EKSTRA BLADET 12. Mai 2004

VON MEINEM JEHOVA-VATER VERGEWALTIGT

HEUCHLER!: Die Sekte wies Anklagen einer jungen Frau als Erfindungen ab – bis der Vater gestand.

"Die drei Ältesten glaubten mir überhaupt nicht. Sie sagten alle, dass es eine reine Erfindung war." Anne H., heute eine Mutter im mittleren Alter mit zwei erwachsenen Kindern, erinnert sich allzu gut an den Tag, als sie den Zeugen Jehovas von dem sexuellen Missbrauch erzählte, den ihr Vater, ein hoch angesehenes Mitglied der Organisation, an ihr verübt hatte. Erzwungener Verkehr - Vergewaltigung ab dem Alter von 14, bis sie mit 17 auszog. "Als ich 21 war und mein erstes Baby hatte, hörte ich, dass mein Vater bei einem Kongress vor einer riesigen Menge im Foelledpark in Kopenhagen sprechen sollte. Es war Zeit, der Heuchelei ein Ende zu machen. Ich ging zur Versammlung und erzählte ihnen die Wahrheit. Aber sie wiesen mich völlig ab."

•  Erst zwei Jahre später, als ich selbst in der Lage war, meinen Vater dazu zu bringen, zu gestehen, mischte sich die Versammlung ein.

•  Sie wiesen ihn zurecht. Nichts sonst, erzählt uns Anne H., sie lebt irgendwo in Jütland und und möchte anonym bleiben, unter anderem, weil ihre Kinder nichts über die Familientragödie wissen. 

Unerträgliche Männer

Anne H., die selbst mit benachteiligten Kindern arbeitet, ist immer noch zutiefst betroffen von dem schweren Missbrauch in ihren Teenagerjahren.

- Ich habe viele Jahre gebraucht, um zu lernen, mit solchem ernstem Missbrauch zu leben. Ich bin immer noch außerstande, jenen Leuten in den Zeugen Jehovas zu verzeihen, die mich auf eine arrogante und herablassende Art zurückwiesen, als ich ihnen die Wahrheit sagte.

- Es war unglaublich peinlich, erinnert sich an Anne H., die als Selbsttherapie Zeichnungen aus den Erinnerungen herstellte.

- Ich wurde von drei Jehova-Führern verhört, den so genannten Ältesten, von der Versammlung in Kopenhagen. Ich erzählte ihnen von dem Missbrauch. Aber schon von Anfang an konnte ich sehen, dass sie nicht vorhatten, mir zu glauben.

Nach dem Verhör gingen die Ältesten zu Anne H.'s Vater und konfrontierten ihn mit der Geschichte seiner Tochter.

- Er leugnete es alles, und meine Familie wies mich zurück. Viele Jahre lang grüßten sie mich nicht einmal auf der Straße, erinnert sich die Frau. Sie leidet immer noch unter dem Missbrauch durch ihren Vater.

- Noch immer kann ich nicht den Geruch von alten Äpfeln nicht ertragen, weil alte Äpfel im Kellergeschoss waren, wo mich mein Vater vergewaltigte.

Vater versuchte sich umzubringen

Als Anne H. etwa zwei, Jahre, nachdem sie ihren Vater bei den Zeugen Jehovas anklagte, beschloss, zu ihm direkt zu gehen und ein Geständnis aus ihm heraus zu pressen, versuchte er, Selbstmord zu begehen.

- Aber nach einer Weile gestand er den Missbrauch. Als die Ältesten dieses erfuhren, bekam er im Königreichssaal der Versammlung einen öffentlichen Verweis.

- Hier wurde der Versammlung gesagt, dass mein Vater sich auf eine für einen Christen unziemliche Art aufgeführt hatte. Er wurde nicht ausgeschlossen. Es schmerzt immer noch, dass sie sein Schwerverbrechen damals nicht ernster nahmen, sagt Anne H.

Verwerflich

Anne H, hat vor einer langen Zeit die Zeugen Jehovas verlassen, aber sie ist immer noch ärgerlich, dass die Sekte, wie in Ekstra Bladet dokumentiert, Personen, die vor einigen Jahren sexuell missbraucht wurden, mit derselben Gleichgültigkeit wie zuvor behandelt.

"Es ist ziemlich klar, dass man mir sogar heute nicht geglaubt hätte. Schließlich erzählte ich ihnen erst fünf Jahre später von dem Missbrauch, ich hatte solche Angst. Ich sage nicht, dass es mehr Kinderschänder unter den Zeugen Jehovas gibt als anderswo. Aber es ist sehr verwerflich, dass sie solche Verbrechen zudecken und sowohl den Missbrauch als auch eine unbekannte Anzahl von Opfern vertuschen. Ich weiß, wie fürchterlich es ist, und wie es weh tut, missbraucht, gedemütigt und erniedrigt zu werden", sagt Anne H.

nw@eb.dk

VON NIELS WESTBERG
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Die Zeitung veröffentlichte auch zwei von of Anne H.'s Zeichnungen, die ziemlich grauenvoll waren.