Das weltweite Problem von Kindesmissbrauch und Jehovas Zeugen

Ist es wirklich ein Pädophilenparadies? Was ist Wahrheit, was ist Mythos?

Mythos 1: Jehovas Zeugen schützen Kinder innerhalb ihrer Organisation gegen geständige oder überführte Kinderschänder.

 

Wahrheit ist:

 

Einem geständigen oder überführten Pädophilen wird in der Wachtturm-Organisation Anonymität zugestanden. Wenn ein geständiger oder überführter Pädophiler von einer Versammlung in eine andere umzieht, sollen Älteste einen Brief über diese Person an die neue Versammlung schicken. Doch nur die Ältesten in der Versammlung haben Einblick in diese Information. Niemand in der Versammlung wird informiert, dass da ein Pädophiler ist. Selbst die Frauen der Ältesten informiert man nicht. Das kann eine wirkliche Gefahr für Kinder darstellen, sie kommen in Kontakt mit einem geständigen oder überführten Pädophilen.

 

Bei Gelegenheit haben Älteste schon absichtlich ihre Kinder vom Kontakt zu einem "bekannten" Pädophilen abgehalten, während die Kinder anderer argloser "Verkündiger" (Mitglieder der Versammlung) in derselben Versammlung missbraucht wurden, weil sie nicht über die Vorgeschichte des Pädophilen informiert wurden.

 

 

Mythos 2: Jehovas Zeugen unternehmen Vorsichtsmaßnahmen, um Kinder in ihrer Organisation gegen als Kinderschänder Beschuldigte zu schützen.

 

Wahrheit ist:

 

Sexualtätern wird, wenn sie entdeckt werden, völlige Anonymität gegeben. Ein Pädophiler wird als unschuldig angesehen, solange er nur beschuldigt wird, und Älteste und andere Mitglieder der Versammlung dürfen andere wegen der Beschuldigung gegen den Täter nicht warnen. Ein beschuldigter Pädophiler darf ungehindert von einer Versammlung in eine andere umziehen, ohne dass ein Brief folgt. Ein beschuldigter Pädophiler darf als Ältester dienen oder andere Versammlungsvorrechte haben, selbst wenn er von einem weltlichen Gericht verurteilt wurde. Im Grunde läuft der Schutz für einen beschuldigten Pädophilen auf folgendes heraus: Wenn ein Zeuge Jehovas diese Vorgehensweise ablehnt, dann mag von ihm gesagt werden, er "verursache Spaltungen", und dann kann ihn die Organisation abstrafen.

 

 

Mythos 3: Jehovas Zeugen ergreifen Strafmaßnahmen gegen einen Kinderschänder.

 

Wahrheit ist:

 

Die Rechtskomitees der Zeugen Jehovas fordern zwei Augenzeugen für einen Missbrauch, ehe sie zu Strafmaßnahmen greifen, und das macht es für ein Opfer extrem schwierig, innerhalb der Organisation gegen einen Kinderschänder eine Strafe zu erreichen. Wenn jemand als pädophil beschuldigt wird und dieser die Anschuldigung bestreitet, wird er bis zum Erweis des Gegenteils als unschuldig angesehen. Das wirkt sich zum Vorteil des Pädophilen aus, da hier zwei Augenzeugen für dieselbe Tat, nicht für zwei verschiedene Taten, gefordert werden.

 

PR-Vertreter der Wachtturm-Organisation haben gegenüber den Medien erklärt, jetzt werde in den Versammlungen auch dann etwas unternommen, wenn es Augenzeugen für zwei verschiedene Taten gebe. Dies wurde zur Vorschrift, nachdem silentlambs.org in dieser Sache Druck machte. Was ist das Ergebnis dieser neuen Vorschrift? Oft werden zahllose Kinder missbraucht, ehe sich vielleicht ein "zweiter Zeuge" für eine "zweite Tat" meldet. Zahllose Berichte von Missbrauchsüberlebenden in der Organisation zeigen, dass der "unabhängige zweite Augenzeuge" wenn überhaupt, dann selten respektiert wurde, falls er sich meldete. 

 

Die Wachtturm-Organisation sagt, sie werde auch Indizienbeweise für Kindesmissbrauch, wie Bilder, Videos, Schwangerschaft oder DNA-Beweise annehmen. Doch bei Kindesmissbrauch gibt es solche Beweise selten.

 

 

Mythos 4: Jehovas Zeugen unternehmen Schritte, um Kinder in der Öffentlichkeit vor beschuldigten, geständigen und überführten Kinderschändern zu schützen.

 

Wahrheit ist:

 

Jehovas Zeugen heißen es gut - sie billigen es und ermuntern sie geradezu - wenn geständige und überführte Kinderschänder im "Zeugniswerk" an die Türen argloser potentieller Opfer kommen. Die Wachtturm-Organisation fordert von allen ihren Mitgliedern, dass sie am "Zeugniswerk" teilnehmen und in der Öffentlichkeit von Haus zu Haus gehen, um über die Bibel zu sprechen. Die Wachtturm-Organisation hindert einen geständigen oder überführten Kinderschänder nicht daran, beim "Zeugnisgeben" (über die Bibel predigen) von Tür zu Tür Kontakt zu Kindern zu haben.

 

Der Hauptzweck des "Zeugnisgebens" (wenn Zeugen Jehovas in der Öffentlichkeit von Haus zu Haus gehen) ist es, Heimbibelstudien zu beginnen. Wenn ein beschuldigter oder überführter Pädophiler mit einer Familie, die Kinder hat, ein Studium beginnt, gibt es keine Handlungsanweisungen dafür. Es gibt in der Wachtturm-Organisation keine Vorschrift, die einen Kinderschänder, der Zeuge Jehovas ist, daran hindert, außerhalb einer Versammlung der Zeugen Jehovas mit Familien (auch mit solchen mit Kindern) zu studieren. Bei Gelegenheit hat ein Kinderschänder schon ein Studium mit Leuten begonnen, die Interesse zeigten, und dann deren Kinder missbraucht.

 

 

Mythos 6: Jehovas Zeugen schützen und unterstützen die Eltern missbrauchter Kinder.

 

Wahrheit ist:

 

Jehovas Zeugen drohen den Eltern missbrauchter Kinder mit einem Gemeinschaftsentzug, wenn sie versuchen, andere Mitglieder zu warnen, deren Kinder vielleicht in Gefahr schweben. Die Eltern eines Opfers müssen den Anweisungen der Ältesten folgen und ihrem Urteil in der Sache vertrauen. Die "Schande" über die Versammlung wird zu einer "Schande" über Gott gemacht und dient als Grundlage, die Eltern davon abzuhalten, außerhalb der Organisation Beistand zu suchen. Falls ein Elternteil zur Polizei geht, wird ihnen oft geraten, nicht zu sagen, welcher Religion sie angehören, um keine "Schande" über Gottes Namen zu bringen. Das kann für polizeiliche Untersuchungen Probleme verursachen, weil diese nicht die vollständigen Informationen hat, da die Ältesten ja geraten haben, sie zurückzuhalten. Der Versammlung wird gesagt, der Beschuldigte sei aufgrund der Untersuchung (der Ältesten) unschuldig, und die Mitglieder werden eine polizeiliche Untersuchung behindern, um jemanden zu schützen, den die Ältesten als unschuldig ansehen.

 

 

Mythos 7: Die Ältesten der Zeugen Jehovas warnen Familien in ihrem Versammlungen vor überführten, geständigen oder beschuldigten Pädophilen in ihren Versammlungen.

 

Wahrheit ist:

 

Die Dienstabteilung der Zeugen Jehovas bestraft Älteste in ihren Versammlungen, wenn sie Eltern vor Pädophilen in der Versammlung warnen. Älteste, die Eltern vor einem pädophilen Versammlungsmitglied warnen können, auch wenn sie nur versuchen, die Kinder in der Versammlung zu schützen, als Versammlungsälteste abgesetzt werden. Älteste werden angewiesen, bei jeder Rechtsangelegenheit absolute Vertraulichkeit zu wahren.

 

Vergehen gegen biblisches Gesetz werden in den vertraulichen Unterlagen der Versammlung vermerkt. Falls jemandem "die Gemeinschaft entzogen" wird, wird ein vollständiger Bericht an die Zentrale geschickt, wo ein zweiter Bericht über das Vergehen aufbewahrt wird. Wenn jemand ein Verbrechen begeht, wird das in den Unterlagen der Ortsversammlung vermerkt und ein vollständiger Bericht wird auf unabsehbare Zeit in der Rechtsabteilung der Wachtturm-Organisation aufbewahrt. Die vertraulichen Unterlagen der Versammlungen und die Daten in der Rechtsabteilung der Wachtturm-Organisation enthalten Tausende von Verbrechen, die nie bei der Polizei angezeigt wurden und es auch nicht werden, weil das "Kirchenprivileg" als Grundlage benutzt wird, um Verbrecher vor der Justiz zu verstecken. Diese "Unterlagen" erlauben Tausenden von Kinderschändern, einer Strafverfolgung zu entgehen. Ältesten ist es verboten, jemandem, der die Ortsversammlung aufsucht, von einem geständigen Pädophilen zu erzählen.

 

 

 

Mythos 8: Jehovas Zeugen stehen den Opfern Pädophiler bei und helfen ihnen, Behandlung und Schutz unter dem Gesetz zu erhalten.

 

Wahrheit ist:

 

Die Wachtturm-Organisation ist eine abgeschlossene Gesellschaft, die dazu auffordert, dass Kindesmissbrauchsfälle innerhalb der Organisation behandelt werden. Nur auf Anweisung der Wachtturm-Rechtsabteilung werden Älteste den Eltern auch nur den Gedanken nahe legen, einen Kinderschänder bei der Polizei anzuzeigen. Typischerweise werden Älteste angewiesen, sich neutral zu verhalten, wenn es um eine Anzeige wegen Kindesmissbrauchs geht. Auf Versammlungsebene ist das einzige, was im Falle eines geständigen Kinderschänders unternommen werden kann, eine Ansprache "Örtliche Bedürfnisse", wo gesagt wird, dass man auf seine Kinder achten sollte; aber es wird nicht direkt gesagt, dass es einen Pädophilen in der Versammlung gab. Ansonsten könnten die Ältesten noch mit dem Pädophilen zusammenkommen und ihm sagen, man würde sein Verhalten gegenüber Kindern überwachen. Er kann dann keine Kinder bei sich übernachten lassen, sie dürfen nicht auf seinem Schoß sitzen, und er darf auch nicht mit Kindern im Predigtdienst zusammenarbeiten. Die Ältesten haben im Allgemeinen bei den Zusammenkünften und beim Predigtdienst Kontakt mit ihm. Die übrige Zeit steht es dem Pädophilen frei, sich selbst zu überwachen.

 

Die Wachtturm-Organisation ist eine abgeschlossene Gesellschaft, die glaubt, jeder außerhalb der Organisation gehöre zu Satans Welt. Satans Welt wird am Gerichtstag vernichtet, und das meint auch jeden, der kein Zeuge Jehovas wird. Die Grundlage für diesen Glauben ist in Bibelstellen wie 1 Johannes 5:19 zu finden: "Die ganze Welt liegt in der Macht des Bösen." Das bestärkt die Zeugen Jehovas geistig darin, wann immer jemand die Organisation verlässt, wird die Hilfe, die er erhalten mag, letztlich von Satan geleitet, und man sollte sowieso misstrauisch sein, was die Welt bietet.

 

In einem Brief an die Ältestenschaften aus dem Jahre 1992 wird gesagt, Missbrauchsopfer könnten eine Therapie aufsuchen, wenn diese "In Übereinstimmung mit biblischen Grundsätzen" sei. Das bedeutet im Grunde genommen, die Opfer würden einen Therapeuten aufsuchen und erst einmal fordern, jeder gebotene Rat müsse vollständig in Übereinstimmung mit der Art und Weise sein, wie die Zeugen Jehovas die Bibel auffassen.

 

Älteste sind absolut nicht geschult in Führung, Therapie oder Beratung, wenn es um Kindesmissbrauch geht. Die Ältestendienstschule 1994 sprach sich ausdrücklich gegen eine Schulung in Beratung oder Therapie bei seelischen Problemen aus: "Wir sind nur geistige Hirten." Der Rat lautete: zuhören, eine Bibelstelle vorlesen und ein Gebet sprechen. Das sollte genügen. Die Einstellung war: einige Dinge werden erst in der "Neuen Ordnung" gelöst, und Personen mit Problemen sollten lernen, auszuharren. Der Rat, wie verstörte Opfer ausharren sollten, war: in der Bibel lesen, beten, regelmäßig die Zusammenkünfte der Kirche besuchen vermehrt am Predigtdienst teilnehmen.

Hintergrundmaterial

Wachtturm-Politik: Was sich ändern muss. [Hier klicken]

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