnerungen werden als sehr real erfahren. Personen, die durch solche Erinnerungen beunruhigt sind, brauchen Verständnis und Fürsorge. Dies sind Erinnerungen, die viele Jahre vergessen waren und dann durch therapeutische Behandlung, entweder von einem professionellen Psychologen oder einem autodidaktischen Psychotherapeuten, aufgedeckt wurden.

C. Weil große Zweifel an der Authentizität solcher wiederhergestellter Erinnerungen bestehen, können sie nicht als Beweis für Missbrauchs genommen werden, wenn sie nicht durch andere Umstände bewahrheitet werden können.

D. Wenn kein Geständnis des Angeklagten vorliegt, unternehmen die Ältesten aufgrund "wiederhergestellter Erinnerungen" rechtlich gesehen nichts. Sie betrachten es als Fall, wo "Wort gegen Wort" steht.

6. VERHÄLTNIS ZU DEN MEDIEN

A. Kindesmissbrauch steht zu Recht im Blick der Medien. Wenn jemand in eurer Versammlung beschuldigt wird, müssen die Ältesten einen Sprecher ernennen, der den Medien antworten kann, wenn diese an sie herantreten.

B. Die Antwort, die gegeben werden sollte, ist: "Wir geben nie Information über besondere Fälle heraus, die gerade untersucht werden. Prinzipiell kann ich Ihnen sagen, dass die Sozialbehörden informiert sind, und jetzt liegt es an ihnen, weiter zu untersuchen."

Dieser Aktionsplan deckt natürlich nicht alle Eventualitäten ab, aber wir hoffen, dass er eine Hilfe ist, wenn solche Probleme auftreten sollten, oder wenn Verkündiger uns fragen sollten, wie wir mit solchen Angelegenheiten umgehen.

Außer den Artikeln, auf die verwiesen wurde, ist guter Rat in den Briefen an die Ältestenschaften und in der Königreichsdienstschule enthalten. Unsere Methoden und Verfahren werden, so wie die Notwendigkeit dazu entsteht und wir ermutigen euch alle, euch über künftige Richtlinien informiert zu halten.

Wir wollen auch den beigefügten Ordner empfehlen, der von Rettet die Kinder herausgegeben ist. Es enthält komprimierte Anweisungen, die in Übereinstimmung sind mit dem, was in unseren Veröffentlichungen und Briefen vom Zweigbüro geschrieben steht. Es sollte für euch und für Eltern hilfreich sein, sich diesen Stoff noch einmal anzusehen.

An alle Ältestenschaften
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Es wäre sehr passend, einen speziellen Ordner in den ständigen Unterlagen der Versammlung zu haben, wo ihr Briefe und anderen Stoff über Kindesmisshandlung sammeln könntet, so dass ihr die notwendigen Informationen schnell finden könnt. Eine Fotokopie oder ein Ausdruck des Erwachet!-Artikels vom 8. Oktober 1993 aus der Watchtower Library sollte auch dem Ordner beigefügt werden.

Dieser Brief kann unter den Ältesten verbreitet werden, darf aber nicht kopiert werden. Beim nächsten Besuch des Kreisaufsehers sollten die Hauptpunkte bei der Besprechung mit den Ältesten noch einmal durchgegangen werden. Mit dem geäußerten Wunsch, dass wir unseren eigenen wie auch den Kinder anderer helfen können und die Christenversammlung moralisch rein erhalten, so dass der Geist Gottes frei wirken kann, senden wir unsere Liebe und unsere Grüße.

                                                                                                                                                                                  Eure Brüder,
                                                                                                                                                                             Jehovas Zeugen
                                                                                                                                                                             Dänisches Zweigbüro

 

(An Zeitung geschickter Kommentar über Aktionsplan)

Aktionsplan

Viele Jahre lang haben wir einen Aktionsplan im Zweigbüro gehabt, den wir als Leitlinie verwendet haben, wenn Beschuldigungen von Kindesmissbrauch erhoben wurden.

Uns war bewusst, dass solche Fällen berichtet werden sollten. Wir haben deshalb die Eltern/Opfer ermutigt, es persönlich bei den Sozialbehörden zu melden. Soweit wir alle Fälle von Kindesmissbrauch kennen, ist den Behörden berichtet worden, da das Gesetz gilt.

Obwohl es relativ wenige Fälle gegeben hat, haben wir wegen der Öffentlichkeit alle Ältesten über die Grundsätze informieren wollen, die wir befolgen, wenn wir auf diesem Gebiet Anweisungen erteilen. Dies wurde mit dem Aktionsplan vom 15. Mai 2003 getan.

Im Aktionsplan zitieren wir das Sozialgesetzbuch und ermutigen die Ältesten, die Eltern/Opfer wiederum zu ermutigen, es den Sozialbehörden persönlich zu melden. Der Ausdruck "denken" unterstreicht, dass die Ältesten der Angelegenheit viel Überlegung schenken sollten, wenn die Situation entstand, wo Eltern/Opfer keine Anzeige erstatten wollten. Sie wurden gleichzeitig an ihre Pflicht nach dem Sozialgesetzbuch erinnert.

Nachdem die Sache im Hauptbüro in Brooklyn, New York, besprochen wurde, erfuhren wir, dass dies missverstanden werden konnte. Darum wurde der Aktionsplan sofort zurückgezogen und am 20. Oktober 2003 durch den beigefügten Aktionsplan ersetzt, der die Ältesten eindeutig anweist, alle Beschuldigungen bei den Behörden zu melden.

Wir werden auch künftig unseren Aktionsplan verbessern, wenn wir darauf aufmerksam werden, dass irgendein Bereich eine Einengung braucht.

Erik Joergensen
Jehovas Zeugen
Informationsdienst

 

 

 

 

 

 

(Brief an Älteste vom 20. Oktober 2003 zu einem revidierten Aktionsplan)

 

 

WIE WIR KINDER VOR SEXUELLEM MISSBRAUCH SCHÜTZEN

Aktionsplan

Wir finden den sexuellen Missbrauch von Kindern abscheulich. Diese Einstellung ist in Übereinstimmung mit dem, was wir in Römer 12:9 finden. Wenn es nur einen Fall von Kindesmissbrauch gibt, ist das schon einer zu viel. Jahrelang haben unsere Zeitschriften Wachtturm und Erwachet! Artikel herausgegeben mit der Absicht, sowohl unsere Versammlungen als auch Außenstehende zu informieren, wie wichtig und wesentlich es ist, Kinder gegen sexuellen Missbrauch zu schützen.

Unter anderem hatten wir Artikel wie "Verabscheuen wir das Böse" im Wachtturm vom 1. Januar 1997 und "Hilfe für Opfer von Blutschande" im Watchtower vom 1. Oktober 1983 [deutsch: 1. Januar 1984]. In der Zeitschrift Erwachet! hatten wir Artikel wie "Unsere Kinder sind in Gefahr", "Wie können wir unsere Kinder schützen?" und "Zu Hause sexuellem Missbrauch vorbeugen" (alle in der Ausgabe vom 8. Oktober 1993. Auch den Artikel "Kindesmissbrauch - der Alptraum jeder Mutter" und andere Artikel in Awake! vom 22. Januar 1985 [deutsch: 8. August 1985].

WENN KINDESMISSBRAUCHSANKLAGEN UNTERSUCHT WERDEN

Wenn ein Zeuge Jehovas beschuldigt wird, Kindesmissbrauch zu begehen, wird erwartet, dass die Ältesten in der örtlichen Versammlung den Fall untersuchen. Zwei Älteste treffen sich mit dem Ankläger zuerst und dann mit dem Angeklagten, um zu hören, was sie zu sagen haben. Wenn der Angeklagte irgendeine Schuld leugnet, können die zwei Ältesten eine neue gemeinsame Besprechung abhalten, wo sowohl der Angeklagte als auch der Ankläger anwesend sind, so dass beide Parteien ihren Fall in Gegenwart der Ältesten darstellen können.

Wenn der Beschuldigte während des Treffens immer noch seine Unschuld beteuert und es sonst niemanden gibt, der den Missbrauch untermauern kann, sind die Ältesten nicht in der Lage, zugunsten der Versammlung einzuschreiten. Warum nicht? Als christliche Gemeinschaft müssen wir uns an die Anweisungen der Bibel halten. Wir lesen: "Kein einzelner Zeuge sollte sich gegen einen Mann hinsichtlich irgendeines Vergehens oder irgendeiner Sünde erheben ... Auf die Aussage zweier Zeugen oder auf die Aussage dreier Zeugen sollte die Sache feststehen" (5. Mose 19:15). Dieser Grundsatz wurde später von Jesus in Matthäus 18:15-17 bestätigt. Aber wenn zwei Personen unabhängig voneinander einen Vorfall derselben Art von Missbrauch berichten, kann die Aussage dieser zwei Zeugen als hinreichend angesehen werden, damit die Versammlung etwas unternehmen kann.

Wenn jemand mit der Anklage des sexuellen Kindesmissbrauchs konfrontiert ist und er den Missbrauch gesteht, werden die Ältesten zugunsten der Versammlung einschreiten. Und wenn er nicht bereut und seinen Weg ändert, kann er nicht mehr zur Versammlung gehören. Aber auch wenn er bereut – er fühlt sich zerknirscht und ist fest entschlossen, dass das Geschehene nie mehr wiederholt wird - verhält es sich immer noch so, wie es im Wachtturm vom 1. Januar 1997, Seite 29, gesagt wurde: “Zum Schutz unserer Kinder gilt: Ein Mann, von dem bekannt ist, dass er ein Kind sexuell missbraucht hat, eignet sich nicht, eine verantwortungsvolle Stellung in der Versammlung zu bekleiden. Auch kann er nicht als Pionier dienen oder eine andere Form besonderen Vollzeitdienstes verrichten." Aufgrund biblischer Erfordernisse kommt er nicht in Frage. (1. Timotheus 3:2, 7-10) Wir haben diese beständige Haltung, weil es für uns wichtig ist, in Übereinstimmung mit den hohen moralischen Maßstäben der Bibel zum Schutz unserer Kinder zu sein. Wir erwarten, dass jeder in unserer Organisation nach denselben Maßstäben lebt, dass er nämlich körperlich, seelisch, moralisch und geistig rein sein sollte. – 2. Korinther 7:1; Epheser 4:17-19; 1. Thessalonicher 2:4.

BESCHULDIGUNGEN WEGEN KINDESMISSBRAUCHS MELDEN

Selbst in Fällen, wo die Ältesten nicht zugunsten der Versammlung eingreifen können, sollten sie die Beschuldigung dem Zweigbüro der Zeugen Jehovas in dem jeweiligen Land melden, Land wenn es das Gesetz des Landes erlaubt. Neben einer Meldung der Beschuldigung beim Zweigbüro der Zeugen Jehovas zu melden, sollten die Ältesten die Gesetze des Landes befolgen, wenn gefordert wird, dass solche Verstöße den Behörden gemeldet werden müssen, obwohl es kein Geständnis gibt und die Beschuldigung nicht von anderen Zeugen bestätigt wird. Es könnte auch der Fall sein, dass das Opfer sich direkt an die Behörden wenden will, und das liegt natürlich vollständig innerhalb der Rechte der betroffenen Person.

Unser Verfahren in Verbindung mit Kindesmissbrauch ist mit der Zeit verbessert worden. Viele Jahre lang haben wir von einigen Punkten erfahren, die wir weiter verschärfen konnten, und wir haben nicht gezögert, das zu tun. Wir werden es auch weiter tun. Wir behaupten nicht, dass unser Aktionsplan vollkommen ist. Keine menschliche Organisation ist vollkommen. Aber wir bleiben zuversichtlich, dass unsere Einstellung und unser Verfahren in Verbindung mit Kindesmissbrauch klar, in sich schlüssig und biblisch ist. Wenn festgestellt wurde, dass jemand, ganz gleich, wer er ist, eine Verantwortungsposition hat und Kindesmissbrauch begeht, sollte die betreffende Person sollte sofort von seiner Stellung entbunden werden. Und wir können nicht absichtlich zulassen, dass er seine Stellung an einem anderen Ort zurückbekommt oder nach einem Umzug wieder ernannt wird.

Die Bibel lehrt uns, dass es möglich ist, dass ein Sünder bereut, sich ändert und "sich zu Gott wendet und Werke verrichtet, die der Reue entsprechen" (Apostelgeschichte 26:20). Wir akzeptieren das, aber wir lassen die Sicherheit unserer Kinder an erster Stelle stehen. Es ist etwas, das wir zutiefst ernst nehmen.

Holbaek, 20. Oktober 2003