

Für
Nancy Michaud war Riviere-Ouelle eine friedliche bäuerliche Gemeinde an der
Südküste des St. Lorenz-Stroms, wo niemand daran dachte, seine Türen
abzuschließen.
Aber die Einwohner fürchten, die Ruhe in ihrem malerischen
Dorf sei für immer dahin, nachdem die Polizei Michauds leblosen Körper
im Untergeschoss eines verlassenen,
verfallenen Hauses ein paar Kilometer von ihrer Wohnung entfernt fand.
Die Polizei sagt, jemand habe Michaud, die als politische Angestellte
eines bekannten Provinzkabinettministers arbeitete, von ihrem Haus
mitten in der Nacht weggeschleppt, während ihre beiden kleinen Söhne
schliefen.
Francis Proulx, 29, Einwohner von
Riviere-Ouelle, wurde am Montag des vorsätzlichen Mordes an ihr beschuldigt. (Geschichte)
Die Provinzpolizei sagt, Francis Proulx, 29, sei in Quebec City wegen des Todes von Nancy Michaud angeklagt. Proulx mag noch weitere Anklagen erwarten, so die Polizei, darunter Kidnapping, Gefangenhalten und Raub.
Michauds hat die Einwohner der Kleinstadt Riviere-Ouelle nordöstlich von Quebec City schockiert.
Die Polizei sagt, es habe einen Kampf mit Michaud, Hilfskraft von Umweltminister Claude Bechard, gegeben, und sie sei Freitagmorgen aus ihrem Haus entführt worden, während ihre beiden kleinen Söhne schliefen.
Aufgrund eines Hinweises fand die Polizei Michauds Leiche am Sonntag im Untergeschoss eines verlassenen Hauses ein paar Kilometer von ihrem Haus entfernt.
Ins Netzt gestellt um 10:35 Uhr

Am
Donnerstag, 22. Mai
2008
http://www.cyberpresse.ca/article/20080522/CPSOLEIL/80521281/-1/CPSOLEIL#haut
Der Tod von Nancy Michaud: "Eine
Tat aus Schwäche"
Indem sie die Bibel anführt, macht Lise Hudon geltend, dass
ihr 29-jähriger Sohn ein verlorenes Schaf in einer verlorenen Welt
geworden ist.
Reporter Marc Larouche
Saint-Pascal
Die Wohnung ist hübsch und aufgeräumt. Drinnen Stille. Die Stille einer
ins Herz getroffenen Mutter. Lise Hudon ist 50 Jahre alt. Die Mutter
eines Mannes, der beschuldigt wird, Nancy Michaud getötet zu haben. Francis Proulx
ist verwundet. Seit sie von der Anklage gegen ihren Sohn hörte, steht
sie weinend auf und geht mit Tränen ins Bett. Zwischen beiden ist schwer
zu unterscheiden. Sie versucht zu verstehen.
"Als ich im Radio in den Nachrichten von der Verhaftung eines schlanken Mannes
mit einem Kleinwagen erfuhr, wusste ich es innerlich als Mutter. Es ist
mein Sohn. Mein Sohn ist so einzigartig.
Mein kleiner Francis ist sanft", sagt sie schluchzend. "Ich kann nicht
weinen. Ich habe keine Tränen mehr. "Ich bin stolz, eine
Zeugin Jehovas zu sein."
Hudon wurde von der Journalistin Catherine Handfield von La Presse ausfindig
gemacht, und sie stimmte zu, an diesem Sonntag alles zu erzählen. Sie
sagt, als junger Mann habe ihr Sohn auch der Religion angehört. "Ich
habe immer die Tür offen gelassen."
Sie führt ständig die Bibel an und macht geltend, dass ihr 29-jähriger
Sohn zu einem verlorenen Schaf in einer bösen Welt geworden sei. "Es
steht geschrieben, dass Jehova Gott denen nahe ist, die ein gebrochenes
Herz haben, und sich derer annimmt, die einen niedergeschlagenen Geist
haben."
Sie schaut zum Himmel auf und vertraut auf ihren Gott. "Francis ist nie
glücklich gewesen. Er hat Härten durchgemacht, Ungerechtigkeit, Elend."
Ihre Augen, die aufleuchten, wenn sie über ihren Sohn spricht,
stehen im Widerspruch zu der Traurigkeit ohnegleichen, die der Ausdruck
ihres Gesichts verrät.
Lise Hudon hatte kein leichtes Leben. Ihr Sohn auch nicht. "Ich war kindliche
Mutter, als ich vor 30 Jahren mit Francis schwanger war. Drei Monate
später habe ich geheiratet, um einen Beschützer zu haben. Aber sein
Vater war gewalttätig. Vielleicht ist es vererbt."
Diesen Winter sah sie ihren Sohn zum letzten Mal. "Ich sagte ihm, dass
er immer mein Sonnenschein gewesen war. Ich empfand es mit ganzem
Herzen, aber er schien so unglücklich zu sein. Das hat mir ein trauriges
Lächeln abgerungen. Ich bat ihn, mir zu vergeben, wenn es etwas gab, was
ich nicht für ihn getan hatte. Er sprach nicht, aber hörte zu.
"Die Bibel sagt, selbst der Weise wird wahnsinnig. Es ist ein Schlag von
Wahnsinn. Francis tat e, um dem Leiden ein Ende zu machen. Diese Geste
von ihm, als wollte er der Welt sagen: Schaut, dies fühle ich im Innern
für all das Böse in der Welt. (...) Aber er muss seine Haltung bereuen.
Es ist keine Bösartigkeit. Es ist eine Tat aus Schwäche. "
Sie erinnert sich an ein Ereignis, das die Kindheit ihres einzigen
Sohnes verdunkelte. "Als er 14 war, ging er zur High School in Riviere-du-Loup.
Er sagte mir, andere Schüler demütigten ihn immer wegen seines Glaubens.
Francis war durch diese ungerechte Welt tief verwundet. Er hat es immer
drinnen bei sich behalten. (...) Als sich zu viel angestaut hatte, kam
der Ausbruch."
Keine Drogen
Lise Hudon war sicher, dass ihr Sohn keine Drogen nahm. Aber vor diesem von ihr
so genannten "Ereignis" habe er aufgehört, seine Antidepressiva zu
nehmen. Das hat ihn auf den Weg gebracht, den er nicht zurückgehen
konnte. Mein kleines Schaf. Lieb wie ein kleines Schaf. Ich habe das
Beste getan, ihn zu erziehen. All mein Bestes. Ich fühle mich wie eine
arme Frau, eine arme Frau, eine arme, unglückliche Mutter", sagte sie,
sagen Sie nur, ich will meinen Sohn sehen.
"Ich würde gern mit ihm sprechen, auch wenn ich weiß, es wird schwierig sein."
Hat sie eine Botschaft für die Familie von Nancy Michaud? "Ich kenne
Madeleine (ihre Mutter) gut. Ich kenne sie alle so gut. Wir waren gute
Nachbarn. Eines Tages werde ich hingehen, um sie zu sehen. Ich würde sie
gern in den Arm nehmen. Sagen Sie ihnen, dass es mir für meinen Sohn
leid tut. Sagen Sie ihnen, ich liebe sie, ich denke an sie, ich bete für
sie. "