Die Kinder brauchen einen Helden

Wenn man Jehovas Zeugen über den Kindesmissbrauchsskandal in ihrer Religion befragt, hört man am häufigsten: "Wir haben das Problem bereinigt." Medienartikel wie dieser zeigen, dass dies in Wirklichkeit eine Lüge ist. Das Schlüsselproblem bleibt, dass Missbrauch vertuscht wurde und noch wird, während Opfer von ihrer Religion zum Schweigen gebracht werden. In Kanada, wo sich diese Geschichte ereignet, ist es bundesweites Gesetz, dass jeder Missbrauch angezeigt werden muss. Um rechtlich in trockenen Tüchern zu sein, schrieb die kanadische Zentrale der Zeugen Jehovas einen Brief an alle Ältestenschaften, in dem genau dies gesagt wird. Ihr könnt ihn unter folgendem Link lesen:  http://www.silentlambs.org/education_de/WeaknessorWickedness_de.htm  Doch in dem Dokumentarfilm, der in Kanada aufgenommen wurde, enthüllten Insider aus der Zeugenzentrale, dass Missbrauch regelmäßig vertuscht wurde, als Älteste in der Zentrale Meldung machten. Lest hier die Mitschrift des Programms: http://www.silentlambs.org/education_de/fifthestate_trans_de.htm

Immer wieder haben kanadische Opfer enthüllt, dass Älteste nicht die Behörden gerufen haben, wenn Missbrauch gemeldet wurde. Das war eine Verletzung des Bundesgesetzes zur Anzeigepflicht. Warum fürchtet sich die kanadische Regierung vor einer Religion, die regelmäßig Behinderung der Justiz praktiziert und Kinder Pädophilen in die Arme wirft? Haben Justizbeamte solche Angst vor Religionen, dass sie die Vergewaltigung von Kindern zulassen? Welche Art von Feigheit zeigt eine Regierung, die nicht einmal ein Kind schützen kann? Wenn wir die Regierung in solch negativem Licht sehen, wie würdest du dann eine Religion betrachten, die dem Schutz von Kinderschändern Vorschub leistet?

Diesen Monat verbreiten die Zeugen Jehovas ein Traktat, "Das Ende der falschen Religion ist nah!" In diesem Traktat heißt es, dass jede Religion, die Kinderschänder schützt, den Beweis liefert, dass sie eine "falsche Religion" ist. Jehovas Zeugen sind die einzige Religion auf der Welt, die von Opfern, den Medien und Fachleute zum Thema als "Pädophilenparadies" bezeichnet wurde. Wenn sie als Menschen anderer Religionen für eine Sünde verurteilen, die sie praktizieren, und den Mitgliedern sagen, sie hätten ihre Kindesmissbrauchsprobleme gelöst, wie kann man da das Wort Heuchler noch besser definieren.

Hier in den USA wird pädophilen Religionsmitgliedern die "carte blanche" gewährt; sie können durch das "Kirchenprivileg" aus dem Ersten Verfassungszusatz der US-Verfassung Kinder schänden. Um dies zu verstehen, lest den Artikel "Der Erste Verfassungszusatz falsch ausgelegt": http://www.silentlambs.org/newsletter_de/newsletterIII_de.htm    Anwälte der Zeugen Jehovas reiben sich vor US-Gerichten regelmäßig die Hände und lachen die Missbrauchsopfer aus, wenn sie dafür den Ersten Verfassungszusatz benutzen. Es ist ein trauriger Tag, wenn Gerechtigkeit aus einer Quelle außerhalb des Landes erbeten werden muss, die hohe moralische Maßstäbe beansprucht, wenn sie mit Menschen zu tun hat.

Wir bitten die Mitglieder der kanadischen Justiz und die Männer und Frauen, die das kanadische Gesetz kontrollieren, bitte finden Sie den Mut, die Führer dieser heuchlerischen Religionsgemeinschaft, die so offen den Schutz der Pädophilen fordert und gewissenlos die Vergewaltigung von Kindern zulässt, zu verfolgen. Erst wenn dies geschieht, und nur dann, wird das Ende der falschen Religion nah sein.

        

Tagebuch führt zu Anklage wegen sexuellen Übergriffs

Vorfälle sollen sich bei Besuchen von Zeugen Jehovas abgespielt haben

http://www.therecord.com/NASApp/cs/ContentServer?pagename=record/Layout/Article_Type1&c=Article&cid=1163026216604&call_pageid=1024322085509&col=1024322199564

DIANNE WOOD

KITCHENER (9. November 2006)

Als ein Mann aus Kitchener in seinem Untergeschoss ein Tagebuch entdeckte, das seine Tochter als Teenager geschrieben hatte, war er schockiert, als er den Namen eines früheren Ältesten der Kirche der Familie sah.

Der Name Claude Martin war in Fettschrift geschrieben, erzählte der Mann einem Richter gestern bei Martins Prozess, weil er das Mädchen und ein weiteres angegriffen hatte, das die Versammlung der Zeugen Jehovas, in die Martin ging, besuchte.

Martin, 76, plädierte auf nicht der sexuellen Handlungen mit den Mädchen schuldig. Mutmaßlich berührte er die Tochter des Mannes irgendwann zwischen Januar 2001 und Dezember 2002. Mutmaßlich berührte er das andere Mädchen mit seinem Penis zwischen Januar, 1988 und Dezember 1989.

Was der Vater des Mädchens in dem Tagebuch las, brachte ihn und seine Frau schließlich dazu, die Polizei zu rufen, sagte er aus.

Obwohl der Inhalt des Tagebuches vor Gericht nicht offen gelegt wurde, sagte die Tochter des Mannes aus, Martin habe während eines Haus-zu-Haus-Besuches des Paares in einer Wohnung in Kitchener an einem Samstagmorgen ihren Hintern mit seiner Hand berührt und seine Hand auf ihre Vagina gelegt.

Sie standen auf einem Treppenabsatz innerhalb der Haustür, sagte sie. Der Wohnungsinhaber sei kurz nach unten gegangen und sein Sohn sei verschwunden.

Sie glaubt, dass sie damals zehn war. Sie und Martin machten oft Haus-zu-Haus-Besuche, um Anhänger für die Zeugen Jehovas zu gewinnen. Ihre Eltern, die gewöhnlich mit anderen im Auto in der Nähe waren, weil sie ähnliche Besuche machten, fanden das in Ordnung.

Das Gericht in Kitchener, Ontario, hörte, dass der Vater des Mädchens das Tagebuch per Zufall im Winter 2005 fand.

Er hörte, wie der Hund der Familie im Untergeschoss auf etwas kaute und ging los, um nachzusehen.

Der Hund hatte ein Notizbuch. Der Mann hob es auf und sah es durch.

"In fett geschriebenen Buchstaben stand mitten auf der Seite der Name Claude Martin", sagte er aus.

Er wartete, bis seine Frau nach Hause kam, weil er dachte, es wäre besser, wenn sie mit ihrer Tochter über das, was er gelesen hatte, spräche. Nach dem Gespräch sagte der Mann aufgrund dessen, was die Frau ihm erzählte: "An der Sache ist was dran.''

Sie wussten nicht, was sie tun sollten, sagte er. Mehrere Kirchenälteste hörten von der Anschuldigung und besuchten sie zu Hause.

"Bei uns wurde der Eindruck hinterlassen, wir sollten das unter den Teppich kehren und einfach so weitermachen'', sagte er. "Wir wollten wissen, ob die Organisation etwas unternähme.''

Die Familie hatte Martins Versammlung über ein Jahrzehnt lang besucht, weil es schon Stress gab, ehe sie das Tagebuch fanden.

Der Vater sagte vor dem Gerichtsgebäude, die Kirche erwarte von den Mitgliedern, jeden Abend in der Woche mit etwas beschäftigt zu sein. Er und seine Frau empfanden das als zu großen Druck, sie hatten eine Familie zu versorgen und andere Dinge.

"Ich kann über die Organisation selbst nichts Negatives sagen", sagte der Vater vor dem Gerichtsgebäude. "Das ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Das einzig Negative, was ich zu sagen habe, ist, wie sie versuchten, es unter den Teppich zu kehren.''

Als sie merkten, wie viel Druck von ihnen durch den Weggang wich, kehrten sie nicht mehr zur Kirche zurück, sagte er.

Das Mädchen sei heute 16, sagte Kronanwalt Mark Poland, und sie habe ihren Eltern nie von den Angriffen erzählt. "Es war peinlich und privat.''

Mehrere Jahre später schrieb sie Einzelheiten in ihr Tagebuch, weil sie über eine Anzahl Dinge wütend war, sagte sie.

"Ein ganzer Haufen ärgerte mich, und ich musste es einfach aufschreiben.''

Sie lehnte den Vorschlag von James Marentette, dem Verteidiger, vielleicht habe sie Martins Aktenkoffer an ihrem Hinterteil gespürt und nicht seine Hand, als sie in der Wohnung standen.

Sie sagte, Martin habe seinen Aktenkoffer von einer Hand in die andere gewechselt, daher sei seine Hand frei gewesen, um sie zu belästigen.

Nachdem sie und ihre Eltern den mutmaßlichen Vorfall 2005 der Polizei gemeldet hatten, sagte sie, hätte man ihren Eltern von dem zweiten mutmaßlichen Vorfall erzählt. Dieses Mädchen stand wohl gegen eine Theke gelehnt, als Martin hinter sie trat und sein Becken an ihr rieb, sagte sie. Sie selbst habe nie mit dem Mädchen über die Anschuldigungen gesprochen, sagte sie.

Wenn der Prozess weitergeht, wird der Kronanwalt argumentieren, der Richter sollte eine Erklärung zulassen, die Martin, wie er sagte, bei der Polizei abgab. Aufgrund dieser Aussage wird Poland argumentieren, Martin habe noch einer dritten weiblichen Person gegenüber verwerfliches Verhalten gezeigt.

Der Prozess geht am 5. Dezember weiter.

dwood@therecord.com