Une photo de l'accusé lors de sa graduation (Collaboration spéciale Marc Larouche)Francis Proulx, 29, arrives at the Quebec City courthouse Monday May 19, 2008. Proulx, 29, was charged with first-degree murder in the death of Nancy Michaud. THE CANADIAN PRESS/Jean-François Desgagnés

 

Dienstag, 20. Mai 2008

Francis Proulx wegen Mord angeklagt

Für Nancy Michaud war Riviere-Ouelle eine friedliche bäuerliche Gemeinde an der Südküste des St. Lorenz-Stroms, wo niemand daran dachte, seine Türen abzuschließen.

Aber die Einwohner fürchten, die Ruhe in ihrem malerischen Dorf sei für immer dahin, nachdem die Polizei Michauds leblosen Körper im Untergeschoss eines verlassenen, verfallenen Hauses ein paar Kilometer von ihrer Wohnung entfernt fand.

Die Polizei sagt, jemand habe Michaud, die als politische Angestellte eines bekannten Provinzkabinettministers arbeitete, von ihrem Haus mitten in der Nacht weggeschleppt, während ihre beiden kleinen Söhne schliefen.

Francis Proulx, 29, Einwohner von Riviere-Ouelle, wurde am Montag des vorsätzlichen Mordes an ihr beschuldigt. (Geschichte)

Die Provinzpolizei sagt, Francis Proulx, 29, sei in Quebec City wegen des Todes von Nancy Michaud angeklagt. Proulx mag noch weitere Anklagen erwarten, so die Polizei, darunter Kidnapping, Gefangenhalten und Raub. 

Michauds hat die Einwohner der Kleinstadt Riviere-Ouelle nordöstlich von Quebec City schockiert.

Die Polizei sagt, es habe einen Kampf mit Michaud, Hilfskraft von Umweltminister Claude Bechard, gegeben, und sie sei Freitagmorgen aus ihrem Haus entführt worden, während ihre beiden kleinen Söhne schliefen.

Aufgrund eines Hinweises fand die Polizei Michauds Leiche am Sonntag im Untergeschoss eines verlassenen Hauses ein paar Kilometer von ihrem Haus entfernt.

Ins Netzt gestellt um 10:35 Uhr

 

Citant la Bible, Lise Hudon soutient que son garçon de 29 ans est devenu une brebis perdue dans un monde perdu. (Collaboration spéciale Marc Larouche)

Am Donnerstag, 22. Mai 2008
http://www.cyberpresse.ca/article/20080522/CPSOLEIL/80521281/-1/CPSOLEIL#haut
Der Tod von Nancy Michaud: "Eine Tat aus Schwäche"


Indem sie die Bibel anführt, macht Lise Hudon geltend, dass ihr 29-jähriger Sohn ein verlorenes Schaf in einer verlorenen Welt geworden ist.

Reporter Marc Larouche

Saint-Pascal

Die Wohnung ist hübsch und aufgeräumt. Drinnen Stille. Die Stille einer ins Herz getroffenen Mutter. Lise Hudon ist 50 Jahre alt. Die Mutter eines Mannes, der beschuldigt wird, Nancy Michaud getötet zu haben. Francis Proulx ist verwundet. Seit sie von der Anklage gegen ihren Sohn hörte, steht sie weinend auf und geht mit Tränen ins Bett. Zwischen beiden ist schwer zu unterscheiden. Sie versucht zu verstehen.

"Als ich im Radio in den Nachrichten von der Verhaftung eines schlanken Mannes mit einem Kleinwagen erfuhr, wusste ich es innerlich als Mutter. Es ist mein Sohn. Mein Sohn ist so einzigartig. Mein kleiner Francis ist sanft", sagt sie schluchzend. "Ich kann nicht weinen. Ich habe keine Tränen mehr. "Ich bin stolz, eine Zeugin Jehovas zu sein."

Hudon wurde von der Journalistin Catherine Handfield von La Presse ausfindig gemacht, und sie stimmte zu, an diesem Sonntag alles zu erzählen. Sie sagt, als junger Mann habe ihr Sohn auch der Religion angehört. "Ich habe immer die Tür offen gelassen."

Sie führt ständig die Bibel an und macht geltend, dass ihr 29-jähriger Sohn zu einem verlorenen Schaf in einer bösen Welt geworden sei. "Es steht geschrieben, dass Jehova Gott denen nahe ist, die ein gebrochenes Herz haben, und sich derer annimmt, die einen niedergeschlagenen Geist haben."

Sie schaut zum Himmel auf und vertraut auf ihren Gott. "Francis ist nie glücklich gewesen. Er hat Härten durchgemacht, Ungerechtigkeit, Elend."  Ihre Augen, die aufleuchten, wenn sie über ihren Sohn spricht,  stehen im Widerspruch zu der Traurigkeit ohnegleichen, die der Ausdruck ihres Gesichts verrät.

Lise Hudon hatte kein leichtes Leben. Ihr Sohn auch nicht. "Ich war kindliche Mutter, als ich vor 30 Jahren mit Francis schwanger war. Drei Monate später habe ich geheiratet, um einen Beschützer zu haben. Aber sein Vater war gewalttätig. Vielleicht ist es vererbt."

Diesen Winter sah sie ihren Sohn zum letzten Mal. "Ich sagte ihm, dass er immer mein Sonnenschein gewesen war. Ich empfand es mit ganzem Herzen, aber er schien so unglücklich zu sein. Das hat mir ein trauriges Lächeln abgerungen. Ich bat ihn, mir zu vergeben, wenn es etwas gab, was ich nicht für ihn getan hatte. Er sprach nicht, aber hörte zu.

"Die Bibel sagt, selbst der Weise wird wahnsinnig. Es ist ein Schlag von Wahnsinn. Francis tat e, um dem Leiden ein Ende zu machen. Diese Geste von ihm, als wollte er der Welt sagen: Schaut, dies fühle ich im Innern für all das Böse in der Welt. (...) Aber er muss seine Haltung bereuen. Es ist keine Bösartigkeit. Es ist eine Tat aus Schwäche. "

Sie erinnert sich an ein Ereignis, das die Kindheit ihres einzigen Sohnes verdunkelte. "Als er 14 war, ging er zur High School in Riviere-du-Loup. Er sagte mir, andere Schüler demütigten ihn immer wegen seines Glaubens. Francis war durch diese ungerechte Welt tief verwundet. Er hat es immer drinnen bei sich behalten. (...) Als sich zu viel angestaut hatte, kam der Ausbruch."

Keine Drogen

Lise Hudon war sicher, dass ihr Sohn keine Drogen nahm. Aber vor diesem von ihr so genannten "Ereignis" habe er aufgehört, seine Antidepressiva zu nehmen. Das hat ihn auf den Weg gebracht, den er nicht zurückgehen konnte. Mein kleines Schaf. Lieb wie ein kleines Schaf. Ich habe das Beste getan, ihn zu erziehen. All mein Bestes. Ich fühle mich wie eine arme Frau, eine arme Frau, eine arme, unglückliche Mutter",  sagte sie, sagen Sie nur, ich will meinen Sohn sehen.

"Ich würde gern mit ihm sprechen, auch wenn ich weiß, es wird schwierig sein." Hat sie eine Botschaft für die Familie von Nancy Michaud? "Ich kenne Madeleine (ihre Mutter) gut. Ich kenne sie alle so gut. Wir waren gute Nachbarn. Eines Tages werde ich hingehen, um sie zu sehen. Ich würde sie gern in den Arm nehmen. Sagen Sie ihnen, dass es mir für meinen Sohn leid tut. Sagen Sie ihnen, ich liebe sie, ich denke an sie, ich bete für sie. "