Gibt es ein Problem?
Ich habe entdeckt, dass viele nicht glauben, dass die
sexuelle Belästigung von Kindern bei Jehovas Zeugen ein Problem darstellt. Das
mag mit dem grundlegenden Bild der Wachtturm-Organisation und der geringen
Information zusammenhängen, die die Brüder und Schwestern in der Organisation
wie auch die Nichtzeugen außerhalb erhalten. Dadurch wird es schwer, das Wesen
oder Ausmaß des Problems zu verstehen. Ich möchte versuchen, den
Wirkmechanismus zu erklären, warum das Problem ein reales ist und warum es in
der Organisation solch entsetzliche Ausmaße hat. Ich möchte auch, dass viele
verstehen, warum Kinderschänder weiterhin geschützt werden und Kindern
weiterhin Schaden zugefügt wird, wenn nichts geschieht. Die Erklärung, von der
ich glaube, dass die Wachtturm-Gesellschaft damit moralische und ethische
Probleme hat, wenn sie mit Kinderschändern zu tun hat, ist folgende:
•
Geschlossene
Gesellschaft. Die Wachtturm-Organisation ist eine geschlossene
Gesellschaft, die glaubt, jeder außerhalb der Organisation gehöre zu Satans
Welt. Satans Welt wird vernichtet werden, wenn das Ende der Welt kommt, und dies
schließt jeden ein, der kein Zeuge Jehovas wird. Die Grundlage für diese Lehre
ist in Schriftstellen wie 1. Johannes 5:19 zu finden, wo es heißt: „Die ganze
Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist.“ Dies bestätigt das Denken der
Zeugen Jehovas, dass jedes Mal, wenn man sich außerhalb der Organisation
befindet, jede Hilfe, die man erhält, letztlich von Satan gelenkt wird, und man
misstrauisch in Bezug auf das sein sollte, was diese Welt bietet. In einem
„Brief an die Ältestenschaften“ aus dem Jahre 1992 heißt es, Opfer von
sexueller Belästigung könnten eine Therapie aufsuchen, wenn sie „im Einklang
mit biblischen Grundsätzen“ ist. Wie oft kann man einen Therapeuten aufsuchen
und fordern, jede Hilfe müsse in Einklang sein mit der Art und Weise, wie Jehovas
Zeugen der Bibel glauben? Da fällt jeder Therapeut aus, wenn er nicht gerade
ein Zeuge Jehovas ist. Artikel in Wachtturm und Erwachet!
bekräftigen ständig die „Wir-gegen-sie-Mentaliät“. In der Wachtturm-Ausgabe
vom 1. Juni 2001 wird auf Seite 16 gefragt: „Sind Jehovas Zeugen anmaßend, wenn sie feststellen, dass nur
sie Gottes Unterstützung haben? Eigentlich genauso wenig wie die Israeliten in
Ägypten, die ungeachtet des Glaubens der Ägypter behaupteten, Gottes
Unterstützung zu genießen, oder wie die Christen im ersten Jahrhundert, die
behaupteten, nicht die Anhänger der jüdischen Religion hätten Gottes Unterstützung,
sondern sie.“ Und die Pointe? Wenn man
anderswohin geht, hat man nicht Gottes Rückhalt. Daher ist es sehr
verständlich, dass Jehovas Zeugen kaum Hilfe in einer Therapie suchen oder
verstehen, dass man zur Polizei geht, wenn jemand sexuell belästigt wurde.
•
Autorität
der Ältesten. Von den Ältesten heißt es, sie seien Hirten der
Herde. Die Herde, das ist jeder in der Versammlung, der kein Ältester ist. Dieser
Gedanke wird in den Schriften der Wachtturm-Organisation ständig wiederholt. Es
gebe niemanden, der besseren Rat geben könne als die Ältesten, die Hirten. Was
ein Ältester sagt, wird als von höchster Autorität kommend angesehen. Wenn man
gegen den Rat eines Ältesten handelte, könnte das als Abtrünnigkeit angesehen
werden. Ein Beispiel: Ein Ältester gibt den Rat, nicht zu einem bestimmten
Therapeuten zu gehen. Wer meint, dem nicht gehorchen zu müssen, wird unter
Sanktion gestellt. Das bedeutet, er würde als schlechtes Beispiel angesehen.
Ein „schlechtes Beispiel“ kann kein Hilfspionier sein, es kann auch nicht bei
einer Demonstration bei der Zusammenkunft teilnehmen. Das wiederum bedeutet für
die Versammlung, dass man ein Problem darstellt, und einige mögen jeden Umgang
auf die Zusammenkünfte und den Predigtdienst beschränken. Wer an diesem Punkt
gegen die Sanktion rebelliert und mit anderen darüber redet, dies sei
ungerecht, dem würde man den Rat geben, den Mund zu halten – mit Bibelstellen,
dass man der theokratischen Anordnung gehorchen müsse. Und wer
diesem „Rat“ nicht folgt, mit dem kommen die Ältesten dreimal zusammen, um
denselben Rat zu geben. Und wer dann immer noch nicht folgt, ohne eine
angemessene Erwiderung zu geben, der wird „bezeichnet“. „Bezeichnen“ bedeutet,
man wird in Kenntnis gesetzt, dass wegen der Handlungsweise eine warnende
Ansprache vor der Versammlung gehalten wird. Zwar wird dein Name nicht erwähnt,
aber jeder, der von deiner Handlungsweise weiß, kann keinen Umgang mehr mit dir
haben – außer in den Zusammenkünften und im Predigtdienst. Und wenn du dann
immer noch gegen den Rat der Ältesten redest, wird ein Rechtskomitee einberufen
mit der Anklage auf „unmoralischen Lebenswandel“. Wie wird der definiert? Als
„grobe Missachtung der theokratischen Ordnung“. „Spaltungen“ in der Versammlung
zu verursachen, könnte eine weitere Anklage sein. Bei dieser Komiteesitzung
muss man sich entschuldigen und sagen, man werde das nie wieder tun, sonst wird
einem die Gemeinschaft entzogen. Ein Gemeinschaftsentzug lässt sich mit einer
Steinigung in alten Zeiten vergleichen. Faktisch wird man als symbolisch tot
angesehen. Wenn man nicht bereut und dann wieder aufgenommen wird, wird kein
Zeuge Jehovas mit einem sprechen oder etwas mit einem zu tun haben, wenn kein
Notfall vorliegt. Wenn man zu einer Zusammenkunft geht, wird niemand von der
Anwesenheit Notiz nehmen. Man darf nur mit den Ältesten reden, wenn eine Frage
aufkommt. Es wird erwartet, dass man kurz vor dem Beginn der Zusammenkunft
kommt und nach dem Ende sofort wieder geht. Wenn man früh kommt und spät wieder
geht, könnte das dazu führen, dass man nicht wieder aufgenommen wird und der
Gemeinschaftsentzug wegen einer schlechten Einstellung verlängert wird. Ein
Gemeinschaftsentzug zerstört das Zusammenleben in der Familie außerhalb der
Versammlung. Jede Gemeinschaft muss sich auf das Notwendigste beschränken,
sonst wird deine Familie als schlechtes Beispiel betrachtet. Was geschieht mit
einem schlechten Beispiel? Siehe oben. Dieses Beispiel zeigt den klassischen
Wirkmechanismus für jeden, der einem Ältesten und dem Rat, den er anbietet, nicht
gehorcht.
•
Eine von Männern beherrschte Gesellschaft. Frauen müssen sich
unterordnen und der Leitung der Männer in der Organisation folgen. Ihre Rolle
beim Lehren von der Bühne ist beschränkt. Die einzige Ernennung, die eine
Schwester haben kann, ist die zum Pionier. Ein Pionier verbringt eine bestimmte
Anzahl von Stunden im Predigtdienst. Frauen ist generell jede
Verwaltungstätigkeit in der Versammlung verboten, außer es sind keine Männer
dafür da. Wenn man sich zum Predigtdienst trifft und es ist kein Bruder da,
muss eine Schwester aushelfen, zum Zeichen der Unterordnung aber eine
Kopfbedeckung tragen. Schwestern werden von Geburt an gelehrt, sich
unterzuordnen und keine Zweifel zu hegen oder in irgendeiner Weise gegen die
Führung der Brüder in der Versammlung zu rebellieren. Wenn eine Schwester
irgendeine Frage hat, dann muss sie sich damit an ihren Mann wenden. Wenn sie
keinen christlichen Ehemann hat oder alleinstehend ist, darf sie sich
respektvoll an die Ältesten wenden. Wenn eine Schwester diese Vorgehensweise
nicht befolgt oder für respektlos befunden wurde, kann man ihr das Etikett
„Isebel-Einfluss“ anheften, und letztendlich wird man ihr dann die Gemeinschaft
entziehen, weil sie sich nicht der Führung untergeordnet hat, die als
theokratische Anordnung bezeichnet wird.
•
Distanz zum wirklichen Leben. Die Weltzentrale der
Wachtturm-Gesellschaft ist eine geschlossene Umgebung aus Leuten, die
Vorschriften erlassen, und das sind ältere Männer, die im großen und ganzen nie
Kinder hatten. Sie führen ein Anstaltsleben. Üblicherweise kochen sie nicht,
putzen nicht, zahlen keine Steuern, fahren nicht selbst Autos; sie verstehen
das Leben außerhalb ihrer Anstaltsumgebung nicht. Sie verstehen nur schwer die
Probleme, vor denen viele im Alltagsleben stehen. Üblicherweise nehmen sie die
Haltung ein, den status quo aufrecht zu erhalten und weder weitreichende
Änderungen oder kleinere Anpassungen vorzunehmen, außer sie sind dazu
gezwungen, weil es ihrem Vorteil dient. Die Einstellung ist: „Was nicht
kaputt ist, muss nicht repariert werden“, und ‘wenn es kaputt ist, wollen wir
es nicht wissen’. Das Ergebnis ist oft, dass gute Entscheidungen verdreht
werden und in Bereichen angewandt werden, wo sie nicht angebracht sind.
Beispiel: Der Grundsatz der „zwei Zeugen“. Im Grunde genommen ist das ein gutes
Konzept in den Bereichen von Betrug und falscher Anschuldigung, wo jemand den
Mund nicht halten konnte. Er ist auch angebracht in Angelegenheiten zwischen
Erwachsenen, die vielleicht moralische Verfehlungen begehen. Der Grundsatz
verhütet Anschuldigungen, wenn der Kläger keine Beweise bringen kann. Wenn
dieser Grundsatz aber auf Kinder ausgedehnt wird, funktioniert er nicht. Wenn
ein Kind sexuell belästigt wird, gibt es niemals zwei Zeugen. Das falsche
Anwenden dieser Bibelstelle verschafft einem Pädophilen die Möglichkeit, zu
lügen und dies zu seinem Vorteil auszunutzen. Kinder werden dann zum zweiten
Mal zu Opfern gemacht, wenn die Ältesten auf zwei Zeugen für den Vorfall
bestehen. Praktisch wird das Opfer zum Lügner gestempelt, weil nichts
unternommen wird, und das ist dasselbe, als wenn das Kind die Beschuldigung
erfunden hätte. Diese Verdrehung hat bei missbrauchten Kindern, die die leitende
Körperschaft um Hilfe gebeten haben, viel Leid geschaffen. Die leitende
Körperschaft hat sich taub gestellt und der Aufrechterhaltung des status quo
mehr Bedeutung beigemessen, als Unruhe zu schaffen, indem sie Änderungen vornimmt, um die Kinder zu schützen.
Wenn die Wachtturm-Gesellschaft damit konfrontiert wird, sagt sie, es sei
Aufgabe der Eltern, die Kinder zu schützen. Im Lichte des oben Gesagten schiebt
die leitende Körperschaft anderen den Schwarzen Peter für ein Problem zu, das
sie selbst verursacht hat, indem sie nichts unternimmt.
Ich
glaube, dass die geschlossene Gesellschaft, die Autorität der Ältesten, die von
Männern beherrschte Gesellschaft und die Lebensfremdheit alle zusammen die
Grundlage für ein Pädophilenparadies innerhalb der Organisation legen. Meiner
Meinung nach haben wir einen größeren Prozentsatz an Kindesmissbrauch als in
den Großkirchen. Die Grundlage für diese Schlussfolgerung sind die internen
Vorschriften und das von der
Organisation geschaffene Milieu, das Pädophilen erlaubt, anonym zu bleiben und
so weitere mögliche Opfer zu gefährden. Es sind im folgenden die Themen und
internen Vorschriften aufgeführt:
• Kein
Verkündiger darf über einen anderen Verkündiger schlecht reden. Wenn ein
Verkündiger mit jemandem ein Problem hat, wird er angewiesen, die Sache
entweder zu vergessen oder auf den Schuldigen zuzugehen und zu versuchen, die
Sache zu regeln. Wenn es nach zwei oder drei Versuchen keine Lösung gibt, wird
die Sache den Ältesten vorgelegt, die das letzte Wort in der Sache haben. Wenn
der Verkündiger der Vorschrift nicht folgt, kann er wegen Verbreitung
böswilligen Geschwätzes ausgeschlossen werden.
•
Wenn ein Kind sexuell belästigt wird, fordern die genannten Vorschriften, dass
niemand sagt, wer der Pädophile ist. Man darf die Sache mit niemandem
besprechen, selbst nicht mit direkten Familienangehörigen oder anderen
Versammlungsgliedern, deren Kinder gefährdet sind. Niemand in der Versammlung
darf in Kenntnis gesetzt werden, wer das Kind missbraucht hat.
•
Älteste werden angewiesen, in jeder Rechtsangelegenheit absolute
Verschwiegenheit zu wahren. Verstöße gegen biblische Gesetze werden in die
vertraulichen Unterlagen der Versammlung eingetragen. Wenn jemandem die
Gemeinschaft entzogen wird, wird ein vollständiger Bericht an das Zweigbüro
geschickt, wo eine Kopie des Berichtes über den Verstoß aufbewahrt wird. Wenn
jemand ein Verbrechen begeht, werden umfangreiche Berichte darüber in die Akten
der Ortsversammlung aufgenommen, und der vollständige Bericht wird in den Akten
der Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft auf ewige Zeiten aufbewahrt. Die
vertraulichen Akten der Versammlungen und die Akten der Rechtsabteilung der
Wachtturm-Gesellschaft enthalten Berichte über Tausende von Vergehen, die nie
bei der Polizei angezeigt wurden und es auch nicht werden, weil das
„Kirchenprivileg“ als Grundlage benutzt wird, Verbrecher vor der Justiz zu
verstecken.
Diese Akten erlauben Tausenden von Kinderschändern, ungeschoren
davonzukommen. Ältesten ist es untersagt, jemandem von einem Pädophilen zu
erzählen, der die Ortsversammlung besucht. Nur auf Anweisung der
Rechtsabteilung werden Älteste Eltern auch nur den Vorschlag machen, einen
Kinderschänder bei der Polizei anzuzeigen. Das einzige, was auf
Ortsversammlungsebene mit einem geständigen Kinderschänder getan werden kann,
ist eine Ansprache unter dem Punkt „Örtliche Bedürfnisse“, dass man auf die
Kinder achten sollte. Es wird aber nichts darüber gesagt, dass es in der
Versammlung tatsächlich einen Pädophilen gibt. Etwas anderes könnten die
Ältesten auch noch tun: mit dem Pädophilen zusammenzukommen und ihm sagen, man
würde sein Verhalten im Umkreis von Kindern überwachen. Er kann weder Kinder
bei sich übernachten lassen, noch sie auf seinem Schoß sitzen lassen oder
allein mit Kindern im Predigtdienst tätig sein. Die Ältesten haben im
allgemeinen Kontakt in den Zusammenkünften oder im Predigtdienst. In der
übrigen Zeit kann der Pädophile sich selbst überwachen. Eine interessante
Fußnote ist die Hinzufügung einer neuen Vorschrift im Mai 2002, dass ein
geständiger Kinderschänder nicht allein im Haus-zu-Haus-Dienst tätig sein darf. Vor
dem Mai 2002 gab es das weder schriftlich noch als Anordnung. Damals
brachte Dateline von NBC eine Geschichte über Kinderschänder, die von Haus zu
Haus gingen, wobei der Wachtturm-Sprecher die Medien zu dem Irrglauben
verleitete, dies sei schon eine lang bestehende Vorschrift. Auf dieser
Webseite gibt es einen internen Versammlungsbrief auf der Seite „Wachtturm-Informationen“,
wo ein Ältester aus dem Amtentfernt wurde, weil er ein geständiger
Kinderschänder war. Es wurden mehrere Beispiele genannt, wie diese Person in
der Versammlung behandelt wurde, aber kein Wort wurde verloren, ob er allein
von Haus zu Haus ging. Wir möchten die Medien oder langjährige Zeugen
ermuntern, uns schriftliches Material zu zeigen, das beweisen könnte, dass
diese Vorschrift schon vor Mai 2002 in Kraft trat. Wenn nicht, dann sollte
man sich bei Silentlambs dafür bedanken, dass sie die Ursache für das Inkrafttreten
dieser Vorschrift war.
•
Es gibt drei Strafen für einen geständigen Pädophilen in der Versammlung.
•
Man ist für Vorrechte „gestorben“. Eine Anordnung, die im Wachtturm vom
1. Januar 1997 enthalten war. Man kann dann grundsätzlich keine verantwortliche
Stellung in der Versammlung einnehmen.
•
Das Rechtskomitee, das aber nur dann einen Gemeinschaftsentzug aussprechen
darf, wenn der Pädophile als reuelos angesehen wird. Die Schuld ist erwiesen
aufgrund des Geständnisses oder zweier Zeugen.
• Wenn man gemeldet worden
ist und ein Minderjähriger behauptet, sexuell belästigt worden zu sein, könnten
die Ältesten dafür sorgen, dass die Sache bei der Polizei angezeigt wird. Es können
eine, zwei oder alle drei Direktiven, die von den örtlichen Ältesten, der Dienstabteilung
oder der Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft bestimmt werden, angewandt
werden.
•
Wenn jemand beschuldigt wird, pädophil zu sein, und er streitet die
Beschuldigung ab, wird er bis zum Erweis der Schuld als unschuldig angesehen.
Das wirkt sich zum Vorteil des Pädophilen aus, weil zwei Zeugen für einen
Vorfall gemeint sind, nicht für zwei getrennte Vorfälle. In dem ungewöhnlichen
Fall, dass ein Pädophiler von zwei Kindern in derselben Woche beschuldigt wird,
kann das als Grundlage für ein Rechtskomitee angesehen werden, aber alles
andere außer diesem wird es angesichts von Leugnen dem Beschuldigten erlauben,
ein Unschuldiger zu bleiben. (Wachtturm vom 15.11. 1995). J.R.Brown von
der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Wachtturm-Gesellschaft erwähnt,
welche überzeugenden Beweise außer zwei Zeugen es noch gibt. Das ist eine
schlaue Falschdarstellung, die den Eindruck erwecken soll, dass oft
etwas aufgrund einer Zeugenaussage unternommen wird. Was sind überzeugende
Beweise für einen Kindesmissbrauch? Beispiele: Bilder/Videos, Schwangerschaft
oder ein DNA-Test. Wie oft kommt so etwas bei einer Kindesmisshandlung zum
Tragen? Sehr selten, wenn überhaupt je. Wir fordern die Wachtturm-Gesellschaft auf, uns
einen Fall von Kindesmissbrauch zu zeigen, in dem die Versammlung etwas bei nur
einem Zeugen und „überzeugenden Beweisen“ unternahm.
•
Das Opfer muss unter sehr negativen Umständen vorkommen und den Missbrauch
berichten. Das Opfer wird in den hinteren Raum des Königreichssaales geladen,
und dort muss es zusammen mit drei oder vier Ältesten sitzen, die Fragen über
jede Einzelheit des Geschehnisses vom Stapel lassen. Wo wurdest du berührt? Wie
oft? An welchen Tagen wurdest du belästigt? In welchem Zimmer des Hauses
passierte das? Warum hast du das nicht schon früher erzählt? Warst du bei dem
Missbrauch selber aktiv? Hast du Spaß an der Erfahrung gehabt? Warum hast du
nicht geschrieen oder dem Täter gesagt, er solle aufhören? Es hat schon Fälle
gegeben, da hat der Pädophile die Anschuldigung bestritten und dann stand das
Opfer vor einem Rechtskomitee, weil es seine Teilnahme an einer sexuellen
Erfahrung gestanden hat. Sogar noch im Dezember 2002 wurde Opfern die Gemeinschaft
entzogen, weil sie sich meldeten und mehrfache sexuelle Handlungen gestanden, und
der Schänder wird als Unschuldiger geschützt, wenn er die Anschuldigung
bestreitet. Die Ältesten haben keinerlei Schulung, wie man eine
Vergewaltigung untersucht, und durch ihre irregeleiteten Bemühungen
beeinträchtigen sie eine juristische Untersuchung durch die Polizei, wenn es
überhaupt bis dahin kommt, indem sie das Kind traumatisieren und den Schänder
über die Aussage des Kindes informieren.
•
Von den Eltern wird gefordert, sich an die Anweisungen der Ältesten zu halten
und ihrem Urteil in der Sache zu vertrauen. Die „Schande“ über die Versammlung
wird zu einer „Schande“ über Gott umgedreht und liefert die Grundlage, die
Eltern davon abzuhalten, draußen Hilfe zu suchen. Falls ein Elternteil zur
Polizei geht, wir er oft angewiesen, nicht seine Religion zu offenbaren, damit
er keine „Schande“ über Gottes Namen bringt. Das kann zu Schwierigkeiten bei
der polizeilichen Untersuchung führen, weil die Polizei nicht die vollständigen
Informationen erhält, von denen die Ältesten wollen, dass sie zurückgehalten
werden. Die
Versammlung wird angewiesen, der mutmaßliche Schänder sei aufgrund ihrer
Untersuchung unschuldig, und die Gemeindeglieder werden eine polizeiliche
Untersuchung behindern, um jemanden zu schützen, den die Ältesten als
unschuldig ansehen.
•
Einem geständigen oder überführten Pädophilen wird in der
Wachtturm-Organisation Anonymität zugestanden. Wenn er umzieht, folgt ein Brief
an die neue Versammlung. Nur die Ältesten sind in diese Information eingeweiht.
Niemand in der Versammlung wird in Kenntnis gesetzt, dass es da jetzt einen
Pädophilen gibt. Selbst den Frauen der Ältesten gibt man diese Information
nicht. Das kann für Kinder eine echte Gefahr darstellen. Beispiel: Es hat
Vorfälle gegeben, da haben Älteste ihre Kinder vorsätzlich davon abgehalten,
sich bei einem „bekannten“ Pädophilen aufzuhalten, während die Kinder anderer
ahnungsloser Verkündiger in der Versammlung belästigt wurden, weil sie nicht
über die Vergangenheit des Pädophilen aufgeklärt worden waren. Bei Gelegenheit haben
Kinderschänder schon mit Personen, die ein Interesse an ihrer Religion
bekundeten, ein Bibelstudium begonnen und dann deren Kinder missbraucht. Gegenwärtig
gibt es keine Vorschrift, die verhindert, dass ein Zeuge Jehovas, der ein
Kinderschänder ist, mit Personen die Bibel studiert, die sie im
Haus-zu-Haus-Dienst antreffen und die vielleicht Kinder haben.
•
Jemand, der als pädophil beschuldigt wird, kann überallhin umziehen, ohne dass
ihm ein Brief folgt. Er wird als unschuldig angesehen, und niemand darf andere
wegen der Anschuldigungen gegen ihn warnen. Wenn sie es trotzdem tun, dann
siehe oben …
•
Ein geständiger oder überführter Pädophiler darf allein und mit Schwestern in
den Dienst von Haus zu Haus gehen. Er wird ermahnt, keine Kinder im Auto zu
haben. Das betrifft aber nicht diejenigen Kinder, die er vielleicht an der Tür,
im Hof oder anderswo antrifft, wohin ihn sein Dienst führt. Jemand anderer wird
nie wissen, ob der Zeuge Jehovas, der an der Tür steht, pädophil ist oder
nicht. Der Hauptzweck des Zeugniswerkes ist es, Heimbibelstudien zu beginnen. Wenn
ein Pädophiler mit einer Familie, die Kinder hat, ein Studium beginnt, gibt es
keine Vorschrift, wie so etwas zu handhaben ist. Darüber hinaus ist es auch
üblich, dass die Teilnehmer am Zeugniswerk vormittags eine Kaffeepause
einlegen. Da sind fast immer Kinder dabei, die nicht wissen, mit wem sie
frühstücken. Wieder gibt es keine Anweisungen.
•
Bei Kreis- und Bezirkskongressen dürfen sich überführte, geständige und
angeklagte Pädophile frei unter buchstäblich Hunderte von Kindern mischen, ohne
dass sie überwacht werden. Für Kongresse gibt es keine Richtlinien. Zusätzlich
sind die meisten Motels voller ahnungsloser Zeugen-Jehovas-Familien, die nicht
darüber informiert sind, dass in den Motels, in denen sie leben, Pädophile
sind, und es für diese Umgebung keine Richtlinien zur Überwachung gibt. Dies sind die Bereiche,
für die es gegenwärtig keine Vorschriften gibt
•
Schnellbauprogramme, bei denen Zeugen aus dem ganzen Bundesstaat zugegen sein
können, um innerhalb von vier Tagen einen Königreichssaal zu errichten. Ein
angeklagter Pädophiler kann sich an einem solchen Programm beteiligen. Er wird
dort auf viele Kinder aus dem ganzen Bundesstaat treffen, die wiederum nicht
wissen, dass ein angeklagter Sextäter zugegen ist. Es gibt dafür keine
Richtlinien. Überführte/geständige Pädophile dürfen allerdings bei diesem
Schnellbauprogramm nicht mitmachen.
•
Älteste haben, wenn es um die Behandlung von Fällen von Kindesmissbrauch geht,
absolut keine Schulung oder Übung, keine Therapie oder soziale Beratung. Die
Ältestendienstschule von 1994 sprach sich ausdrücklich gegen Schulung oder
sozialen Rat oder Therapien bei Gesundheitsfragen aus. Es hieß: „Wir sind nur
geistige Hirten.“ Es wurde zum Zuhören, zum Vorlesen einer Bibelstelle und zum
Aufsagen eines Gebetes ermahnt, und das sollte reichen. Die Haltung dahinter
war: Einige Dinge werden erst in der „neuen Ordnung“ gelöst, und Personen in
Schwierigkeiten sollten lernen auszuharren. Verstörte Opfer sollten so mit der
Sache fertig werden: die Bibel lesen, beten, regelmäßig bei den Treffen der
Kirche sein und mehr am Predigtdienst teilnehmen.
•
Wenn Opfer nicht behandelt werden und ihre Wut dann in selbstzerstörerischem
Tun ausagieren, sind die Ältesten allerdings schnell dabei, ein Rechtskomitee
einzuberufen, um eine Person auszuschließen, die die Versammlung durch falsches
Verhalten ansteckt. Dann wird das Opfer noch einmal zum Opfer gemacht und von
den Angehörigen und allen Freunden, die sie in der geschlossenen Gesellschaft
der Zeugen Jehovas haben, geächtet.
Alle
diese Dinge tragen dazu bei, dass ich überzeugt bin, dass es ein Paradies für
Pädophile in der Wachtturm-Organisation gibt. Wir bekehren verstörte Menschen
und nehmen sie fraglos als Mitglieder auf. Ein Pädophiler, der ein Zeuge wird,
kann sich frei bewegen, wobei seine Vergangenheit ohne Kenntnis durch andere
vergraben bleibt. Wenn der Pädophile dann beginnt, Kinder von Zeugen Jehovas,
die man lehrt, sich völlig der Autorität der Erwachsenen unterzuordnen, zu
belästigen, werden die Kinder leicht eingeschüchtert und sagen jahrelang
nichts. Wenn sie dann einmal vorkommen, bestreitet der Pädophile die
Anschuldigung einfach und bleibt vom Standpunkt der Versammlung aus
„unschuldig“. Sollten die Dinge für den Pädophilen ungemütlich werden, kann er
einfach umziehen und mit einem frischen Trupp Kinder von Neuem beginnen. Ein
Zeuge vertraut dem anderen völlig, das nennt sich „geistiges Paradies“ inmitten
einer bösen Welt. Ihre Kinder dürfen nur mit anderen Zeugenkindern Umgang
haben. Bei einer Zusammenkunft sind nur Zeugen Jehovas zugegen. Jede
außerplanmäßige Tätigkeit wird nur Zeugen Jehovas miteinander zusammenbringen.
Ein typischer Pädophiler hat also ständig ein breites Spektrum von Gelegenheiten,
das Vertrauen der anderen ahnungslosen Mitzeugen auszunutzen. Durch die gerade
genannten Dinge werden folgende Fragen aufgeworfen :
Handeln
andere Kirchen in dieser Weise?
Haben
andere Kirchenmitglieder dieselbe von Hirten dominierte Einstellung wie Jehovas
Zeugen?
Gestehen
andere Kirchen entlarvten Sexualtätern dieselbe Anonymität zu?
Erlassen
andere Kirchen die Anweisung, dass ihre Geistlichen bei Kindesmissbrauch das
letzte Wort haben sollen?
Führen
andere Kirchen ihre Mitglieder zu dem Glauben, ihre Art der Untersuchung der
Sache sei die beste Art und Weise, um festzustellen, ob jemand ein Verbrechen
begangen hat?
Erlassen
andere Kirchen die Anweisung, die beste Art und Weise, einem verstörten
Menschen zu helfen, sei, ihm zu sagen, er solle ausharren und warten, bis das
Königreich Gottes die Probleme löse?
Schließen
andere Kirchen wegen sexuellen Missbrauchs verstörte Menschen, die
selbstzerstörerische Handlungen begehen, aus der Gemeinschaft aus und lassen
sie von den Menschen, die am besten in der Lage wären, ihnen zu helfen, ächten?
Fordern
andere Kirchen bei sexueller Belästigung zwei Zeugen, ehe sie etwas
unternehmen?
Drohen
andere Kirchen den Eltern missbrauchter Kinder mit einem Gemeinschaftsentzug,
falls diese andere Mitglieder, deren Kinder in Gefahr sein könnten, warnen?
Entfernen
andere Kirchen ihre Geistlichen aus ihren Ämtern, wenn diese andere Eltern vor
der Gefahr warnen, die von einem Pädophilen ausgehen mag?
Schließen
andere Kirchen Mitglieder aus, die die Stimme erheben, um Kinder vor Schändern
zu schützen?
Bieten
auch andere Kirchen keinerlei Schulung darüber, wie man einem misshandelten
Kind beistehen kann, sich Hilfe zu holen?
Wenn sich bei der Beantwortung
dieser Fragen kein Unterschied ergibt, wie Jehovas Zeugen und andere Kirchen
diese Angelegenheiten behandeln, dann gibt es bei uns denselben Prozentsatz an
Kindesmissbrauch wie bei anderen Kirchen. Wenn andererseits ein Unterschied
besteht, dann muss man einen höheren Prozentsatz an Kindesmissbrauch bei
Jehovas Zeugen als bei den christlichen Großkirchen annehmen. Es ist moralisch
und ethisch falsch, eine Politik zu betreiben, die Kindern Schaden zufügt. Ich
hoffe, dass das obige Material dem Leser helfen kann, besser informiert,
aufgeklärter in Bezug auf das Wesen des Problems zu sein und die Notwendigkeit
zu sehen, von der Wachtturm-Gesellschaft zu verlangen, das Thema zu überdenken,
ihre Politik zu ändern und zu erkennen, dass der Schutz der Kinder in einer
Organisation, die die Menschen zur Anbetung Gottes führen möchte, obersten Rang
haben muss.